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Full text of "Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins"

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LI, 



1 



JUN 05 1981 



Zeitschrift 



iciiLe des Oberrheins 



u huionäoncn Kommission. 



IT n. 



Inhalt. 






Hermann Bloch 



Karl 



Dei Sturz de« äiiiiazirr Oberlio6narsci&MlIa Joliuui 
arg im J^l Karl Wm 

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MiiccHcn: 

Kodinml» üiis nbcrrUriniM-lie Fonnitlbucli. 
über den Ursprung dtr^ KonsUnief 
14« [ ' ' • T. von Konrad Bf 
Zur Li' nl* dem riricb Z 

minghoii 
ZeiUvhrifien»ckau 

Lilterotaraalitan 

ßTaUTiiigel, / 
Forrvr. Kuu&t Ul 
Kt. Zabcrn. 7IJ, 

— H&we, Voliuücd. 703, 
OJciihcim. 711. — Hti 
Jakaho wsky, Bf-t irw. s 
Ocuvrw de < 
70,v — Lorr 

— Ptialcr, Aua <1, f^ag- 

Fu ! cg. Nr. 14* 7^* — R^y-Rgmy 

70s. - Köder, T' ■ 

RufacL 
Mittciluiif^en der 



n OnwAlil Redlich 
' klott HIB «Ion 

Albert Wer- 



^üv, Wi) 



• ndrlcn. 70«« — Pr»l 
/la. — Rattüir ' 



n,r;n. i, 



Zeitschrift 

iur die 



Geschichte des Oberrheins. 



Neiir Folj'e. Band XIII. 




Zeitschrift 



für die 



Geschichte des Oberrheins 

herausgegeben 

von der , 

Badischen Historischen Kommission. 



Neue Folge. Band XIH. 

[Der gansen Reihe 53. Band.] 



Karlsruhe. 

J. Bielefeld's Verlag. 

1898. 



Inhalt 



Seite 
Bericht über die sechszehnte Plenarsitzung der Badischen Historischen 

Kommission vom 25./26. Oktober 1897, erstattet von dem 

Sekretär der Kommission. Mit einer Beilage i 

Eine neuentdeckte Chronik des Bistums Konstanz, von Wilhelm 

Martcns 23 

Zur Kritik des Diploms Heinrichs H. über die Schenkung der Abtei 

Schwarzach an das Bistum Strassburg, von Harry Bresslau 54 

Zur Rechtsgeschichte des Einlagers in Süd Westdeutschland, von 

Albert Werminghoff 67 

Die Lostrennung des Klosters Ochsenhausen von St. Blasien, von 

Eugen Schneider 79 

Jakob Wimpfeling und die Erhaltung der katholischen Kirche in 

Schlettstadt (Schluss) von Paul Kalkoff 84, 264 

Eine Gedächtnisrede auf den Markgrafen Georg Friedrich von Baden- 

Durlach, mitgeteilt von Karl Obser 124 

Die Anrede des Bischofs Franz Egon von Strassburg an Ludwig XIV., 

E. von Borries 140 

BerthoKl von Falken>tcin, Abt von St. Gallen, als Bewerber um die 
Bistümer Basel, Chur und Konstanz und die Neubesetzung der- 
>clben. von P. Aldinger 149 

König Wenzel, Kurfürst Ruprecht L und der StÄndekampf iu Süd- 
west deutschland. Von 1387 — 1389. Ein Beitrag xur Reichs- 
geschichte des 14. Jahrhunderts, von Dominik Hinneschiedt 197 

Johannes Meyer, ein oberdeutscher Chronist des 1 5. Jahrhunderts, von 

Peter Albert 255 

Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1896, zusammengestellt von 

Ernst Marckwald 302 

Die Wormser Fischmarktsordnung vom Jahre 1106 oder 1107, von 

Karl Koehne 381 

Der heilige Forst und seine ältesten Besitzer. IL Gründung der 

Burg und Stadt Hagenau, von Heinrich Witte 389 

Zu dem neuaufgefundenen Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes 

vom Jahre 1241, von Aloys Schulte 4^5 

Montesquieu in Heidelberg und Mannheim im August 1729» mit- 
geteilt von D. Hinneschiedt 44' 

Die Strassburger Universität in der Zeit der französischen Revolution, 

von Konrad Varrentrapp 448 



VI 

Seite 
Badische Geschichlslitteratur des Jahres 1897, zusammengestellt von 

Alfred Winkelmann . 482 

Zu den Urkundenfälschungen Grandidiers, von Hermann Bloch 543 

Johann Reuchlins Berichte über die Krönung Maximilians I. im 

Jahre i486, von Eugen Schneider 547 

Französische Bemühungen um Strassburg im April 1 519, von Karl 

Jakob 560 

Der Sturz des Mainzer Oberhofmarschalls Johann Christian von 

Boyneburg im Jahre 1664, von Karl Wild 584 

Reinhold Blum, von Gustav Toepke 606 

Pfeffel und Rieder. Ein Beitrag zu Pfeffels Lebensgeschichte in 

den Jahren 1798— 1 800, von Theodor Schoell ..... 623 

Übersicht über das gedruckte und handschriftliche Material für die 

Herausgabe der badischei und elsässischen Stadtrechte. II., von 

Karl Koehne 664 

Miscellen: 

Das »Velletürlin< als Grenzbezeichnung der Gengenbacher Kloster- 
grafschaft, von H. Simmler 165 

Zur Geschichte der Cluniacenser in Baden, von Josef Sauer 167 

Urkundliches über Philipp Melanchthons Eltern, von Heinrich 

Heidenheimer 168 

Zur Reform der Heidelberger Universitätsstatuten unter Karl 

Ludwig, von Karl Obser 357 

Zur Begrüssung Ludwigs XIV. durch Bischof Franz Egon von 

Fürstenberg, von E. von Borries 359 

Die Hinrichtung K. L. Sands, von William Fischer ... 506 

Nochmals das oberrheinische Formelbuch, von Oswald Redlich 689 

Über den Ursprung des Konstanzer Freskencyklus aus dem 

14. Jahrhundert, von Konrad Beyerle 694 

Zur Lebensgeschichte des Ulrich Zasius, von Albert Wer- 

minghoff 695 

Zeitschriftenschau 170, 363, 511, 700 

Alemannia XXV, 364; XXVI, 700. — Annales de TEst, XI, 171; 
XII, 365, 512, 700. — Bulletin du Musce historiquc de Mulhouse XXI, 
513. — Jahrbuch für Geschichte, Sprachen u. Litteratur Elsass-Lothringens 
XXII, 172. — Mitteilungen der Gesellschaft für Erhaltung der geschichtl. 
Denkmäler im Elsass XVIII, 172. — Neue Heidelberger Jahrbücher VII, 
363; VIII, 511. — Revue catholique d'Alsace XVI, 171; XVII, 365, 
513, 700. — Revue d'Alsace XI, 172; XII, 366, 513, 701. — Schau- 
insland XXIV, 170. — Schriften des Vereins f. Geschichte des Boden- 
sees und seiner Umgebung XXVI, 364. — Zeitschrift der Gesellschaft 
fl»r Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Frei- 
burg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften XIII, 170. 

Litteraturnotizen: 

Abbildungen oberrhein. Siegel. 175. t- Albert, Radolfzell. 372. — 
Aldinger, Streit um Bistum Würzburg. 177. — Altmann, Urk. K. Sigis- 



VII 

munds. 520. — Bally, Bad. Münzen u. Medaillen. 176. — Bauer, Series 
pastor. Larensium. 371. — Baumgarten-Jolly, Staatsmin. Jolly. 527. — 
Baur, Ph. Ch. von Sötcrn. 523. — Bettelheim, Biogr. Jahrbuch. 380 — 
Bölling, Aarsberetninger. 537. — Braunagel, Zwei Dörfer d. bad. Rhein- 
ebene. 711. — Breviar. Rhenaugiense. 187. — Buchi, Freiburgs Bruch 
mit Österreich. 367. — Cartellieri, Donaueschinger Briefsteller. 515. — 
Cholodniall, Aurea gemma. 538. — Clauss, ElsAss. bist, topogr. Wörter- 
buch. 194. — Coppinger, Supplement to Hains Repert. 537. — Correll, 
Portale u. Thüren. 539. — Dähnhardt, Griech. Dramen. 538. — Dietcrich, 
Reichenauer Geschichtsquellen. 177. — Ehses, Lorichius. 186. — Eimer, 
Polit. Verhältnisse in Strassburg. 368. — Ernst, Biberacher Spital. 533. 

— Eubel, Abtslisten. 188. — Festgabe des Apothekerrereins. 187. — 
Forrer, Kunst d. Zeugdnicks. 711. — Frey, SchefTelbriefe. 192. — 
Fuchs, Ortsnamen d. Kr. Zabern. 713. — Funck, Cagliostro. 712. — 
Funck, Lavater u. Cagliostro. 191. — Gerock, Naturwissenschaft in 
Strassburg. 186. — Günther, Württbg. Münzwesen. 175. — Haakc, Briefe 
Elis. Charlottes. 703. — Hagelstange, Südd. Bauemieben 375. — Hanauer, 
Cartulaire de Haguenau. 701. — Hän^t Volkslied. 703. — HaufTen, Bibl. 
Fischarts. 515. — Haupt, Reformationsgesch. v. Worms. 530. — Haus- 
rath, Waldungen i. Stift Odenheim. 711. — Hausrath, Forstgesch. des 
Bist. Speyer. 532. — Hegel, Radolfzell. Urkunde. 539. — Hegel, Ent- 
stehung d. deutsch. Städte wesens. 529. — Heitz, Neujahrswünsche. 710. 

— Hirsch, Morinck. 193. — Holländer, M. l<lacius Ulyricus. 185. — 
Hubert, M. Butzers Gesangbuch. 538. — Hunzicker, Züricher Unruhen. 

181. — Hürbin, P. v. Andtau. 370 — Jacob, Erwerbung d. Els.iss 
durch Frankreich. 178. — Jakubowsky, Beziehungen Strassburgs. 704. — 
Ingold, Les manuscrits des anciennes maisons d'Alsace. 514. — Ingold, 
Oeuvres de Grandidier. I. H. 188. 705. — Jouve, Dictionnaires dipar- 
tementaux. 174. — Issel, Reform, in Konstanz. 371. — Kayser, Frommel. 

182. — Kern, KüUheimer Fehde. 703. — Kemcr, Just. Briefwechsel. 
191. — Kienitz-Baldamus . Hist. Schulwandkartc v. Baden. 378. — 

Koehne, Wormser Stadtrechtsreform. 539. — Kraus, Gesch. der christl. 
Kunst II, 1. 377. — Krieger, Karlsr. Chronik. 194 — Kunzer, Katalog 
der Leop. Sophienbibliothek. 515. — Lempfried, K. Heinrich H. 378. 

— Lorentzen, Hochzeit des Kurprinzen Karl v. d. Pfalz. 703. — Manns, 
Hohenzollcrn. 177. — Martin, Strassburg. 186. — Mayer, Hl. Konrad. 
187. — Mayer, Balth. Neumann. 193. — Mehring, Oberstenfeld. 533. 

- Muller, Ch. Schulmeister. 309. — v. Neucnstein, Gr. v. Eberstein. 
514. — Norvins, Mcmoiial. 182. — v. Oechelhäuser, KunstdvnkmiUer 
Badens. 538. — Ohl, Münster. 534. — Pellechct, Cataloguc des incu- 
nables. 537. — Pfatf, Heidelberg. 372. — Phster. Aus d. Lager der 
Verbündeten. 708. - Poschingcr, F. Bismarck u. d. Bundesrat. 739. 
Pralle-Gcssner. Gesch. d. 4. bad. Infanteriereg. 710. — Proctor. Index 
tu thc Serapeum. 530. — Proctor, Index to the early printcd books. 530. 
Rauthe. Ge>ch. d. bad. Fussartillcriereg. Nr. 14. 709. — Reichert, Akten 
d. DominikaTicrpiovmz Teulonia. 530. — Renard, Schlösser zu Würz- 
burg u. Bruchsal. 541. — Reuss, De scripionbu* rer. Alsalicanim. 300. — 
Reus^, L'Alsace au XVII siede. 524. — Rey-Rcmy. Baron Bourgeat. 



VIII 



3o8. — Rietschel, SUdt u. Markt. 529. — Ringholz, OberboUinger.. 187. 
— Roder, Urs. Haider. 702. — Schäfer, Pforzheimer Grabdenkmäler. 
539. — Scheel, Alb. ölinger. 185. — Scherer, Überling. Spital. 535. — 
V. Schlumberger, Gebweiler Chronik. 713. — Schmidt, Les seigneurs, les 
paysans et la propri^t6 nirale en Alsace. 531. — Schnarrenberger, 
Besiedelung d. Kraichgaus. 714. — Schulte, Hartmann v. Aue. 190. — 
Schultze, Frank. Gaue. 183. — Semper, AI. Colin. 192. — Smend, 
Strassburger deutsche Messe. 538. — Stolberg, T. Stimmers Malereien. 
541. — Stork, Beiertheiro. 712. — Thommen, Konstanzer bischöfl. 
Steuer. 702. — Tumbült, Bräunungen. 185. — Türler, Conrad Türst. 
703. — Unzer, Sendung d. Gr. Görtz. 180. — Vendel, Waltarius. 377. 
Waag, Heidelberg. Chronik. 194. — Wackernagel, Basler Revolution, 
526. — Walter, Rufach. 713. — Walter, Siegelsammlung d. Mannheimer 
Altertums Vereins. 174. — Walter, KurpfUlz. Hoftheater. 541. — Waltz- 
Waldner, Kolmarer Kaufhaus. 372. — v. Weech, Karlsruhe. 533. — 
Welti, Geleitsrechnungen. 177. — Winkelmann, Polit. Corresp. d. Stadt 
Strassburg, HI. 521. — Winkler, Archäolog. Karte des Elsass. 195. — 
Witte, Z. Gesch. des Deutschtums im Elsass. 374. — Zetter-Colin, Gr. 
Sickinger. 540. 



Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission Nr. 20: 

Seite 
Wahlkapitulationen der Bischöfe von Konstanz (1294 — 1496)» von 

Karl Brunner in Karlsruhe mi 

Verträge zwischen dem Bischof und dem Domkapitel von Konstanz. 

von demselben ... - m43 

Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz in den Handschriften- 
bestanden der französischen Provinzbibliotheken, nach dem 
Catalogue g^n^ral gesammelt von demselben m49 

Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz in den Handschriften- 
beständen der Pariser Bibliotheken, gesammelt von demselben m67 

Bericht über die Thätigkeit der Pfleger der Bad. Hist Kommission 

im Jahre 1896/97 m8i 

Verzeichnisse von Archivalien aus' Orten der Amtsbezirke 

St. Blasien (Birkenmayer) m88 

Bruchsal (Ehrensberger) mi03 

Tauberbischofsheim — Frh. von Zobelsches Archiv zu Messel- 
hausen (Ehrensberger) mi2i 

Eberbach (Weiss). mi5i 

Engen (Dreher) . ^155 

Messkirch (Schappacher) . . . .^ mi56 

Mosbach (Weiss) mis8 

PfuUendorf (Martin) mi59 



IX 



Mitarbeiter dieses Bandes der Zeitschrift. 



Albert, Dr. Peter, Stadtarthivar. 

Aldixcjkr, P., Repetent. 

Beykrlk, Dr. Konnicl, Referendar. 

Bloch, Dr. Hennann, Privatdozent. 

V. BüRRiRS, Dr. E., Oberlehrer. 

Bressijvu, Dr. Harry, Uni versitiltsprof esst )r. 

Brunner, Dr. Karl. 

Cartelijeri, Dr. Alex., Archivassessor. 

Darmstädter, Dr. 

Du MouLiN Eckart, Dr. Graf Richard, 

Universitätsprofessor. 
EuRisMANN, Dr. (Justav, Privatdozent. 
FiCKER, Dr. J., Universitatsprofessor. 
Fischer, Dr. William, Professor. 
Heh)ENHEImer, Dr. Heinr. Bibliothekar. 
HiNNESCHiEDT, Dr. Dominik. 
Horst, Dr. K., ()l)eHehrer. 
Jakoh, Dr. Kari. 
Kalkofk, Dr. Paul. Oberiehrcr. 
KoEHXE, Dr. Karl, Privatdozent. 
KrH'Xucr, Dr. Albert, Archivrat. 
LuDWic., Dr. Theod., Privatdozent. 
Marckwali), Dr. Ernst, Univer.-Bibli(>thekar. 
Martens, Dr. Wilhelm, Professr»r. 
Mever, Dr. El. Hiij^o, Universitätsprofessor. 
OiJSER. Dr. Kari, Arehivrat. 
OvERMANN, Dr. Alfr., Hilfsari), am Bez.- An h. 
Redlich, Dr. Oswald, Universitätsprofessor. 
Roder, Dr. Christian. Profcssi^r. 
Sauer, Josef. 

ScHAEEER, Dr. Karl, Assist, am Oevverbemus. 
Schneider, Dr. Paigen, Archivassessor. 
SciK )ELL, Theoph., Pn ifess« »r. 
ScHORBA< H, Dr. Kari. 
Schulte, Dr. Aloys. Universitätsprofcssi-^r 
Simmler, Hauptmann a. D. 
SiMoNSEELD, Dr. H., Universitätsi>rnfossor. 
ToEPKE, Dr. (aistav, H<»frat. 
Tumhült, Dr. Georp;, Anhivsekretär. 
Varrentraim', Dr. Konrad, Universitätspmf. 
Waldner. Eujj:en. Sta<llarrhivar. 
v. Wee( H, Dr. Friedr., Geh. Rat u. Anhivilir. 
Wermin<;hoee, Dr. Alb., iMitari).d. Mon.Genn. 



Freiburg. 

Sehr.nthal (Württbg.) 

Konstanz. 

Strassburg. 

StriLssburg. 

Strassburg. 

Karlsmhe. 

Karlsruhe. 

Stnissburg. 

Heidell KTg. 

Heidelberg. 

Strassburg. 

Plauen. 

Mainz. 

Hann<ner. 

Stnissburg. 

Strassburg. 

Breslau. 

Berlin. 

Karisnihe. 

Strassburg. 

Strassburg. 

Konstanz. 

Freiburg. 

Karisruhe. 

Strassburg. 

Wien. 

t'berlingen. 

St. Peter. 

Bremen. 

Stuttgart. 

Rennes ( Krank reirh). 

Strassburg. 

Iheslau. 

HepiHMiheinL 

München. 

Heidelberg. 

D>»nau(*sehing(*n. 

Strassbup.;. 

K<>lmar. 

Karisruhe. 

Beriin. 



Wieg AND, Dr. Wiih.. Archivdir. u. Univ.-Pr»jf. Sira^sburg. 
WiNVKLLMANN. Dr. <.»lt«j. Sladtardiivar St^^^sbu^g. 

WiNKtLMAXN. Dr. Alfred. Pn>fe»s*jr. KarUmhe. 

WiLii. Dr. Karl, Pr'.»fts;»or. Karisrulic. 

Witte. Dr. Ilcinr.. Pp»fi»Mr. Hajjenau. 



Redaktion. 

Anliivral Dr. Husfr. An.hivdirtkt«T Pn»f. Dr. \Vik<;ani». 



Redaktionsausschuss. 

Gell. H^fnit Prof. Dr. Kki)MAXN'si>«irffkr. 

Anhivrat Dr. ( )bskr. Pr«»!V>N4ir Dr. S« häffr. 

Ilofrat Pmf. Dr. vi»n Simson. An hivdinklfr Pn.f. Dr. WiKr.AXD. 

Anliivdirrkt'ir ('jvU. K;it Dr. vhn WhFrH. 



Zu den Urkundenfälschungen Grandidiers. 



Von 

Hermann Bloch* 



Bei dem Nachweis, dass die beiden ausschliesslich durch 
Grandidier überlieferten Diplome Karls d. Gr, für das Bistum 
Strassburg Mühlbacher Reg. (50 und 1^5 moderne Fäl* 
schungen seien, sprach ich im XII. Bande dieser Zeitschrift 
S, 482 N, 2 die Hoffnung aus, dass mein Beweis nach 
dem Erscheinen der Karolingerurkunden in den Mon. Germ» 
noch ergänzt und verstärkt werden würde; ich hoffte nämlich, 
dass die von Grandidier aus Bouquets Recueil entnommenen 
Bruchstücke seiner Machwerke durch Druck- oder Lese- 
fehler, die Bouquet begangen und die Grandidier ahnungs- 
los Übernommen hätte, völlig in gleicher Weise ihren 
modernen Ursprung verraten würden wie die Fragmente 
der Urkunden Grandidiers für die Klöster Schuttern und 
Ebersheira durch die Fehler, die sich aus den Drucken 
Schoepflins, Coccius\ Ludewigs in sie eingeschlichen haben. 
Zu meiner Freude bin ich schon jetzt durch die Güte des 
Herausgebers der Karolingerdiplome, Herrn Prof. Müh!- 
hacher. in der Lage meine Vermutung bestätigt zu sehen ; 
er hat durch seinen Mitarbeiter, Herrn Dr Lechner. an 
den fraglichen Stellen den Text Bouquets mit der jeweilig 
besten Überlieferung vergleichen lassen und mir die wicli» 
tigen Ergebnisse mitgeteilt. Ich sage beiden Herren meinen 
Aufrichtigsten Dank. 

Mühlbacher Reg, 150, das ich nach meinem Abdruck 
& 48 1 ff. eitlere, enthält darnach an den folgenden Stellen ') 



j Icli iBMt «Um fein Ünhogiftphijcfaje bei Seite. 
Zttiltclir. L CetdL 0. Olerih. K. F. XMl. 4. 



l^ 



544 



Bloch. 



einen Text, der nicht mit einer echten Karolingerurkunde, 
sondern nur mit deren ungenauer Wiedergabe im 5. Bande 
von Bouquet übereinstimmt: 

S. 481 Z. 21: que nostris fuerint auribus prolatae 
perducimus ad efFectum = Bq. 715 Nr. 5; doch bietet 
dessen Original in Kolmar (vgl. Kaiserurkunden in Ab- 
bildungen III, i) nostrae und producimus. 

S. 482 Z. 14: iterato hoc concedere et confirmare 
deberemus = Bq. 731 Nr. 27; nach beiden Originalen 
dieser Urkunde in Paris lautet sie jedoch an dieser Stelle 
hoc iteratis .... 

Z. 21: superius nominata = Bq. 724 Nr. 19; die einzig 
überlieferte Kopie saec. XII. im Capitelarchiv zu Verona 
hat denominata. 

Z. 30: de se predictis rebus inquietare . . . presumat 
=: Bq. 724 Nr. 19. Dieser völlig sinnlose, nur durch einen 
leicht zu begehenden Lesefehler erklärliche Text lautet in 
der Abschrift des 12. Jahrh. richtig de supradictis. 

S. 483 Z. 2: et ut haec nostra auctoritas = Bq. 724 
Nr. 19; in der Kopie saec. XII. fehlt indessen — der 
gewöhnlichen Gestalt der damaligen Corroborationsformel 
entsprechend — das zu jener Zeit nicht gebräuchliche 
nostra. 

Nicht weniger beweiskräftig sind die Fehler, die Mühl- 
bacher Reg. 195 mit Bouquet gemeinsam hat: 

S. 484 Z. 26 vel quibuslibet iudiciaria potestate 
praeditis. Summa cura et soUicitudo = Bq. 733 Nr. 31; 
aber das Pariser Original, das überdies mit der VU. Mühl- 
bacher Reg. 58 übereinstimmt, bietet den abweichenden 
Text: seuquicumque iudiciaria potestate preditis. Summa 
cura et maxima soUidtudo .... Bouquets Abdruck ent- 
hält darnach hier nicht weniger als drei Fehler, die 
sämtlich in Grandidiers Text von Stumpf Reg. 195 wieder- 
kehren. 

Diese Zusammenstellung von Fehlem, die Bouquet 
und den beiden Urkunden Grandidiers gemeinsam sind, 
erweist mit nur irgend wünschenswerter Klarheit, dass die 
beiden Diplome Mühlb. Reg. 150 und 195 aus den Bruch- 
teilen echter, bei Bouquet gedruckter Karolingerurkunden 
komponiert wurden und dass sie nichts anders sind noch 



Zu den Urkundenftlschungen Gnindidieri» 



545 



sein können als moderne Machwerke, wi^ ich sie in meinem 
iAutlsatze geschildert habe: -wie bei den Diplomen fOr 
Schuttern und Ebersheim, so sind auch bei den beiden 
Diplomen Karls d. Gt. für die Strassburger Kirche um 
einen gegebenen Rechtsinhalt als Mittelpunkt neue, falsche 
Urkunden geschmiedet worden; wie bei jenen Schoepflin, 
so hat bei diesen Bouquet das geeignete Material geliefert«*). 
Ich hatte aus der charakteristischen Art der Zusammen- 
'schweissung aus verschiedenen Elementen, die allen von 
mir behandelten Fälschungen eigentümlich war, und aus 
der Benutzung derselben echten Bruchteile in verschiedenen 
Urkundengruppen den Schluss gezogen* dass nur ein und 
derselbe Mann sie habe verfassen können ; ich hatte ferner 
in Erwägung aller Umstände diesen Fälscher in Grandidier 
selbst erkennen müssen, — denn die Konstruktion eines 
mit den gleichen Kenntnissen ausgerüsteten und mit dem 
gleichen Material ausgestatteten, ihm aufs engste befreun- 
deten >un bekann tenc Zeitgenossen würde denn doch jeder- 
mann unzulcLsstg erschienen sein; ich hatte endlich sowohl 
an einer Urkunde Heinrichs IL für Gengenbach wie ins- 
besondere (S, 500 ff.) an einem Placitum Karls d. Gr. ftif 
das Kloster Honau (Mühlb, Reg. 196) die von Grandidier 
beabsichtigte Täuschung und zugleich ihren Zweck auf^ 
gedeckt. Da ist es denn von Bedeutung, dass nach der 
von Herrn Dr. Lechner gütigst ausgeführten Vergleichung 
Grandidier gerade bei der iVerbesserungt dieser Gerichts- 



*> Für alle mil wnietet Wiiscü*ch*fl Verlr»ulcii ist die SAchlage, die 
sich aus der Wiederholung der Fehler anderer durch Grandidier ergicbt, »o 
einfach, da«s tch mich oben ncHrh kürxer hAUe Cttten dürfen^ wean nicht In 
der Revue calhoHqu« d'Aliiace XV U, 401 ff. dien Ernite» der Vetsuch 
gemacht worden wArc, die dort ab j^leichgiltige Bagatellen behandeUcn ncmein- 
satnen Fehler Grandidier« tind Schoepflini als einfache »lap«u%« beider tu 
behandeln! Meine Behauptung, da&i Grandidier sich »eiu Material für die 
Kftrt>hngeTurkunden aus dem Werke Bouquets geholt habe, wird offenbar ia 

^lyiverfttludigcm An»chlus» an meine Anmerkung S. 481 X. i in einer Webe 
bgethan, die ebenso charakterbtt^h für die * Methode* dieser Entgegnung ist, 
fic sie nach den obigen Ntchweisen humoristisch erscheint Ea heisiC 

rBämlich dort (S. 41 1 N. i): »Pourtjuot Bouquet? parce que Grandidier regar- 
dait un recuetl comme cipilal ptiur les diplc>mes caroUngiens. Donc ii s*est 
tervi de Bouquet! et li Ton monirait a M« Bloch qu*it s*est servi de 
Schoeplltn I« 

36' 



546 



Bloch. 



Urkunde, deren frühere Fassung ihm nicht genügte, 
einem Fehler oder richtiger vielleicht einer Emendation 
Bouquets zum Opfer gefallen ist. In der Honauer Urkunde 
(Histoire de Strasbourg 11^, 119 Z. 14) lesen wir nämlich: 
et ipsas in praesentia nostra protulerunt recensendas; 
und genau so heisst es bei Bouquet V, 734 Nr. 32 in dem 
Placitum für S. Denis Mühlbacher Reg. 187, während 
in dessen zu Paris noch erhaltenem Originale das Wort 
»recensendasc fehlt! Stimmt nun, wie schon Mühlbacher 
bemerkt hat, das Formular von Grandidiers längerer, sonst 
nicht bezeugter Fassung des Reg. 196 für Honau eng mit 
Reg. 187 für S. Denis überein, so beweist dieser eine 
Fehler neben dem, was ich früher (S. 501 f.) ausgeführt 
habe, und noch entscheidender als jenes, dass Grandidier 
nicht, wie er vorgiebt, eine handschriftliche Grundlage für 
seinen ausfuhrlichen Text gehabt hat, sondern dass er ihn 
aus dem kürzeren, allein sonst bekannten und allein hand- 
schriftlich überlieferten Honauer Placitum mit Hilfe der 
Gerichtsurkunde für S. Denis nach dessen Druck bei 
Bouquet V, 734 Nr. ^2 zurecht gemacht hat. Ich darf in 
diesem Nachweis den wertvollen Schlusstein für meine 
früheren, wie für die obigen Darlegungen über die Urkunden- 
fälschungen Grandidiers erblicken. 



Johann Reuchlins Berichte über die Krönung 
Maximilians I. im Jahre i486. 

V<itt 

Eugen Schneider, 



Johann Reuchlins Bedeutung als Staatsmann mag 
hinter derjenigen» die ihm ak Gelehrten und Humanisten 
zukommt, weit zurücksteheni die Rolle, die er als Rat in 
württembergischen Diensten gespielt hat, war doch nicht 
unwichtig* Kaum hatte der junge Pforzheimer sich in 
Tübingen niedergelassen » um dort eine passende Tliätig- 
keit zu suchen» als Graf Eberhard im Bart» der treffliche 
Fürst und hervorragende Gönner der Wissenschaften, auf 
ihn aufmerksam gemacht wurde und ihn in seine Dienste 
zog (1482)^). Vierzehn Jahre lang, bis zum Tod Eberhards, 
stand Reuchlin diesem mit seinem Rate bei; auch nachher 
hat er das Land nur vorübergehend verlassen, wenn er 
auch längere Zeit nicht als fürstlicher Beamter, sondern ab 
Richter des scliwäbischen Bundes und zuletzt als Lehrer 
an der Tübinger Hochschule thätig war. 

Unter den Aufträgen, die Reuchlin von Eberhard 
erhielt^ war auch dessen Vertretung bei dem Frankfurter 
Reichstag und bei der Krönung Maximilians I* im Jahre 1486, 

Zu dem Reichstag waren Eberhard und sein V^etter, 
Eberhard d. J*. als gefürstete Grafen geladen und die Sitzord* 
nung für denselben nimmt deren Erscheinen in Aussicht"). 
Einer der Grafen, am ehesten der jüngere, scheint sogar 
mit einem Markgrafen (wohl Christoph) von Baden vom 
Kaiser dem aus den Niederlanden heranziehenden Maxi- 



■) l» GeigCTt Jobwui R^udilia S* li ff. — ■) MflUer. Hrtcli&iA«r«t1ieAler 
ttntw Friedrich V. (Ill,>. 6, VonielltiOf S* 6, 



5^8 Schneider. 

milian entgegengeschickt worden zu sein ^). Aber die Ver- 
hältnisse zu Hause, wo eben die endgiltige Wieder- 
vereinigung des Landes betrieben wurde*), verlangten die 
Anwesenheit der Grafen. Eberhard im Bart schickte daher 
an seiner Stelle den Ritter und Doktor Hermann von 
Sachsenheim, den Kanzler und Probst zu Stuttgart Ludwig 
Vergenhans und den Dr. Johann Reuchlin nach Frank- 
furt*). Sie kamen dort schon vor der Königswahl 
(i6. Februar) an; wenigstens kann sich eine kurze Auf- 
zeichnung Reuchlins über den »ufgang uf den kaiserlichen 
stul, als unser allergnedigster herr der römische kaiser den 
fursten ir lehen wolt lihen« nur auf einen Vorgang des 
14. Februar beziehen*). 

Nach der Wahl, am 22. Februar, durften die Gesandten 
dem neuen Konig die Glückwünsche ihres Herrn über- 
mitteln*). Von ihrer sonstigen Thätigkeit wissen wir 
wenig. Von Reuchlin selbst sind aus der Frankfurter Zeit 
nur vereinzelte Aufzeichnungen erhalten; erst nach der 
Heimkehr seiner Genossen, als er den Auftrag erhalten 
hatte, allein Maximilian zur Krönung zu begleiten, entwarf 
er ausführlichere Berichte«), Ein Teil der Aufzeichnungen 
ist persönlicher Natur. Er schreibt da nieder, wie viel er 
Geld gebraucht hat — in Frankfurt nach der Abreise der 
beiden Begleiter nur noch fünf Gulden — , was er zu 
besorgen und wem er Briefe geschickt hat. Für die 
Geschichte seines Lebensgangs nicht unwichtig ist die in 

^) Ebenda S. 2. — *) Am 14. März kam der Uracher Vertrag zu Stand. 
— >) Sie lagen in der Herberge zum Goldstein auf dem Kornmarkt (Janssen, 
Frankfurts Reichskorrespondenz II, 428, wo der eine Name in Reytlin ent- 
stellt ist). — •) Molinet, Chroniques III, 27 ff. schildert diesen Vorgang als 
irelief, fait ä Tempereur par Tarchevesque de Mayence etc.« und als 
»mist^res« der Kurfürsten. — Die Aufzeichnung führt die Fürsten auf, die 
den Kaiser zum und vom Stuhl geleiteten, darunter Herzog Maximilian, und 
bemerkt nur, dass der Kurfärst von Mainz die Lehen zuerst empfangen 
habe. -— ^) Molinet a. a. O. S. 44 (unter 22. Februar 1485!). — «) Die 
Originale derselben, die sich im Württembergischen Staatsarchiv befinden, 
liegen diesen Ausführungen zu Grunde. ' Es sind tagebuchartige Aufschriebe, 
vielfach mit Zusätzen und Wiederholungen auf andern Blättern; die Form 
eines Schreibens hat nur der Bericht über die Krönung selbst. Wir geben 
unten den letzteren und die Darstellungen der Audienz der polnischen 
Cresandtschaft, sowie des Fürstenrennens im Wortlaut, weil sie am meisten 
Neues bieten. 



Krönung MsxiniDiuis !• im Jahre 148O« 



549 



griechischer Sprache gemachte Bemerkung« dass er seiner 
Frau von Liebe geschrieben habe »)* Von politischen Auf« 
Zeichnungen aus diesen Tagen findet sich nur folgende auf 
das gespannte Verhältnis zwischen dem Kaiser und Bayern- 
Landshut bezügliche. Am 27. März seien die Gesandten 
des Herzogs Georg abgefertigt worden; nach Mitteilung 
des Marschalls Sigmund (von Pappenheim) habe Graf Haug 
von Werdenberg im Namen des Kaisers Unterstützung 
jeg«^n Ungarn durch Lieferung von Lebensmitteln für das 

'Heer und durch Verbot der Ausfuhr aus der bayerischen 
Herrschaft Spitz (im Erzherzogtum Ost erreich) verlangt. 
Der eifrige Verkehr, den Keuchlin damals mit dem vene- 
tianischen Gesandten Hermolaus Barbarus gepflogen habt-n 
soll, ist eine irrtümliche Annahme Geigers'). 

Am 28. März erfolgte der Aufbruch von Frankfurt 
nach Aachen zur Krönung. Reuchlin schloss sich den 
Osterreichischen Räten an und fuhr auf einem der 16 oder 
1 7 Segelschiffe des kaiserlichen Zugs den Main und Rhein 
hinunter. Am 30. MArz nachmittags 3 Uhr stiessen die 
Schiffe bei Rense an das Land. Während der Kaiser im 
Schiffe blieb» stieg der König mit den Fürsten aus und 
ing unter Trompeienschall auf den alten gewunuen, zer- 
rissenen Königsstuhl 2u, der in den Nussbaumen steht, 
Reuchlin macht dabei die merkwürdige Mitteilung, dass 
jier der Bischof von Mainz von dem König gefordert habe» 

rdass er die Fürsten des Reichs bei ihrem alten Herkommen 
bleiben lassen möge; dann sollen ihm auch die Fürsten 
gehorsam sein. Nachdem der Konig eingewilligt hatte^ 
ging er sofort wieder lu Schiff, um am Abend Andernach 
zu erreichen. 



^\ Von Retichliii5 Frau (odef Fnnen?) Ui nicht einmul der Kam« 
HfitBOt ^Gttger, A. ». CS. 37)» Kadi obigem «cheitit er tii glück Heber 
IShf gelebt zu habea. O0eiitiar tiammte die Frau von OitiiDgen {wilkitt*. 
'O A. Leonberi^y, wo R. gegen sehn Morgen Güter b«»«»«. Da ar in cltr 
Nachbarschaft ^unammeti mit Heinrich Luxen Kindern von DitcinKcn eben- 
falU begüteit war« gehrirtc wohl ^eine Frau der {^enant.ten, &oQ»t uttbekanmen 
Faiiabe an (Lageibuch von 1^0^), Hier itt auch »ein Landgut tu sudien. 
— ') A. a. O S. ^1* Die Veuetianer kamen erat ini August und awar omch 
Brügge (x< B. Ulmann in Foncbungen iut deutachen Ge»ehichtc 22, t$4)l 
fUQh die von Geiger angezogene Stelle bd Scheck« Aldus Manutios S. II4 
fia» nicht! von Frankfurt. 



^CQ Schneider. 

Am 31. gelangte man nach Köln. Am Rhein in der 
Trankgasse wurden der Kaiser und der Konig in köstlicher 
Prozession empfangen. Mit dem Kaiser schritten auch die 
Markgrafen Albrecht und Christoph von Baden; dem 
Könige trug Markgraf Friedrich von Baden das Kreuz 
vor *). Der Zug ging an die Treppe von St. Margarethen 2) ; 
da hielt der Weihbischof von Köln, der seinem Erzbischof 
ein Stück vom heil. Kreuz reichte, damit es der König 
küsse. Dann führte man diesen vor die heiligen drei Könige, 
zuletzt vor St. Peters Altar. Hier kniete er nieder, während 
ihm die Erzbischöfe von Köln und Trier ein Buch vorhielten, 
aus dem er eine Kollekte las. 

Am 3. April wurde in Düren genächtigt und am 
folgenden Tag erfolgte der feierliche Einzug in Aachen»). 
Bürger der Stadt ritten mit etwa 50 Pferden bis einen Ross- 
lauf hinter dem hohen Kreuz auf der Staige entgegen; hier 
ordnete sich der Zug. 1 72 Stunde wogte er zum Thor 
hinein, an dem die Stadtwächter nach altem Brauch des 
Königs Pferd mit Beschlag belegten, aber um 55 Gulden 
auslösen Hessen. Reuchlin hatte der Marschall die Erlaubnis 
erteilt, mit den österreichischen Botschaftern vorauszureiten 
und sich den Zug in der Stadt anzusehen. 

Über die am 9. April erfolgte Krönung erstattete 
Reuchlin dem Grafen Eberhard den unten (Nr. I.) ab- 
gedruckten Bericht. Er hatte offenbar bei derselben im 
Gedränge vieles durchzumachen und brach den Bericht 
erschöpft mit den Worten ab, er könne jetzt nicht mehr. 
Unter denjenigen, die im Anschluss an die Krönung zu 
Rittern geschlagen wurden, zählt Reuchlin aus dem Gefolge 
des Kaisers den Markgrafen Albrecht von Baden, aus dem 
des Königs dessen Bruder Christoph, unter den selbständigen 



') Über die Anwesenheit der Markgrafen von Baden bei der Krönung 
vgl. die Angaben bei Fugger, Spiegel der Ehren des Erzhauses Österreich, 
S. 954, Hertzog, Chronicon Alsatiae 2, 139, Sachs, Einl. in die Gesch. von 
Baden 2, 623. 3, 23 f. — «) Später spricht R. von St. Märgen, so dass wohl 
eine Verwechslung mit Maria vorliegt. — ») Reuchlin giebt eine ausführliche 
Beschreibung desselben. Wir heben davon nur heraus, was zur Ergänzung 
der schon bekannten Berichte dient (Müller, Reichstagsiheater unter Maxi- 
milian I. i, 31 ff. Molinet, Chroniques III, 58 ff. Fugger, a. a. O. S. 952 ff. 
Hertzog, ». a. O. 2, 135 ff. 



Krdmuag MaximOiAns I. im Jahre 14^6 



551 



des letztem Sohn Bernhard auf*). Bei dem sich anschliessen- 
den Gang in das Rathaus fallt ihm die Ähnlichkeit der 
roten, mit weissem Hermelin verzierten Kappen« (Mantel- 
kragen) der Kurfürsten mit der Tracht der Pariser Doktoren 
auf. Er beschreibt die ganze Pracht des Aufmgs, die 
Sitzordnung beim Festmahl, die ihm einen Platz an dem 
Tische der Herzoge von Sachsen, Bayern, Jülich und Cleve 
anwies» die Handwaschung des Königs, bei der der Herr 
von Weinsberg diesem das Wasser aufgoss imd Markgraf 
Friedrich von Baden das Tuch hielt, und alle die durch 
die goldene Bulle vorgeschriebenen feierlichen Handlungen. 

Am Tage nach der Krönung ward, so bemerkt Reuchlin 
weiter, das Heiltum oben zum Turm heraus öffentlich gezeigt: 
unser Frauen Hemd; dann zwei Tcicher. als wären sie von 
einem Kappenzipfel geschnitten, länglicht, das eine schwarz, 
das andere mörlinsfarbig (Farbe der Mohrrüben)^ darin 
unser Herr in der Krippen ist gewickelt (die von Aachen 
heissen's Josephs Hosen); dann ein weisses eschenfarbenes 
Tüchlein, darauf St. Johannes enthauptet ist und sieht man 
Blutstriemen; zuletzt unsers Herrn Tuch, das ihm am 
Kreuz ward umgebunden v^or die Scham, Am ii. April 
schw^uren die von Aachen, dem König zu gehorchen, wenn 
er zur Regierung komme, doch unschädlich dem Herzog 
von Jülich, an den die Vogtei verpfändet war. An dem- 
selben Tage noch ritt der König nach Düren und erwartete 
hier den Kaiser, der am folgenden nachkam» 

Am 13, April ritt der König wieder zu Köln ein, im 
ganzen Hämisch, wahrend der Kaiser sich eines Wagens 
bediente. Als sie vor St. Märgen ankamen, bestätigte der 
König die Freiheiten der Stadt; da sangen sie ein Antiphon 
und zogen in den Dom zu den heil, drei Konigen. Am 
nächsten Tag erschien hier endlich die Botschaft des 
Königs Kasimir von Polen. Sie hatte den Auftrag, die 
Einigung der Christenheit gegen die Türken zu betreiben, 
die freilich durch die Ausschliessung Böhmens von der 
Königs wähl nichts weniger als gefördert war*-*). EHe der 

'> Auch Malier a «> O. S. 38 nennt den cbniAls noch nicht tsjihHfien 

Bernhard; die übrigen Berichte ern^ Ihnen ihn nicht. — ^ Dem «inen 

( legt Reuchltn die Ftugc in den Mund« quid tibi vetint noctuniAe 

.i'is, — Noch in demselben Jahr verband »ich Polen mit ßöhnica 

und Ungarn gegen den Ktber. 



:^^2 Schneider. 

Botschaft erteilte Audienz, bei der der alte Kaiser Friedrich 
nach seiner Gewohnheit einschlief, und das dabei gebotene 
Schauspiel eines Ritterschlags, das ihn wieder belebte, 
schildert Reuchlin als Augenzeuge auf das anschaulichste 
(unten Nr. IL). 

Den Aufenthalt zu Köln füllten zahlreiche Festlich- 
keiten aus. Ein mehrtägiges Turnier wurde am 24. April 
durch ein Fürstenrennen gekrönt, bei dem König Maxi- 
milian mit dem Pfalzgrafen Philipp sich mass, nachdem er 
das Verbot des Kaisers durch Fälschung seiner Unter- 
schrift zu umgehen gewusst hatte; auch die Markgrafen 
Albrecht und Christoph von Baden zeichneten sich im 
Lanzenstossen aus (unten Nr. IIL). Nach dem Rennen wurde 
ein Banket mit vielen schönen Frauen abgehalten; Reuchlin 
wurde mit den polnischen, brandenburgischen und öster- 
reichischen Räten in einem Nebensaale reich gespeist. Mit 
sichtlichem Interesse verzeichnet er die sich anschliessenden 
Tänze und Mummereien, die bis 3 Uhr nach Mitternacht 
dauerten, worauf die Frauen noch in einem kleinen Saal 
vom König Konfekt bekamen, während die Botschafter 
nach Hause gingen. 

Schon längst wäre Reuchlin am liebsten in die Heimat 
zurückgekehrt; er musste ausharren. Erst am 2. Mai zu 
Nacht konnte er den Versuch machen, seinen Abschied zu 
erhalten. Er ging zum König, doch der ritt zum Kaiser. 
Bis 11 Uhr wartete er auf Zulassung ; dann ging der König 
wieder zu Banket und Tanz mit schönen Frauen. Die 
brandenburgischen Gesandten trösteten jenen nachher, sie 
haben auch nichts erreicht, weil der Kaiser mit einem 
Kaufmann, der Edelsteine brachte, beschäftigt gewesen sei. 
Wahrscheinlich ist es Reuchlin bald nachher doch gelungen, 
sich loszureissen, obgleich die Feste in Köln noch länger 
andauerten. Einzelne Andeutungen verraten, dass er sich 
bei seiner Sendung nicht recht am Platze fühlte; uns hat 
er Beschreibungen derselben hinterlassen, die in mancher 
Beziehung von Wert wären, auch wenn sie nicht von 
einem so bedeutenden Manne herrührten. 



KrOniaiig MaxiniüJans I. im Jahre t4$6. 



553 



I. 

Hochgeporner ^ediger herre* Des römscben küngs krönung tu 
'Ach b^fscheobeD will ich üwem gnadcD yeUmals ylends und tn der gemain 
beiüichnen, sovil ich des gesenhen hon. Darnach ob ich etwas von deji 
persevanleD mag etlerDeD, dos will ich üM'em gnadeo niündtlich eiideckpti« 
WILD ich baim komm. Als ut donrstag nach quiu>imQc1og<fniLi f6. April] 
da» gemain geschray was, der küng sollt denselben tag gekr^^ni werdeoi 
ward ich bericht» dos aia nwttnurhl yrngcvallen wer ^wüscltent den eru« 
biscbovei], und nemlicfa so wolt der btschof von Trier sin snffraganten by 
im an der kmnuDg haben und nit der mindst sin» als der nit vorgon satt. 
Darob i&t man gese&sen und hat es vertediagt, dos raan dem bi^hof von 
Trier, als ich sin yetzuud bcrichl bin» sin wychbischof ouch hat in die 
schranken der kiOnung gelassen und g^t doch vor den andern. Abo uf 
somstAg vor miseiicoidia doroini [S. April] hat unser htrre 6tt ktkng gefaalet 
und sich £u dem hailgen :^acioment berait. tJf den selbij»en i^onntAg 
[9i April] am morgen irib man all die weh uss unsej lieben frowen kirchun 
zu Ach and het den kor verschlosseu, und hieussen« da unser liebe fiuw 
latcheo tut, dieselben vier sälen het man yngefas«»t; und fürler als dasselbig 
darvor rund gtwelbt ist mit Stilen in form ains gecirks, dieselbigen ^üwlen 
waren ouch in runder wyss yngefasst und mit breiter verschlagen, also das 
der gemain man nil mer in aller ktrchen dann ain ringwysen schmalen gang 
mocht haben. Man tct ouch alle türen vcrschlicsscn, on allaiii au anfang 
der grossen porten &t&t ain palali und ain gchus, iJosselbig hai ain tür t»f 
die andern gassen gegen de* kUngs herberg. Dahin wurdcnt Uaimlich die 
curfir^ten und fürstcn ainstails besrhaiden, zu demselbigen hus und fürohin 
durch das hus und durch den palatz oben in die kirchen tu kommen Ich 
tet mich tn den Oslerr}'chschpn raten zun sonntag morgends TrUw als der, 
der allain was und n( deu man nit vil acht mocht haben, und bat sie 
rr nir anzubringen an den marschalk darzu bestellt, das man mich 

f>' ii lichb als ain bcitschaft von Wirtenberg, Des ward mir etwas 

augesagt. Und da kamen wir mit Muem buTen rusamen, graf Jos von 
Zotm, der von Rapelstain, die brandemburg^chen rJit und die Ovierrychischen 
rit und ich. Under den wylen was mans san innen wardeii des yngangt 
und kam ain gross mengen fttr das genannt hus^ und da wir dartu kommen 
tn ainem gedreng, da volgt uns nach min herre von Coln. Da Hess mnn 
uns lang stiin» und wurdent allda gedrungen, das an tailen der athem gelag. 
Die hindern drungen mich und mrn mitgesellen binin, und kamen also mit 
gedreng durch dry tdren bis in die kirchen. Da nun s6ll icher mass ^fü 
Volks hinyn kam und ouch in der kircben anhtib ain gedreng in werden, da 
k^m der kaiser und der kang. Darvor het man usgeschniwen und «im 
ytden gesagt, welche wern in botschnflen oder g««elUchaften, die s^Iibii4 
«n ui in welen, dcrselb belib da innen und die andern wurden htiituigon. 
Des lioat ich mich und belib da inn. Da kamen! die pfaf!en und darnach 
die biseboten und gieng ruvor der bischof von Trier und darnach MainK 
und Cöln und hertfog Emit und der prakgraf; dte betten ir kurruntlich 
^wind an. Ün i der kQng der Iteti an atn kurt» güMiuM ifW:khn uf die 
n«o^ich ait| und vier kaiser in der maAesUt Und sU man kam nwischeni 



554 



Schneider. 



die vier sül vor dem kor, da unser frow zaichen tut, da was by dem altar 
zur rechten syten, da man das epistel singt, unserm herrn dem kaiser ain 
hoher stul ufgemacht und daruf gebrait ain güldin stuk in blawer wat. 
Hieniden zu des kaisers link syten lagen sway küssen, das erst dem pfaltz- 
grafen, das ander hertzog Ernsten von Sachsen. Darnach am yngang vor dem 
altar über stund in der mit ain hoher stul, daruf ain gülden stuck in roter 
wat für den küng, und hieniden uf sine rechte band ain küssin für den 
bischof von Mentz und uf der link syten zu ort ain küssin für den bischof 
von Trier. Also giengen die bischof und äpt in die sacresty und laiten ir 
pontiiical an und täten dem küng ain kormantel an, der het ain niders hüblin 
uf sinem houpt nach haideschin sitten. Da fürten in der bischof von Mentz 
und Trier fär unser irow und las der bischof von Cöln zwo collect über in, 
darzu musst der küng uf dem antlitt ligen vor dem altar etc. Und da hüben 
in die zwen bischof wider uf und fürten in uf den stul. Da üeng man das 
ampt an. Gnediger herre, die wyl will mir zu kartz werden ; ich will darnach 
uwem gnaden zu erkennen geben, wie man in gekrönt hat und wie er ritter 
geschlagen hat und ain fryherrn geforstet ^) und all forsten geladen zu tisch 
und wie vil essen er geben hat etc. Ich kan yetzo nit mee. 

Geschrieben zu Ach. Doctor Johan Beuchlin. 



II. 

Nota uf mentag nach jubilate [17. April] anno etc. LXXXVI hat 
unser herr der römisch kaiser und küng der botschaft von Bolen wollen 
in gegenwurtigkeit der fürsten und fürstenbotschaften in siner kamroer zu 
Colin by der thum audientz geben, nachdem die obgenanten uf den 
frytag darvor waren gen Cöln komen. Und ist die verhörung geschenhen 
zwüschen XI und XII; bin ich doctor J o. Reuchlin anstatt mins gnedigen 
herrn von Wirtemberg ouch hinyn gelassen. Da kamen die polischen rät, 
nemlich dry mit andern ir edellüten, die in berlin^) geklait waren. Aber 
der erst rat und oberster marschalk, haisst Raphael, was geklait in ain gülden 
rock uf schwarz sammet genmusiert und der ander, genant Andreas, in ain 
gülden rock uf glatt damast rot gemusiert, und der dritt, hiess Philippus 
Callimachus, het an ain rote atlassin schuhen. Da sass der kaiser und der 
küng in gülden ufschlag in wyss sammet geblümt; nach dem küng uf der 
linken syten der bischof von Mentz, darnach hertzog Albrecht, darnach der 
hertzog von Jülich, darnach der markgraf von Baden, darnach der von Augs- 
purg in gülden ufschlegen uf rot sammet geblümt, zur rechten syten der 
bischof von Cöln und darnach der pfaltzgraf in gülden ufschlegen in schwartz 
sammet geblümt. Und vor dem kaiser stund ain stul ainzig gestult, darin 
sass Trier. Da ward durch den bischof von Gran us bevelh unsers herren 
des kaisers in boleckisch geredt, sie möchten ir Werbung thun. Da redt 
Raphael in boleckisch, und stunden all dry vor dem kaiser zur rechten band 
und der bischof von Gran zur linken band, also: der küng von Bolan, 



>) Karl von Croy, Graf von Chimay (Müller a. a. O. S. 40). — 
*) berlin = berwer, Schaffell (Lexer). 



KrOniuig Maximilians L im Jahre i486. 



555 



Cauminis, embüt xuvor «n unsem gn. h, den kuiser sin gründlich brüderlich 
dienst und wdllt tlner kai^rUcb roaie&t&t wolmugen nii minder gtm hören 
dann als $in edgcn glück etc. Uf die tnainütig den kung onch und de« oier. 
Der küog von Polan hab nit gewisst, als sie sind usgevertigi, djiss sin gnad 
sy zu römischef kfon crh<'*cht; sy syen «bcr on iwyfel, er fröwc sicb des 
»U gross, aU wer es im selber. Und kerel sich wider gegen kaiser und sagl 
der küngin willig dienai in aller gebur. desglychen von sinen kinden und 
dft* die der k. m» glückseligen stAnd nit minder gern borten dann ob cc 
wer ir» lyblicben vatters Da nun Rapbael &oliche lalutation volbracht nnd 
als der k:siser zu ainem yeklichen was von einem stul ufgestandea, da bot 
Kaphael berfür ain credenU, die ward von dem bi&chof von Mentx ab dein 
kaouler empfan^ien und gelesen, üf die credenu hub an au reden der 
ander anibossator geoannl Andreas^ aber in boleckisch, die maynung: I>le 
k* m* het %ot lylcn irem herren dem küng von Polen ruein boten sieb km veraynigea 
wie man den törken und den haideschen an nutz gemainer krislenbaiC %irider* 
stand tun möcht, der het herwidetnmb iin willen der k* m* eröffnet, den 
man darnach mit werken hab befunden. Dann er bab sich der nit alJain 
enthalten sonder ouch mit der goctahilf us&er land vertriben und MoP) von 
tren banden gerissen und er sy idhyi der hoffnung gewesen, man §ö\i mit 
ernst daryn gesenhen hon« Aber es hab gar dick gcfelet. Dann als in papü 
Paulus in den krieg het gebracht mit verbaissen manigfaltiger hilf der Venediger 
und ander formten [und] herren, sy er crfröwt worden und bab alle sine hab 
mit »in nnsi6s!»em wollen wider die ungloubigen seUen. Da hüttett die 
Venediger in »clbs ain rtchtuiig gemacht mit dem tütkenr Darus tat erwachten, 
da* der Tmk gesterkt ward und brnch in die Walachy und bab lu im 
bracht «wen herren sin anstöisern, die wol haben vermocht hundert tuscnt 
malt in das feld, die yetsund tin beUer und wider die Christen mtUsen sin. 
Über das so der Türk gesenhen hab kain red tun g von den kristen, hab er 
sich teglichs gesterkt und jcieh für und für in der chiihten land, also das er 
ifem herren gar gnaw an der tür Hg mit gross vcisammlctem volk. Deshalb 
der kung von Polen xu unserm haitgen vatter dem pabst geschickt hab ab 
SU dem ersten houpt der cbristenhatt. So hab er dis bot&chaft xu der k. m. 
gesandt als au dem andern boupt der christenhait, das man nit mog sprecheiip 
er woll aich soliichs» dai die gantz cristenhait antrifft, allain underwinden qu 
verkOndun^ den böuptem der cristlicben kircbcn, oder wa es us Verachtung 
übel guu wtltd der hailgeu cnstenÜcben ktrchen, als vor oucb durch Verachtung 
gescheoben sy, das man nit mog sprechen, hell er dar^u die kristenhch«!! 
(»trsceii ervordert, so wer s6llicher gro&ser scbad nit geschcnben. Da« f« 
fürkommen, so hab Ir her, als der den gemainen nuta der christenhait 
betracbt, Mo hergeschickt diewyl er verslanden hab, das die k. m. mitsampt 
den kurfursten by anander sin werden, »ie au bitten »oUichen grosen genommen 
> ' kn »u hertzcn nemen, dann küugrych, fUrstcnthum, hcmcbaftes in des 
.Ulken hand gebracht sien, die vor klainer ayt gloubig cristcn gevcMn sjen« 
und nit allaiu sOllichen genommen schaden vu betrachten« sooder ouch w»t 
uoeli kfttiftign darus« und das gar in knrtaen erwachtca tnög« Dann %oU 
das atm^maU wrackt wetdeiii ab vm s**^«°^^n <i^ *^ werütnt iii sänet 



I) Mohol a. d. Th^lM. 



cc6 Schneider. 

kürtzi vil befunden, die yetzo mainen, es sy in gar ferr. Vil der küng, 
forsten und herrn, ist nit ain lange zyt, die haben wenig gedacht, das sie der 
ungloubigen werden selten; aber us Verachtung und das ain yeder sin aigen 
nutz hat understanden zu suchen und zu behalten, so sin dieselben verlasen 
von der kristhait und unglöubig worden. Nun bedörf nyeman gedenken, 
das ir her der küng von Polen söllichs fuw umb sins aigen nutz willen, 
dann er wiss sich selber vor schaden zu verhüten, welche stund er well, 
daruss im nit alUdn kerung verganges schades sonder ouch merklich grosser 
künftiger nutz entstan würd. Er well aber tun als aim christenlichen küng 
wol gezim und wa er sech, das es verfengklich sy, so wöll er lyb und gut, 
und was im gott verlihen hab, darstrecken wider die ungloubigen. Des 
verhoff er, bapst, kaiser und fürsten werdents ouch tun als sie das zu tun 
ouch schuldig und pflichtig sind, nit minder dann er. Aber wie dem allem, 
so verstee ir herre der küng wol, wes sich am meesten die ungloubigen und 
der Türk trOcte, das sy zwitracht and unainigkait der forsten christenlichs 
gloubens. Das hab im bisher verholfen und helf im uf disen tag zum 
höchsten, nit allain das die cristen under anander zwitrechtig syen sonder 
ouch das das christenlich houpt angefochten würd, semlich yetzo unser aller- 
gnedigster herre der römisch kayser; das dem Türken nun iürter ain gross 
hertz machen imd sin fümemen Sterken werd, so der küng von Hungam als 
ain christenlichs glid understand das houpt der christenhait zu bekriegen. 
Das irem herren sonder gross laid bring nit allain von früntschaft und 
brüderlicher verwantnus wegen, so er mit der k. m. hab, sonder ouch der 
gantzen christenhait halb, als der so wol künd betrachten, ob es lengere zyt 
weren und also verharren soll, das es dem kristenlichen glouben und der 
gantzen christenhait merklichen abbruch in kurtzkünftiger zyt geberen muss. 
Darumb so er, ain christenlicher küng, wol mög ermessen, das ainigkeit der 
larsten des Türken verderben sy und die zwitracht und krieg, so beschicht 
wider den römschen kaiser und das rych, sy ain ufkommen der ungloubigen, 
so erbiet er sich, dem römischen kaiser als dem houpt der christenhait mit 
allem dem, das er vermög, hilf und bystand zu tun in ho£fhung, wann die 
fyend des römischen rychs gehorsam gemacht werden, das man dann lychtlich 
mit der hilf gotts die ungloubigen verjagen xmd vertilken mög und das ouch 
tun werd; und in demselben soll an irem herren ouch kain mangel erfunden 
werden. Da dise red in boleckesch geredt und ye ain clausel nach der 
andern durch den bischof von Gran gentolmetscht ward, hiess man die 
botschaft nstretten. Und nam der kaiser [den] küng und die kurfürsten zu 
im und beschlussen, was der bischof von Gran in bolackesch antwurten sollt. 
Da liess man sie wider hinyn gan und gab der bischof von Gran die antwurt 
in boleckesch. Nach der antwurt liess der kaiser die botschaft nidersitzen; 
da was vor im ain bank berait und darüber ain glatt gülden tuch in rot 
geblümt. 

Da kamen erfur siben junger gesellen. Zu den sprach graf Hug:^) 
der römsch küng het angesenhen ir loblich wesen, das sie der haiigen 
ritterschaft nachzügen und in willen gewesen weren zu siner m. krönung 
zyt gnug zu kommen, des sie aber ferre des wegs und kurtzi der zyt hab 



') von Werdenberg 



KröDtuig Bluimiltttiit I, Im J^hre 1486. 



557 



vcffiimlcit. Diewyl er sie nun erkennt von Iren eitern her dem rych dicnsilidi 
gewesen und gut dienst bewyseii hAben, &u w6jk er »le oobelani von im nie 
kommen kssen und wöUt in mitteilen die er der iitier&chaft. Und d« keret 
sich der kuiig hinumb lum kaiser und bat in» diks er von hert£0^ Albrecht, 
der dann zumal dem küng das bloss scbwert vortrug, nemen möIU, d^inn d^a 
dn kaiserlich tn. die siben zu rittcr schlug. Da toch der kaiser den btschof 
von Cob mit dem ermel darzu und winkt dem bischof von ^lentjE und %st^t 
in, wie im sin sun das zumute, und lachet inni|;lichen ser darru. Und wie 
scr sich der kfin£ weret, noch vil mer ward er durch den vatter dartu genOtt» 
und dät doch dem kai&er von beriien wol, das im der sun wolt die er geben« 
da» sacb man wol an allen sinen geberden* Also ward der küng von dem 
kalter und den zwayen kurruritcn überredt. Da tuim der kaisex das achwctt 
von hertiog Albrechteo in sin hand und herschutjc '), das es littert, das mich 
wunder nam* wie «in so alter man och in den armen als st^tk were. Da 
hub an gmf Hiig lu den siben: ir werden unserem herreo dem r&mlscben 
kung globen, das ir die ritterschaii wöUent erlich Imhen, witiwcn und watsen« 
atm und durfUgen getrüwlich handhaben und beschitmen nach durcrm vermOgiaii 
und wider das haii^g fomäch r>ch nii m sio. Under den uyten hielt iltr 
kaiser da» bloss scbwert in siner band und glibt dem küng ainer nach dem 
Andern. Du gab der kaiser dem küng daj bloss schwert in die hand und 
knüwt ainer nach dem andern und gab der küng uf yedes rucken dry streich 
und spricht lyos:*) besser ritter dann koecht» und gibt yeklichem den 
schwenxknopf in sin band» wann er ufstai, £s waren awen Wolkenstainer 
und ain LiechtensUinei uod ain Jeil&er und ainer von Mas^münster. Das 
sahen die Boleckeschen, und was der kaiser ganx ürowlich^ wiewol et in 
der vcrhorung gar dick eniächlareo was« 

Da graf Oiswalt von Tietstaia sach, das der kaiser so frolirh 
was, pr*ctidert er mit den kurftünten» sii? soUen im helfen bitten, das der 
kaiser ainem bruder gnedig sin und ungnad abfitellen u-öUte Die gicngen 
mit grv! Os wollten« der fiel dem kaiser zu t'u&s und bat, die k. m. wolt gegen 
smen bruder Wdhebn <ich wea* er haiss Wilhelm)') die ungnad abstellen. 
Der kaiser wolt tn von der erden ufxieheiit er wolt nit nU die eurfürstm 
baten dta kÜng und den kaiser. Die antwuri der keiier, er bett uxignad 
verschuldt, und als sie aber baten, sprach der kaiser: latit iii lelbef tn mir 
kommen; und kain ander antwurt mochten sie hemsbrinfco danii dieselbe: 
lesist in selber xu mir kommen. 

Damit schied man vom kaiser und hetten wir noch nH m inbisi gessen* 
tind schlug doch glych drüw nach mittag. De luden mich die oftcrrychischen 
itt mit in au iühim in ir herberg. Diu tet ich und osi mit in tu inbiss, da 
es druw schlug. Es heti der kaiser ouch nft geesaen. 



'J schftitclte et; enchfiten =» schütteln (Lc«er). — ") leise. — •) Gemeint 
ist wo! Graf Heinrich von Thientcin, von dem die Zimmcrische Chronik 4 
(Bibliothek des litte rarischen Verciui tn Stuttgart 94), S. 562 f. berichtet. 
Mit ihm und dem obengenannten Oswald erlo^ das Dynastengeschlecht 

(Stammliurli Ac* Adcls Uk Drulirliland %, v, Thit?r»teini, 



558 SchDeider. 

lU. 

Nota, uf mentag nach sant Jergen tag [24. April] hat man zu eren dem 
küng und ouch der küng selber zu eren schöner frawen ain fürstenrennen 
wollen halten. Da hat der kaiser den fursten verbotten und ouch andern 
verbieten lassen, das nyemand mit dem küng rennen sollt. Der küng het in 
willen mit dem pfaltzgrafen zu rennen und macht ain supplication an unsern 
herren den kaiser und bat im zu vergünden mit dem pfaltzgrafen zu rennen. 
Darnach ritt er zum kaiser und wolt die antwort holen. Da het der kaiser 
sinen diener bevolhen, wann er kam, sollten si sagen, er wer schlafend und 
der küng sollt warten, bis er erwachet, so wollt er im ain antwurt geben. 
Da sass der küng wider uf und ritt haim und nam die supplication mit im. 
Und contrefayt des kaisers handgeschrift gantz ab und schrib darunter placet 
dismal, eben als wer es sins vatters aigen band, und zaigt das dem pfaltz- 
grafen, als hett ers an sinem vatter erworben. Der pfaltzgraf gloubt der 
geschrift und tat sich an, desglychen der küng. 

Uf denselben mentag waren schranken umb die ban gemacht und 
gestrowt mit nuwem frischem strow uf dem alten mark zu Cöln. Und als 
es was zwischen zwayen und dryen nach mittag kamen uf die ban geritten 
mit trompteren zwen jung, ' yeder umb XX jaren, atner von Ysenburg, der 
ander von Sayn, in ganz wyss liny baid geklaidt mitsampt den teckine. Die 
haben mit anander baid wol getroffen und sin baid gefallen. 

Darnach kamen geritten auf die ban mit den trompteren dry neben 
anander, der hertzog von Gülch, der hertzog Albrecht von Sachsen, der 
markgraf Albrecht von Baden, all in schwartzem; Gülch in ainer schwattzen 
damastteckin mit schwartzem sammet umbiegt, Sachsen in schwartzem zendel, 
Baden in schwartzem zendel, gemalt, daryn zway kindlin, die mit wind- 
flögerlin stechen. Darnach kam junkher Philipps von Nassow in roter wat, 
die teckin was durchus gestryft, rot und eschenfar und brune, kostlich von 
syden gewirkt. Der von Gülch und der von Nassow troffend wol und sind 
baid gefallen, und hat Gülch uf dem rechten backhen by dem oug ain stoss 
empfangen, das er sich hat müssen verbinden. Item hertzog Albrecht von 
Sachsen und margraf Albrecht von Baden band wol getroffen und sind baid 
gefallen, und fürt margraf Albrecht sin erste ritterschaft. 

Darvor kam der kaiser in wyser wat in ain stuben uf dem mark und 
het ain gülden hüben uf und ain zipfel darumb, und mit im der von Gran 
und der lantgraf ob im. In ainem andern hus daneben lagen die III bischöf 
all in guldin stücken. 

Damach umb die fierte stund nach mittag ist uf die ban gekommen der 
römsch küng in getauter wat, die socken warend sin farw, rot, blaw und 
wyss, das röcklin was von ainem silberin stuck uf der rechten syten und uf 
der linken syten von ainem güldin stuck und daryn gemacht zwen gross 
enker, geschrenkt crützwis, der ain rot der ander gelpf oder wyss, darob ain 
ringketten; und het wyss strusfedem uf dem heim. Der pfaltzgraf kam 
neben dem künig geritten uf die ban in gantz brun, mit silber köstlich 
gestickt, und was sin röcklin mörlinfarw ^), und uf dem heim zu yeder sytea 
ain glatte schyb zum halbtail. 



*) Farbe der Mohrrübe (Lexer). 



Krönung Maximilians I. im Jahre i486. czq 

Item nach im kam uf die ban der Sturmfeder, pfaltzgre tisch, in gantz 
roth, und das röcklin mörlingraw und in der teckin und uf dem heim schirm 
silberin. Darnach kam marggraf Christof von Baden in gantz rotem, das 
röcklin rot Scharlach und in der tecken silberin böm mit ainem rymen 
dadurch geraalet und uf dem heim uf yeder syten ain bücket und ain dünns 
tüchlin darumb. 

Item vor margraf Christof kamen uf die ban geritten zwen neben 
anander, her bans von Seckendorf und Hainrich von Waidenfels, frenkisch, 
des kttngs diener, baid in mörlinfarw röcklin und sust gantz des küngs farw, 
rot, wyss und blow, hemder, binden und teckin. Die waren gantz bloss und 
hetten grüne crentzlin uf irem har und fürt man in zwon ring scharpf spiess 
vor und het yeglicher nit me dann uf der linken schiltsyten ain fiereckt rost, 
nit über ain spannen lang und brayt, dann das oben ain klain tach hat ains 
tumen brait. Darin was gemalt ain sunne, des von Seckendorfs gülden und 
des von Waldenfels, des nuwen ritters silberin. Die ranten ainmal in uszugs- 
wys gegen anander, das sin vil lüt erschracken, und der kaiser, als ers im 
fenster sach, Hess ins durch den marschalk, hern Sigmunden von Bappcn- 
haim verbieten, sie sollten also verwcgenlich nit rennen. Wie sie uf ainmal 
zusammen kommen, sie redten ain klain mit anander und under anderm, als 
die andern hin und herwider ritten, da redt der von Seckendorf mit dem 
marschalk, er sollt zu unscrm herrcn dem kniser sagen, es wer kain sorg 
daran, und sie beten, das er sie liess rennen; dann wa sie fdlteu. so sollt er 
in lassen die köpf abhawen. Der kaiser wolts nit zugeben. Also under 
anderm rennen uf und nider versuchtent sie sich gegen anander und zum 
dritten so treffen sie, das dem Waldenfelser der spiess ainzway sprang (ich 
han gemeint dem Seckendorf, aber darnach hat mir aincr gesagt, dem Walden- 
felser sy der spiess gebrochen) und erholten ain gross lob, dann es zu Cüln 
vor nit gesenhcn ist gewesen. Also ritten sie mit anander ab der ban und 
teten sich anders an und kamen herwider zum rennen der fürsten. 

Darnach trafend der küng und der pfaltzgraf und streich der küng gar 
mutsam hinzu und der pfaltzgraf begegnet im langsam und senft und stiess 
den küng uf die recht syien herab ledig. Der pfaltzgraf ward wider in den 
sattel geschoben und belib sitzen also. Des lacht der kaiser und tut vom 
fenster herab, dann es glych darby was, man sölt in den küng Hgcn Ion. 
Also warf der küng den arm uf, als er noch lag, und ward ufgehaben. 

Darnach rannten mit anander marggraf Christof und der Sturmfeder 
und nach langem und gnawem hersuchen, so sie baidersytz teten, trafend sie 
fast wol und randtcn baid sich anander fry hinder sich herab, das sie ül>er- 
giengen. Das was gar ain lustlich treffen. Also ward das rennen zumal ser 
gelopt, darumb das >ie all wol getroffen hetten. 

Da kam ainer von Liechtenstain und lud die östcrr^xhischen und mich 
zu ainer collacion oder banket, als ers nemmet. Das wollt der küng den 
schönen frowen zu nacht geben und ain tantz hon. Also tet ich mich zu 
den östcrrychischen und kamen die brandenburgschen ouch in ir herberj^. Da 
giengen wir mit anander in den sal, da der küng das banket geben sollt. 
Der was in ainem hus glych binden am tantzhus zu Coln. 



Zcitschr. f Gcich. d. Oberrh. N. F. XIII 4. 



Französische Bemühungen um Strassburg 
im April 1519. 

Von 

Karl Jacob. 



Das Beglaubigungsschreiben, mit dem im April 15 19 
Johann von Sains, Herr von Marigny, als französischer 
Gesandter in Strassburg erschien, war längst bekannt i). 
Über den Inhalt seiner Mission war daraus kaum etwas zu 
entnehmen. Denn gerichtet an den Rat und die vornehmen 
Bürger, aber auch an die Kaufleute der Stadt, begnügte 
sich das Schreiben damit, in Erinnerung an die alte Vor- 
liebe des Königs für die Reichsstädte und besonders an 
die alten freundschaftlichen und kommerziellen Beziehungen 
Strassburgs zum französischen Reiche, aufs schärfste dem 
Gerüchte entgegenzutreten, als ob König Franz die Feinde 
der Städte — gemeint war der Konflikt des Herzogs Ulrich 
von Württemberg mit dem Schwäbischen Bunde — mit 
Geld und Kriegsbedürfnissen unterstützt habe. 

Aus verschiedenen Aktenstücken im ersten Bande der 
jüngeren Serie der Reichstagsakten liess sich dann wohl 
der Zweck der Sendung Marignys erkennen, über ihren 
Verlauf aber und Erfolg fand sich dort keine Aufklärung«). 

Im Strassburger Stadtarchiv (VDG 85) hat sich nun 
neuerdings das offizielle Protokoll*) des Rats über die 
zwischen ihm und dem französischen Gesandten geführten 
Verhandlungen gefunden. Es ist, abgesehen von den drei 



') Gedruckt bei Laguille, bist. d'Alsace fol. preuves p. 119; Schöpflin, 
Als. dipl. II S. 454 n. 1452. Regest in Polit. Korr. der Stadt Strassburg I, 
ed. Virck, S. 25. — *} S. Kluckhohns Bemerkungen: RTA I S. 512 a. 3. — 
') Dass wir thatsächlicli das offizielle Protokoll vor uns haben, ist nach Form 
und Inhalt der Aufzeichnungen zweifellos. 



■nx^iiscJic IkmaHung^u um SSSE 



15*9 



in lateinischer Sprache überreichten Antragen Marignys 
und der Übersetzung" des ersten Antrags, ganz von der 
Hand des spateren Stadtschreibers Peter ßutz und ermög- 
licht uns» auf Grund seiner anschaulichen Schilderung, der 
eingeflochtenen Akten und im Zusammenhang mit den in 
den Reichstagsakten gegebenen Nachrichten eine ein* 
gehende, wenn auch nicht ganz lückenlose Schilderung 
von dem Verlaute der Mission zu geben und zu zeigen* 
dass dieselbe volLständig gescheitert ist. 

An diese Schilderung wird sich dann der Abdruck der 
wesentlichen Teile des Protokolls schliessen. 



Verhältnismässig spät erst erscheint die Reichsstadt 
Stra&sburg in den Praktiken der französischen Diplomaten, 
in deren Hände König Franz den Wahlfeldzug zur 
Gewinnung der Kaiserkrone vornehmlich gelegt hatte. 
Für die Wahl selbst war ja nur die Abstimmung der 
Kurfürsten entscheidend. Und an eine Beeinflussung der 
£lekt'->rcn durch die Reichsstädte war schwerlich zu denken. 
Wenn es aber zum Kriege kam — und darauf liess sich 
in den ersten Monaten des Jahres 1519 der Gang der 
Dinge doch sehr stark an — « dann musste die Haltung 
der grossen, kapitalkräftigen StÄdte, zum Teil auch, wie 
die Strassburgs, aus strategischen Gründen, von erheblicher 
Bedeutung werden. Das hat König Franz frühzeitig erkannt 
Im Reiche galt als ausgemacht, dass Herzog Ulrich von 
Württemberg bei seinen Unternehmungen gegen den 
Schwäbischen Bund sich des Einverständnisses und der 
UnttTstützung von Fr;tnkr«.*ich zu erfreuen hatte. Sobald 
der König davon Kenntnis erhielt, beeilte er sich (am 
j. M^rz) seinen Vertretern nach Luneville — von hier aus 
xunctchst» später von Nancy leiteten Orval, Bonnivet und 
GuiUiut die ganze Aktion — für eine Reihe von Reichs« 
Städten Schreiben zu schicken, in denen er jenem, nach 
seiner Behauptung natürlich falschen Gerüchte auf das 
entschiedenste entgegentrat >). Indess scheinen diese Briefe 



#t Ft»oi L «ii £oniu%ct und GuilUrt I(;iq Märr \, RTA l S. ^jt 

i7* 



562 Jacob. 

damals nicht weiter gesendet zu sein*). Immerhin ist auf- 
fällig, dass, soviel wir wissen, Strassburgs dabei nicht 
gedacht zu sein scheint. 

Früher schon war von des Königs Seite eine Gewinnung 
des Bischofs von Strassburg ins Auge gefasst*). Ob und 
wie weit dem Folge gegeben ist, wissen wir nicht; wenn 
der Versuch gemacht wurde, so ist er sicher vergeblich 
gewesen. Denn von einer franzosenfreundlichen Stimmung 
im Elsass ist nichts zu bemerken. Im Gegenteil: schon im 
Februar regte der österreichische Landvogt im Unterelsass 
eine Landsrettung ^) zur Abwehr eines von Frankreich zu 
befürchtenden kriegerischen Einfalls an. Sowohl der Bischof 
wie die Stadt Strassburg erklärten sich zur Hilfeleistung be- 
reit*). Der kriegerische Losbruch Herzog Ulrichs s) trugnatur- 
gemäss zur Verschärfung der antifranzösischen Stimmung 
bei; seine Katastrophe, die sich sogleich ankündigte, nahm 
dem König Fr^nz die letzte Hoffnung auf die Geldmittel 
der schwäbischen Städte. Man musste auf andere Mittel 
und Wege bedacht sein; gleichzeitig mussten militärische 
Massnahmen ergriffen werden. In diesem Zeitpunkt tritt 
nun die Bemühung um die Gewinnung Strassburgs im 
Kreise der französischen Bestrebungen auf. 

Nicht vom Hofe, sondern von Bonnivet und Guillart 
ist, soviel wir wissen, die Anregung ausgegangen. Am 
I. April machen sie den König darauf aufmerksam, welche 
Dienste unter den damaligen Umständen drei Reichsstädte 
ihm leisten könnten: Frankfurt als Wahlort, Metz zur Ver- 
sammlung der Armee, wenn sich das nötig erweise, und 
Strassburg für den Übergang über den Rhein. Diese 
Städte für die Interessen des Königs und für ein Bündnis 
mit ihm zu gewinnen, wollen sie bemüht sein und — es 
ist bezeichnend, dass sie das gleich hinzufügen — dem Ver- 
dachte, als ob Franz den Herzog Ulrich gegen die Städte 
unterstützt habe, entgegentreten«). 



*) RTA I S. 371 a. 4. — -) Franz I. an Bonnivet und Guillart 1519 
Febr. 17. RTA I S. 247 n. 71, s. auch S. 274 n. 84. — ^) So heissen die 
Verteidigungsbündnisse der elsässischen Stände. — *) Polit. Korr. der Stadt 
Strassburg I S. 25 n. 54 und a. i. — ^) Über Ulrich von Württembergs 
Konflikt mit dem schwäbischen Bund und seine Katastrophe s. Ulmann, 
Fünf Jahre württemb. Gesch. 1867. — «j RTA I S. 512 n. 193. 



FrAAjESsischc Hemalinneen um Stressburg l J. IS19* 



5^3 



Wie weit der König die Absichten seiner Gesandten 
hinsichtlich Strassburgs gebilligt hat, lässt sich nicht klar 
erkennen *), doch werden wir annehmen dürfen^ dass er mit 
ihrem Plane einverstanden waf^). Dass das Kreditif für 
Marigny*) vom 7, April aus Paris datiert ist, ist freilich 
nicht entscheidend: es ist wahrscheinlicher, dass kraft der 
ihnen erteilten Vollmacht die Gesandten auf einem Dlankett 
die Vollmacht selbst ausgestellt haben*). 

Der Mann, dem die Mission aufgetragen wurde, Johann 
von Sains, Herr von Marigny» BailU von Senlis, war durch 
vielfache Verwendung seit Jahren mit den deutschen 
Angelegenheiten vertraut; in der diplomatischen Aktion 
zur Erlangiing der Krone war er einer der meistbeschaf- 
tigten französischen Agenten*). 

Am II, April spätestens war er von einer Sendung 
zum Kurfürsten von Trier \\-ieder bei Orval und seinen 
Kollegen, die inzwischen ihr Hauptquartier nach Nancy 
verlegt hatten, eingetroffen. Bereits am 15. melden diese 
ihrem Herrscher. Martgny sei mit dem Propste von Sierck 
in Strassburg um des Rheinübergangs mllen*). In der 



I) A. i. O. $. 514 n. 1 i»lvd nm &nge|»eWn, «Sass König Firnis in u 
kntwort VMti 5. April dir von «t. G<^ftndun erlassenen Anweiiuogcn 
Ulf L — ') Immerhm bleibt aufflllijs, Am^s bei d«r leblutflen KoTretpoodens 
Ipl dem König und teuien Vertretern wir erst Atn 50. April t^n einer 
mdtlldlUchen Billigung der >fission durch den K^nig hören, also iti «incr 
ZeJti wo dieselbe bereits ihr Ende gefunden h&tte; s. RTA I S. 619 n- 36l» 
— •) OrigiRÄl im Slrastburger Sudutcliit VDG 35» — *) Schon am 2L Febr. 
hatte tkr KAni|> seinen GeneralvertTetcm Sekretiiegel und Blankettt geschickt 
<KTA 1 S. iti^ n. 79 u. 276 ti. 86); vgl, daru die nrnfafsende Voll macht ftlr 
'Orval, Honnivet u. Guilba RTA I S. 157 0, 11 vom 29. Jan. Dats Marigny» 
Kreditif von OrTal n. s. w. aui|{estel)t ist. dafür »pridtt bts. ; daM Frans in 
dieser Zeit nicht in Paris twie das Kicditil angtehh« »andc^rn St. Gerniuin-eo* 
Layc ist; dass wir keine Spur davon haben, dass die Vollmacht vom Hofe 
it I ist, oder d«»5 Mangny von den Ges, als geeignet bezeichnet wurde: 

1 Ute lücht >«'t%sea, üb M» ttiDlgtiar war. VgV vrie auch «pllet M. 

vom König Antwort und Befehle erhalten haben wUl^ wo «le sieber nur von 
den Gesandten herrühren {». im Colfendeii & S<»8), — ^} Über Marignys Thitig« 
keil im Reiche s. RTA I (Rtgliter). — •) RTA I 8.556«. 312: Her hds« 
es nur: arec un des gen» de inons' d« Lorratne; d«ss es der Propst von 
Sie«rk wart darf nun wohl ans dem Briefe von Orval n. Gen. an Marigny 
ichliakien (RTA I S. 5S1). in d«ia M» angewiesen wird, »dt tout commmiiquer 
ftvtc le pr^voft de Sieiq«. 



ifi^ 



5Ö4 Jacob. 

That muss er an diesem Tage in Strassburg eingetroffen 
sein, denn schon am i6. April, Sonnabend vor Palmarum, 
war er in der Lage, nach Überreichung seines Kreditifs 
seine Werbung in eleganter lateinischer Rede vor dem 
Rate der Stadt anzubringen und zugleich schriftlich zu 
überreichen i). 

Schon das Beglaubigungsschreiben hatte der Begün- 
stigungen gedacht, deren sich von jeher in Frankreich, 
dessen Unterthanen gleichgestellt, die Angehörigen der 
Reichsstädte in ihren Handelsbeziehungen zu erfreuen 
gehabt hätten; es hatte insbesondere an die alten Ver- 
bindungen und Freundschaftsbande zwischen Strassburg 
und den französischen Königen erinnert und vornehmlich 
das Gerücht bekämpft, dass König Franz mit Geld oder 
andern Kriegsmitteln die Feinde der Städte unterstütze. 
Diese Gedanken führte der Abgesandte weitläufig aus. 
Sein Gebieter, so begann er in überschwänglichen Worten, 
sei gewillt, die freundschaftliche Gesinnung und die Wohl- 
thaten, die seine Vorgänger der Stadt bewiesen hätten, 
noch zu steigern. Dann aber ging er auf die aktuelle 
Veranlassung zu seiner Entsendung über. Er bat, der Rat 
möge dem Gerüchte nicht Glauben schenken, dass König 
Franz nach der Kaiserkrone strebe, um die Freiheiten und 
Privilegien der Städte zu brechen; nichts liege ihm ferner 
bei seinen Bemühungen, aber niemand sei geeigneter zur 
Wahl als König Franz, den sein Lebensalter und persön- 
liche Tüchtigkeit, seine Macht und kriegerische Erfahrung 
gleichmässig empfehlen, der, nach der Wiedergewinnung 
des ihm rechtmässig zustehenden Herzogtums Mailand, 
dauernden Frieden in der Christenheit herbeigeführt und 
seine ganze Kraft auf die Bekämpfung der Türken ge- 
richtet habe. Denn nicht der eigene Vorteil, sondern der 
Nutzen der Gesamtheit leiten ihn. Daher, so bittet der 
König durch seinen Gesandten, möge der Rat von Strass- 
burg feindseligen Ausstreuungen über ihn keinen Glauben 
schenken, insbesondere nicht, dass er dem Herzog Ulrich 



') Hiermit beginnt nach einer Übersetzung des Kreditifs das Rats- 
protokoll. Marigny wohnte in der Herberge zum Seiden faden , SchifFleut- 
staden 33 (Seyboth, d. alte Strassburg S. 208). 



Frftxit5ii»c)it Bemflhuitsieii wn 5?tT»Mbfiifß L J. tji«?. 



565 



von Württemberg' gegen die Reichsstädte habe Unter* 
Stützung zu Teil werden lassen: seine Macht sei doch so 
'gross» dass solches Eintreten leicht für jeden zu erkennen 
gewesen wäre. Nichts liege auch« so fuhr Marigny fort, 
dem Könige ferner, als kriegerische Pläne gegen das Reich; 
wählen um die Kurfürsten» so wolle er seine ganite Macht 
in den Dienst der Rechte stellen, die er dann an das Reich 
habe. Darüber dürfe sich niemand mehr freuen als die 
Bürger von Strassburg, denn nur den kaiserlichen Namen 
erstrebe König Franz, thatsächlich würden sie die Gebieter 
sein und der König nur auf eigene Gefahr und mit eigener 
Kraft der Vulhirecker ihrer weisen Ratschlage. Dann 
wtrde in Deutschland Friede einkehren und Gedeihen ftir 
Handel und Wandel. Aber auch wenn wider Erwarten 
dem Könige die Kaiserkrone nicht zufalle, möge ihm Strass- 
burg seine Freundschaft bewahren, gloichwi^^ er drv Stadt 
stets wohlgeneigt bleiben werde. 

Der ganze Vortrag des Franzosen bestand eigentlich 
nur aus schönen Redensarten ohne reale AnerbSetungen, 
ohne auch deutlich auszusprechen» was sein Konig vom 
Rate der Reichsstadt im Grunde begehrte, Dass die Be- 
hauptungen, mit denen in hochtrabender Weise die Unter- 
stützung des Württembergers schlankweg abgeleugnet 
wurde, viel Glauben gefunden haben, ist nicht anrunehraen. 
Die übrigen Anpreisungen zu gunsten einer W^ahl Franzens 
sind die bekannten: die Bekämpfung der Türken, des Königs 
Machtfülle und der Glanz seiner Persönlichkeit, Es ist mit 
Recht hervorgehoben worden ^), dass die stete Betonung 
der beiden letzten Umstände bei den die deutschen Reichs- 
stände erfüllenden Anschauungen sicher wt^nig geeignet 
war« des Königs Kandidatur für die Kaiserkrone zu 
» Men. Und die schönen Vorspiegelungen des Ge- 
von der Uneigennützigkeit, mit der König FrAnat 
das Kaisertum, wenn es ihm zufiele, in den Dienst der 
stadtischen Interessen zu stellen beabsichtige, werden sicher 
in ihrer Hohlheit erkannt worden sein. 

Dem Gehalte des franzosischen Anbringens entsprechend» 
fiel denn auch die Antwort des Rats nichtssagend genug 



RMtu K«b«fw«h) K»rb Y. & 6«. 



506 Jacob. 

aus. Der Rat sagt seinen Dank für die Gnade und die 
freundschaftlichen Gesinnungen und Erbietungen, die der 
König der Stadt in Aussicht stellt. Kann sich die Stadt 
diese Verheissungen durch ihre Dienste verdienen, so wird 
sie jederzeit dazu bereit erfunden werden. Ins Lateinische 
übersetzt — denn das war die offizielle Sprache, in der der 
Gesandte mit dem Rate verkehrte — ward diese Antwort 
am folgenden Tage, Palmsonntag den 17. April, von den 
Deputierten der Herren Rät und XXI, dem Ritter Ludwig 
Böcklin, Konrad von Duntzenheim, Georg Marx von Eck- 
wersheim, Nicolaus Knibis und Jacob Meyer Marigny 
überreicht. 

Der aber ist garnicht zufrieden damit. Er begehrt 
Antwort auf den mündlich vorgetragenen Wunsch seinem 
Königs nach Einigung und Bündnis, denn in zwei Monaten 
werden die Kurfürsten zur Wahl nach Frankfurt kommen, 
und da man nicht wisse, ob der König von Böhmen oder 
der von England oder der von Spanien oder der aller- 
christlichste König werde gewählt werden, so beabsichtige 
sein Gebieter, zwei Botschafter 1) , darunter den Admiral 
Bonnivet, zum Wahltage zu entsenden: denen sei auf ihrer 
Hin- und Rückreise Sicherheit und Geleit nötig und Geld 
zu ihrem Unterhalte. Daher sei des Königs Begehr, dass 
der Rat dieselben, wenn sie die Stadt erreichten, geleite 
und ihnen gestatte, eine Summe Gelds zu ihrem Unterhalte 
bei ihm zu hinterlegen*). 

Die Abgeordneten erwiderten ihm, es geleite der Rat nur 
in der Stadt, nicht ausserhalb; jede weitere Verhandlung, 
auch die Übermittelung seiner Wünsche wiesen sie als über 
ihre Kompetenz gehend ab; Marigny möge sich selbst an 
den Rat wenden, der werde ihm bereitwillig Gehör geben. 
Jener entgegnete: er ziehe vor, die ihm zu Teil gewordene 
Antwort dem Admiral Bonnivet zu schicken und dessen 
weitere Weisungen abzuwarten. 

So ruhten die Verhandlungen fast eine Woche. Bisher 
war Marigny seinen Aufträgen nur in sehr ungenügender 



^) Thatsächlich sind die drei Leiter der Wahlkampagne geschickt 
worden: Orval, Bonnivet und Guillart^ — '•*) >Dorzu etlich gelt zu ir zening 
hinder unser liern zu erlegen*. 



FrmßsO$tscbe Bemdhungeo um Stra&^burg i. J, 1519. 



567 



Weise nachgekommen. Die ihm aus Nancy zukommende 
Antwort*) auf seinen Bericht macht denn auch den Ein- 
druck erhebÜcher Unzufriedenheit seiner Auftraggeben 
Dadurch wird bestätigt, dass er die drei Punkte, zu deren 
Erreichung er nach Strassburg geschickt worden war» gar 
nicht dem Rate, sondern erst auf dessen Antwort den 
Deputierten*) vorgebracht hat. Wenn er bei dieser Gelegen- 
heit behauptet hatte, er habe bereits mündUch dem Wunsch 
seines Königs nach Einigung und Biindnis Ausdruck gegeben, 
so kann das nur neben dem offiziellen Anbringen in sehr 
unbestimmter Form geschehen sein. Sonst hätte der Rat 

eher geantwortet. Zudem entsprach das gar nicht seinem 

u firage. 

Jetzt werden ihm von den Vertretern des Königs 
kte Weisungen gegeben ober alle drei Punkte und er 
'^oil sich damit an den Rat wenden. Der erste Punkt 
betrifft die Begünstigung des Handels und die Vermehrung 
der den Strassburgem zustehenden Privilegien ») ; von einer 
andern Allianz mit Frankreich sei ihres Wissens nie die 
Kede gewesen*). Aller Nachdruck liegt auf dem zweiten 
Punkt: den Vertretern des Königs und ihrem Gefolge den 
Durchzug durch die Stadt zu .sichern^). Marigny wird 
getadelt, dass er Namen genannt hat, statt ganz allgemein 
von Reisigen des Königs zu sprechen«»; muss er Zahlen 
nennen, so soll er ioüo angeben, zu Pferd und zxk Fuss, 
Viel weniger Wert wird auf das Deponieren des Geldes 
gelegt, denn wenn für die Reisigen und ihr Truss der 
Durchzug bewilligt sei, w*erde auch alles Übrige sicher 

in* Mit dem Propste von Sierck soll er alles bereden 



^H Durchzug 
^^^M^in* Mit 



^ RTA 1 S. 580 f. n. 239. Das Dslum »t von liesi Hci&Q&g:cl>ern 
ii«ht&g Auf CA. 30. A|iri) aogeieut. deno am 17. berichtet Mai^i^}. am 33. 
ItAt er die Antwort in Hinden. — <) Weaa in der Antwort der GetAtidten 
(HTA I S. s9a) vdq acht Ratfdcputtcrteo dk Rede ist, to iit das UAch dem 
Protokoll ein Irrtum« — *| Tl *t doit eotendie »eiiEeizieiit pour te fait dr 
leura morchandbe« et de kur prrvilleige* etc — *i Et croyoni *]ue jfttiiaU 
najeot ru autre »lliancc i b mattoa «le Ftmnce* — *> Yous eiitcndei a»«ee, 
que le principal affaire que ayon« de k viUe dodit Stnuibourg« est pom notu 
a*%n»nrr du passaig« potir Ic gen» da roj-; ttud weiterhin: et U eit nostre 
ptitK'ip»! flffaire que d*e»tfB aifctiffi^ du paisaige. — *> El tt'ettoit besotng 
i.i i'-uiisiei express^ment somroer, niaU ta ^jtsiknä deviex nomroer les 

k 



568 Jacob. 

und nach bestem Vermögen sich bemühen, Strassburg auf 
die Seite des Königs zu bringen. 

Auf Grund dieser neuen Weisungen erschien Marigny 
dann am Samstag vor Ostern, den 23. April, wieder vor 
den Herren Rät und XXI. Er behauptete, die ihm erteilte 
Antwort habe er seinem Könige geschickt, der sie in 
Gnaden vernommen. Das war eine bewusste Unwahrheit, 
es ist zeitlich und durch den Brief von Orval und Genossen 
ausgeschlossen. Darauf bringt dann Marigny die drei 
speziellen Punkte vor, auf deren Erörterung und Über- 
mittelung die Deputierten des Rats sich nicht eingelassen 
hatten. Zunächst beschränkt er die Bündnisforderung auf 
das Begehren gegenseitiger Sicherheit für Handel und 
Wandel. Dann verallgemeinert er, gemäss der neuen 
Weisung, den zweiten Punkt auf die Forderung freien 
Zugangs, Aufenthalts und Ausgangs für die Gesandten und 
Botschaften des Königs zur Wahl nach Frankfurt in ge- 
nügender, angemessener Zahl. Drittens soll dem Könige 
gestattet sein, für den Unterhalt seiner Gesandten oder zu 
andern Zwecken Geld in Sicherheit in der Stadt zu depo- 
nieren, so dass der König oder seine Beauftragten jeder- 
zeit darüber verfügen können. Alle diese Abmachungen 
sollen zu grösserer Sicherheit gegenseitig verbrieft imd 
besiegelt werden. 

Da Marignys Anbringen wieder in lateinischer Sprache, 
der die Mehrheit des Rats unkundig war, erfolgte, begaben 
sich in dessen Auftrag am Nachmittag Claus Knibis und 
Jacob Meyer zu dem Franzosen, ihn um schriftliche Ein- 
reichung seiner Wünsche zu ersuchen. Der zog unverzüglich 
den lateinischen Aufsatz aus der Tasche und händigte ihn 
den Deputierten ein. 

Infolge des Osterfestes wurden diese Artikel — ins 
Deutsche übersetzt — erst am Dienstag, den 26. April, 
vor dem Rate verlesen. Man merkt dem offiziellen Berichte 
selbst an, wie schwer den regierenden Herren der alten 
Reichsstadt die Entscheidung wurde. Auf der einen Seite 
fiel ins Gewicht die Nähe der französischen Macht und die 
Furcht vor Repressalien im Falle der Ablehnung. Auf 
der andern Seite konnte eine Zusage, wenn König Karl 
gewählt wurde, leicht dessen Ungnade und die Feindselig- 



Franzdiisclid Bemahuugen um Strassbiirg f. J. J519. 



5Ö9 



,9teit anderer Reichsstände zur Folge haben. Zudem fehlte 
dne Anzahl »alter Herren^ bei der Beratung. So kam 
man zu dem Entschluss — dem Gesandten gegenüber den 
zuletzt genannten Umstand als Grund der V^erzögerung 
angnebend — die Entscheidung hinauszuschieben und in» 
zwischen »unsem gnädigen Herrn von Strassburg«, den 
Bischof Wilhelm, in seiner Residenz Zabern um Rat an- 
zugehen. 

Marigny war begreirticherweise mit dem ihm durch 
Hans Ludwig von Rotwil und Caspar Hoffmeyer über- 
brachten Bescheid sehr wenig zufrieden* An die vierzehn 
Tage, so liess er sich übertreibend vernehmen, läge er 
hier» ohne eine Antwort erhalten zu können. Und die 

♦Forderungen wären doch billig und würden von andern 
Ständen nicht abgeschlagen. Der Wahltag näherte sich 
und wenn er keine Antwort empfienge, so würde sein König 
> verschnupft j werden. Ganz unverständlich aber ist, dass 
er nun, ohne dass die Notwendigkeit erhellt, gegen seine 
Instruktion den Hauptpunkt folgendermassen erläutert: 
nicht mit (Tewalt» so Utsst er sich ven^ehmen, begehre 
König Franz den Durchxug für seine Gesandtschaften, 
sondern für 30 oder 20 Pferde. Das widerspricht doch 
völlig den uns bekannten Weisungen. Wir wissen nicht» 
was ihn zu dieser Abweichung veranlasst hat» ob etwa ein 
Missverständnls oder ein Fehler in der Instruktitm» die in 
seine H<mde gelangt war Genug, wenn die Antwort sich 
weiter verzögere, so wolle er nach Nancy reiten und 
einen Diener In Sirassburg lassen, den Bescheid zu 
empfangen. Schliesslich gab er sich doch zufrieden^ als 
ihm die beiden Deputierten für Donnersia«^, den 28, April, 

Ieine Antwort in Aussicht stellten. 
Zum Bischof waren die Ritter Huus Bück und Claus 
Knibis gleich von der Rats^sit/ung am Dienstag in aller 
Eile entsendet worden» Bereits am Mittwoch Morgen kam 
Clauä Knibis %*on Zabern zurück und referierte: des Bischofs 
Rat sei. dass man sich einen Monat Bedenkzeit nehme* 
den Gesandten fortziehen lasse und einen Ort bestimme, 
an dem dann die Entscheidung mitzuteilen sei. Inzwischen 
könne sich die Lage verändern und weder zu» noch abzu- 
sagen, sei jeUt ratsam. 



570 Jacob. 

Nach langer Beratschlagung entschloss sich aber der 
Rat, doch dem Gesandten eine »unvorgreiflichec Antwort 
zu geben. Dieselbe wurde von Rotwil und Hoffmeyer 
aufgesetzt, nach dem Imbiss verlesen, ins Lateinische über- 
setzt und am folgenden Tage, Donnerstag, den 28. April, 
durch Hans Ludwig von Rotwil, Caspar Hoffmeyer und 
Jacob Meyer in seinem Quartier im Seidenfaden an Marigny 
übergeben. In höflichen und recht weitschweifigen Worten 
wird der eigentliche Kern, der auf Ablehnung aller fran- 
zösischen Forderungen hinausläuft, verhüllt. 

Für die freundschaftlichen Gesinnungen des Königs 
F>anz und die den Kaufleuten in Aussicht gestellten Ver- 
günstigungen sagt der Rat seinen aufrichtigsten Dank 
und erbietet sich seinerseits zu allen Diensten und zu.« 
gleichmässiger Behandlung der französischen Unterthanen 
und Kaufleute wie bisher. Damit war für den König 
nichts gewonnen; in seinem Interesse lag die Bewilligung 
der beiden andern Punkte. Da aber war der Rat keines- 
wegs entgegenkommend. Zwar sei man bereit, so hiess 
es, dem Könige, wo immer möglich, zu Gefallen zu sein; 
auch sei bisher französischen Gesandtschaften stets Durch- 
zug und Aufenthalt von der Stadt gewährt worden; und 
da von einer besonderen Verfeindung von Reich und 
Ständen mit Frankreich neuerdings nichts bekannt sei, so 
werde auch jetzt den Abgesandten des Königs, wenn sie 
wie bisher in bescheidener und geziemender Anzahl mit 
nicht mehr als dreissig oder vierzig Pferden kämen, sich 
in öffentlichen Gasthäusern unterbrächten und keinen 
längeren Aufenthalt begehrten, wie gebräuchlich freies 
Geleit in der Stadt, aber nicht ausserhalb, wie allen 
Andern, gewährt werden. Eine solche Zusage kam, mit 
den Absichten der französischen Staatsmänner verglichen, 
einer Absage gleich. 

Und eine Absage wurde für den dritten Punkt direkt 
ausgesprochen: der Rat bat, ihn mit Hinterlegung von 
Geldern zu verschonen. Da den Gesandten erlaubt werde, 
ihre Bedürfnisse in der Stadt zu bestreiten und ihnen Geleit 
zugesichert sei, so sei eine Deponierung von Geld beim 
Rate oder bei Einwohnern überflüssig, auch widerspreche 
solche Verpflichtung allen Gepflogenheiten der Stadt. Von 



Französische Bemühungen um Strassburg i. J. 1519. c*?] 

schriftlicher Vereinbarung ist keine Rede. Solche Antwort 
möge, so wird zum Schlüsse gebeten, der König in Gnaden 
aufnehmen. 

Auf diesen Bescheid entgegnet Marigny, man habe 
ihn durchweg missverstanden. Es sei für seinen König 
eine Beleidigung, ihm die Entsendung einer Ambassade 
von 30 oder 40 Pferden zuzumuten, denn der König von 
Frankreich sei gewöhnt, wenn er an Papst, Kaiser, Könige 
oder Fürsten Gesandtschaften abordne, sie in stattlicher 
Zahl, mit 200 oder 400 Pferden zu schicken. Auch jetzt 
wolle er an die Kurfürsten seine besten Räte mit statt- 
lichem Gefolge zur Wahl nach Frankfurt deputieren, 
nicht in WafFenrüstung, aber in grossem Prunke. Wie 
könnten die sich mit 30 oder 40 Pferden begnügen, wenn 
Herren darunter wären, die, für sich selbst reitend, in 
Frankreich mit 200 Pferden einherzögen. Auch handele 
es sich nur um einen Aufenthalt von einem oder zwei 
Tagen. Das Geld wolle er nicht beim Rate, sondern bei 
seinem Wirte oder bei Kaufleuten hinterlegen, nur wolle 
er sicher sein, dass es der Rat nicht angreife. 

Die Deputierten Hessen sich wieder auf Verhandlungen 
nicht ein, sondern wiesen Marigny an den Rat; der habe 
sich an die ihm schriftlich unterbreitete Eingabe gehalten 
und nicht wissen können, was jener sonst im Sinne gehabt. 
Der Franzose aber kam noch einmal auf die abgelehnten 
Forderungen zurück. Er begrenzt jetzt, auf Anfrage, die 
Zahl der Pferde, die durchziehen sollen, auf sechshundert. 
Andererseits begehrt er nur Sicherheit, dass nicht durch 
Arrest vonseiten des Kaisers, des Schwäbischen Bundes 
oder anderer Stände den Gesandten die Verfügung über 
die deponierten Gelder entzogen werden könne. Schliess- 
lich wird abgemacht, dass er sich schriftlich an den Rat 
wenden soll, da er bereits am folgenden Tage abreisen, 
aber einen Diener zum Empfang der Antwort zurück- 
lassen will. 

An diesem Tage, Freitag den 29. April, hat dann 
Marigny die neue Formulierung seiner Forderungen an 
den Rat gelangen lassen. Er beantragt jetzt dreierlei: 
erstens Durchzug für die Gesandtschaft nach Frankfurt auf 
der Hin- und Rückreise mit je 600 Pferden; zweitens 



572 Jacob. 

Sicherheit und Geleit für die Gesandtschaft und ihren Tross 
soweit es die Stadt zu gewährleisten pflegt, zugleich Sicher- 
heit und jederzeit freie Verfügung über die bei Kaufleuten 
zu hinterlegenden Gelder; drittens Erlaubnis für die Ge- 
sandtschaften, wohin sie auch bestimmt seien, sich zwei 
bis drei Tage oder jedenfalls eine kurze Zeit, je nachdem 
es sich notwendig erweise, in der Stadt aufzuhalten. 
Für die Gewährung dieser Wünsche werde es der König 
an Dankesbezeugungen gegen die Stadt nicht fehlen 
lassen. 

Auf diese Eingabe Hess der Rat den Gesandten um- 
gehend durch Konrad von Duntzenheim, Rotwil und Meyer 
mündlich bescheiden, dass er es bei seiner früheren Antwort 
bewenden lasse, im übrigen zu allen billigen Diensten dem 
König Franz jederzeit bereit sei. 

Damit bricht das Protokoll über die Verhandlungen 
ab. Marigny muss die endgiltige Resolution des Rats 
umgehend den wieder in Luneville befindlichen General- 
bevollmächtigten geschickt haben, da diese am Morgen 
des ersten Mai den Bericht erhalten haben»). Er selbst 
begab sich von Strassburg aus alsbald 2) mit neuem Auf- 
trage — auch aus diesem Grunde hatte er wohl den Rat 
so sehr zur Entscheidung gedrängt — zum Herzog Wilhelm 
von Bayern*). 

Noch am 26. April hatten Orval, Bonnivet und Guillart 
auf Grund von Berichten Marignys, die wir leider nicht 
kennen, deren sicher optimistische Färbung aber schwerlich 
den thatsächlichen Verhältnissen entsprochen haben wird, 
dem Könige Hoffnung gemacht, dass es hinsichtlich des 



>) Bonnivet und Guillart an Fianz I. 15 19 Mai i Lun6ville. RTA I 
S. 633 n. 265. — *) Marigny ist frühestens am Sonnabend, den 30. April 
abgereist, denn an diesem Tage kommt er beim Rate um die Erlaubnis ein, 
von dem Kaufmann Daniel ein Pferd erhandeln zu dürfen (das Gresuch liegt 
dem Protokoll bei); am 9. Mai ist er bereits auf dem Rückweg vom Bayern- 
herzog wieder in Strassburg (RTA I S. 681). — ») Schon am 26. April 
berichten Orval u. Gen. dem Könige, dass sie Marigny den Befehl zu dieser 
Reise geschickt haben: RTA I S 603. n. 253. Der Rat hatte ihm wegen 
des bei seiner Abreise zu befürchtenden »Geschreis« angeboten, ihm bis zu 
sechs Dienern mitzugeben, nicht um ihn zu geleiten, sondern um ihm den 
Weg zu weisen (s. am Schlüsse des Protokolls). 



FrmoiOsische BemliHujigea tun Strftssbui^ i. J. igr^. 



573 






Durchzugs zu einem guten Abschlüsse kommen würdet). 
Franz billigte darauf am 30. April ausdrücklich die Ent- 
sendung Marignys, da Strassburgs Haltung für ihn von 
Nutzen sein könnet). Indes schon am 1, Mai müssen ihm 
die Generalbevollmächtigten melden, dass Marignys Aktion 
völlig gescheitert ist; das einzige Resultat» das sie angeben» 
ist die Bewilligung des Durchzugs lür eine Cavalcade von 
dreissig bis vierzig Pferden; ein Zusatz« den sie machen, 
leweist, dass sie sich über die wenig franzosenfreundliche 
esinnung der Städte im Reiche keiner Täuschung hin- 
gegeben haben*), 

V^on weiteren Anknüpfungen mit Strassburg vonseiten 
des französischen Königs oder seiner Vertreter während 
der Wahlkampagne wissen wir nichts. Schwerlich wurde 
ein erneutes Liebes werben von grosserem Erfolge begleitet 
gewesen sein. Kurz darauf, im Mai, schlössen sich die 
unlerelsässischen Stfinde gegen einen von König Franz zu 
befürchtenden kriegerischen Angriff aufs neue zu einer 
Landsrettung zusammen; indem sie sich aber unvermögend 
fühlten, im Ernstfalle dem mächtigen Nachbarn zu wider- 
stehen« wendeten sie sich um Hilfe und Unterstützung an 
das österreichbche Regiment in Ensisheim und an den 
Pfalzgrafen in Heidelberg«), 

Die Bemühungen der franzosischen Staatsmänner, in 
der alten Reichsstadt am Oberrhein einen Stützpunkt für 
ihre politischen Bestrebungen zu gewinnen» w^aren voll* 
kommen vergeblich gewesen. — 



höane conclu»ton poar Ic f»«ÄS*ttje »udi« Ueu: RTA I S- 001 n. 25^. — 
»j HTA I S. ÖI9 n, 261, — ') RTA l S. 6^3 ». 36$ r (M»rigny> noas a 
cüToy^ por cfciipl ceulx dudit StJAUsboui]g^ i)ui e«t »cuJiecnenl U pus&a^e 
pour vos geus Jotques k 50 ou 40 cher«uh na plu«. Et enteodef, «ire, 
qo'tl n*Y • viUe cd Allemaigne qui ofAst p^lcr Friui^oii . , — 

*) S. Folit, Koncip. dcf Sudl StrAssburg 1 S. 36 f. n, 56—59. 



574 Jacob. 



Beilage. 

König" von Franckrichs Werbung an unser kern ret und XXj gethon 
nach absterben wiland rom, heysers Maximüiani hochloblister gedechtnus. 
Anno Domini MDXIX. 

Oratoris regis Francie christianissimi ad dominos prepotentes, domin os 
cives et gubematores inclite civitatis Argentine oratio*): Etsi, viri percelebres 
atque generosissimi, Demosthenis eloquentia aut Tulliana non sit mecum 
facundia, humanitate tarnen vestra — que copiosa est et qua, ut soletis, apud 
omnes utimini — fretus alque confisus in conspectum tarn honeste contionis 
descendere non erubencam. Credo equidem (nee vane) vos satis exploratum 
habere, viri magnifici, quanto cum studio quantaque cum animi intemerata 
affectione reges christianissimi perantea veslram amiciciam vestrasque magni- 
ficencias semper observaveiint; quibusque precordiis et quam visceraliter vos 
civitatemque vestram excellentissimam semper coluerint atque amaverint, nemo 
vestrum est qui nesciat. Ea de re cupientissime desiderans rex ad presens 
christn»"« suorum more predecessorum illam eamdem amiciciam non sohim 
continuare sed etiam cum incremento magis ac magis augere atque roboraie : 
placuit Sue christm« Md me tamquam oratorem suum (licet inmcritum) ad 
excellentissimas D"c« V"* destinare, quatinus sincere sue aft'ectionis erga vos 
civitatemque vestram nobiHssimam suum summum desiderium vobis ego 
nunciarem, quod quidem facile experiri poteritis, ubi aut quando casus conti- 
gerit aut quando negotium vestrum se obtulerit aut suadebit. Sed quia 
(seminatore discordie procurante) plerumque accidit, quod mali homines 
amicicie mutue regum, principum ac civitatum invidentes suramopere satagunt 
amiciciam perturbare et ut eam dissolvere atque dissipare possint, infiuitas vias 
et multos nocendi modos exquirunt atque moliuntur, dicam que ad aures 
regis Christ*"'», domini mei supremi, devenerunt: videlicet quosdam malivolos 
atque seditiosos per totam fere Germaniam divulgasse regem ipsum christ"»""» 
ad Imperium anhelare, ut libertates et privillegia civitatum imperialium tolleret 
atque destrueret et ut easdem civitales sub iugo servitutis detineret. Qui- 
quidem falsus rumor atque mendosa seminaria rogat atque obtestatur M^^s 
Christ"™* non auribus vestris inmorentur, non fallant prudentissimas animas 
vestras nee patiamini vos fallaci quadam verbositate hominum perditissimonim 
decipi, qui nichil aliud volunt quam ut amiciciam, quam erga vos christ"^"* 
rex observantissime custodivit, deslruant atque labefactent, et ut omnino ab 
eadem amicicia animos vestros generosos distrahant, separent atque penitus 
alienent. — Queso, viri perprudentes, sinistrum quitquam de regia M^« 
christroa non credatis, sed nee mendatia malorum hominum atque versulias 
veritati anteponatis. Omnis enim homines qui in maximis principatibus aut 
qui de rebus publicis aut privatis Consultant decet inprimis animadvertere, ne 
cuiusquam detractioni assentiant, sed vigilantius enitendum est, ut durcnt 
invietis animis et ut rcrum omnium veritatem circumspiciant atque intelligant. 

*) Die Handschrift dieser ersten Proposition lässt auf franz. Ursprung 
schliessen; wahrscheinlich das vom Gesandten überreichte Exemplar; seine 
beiden späteren Anträge (s. S. 578 u. S. 583) sind von demselben Schreiber. 



Ffiuizüsische Bemühungen um Strassburg i. |. 151^* 



575 



Volt enim atqu« percttpit» imo summopere de*lderat res. cliiist^t^* vos colerc, 
vo« 11b^o«que vestrps» insimul amnes Jortunas veitras itmaue tt eplendidissimam 
tnvitjiieni vcstram« si tonüngcret, nedum bonis iuis propriiM, seil etiAiH cor* 
porali prc*cnti« dcffcndcre. losuper voj adiDonitos velim, dves atque viri 
splcndidiisimi, quod eUi rex ipte Christ«»«» ad Imperium adspiraverit, oon 
Iticri proptii, non cauia libertatum civitatum lailendarum hoc intendit, %cd 
pottYis augendarum et omoium rerum bene disponcndanim, si ad Imperii 
cetiitudinem pervcaiTcL Nulla liquidem maior debct esse principi chrisiiatio 

Imperium adspirandi occa^io quam ipsi legi christmo^ cui etas perstina 
riitus polentü et remm presertiii in armis eaperientia sufl^ragantiu, qui p<>Ät 
dui'atum Xlediolaneosem lua virtute et manu mtUtiirt ad maous lua», itctit 
iuris erat, rcductum iedus pacem et amlcidam — qualU oo»triü teroponbus 
Jion tst Visa — cum otnnibus prtncipibu'j chiisüanis compösult indelebüem 
et omni tempore (si Deo plioteiit) doraiuram. Que omnia Sua chmtf^a 
M«»« copulavil alqtte §olida%it. ul faciHorcm expeditionem in Turchas com- 
ponere posfit. Non enim partinüati suc a\it peculiari utiiitati vult iotcndeti?, 
ttt <aJii forte feieroint imper^itores* £t ium Dd permifMotie et i^ralia sU 
omnium principitm iliriültAnorum (ävientuMmus, 00%'a dominia oon ex| etit, 
&ed £ela communi et publice utüitatb chrisliane desiderat omnibus suis 
negotii« pO!>teTgatis ') Imperium civiuies et omnem plebem chmtianam 
concordarc, quatinu*» nefarie Turcharum invasioni ad Det laudem et tidd 
Christiane exaltatiouem povsit et viribus et surmh re^isterc. 

Obscctat ctiam rex ipse chriat^"»», ne inimicis homioibus et turbatiortem 

in Christianitnte infetre volcntibus facile» aures prebcatis, siait hÜs qui 

venenosa lingual ut amicictam tegii chrisi^> quam habet cum nobilissima 

■^ Geimanoium di»sij arent. non embuciunt as&everftre regem chrfsi«'»™ 

, , has ci Äüiilium duci de Wj^icnbcjh*) dcdiise contra tiviutes imperiale», 
qu^H) quidtm bUi&«in.um est tt omni vcrituli contiarium et cuius rei verita« 
apud viioä ^rnvc& et »apientes clare» imo luctdifissime comperta est Cuf 
quidem duci de Wistcribetgh*) si chriii«*» M»** adiuvamcn prt$tili»ei, utjquc 
fuis&ct facile cogno^cete, tum potentia regit christ«*i Batii $it ubique nota. 

Nqu futt pretereit, vtri prepotenies ac Dobiliialmf« umquam tntentionis 
ti^ht chri»ttt>i melle arma sumcre, ücut ijuidem seditioti veniilaiuni, ut ad 
Imperium %}olentia et armoruro terrore peitetüiet, »ed U I>eo ;iuctore vota 
lllustriuni printipum rlectomm In eiui pei»onam chriat «<»*»« conrertercntur, 
habet «motd piompia et parala ad contervandum ius quod baberet ad 
Imperium. Fro quo quidem iura conservandfi noti solum regnum ^ et 
omncs posse&siones »uas et prcrprikin per^onam exponere non dnbttabit. Nee 
minor exultatio «ut gaudlum *cbia es« debet quam Sqc chrkv'«« M«i. »i ad 
Imperium perveniat, cum Spae nomine, vos «utem rc Imperium ipi»um in 
manibüf habebitis. Nomen taniummcnlo petit« non Imperii utiliutem sibi 
prnfuttiram de&iderat: vos imperatoica esse volei, kp$t atitem ex«cutor bene 
i, g^niuilotum vealroruro aderit et suia pioptii* expeutie executlonem benie 

endarum terum per vos mature com^ultarum ptr%tabit. (Juod *i contin^at 
Stti, ut «pennt omne« fere Chfistiani« Geimania« qite cdt (ireda multis et 



noncrc, relinqutre: Bucan^ II. 363. *- *) WisUn* 
tcsh» ^ attemberg. 



'/ 



(, J;i. 



yf'WUx h'/rrjifii>/-i4, ;i'hu'-itri(#r novo Irrij/^r^foro rerMi fvitirrit paciffica et in«» 
5(i»jrr» tiniMii'i'i^ IM ««rrrn lffip«;rti ron«4rvabitur, twt<5 m^rcimonia et cornmcrti* 
/-rT^-t/untur *rt ]rffifr'i')«r uu\%%*\^\\^*\i\«i ;•'! »u;« rie;;otia profi^rabit ; alia« cum 
Aii;;ii^tjr>o /vjk di'^rff \l*^^%fJu^. frsfria *inr i(j«titi;i nkhil uWmX *unt nUi vera 

\\f.r orrifii«. viri |/';rpri)'!<*titir« at/pi^ un\ti\\%%uu\, long'* triHiu« »»]/iti<( et 
Mif« llis^Mu 'j'iaiii |/;iJifA or.'itiori': vo)ii* Hi^ere po^tifri. hutrerno (amen vo* 
t,ruUf% vfVtuu »* '■;irri'lerii amt'ri'i'iin volfintatem ^-t votum Optimum, t\nrtt\ 
x*'ifi\H*r ft hftM«-Mi4 ff^H <hfi*fw«*"» M»"'" ha^ni^tU, '»bi»ervare et rontinuare 
'Ujitt^.tnitn, qii//'l pff^fiifi'lo nf'Hiim amicimi, *e'l *'tl;im amiri^ktnium ref(em 
* lif»*i"»""» voM» fa«.if(i« el nrin tantiim propri» l>r»ria, *e'l et propriam perionam 
pro f'tUHftvhiuni" li^''rt:itimi <•! prtvillej^ionim ventronmi exponet atque exi(>ebft. 
Im «i ronlirifffft ip^irn |riip'*ratrjrern iioii ficri, rpio«! miniriie «»pf;randum est» 
h»)trrfi'i% Istiufu eun^l'-m «ierrif>er rej^rri J'rancie poteniiH*imiim, qui vobi<t 
ntiiii inkimu* In p'^fp'^-tiiurn r<'iii;in''liil «imileH vice* aiiicicic Sue chri*t»nae 
M'' ]ti*r vo* f«*p"n/l'»ii'lr; ';. 

AU''; nun iif n.-iiitiit.'i;; M'-n paltnf/heiMl n" <!• XIX hokiier credcn/bricf 
un«l wftfiMiiiK t'"!«'»»*. M;il;«»fi n;i<li i^^liabtT luid'Tn.'fl iinner iiern r-rkarit, Her 
frariUoi«(-hrn tfoUrhafi"ri na(:li(f«*ii<i iiriverjfrifflirh aiitwoit zu kcIkmi: 

I>''« «llrf«liir<liliw)itij»iteri i riHtli« )i«ten furileii und hr-rii, unsr^rs aller- 
^ut-i\\iin\fn li**rii , korjiij /ii Itjiim Itii'.li* uhw. crclMir. «».'iMibt einer fiel»»-n 
tniMitli(h<Mi rf'l fliirdi Mincr kontifliclirn maieHtat ({esatitcii, Mcn e<leli> und 
wolifrliotncii h»"!!! jol.aii vr»n Siimh, mit erzelun^, was hunt^cliaft, l»elra(i«P) 
uti'l M'tnu /wi«« lim (Irin h. mm tidi und d^-r durc lilucliti^jHtcn cron zu 
l't.iniktjili l>il/lirr «ll/.lt K*'W«M'n, widdie ntidi die j^l/ rcj»ier«.*nde königlich 
m<d'*ii(at nil miiidnr niit allem tliU und rttmi gr*nciKt Hi^ /u Ix-haltcn und 
voNdrckm, drkhall) ouj.Ii \r. ko. M» dif ntet de« h. rieh« in Bond«*r ^^''^Hser 
lull all/.lt i;rlial»nn und i\rtm /.u^ewantfu in «»inen riehen und landen nit 
tiiind'M* Miil privil'»Klrn und frihfit«'n hirHdwn, dan als oh hie Ircr ko. 
M' undfitliiinrn und ticluvr'rwantpn ^jrweK'-n wcrcnt, mit anjjchcnktcr mont- 
li< lii'i \tr^ri, ditn rin tat sohh frutilHrhaft und ^'ut''n willen, ho ein stat 
SlnIMnitt; al/it j{rj:«'n lirr < iistlii IihI^'U M' KchalM-n, hchalf-n und wiicr vol- 
ixut'ti w(dtiMi : liiit <'in ri<«:iinr'i tat disci ntat StralSItur^ mit vil und mer 
jindriii wotdMi (>n nni liir jill y.u t'r/.t:\rit <|iT ]rw^t' muh mit jjehur- 

hl Iwn wnidrn ••nipl.ini;«-»! und aller dmiut \erhort. Und hcniellcr Un. 
M« dankt rin lai d«*i wlat Sti.dJIiurj; lin M« jjn»'dij;fu nnhietuny, Irrr ^;ua<h«n 
und liunlirliiilirn nnd maniuvaKip-i nhidun^; Ikt ){n:i Ich und ^utps unfern 
|lnitj'fn|'j in Ii M' k«»niyri<li ^iMhan. Wn hoIcIih H'-jJ^'U Ir. ko. M» und ircr 
kiiiiiiMiiii tiiid laiidi-n »'in i.it saniht <lri huinnimhall d«'i stat SlialJhuijj mit 
n«'n niid(iiinit;i n, d*Mnutij;fn dwimt«*!! wuntiMi /.u viTdi<ncn, stdn h'\ al^it 

'» Im riiiti»K<»ll ImIj»! dii« OlHM»il/»in;,' «lirsr-i Ki'.lc von unh''kannu.r 
Hainl. '*) IId'I hi^^itiiii ihr Idilt.uilt'inlr Aul/.cirhnuiiK von Hut/.. 

=•) lirlia^' t«»nvi-nti«», vriliaj». <irimm I 171»« •) (rillt, i>l aher au> d<Mn 

iliM Antvvnit /\i (ituinh* liryriidiMi <iutathtrii \n\\ S»»h. hiiml, «las «lern r>lti- 
/Irllrn l'niluKiill hr|lloj;t, /n ri^ilii/.-n. 



i* ran/ö»i4chc Bemühun)i;en um Strastburg i. J. 1519. ^y-* 

willig und bereit befunden werden, als zu Jr. M* ein fctat Straßburg und ir 
burgcrschaft ouch aller gnad und guts [»eil: sich] vertrösten. 

Und verordneten doruf die strengen und frommen, h. Ludwig Becklin 
ritti.T, hr Conrat von Duntzenheim, Jerg Marx, Claus Knibis und Jacob 
Mciger antwort zu geben. Actum VI» palmarum a«» d» XIX. 

Im Protokoll folgt nun auf eingeschaltetem Blatte von anderer Hand 
die lateinische Obersetzung der vorstehenden Antwort des Rats. In dieser 
Form wurde sie — wie Butt auf der Rückseite des Blattes bemerkt — von 
den Deputirten mit kurzer, lateinischer Anrede dem Franzosen zugattllt. 
Dann fährt Butt mit dem Protokoll fort: 

Als uf sontag Palmarum ao xix die strengen, vesten, fursichtigen und 
wison, her Ludwig Bocklin ritter, her Duntzenheym, Jörg Marx von Eckwerß- 
heim, Claus Knibis und Jacob Mciger als gesanten von unsern hern, den ret 
und xxj, dem wolgeborn hern Johan von Sains als frantzoschen botschaften 
uf bin muntlich , ouch schriftlich oracion , von wegen des konigs von 
Fr.mcrich an unser hern gethan , lut angesetzter latinsche antwort die 
nbcrgebcn : 

hat genanter her Johan angefangen, gesagt: Er nem die antwort gut- 
williglich an. Nachdem er aber in siner montlichen red furgctragen und von 
wojicn sins allercristenlichen konigs ein einigung und bundnus mit einer stat 
Straßburg zu mr.chen bc;;ert, werd im dan antwort. Dorzu so werden in 
7.wf»-n monaten die churfursten gen Kranckforl komen und nachdem man nit 
wci», f»b do der konig V(in Behem, Engellant, Hispanien oder der cristlich. 
sin konig, zu eim rom. konig erweit werd, so werd sin konig zwo bot- 
schaften, den amiral und noch ein hcm gen Francktort zu den churfursten 
schick^'n, «lie <lan im zu- und vonriten sicherheil oder gleid, darzu gelt zu 
ihrrr zerung notturftig: so wer sin beger, ko si dise stut erreichen werden, 
si zu vergleilen, darzu ellich gelt zu ir zerung hinder unser hern zu erlegen. 

Daruf die gesanten hern sich bedacht, in gcantwott: si weren zu im 
ge*«ant, die antwort inhalt der geschrifi zu übergeben und hctten witer nit in 
brvclh noch gewalt zu handeln; des glcids halb im gesagt: es gleidct ein rat 
nit witer, dan in der stat und nit uswcndig. l'f solch« er witer angefangen 
urnl l)egert wie for und das die gesnnten solch sin begern an ein rat bringen, 
UM«! im, so er widerkcm, deshalb ein antwort geben. Dt>ruf nach gehabtem 
b'Mlank die hern im witer gesagt, das solchs d«) gcbruch nit wer, das die 
gesanten etwas über sich nemen, an ein rat solcher gestalt zu bringen, sondern, 
so im doshalb witer etwns angelegen, mecht er ein rat deshalb ersuchen 
wurd im gutwillich verhör gestallt und geben, l'f solchs er gesagt, disic 
antwort dorn amiral zu schicken und einer gcgcnantwort ciwarten. 

Demnach uf samstag vigilia l*asce. xxiij aprilis a" d"« xix, bemelter her 
]ohan von Sains wider für unser hern ret un<l xxj komen und aldo in latin 
angesagt: Nachdom ut sin nehslgoihon l»eger von wegen <lr» konigen von 
l'ranckricliH im von den gesanton hern ein antwort worden: die het er dem 
konig zugoschick, der si mit großen gnoden empfangen : abrr der sonderlichen 
punctfu halb, st» i-r an die veroriionten hein langen lassen, weren si im mit 
antwoit begegnet, «las si nichts deshalb mit im zu handeln otier /u besliessen 
gwalt hotten. \M solch» erschien er mit begcr. das ein stat Slraßburg 

3«* 



578 Jacob. 

securitatem und ein Sicherheit mit dem konig von Franckrich, sinen kouf- 
luten und zugewanten, also das dieselbigen und einer stat Straßburg kouflut 
und angehorigen bedersits zu und von einander handeln und wandeln mochten, 
machen und ufrichten woln. Am andern das eins konig von Franckrichs 
oratores und botschaften, so kurz uf erwelung eins romischen konig gen 
Franckfor t riten werden, ein sichern zu- und usgang in diser stat haben 
mögen. Zum dritten das solch gelt, so der konig von Franckrich zu under- 
haltung siner botschaften und gescheften hinder min hern empfangen oder an 
den wehsei erlegt oder sonst weg angezeugt wurd, domit das der konig oder 
die sinen zu iien gescheften solch gelt, wan in geliebt, zu iren handen wider 
empfahen und domit fri und unbekumert handeln mechten, und das solch 
securitet und Sicherheit in artikelswise in ein geschrift verfaßt und mit 
bedersits anhangenden insigeln bewart, auch im hern zuverordnet werden, die 
im solchs helfen in ein geschrift anstellen. 

Uf verhör solcher siner Werbung, ouch anzeig, wo die straßburgischen 
kouflut nk ein friheit, wie dan die von Ougspurg eine haben, hinder in hellen, 
solchs anzuzeigen, solt in derglichen ouch zugestelt werden, mit viel mer 
gesimerten und geplumpten worien inbracht — : 

haben unser hern ret und xxi erkant: dwil ein rat dutsch und der 
merertheil des latins ungwissen und aber dhcin theil des rats on das andere 
theil etwas handeln, tractiern oder besliessen macht het, im zu sagen, solch 
sin beger in geschrift zu übergeben, und daruf Claus Knibis und Jacob 
Meiger im solchs sagen zu lossen zugeordnet. 

Doruf eodem die hora 3» post meridiem bestimpt hern zu ernaniem 
hern Johan von Sains zum Sydenfaden gangen und nehsterkant meinung 
nachvolgends Inhalts sagen lossen: 

Nobilis ac generöse crist«»i regis orator et domine. Audivit inclitus 
huius urbis Argenline senatus que hodierna luce D. V" verbis quidem orna- 
tissimis coram eo proposuit. Verum quia maior pars huius urbis senatus 
(qui satis amplus est) plebeique et a latina li[n]gua alienus existit neque una 
pars senatus sine altera aliquid tractare agere aut concludere solet, ideo 
oportunum erit, ut si D. V^» hos Ires quos hodie proposuit articulos senalui 
proponere intendat, quod hi ') in scriptum deducantur et senatui exhibeantur, 
ut ipse desuper deliberare-) et D^i Vre respondere possit. 

Demnach genanter her Jehan as sim busem nachvolgende artikel gezogen 
mit beger, im doruf zum ersten antwort werden zu loßen: 

Articuli') oratoris regis christ"»» ad senatum et dominationes nobilissimas 
egregie civitatis Argentine: 

Primo desiderat rex christm«, ut amicicia, que semper fuit et est inter 
Suam M'cro christn»»™ et inclitam civitatem Argentinensem, sit et maneat 
firma incrementum semper ex utraque parte su[s]cipiendo. Intendit etiam 
prefatus rex chrisi«»"» non solum conservare;, sed etiam augmentare libertates 
favores et privillegia per suos predecessores eidem civitati Argentine nobili- 
busque civibus mercatoribus et subditis eiusdem civitatis Argentine concessa 
pro transeundo, eundo et redeundo et mercantias suas exercendo, quam 



*) Or: he. — ^) Or: deliberari. — ^) Diese lateinischen Artikel auf 
eingelegtem Blatte, von derselben Hand wie die erste Proposition. 



FranzSsiiche BemObungen um Strauburg i. J. t$t4. 



579 



civitatem utiji cum subditSs suit vvAi 4i£tus tt% chriftt^»^ cum omni htunanl« 
tat« (xroieqtii et eiidem omnem farorem fttque benivoleticiam in suis reguo, 
priticipjitrbui ti dominus presUre cc tmp«Qd«r«. 

Secundo cupit rcgl* Mta* chrnt"*», ut insequcndo predicLim amicidAm 
•ni omtoret et aIü in numero competenti et suftkienti iranseuntcs per dvt- 
Utem Ari^tinensem ad eundum c% p«rte Sue M*^* Christen* in Fr&QcrordtJim« 
fint secuH in suis personis relnis eC boniA, äoh-eodo pro occe^iitatibus suis et 
ciperutettdo twm pecunius et quoü posiint libert rl secure tre iTAnsire et 
L inancre in dicta ci Zitate Argen tiiiA t:im eunüo qu&m revtrundo. quando et 
^qtiotiens opus fuerit. 

Item et lertio, ut si p^unie regis cbrtst*<»l pro ramptibuf stiorum 
oratomm aut pro aliis suis negoiüs deponerentur in dicta civitate Argentina« 
quod dtcte pecunie siiit ibidem in securiiate et quod •^ine aliquo obstaculo 
«ut impedimento possit dtctui rct chri^t***«* vel eiti» negotia tractatitess illas 
eosdem pecuDias habere recupentre ei import-ire. quotirns eitlem regfi cbrist"**^ 
sfve sua negcttta ^rentibus placuerit« 

Et qtiod de supradictif omnibu? h*nt jitticttl» .ab utraque parle in 
•eripti« pro «ecuriiate pattis utriuique et quod sigticntur et tigiUentut, prottt 
coii*uliias «tqu« meUtti V"» D^^* excell»!* ridebitur. 



Als uuo obingelibt Artikel für unter hern ret und xxj uf sinftU|t P^*^ 
Piice »P dt XU bimcbt und verlesen worden und mber «dich all bern oft 
«og^ßcö ««d ein rtgiment in betraditung, dAi ein koaiß von Frtockrkli in 
wol und nobe ge>»c4*oii und wol, wu ü im sin begem absingen, ein icbocb ') 
erzeigen mocbt, dar^gen, wu si Ira e» lutagtcn, konig Carl*»» von Hispanien, 
wo der an das ro. rieb en*eh wurd, und anderer ftei»d de» rich§ unhuld uf 
sich laden wurden, iich beroulagt, dwil «ikh bandtung x« nuU oder naditdl 
der «tat Straßburg und dem gmoteu Und reichen ma|£, untern gnedfgen Hern 
von Siraßbufg nmb rat tu ersuchen und d^ botichaft lagen: dwil *in beger 
etwa» IrefTlich uml alier der rat ^^mentban^) nit bi einander» wolt licb rln 
rat wiier bedenken und im, *o ertt es tin [sciL: könnte], nachantwort gebrn« 
Und werden doruf ^u epi*copo verordnet her Hani Bock ritter «nd Claua 
Knibia. tu der bolKbaft Hans Ludwig von Rolwil und C.^ HorTmej'er. Uf 
tolchf die verordeuten tu epiicot>o itends abgeritten und die fu der botscbiA 
ir Werbung mit diaen wortcn gethoo- 

Nobilis Äc generöse domintf, criit«^ regit orator dlgnitiime. Domini 
deputati a seoatu pridie a D^^« \'r« recepetunl nonnullo« orticulos« quoa 
bactenui ob fest! patcaüi velebritalem utque ii\ bodiemum dicm aenatui 
presentare non potuerunt« Verum quia et hodie magna pars aenaius proptcf 
ccvuin abModam in condone tenatui mintme comparuit et oegotta tamen 
•enatn» non nSai odufiatti pertonis tracUri et concliidi con*»uef erunt, idctroo 
f>recatttr seitptvi ^ D. V^a in ulteriori deliberadou« habenda nou egre 

fetat »eque tr piat. 



') = fchach; »chach erfeig»*ti i. l^xcr mhd Wb U. 
»ammt: Leiivf a. a. O. H, S97' 



'Ol, 



ge* 



580 Jacob. 

Uf solchs die botschaft mit niderges]agnem houbt clagenderwise 
angefangen: wen im doch die antwort werden mecht, dan er wer bie den 
xinj tagen ■) hie gelegen und einer antwort erwartet, und mecht im die noch 
nit werden, so doch das begem zimlich und von den stand oder stat des 
richs nit abgeslahen wurd. Es wer ouch die erwelung eins konig nehig und» 
so er dhein antwort empfing, wurd sin konig versnupt, begert ouch nit mit 
gwalt, sonder die botschaften hie mit eim pferd xxx oder xx lossen durch- 
zihen. Es hat ouch sin konig dhein ungwillen oder ündschaft gegen dheim 
konig, fursten oder stend des richs, es wer ouch wor, das im in 
konig Carles land und region (den ein rat villicht forcht) solch begern 
zuließ ('). Deshalb er begert, im antwort zu geben, wo aber die ihe solt 
verzogen werden, wolt er gen Nanse riten und hie ein diener uf antwort 
lossen warten. 

Als nun die vt rordenten hern uf ir antwort bliben und er doch stetz 
im tag zu ernennen begert, haben si für sich selbs im gesagt, si hoffen, bitz 
dornstag solt im antwort werden. Des er wol zufrieden und gesagt, des tags 
auch gern zu erwarten. Also des mols abgescheiden. 

Uf nehst mittwuch morgens kam von episcopo her Claus Knibis; sagt, 
das her Hans und er S. f. Gn. umb rat ersucht, der in gerotten: dwil man 
in vertruwer meinung rats fragt, wolt er onch gern zum besten raten, und 
wer sin rat, das man sich nem ein monat zu bedenken und das die botschaft 
abriten und ein molstatt ernennen solt, wohin man im die antwort schicken 
solt; dwil wurd villicht ein ander geschrei werden, dan es nit gut zu- oder 
absiahen wer. 

Uf solchs ein rat nach vil ratslagen erkant : dwil er so lang hie gelegen 
im ein unvergrifflich antwort geben und die ansetzen lossen und wider nach 
dem imbis hie hörn. Als nun Rotwil und HofFmeiger ein antwort begriffen, 
lut des buchstobens, und für XXI bracht, ut sequitur: 

Ad articulos d"i oratoris regis crisl°*i pridie senatui huius urbis oblatos : 

et primo: quomodo rex cristmus desiderat, quod amiciiia, quae semper 
fuit et est inter Suam M»««» cristn>an» et civitatem hanc Argen tinam, sit et 
maneat firma incrementum semper ex utraque parte suscipiendo etc; et quod 
idem rex cristrous intendit non solum conservare, scd etiam augmentare 
libertates favores et privilegia per suos predecessores eidem civitati Argentine 
et subditis eiusdem concessa pro transeundo eundo et redeundo et mercantias 
suas exercendo^ et quod dictus rex crist^as eandem civitatem una cum 
subditis suis cum omni humanitate prosequi et eisdem omnem favorem atque 
benivolenciam in suis regno, principatibus et dominus prestare et impendere 
velit etc: agit et habet regie Sue M^l senatus urbis Argentine gracias quam 
amplissimas pro tam magnifica atque pientissima regie Sue M^i' liberalitate 
et beneficiorura exhibicione; quibusctmque denique in rebus regie Sue 
Mti aut illius subditis senatus urbis Argentine una cum suis civibus obsequium 
prestare posset humilimum, offert se senatus cum omni sedulitate et diligenda 
pronum et paratum, quemadmodum non aliter eis constat, quin erga regiam 



*) Dazu bemerkt Butz am Rand: et non fuit verum. — ^) Or: exercendas. 



^1 

i»hii mttrslatetn illiusque subditos et meiCAtoits co mtj^io in uibe Argenutiii 
liACicnus aroicAbiliter et benigne factum et «b^que qucrek ' ) observattim futrit; 

,h\ «econdum : (^uod Sua tc^ia M^a« cnst*^ cu|»t, qücut tosecjuendo 
piedktjim an^iciliAxii ^u'i onilorcs et alii tn numero competeiiii et iufficknti 
trftflt>etiiiteä per dvil4tcm Argcntinam ad cundum ex jiarte Suc XI^'^» cristitue 
in Fruncfordiam sint securi in suis pcrsonis rebu« et bont»« solvcndo pro 
nece&sttatibu!^ suis et expendei;do taas peccutiias. et quod po&siDt libcre et 
tecuf« ite tmosire «t mauere ta dkt« civitale Argentiiua um euodo quam 
rcdetindo, qu&fido et quotiens cpus fuerit etc: respondei iriuittis, qtiod senatus 
i^%c regle Sue Mt^, quemadmoduni prcinbsum est, aninio pairaüssimo in 
tebui sibi rondecentibus mcwem gererc cU iudin<itus. Fticre r 'mus 

Sue M"* oralares et oiissi qui in baue urbcro aplitucmnt n • et 

exeundo securi et in ho^picio sumptus »uos facere non tmpediti. Eiu& aiitmi 
senatus eciam adhuc pro tempore et LDtetiru, quod null am aliam CQDtroversiani 
vel indignacionem a principibus et statibus S. R. Imperii erga regiam Suaro 
M^^^m quam hacteniis factum fuerit intellenent, benigvoius M^^* Sue aratorcs 
et T»ii>os, cum hi quemadmodum haetenuä in decenti numeto, ita quod non 
»apia triginta vel tjuadragiota equb in hanc urbeni Argentinam et per tarn 
dtvetterint, sumptus suos in hospidii publict« fecserint, ita tarnen quod ibi 
conlinuam mansicmem aut coiumoracioncm in bae uibe non habere pretendani» 
iolvum conductum in hac urbe saium et non eatm* quemadmodum oniniliui 
aliis darc consueveHt luxta hiiius urbis iura et coitsuetudinem» hoc est eaclu^ia 
hia qui bai^no S. R^ tmpeiil auf eorksiaMica eatommunicaciuoe fuenni 
tnnotalj» et idlicet his qui dainnum «tbl Ar^ntinc intttJrHn« er nondum «im 
senatti recoociliaü fueiint; 

ad terciutn : quod li pecunic icjgi'* criii"«^ pro sumpuDus tucrum urauiiuni 
aut pro alüf iuii negodis dcponercntur in dvitatc Aigeuiinai quoil diele 
peccunie sint Ibidem in fttcurfvaie et quod sioe aliquo obstnculo auf impeditnento 
possit dicttts rex trisl»»»» vel eiuft oegoda tractanle* iUa* easdeni peccunia» 
habere rccuperare et importaie» quodens eidem regi cri*t«»<» s»lve fcua ncgtida 
gereuiibus ptacuerit, et quo4 de ftupradictis oronibus fiant artiinili ab utrmque 
parte inscripli pru securiiate partis utriu^uc et quotl Ugnentur et tigiUentur, 
proui conMiltius 4C meliua videtur etc : ad hoc senatum Argentinus regiam 
Suam Xh^'u humihter piecatuft quatenu^ cum deposidone huiustnodi peccu* 
niarum regia Sua M'" senatum ipsum suportatum^} et grado^e eioneratum 
habere dignetur, Reputat etiam senatos» quod oratores regii et a Sua 
M^« mi&si, velutj predictum est, m bac urbe Argentina iumptus tuof fac«re 
sal70 conductu fueriot munjti, quod preter omnem neceaiitatem fuerit taliimodi 
pccunia» apiid urbem ipsant aut aliqiwin eins incolam depotiere, ncque 
preterca hactenus unquam moH« aut coK»uelndini!i fuif v*' uüoe aut 

tUius »enatus, alU^uas pemniai co modo tub litteraria t < aut alia 

ccnaignacione vel anAecuratione peocs te reciperc aut in ipiam urbem depooer« 
permittere. Id regia Sua M*** gradoso animo Intenigetc digneiur, quia cideni 
rtgie M^ humiha ot^equia« quemadmodum premissum ett, eihibere aenatua 
Ipe cum omni btnevoltnda indinaius est et paratni. 



1) Qr; <|ueiala. — *) Svppor^rt « it^gnarc: DactUfe IL loa6u 



582 Jacob. 

Solch angesetzt antwort erkanten unser hern ret und xxj, der frantzo 
sischen botschaften in latinischer schrift zu übergeben, und verordnenten dorza 
Hans Ludwig von Rotwil, Casparn Hoffmeigem und Jacob Meiger. Actum 
quinta post Pasce ao XIX. 

Doruf bemelt verordent hern zu der botschaft eadem die zum Siden 
faden gangen, haben si im solche antwort mit disen worten übergeben lossen : 

Nobilis ac generöse crist"** <) regis orator dignissime. Senatus mittit 
ad Dne°> Vram responsioncm istam, quemadmodum domini ad hoc a senatu 
deputati Dni V»"« pollidti sunt. 

Doruf der Frantzose die antwort empfangen und si gelesen und, als er 
darin verstanden, das des konigs botschaften oder oratoribus nit mer dan XXX 
oder XL pferd zugelossen, desglichen das im abgeslahen wer gelt zu hinder- 
legen, beswerd empfangen und gesagt: in neme wunder, das ein rat nit zu 
im etlich hern verordnet, die do der Sachen halb sin gemut hetten verstanden, 
dan- es nit sin meinung, wie es dan min hern verstanden hetten, wer, ouch 
sim konig ein iniuri, ein solch zall pferd zu bespanen, dan ein konig von 
Franckrich gewon wer, so er sin botschaften zu babst, keiser, konig und 
fursten schicken wolt, mit einer grossen anzall als zwei- oder vierhundert 
pferd schickt. Also wer er ouch willens, diser zit zu den churfursten, so in 
abwesen eines keisers oder konigs selbs keiser oder konig weren, sin besten 
ret mit einer trefienlichen zall gen Franckfort uf die erwelung ein nuwen 
konigs zu schicken, nit gerust mit wafTen, sondern mit irer costlichen 
zierdcleider, bargelt und Silbergeschirren ; wo dan die nit über XL oder XXX 
pferd haben soUen, wer swer, dan hern under der botschaft sin werden, so 
die für sich selbs in Franckrich riten, zweihundert pferd haben etc. Der 
wonung und legerstat halber begerten sie nit also hie zu legem, sondern, ob 
sich begeh, ein tag zwen oder dri hie zu bliben, solchs zuzulossen. — Des 
gelts halben wer nit die meinung, das er es hinder min hern erlegen, sondern 
hinder sin wurt oder kouilut erlegen und das solch gelt sicher vor min hern 
wer, das si es nit nemen. 

Doruf im gesagt, solchs turft er nit besorgen, dan ein rat solchem 
zu erlich und nit also harkomen; wem si gleit zusagt oder gibt, das si jo 
und glouben. 

Er aber doch unangesehen begert, das im die gesanten ein ander antwort 
geben. Doruf si ein bedank genomen, usgangen und nach gehabtem bedank 
gesagt: es het ein rat sin übergeben artikel lut des buchstabens gehört und 
im doruf ein antwort, wie im übergeben, lossen werden; dobi Hessen es 
besten, hetten für ir person nit gewalt, im ander antwort oder sonst etwas 
mit im zu tractiem, zu handeln oder geben. Wu er aber nit ruhig sin 
wolt, mecht er sin gemut und meinung personlich oder in geschrift eim rat, 
so man acht uf mom zusamenkomen, übergeben. 

Doruf er wider uf vorgend red der pferd halb verhart; und als er 
befrogt, mit wie vil pferden er doch begert durchzuziehen, sagt, mit DC 
pferden; des gelts halben wer sin beger, ob er oder andre des konigs oratores 
gelt hinder ir wurt oder kouflut erlegten, das solch gelt, ob es schon durch 

*) Im Or. folgt, sicher versehentlich: Ro. Regis. 



1' ranzustsche BemühuQg«n um Slnssburg L J. 15 19. 



585 



*konig Carl von Hifpanien» den iwebischen bund oder iindere fursteo oder 
Bictid des richs io verbot gthk oder min hcrn gcschriben wurd, das ^\i 
nit den Franzosen lossen volgen, das si «* danadit ui»hekumert emprahen 
mcchten. Dor*o besehe sim koniu growv gefallen: on zwifel gegen einer 
&Ut, er wurd rom. Uonig oder nit« groBlidi erkennen, 

Und nftch vil geliAbler underrcd, ouch Äuzciy, das ein rat sin geschrift 
•lut des hucli*ioben5 wol verstanden, aber nit kennen wis»en, was er im 
lemut gemeint* im gesagt, sin tneinung für ein nit in eigner per^on oder 
ffeschrifllich lo*«en langen; das er angenommen und angeKeigt, er werd morn 
Trug hinweg, wol aber ein diencr We lossen und flu beger lutcr in geschrift 
übergeben. Doruf im die hem angezeigt» dwil er hinweg, so lye vü rumoren 
und ge*chrei «nder dem volk; wo dan er ein diener oder VI bedarf» wel 
man in lu eren *im konig den weg tu wisen und nit zugdeiien geben, dan 
ein stat uiterh&lb nit tu geleiten hab. Dat er fruntlich angenumen und drt 
diener begert, die im zugelo«sen« 

Und uf mom fritag sin diener nachvolgend artikel in rai überantworten 
lossen, des inhahs ut setjuittir in follo lequenii: 

fr>rator *} regis chrittnti petii « nobUic^imift ci%ibus H a senatu prüden- 
tiaaimo egregie civitatis Argeniine: 

primo: ut favore amicicie contracte a multis tempoHbus cum Corona 
Frande velint dare bonuni et securum salvum conductum omtoribu« regis 
Christ»"* pro texcenttim horoinibus tarn eque*tribus quam pedestribui in eundo 
Fmncfordiam vel alibi et redeundo. quotteni opus fuerit. 

item: ut in dicta civitate Argentina et in locts "1 qnibui tolitt mitit 
dare salvum condtictum* orania dictortim oralurum rnnbiba «iot in securitate: 
et si pecunie vcl alie ref deponantur in manibu* aliquorum mercatorum vel 
ho«pitum, a nullo potsiot impediri, led statim reitituantttr deponentfbu« 
qttando et quolienv repetentur. 

tertlo? ut dldi oratotes cam sui» eundo in FrancTordiam vel alibi et 
liam redeitnda pofttint quieacere per unum» duos vel trr« die« aut alio bnerl 
tempore, secundum exigcndam negotiotura et quotiens cipus erit. Et hoc 
faciendum erlt gialissimum rcgie M*' diri»t"»** que quidem regia M»»* 
Christ«»» in »imili aut maioii negotio vcllet inclite civitati Argeniine senatui 
civibus et subditts omnem favorem benivolendam atque nmtciciKm prestarc. 

Alf nun &o1di artikel von rim rat vervtanden, haben li erkant. im 
fruntlicher m einung mit mund an t wort j^eben, das man f$ bt forgendet 
nCwnrt blibeo lai% und bevolhen her Conrat vun Duntrenhesm» Rotwil und 
feiger, die to aucii soldi nadigend antwort geben lasnen: 

Hestantisiime (t<»mtne crist^mi ng\% orator. Afticulos pridte senatui 
obtatos escepit idem senatum et t% benivolo atque obsequio animo super hoi 
responsionem D"* Suededit** Rogat atque precatar senatus quam plurimum, 
ut illam respontlonem (quam alienare noae stante'^ tempore uon pote«t) 
l>efiigno atque grado»o animo pcrcipere dignctur, nam ctiii«« M^» Sue omnia 
licita atque condecentU obs^quia prestart teitatus paratiistmu« txUtit« 



') Diese Artikel auf eingelegtem Blatte von derselben Hand wie die 
früheren Antrtge des Gesarfdten. — V» "'"" rf^^d^^e — »1 Or: sunto — 
•) Or: erift«» M«« Sua„ 



Der Sturz des Mainzer Oberhofmarschalls 
Johann Christian von Boyneburg im Jahre 1664- 

Von 

Karl Wild. 



Der aufstrebende Staat des Grossen Kurfürsten nimmt 
für die zweite Hälfte des XVII. Jahrhunderts die volle Auf- 
merksamkeit des deutschen Geschichtsforschers in Anspruch. 
Daneben verschwindet das Interesse an den kleinen Staaten- 
gebilden Süddeutschlands, die sich in fruchtlosen diploma- 
tischen Versuchen abmühten. Der Erfolg hat etwas Be- 
zauberndes auch für den Historiker. Es erscheint lohnender, 
die ersten Grundlagen der Macht, von der die Rettung 
Deutschlands ausging, im einzelnen zu erforschen als den 
vielverschlungenen Pfaden süddeutscher Politik nachzu- 
gehen, deren Anstrengungen zumeist in einem erfolglosen 
Ergebnis endigten. 

Doch nicht ohne Gewinn vertieft man sich in die 
Geschichte der leitenden Staatsmänner von Mainz; denn 
hier tritt uns nach Ausgang des 30jährigen Krieges eine 
erstaunliche Fülle von anregenden Gedanken, hochsinnigen 
Plänen und patriotischen Bestrebungen entgegen. Liess 
sie der Mangel an realer Macht keine Verwirklichung 
finden, so verdienen sie nichtsdestoweniger gebührende 
Beachtung. Wir gewinnen aus ihnen die Erkenntnis, dass 
es nicht Landesverrat war, was die verlassenen Glieder im 
Westen des Reichs zum Anschluss an Frankreich trieb, 
sondern der Zwang der Notwendigkeit. Sie mussten sich 
mit Frankreich in freundschaftliche Beziehungen einlassen, 
wenn sie nicht anders einem ersten Angriff des gewalt- 
thätigen Nachbars erliegen wollten. 



^imt Boyncbufgs 



58: 



Der bedeutendste Staatsmann am Hofe des Mainzer 
Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn war Johann 
Christian von Boyneburg. Schon vor seinem Eintritt 
in den Mainzer Dienst hatten sich daselbst mehrere Diplo- 
maten durch ihre Geschickhchkeit ausgezeichnet: Reigers- 
berger, Vorburg, Meel und andere. Aber erst als es dem 
Kurfürsten gelang, den kenntnisreichen Boyneburg an 
seinen Hof zu ziehen, gewann die Mainzer Politik einen 
kräftigeren Zug und einen höheren Aufschwung. Dieser 
verstand es, die verschiedenen Bestrebungen seines Herrn 
in ein planvolles System zu bringen, das den Charakter 
einer antihabsburgischen Reichspolitik besass. Durch seine 
kluge Abschätzung der Sachlage, durch seine Gewandtheit 
verwickelte Geschäfte zu erledigen, durch seinen patriotischen 
Eifer und durch seine geistreiche Art erweckte Boyneburg 
bald das Zutrauen der deutschen Stände zur Mainzer Politik, 
so dass Kurmainz eine unbestreitbare Hegemonie im Reiche 
erlangte. 

Boyneburg besass als erster Minister dieses Staates 
eine einflussreiche Stellung; Fürsten und Könige bemühten 
sich um seine Gunst* Aber in seinem hochstrebenden Ehr- 
eiz gab er sich nicht damit zufrieden, sondern strebte 
aach einer noch glänzenderen Stellung. Er wollte ein Amt 
bekleiden, das seinem politischen Genie einen weiteren 
Spielraum gewähne, er wollte Reichsvicekanzler werden »). 
Bei seiner Bewerbung um dieses Amt lie&s er sich zu 
einigen bedenklichen Schritten verleiten, die von seinen 
Gegnern benutzt wurden, um seinen Sturz herbeizuführen. 
Die Wühlarbeit wurde gegen Boyneburg ganz im Geheimen 
begonnen, so dass der unglückselige Mann bis zuletzt nicht 
recht wussie, wer denn eigentlich seine Feinde waren und 
was sie gegen ihn planten. Er kämpfte mutig gegen seine 
Verleumder; aber es war ein Fechten im Dunkeln. Da 
traf ihn der vernichtende Schlag mit erschütternder Wir- 
kung. Während er auf der Martinsburg zu Mainz mit 
einigen Gesandten unterhandelte, wurde er plötzlich fest- 
genommen und eingekerkert; obwohl er später wieder die 

') Ühtt die Bedeutung dieie« Amtes dehe K rette hm sr, Dai dettU^he 
lleichsvictkBDzIermxDt, 1898. {Arcblv fUr A«terrtichUche Geschichte B<nd 64, 

2. nahe:) 



586 



Wild. 



Freiheit erhielt, wurde er doch nicht mehr in sein Amt 
eingesetzt. 

Die Ursachen, die den Sturz Boyneburgs bewirkten, 
den Vorgang selbst und die begleitenden Umstände hat 
der Leibnizforscher Guhrauer') ausführlich behandelt. 
Aber seine Untersuchungen bedürfen der Ergänzung und 
Richtigstellung durch die neuerdings im gräflich von Schön- 
bomischen Schlosse zu Wiesentheid entdeckten Akten des 
kurmainzischen Archivs. Vornehmlich auf diese Quellen 
gründet sich die nachfolgende Darstellung. 

Boyneburgs Laufbahn vor seinem Eintritt in den Mainzer 

Dienst. 

Johann Christian von Boyneburg entstammte einem 
adeligen Geschlechte, das in Hessen imd Thüringen begütert 
war*). Er wurde am 12. April 1622 zu Eisenach geboren, 
wo sein Vater Hofmarschall war. Während der Kriegs- 
lärm durch Deutschland tobte, betrieb der strebsame 
Jüngling seine Studien zu Jena, Marburg und Helmstädt 
In Helmstädt sass er zu Füssen des gelehrten Conring, 
dessen vertrauter Freund er bald wurde, und das Band 
der damals geschlossenen Freundschaft wurde selbst nicht 
durch den Glaubenswechsel Boyneburgs zerrissen, sondern 
hielt an, bis der Tod es löste'). 

Nach Beendigung seiner Studien nahm Boyneburg 
Dienste beim Landgrafen Johann von Braubach, dem 
jüngeren Bruder des Landgrafen Georg von Darmstadt, 
der eine eigene Hofhaltun/ar besass. Im Auftrage der 
beiden Landgrafen wurde Boyneburg nach Schweden 
geschickt, um der Königin Christine die Darmstädter Sache 
im Marburger Streite zu empfehlen. Wie wird sich der 

1) In dem ersten Bande seines Werkes: Kurmainz in der Epoche 
von 1672. Hamburg 1839. — *) Boyneburg selbst schrieb sich Böineburg 
und giebt an, dass der Name des Geschlechts ursprünglich Bemelburg 
gelautet habe, vgl. dazu den Brief Bucelins, des Verfassers der Germania 
stemato-graphica an Boyneburg, datiert Feldkirch, 5. IX. 61. Arch. z. W. 
Gelehrtenkorresp. Über die ehemaligen Besitzungen der Boyneburg in Hessen, 
Arch. f. nassauische Altertumskunde VIII, 31. — ') Boyneburgs Korre- 
spondenz mit Conring findet sich in Gruber, Commercium Epistolicum 
Leibnitianum (Hannover und Göttingen 1745). 



Sturz BoynebuTg«». 



resichtskrHs des jungen, j^jähngen Diplomaten durch 
den Aufenthalt am fremden Hofe und unter der Fülle von 
Eindrücken auf der Reise erweiten haben ! Über ein Jahr 
verweilte er in Schweden, wurde mit grossen Staats- 
männern bekannt und mehrmals zur Audienz bei der 
Konigin zugelassen. Bei seiner Rückkehr im Jahre 1645 
hielt er sich erst längere Zeit, wohl der Kriegsgefahr 
wegen, in Sachsen auf*), um dann im Auftrage der Land- 
grafen die Verhandlungen mit den Kasseler Räten zu 
leiten, und es wäre auch durch Boyneburgs glückliche 
Vermittlung ein Vergleich in dem langjährigen Streite 
mstande gekommen, wenn nicht um jene Zeit die kaiser- 
lichen Truppen einen ansehnlichen Erfolg im Kasseler 
Gebiete davongetragen hätten. Daraufhin wuchs den 
Darmstädtem der Mut; Boyneburg wurde zurückgerufen 
und auf Grund der Anklage, dass er seine Instruktion über- 
schritten habe*), verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen. 
So lernte der junge Staatsmann frühzeitig die Gefahren 
kennen, denen ein Diplomat seiner Tage nicht selten aus- 
Ifesetzt war* 

In der Folgezeit wurde Boyneburg öften» nach Frank- 
furt geschickt» wo er bei den Kreisversammlungen und 
bei andern Gelegenheiten mit den Mainzer Räten zusaminen* 
traf. Damals wird der Wunsch in ihm aufgestiegen sein, 
an einem grösseren Hofe, wie der zu Mainz es war, 
Anstellung zu finden. Als daher sein Herr, Landgraf 
Johann von Braubach, starb, lehnte er die Anträge des 
Landgrafen Georg von Darmstadt ab und lie^s sich für 
kurmainzische Dienste gewinnen. 

iÜt seinem Eintritt in den Mainzer Dienst hangt auch 
sein Übertritt zur katholischen Kirche zusammen. 
Aber es waren nicht nur äussere Gründe» die ihn zum 
ülaubenswechsel bestimmten. Seine protestantische Über- 
zeugung war schon lange in's Wanken geraten. Als ein 
Schüler des Irenikers Calixt bcschüfiigie er sich eingehend 
mit dem Studium der ersten christlichen Jahrhunderte und 
faind, dass sich weniger die Ljehre und die Verfassung als 



^) GuhT«aer. Leibtiu* deaUche Ikhfiften I« t^« — ') A.D.B. Anike) 
aoyoeimrc »od Struve. Acu litf I» fauc. S* Vita J. Chr. d« B. 



588 Wild. 

der Kultus geändert habe. Die Apologeten des katholischen 
Glaubens machten auf ihn mit ihrem Hinweis auf die 
notwendige Einheit der Kirche überwältigenden Eindruck. 
Ihn, den Politiker, der die Gewaltfragen abzuwägen hatte, 
erfüllte die Macht der römischen Kirche mit Bewunderung. 
Welches Hin- und Herschwanken, welche Zerfahrenheit 
erblickte er bei den Anhängern I-uthers! Die papierenen 
Kriege der streitbaren llieologen der protestantischen 
Orthodoxie erweckten seinen Abscheu ^). Er wünschte über 
dem Hader der Parteien zu stehen und sich ein freies 
Urteil zu bewahren. Die Art eines Erasmus und Melanchthon 
schien ihm christlicher zu sein als das stürmische Wesen 
Ecks oder Luthers. 

Ohne die Einwirkung seiner Umgebung wäre aber 
Boyneburg nicht zum Entschlüsse des Übertritts gekommen. 
Unter seinen Freunden befand sich eine grosse Anzahl von 
Konvertiten und gelehrten Ordensleuten. Am Kasseler 
Hofe machte er die Bekanntschaft des Landgrafen Ernst 
von Hessen-Rheinfels und des Grafen von Rantzow. 
Beide traten zur katholischen Kirche über. Die grossen 
Ketzerbesieger, die ihre Bekehrung vollzogen, knüpften 
auch mit Boyneburg Beziehungen an 2). Dieser führte 
damals eine rege Korrespondenz mit dem Jesuiten Nihusius 
von Erfurt und mit den Brüdern Walenburg, den gelehrten 
Streitern der katholischen Kirche. Bei seinen protestan- 
tischen Freunden erregte dieser Verkehr grossen Verdacht; 
gelegentliche Andeutungen in seinen Briefen steigerten 
denselben. Aber Boyneburg stellte ihnen gegenüber jede 
Veränderung seiner Gesinnung in Abrede; seinem Lehrer 
Conring aber öffnete er sein Herz und teilte ihm mit, 
dass er über gewisse Punkte der protestantischen Lehre 
Zweifel hege. Conring bemühte sich, in zwei umfangreichen 
Schreiben ihn wieder zu beschwichtigen*). Er ist voll 
rührender Sorge um seinen geliebten Schüler; er ahnt, 
dass dieser sich schon zu sehr von den »papistischen 



') Vgl. Erdmannsdörffer, Deutsche Geschichte von 1648 — 1740 I, 
482. — 2) Dej Jesuit Kedde und der Kapuziner Valerianus Magnus über- 
schickten Boyneburg Nachrichten über das vom Landgrafen Ernst angeordnete 
Religionsgespräch, Dez. 1651. — ^) Vgl. Struve, Acta litt. I fasc. 8. epist. 
dat. 9. Juni 1652. — *) Vgl. Struve II fasc. 2 ^k 114 — 154, 



Sturz Boyneburgs. 



Irrtümern^ hat einnehmen lassen j aber er \vi\\ nichts 
unversucht lassen, um sein »carura caputc, wie er Bo>Tieburg 
nennte vor dem Abfall von der protestantischen Sache zu 
bewahren. 

Die Antwort auf einen zweiten Brief beruhigte Conring 
etwas; denn Boyneburg hatte geschrieben, dass wieder 
alles in Ordnung sei*). Aber bald regten sich neue 
Zweifel, und eine Versuchung trat an Boyneburg- heran, 
der er nicht zu widerstehen vermochte. Die Aussicht auf 
eine glänzende Stellung am Mainzer Hofe brachte sein 
langes Schwanken zur Entscheidung. Während er im 
Sommer i6s2 im Diploraatenbade zu Schwalbach weilte, 
lernte er den Kurfürsten von Mainz kennen. Der Graf 
von Rantzüw führte ihn bei demselben ein und übernahm 
die V^ermittlung bei seiner A^nstelUmg als mainzischer 
Rat*). Joh, Philipp von Schönbom war kein religiöser 
Elferer; er hatte sogar einen protestantischen Sekretär an 
seinem Hofe; aber als ein Erzbischof konnte er doch nicht 
seine wichtigsten Staatsgeschäfte durch einen Protestanten 
besorgen lassen. Seine Zusage an Boyneburg, die diesem 
hohe Würden in Aussicht stellte, wird sicherlich auch die 
Bedingung des Übertritts zur katholischen Kirche ent- 
halten haben. Boyneburg vollzog ihn auf dem Reichs- 
tage zu Regensburg, nachdem er bereits in den Dienst 
des Kurfürsten eingetreten war^). 

Zwischen Bi»yneburg und seinen protestantischen 
Freunden stellte sich nun eine starke Entfremdung ein; 
ja es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, als Boyneburg 
versuchte, auch sie auf seine Seite hinüberzuziehen, und 
diese das Streben nicht aufgaben ♦ Boyneburg wieder Vür 



1) Gfuher« Commercium Epi$t l^ibnit», lom. pfodromn« I, 4» — 
«> VgT* den Brief Rnntiowf an BoyTjeburg, dxu Maini, den 7- S 
Apemi ip»i \\x\\m pro^voiiiuno, quod ralde ipii pUcuil« tAm qnoad i* ., 
quam od oHa, ntnoia »e factumm poUicetar, quae ScHwalbad promiitt, 
Arch. z W. — »; Auf dem Reichstage iti Hegctisbtirg 1653 erxirlte die 
rAmiiiche Ptopagandn einen gössen Erfolg, 00 Bekehrungen »ölten ikr 
t1;.- ni^% ^\n. Unter den KonvfflU<?n befand sich atJch rin Fmü S 

B< Heinrich JuHiu Bhim, der hcnrlu jruni Prx^ressor dft Kir i < i- 

ge«chictire in Helmiitadt designiert wmr. Krdmanni dArf fer, Drauche 
G^ichtchle U 4^^ Kd. «IwT, fTf-vthi. In*^ vrtti Hann«k%*ei ji»^^ l.fnun* 
•ehweiic I. 3 §5- 



592 



Wild. 



Hause*). So lange als immer möglich soll der Kurfürst 
in Verbindung mit den übrigen Gliedern des Reichs bleiben. 
Besonders müsse er an seinem Plane festhalten, unter den 
deutschen Ständen eine Gesamtvereinigxing ohne Unter- 
schied der Konfession herzustellen. Lasse sich eine solche 
Organisation auf Grundlage des Friedensinstrumentes 
schaffen, dann sei Hoffnung vorhanden, dass die aus- 
einanderfallende Verfassung zusammengehalten werde, dass 
die Züge und Flecken des Reichskorpers , die den Tod 
ankündigen, wieder verschwinden und neues Leben in 
seine Glieder einströme. Zeige es sich aber, dass ein 
solcher Bund nicht zustande gebracht werden könne, so 
sei es umsonst, sich weiter um den Bestand des Reiches 
abzumühen; denn dann sei es klar, dass die Götter seinen 
Untergang beschlossen hätten. 

Um die Wende des Jahres 1656 zeigte sich Joh. 
Philipp nicht abgeneigt, ein Bündnis mit Frankreich 
einzugehen. Boyneburg wurde nicht müde, es ihm zur 
Sicherung seines Erzstiftes anzuraten«). Natürlich sollte es 
einen defensiven Charakter haben; denn von einem Offensiv- 
bunde, den der Pfalzgraf von Neuburg befürwortete, wollte 
weder der Kurfürst noch sein Minister etwas wissen^). 
Auch noch später, nachdem schon ganz andere Verhand- 
lungen im Gange waren, kamen die mainzischen Minister 
auf den Gedanken einer Sonderallianz zwischen Frankreich 
und Mainz zurück *). Allein Joh. Philipp konnte sich doch 
nicht zu einem solchen Bündnisse, das ihm gewagt erschien, 
entschließen, und den Franzosen war der Anschluss eines 



*) »Ist kein anderes Mittel übrig als bei diesem allgemeinen Übelstand 
des Reichs und einreissender Vergessenheit des Publici, seines Besten bei 
Zeiten auch k part zu gedenken und sich aus dem Haufen der zum sicheren 
Ruin laufenden Glieder allmählig abzunestelnc Brief Boyneburgs an Joh. Ph., 
dat. II. Jan. 1657. — *) Vgl. den Brief Boyneburgs an seinen Herrn, dat. 
II. Jan. 1657: »Dieser Friedensbund ist, (si omnes noHnt) saltem mit etlichen 
ohne Religionsunterschied (nam bellum non geritur religionis causa) und (si 
commembra Imperii patria nolint) cum servantibus pacis exotids potestatibus 
omni modo et ratione werkstelHg zu roachenc. — >) Vgl. Joachim, Die 
Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658, 247 und Pribram, Beitrage 
z. Geschichte d. Rheinbundes (Sitzungsb. d. W. Akad. B. 115), 141. — 
♦) Vgl. die Anmerkungen Vorburgs zur Allianznote von Kärlich, Juli 1657. 
Arch. z. W. 



Sm B^yaeburgf. 



593 



emzelnen Fürsten, der über keine militärische Macht verfugte, 
nicht vorteilhaft genug. Sie wollten in einem grösseren 
Umfange die deutschen Stände an ihre Politik ketten. 

An den deutschen Höfen gab es damals eine Fülle 
von Allianrprojekten, Die bedeutendsten Vereinigungen 
im Westen Deutschlands waren die Frankfurter Allianz 
vom Jahre 1651 und die Kölner Allianz vom Jahre 1654. 
Kachdem es Joh, Philipp von Mainz gelungen war» sich 
die Führung in beiden zu verschaffen und sie zu einem 
Ganzen, zur rheinischen Union, umzubilden, ging er darauf 
aus* die Hildesheim er Allianz, die aus protestantischen 
Gliedern bestand, mit der rheinischen Union zu verschmelzen 
und auch den Kurfürsten von Brandenburg hereinzuziehen. 
Dies Einigungswerk stiess aber auf erhebliche Schwierig- 
keiten !)• Darum gibt Boyneburg seinem Herrn den drin- 
genden Rat, eine Annäherung an Frankreich zu suchen, 
um die Stiftung der Friedensliga mit besserem Erfolg 2U 
betreiben. Die katholischen Stände, die wegen der 
Teilnahme Schwedens an der Hildesheimer Allianz Bedenken 
trugen, sich mit den Protestanten zusammenzuschliessen, 
würden, meint Boyneburg, durch die Hereinziehung 
Frankreichs, ihre Besorgnis fahren lassen. Frankreich ist 
nach seinem Urteil das rechte Bindemittel für die geplante 
Friedensuniou *). Durch den FJnschluss Frankreichs werde 
dem Bunde jeder offensive Charakter genommen. 

Der französische Gesandte Gravel kam in der Mitte 
des Jahres 1656 nach Deutschland, um den Standen die 
Drohungen Ludwig XIV. wegen der Verletzung der 
Friedensbesti mm untren durch den Kaiser zu überbringen ^l 



*) Ober da* mcacri^indiscur i'rujeki vgi. joacbim, i c. iin, i*t\* 
brAin, i c. 112. — *) Boysebtirg spricbl diesen GedsLnken tu einem ip&tereii 
MesßorUle dcotltcla »tis, indeni er tn^ii Qaei atxteni c^tholici «tAbunt iß 
£oed«re cum Suecii ei sUtiLm«, quot^tn plerique et potentioret sunt AcAtholtcti 
sine GalliA, qua« est saoe unicum foederis et irerum coagulum« ttatumen 
i:tti\im ac soUdum fuldroeniumh i. d. (1&58), — ■) Über die lostiukitofien 
Gnivels vgl. Pribram l c. 139 u. 144. Vgl. die Meldtangen Boynebujg»; 
>Le roi dHirc en(cndre, si Von uouvait k propoi qu*U fa^se Uouver et rcn* 
euntrer le& Imp^riAux, Avaxtt qu^ils &eroDt Joint Ic gro» des Ekpagnoles« 11 
esp^rc que lea EtAts s'oppcaeront d'oritiAYaiU avec plos de rigeur que par le 
pA«»6 pour ^viter 1^ troubles en leur voiiiaage. Gravel doit (>ou««er ce point biea 
avant et plut qu'AQcua aiitre«. Bendit Boyoeburgt an Y 9t bürg und Meel a. <t 

3^* 



594 Wild. 

Boyneburg trat in intimen Verkehr mit Gravel; infolge 
dessen konnte er nach Mainz berichten, dass es dem Willen 
Ludwig XIV. entspreche, wenn die Stände durch eine freie 
Vereinigung den Vertrag zu Münster gewissermassen 
erneuerten. Da der König Mitkontrahent des Friedens 
gewesen sei, so habe er an dessen Aufrechterhaltung und 
Durchfuhrung das grosste Interesse. Der Kaiser solle nicht 
grundsätzlich aus der »liaison generale« ausgeschlossen werden, 
aber er zeige sich nur geneigt, mit katholischen Ständen 
eine Verbindung einzugehen. Die Gründung einer neuen Liga 
müsse jedoch unter allen Umständen vermieden werden. 

Gravel hatte also von Mazarin auch Aufträge über das 
Allianzwesen erhalten. Wichtiger schien dem Kardinal die 
Kaiserwahl zu sein, denn wenn diese in französischem 
Interesse erfolgte, so war der Eintritt Frankreichs in die 
rheinische Allianz unnötig, ja vielleicht unzweckmässig. 
Auf alle Fälle musste man von Seiten Frankreichs 
Beziehungen zu den Alliierten unterhalten. 

Die erste Verhandlung mehrerer Alliierten über eine 
Anknüpfung an Frankreich fand auf dem rheinischen Kur- 
fürstentag statt, der zu Karl ich wegen der Kaiserwahl 
zusammentrat. Dcis Projekt, das den betreffenden Verhand- 
lungen zugrunde gelegt wurde, hatte Boyneburg aus- 
gearbeitet. Es erwähnt als Norm für das Bündnis die 
Frankfurter und die Kolner Allianz. Wie diese Ver- 
einigungen, so soll auch der geplante Zusammenschluss 
der Föderierten mit Frankreich ein Defensivbündnis darstellen. 
Nur die im Münsterischen Vertrag ausdrücklich gewähr- 
leisteten Rechte werden durch diese Vereinigung garantiert. 
Alles, was keine Aufnahme in die Friedensbestimmungen 
gefunden, soll ausgeschlossen bleiben. Deshalb wollen 
sich die Föderierten nicht in den spanischen Krieg mischen, 
aber sie verpflichten sich wenigstens, zu verhindern, dass 
den Feinden des Königs aus dem Reichsgebiete Ver- 
stärkungen zukommen 1). Dafiir verspricht Ludwig XIV.^ 

*) Vgl. »Den zu Kärlich (Juli 1657) approbierten Aufsatz der Allianz«, 
§ 4 : Ideoque bella Hispano-Gallica aliaque omnia ad Instmmentum pacis non 
pertinentia ab hac defensiva obligatione penitus sint exclusa. § 12: teneantuf 
quoque Electores et principes foederati, omni opera cavere, ne a finibu» 
Imperii bostibus Regis Chr"»» vires accedant. 



. k*-_ ■ Vb^_ 



Stui£ Boyoeburgs. 



595 



die Föderierten gegen jedermann innerhalb oder ausserhalb 
des Reiches, der sie dieses Bündnisses halber oder aus 
einem anderen Grunde angreife, zm schützen. Unter den 
vereinigten Ständen galten Mainz, Köln» Münster und Neu- 
>urg als geneigti ein Bündnis mit Frankreich ein n, 

Trier verhielt sich ablehnend, von den Hiki er 

Allierten konnte man keine bestimmte Zusage bekommen. 
Indes auch Mazarin hielt zurück, denn er wollte zuvor 
den Ausgang der Kaiserwahl abwarten. 

Seit dem Ableben Kaiser Ferdinands 111. trat die 
Wahl frage immer mehr in den Vordergrund. Joh, Philipp 
von Mainz hätte am liebsten die Wahl auf den Erzherzog 
Leopold Wilhelm gelenkt ^j. Er sah jedoch bald ein, dass 
sich die Wahl seines Neffen, des Königs Leopold von 
Ungarn» nicht umgehen liess. 

Nachdem er diese l'berzeugung gewonnen hatte, erklärte 
er den österreichischen Gesandten seine Bereitwilligkeit, 
für den Konig von Ungarn einzutreten, stellte aber zugleich 
die Forderung auf, dass vor der \N^ihl der spani&ch*fran- 
zösische Friede geschlossen werden müsse ^). Da Joh. 
Philipp mit seiner Forderung Ernst machte» so erfuhr er 
von vielen Seiten Widerspruch* weil dadurch die Wahl 
:\ufgehalten wurde. Aber die kriegfiihrenden Mächte 
waron nicht abgeneigt« unter X^erraittlung des Kurkolle- 
giums Vorhandlungen mit einander anzuknüpfen. 

Allianxprojekte , Wahlsachen und Friedensvorschläge 
^iirden damals zu gleicher Zeit in Frankfurt beraten. Der 
.Reichskanzler gewann wahrend des Interregnums ein An- 
.sehen, das weit über die Grenzen des deutschen Landes 
hinausging. Boyneburgs diplomatisches Geschick kam bei 
den einander durchkreuzenden Aufgaben zur vollen Geltung, 
Kr leitete die Sitzungen der Föderierten und die Beratungen 
des Kurkollegiums, auch besorgte er die Geschäfte bei den 
Friedensverliandlungen. Er sagte einmal in einem späteren 
Schreiben über den X'ersuch, den Krieg zwischen Frank* 



*) Über die Reite Boytiebtirgt nsich München, um die G»itmuni» dienet 
H^«i ra erforKheo, «ehe Htitl«, Di« WaW l^opoldf l, mm n^miithen 
Küimt Fonch. <. «Jeoisclu ÖTschkMe XXV, 1885, p. 34. — *) V|eI Fri- 
br^ni. Zur W«lil L«t>pold4 T, Archiv t ö»terreicbi$che GetchicbU. B. 7J^ 
h a III. 



59^ 



Wild. 



reich und Spanien beizulegen, er habe damals (1657) alles 
in Händen gehabt >). Von Seiten Frankreichs seien äusserst 
annehmbare Anerbietungen gemacht worden, es habe 
mündlich und schriftlich dem Erzbischof von Mainz und 
Köln versprochen, sich von England und unter gewissen 
Bedingungen auch von Portugal zu trennen, in Katalonien 
und Italien die eroberten Länder zurückzuerstatten, sich in 
den Niederlanden mit einigen Plätzen zu begnügen, nur 
sollten die Spanier die Rechte Frankreichs auf Savoyen 
zugestehen und ihre Bundesgenossenschaft mit dem Prinzen 
von Cond6 aufgeben. Aber Peneranda, der spanische 
Bevollmächtigte, habe nicht gewollt und sei eilends nach 
Neapel abgereist*). 

Nachdem sich zu Frankfurt unter den streitenden 
Mächten keine Einigung hatte erzielen lassen, begnügte 
sich der Reichskanzler Joh. Philipp mit der schon früher 
geltend gemachten Forderung, dass in der Wahlkapi- 
tulation dem Kaiser verboten werde, sich irgendwie durch 
Truppensendungen oder Geldspenden in den spanisch- 
französischen Krieg zu mischen. Die Durchsetzung dieses 
Teils der Wahlkapitulation, des sog. Assistenzpunktes, ver- 
ursachte dem Kurfürsten von Mainz viele Mühe, obwohl 
ihm hierin sein Kölner Kollege thatkräftig zur Seite stand. 
t)ie österreichischen Gesandten und ihr Anhang suchten die 
Aufnahme des betr. Paragraphen dadurch zu hindern, dass 
sie erklärten, es sei ungerecht, dem Kaiser jede Unter- 
stützung der Spanier zu verbieten, da ja England oder ein 
anderer Feind mit neuer Heeresmacht in den Kampf 
eingpreifen könnte. Der päpstliche Nuntius unterbreitete 
dem Mainzer Erzbischof eine Schrift, in der behauptet 
wurde, dass jenes Verbot den Kaiser an der Ausübung 
seines Schutzamtes über die katholische Kirche hindere. 
Boyneburg wurde beauftragt, solche Einwendungen zu 
widerlegen. Conring lieferte ihm dazu treffende Gründe. 
So wurde es Boyneburg leicht, die Nichtigkeit der gegne- 
rischen Behauptungen darzuthun. Er wies in seinen Gegen- 

*) Brief Boyneburgs an Melchior Friedrich von Schönbom, dat Mainz, 
18. März 1670. — 2) Bei den zu St. Jean de Luz angestellten Friedens- 
verhandlungen, an denen auch Boyneburg teilnahm, mussten die Spanier viel 
ungünstigere Bedingungen eingehen. 



Stura Boyticbuigs. 



597 



Schriften darauf hin. dass der Krieg in den Niederlanden 
mit der Religion durchaus nichts zu thun hätte, und dass 
der Papst sich wegen der vermeintUchen Gefahr durch 
Lngland lieber an den König von Frankreich wenden 
>llte ♦ der ja mit dem Ketrer Cromwe]! einen Bund 
ibgeschlossen habe '). 

Nachdem es gelungen war, den sog. Assistenzpunkt 
durchzusetzen, wurde bald die ganze Kapitulation zur 
Richtigkeit gebracht und die VV^ahl vorgenommen. Über 
den Ausgang derselben konnte kein Zweifel m^Ar herrschen: 
der, Sohn Ferdinands III., Leopold, wurde zum Kaiser 
gewählt. 

Während der ganzen Dauer des Wahlgeschäfts waren 
die Allianzverhandlungen nicht stille gestanden. Es 
erforderte die unermüdüche Arbeit Boyneburgs, um bei 
den widerstrebenden Interessen der einzelnen Stande eine 
Einigung zu erzielen. Viele trugen Bedenken, mit einer 
auswärtigen Macht in Beziehung zu treten. Um solchen 
Ständen ihre Besorgnis zu nehmen, führte Boyneburg in 
einem Memoriale aus, dass den Reichsgesetzen und dem 

Lf riedensschluss «ufolge die deutschen Fürsten das Recht 

fbesässen, mit fremden Königen Bündnisse einzugchen, nur 
sollten sie nicht gegen das Reich oder den Kaiser gerichtet 
sein. Die geplante Vereinigung verfolge den Zweck, dem 
Reiche den Frieden zu erhalten. An eine Zustimmung des 
Kaisers seien die Fürsten nicht gebunden. Ohne dieselbe 
seien im Laufe der Zeit schon viele Bündnisse zwischen 
deutschen Ständen und auswärtigen Konigen jtustande 
gekommen. In einer interessanten Liste giebt Boyneburg 
eine Zusammenstellung von 15 Beispielen aus den Jahren 
1324 bis 1Ö30, in denen Reichstursten mit fremden Poten» 

^laten Abmachungen getroffen hatten-). 

Der päpstliche Nuntius Hess auch in der AUianzfrage 

'seine warnende Stimme hören und widerriet den katho- 
lischen Standen ein Zusammengehen mit den Protestanten, 



1) Vgl. Fmet<»tus AngUcantis veüiui und Re>poD»io Jid Scriptum (]u<7ildAin 

i Ntilttio ipo^tolico submissum. Judicia EeoebuTgii, h 44. Arch. £. W,, 

irgl. auch GuhtAuet, l. c. l 52 und Gfub^r» Lei 290. — *) Boyneburg« 

lemorüü: Pro federe cnm Rege Chnstijinii&imo eÜAm doe cooseosu Imf»e* 

mtom. Judicia B. L c< 



598 



Wild. 



Boyneburg betonte gegenüber solchen Abmahnungen, dass 
die segensreichen Folgen des Bundes der Religion nur 
nützlich sein könnten; denn er diene, wie einst der Araphik- 
tyonenbund, zum Schutze der heiligsten und höchsten 
Güter des Vaterlandes. Wenn Salomo unter göttlicher 
Billigung mit dem heidnischen Könige Hiram ein Bündnis 
abschloss, warum sollten nicht die katholischen Stände mit 
den evangelischen eine Vereinigung eingehen, die schon 
durch das natürliche Recht geboten erscheine? Man billige 
deshalb noch nicht die Lehren und Einrichtungen der 
Protestanten , wenn man anerkenne , dass auch sie .die 
allgemeinen Vorschriften der Moral für bindend erachten. 
Nicht als Häretiker, sondern als Deutsche nehme man die 
Protestanten zu Bundesgliedern auf'). 

Der religiöse Gegensatz war jedoch der Durchführung 
des Allianzwerkes nicht so hinderlich, wie die politischen 
Verwickelungen. 

Besonders die Verfeindung Brandenburgs mit Schweden 
bildete ein grosses Hemmnis der Bundesbestrebungen. 
Schon waren die Abmachungen ratifiziert, da geriet noch 
einmal Neuburg, durch Schweden verleitet, ins Schwanken. 
Es zögerte, den Austausch der Urkunden vorzunehmen; 
denn es hätte lieber eine Oflfensivallianz mit Frankreich 
geschlossen, um diese Macht in einen Krieg mit Branden- 
burg hineinzuziehen. Boyneburg drang mahnend in seinen 
Herrn, man solle ohne allen Aufschub die Auswechslung 
der Ratifikationen mit Frankreich vornehmen, sonst werde 
das Bündnis der Föderierten auseinanderfallen oder einen 
offensiven Charakter erhalten und das Reich in einen Krieg 
verwickeln. Nur der Einschluss Frankreichs gebe der 
Allianz einen sicheren und ruhigen Bestand. In des Kur- 
fürsten eigenem Interesse liege der schleunige Vollzug 
der Allianz mit Frankreich «). 



') Vgl. das andatierte Memorial Boyneburgs in den Judicia Beneburgii, 
1. 44: Utimnr atixiliis eonim, ut hominum Christi nomen, ciütu tarnen catho- 
licis nobis improbato, colentiam, ceterum reliquis humanae vitae ofüciis 
publica honestatis praecepta servantium. Utimur iis non qua haeretici, sed 
qua Germani. — *) Das Gutachten Boyneburgs über den Austausch der Rati- 
fikationen, Judicia Beneburgii 1. 44, I, Arch. zu W. : Ratificationes cum Gallia 
sine uUa dilatione sunt commutandae, si Princeps noster foedus, quod tractatur 



BoynebuTgs. 



599 



£inen Monat nach der Wahl Leopolds zum Kaiser 
wurde die Allianz mit Frankreich abgeschlossen, Mazarin 
war klug genug, wenigstens diesen Vorteil, den der Rhein- 
bund der französischen Politik gewährte, zu ergreifen, wenn 
er auch die Kaiserwahl nicht nach seinem Interesse hatte 
lenken können. 

Ivaum war die Allianz vollzogen, da brach der zweite 
dänische ICrieg aus, in dem Schweden und Brandenburg 
z usa mm ensti essen. Etwas Unliebsameres hätte sich für die 
Mainzer Politiker nicht ereignen können. Welche Mühe 
hatte es gekostet, um den Eintritt sowohl Schwedens als 
Brandenburgs in die Allianz zu ermöglichen! Mit welcher 
Vorsicht hatte man die Bundesartikel abgefasst, um den 
drohenden Konflikt der beiden Staaten zu verhindern ! Als 
er nun doch erfolgte, vermochten alle NeutralitätM ' ' -, 
Kriegsratsinstruktionen und Abmahnungsschreiben t 

der Dinge nicht zu hemmen. Der Rheinbund sah sich 
schon hier vor eine Aufgabe gestellt, der er nicht 
gewachsen war^), 

Boyneburg glaubte mit seiner AUianzidee einen 
patriotischen Gedanken zu nähren, und befürwortete des- 
halb eine zweimalige Verlängerung des Bundes; das zweite 
Mal allerdings that er es nur mit halbem Herzen. 

Solange Mazarin die firanzüsische Politik leitete, besass 
sie noch nicht den gewaltthätigen Charakter, den sie seit 
dem absoluten Kegimente Ludwig XIV. annahm. Öster- 
reich und Frankreich erschienen den an der Westgrenze 
wohnenden Deutschen als Mächte» die dem Reiche gleicher- 
massen fremd gegenüberstanden. Über die unheilvolle 
Politik der Habsburger während des 3ojAhrigen Krieges 
herrsj:hte zu Mainz niu* eine Stimme, Msm entfremdete 
sich zusehends dem spanisch-gesinnten Wiener Hofe, und 

et cum st&tibus ratihahitum est, ia dervn»irii trnniiib et %b ofFen^one liberum 
icnrire vnlt, li denique vuU cuiu GaUü corosa pc»teat«. licioi^ cathoHcA« 
o(>time roeriüi et p#cii$ cortsorte» »tnicus et boous vicinus permanere. 

') V|»l das GulAchtcn Boyneburgs, d»j* er n»cb seintrr Rückkehr von 
den pyrenQischcn FrietlcusvcrlianiUuii^en Ober *lie damalige läge al 
JudicU Beneburgii 1. c Ha^n gewinnt au# ihm den Eiiulniek« ds»! B...:; 
bttrg fleh in RaUostgkeit befand, welches Xlittel er vorschUigeo sollte« um die 
AntohtAt des lUiMiibtuidcf bei d«ii ktiegierischeii Verwkkltingen zur Gehung 
£tt bringen. 



6oo Wild. 

auf der andern Seite liess es Frankreich an Drohungen 
und Lockufigen nicht fehlen. So kamen die Mainzer 
Staatsmänner zu ihrer Rheinbundspolitik. Man mag den 
Anschluss an Frankreich, den sie ins Werk setzten, unklug 
finden, aber man wird zugestehen müssen, dass sie die 
verderblichen .Wirkungen desselben nicht voraussehen 
konnten; man mag ihre Politik kurzsichtig nennen, aber 
man darf nicht bestreiten, dass sie im guten Glauben han- 
delten, mit ihren Massnahmen dem Reiche zu dienen. 

Ein grosser Fehler der Politik Boyneburgs lag darin, 
dass er die Macht der Realitäten unterschätzte und meinte, 
die kleinen Staaten gebilde des Reichs konnten Frankreich 
gegenüber ihre Selbständigkeit bewahren. Die Franzosen 
sahen aber ihre Interessengemeinschaft mit den deutschen 
Ständen nur auf ihren eigenen Vorteil hin an, und die 
deutschen Fürsten besassen keine Macht, um die Berück- 
sichtigung ihrer besonderen Zwecke durchzusetzen. Nur 
mit staatsmännischer Kunst und friedliebenden Gedanken 
kann kein Staat sich Ansehen und Achtung verschaffen i). 
Eine Überschätzung der Diplomatie, ein falscher Optimismus 
gegenüber Frankreich und ein übertriebener Pessimismus 
in Bezug auf die deutschen Verhältnisse sind die hervor- 
stechenden Kennzeichen der politischen Anschauungsweise 
Boyneburgs. 



Die Gründe, die Boyneburgs Sturz herbeiführten. 

Wie konnte es geschehen, dass Boyneburg aus seiner 
angesehenen Stellung verdrängt wurde, der vertraute Rat- 
geber seines Herrn, der einflussreiche Minister, um dessen 
Gunst sich Fürsten bemühten, der gelehrte Diplomat, der 
Kurmainz den Ruhmestitel einer Heimstätte des Geistes 
und der Bildung verschafft hatte? 

Wir bemerken an Boyneburg viele Fehler. Er war 
ohne Zweifel von einem rastlosen Ehrgeiz erfüllt, der ihn 
zu allerhand kühnen Plänen verleitete. Was er sich einmal 
vorgenommen hatte, das verfolgte er mit feuriger Leiden- 

^) Vgl. DroyseD, Geschichte der preussischen Politik III, 2, 283; 
Joachim 1. c. lOi und Erdmannsdörffer 1. c. I, 316. 



Sturx Boyntborgf, 



^01 



Schaft. Aber durch sein herrisches Wesen beleidigte er 
die mit ihm auf gleicher Stufe Stehenden, und durch unver- 
hüllte Darlegung seiner Überlegenheit verletzte er seinen 
Herrn. Dass er sich durch seine Freimütigkeit und 
Unbedachtsamkeit im Reden schon viele Feinde zugezogen 
hatte, war ihm selbst nicht unbekannt; noch kurz vor 
seinem Falle warnte ihn Conring vor den Intriguen des 
Hoflebens. 

Nach seiner ParteisteUung war Boyneburg franzosich 
gesinnt, nicht in der Art der beiden Fürstenberg, dass er 
sich fremden Interessen ausgeliefert hätte; da^u verpflichtete 
ihn nicht einmal das Geld, das er von Frankreich annahm. Die 
Zuwendungen, die er von den Franzosen erhielt, bestanden 
in einer lebenslänglichen und erblichen Rente von dem 
Landgute RheteP) in der Höhe von looo Thalern und aus 
einer jährlichen Gratifikation von 1 500 Thalern ^). Die erste 
Summe sollte ein Entgeld sein für die Rückgabe eines 
Wechsels von 20000 Thalem. der ihm von den Spaniern 
beim Frankfurter Wahltage ausgestellt worden war*). 
Ausserdem erhob Boyneburg noch Ansprüche auf die Ein- 
künfte von Rappoltstein im Elsass, die ihm einst von Fer- 
dinand IIL versprochen, aber nie gezahlt worden waren. 
Mazarin sicherte ihm dafür eine Vergütung zu, Uess es 
aber auch an der Erfüllung seines Versprechens fehlen •), 
Durch die französische Pension, durch Geschenke, die er 
von and»?rer Seite erhielt, und durch seine Umsicht gelangte 
Boyneburg allmählich in den Besitz eines Vermögens von 
ungefähr 50000 Thalern, was für jene Zeit einen beträclit- 
lichen Reichtum darstellte. Man hielt am Mainzer Hofe 
dafür, er ziehe aus seinen diplomatischen Geschäften Un- 
geheuern Gewinn und häufe gewaltige Schätze auf 

Der Kanzler Meel, der Bruder des Kurfürsten*) und 
der Domherr Reiffenberg mit seinem Anhang blickten voll 
Neid auf seine einträgliche Stellung. Reiffenberg war 
französisch, die beiden ersten mehr kaiserlich gesinnt. 



») Da* Landgut liegi in <len ArJeonen, — *) D«r Bruder des Kur- 
fönten, Philipp Ervrin von Schöobom» erhi<U nur lOOO TbAler. — •) VgL 
Guhtatier l. c* I 50 und dtA TettAtnent Boyodmri*« vom Oktober 1665. 
ArcK i, W« — •) Vjrl» üuhfftucr t. c, II 340. — *^ fhllipp Er^it von 
SchAnbom. Er war InrnminiUcher Geheimer»« und f >bc»*<ntmHnn im Steiahdm, 



602 Wild. 

Meel scheint ein intrignanter Kollege gewesen zu. sein. 
Bei den westfälischen Friedensverhandlungen hatte er die 
Berichte des damaligen Würzburger Abgesandten Vorburg 
als leere Phantasieen hinzustellen versucht; mit dem Kanzler 
Reigersberger entzweite er sich infolge seines hinterlistigen 
Gebahrens so sehr, dass ihm dieser, wie Vorburg erzählt, 
am allgemeinen Freudentage des Friedensschlusses einen 
Backenstreich gab. Er wurde am Mainzer Hofe durch den 
Bruder des Kurfürsten begünstigt und setzte es im Beginn 
des Jahres 1663 durch, dass Joh. Philipp sich entschloss, 
den Reichstag zu beschicken und ihn dorthin abzuordnen. 
Dies war ein grosser Triumph gegen Boyneburg, der den 
Deputationstag und mit ihm den rheinischen Bundestag zu 
Frankfurt zusammenhalten wollte. Bald liefen von Seiten 
des neuburgischen Abgesandten Rautenstein Klagen ein, 
dass sich Meel zu Regensburg bemühe, Unfrieden unter 
den rheinischen Bundesfürsten zu stiften, ja dass er darauf 
ausgehe, den Bund zu sprengen, indem er die katholischen 
Stände vor einem Zusammengehen mit den Protestanten 
warne und offen verkündige, er wisse gewiss, dass es den 
Protestanten nicht um ihre vielgerühmte Freiheit zu thun 
sei, sondern um die völlige Austilgung der katholischen 
Religion im Reiche. Es gelang Meel wirkUch, die Parteien 
so sehr zu verhetzen und die Geschäfte derart zu verwirren ^), 
dass Joh. Philipp sich im Oktober 1663 genötigt sah, 
Boyneburg nach Regensburg zu schicken, damit er wieder 
Ordnung schaffe. 

Kaum war Meel an den Mainzer Hof zurückgekehrt, 
so beklagte er sich beim Kurfürsten über Boyneburg. 
Dieser habe sich nur aus Eigennutz nach Regensburg 
gedrängt und suche ihn nun überall anzuschwärzen. Es 
bleibe ihm zu seiner Rechtfertigung kein anderes Mittel 
übrig, als sich von den Regensburger Abgesandten ein 
Zeugnis über die Führung seines Amtes ausstellen zu lassen. 
Boyneburg antwortete darauf durch den Mainzer Rat 
Lincker seinem Herrn*): >Dass Meel meint, ich hätte es 
meines Interesses willen gerne gesehen, dass ich hierher 

') Wfii. Gemeiner, Geschichte des zu Regensburg noch fortwährenden 
Reichstags. N. 1794. I S. 84 ß. — «) Brief Bo>'neburg8 an Lincker, dat. 
Regentbnrg, den 6. Dez. 1663. 



stört 



Reburgs 



603 



kommen, Ihut er mir, Gott weiss, Unrecht. Hätte ja noch 
sitlich genug mit L K. Gn. hierher kommen und vieler 
arge und Mühe überhoben sein können. Weiss ja wohl 
fiit eines Hellers wert (ausgenommen zwei Bücher zu 
München), so ich auf dieser Reise gewonnen oder auch 
bisher zu hoffen gehabt* Gegen den Vorwurf der Ver- 
leumdung rechtfertigte er sich mit den Worten: »Es ist 
l. K. Gn, nächst Gott mein bester Zeuge, dass ich nie 
nichts gegen ihn (Meel) gethan, sondern für ihn oftmals 
den Glimpf gesucht habe«. Boyneburg meinte aber, es 
sei doch gut, dass er hierher gekommen sei» sonst wäre 
durch Meel und Beringer alles in Verwirrung geraten. 
Wenn Meel von Regensburg ein Zeugnis haben wolle, so 
werde er »sich schlecht verstehen und seine Existimation 
übel salvieren*. Die Anklage Meels, dass Bo3meburg sich 
von seinem Privatinteresse leiten lasse, wurde von dem 
Kurförsien nicht ohne weiteres zurückgemesen* denn er 
glaubte selbst die Beobachtung gemacht zu haben, dass 
Boynebiirg die Geschäfte nach seinem Gewinn einrichte. 
Schrieb er doch einmal an seinen Bruder Philipp Erwin 
von Schönbomf): »Boyneburg will immer mascule, ^vie er 
meint» zu Wien und Frankfurt geredet haben. Hierdurch 
bekommt er zwar ohne Zweifel munera. Wo kommt aber 
des Erzstifts Interesse hin?* Dem Kurfürsten war auch 
nicht entgangen, dass sein Minister öfters eigenmächtig 
handelte, denn er bemerkte ein andermal seinem Bruder 
fegenüber*): »Der von Boyneburg that in dieser Sache 
g^g^*^ meine Intention und vielmalige Erklärung» und 
scheint, als wenn er den Winter ä part und hinter mir 
animiere und mich also hineinzufiihren trachte. Ist er noch 
^u Frankfurt, so sage er es ihm mit Manier, er müsste 
nicht wider meine Intentiones negotiieren, sonst werde ich 
es nicht leiden können*« 

Ein weiterer Umstand bestArkte den Verdacht des 
Kurfürsten» Bo>Tieburg unterhielt eine vertrauliche Korre- 
spondenz mit dem gothaischen Rate Veit Lud\»ig von 
Seckendorf, Sie besprachen unter anderem den Streit, den 

'» Brief kontqjt Job. Philipps, (Ut* t^. Aug. 0^$<»)* — ** Bn^fkonrrpt 
füh' Uhili^tp«, dat. 1. yUrt 1,16^0). E« liAtidclte itch dutoftb um 4fe 
BeichüUung der Elblinie durch dk RJ^einbundifArftteo. 



6o4 Wild. 

Erfurt um seine Freiheit gegen Kurmainz führte, prüften 
in gelehrter Weise die Rechtskraft der beiderseitigen 
Behauptungen und berieten mehrere Vorschläge über eine 
Regelung der Verhältnisse im Thüringer Lande. Job. 
Philipp verlangrte, dass ihm sein Minister von dieser 
Privatkorrespondenz Mitteilung machte. So erfuhr er die 
vertrauten Beziehungen Boyneburgs zu Seckendorf. An- 
fangs wollte er nichts dagegen einwenden, weil er sich 
nur Nutzen davon versprach. Aber es ärgerte ihn schon, 
dass man einen Anspruch, der ihm nach seiner Meinung 
rechtmässig zustand, zum Gegenstand langer, gelehrter 
Untersuchungen machte. Als es sich nun herausstellte, 
dass einige Briefe Boyneburgs in unrechte Hände geraten 
waren, geriet der Kurfürst in heftigen Zorn. Boyneburg 
daigegen empfand es übel, dass sein Herr, ohne ihn zu 
fragen, eines der Seckendorfischen Schreiben bekannt gab. 
Als der Kurfürst bemerkte, dass sein Minister die Meinung 
der Sachsen nicht scharf genug zurückwies, ja sogar ihnen 
gewisse Zugeständnisse machte, erliess er an Boyneburg den 
gemessenen Befehl, allen Verkehr mit Seckendorf zu 
meiden^). Der Minister versprach dies. »Ich werde — so 
schreibt er seinem Herrn«) — nunmehr mit Seckendorf 
allerdings und purement abbrechen, damit er nicht Ursache 
habe zu gedenken, dass er mich herumführen thue. Hat 
keine Not darum. Nachdem ich sehe, dass nichts mit ihnen 
auszurichten, dimovebo manum absolute a tabula et simpli- 
citer ab omni cum ipsis communicatione abstinebo. Habe 
in der Welt auch nichts mehr mit ihnen weiter zu thun, 
nachdem ich schon a. 1661 meine übrigen Güter in Hessen, 
Thüringen und den fuldischen Grenzen verkauft habe.« 

Boyneburg hielt sein Versprechen aber doch nicht in 
vollem Umfange und machte auch keinen Hehl daraus, 
dass er für ratsam halte, mit den sächsischen Fürsten in 
dieser Angelegenheit einen Vergleich abzuschliessen. Sein 
Vorschlag fand indes damals keine Billigrung^). 



') Auch mit dem kurpfUlzischen Hofe sollte Boyneburg nicht mehr 
korrespondieren. — *) Brief Boyneburgs, dat. 26. Febr. 1663. Arch. z. W. 
— *) Erst später, als es sich zeigte, dass die mainzischen Exekutionstruppen 
dem Erfurter Heere nicht gewachsen waren (vgl. Urk. u. Aktenstücke z. 
Gesch. des Kurf. Fr. Wilhelm von Brandenburg XI 355), kam man 



Sturz Boyneburgs. 605 

Auf dem Reichstage zu Regensburg verkehrte Boyne- 
burg mit den sächsischen Abgesandten sehr freundschaftlich. 
Man versäumte nicht, dies sogleich dem Kurfürsten zu 
hinterbringen, der ihm Vorstellungen darüber machte. 
Boyneburg entschuldigte sich in einem Briefe an Lincker, 
der zur Mitteilung an seinen Herrn bestimmt war^): »Ich 
habe — schrieb er — mit diesen Leuten, dem Alten- 
burgischen nur einmal und dem Grothaischen zweimal nur 
bei mir geredet, dass also ganz keine Gemeinschaft noch 
Gefahr von gar zu genauer Familiarität ist. Werde doch 
I. K. Gn. Befehl inacht nehmen. Mit dem Kursächsischen, 
da ich jetzt zu Gast muss, halte ich gute Freundschaft, sed 
extra aleas nimiae confidentiae.« Allein diese Rechtfer- 
tigfungsversuche halfen nichts mehr, bei seinem Herrn war 
das Misstrauen gegen ihn wach geworden. 

(Schluss folgt.) 

auf seinen Vorschlag xurOck und übertrug ihm die Ausarbeitung der Instruktion 
für den zur Reise an den knrf. s&chsischen Hof bestimmten Domherrn 
Reififenberg (vgl. Jadicia B. 1. 44). 

>) Brief Boynebargs, dat 6. Dez. 1663. 



Reinhold Blum. 

Von 

Gustav Toepke. 



Zur Reform der Heidelberger Universitätsstatuten unter 
Karl Ludwig hat K. Obs er im zweiten Hefte des laufen- 
den Jahrgangs dieser Zeitschrift (S. 357 fg.) aus dem Karls- 
ruher Archive mehrere kurfürstliche Erlasse veröffentlicht, 
aus welchen sich ergiebt, dass der Kurftlrst mit dieser 
Reform in erster Reihe den schwedischen Rat Blum (Bluhm) 
betraute, ihm auch »die aufsieht und ferndere bestell- und 
anordnung der Universität, wie auch geistl. gutter und 
gefäll Verwaltung« übertrug. Im Heidelberger Universitäts- 
archive ist von diesen Erlassen nichts mehr zu finden, weder 
urschriftlich noch abschriftlich in den Universitätsakten, 
aber ganz lässt uns das erstere in der vorliegenden Frage 
doch nicht im Stich. Die Bemerkung bei Winkelmann, 
Urkundenbuch 11. 1693: »Von 1661 Dezember 24 bis 1677 
April 27 fehlen wieder alle Senatsprotokolle, mit Ausnahme 
weniger Blätter, welche sich auf 1674 Okt./Nov. beziehen«, 
ist nicht ganz zutreffend*). Es ist aus den Jahren 1671 
und 1672 noch eine ganze Reihe von Protokollen des 
Senats und des akademischen Konsistoriums *) nebst sonstigen 
Aufzeichnungen des Syndikus der Universität (Annalen, 
I. 3 Nr. 182 und Nr. 183) vorhanden, und in diesen wird 
der schwedische Rat Blum vielfach erwähnt. Derselbe tritt 



^) Vgl. übrigens die Bemerkungen Winkelmanns I. S. IX ad III. 
Jetzt ist das Archiv geordnet. — *) Die des Jahres 1671 beginnen erst mit 
dem 7. Juni, scheinen aber von da ab vollständig zu sein; von 1672 liegen 
nur vereinzelte Protokolle aus verschiedenen Monaten vor, darunter aber sehr 
wichtige vom Januar. 



Reinhold Blum. 



607 



dort als Kurator und Reorganisator der Universit<lt auf 
Er dringt vor allem auf eine genaue Beobachtung der 
Statuten und auf die Beseitigung von Missbräuchen, die 
sich eingeschlichen haben, ist im übrigen auch sonst eifrigst 
bemüht, dem ihm erteilten Auftrage nach allen Richtungen 
hin nachzukommen. So macht er den Profes*;oren bez. 
dem Senate Vorhaltungen über die ungebührliche Ab» 
kürzung der Vorlesungen'), über die Unterlassung der 
Prüfung der Lektionsversäumnisse (censura negleciarum 
lectionuni)''), über das eigenmächtige Ansetzen von Ferien*), 
über die Vernachlässigung der vorgeschriebenen ordentlichen 
Disputationen und der sonstigen öffentlichen Exercitien*) 
und über die mangelhafte Form der Disputationen über- 
haupt*); er schreibt ferner vor» wann ihm von den Pro- 
fessoren die »wocheniettel wegen gehaltener lectionen« 
schedulae hebdomadale;* ratione lectionum) einzureichen 
sind«)» erinnert an die Einführung einer Korrespondenz 
mit anderen Ländern bezüglich neuer Entdeckungen und 
Erfindungen "1, wirkt bei der Berufung von Professoren*), 
bei der Anlegung von Kapitalien und bei der Ordnung 
der Vermögensverhriltnisse der Universität rait«^) und prüft 
deren Rechnungslegung***)* Anderseits wendet sich der 
Senat mit Gesuchen an ihn: er bittet ihn: die dem Lektions- 
kataloge seitens der einzelnen Professoren etwa beigefügten 
Programme nicht auf Kosten des Fiskus der Universität 
drucken zu lassen"*); seine Vorstellungen beim Kurfürsten 
gegen die von demselben verfügte Heranziehung der Uni- 
versität zur Schätzung und Türkensteuer zu befürworten^'); 
den Rat Loetenius auf etwa vierzehn Tage von den Ver- 
waltungscf*- seil litten zu dispensieren, damit er auswärts im 



*I t. H'-ungc 1 kj 2, ^ *( %. HeiU|^ i jifi 3 — "1 ». unten >- tu» 
«Anw». 2). — *) •- unten S. tot A. r — *) •, Beilage II. — •] Kr. i»2 
l c fol. 3QV, TgL fol. tonf, ft und Beiluge f ad |. — ^) ■, Bdlage IL — 
•) 1, naien S, 614 «. E fg. ^ *} Nr, fÄ3 ful. 9 i. f,, 9V, ti, ai, ti^. Es 
wird d«bei n. a. ftber den Wansch de« KurfOrsten verhandelt, d«s die 
UttlvenitBt »von den «hgelegteji Geldm der itfttt Str»filittrg» Hinaer Hi 
M«onhdm und Friedriih&burg b«Qeii hmm, — *•> Nr, t%% fol j: •Sjr&ditti« 
K von lim- Hh-t t*u uWr jeemHrjrf univerMilt 

tii^r lAmpl t^ j'in unt1 rt«crtplo deÜwegen« 

(4, j«o- i^3|* — «*) ibid. Joi. 1, i^, — «^ üf^ 182 f^, 16, tgl inl« 6v, II, 

15^ le. 19^ 49«. 



6o8 Toepke. 

Interesse der Universität bei der Regelung von Grültbriefen 
derselben thätig sein kann^). Der Senat macht ihm auch 
Mitteilung von dem einem Professor gewährten Urlaub 2), 
sei es nur zur Kenntnisnahme, sei es zur nachträg^lichen 
Genehmigung. Einigemal hat Blum in eigenen Angeleg'en- 
heiten mit der Universität zu thun. Das eine Mal verlangt 
er, dass sie ihm einen Stall am CoUegium Casimirianum 
bauend), dann, dass sie ihm einige Fenster in seinen 
Kammern machen lasse*) (er bewohnte also — gleich einem 
Universitätsmitgliede — ein derselben gehöriges Haus); 
drittens beschwert er sich über einen seinem Sohne bez. 
ihm von einigen Studenten angeblich angethanen Schimpf 
und verlangt Genugthuung*). 



>) Blum muss abo auch dessen Vorgesetzter gewesen sein. Loefen war 
einer der beiden von der Regierung deputierten Räte, welche dem jährlichen 
Rechnungsverhör der Universität beizuwohnen hatten (ibidem fol. lov). Er 
gehörte vielleicht auch der zweiten, von Obser S. 357 a. E., 358 erwähnten 
Kommission an, die wahrscheinlich ebenfalls unter Blums Leitung stand, so 
dass er deshalb dessen Urlaubsbewilligung bedurfte. — ') ibid. fol. lov i. f. 

— *) Blum hielt sich Pferde. Der Senat meint, nicht auf das Verlangen ein- 
gehen zu sollen, und wendet sich an den Kurfürsten. Ibid. fol i8v, 20, 28. 

— *) >umb einen und den andern darinn zu logireu«, nämlich von den zu 
der bevorstehenden Hochzeit des Kurprinzen sich einfindenden Gästen. Die 
Bitte wird bewilligt. Ibid. fol. 32. — ^) Die Studenten hatten den Besuch 
eines Kollegs aufgegeben, nachdem »der junge Blum« sich daran beteiligt 
hatte, so dass dasselbe mangels Zuhörer einging. Ähnliches war schon früher 
mal vorgekommen. Umständliche Vernehmungen und Verhandlungen finden 
statt, die sich vom August bis November 1671 hinziehen Die Vernommenen 
antworten teils ausweichend, teils suchen sie die Schuld an dem Vorfall auf 
Blum jun. zu wälzen, der sich unpassend benommen habe. Der Senat schiebt 
die Beschlussfassung immer wieder hinaus. Blum sen. wird mit der Zeit 
ungeduldig, stösst Scheltworte und Drohungen gegen die betr. Studenten aus 
(Blum jun. schliesst sich an), redet «gegen andere von denen professoribus 
verkleinerlich« und lässt dem Senate die in der Beilage I ad i angefahrte 
Botschaft zukommen. Die Angelegenheit wird schhesslich dem Kurfärsten 
unterbreitet, »weil der senatus nicht sihet, wie er hm. Blum könne satisfaction 
geben, damit den Studenten auch nicht zu viel geschehe«. Wie der Kurfürst 
entschieden hat, wird nicht gesagt. Ibid. fol. 26 — 33V, 37, 39. — Bei obiger 
Gelegenheit wird unterm 6. September 1671 erwähnt (fol. 30V), dass sich 
Blum jun. habe immatrikulieren lassen, weil die Studenten nämlich u. a. auch 
eingewendet hatten, dass derselbe kein immatrikulierter Student sei. Die 
Matrikel der betreffenden Zeit ist nicht mehr vorhanden (s. Toepke, Matrikel I. 
S. Vfg., II. 347), im Universitätsarchiv (Studirende, VII. 2 Nr. 23) befindet 
sich aber ein von einem schwedischen Kommissar Adlerflycht verfertigter 



Reinbold Blum 



609 



Der Senat lässt sich Blums Aufsicht ohne Widerrede 
gefallen und fügt sich den Anordnungen desselben im 
allgemeinen willig, ist auch bemüht, »alles dahin zu richten, 
damit i. churf. durchl. nicht veranlast werden zu gedencken, 
daß einige pa&siones bey der Universität wieder den hm, 
Blumen filrlauffen<»)* ^'^on der im Werke befindlichen 
Reform der alten Statuten bez, von der bevorstehenden 
Einführung der neuen ist wiederholt die Rede*). In den 
letzteren sind gerade die oben erwähnten Punkte, welche 
Blum zu bemängeln hatte, so die betreffs der disputationes 
und der censura neglectarum lectionum, besonders berück- 
sichtigt und ausfuhrlich geregelt ■). Blums Urheberschaft ist 
hier unverkennbar. Über die Thätigkeit der Kommissionen, 
welche mit den Vorarbeiten und mit der endgültigen Fest- 
setzung der neuen Statuten unter Blums Leitung oder 
Mitwirkung betraut waren, verlautet nichts. Ein Mitglied 
der erstgenannten Kommission, der Pandektist Sylvester 
Jakob Danckelmann, verlässt im August 1671 Heidelberg*), 
ein anderer Angehöriger der Universität scheint jedoch 
nicht an dessen Stelle getreten zu sein, vielleicht weil, wie 
schon Obser bemerkt, die Kommission ihre Arbeit zu 
dieser Zeit bereits beendigt hatte. Anderseits allerdings, 
wenn man die Äusserungen des Joh. Uudw. Fabritius, des 
dritten Mitgliedes der gedachten Kommission, vom Nov. 1671 
und Januar 1672^) liest, erscheint es einem sehr fraglich, 



Avatng deijenigeo Schweden, welche ron 1662 — 1672 in Heidelberg studiert 
bAbei], Unter diesen wird Blum jun. nicht Aufgeführt, Es ist »ber «iizu* 
nehmeßt dass AdlertHycht, der icin Verzeichnis waht^cheinlich 1673 ver- 
fertigte und Blum &ea, also kannte, den Sohn als Landsmann in Anspruch 
genommen haben wOrde« selbst wenn dessen Gebnrt^ort nicht in Sc1i\vHen 
lag, faUs der Vater ein Schwede war. 

*) Nr. 182 fol. 29. Die Protokolle aus acr /cu, wo der Kunurfti 
Blum diese Aufsicht UbertrAgt 114. Februar 1671), fehlen allerdings Siehe 
agegen das Verhalten der Unircr^iUt »68^» aU Kurfürst Karl sie unter die 
lufücht des Vicekanzlen Peü stellen will. Da erklärt «le, d^s« lokhe Auf* 
»icht allen Statuten lu wider und ungewöhnlich sei, und erhielt mit ihrem 
Prolei tc, dass Petls Vollmacht brschr&iikt winL Karl war eben nicht Karl 
I^dwig, Vgl, Wtnkelmann, Urkundenh, 11. 1756, 1757, 1761; Hauti, Gesdi. 
d. Univ. Heidelb. U. itt. — >) Nr. 1S2 fol. 20 L f. (Juli 16711, 46: 
Nr 1S3 fol r - •) 1. A. Thorbecke« Statuten S. 166 (§ 5|) bis 271, bec 
267 ^ 54 und S. 269 § 57. — *\ Nr. I8a foL 35, 17 m}. *- *) >. unten 
618 A. 1 und S. 621 Am t. 

40* 



'.10 Toerkft. 

^'o äieses yiit^Ued sich je sondc-riich mit den Statateiu ahen 
-wi^ neaen, beschäftigt hat, ob also von einer Arbeit der 
Kcfnmis^ion überhaupt die Rede sein kann: man emp&igt 
vielmehr auch hiemach den Eindruck, dass Blum in der 
HskUpt^atche selbständig verfahren ist. 

Wer war nun dieser konigl. schwedische Rat Blam 
^Aer :^Herr Blum*, wie er gewohnlich kurzweg in den 
Akten genannt wird? Meines Erachtens kein anderer als 
der ehemalige Heidelberger Staatsrechtslehrer und kur- 
ptalzische Vicekanzler Reinhold») Blum. Ausfuhrlichere 
Nachrichten über letzteren finden sich bei Jöcher, Gelehrten- 
lexikon L 1135 und bei H. Schröder, Lexikon der ham- 
burgischen Schriftsteller, Hamburg 185 1, L 272 Xr. 330. 
Beide berichten ('Schröder hierin jedoch wohl lediglich 
Jöcher folgend; u. a, dass Blum >Blome}, nachdem er bei 
dem Kurfürsten Karl Ludwig in Ungnade gefallen war, 
in die Dienste des Königs von Schweden getreten und 
darin, bis er sich in das Privatleben zurückzog, verblieben 
ist. Den Zeitpunkt, wann Blum den pfälzischen Dienst 
verlassen hat, geben beide nicht genauer an; nach ihren 
Darstellungen muss man annehmen, dass es nach 1669 
geM:hehen ist. Jöcher war es wohl bekannt, dass Blum 
noch am Anfang der 70« Jahre in Heidelberg thätig 
gewesen ist, und da er diesen Umstand nicht mit dem 
schwedischen Dienst in Einklang zu bringen vermochte, 
hat er den Beginn des letzteren spater angesetzt. Nach 
meinen Ermittelungen nun lassen sich die erwähnten und 
die sonstigen Angaben der Genannten, wie folgt, berichtigen 
und vervollständigen. 

Reinhold Blum^) wurde um 1617') in Hamburg gfeboren, 
besuchte seit 1634 das akademische Gymnasium seiner 
Vaterstadt, bezog im Juni 1637 ^i^ Universität Rostock*), 

') Hautz a. a. O. II. 190 nennt ihn irrtümlich Reinhard. — ^ In den 
Heidelberger SchriftKtäcken wird der Name durchweg Blum (Blnmios) 
geschrieben, in den Karltmher Bluhm, die Zeitschrift des Vereins f. Harn- 
burgiscbe Geschichte IX. 568 schreibt Bloom, }öcher und Schröder a. a. O. 
haben Blomc. Son&t kommt auch Blume, Blomios, Blommins vor. — 
*) Siehe die Altersangabe in der Leydener Matrikel unten S. 611 A. i; die 
betr. Angaben der Studenten sind jedoch nicht immer ganz zuverlässig. — 
*) A. Hofmeister, Die Matrikel der Univers. Rostock III. iio: »Reinholdus 
I)lomius, Hamburgensis' . 



Rdnbold BYum 



Ol i 



wurde am ii, Juni 1659 in Leyden (als Student der 
Philosophie) immatrikuliert*), am 13. September 1642 in 
Helmstedt*;, wo er, wie auch vermutlich vorher — nach 
Erledigung" des philosophischen Kursus — in Leyden^ 
Jurisprudenz studierte und 1644 zum Doktor beider Rechte 
promoviert wurde. Nach Beendigung einer »gelehrten 
Reiset soll Blum dann um 1653 Geheimer Rat des Grafen, 
seit 1654 Fürsten Ennon Ludwig von Ostfriesland geworden 
sein. Letzterer starb lOOo. Ob Blum schon vor oder erst 
nach dessen Tode Osifnesland verlassen hat. steht nicht 
fest, ebenso nicht, ob er schon vor seiner Anstellung an 
der Universität Heidelberg kurptalzischer Hofgerichtsrat') 
gewesen ist, jedenfalls wurde er 1663 ordentlicher Professor 
des Staats- und Lehnrechis an der genannten L'niversität 
(am 15. April ej, a, in den Senat aufgenommen und 
vereidigt)*), legte jedoch bereits im folgenden Jahre (1064) 
seine Professur wieder nieder und wurde vom Kurfürsten 
zum Rat und Vicekanzler ernannt'^), Auch in dieser 



I) Da Biea, Albam ftudiosofum academiae Lttgduno-B&üivAe pag. 505! 
•Rcynoldus Blommius, Htmbuig.. (»nuor.} 22, phil [stud*]». ^ *t Albiim der 
Ur^. Helmstedt, 2. Z. beliiidlicb im Ueriogl. Laude&Kauptarchiv £u Wolfea- 
bQUel: «Rcinbold. Bloini\u> UAmburgensi^. Akten« wekbe über die Piomotion 
Auikunft geben, itod nicht mehr vortuuiden. Gel, Mitteilung des VorsiiDdes 
de« gen. Arvhtvs* 1644 bat Blum la Helmstedt eine «disputAtio jnrldica de 
compenaationibui, pne$ide dorn. Job^ I«oticbio«, dmckeii Ui^eo. H. Schröder 
a* M. O. S. 271 ad j. — »> ». unten A. 3. — *) A. Tborbcckc, Sututen 
S/XXJI; Acta sccularia ac*d. Heidelb* 1786 pag 230 Nr. g6. — »/ JOcbet 
a t. O* u£t: >Der Churfürst aber zog ihn 1665 211 &icb »n Hof und machte 
ihn tum Vlcecanuler, wie auch tum geh* RjUht-Pr&sideatenc. H, Scbr6d«r 
•< a, O.: »Auf Befehl det KurfOnteo von der Ffali Kftrl Ludwig «ber \tt* 
Useta er die UniversiLlt und ward Procauxler am Hofe desselben und Prides 
des Obergerichls 1665t. Vgl. hicriu xwei Reskripte des Kurfürsten d* d# 
Heidelberg, S. Jnni und 2. Juli 1664, Karlsr. Archiv, Verordnungen, Bd. 214 
foL 14Q1 173 {diese und die sonstigen Mitteilungen ans dem gen. Archive 
irerda.nke ich der Güte des Heim Arcbivrat K. Obser): 1. Kurfiint eröffnet 
den kufC Regierungs-, Hafgetichts- und anderen R&ten, das» er, da »bcy dero 
caniley einige neue dispuaitiones bey Verhandlung und expedtrung der piibli* 
corum und privatorum- getrotlen seien, den bisherigen Vicekaniler Dr. Mieg 
gum Geh» Kaniler, den Kammerdirektor von WoUogen xum Ranileidirektor 
und «den gewessencn hoÜTgerichtsrath und professorem allhier dr. BlubmcD 
awn rath und vicekaniler« ernannt habe. 3« Kf. reskribiert« dass »in Uiidl* 
und regicrungssacbent der Kanileidtrektor ^on WoUogen und in dessen Ab- 
wesenheit Vicekaniltr Dr. Bluhm« ■ welche ohnedem im ratfa presiditen, alao 



6l2 Toepke. 

Stellung ist Blum nicht lange verblieben. 1665 wird der 
Vicekanzler Blum zum letztenmale als noch im Amte 
befindlich erwähnt i), 1668 ist er bereits in schwedischen 
Diensten. Constantinus Germanicus (al. Ph. A. Olden- 
burger) sagt in seinem Itinerarium Germaniae politicum 
(ohne Datum und Druckort) S. 408: Ante paucos annos 
quoque membrum hujus [sc. Palatinae] electoralis camerae 
erat excellent. dom. dr. Blumius, jurisconsultus et vicecan- 
cellarius, natione Hamburgensis, qui in summo gradu artes 
regnandi calluit, nunc praesidis, ni fallor, munus in Pomerania 
Svecica gerens. Quum Heidelbergae adhuc esset, incurrit, 
in odium subditorum, quod dom. electori nova tributorum 
et onerum vocabula suggereret, inter quae etiam, quod 
publicum monopolium chartae sigillatae (gestempelt papier) •) 
primum in Palatinatum introduxerit«. Das Werk ist nach 
Jöcher^) wahrscheinlich 1668 erschienen und kann nicht 
später*) erschienen sein, denn Blums Schrift*), in welcher 



auch den vorsiz, wann auch schon ein oder ander adelicher oder gelehrter 
geheimber rath extraordinari darzugezogen oder sonsten dabey sein würde, 
haben solle«. Inbetreff des sonst in den noch vorhandenen Akten und 
Reskripten nicht erwähnten Vornamens siehe auch die Verfügung des K.ur- 
fürsten d. d. Friedrichsburg, 18. Nov. 1664 (Karlsr. Archiv, Verordnungen, 
Bd. 213 fol. 3): dass die bei der Kanzlei einlaufenden Sachen, »churpf. 
regalia und privilegia, auch andere gerechtsame betr.«, durch den Kanzlei- 
direktor Christoph Andreas v. Wolzogen, den Vicekanzler »Rcinholdt Bluhmen«, 
den Vicehofrichter Joh. Friedr. Böckelmann und benannte andere erledigt 
werden sollen. 

') In einem Verzeichnisse derjenigen Beamten, denen alljährlich vom 
Hofe Wildpret verehrt wird. Karlsr. Archiv, Akten Pfalz Gen., Fase. 8524. 
Eine »Besoldungstabell über den cantzleystab d. a. 1669«, welche alle höheren 
Kanzlei- und Hofgerichtsbeamten verzeichnet, führt weder den Vicekanzler 
Bluhm noch einen andern Vicekanzler auf (ibid. Fase 8521), während in 
einem Reskript vom 15. Febr. 1668 (Karlsr. Archiv, Verordnungen, Bd. 214 
fol. 245) die Stelle des Vicekanzlers zwar angeführt wird, aber ohne Angabe 
ihres Inhabers. — *) Über die Einfuhrung des Stempelpapiers 1664 siehe u. a. 
L. Häusser, Gesch. d. rhein. Pfalz, 1845, H- 663; v. Finsterwald, J. P. 
v. Ludewigs Germania princeps, 1746, V. (Pfalz.) 519 Anm. (nach welchem 
Samuel Pufendorf 1664 beim Kurfürsten (vorübergehend) in Ungnade fiel, 
weil er sich öffentlich Scherze über das Stempelpapier erlaubt hatte. — 
•) Jöcher-Adelung V. 1033. — *) Es kann sich höchstens noch um die ersten 
Monate 1669 handeln, das Resultat hier bleibt dasselbe. — ^) »R. B. Defensio 
per epistolam ad amicum, edita sine loco et typographo in 12. 16. April. 
1696 [1. 1669] paginis 17«, vgl. Vincent. Placcius, Theatmm anonym, et 



Reinhold Blum. 



6i. 



jfeg'en die Beschuldig ung^en Oldenburgers verteidigte 
Fund rechtfertigte« datiert vom i6. April 16O9. Die Angaben 
Oldenburgers in Verbindung mit dem Befund des Karlsruher 
Archivs lassen mit ziemlicher Sicherheit darauf schliessen. 
dass Blum 1665 öö den pfälzischen Dienst verlassen hat. 
Was ersterer über die Einfuhrung neuer Steuern u. s. w. 
vorbringt, wird trotz Blums Widerlegung von J. H* 
Andreae, Riesmannus redi\ivus S, 222 (A. 6, fast wortlich) 
und von D. L, Wundt, Geschichte Karl Ludwigs S. 271 ') 
wiederholt. Während aber die Genannten nur von dem 
Hass der Unterthanen zu berichten wissen, taucht bei 
Jöcher die Behauptung auf. dass Blum sich die Ungnade 
des Kurfürsten zugezogen habe. Auch mit dieser Ungnade 
Eann es nicht viel auf sich gehabt haben, wie Blums aber- 
malige Berufung zeigt, falls erstere nämlich überhaupt 
stattgefunden hat und nicht vielmehr Blums Entlassung 
zur angegebenen Zeit bei einer Verringerung des Beamten* 
Status t wie sie bei Karl Ludwig öfters aus Sparsamkeiüj- 
rücksichten vorkam, erfolgt ist- Für letzteres sprechen die 
oben S. 612 A. 1 angeführten Schriftstücke de 106S und 1669, 
nach welchen die Stelle des Vicekanzlers damals nicht 
besetzt bez. eingegangen war. 1670 also berief der Kurfürst 
den schwedischen Rat Blum nach Heidelberg» um ihm die 
Reform der Universität anzuvertrauen. Dies ist nach den 
von (Jbser mitgeteilten Reskripten und nach dem oben 
angeführten Inhalt der Universitätsakten de 1671/72 
zweifellos. Die Ankunft Blums in Heidelberg wird nach 
dem Reskript vom 2. November im Oktober 1670 erfolgt 
sein, Dass Karl Ludwig mit der Ausführung des wichtigen 
Werkes nur einen Mann betraut haben wird, dessen 
Beßhigung dazu im allgemeinen ihm genau bekannt war 
und von dem er insbesondere wusste» dass ihm die Heidel- 
berger Verhältnisse nicht fremd >varen, ist von vornherein 



p^eudonymorum L 554. H. Schröder «^ a. (X & 275 sd 6 sehrctbl; 

riiio . , . . scripta Fraucofurti d, l6. Ajtril. ». 1069 hU R. B. u, l Bu* 

mir leider nicht gelungeJt, dies« Defentto in die Hand lu bekomtuco. 

icekAod^r Blam hat tidt durch iciiie grotit Eitificht in du 

' KiimcfaiHcrsen dte Achtung de% Knrfiant^D erworben, ob ihn |>leich dte Ein. 

fUhrtiDg de* SiempelpApicri die Achtnag nnd Liebe «einer Zeitgenoiten 

Ic ortete,* 



6i4 Toepke. 

anzunehmen. Irgend einen beliebigen schwedischen Rat 
wird er schwerlich — auf blosse Empfehlung etwa hin — 
berufen und sofort mit den weitgehendsten Vollmachten 
ausgestattet haben. Die Eigenschaften, welche der Kurfürst 
von seinem Bevollmächtigten verlangen musste, waren bei 
dem einstigen Heidelberger Professor u. s. w. Blum vor- 
handen, und dass der schwedische Rat eine genaue 
Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse, wie er sie sich 
kaum in der kurzen Zeit durch ein Studium der Akten u. s. w. 
allein erworben haben konnte, besass, zeigt sein ganzes 
Auftreten. Dass aber in der That der »Kurator« der 
Universität 1671/72 und der frühere Rechtslehrer des 
Namens ein und dieselbe Person sind, bestätigt G. F. 
Zentner in seiner Oratio de memorabilibus facultatis 
juridicae in acad. Heidelbergensi, Acta secularia academiae 
Heidelb. 1786 S. 195 fg. Die Angaben Zentners sind des- 
halb besonders wertvoll und zuverlässig, weil sie aus den 
damals noch vollständig — oder wenigstens bei weitem 
vollständiger als jetzt — vorhandenen Akten der Universität 
und der Fakultät geschöpft sind, wie die fortlaufenden 
Citate desselben beweisen. Im vorliegenden Falle sagt 
Zentner zunächst S. 212: »Sed bonos hie (nämlich der erste 
Professor des Staatsrechts an der Universität zu sein) . . . 
cessit Blumio, qui primus juris publici doctor in academia 
nostra inauguratus est. Interea cathedra haec nondum 
firma ac stabilis erat, discedenti subinde ab universitate 
nostra Blumio surrogatus fuit [Magnus] Wedderkoppius i), 
vir in rebus publicis versatissimus«. Nachdem Zentner 
dann kurz von der Anstellung verschiedener Rechtslehrer, 
zum Schluss von der des Christian Ernst Reichenbach und 
des Heinrich Cocceji gesprochen hat, fahrt er unmittelbar 
darauf fort: »Blumio (womit fraglos der vorher von ihm 
erwähnte Staatsrechtslehrer gemeint ist) tum temporis cura 
universitatis nostrae incumbebat, quae magnam partem 
eo nitebatur, ut facultatis juridicae splendorem majorem 
in modum promoveret, hinc ut primum cathedra vacabat, 
omne Studium in eo posuit, ut vir quidam celebritate 

1) Blum trat, wie erwähnt, 1664 zurück (vgl. auch S. 239 Nr. 96 1. c), 
Wedderkopp ist am 7. Febr. 1666 als extraordinär, verpflichtet, siehe Thor- 
becke, Statuten S. XXII. 



Reluliold Blum. 



nominis conspicuus surrogarctur. Ita nihil non actum, quo 
huc vocaretur [Joh.J Strauchius, et paiilo pu^i ad cathedram 
decreulium Mastrichtius, Beckmannus, Holtermannus et 
Stryckius, qui vero cum ad nos dolati non essent, vacantes 
professiones inter collegas dispertiebantur.<i Reicheabach *), 
Cocceji*) und Strauch sind 1671 72 berufen bez. angestellt, 
bei der Berufung Strauchs wird die Mitwirkung des 
»schwedischen Rats« Blum in den Akten ausdrücklich 
erwähnt^). Wie es sich mit Mastricht, Beckmann u. s. w. 
verhalt, geht aus den jetzt noch vorliegenden Akten nicht 
hervor; Zentner haben eben andere Quellen zu Gebote 
gestanden, vielleicht hat er auch nur dem Vorbehalte S. IQ5 
gemäss hier zusammengefasst, was sich auf eine längere Zeit 
verteilt und zum Teil nicht mehr imter Blums Wirksamkeit 
fällt» Ich möchte es aus dem »et paulo postc schliessen. 
Die Knappheit der Rede hat denn auch Zentner verhindert* 
sich über die V^erändcrungen» welche in den dienstlichen 
Verhältnissen Blums seit der Niederlegung der Professur 
vorgegangen waren» insbesondere über dessen Stellung 
zur fraglichen Zeit näher auszulassen. Er bezeichnet ihn 
als Kurator der Universität, was Blum ja auchr nicht dem 
Titel, aber seinen Obliegenheilen nach war. Letzterer hat 
bei seiner zweiten Anwesenheit und Wirksamkeit in 
Heidelberg überhaupt keinen kurpßlzischen Titel u. s. w. 
erhalten^ er bleibt von Anfang bis zu Ende der königlich 
schwedische Rat^ und daraus folgt, dass erden schwedischen 
Dienst nicht aufgegeben hatte, dass er sich nur auf Urlaub 

^1 Professor p»iidectarum, vorher in Jena, »m I, Sept. 1671 vereidigt 
und Ib den Scti»t lu/Bcnommcn, Nr 182 1. c. fol, 28, cf. foL t^, ao, 23^ aj, 
1^ $9\ 45* — *) prof. juris aAttirmc et geDtiutn extraord., am IJI. Aptil 1S71 
in Fflicht cenomoien, Nr» tSj foL 7. cf. Nr. 181 fol, 3|^ 24^ 44« ^ 
*) Ni* 182 fol. 45v (30. N*»v. 1671) und Nr. t«j foL 3 ^[3.] Jwi. 1673^; 
^Sy'ndicai seigct &n, diJ, DAcbdem der kriotgl. schwed» r&tli hr. Blum L 
ehoff. diirdiL gnid. i«tcript wegen hm. ilr Stmuchen (io Jena] Khretbeti ihm 
fufestell und lein gnttachten dAkin geben, dAfi gen«ntefn hrn. dr. Sträuchen 
durch hm. dr. Rdchetibach wiederumb geantwordet werde, dft0 outi ihm 
difiorthB sUe«, wu er wegen «ufftug» kosten «uBtegen irttrde, wkderumb toUe 
piU getluiti werden [TJ, er »olche« hm. rectori allk^bald berichtet« welcher 
glekhfalß et d»fiLr geh&lten »od dtß hr, dr. Strauch durch hrn. dr. Reichen* 
bttdi damebeni Aulfi bewe|£Uch«te cttucbet werde, die ihm auflgetrAgene 
profetdoci nicht «nßin«chUgeo< eic^ etc. £a wurtJeo ihm die besten Vet- 
ipirechuiigcfi gemacht, er lehnte Jedoch den Ruf ah. 



6l6 Toepke. 

in der Pfalz befand ; der Kurfürst hatte ihn sich von seinem 
Vetter, dem Könige von Schweden, auf einige Zeit aus- 
gebeten. Wenn weder in den Heidelberger noch in den 
Karlsruher Schriftstücken der früheren Dienstverhältnisse 
Blums in Kurpfalz Erwähnung geschieht, so verliert dieser 
an sich auffällige Umstand an Bedeutung und wird 
erklärlich bei der Wahrnehmung, dass man sich zu 
damaliger Zeit überhaupt mit derartigen Aufzählungen für 
gewöhnlich nicht aufhält, ja selbst den gegenwärtigen 
Stand und Rang einer Person häufig nicht anfuhrt und z. B. 
die Professoren kurzweg als Herr Leunenachloss, Herr 
Carr6 u. s. w. bezeichnet. Im übrigen war Blums Ver- 
gangenheit allgemein bekannt; er wird mit einem gewissen 
Nachdruck immer nur der schwedische Rat genannt. 
Nachdem der Zweck seiner Berufung, die Universität zu 
reformieren, erfüllt war, ist Blum wieder in sein Amt bei 
der Krone Schweden zurückgekehrt. Wann er von Heidel- 
berg fortgegangen ist, lässt sich nicht genau ermitteln. 
Die Senatsprotokolle de 1672 sind, wie gesagt, sehr unvoll- 
ständig, die der folgenden Jahre fehlen ganz*). Blum wird 
zum letztenmal als noch anwesend in Heidelberg gelegent- 
lich erwähnt am 18. April 1672*), es ist aber anzunehmen, 
dass er wenigstens bis zur Fertigstellung der neuen Statuten 
bez. bis zu deren Genehmigung durch den Kurfürsten 
(11. Juli bez. I. September 1672) daselbst verblieben ist. 
Er hat sich zuletzt 9), nachdem er auch die »ansehnliche 
Staatsbedienung«, welche er vom König von Schweden in 
dessen deutschen Provinzen erhalten hatte (derselbe soll 
ihn auch als Gesandten nach Regensburg geschickt haben), 
aufgegeben hatte, »in litterarischer Müsse« in Bremen auf- 
gehalten*). i6ög war er noch am Leben, sein Todesjahr 
ist nicht bekannt. 

>) Vollständig sind u. a. vorhanden die Protokolle des akad. Konsi- 
»toriums de 1C73— 1676. Auch sie (Univ.- Archiv II. 8 Nr. i), ebenso die 
daselbst sub I. 3 Nr. 57, Nr. 184 und Nr. 248—249 aufbewahiten Schrift- 
stücke der in Frage kommenden Jahre enthalten nichts mehr über Blum. — 
«) ibid. 1. 3 Nr. 183 fol. 8. — ») Nach Jöcher und Schröder a. a. O. — 
*) Blums Werke sind aufgeführt bei H. Schröder a. a. O. I. 273 fg. Ein 
tractatus de formis rerum publicarum von ihm unter dem Namen Julius 
Flurus soll 1680 erschienen sein »curante Joh. Christiano barone a Boineburg 
editus^ (ad 7 1. c). Boineburg, als Gelehrter und Staatsmann zu seiner Zeit 
sehr berühmt, starb aber schun 1672. 



Reis hold BlUTti. 



617 



Dem Reinhoki Blum wird besonders ein g^rosses 
Verwaliungstalent nachgerühmt. Auf einen klaren, prak- 
tischen Geist des Verfassers, als welchen man Blum wohl 
ansehen muss, lassen die Universitätsstatuten de 1672 nach 
Form und Inhalt schliessen. Karl Ludwigs Anteil an 
denselben *) soll dabei ungeschmälert bleiben, wenn er auch 
nach seinen eigfenen Worten die fertigen Statuten nicht 
mal g-anz durchgelesen hat. Er hat es vor allem verslanden, 
den rechten Mann an den richtigen Platz ^u stellen. 



Beilage L 

In conÄistorio die 28, Octobns [1671], [1,] Syndicus referirt, 
wie daC hr. Jilum ihn zvi sieb berufen iaLfen und zu vernehmet} 
gegeben, daß gleich Vfie er mit dem senatu serio handele und 
:illei, was er demaelben vortragen laße, serio mevne, alßo auch 
nicht wollc^ daü selbiger jocose mit ihm verfahren solle. Es 
hab (Wt senatus acadcmicu* wegen der Studenten, so seines 
»ohnß iiaJbcn auß dem collegio vcrbh'eben, seine meynung 
begehrt, ictxo da er selbige schriflftlich übergeben, bleibe die 
sach crstitzen^ habe dardurch keine satisfactign, daß dr Glöckner^) 
das collegium auffgehoben, sondern wolle, daß sein j»ohn von 
lilen und jeden professoribuit etwaß lerne, zu dem so könten ja 
Hto noch vorige studio»! ihr gehön nicht lasen» sondern 
bezeugten allerley wicderigkeiteo, 

(2J Idem referirt, wie daß auch berr Blum gemeldet, waß 
maaeo einige Uudenten ihn berichtet, welcher gestalten einige 
auß denen profesforibus» icizo da die leclioncs wiederumb ihren 
anfang genommen^ so kurtz aUhn^rhrtn, daß k«um der mühe 
werth, selbige zu besuchen, > dnung 

XhnUy damit solche lecliont!» 1 : eben 

nicht ad clepsytram, gehalten werden. 

[5.] Idem referirtp daß auch herr Ülum ge tragt, ob min 

seither keine cen^turam lectionum gehalten, worauff alß er 

geantwortet, daß der senalus nicht anderß vennevne» 

durch Übersendung der wochenzcttcl weithere cen^ur 

nicht vonndthen, hab hr. Blum repMcirt, daß Milches ihrer 

churf, durchlaucht gnäd. meynung nicht, sondern die vrochcnt* 

liehe i^chedue wurden nur darumb erfordert, damit i, ch* durch- 

lucht iederxeit wißrn möge» was ifif lecUon gehalten oder nicht 



») ». Thorbfcke ». i- O. Ss XU fg. — 'j Orotg Gilbert Glöckuer, der 
FlofetftCMr Oer loflitutionta. -* *) Job. Csrr^r H#<ior m 41*11 jftcenti^^initt* w«r 
Gfaf Karl Ludwig von Ueiiburg*Btildii}|{tn. 



6l8 Toepke. 

gehalten werden, darbey aber kein cognitio causarum, propter 
quas lectiones intermittuntur, nicht genommen werde, sondern 
selbige gehöre ad censuram lectionum, die der senatus 
academicus fürzunehmen , hätte alfo der senatus selbige 
förderlichst fürzunehmen i) und darbey auch der angesetzten 
ferien wegen deß churprinzen durchlaucht beylagers) zu 
gedencken. 

Heidelberger Universitäts- Archiv^ Annalen, /. 3 Nr, 182 foL 37 sq. 



*) >den Statuten gemäße (fol. 39V). Am 15. Nov. (fol. 4I) wird die 
Sache im Senat erörtert. Dabei erklärt Dr. Fabritius: exonerire seine con- 
scientiam ratione lectionum alle woche in Überreichung seines schedae und 
halte darauff weither kein register«; Dr. Glöckner: >hab alle woch bey seinen 
pflichten seine lectiones übergeben, wiße darbey weither nichts zu sagen«. 
Die anderen Senatoren schliessen sich den Erklärungen der Vorredner an, 
»erinnern dabey sämptlich, daß sie nach iederzeit übersende tem Wochenzettel 
weither nichts zu thun wüsten, biß i. churf. durchl. ein anderß gnädigst ver- 
ordnen würden . Dass die »lectionum neglectarum censura instituta« noch 
1661 so, wie sie Blum verlangte, abgehalten worden war, ergeben die Senats- 
Protokolle des betr. Jahres (Annalen, I. 3 Nr. 55 fol. 31V, 59, 85, loov; 
spätere liegen bis 1671 nicht vor). Es fanden damals am 20. März, 3. Juli, 
19. Okt. und 18. Dez., also viermal im Jahre, genaue Prüfungen der von den 
einzelnen Professoren für ihre Versäumnisse angegebenen Gründe statt Ein 
Teil der Senatoren 1671 gehörte schon 1661 dem Senate an (Fabritius, 
Leunenschloss, Israel, Gerlach); man wussie also Bescheid, obwohl man in 
der Zwischenzeit das vexamen lectionum debitum« (fol. 59 1. c.) hatte ein- 
schlafen lassen. Die zu der Zeit noch geltenden Statuten Joh. Kasimirs ent- 
hielten zwar Bestimmungen über die Strafen für ohne triftigen Grund ver- 
säumte Vorlesungen, aber der Passus, dass der Rektor viermal im Jahre die 
Professoren vor sich berufen und über ihre Versäumnisse vernehmen 
solle u. s. w., welchen Ludwig VI. diesen schon seit Otto Heinrich geltenden 
Bestimmungen beigefägt hatte (Thorbecke, Statuten S. 173 § 38), war von 
Joh. Kasimir wieder weggelassen (Thorbecke S. 230 §§ 40 u. 41). Er muss 
also vor 1661 durch kurfürstliche Verordnung wieder hergestellt sein. Karl 
Ludwig erliess auf Blums Bericht eine Resolution (30. Nov. 1671 im Senat 
verlesen), deren Inhalt nicht angegeben wird (Nr. 182 fol. 43V i. f.), und 
regelte den Punkt dann in § 37 der Statuten de 1672 (Thorbecke S. 269). 
— ') Im September 1671, vgl. u. a. L. Häusser II. 674 fg. »Weilen man 
in acht genommen,« heisst es in dem Senatsprotokoll vom 2. Sept. 1671, 
Nr. 182 1. c. fol. 29, »daß fast alle Studiosi auff bevorstehende solenniteten 
mit allerband excercitiis begriffen, die nobiles im tantzen, balleten und 
anderem occupirt, die in collegio sapientiae auf die angestelte comoedien 
praepariren, alßo kein coUegium frequentiren, zu dem auch anietzo keine 
newe collegia wegen bevorstehender Franckfurther meß, da man frembder 
Studiosorum gewertig, anzufangen, alß sind feriae angesetzet worden.« Blum 
unterUess es trotz alledem nicht, diese Eigenmächtigkeit zu rügen und dem 
Kurfürsten darüber zu berichten (fol. 43V i. f.), denn dem Senat stand es 



Rein hold Blum. 



big 



Beilage II. 

Den IJ. Januar [1672] halt der königl. schwedische raih 
hr. Blum mihr [dem SyridikusJ anbefohlen» daß hm, reclorl 1) 
näcbi^t freundlicher begrüCung anzeige, was maL^en er nuo 
verschiedemh'ch, sondeHich bey heult gehaltener disputalione 
inaugunili mit verwundernng angehört, wie so gar schlecht alles 
im disputiren hergehe, in dem ganlz keine forma syllogismi 
beobachtet und weder die argumenta in forma proponirt, urgirt« 
resolvirt oder disiinguirt, sondern alles durch einander geworfFen 
und gehacket würde und so confus hergehe, daü c§ für frembdeu, 
80 darbey anweüend» eine schände Äey, bäte alGo hrn. rectorem» 
dat^ er wolle autf einige vorschlage bedacht seyn, wie solchem 
in helffen» und weil hrn. Carrr profession mit sich pringe, daß 
er darinn anweißung thue, daß selbiger den modum disputandi 
in einem collegio zu tractiren fürnehme, und da sonsten keine 
aaditores, die alumni^) solches zu halten mogteu angewleßen 
werden. Mögie wohl selbsten mit hrn, rectore darauG reden 
und wann es au ff der cantzley gelegenheit gebe, ihn sprechen. 
Ferner hat hr. Blum gemeldet, nach dem schont vor dießem in 
Vorschlag gebraclit worden, wie eine correspondentz in KngeUand, 
Franckreich, Holland und anderer orthen mögte zu weg gebracht 
werden, und biC^her man nicht gewust, wer darzu zu gebrauchen, 
aniet20 aber hr. Hachenberg bey der universitiU sich befände*), 
ob nicht er hierxu kuniie disponirt werden. 

Alß nun solches alßbald hrn. rectori vermeldet, hat! selb^^r 
den liten [Jan*] mihr wieder hrn. Blum zu referiren befohlen* 
daß so viel den ersten punct wegen der disputatjones belange, 
so seye nicht ohn, daß es nicht formaliter hergebe, es hätten 
aber die studiosi mehrern theilß au ff andcni universit;iten studirt, 
und wann sie hier her kähmen, wollen sie keine coHegia logica 
mehr besuchen ; die alumni wurden alle dahin angehalten, daß 
sie in forma disputiren müsten; hr. Carre habe bereits ein 
collegium logicum angestellt*), darinn er meihodum disputationum 



aidit fu, Ferien au&scr den in den Statuten bewilligten iinfuseticn» die Hunds- 
taCifenen waren ausserdem kaum voniber (10- August) und die Ilerbstferiea 
ulande« bwor* Von dvr Hochxeitsfeier ist ncch mchrmah die Rede, fol, 24^ 
i9*. 3>*i J2» 32^1 3i. 14. Für dos HothieitNgeschenk warf die Uoi^ersitJU 
500 <i. aus; §ie lie»» «ich erkuudigen. »was tut iiJbcrgeachirt bey liotr befind- 
lich« und swofru dkselbe [dcß churprintijen durchUucbt] tndinireii m^tet' 
•De§ niahlen icdul wegen icincs verdlenats hei der chrenpfoft«, welche die 
Uaiverbitit etbauen he»i, belief sieb auf 144 fL 

*) Job* Ludwig Fabritiu». * ') col]«gii sapicntke. — ■) Sdt 32. Ko?. 
1671 (Xf. t83 fol 43tK — H Jedenfalli avdi ent iafolge des Eintdiftilefii 
Blumi, %, tinten s An A. 1. 



620 Toepke. 

gar hübsch anweiße. Er, hr. rector, wolle doch ferner noch 
bedacht seyn, wie hierinn einige verbeCerung geschehen könne; 
habe dießen tag auff der cantzley selbst mit hrn. Blumen zu 
reden fürgehabt, sey aber durch andere geschaffte daran 
verhindert worden. So viel die correspondentz belange, so 
wolle hr. Blum nur ihrer churf. durchlaucht gnädigste meynung 
erkündigen, auff was weiße selbige so wohl ratione materiarum 
alß auch sumptnum solle angestellet werden, solle an jemand, 
so solche entweder gäntzlich oder pro parte über sich nehme, 
nicht ermanglen und hr. Hachenberg darunter ersucht werden. 

Alß dießes hrn. Blum wiederumb referirt worden, hatt 
selbiger weither zu vernehmen gegeben, seine meynung gehe 
dahin, daß hr. Carr6 frequentiores disputationes publicas halte 
und die professores, sonderlich juris, wann so gar unformblich 
disputirt werde, suo loco alle in forma repetiren und resolviren, 
auff daß solcher gestalt die disputatio noch eine formb bekomme ^). 
Wegen der correspondentz hätte die Universität zuforderst 
würcklichen anstalt zu machen, welchen er i. churf. durchl. vor-^ 
tragen und wie es in allem zu halten vernehmen wolle. Die 
correspondentz seye dabin nur angesehen, daf> tpan alle newe 
inventa physices, matheseos, anatomices, medicinae und was 
sonsten von rariteten haben möge, welches fürmenblich auß 
Italien, Franckreich und Engelland könte erlanget werden. 

Hierauff ist wegen deß anstalts in senatu den 13^«» U^in.] 
deliberirt worden und hatt hr. dr. [Joh. Friedr.] Mieg die 
correspondens in Engelandt, hr. [Paul] Hachenberg in Holland 
und Dennemarck, hr. [Joh. von] Luenenschloß auff Padua in 
Italien angenommen, wegen Franckreich wehr mit monsieur de 
Veilles») zu reden. Weil in juridica facultate mehrern theilß 
leges et textus opponirt würden, so wird auff solche respondirt, 
ob selbige nicht schont in forma syllogismi proponirt würden, 
und wehre die zeit nur verlohren dardurch, auch bey denen 
fümembsten professoribus nicht gebräuchlich; wann aber rationibus 
opponirt würde, so sehe der praeses selbst lieber, daß solches 
in forma geschehe, und sehen die Studiosi vielmehr auff ihren 
nutzen, daC> die textus wohl explicirt und resolvirt würden, alß 
daß man auff die formalitäten viel sehe. Ratione hrn. Carre, 



^) Am Rande: »Decretum. Soll bey der den Statuten gemäß vom 
senatu gemachten Verordnung pleiben«, s. unten S. 621 A. i. — *) Extra- 
ordinarius (Nr. 182 1. c. fol. 45V). Es wird ihm und den ordentlichen Pro- 
fessoren Reichenbach [vgl. fol. 38^, Gesuch des Licentiaten Reichenbach an 
die Universität Jena, den Doktorgrad anderswo annehmen zu dürfen] und 
Hachenberg (Hackenberg) mit Bewilligung des Kurfürsten »in senatu [die 
20. Dez. 1671] absque solennitatibus der gradus doctoratus in jure et 
[= resp. in] philosophia von jeder facultät decano, hrn. dr. Glöckner und 
hrn. dr. Mieg, conferirt« (fol. 45)- 



Reiiüiold Blum. 62; 

so sey albcreit vor dem den Statuten genuiß verordiiUDg 
geschehen'), 

UHätlb, Vniv*'At£hU\ Annahn^ J. 3 Ar /5j foL $ sq. 



Nachtchri/i der Redaktion. Die obigen Ausführungen Toepke*s 

'werden in dankenswerter Weise bestätigt und ergänzt durch 
eine Zuschrift, welche mir auf eine Anfrage von Seiten des 
Vorstandes des Stockhohner ReichsarchiveSi Herrn Dr. Odhner^ 
Ende Mai zugegangen ist, infolge meiner mehrwöchentlichen 
Abwesenheit von Karlsruhe leider zu spät, um von Herrn Hofrat 

rToepke bei Ausarbeitung seines Manuskripts noch vemertet 
iverden zu können. Ich lasse also den wesentlichen Inhalt des 

'Schreibens, welches insbesondere den Zeilpunkt des Eintritts 
Blums in schwedische Dienste genau fixiert, hier folgen. Danach 
ist der pfälzische Vicekanzler Reinhold Blum im Jahre 1666 im 
Auftrag des Kurfürsten in Stockholm erschienen, um seinem 
Herrn — vermutlich im Wildfangstreile — Schwedens Beistand 
gegen Kurmainz zu sichern. Er wurde bei dieser Gelegenheit 
von dem schwedischen Reichskanzler Grafen Magnus Gabriel de 
la Gardie, den er von Jugend an kannte» aufgefordert, in 
schwedische Dienste zu treten und folgte diesem Rufe, nachdem 
Karl Ludwig seine Einwilligung erteilt, im Jahre 1667, Im 

j_Sommer des folgenden Jahres wurde er zum KönigL Rat und 
tesidenten bei den oberen Kreisen ernannt und nahm seinen 
Sitz zu Frankfurt a,/M.. ohne indes zunächst die Geschäfte £U 
übernehmen. Auf Einladung Karl Ludwigs begab er sich 



*| Kärnhch seba Tagt vorher. Blam hatte bereits 1671 gerogt, daf$ 

die Professoren die vorgeichri ebenen otdentUchen DisputAtioncn und luidete 

^^ölfenüichen Exercitien nicht abhielten, und halte eine entsprechende Ver- 

i&gtiAg des Kurfürsten an die Universität erwirkt (Nr. 181 fol. \y* i. f«). 

ifolge der let^^teren hei&st es in dem Senatspro tokoU vom 3. Jan. 1671 

»It. 183 fok 2 i. r »q.i: »Hf- rector mignificus [Fabntius] proponirt* nach 

t. chutf. durchL vorkommen, ob ibäten die hrn, profefsores mit dispuüren 

Fiißd andern pubhcis eiercitÜs nicht genungsamb ihre »chuhligkeit, alfi wehre 

£u sehen, was die statuta von jedetn erfordern und wie xu ihrer cburf« durchL 

nädigstem vergnügen ond satisfaction man sich hlerinn xu verhalten habe« 

Vorauft auß denen stattitis [Job. Casimiri] der paatu», die disputatione» und 

praesidta betr., ist abgcleüeu worden, vide in stat. fod ^J« id. fol 47 pag 2 

[vgL fboibecke a. a. O. S, 2:9 fg* §S 37 ** 3^1* ^*ch dem bey dießer 

Ableßung vcrsUnden worden« wie weith jeglicher verbunden , alß haben 

sImptUcbe brn« professoies dießem all&o nachzukommen und daß in jeder 

faculUt jlbrlicb, so vil mahl die statuta veronloen» disputirt wente ver- 

^tprocheo , . . und darbey hr. Can^ sich erklehrt« daß er für sich iweymabl 

olrhes verrichten wolle«- etc. etc. (vgl Nr. 183 foL 48 »q.« wo steh der erste, 

r rie Entwurf de* Protokolls befindet, «her ohne die Verb«»eran£en 

11 !/c de» Rektf»r% F*bniiust 



622 Toepke. 

während der Wartezeit wiederholt, im Dezember 1669 und 
Mai 1670, nach Heidelberg; in einem Schreiben vom 13. Mai 
1670 ersuchte dann der Kurfürst seinen Vetter, den König, 
Blum für einige Zeit zu beurlauben, damit er ihm nn den unserer 
geistlichen Güter Verwaltung und Universität allhie betreffenden 
Sachen« an die Hand gebe. Die Genehmigung wurde erteilt 
und Blum widmete sich der ihm übertragenen Aufgabe vom 
Herbst 1670 bis zum Herbst 1672. Im September dieses Jahres 
wurde er zum schwedischen Reichstagsgesandten in Regensburg 
ernannt und blieb in dieser Stellung bis zum April 1674, wo 
er infolge gewisser Beschuldigungen abberufen und zur Rechen- 
schaft gezogen wurde. Erst im Frühjahr 1675 kehrte er, nachdem 
er sich völlig gerechtfertigt hatte, wieder nach Deutschland zurück 
und Hess sich während des Krieges zwischen Schweden und dem 
Reich, wie es scheint, in Bremen nieder. Nach dem Frieden, 
im Jahre 1679, bot er Schweden seine Dienste von neuem an; 
es ist diesem Gesuche aber anscheinend nicht entsprochen worden, 
wenigstens begegnet sein Name ferner nicht mehr in den 
schwedischen Akten. -AT, Obser, 



Pfeffel und Rieder. 

Ein Beitrag 
zu Pfeffels Lebensgeschichte in den Jahren 1798 — 18000. 

Von 

Theodor Schoell. 



I. 
Rieders Vorgeschichte 2). 

Am 9. April 1777 war Kaiser Josef IL, auf der Reise 
nach Paris begriffen, in Strassburg*). Die Stadt durch- 
wandelnd, begegnete er einem Brautpaare, das aus der 
Aurelienkirche kam, wo Pf Schübler es getraut hatte. 
Die durch originelle Gärtnertracht noch erhöhte natürliche 
Schönheit der Braut fiel dem Fürsten auf. Er grüsste sie 
und erkundigte sich nach ihrem Namen. Es war Maria 
Salome Heydel, nunmehrige Ehefrau von J. J. Rieder, der 
wie sie der geachteten Gärtnerzunft angehorte. 

Ihr Erstgeborener ward Pfeffels Sekretär und starb 
1852 als Pfarrer an der Neuen Kirche. Im Grünen Bruch, 
neben dem sog. Dapphof, da wo später der alte Bahnhof 
entstand, kam er am 5. September 1778 auf die Welt und 
erhielt die väterlichen Vornamen. In diesem Hause starben 
Vater (18 19) und Mutter (1832) und wohnte lange sein 
Bruder Theobald (t 1841). Unter den damaligen Nachbarn 

») Auf Grund über lOO ungedruckter Briefe von Pfeffel, Rieder, Frau 
Lorenz, Haas, Hagenbach, Emerich, Hoffmann, Flick, Schweighäuscr, Türck- 
heim, Lippmann u. s. w. — *) Sein vierter und jüngster Sohn, den 6. Juli 
1828 in Strassburg geboren, gestorben den 9. Oktober 1896 in Paris als 
Direktor der Ecole Alsacienne. Der älteste Sohn, Pfeffels Patn kind wie 
Aug. Stöber und Luise Lavater, 1807 in Kolmar geboren, starb 1880 als 
Chef der grossen Papierfabrik auf der Napoleonsinsel bei Mülhausen. — 
*) Am selben Abend sah ihn Frau v. Oberkirch im Theater (Mtmoires 1, 90) . 
Zeit«chr. f. Ge«ch. d. Oberrh. N.F. XIII. 4. 4I 



024 Schoell. 

nennen wir Stöbert), Kleber«) und Friese^). Letzterer 
leitete die Alt St. Peter Pfarrschule, wo Rieder den 
ersten Unterricht genoss. In derselben Kirche konfir- 
mierte ihn Pfarrer Müller, dem er treu ergeben blieb und 
dessen Einfluss, so wie dem der Pfarrer Lauth und Pfauth, 
des Knaben frühe Berufswahl zugeschrieben wird. Die 
Prediger, die er von nun an am liebsten hörte, waren Lob- 
stein und Blessig, der ihn später (Dienstag den 23. Juni 
1805) ordinierte. 

Privatunterricht bei Stud. Jaiser ermöglichte ihm den 
Eintritt ins Gymnasium, wo er GoU, Werner, Fries, Emerich 
und den Gymnasiarchen Oberlin zu Lehrern hatte. Sein 
Eifer war so gross, dass, wenn er zu Hause die zum 
Studieren nötige Ruhe nicht fand, er sich in den städtischen 
I-eichenwagen, der unter einem Schoppen im väterlichen 
Hofe stand, oder sogar aufs flache Münsterdach flüchtete. 
Bald genügte seinem heissen Forschungstriebe die Aussen- 
welt nicht mehr: Einkehr in sich und anhaltende Selbst- 
prüfung führten zu regelmässig niedergeschriebenen Betrach- 
tungen. So entstand sein > Unparteiisches Tagebuch meiner 
Gesinnungen und Handlungen«, das jahrelang fortgesetzt 
wurde. 

Zugleich erwachte die dichterische Neigung, die in 
keinem Augenblicke seines Lebens mehr völlig ein- 
schlummerte imd ihm manche heitere Stunde bereitete. Sie 
ist es, die den tief angelegten, gefühlvollen Jüngling zum 
blinden Kolmarer Sänger hinzog und von der ersten Begeg- 
nung an die zwei verwandten Seelen eng und für immer an- 
einanderknüpfte. Rege Freundschaft, freier Gedanken- 
austausch, inniges Verständnis seiner geistigen Bestrebungen 
war ihm schon damals Bedürfnis. So vereinigte er sich mit 
seinen Schulgenossen zu einem durch Statuten geregelten- 
litterarischen Vereine , dessen allsonntägliche Sitzungen 
unter anderen die drei Lehrersöhne Schweighäuser, Oberlin 
und Goll, femer Arnold*), der zukünftige Verfasser des 



») Alsatia, 1853, S. 287. — «) General Kleber von Fr. Teicher, S. 11 
(im 3. Heft der Beiträge lur Landes- und Volkeskunde von Elsass- 
Lothringen). — «) Jahrbuch des Vog.-Klubs X, 31. — *) Ein Küferssohn trat 
er 1795 ins Kriegsburean, studierte die Rechte in Göttingen 1801 — 3, bereiste 



7eff«l und Ricdej ^^^^^^^^ö5^ 

Pfingstmontagf, Türckheim (Lilli*s Sohn) und besonders 
Ehr. Stöbert) besuchten. 

Musik wurde auch nicht vernachlässigt. Rieder lernte 
Klavier, komponierte gelegentlich und bildete sich über- 
haupt durch solche Fertigkeiten zum vollkommenen Gesell- 
schafter aus. Daneben fand er Zeit, erst seinen Brüdern, 
dann anderen Knaben Privatunterricht zu erteilen. Seinen 
pädagogischen Ruf begründete er seit Juni 1793 in der 
Familie des Färbers Röderer in der Kronenburgerstrasse so 
fest, dass er bald über eine beständige Kundschaft ver- 
fügte. Beim Tode seines Mitschülers Theobald Lix*), aus 
der 5. Klasse, hielt er nicht nur eine Grabrede, sondern 
sang auch dem entschlafenen Freunde ein Gedicht nach, 
wovon ein Sonderabdruck uns vorliegt. Folgendes Jahr 
starb ihm ein Schwesterlein. Da verfasste er ein längeres 
Klagelied voll milder reUgiöser Gefühle nach Stöbers Vor- 
bilde, der eben auch einen Bruder, Ludwig« verloren und 
für seine Mutter Worte des Trostes gedichtet hatte. Dass 
er solche Herzensergiessungen, die zugleich vortreffliche 
StUübungen waren, i^ls echter ElsÄsser in beide Sprachen 
einkleidete, beweist der aus lö achtzeiJigen Strophen 
bestehende, am 18. Mai I7g4 niedergeschriebene, handschrift- 
lich erhaltene Versuch einer französischen Beschreibung des 
Weilerthals. Aber damals war er schon kein Gymnasiast 
mehr. Michaelis 1793 hatte er bei der Preisverteilung, 

Fmnki^cb oiid lulien und wurde i9o6 Prolie»or« ent in KoblenB ond l8to 
in SlTMibiiiit« Elias GoU siiirb Auf. Sept. 1800 in Rieden Armen (Ober 
widere Tiiier de« Narneiu GoIU »• diete ZUchr. iS<K>. S. 40, wo Anni^ i, 
£hr, Sl6bcr MaU Chr. m ]e$«n). Frledr. Oberiin trat all Slud. Mf«l. 
in daa 5. Bat. der Nicderrbein, Freiwilligen, ward am 27. Aug. 1793 bei 
Bergtabem schwer verwandet und starb Ta^ darauf lu Weis^enburg in den 
Armen des Pfnrrefi Rrei$» (fpAler aai Jnxig St* Prter), 11% Jahr dt AiU 
Scbwogbincer kommen wir noeti mebmialj tumck. 

M Kotatssohn, stndiert in Erlaagtn 1801 *-2« b&lt sich t& Picrtt anU 
hUlt dann »einem Vater an, giebt 1807 — S mit Scheuet, Lamey« Arnold, 
IlcbeK Lippmann (fiher den wir weiler unten NAberes mtiteileni und Riedef 
•etb«t das Alsal. Taschenbuch, und 1B17 mit Hebel, TKhr>cke, Alo)r» 
Schreiber (vgl. d1e»e ^tt^hr. 1896, S. 51) u. a. die nur kur^ t>etiehend< Atta 
bermns* -^ •) 179 t und nicht 1793 iKunuf. Theobald Lu der VÄter, luth. 
Päcrer fti Markirch, kommt ala Wahlmann nach KoUnar den >, Juli 1790, 
179^ finden wir ihn an der Neuen Kirche, 

4l* 



020 Schoell. 

unter Blessigs Vorsitz, eine selbstverfasste Abschiedsrede 
gehalten und als Geschenk von Professor Oberlin dessen 
Orbis antiquus empfangen. 

Schon wütete der Krieg in unmittelbarer Nähe: am 
12. September hatten die Strassburger das von den Öster- 
reichern besetzte Kehl beschossen. Alle Bürger waren in 
Anspruch genommen: wer nicht die Waffen trug, leistete 
Frohndienste. Auch Rieders Vater musste dem Fuhrwesen 
der Armee nach und kam schliesslich ohne Pferde noch 
Entschädigung zurück, so dass der Wohlstand seiner Familie 
sich in Dürftigkeit verwandelte. Während seiner Abwesen- 
heit, im Oktober, begleitete der angehende Student Karl 
und Heinrich Oberlin zu Fuss nach Waldersbach. Aber 
erst im März immatrikulierte ihn der Rektor Thomas Lauth, 
so dass er nur den allerletzten Vorlesungen im Stifte bei- 
wohnen konnte : Lorenz lehrte Latein und Geschichte, Herren- 
schneider Mathematik, der Pädagog Dahler Griechisch, Fries 
Französisch. Auch dieser spärlich besuchte Unterricht hörte 
auf, als Blessig und Haffner, des Hochverrats angeklagt, 
im Stifte selbst eingekerkert wurden i). 

Doch blieb Rieder nicht lange müssig: im Juni berief 
ihn der öffentliche Wohlfahrtsausschuss als Gehilfen in die 
an Stelle der Aurelien-Pfarrschule neu eingerichtete National- 
schule. Von Bezahlung war keine Rede, aber nein sagen 
wäre gefährlich gewesen. So hielt der 15jährige Lehrer 
jeden Abend Unterricht für kleine Kinder, bis er im Oktober 
in gleicher Eigenschaft nach Mittelbergheim kam, einer 
Gegend, in die er 25 Jahre später als Pfarrer zu Gertweiler 
zurückkehren sollte, und wo er nun, in dem nahen Barr, 
Pfarrer Lauth kennen lernte, der ihm zuerst von Pfeffel 
erzählte, sowie den späteren Professor und Inspektor Fritz, 
der damals Volkslehrer, und dessen junge Frau, eine Tochter 
des Strassburger Arztes Ziegenhagen, Stöbers Tante war^). 
Letzterer bekleidete gleichfalls eine Lehrerstelle, und zwar 
am Strassburger Findelhaus, wohin Rieder seinerseits im' 
Mai 1795 berufen ward und wo beide Freunde, froh ver- 
einigt zu sein, redlich und munter dieselbe Arbeit teilten, 

*) über beide Namen, die unter Rieders Feder oft vorkommen 
werden, vgl. Alsatia, 1873, S. 132. u. 141. — *) Alsatia, 1862 67, S. 424.: 



PrefÜel und Rü-ac-r 



627 



Nun fingen auch die Vorlesungen am Seminare wieder 
an: Herrenschneider setzte seinen mathematischen Unter- 
richt fort, Haffner las über Ästhetik, Schu'eighäuser über 
griechische Litteratur» Oberlin über Littoraturgeschichte. 
Lorenz*) erteilte Geschichtsunterricht und Blessig führte 
in die biblische Theologie ein. Aber neben dem Besuch 
dieser Kollegien und seiner Amtsthätigkeit am Findelhause 
musste der mit den Bedingungen einer strengen Wirklich- 
keit früh bekannt gewordene Student noch Müsse finden, 
nicht nur zum weitern Unterrichte seiner Brüder, sondern 
auch zu den häufigen Privatstunden, die ihm seine päda- 
gogischen Erfolge verschafften. Solche Gestalt nahm sein 
arbeitsvolles, aber nicht freudenloses Leben» als ihm eines 
Tages Schweighäuser und Blessig mitteilten, Pfeffel suche 
einen Sekretär und habe sich diesbezüglich an sie gewandt; 
sie hätten den jungen Rieder warm empfohlen, dem sie 
nun rieten, solch unerwartetem Rufe Folge zu leisten, da 
die Unterbrechung der Studien durch anderweitigen, 
geistigen wie materiellen Gewinn reichlich würde ersetzt 
werden» Der poetische Hang ihres Schützlings gab den 
Ausschlag; einen Wink der Vorsehung in diesem Vorfall 
erblickend» Hess er sich leicht überreden, den Rat seiner 
Gönner zu befolgen. 



II 
Der Kolmarer Sekretin 1798. 

Für die ^Vil^hr, die er am Findelhaus gewirkt, bekam 
er beim Abschied eine Vergütigung von 150 Franken. So 
konnte, in finanzieller Hinsicht wenigstens, der Wechsel 
für ihn nur vorteilhaft sein. Er sollte seinen neuen Posten 
zu Neujahr antreten. Pfeffel schrieb ihm am 12. Dez*, 
er freue sich über ihr Abkommen und über die günstigen 
Gesinnungen, die sein angehender Gehilfe mitzubringen 
scheine. »Keinen Gclc^irten, sondern einen blossen Dilettanten 
müssen Sie bey mk suchen, und es wird gans auf Sie ankommen, 
auch einen Freund zu finden. Um vor der Abreise Ihres 
Vofgdngers^) Belianntsckaft mit meinen Gesch^ifteo und meiner 



*) Sohn de» II von dem E. Stöber in teioetn Obcrliß (S, 47) 

spnchc. V|tL PtUlt t =111^ S, 71 u. 79. — ») D«f Biulcrs Btittoff; §. 

Jahrbncli des Vog-Kiiab« XI, 3t. 



628 SchoelL 

I^bensweise zu erhalten, wünschte ich, dass Sie vor Weyhnachten 
einträfen. Ist Ihr Koüer beträchtlich, so kann er einem Schiffer 
mitgegeben werden. . , .« 

Rieder wird diese Anweisungen pünktlich befolgt 
haben. Im neuen Wirkungskreis war er so thätig und 
sah so viel Neues, da^s 7 Wochen verstrichen, bis er den 
Eltern seine ersten Eindrücke mitteilen konnte. Allerdings 
ereignete sich, ausser seinen gewöhnlichen Berufsgeschäften, 
manches Ungewöhnliche in seiner neuen Umgebung, das 
seine Aufmerksamkeit fesseln musste. In der eng befreun- 
deten Familie v, Bergheim bereitete man die Hochzeit der 
ältesten Tochter mit dem Thüringer Freiherrn v. Stein, 
dem Bruder der Gräfin Waldner zu Ollweiler, vor, die 
zweite Tochter war bereits mit Aug. Perier verlobt und 
sollte wenige Monate nach ihrer Schwester, allerdings nach 
entgegengesetzter Richtung, das traute Heim mit ihrem 
Gatten verlassen. Noch mehr, im PfefFerschen Hause selbst 
geschah Ausserordentliches. Das 6jährige niedliche Mädchen 
aus Paris, wahrscheinlich eine Waise, um deren Herkunft 
ein gewisses Dunkel schwebt ^), und deren munteres Wesen 
seit einem Jahre des Dichters Familienkreis erheiterte, 
starb in den ersten Februartagen, und ihr Pflegevater 
weihte ihrem Andenken das traurigschöne Liedlein Mein 
Blümchen (Poet. Vers. VIII, 8). 

Erst am 17. Februar schrieb der junge Sekretär nach 
Hause. Sein Brief ist durch seinen nachmaligen Kollegen 
Kuntz') teilweise veröffentlicht. An Stöber und andre 
Freunde hatte er schon vorher geschrieben und Aufträge 
für seine Eltern gegeben. Jetzt schrieb er ihnen direkt, um 
den Empfang eines Päckchens und eines Briefes von einem 
Vetter anzuzeigen. Er sei recht glücklich: »Pfeffel ist ganz 
der würdige Mann, wie ich mir ihn dachte ; auch er scheint sich 
in seinen Erwartungen von mir nicht ganz betrogen zu finden. 
So entstand bald gegenseitiges Zutrauen, welches mir seinen 
stündlichen Umgang zu einer reichen Quelle der Belehrung 
macht«. Er sei schon in etliche der besten Familien eingeführt. 



») Der Mann, welcher ihr Kostgeld bezahlte, und dessen Briefe noch 
vorhanden — er hiess Hogger — scheint ihr nur ein laues Interesse geschenkt 
zu haben und also kein naher Verwandter gewesen zu sein. Er hielt sich 
zu der Zeit in der Schweiz auf. - «) Rieders Leben, im Auftrag des Neu- 
Kirch- Konsistoriums geschrieben, Heitz, 1853. 



Pfcffd «fid Rir.le 



629 



MOoders^^^S Bcrgheim'sche und üüiu aU<fn i'ir. tu 

«Auch bei Heim Lenz, ehmaligem Baumeister su : j;, 

war Ich mehrTDais« Er ist sehr freundlich und erzählt mir von 
meinem Grosspapa, den er wohl kannte.* 

Ausser seiner Mutter besuchten ihn Arnold, GolU 
Schweighäuscr, der seit 1796 in Pairis war, wo er jetzt bei 
Humboldts ak Hofmeister wirkte, und Wittwe Lorentz, 
geb, Pfciuth. seine treue Beschützerin seit mehreren Jahren» 
der es am Pfefferschen Heerde so wohl gefiel» dass sie von 
nun an öfters hinkam, wie wir sehen werden, Ihren Bruder 
übrigens, der Pfarrer war, kannte Ffeffel schon. 

Sonst ist kein Brief aus dieser Zeit erhalten, so dass 
"wir eigentlich von Rieders Kolmarer Erlebnissen wenig 
wissen und uns mit dem Satze begnügen müssen: Die 
Glücklichen haben keine Geschichte! Glücklich und ruhig 
verstrich der Sommer, nur unterbrochen durch cfie gewöhn- 
lichen Ausflüge zu den zahlreichen Freunden der Umgegend: 
Luce *) in Münstec Mäder und Spörlin in Mülhausen, 
Sarastn in Basel, ohne von den Vertrauten in nächster 
Nähe zu reden, die Pfeffel so häutig aufsuchte: Bergheim's 
in Schopenweier» Pfarrer Resch in Andolsheim, Joh, Meinr 
Binder in Sundhofen (von i7gi bis 182g). dessen Bruder 
Kohnar selbst bewohnte und dessen Neffe Georg Friedrich, 
mit Rieder gleicliahrie- I.ucp\ Xarhfoltfer In Minister 
werden sollte. 

Zu Jacobi nach l*reiburg kam Kieder nicht. Erst 
einige Jahre später machte er seine persönliche Bekannt» 
Schaft, Zwar wäre die Gelegenheit zu einem Ausflug ins 
Überrheinische günstig gewesen, da gerade Friede 
herrschte. Ein gebrechlicher Friede allerdings, eher ein 
Waffenstillstand zu nennen, der gar bald einem neuen 
furchtbaren Krieg weichen musste! Sobald die Nachricht 
von der Vernichtung der franzosischen Flotte bei Abukir 
'ankam, erwachte die Koalition wieder, der das Direktorium 
auf General Jourdan's Rat durch das Konskripiionsgesetz 
entgegentrat. Alle vor dem 22, September 1778 gebornen» 
unterm 25. Jahre stehenden Franzosen mussten dem Auf» 
gebot Folge leisten. Das Gesetz erschien am $. September 



1) Desteo Brier» %n Pfefltl (1795—1796 u. iSoi — 1E08) ertdietoen im 



630 Schoell. 

— Rutdcr» Geburtstag — und, wurde sofort allerwärt», 
auch in Kolmar, unter Trommelfwhlag verkündet und von 
I'fefFel mit kaum fforin^ferm Schrecken vernommen als von 
Hi*\ium\ SeknU/lr selbst. Wäre dies<jr 17 Tajife jüng'er 
gewesen, so hätte ihn das Aufgebot nicht getroffen. Seine 
und seinos Patrons (icfühle, diesem unerwarteten Schick- 
salsHchlag gegenüber, offenbart er seinen Kitern am 
4. Oktober. 

*M«in gutrr Patron war cbiMi K(i betroffen als ich; doch 
Hannan wir Hoglulch auf Mittel zu mc^fnc^r Hcfrciuitf^. Ich nchricb 
clriiHnlhnn 'lag an Herrn v. Türckhcim') hoHcnd, daHH er aU 
Vorwandtar den KriegMlconHuiNHÜrN Matlii'cu mir würde zu einer 
Sckreliirhtelle verhelfen können: allein icli hofl'te vergebens. Kr 
antwortete mir, daHH e» jedem KriegHkommlHHär scharf verboten 
Hei, junge Leute, die zur c:onBkri|>tion gehören, in ihre I^ureaux 
aufzunehmen, verHprach mir aber durch seine ausgebreiteten 
liekanntNchaften einen andern Ausweg aufzusuchen, indessen 
arbeiten mein Patron und seine Freunde auch hier eifrig an 
diesem Werke Unterdessen suche ich ihm einen einst- 
weiligen Nachfolger für mich zu verschaffen '•*), denn seine 
FreuttdNchaft ft'lr mich Ist so gross, dass er auch nicht den 
blossen (fodanken einer gänzlichen Trennung von mir hegen 
mag- »). 

Nichts half; .sogar das Anerbieten seines Hruders, an 
seine Stelle zu treten, wunle abgctwiesen. Er musste, an 
dc*r Spitze einer Rekrutenabteilung, zur Donauarmoo 
marschieren. Nun — so sehr er sich auch angestrengt, 
sc»in(«nj Schicksal zu entgehen — als dasselbe entschieden 
war, unterzog er sich mit festem Sinne der eisernen 
Notwendigkeit. Natürliche ( Charakterstärke, verbunden 
mit diristlicher Ergebung, verlieh ihm Selbstbeherrschung 
gnnug, um sich zu ermannen und seine neue Rolle mit 
Würd«» zu spielen. 

I) Kriodrlcli Bornlurd, Direktor de» WniucnhauMeM, Bruder de» Uepu- 
tirrteii, vorübciurhend Mnire (Dez. 1793 bii Jnn. I7()4). N«chfol|;cr HcineM 
V«trrN im Hniikueiichttlt »eit 1770, verniAhlt mit Lili Schönnmauii Hcit 177K. 
Srin S(»lin Kml, der um 17. September 1791 mit der Mutter Pfcflcl 
bmui'hlr, wni KirderH Juji©ndfieund, wie mhon oben K*?"4il- ^*<^" ^'- 'l'»"*-k- 
hrim wnr Onkel der Kruu Miithieu. — ") Kr fand sicli in der Person dci 
Juiiiteii lU^renliurh. — ■) Hei Kunt«, o. a. (). S. 2i. 



Pfeffcl und Ricdfr 



631 



III 
Rieder als Soldat. Nov.— Deae. 1798. 

Zunächst kam er nach Reifort, wo er 3 Tage, und 
Delle, wo er doppeU so lanj^ blieb» dann nach Lopiiix, wo 
er am 22. Nnvc-^mbiT seinem treuen Stcvber schrieb : «Ntchu 
als Sirohhütten un<4 Strohbetten» aber gute Menschen und KnN 
äpfVl in Menxc St\i 8 Tagen bin ich Befehlshaber unartr 
'JVuppc und habe im Winshaus gute Kost und reinhchüs 
Federbett I\Iit Niemand kann ich Freundschaft pflegen; es sind 
lauter Üaucrnburscht-n, die mir aber eifrig ergeben sind. Du 
solUtfst mich vor der Front des wilden Haufen» ÄteheHt Appell 
halieu oder Ordrcs erteilen sehen, . , Ich war so glückiit:h, 
einen ältt?n schmutzigen Kurtiu* aufzutreiben, von detn ich mir 
Alexanders Kriegsruhm en:tlhlen, nicht aber Geschmack am 
Wafienhandwerk beibrljigea Uiisct. . . . I'lotzlich kam Befehl, 
nach Beifort zurück und über Basel in die Schweiz z\x 
jTiari»chieren. Das war Riedern recht; dort konnte er ja 
gleich Pfeffcls Empfehlungen verwerten, dem er seine 
Ankunft in Zürich sofort meldete ^ und der ihm am 
2b, Dezember antwortete: 

>lch bin Ihnen drcy Antworten schuldig, die ich bloss In 
Erwartung Ihrer Adresse vcrBchol)en habe. Aus Ihrem Briefe 
von Altkirch habe ich ersehen, dass Sic meinen 2wcytenp den 
ich Ihnen nach Belfort schrieb» schwerlich eThalten haben miUsenp 
weil Sie dessen mit keinem Worte erwähnen. Ich sprach darin 
von Ihrem Freunde Obetlin und von einem Packe, das ich für 
ihn erhalten und auf die Bussmannische Diligence gelegt 
hatte. . . . Ich wussic tum Voraus, daüi* $>\^ überall Freunde 
finden würden und es thut mir wohl, dass unter ihnen meine 
Freunde Lavater« Hirxeli Breitinger und Hess*) sich befinden. 
Am meisten freute uns alle Ihre Beförderung zum Amte eines 
Dollmetschrrs, das Sie einstweilen vom Kriegsdienste bcfreyel 
und Sie eine Zulage zu Ihrem Solde hoffen lässt* Allein Sie 
irren sich, wenn ^\^ glauben, dass ich Ihnen dieses Glück zu 
Wi^^fy brachte. Ich war nur ein sehr entferntes Werkzeug und 
erst seil gestern den wahrscheinlichen Gang dieser Sache* 
.M^lirmab formte ich bey Micsel und Simon über das feige und 
ungefällige Betragen der Munizipalitcit gegen Sie, wodurch Sie 
genötigt worden, mit den hiesigen Conscrlbierten fortzuziehen* 



*) Ptmstm FtUz Hfti wAf ftt, der tm MaI t^fi^ *nU H^laHcli FOt*W 

n drtn h%% ftim t > wuide Spalding 

n.i4jU Berlm liorufen. 



632 Schoell. 

Da nun die Munizipalität den Schluss fasste, dem General- 
adjutanten und Chef des Etat-major der Schweizerarmee B.*) 
Reinwald, der eine hiesige Frau hat und hier wohnhaft ist, die 
Coimarer Conscribierten schriftlich zu empfehlen, so erinnerten 
obige Freunde sich ihrer Sünde, und es wurde des B. ^) Rieders 
als meines ehemaligen Sekretars namentlich Meldung gethan 
mit dem- Beysatze, auf eine Versorgung für Sie zu denken. So 
ist's möglich, dass Schauenburg^), der mehrmals bey mir war, 
auf unsre Verbindung Rücksicht nahm; mehr aber wird ihn der 
Eifer bestimmt haben, womit Sie Ihr provisorisches Kommando 
führten. 

Da uns Metzgers*) Antwort von Ihrer Verpflanzung in die 
20. Halbbrigade, und selbst unter das Strassburger Depot weit 
weniger Vorteile versprach als die, so Sie jetzt gemessen, so 
bat ich ihn alle weitern Schritte bey dem Minister einzustellen. 
Da es ungewiss ist, ob diese Halbbrigade in Paris bleibt, und 
sie ihr Depot */« Stunde von der Hauptstadt auf Dörfern hat, 
so würden Sie Ihren litterarischen Endzweck fast ganz verfehlen 
und Gefahr laufen, ihr in einigen Monaten Gott weiss wohin 
folgen zu müssen. In Strassburg müssten Sie schliesslich 
auch zur Halbbrigade stossen und als Soldat dienen. . . . Wollen 
Sie doch Ihr jetziges friedliches Asyl verlassen, so melden Sie 
es mir gleich; denn Metzger trifft spätestens in 8 Tagen ein, 
um der Hochzeit seiner Tochter beyzuwohnen. 

In Aarburg war ich oft, wenn ich von Ölten aus den Schultheiss 
Senn in Zofingen besuchte, für den ich Ihnen ein Briefchen 
beylege. Ich hoffe er ist noch am Leben; bei der letzten 
helvetischen Gesellschaft in Aarau traf ich ihn noch an. Er ist 
mein einziger dortiger Bekannter, indem der wackere Schulherr 
Krug von Ölten schon mehrere Jahre todt ist. Senn hatte zween 
Söhne bey mir, wovon aber, soviel ich weiss, nur einer in 
Zofingen wohnt. Die dortige Bibliothek ist mit sehenswerthen 
kleinen Statuen nach antiken Mustern geziert^). 

Können Sie mir sagen, ob ein Andolsheimer Rekrut, Namens 
David Löscher, gesund ist? Sein Vater erkundigte sich mehrmals 
bey mir , weil er ihn unter Ihrem Kommando wusste. . . . 
Sarasin*) berichtet mir Ihren Basler Aufenthalt. . . .« 



») Bürger. -j Ucber diesen Befehlshaber der Schweizerarmee siehe 
weiter unten. - ») des Kolmarer Deputirten. — ') Job. Adam Senn war 
mit Hotze, Sulzer und Steiner am 22. Juli 1778 in Kolmar. Letztgenannter 
wird sein Schwager gewesen sein, da eine Frau Steiner, geb. Senn aus 
Winterthur, wie Sulzer und Steiner, am folgenden 28. Sept. Pfeffel besuchte, 
unter dessen Schülern wir auch einen 1783 abgegangenen Joh. G. Steiner 
aus Winterthur finden. Senn's Söhne waren 1779 — 81 auf der Kriegsschule. 
Am 22. April 1801 operierte Slilling den Schultheiss vom Staar (Stillings 
Lebensgeschichte 3. Aufl. S. 678, wo auch vom Dr. Steiner die Rede). — 
^) Jahrbuch des Vog.-Klubs, 1897, S. 133. 



Pfeflfcl xini Weder. 



633 



Über Rieders Ernennung zum DolUnetscher erfahren 
wir niiheres aus einem Brief» den er gleich nach dieser 
glucklichen Veränderung seiner Lage, am 1; F*inuar* von 
Aarburg aus an seine Eltern richtete: 

•In Basel angekommen, fand ich durch Pi uiiiJschaft 

viele liekuiuite und weitere Empfehlungen nai ti, wo wir 

am 4< Tage ankamen und in ein schönes Dorf «im See, Zotlikon^ 
kanlonirt wurden. Als Chef kam ich zum Pfarrer xu %v<ibneQp 
der mich wie das Kind vom Hause behandelte. Hier bheben 
wir 8 Page, die ich benutzte, um tiiglich in Dienstgeschäften m 
die Stadt 2U gehen und um dit; Pamihcn, an die ich dort 
apfohlcn war, tn besuchen. Die Freundschaft dieser guten 
'Leute hatte mich fast ^^'ünzHch vergessen maclien, dass ich iu 
der unglücklicheu Lage eines Soldaten in dieser Gegend war. 
leb wurde wie aus einem süssen Traum erweckt, als Gen. 
Sch&ueuburg mich rufen liess. um mir anxujteigen, dass ei mich 
.aum Uollmetscbtir heim Kriegsrathc eruaiuu habe. Diese Stelle 
'lässt mir Zeit zum Studieren i^brig; ich musste mich aber in die 
100. Halbbrigadc, ticren Depot in Hasel ist, eincorporircn lassen 
und habe xuin Chef einen B. Laval, der eine Frau von Colmar 
hat und einer der besten Oflixiere der Schweixerarinee isici). 

Ehe wir Kieders weitere Schicksale in seiner neuen 
Stellung betrachten» müssen wir dem Manne einige Auf- 
merksamkeit widmen» der ihn in diese Stellung versollte. 
Dass Baron v. Schauen bürg bei Pfeffel persönlich bekannt 
war, erfuhren wir eben durch Lcmeren selbst. Im Juli 1785 
begleitete er nach Kolmar einige Offiziere seines Regiments 
Deux-Ponts aus Landau« u. a* den Sohn der Sophie Laroche, 
Im Januar 1798 stand er an der Spitze einer Division der 
Rheinarmee, als er in die Seh weil beordert wurde, um 
unter General Brune den dortigen Aufstand zu bekämpfen. 
Er drang durch den Mont'-Terrible ins Land ein und erzwang 
am 5. März, nach heftiger Gegenwehr» den Einzug in Bern, 
worauf er General Brune als überbefehlshabar ersetzte. 
In dieser Eigenschaft erschien er auf der eidgenossischen 
Versammlung zu Brunnen (15. April) und brach im Mai 
Uns verzweifelten Widerstand bei Rothenthurm und Ein* 
siedeln, sowie Untenvaldens und Schwyxens neuen Aufstand 
im September. Seine Mässigung und Leutseligkeit trug 
viel zur Beruhigung der arg aufgebrachten Gemüter bei. 
Golbery sagt von ihm : »Ce genial ctait Tun des tacticiens 



n Kunii« S. 34- 



634 



Schoell. 



les plus habiles de son temps . . . Doue par la nature d'une 
force extraordinaire, haut de taille et d'une figure imposante, 
il commandait le respect, et la confiance ne pouvait manquer 
ä un chef qui, ne dans les rangs eleves de la societe 
avait combattu comme le ferait un simple volontairec i). 

Mit dem Frühling wurde er durch Massena ersetzt, der 
von Rom kam. 



IV. 
Rieder als MilitärdoUmetscher. 

Bis zur Schlacht bei Zürich. Januar — September 1800. 

Man erinnert sich, dass Pfeffels langer, zuletzt mit- 
geteilter Weihnachtsbrief drei Rieder'sche Schreiben zu- 
gleich beantwortete. Da einer seiner vorhergehenden Briefe 
verloren gegangen war, so verwendete er auf die Ver- 
sendung des nunmehrigen besondere Sorgfalt. Einer seiner 
beiden Söhne 2) musste ihn selbst der Hüninger Post bestens 
empfehlen. Dennoch hatte er am 29. Januar noch keine 
Nachricht, was ihn um so mehr wunderte, da ja sein junger 
Freund im neuen Wirkungskreis mehr Ruhe und Müsse 
genoss. 

»Nun will ichs versuchen, meldet er ihm an jenem Tage, 
Ihnen dieses Blatt durch 3. Thi^rion zuzufertigen, der bey unsrer 
Gesandtschaft in Luzern steht. Metzger ist hier und räth Ihnen, 
Ihren Posten in Aarburg nicht zu verlassen, wo das Tribunal 3) 
wahrscheinlich so lang als unsre helvetische Armee bestehen wird. 
Über dieses zeigt sich wieder eine ganz neue und nahe Hoffnung 
zum Frieden . . .« 

Diese Hoffnung sollte gar bald getäuscht werden. Am 
28. April hielt Suworov seinen Einzug in Mailand, der 
cisalpinischen Republik ein rasches Ende bereitend, und 
am selben Tage gab der Rastatter Gesandtenmord die 
unwiderrufliche Losung zu einem wütenden Kampf, der nun 



1) Histoire et description de la Suisse et du Tyrol, Firmln Didot, 1863. 
S. 282. — 2) Konrad August war seit 1793 Postdirektor in Kolmar. Karl 
('775 — 1858), der 1848, von Frankfurt aus, mit Rieder korrespondiert, war 
bis Ende Juni 98 Schreiber beim franz. Gesandten in Basel, fiel dann auch 
unter das Konskriptionsgesetz, wurde aber am 28. September 99 wegen 
schlechten Sehvermögens befreit. — ») Das erste Kriegsgericht der 4. Division, 
die am rechten Flügel der Armee stand. 



PfeÜd und Rieder. 



63s 



auf allen Grenzen entbrannte. Auch die helvetische Armee 
sah sich bald von allen Seiten ang-e^ffenJ)- Aus Grau- 
bünden verdrängt, musste sich Lecourbe, Massenas schneidig- 
ster General, hinter die Linth zurückziehen, und sein Chef 
selbst konnte dem Erzherzog Karl und Hetze, die am 
13. April den Rhein bei SchafFhausen überschritten, nicht 
lange widerstehen. Nach einer Reihe blutiger Kämpfe 
(besonders am 27. Mai und 4. Juni) musste er Zürich 
räumen und seinerseits hinter Reuss und Limmath auf dem 
Albis eine Defensivstellung einnehmen, in der er ohne 
sonderlichen Glückswechsel verharrte, bis am 16. August 
die Russen unter Korsakov in SchaflFhausen erschienen und 
zugleich die noch beunruhigendere Nachricht eintraf, dass 
Suworov sich anschickte über die Alpen zu steigen, um- 
Massena im Rücken anzugreifen. Wie dieser, die Fehler 
des Wiener Kriegsrates rasch benutzend, sich ruhmvoll 
aus seiner misslichen Lage zog, werden wir bald sehen. 
Kehren wir einstweilen zu Rieder zurück. 

Dieser musste dem allgemeinen Rückzug folgen und 
mit seinem Kriegsgericht von Aarburg nach Solothurn 
wandern. Leider wissen wir wenig von ihm aus dieser 
Zeit, in der gerade sowohl seine als PfefFels Briefe fehlen. 
Zwar wird es, bei dem bewegten Leben, wenig Gelegen- 
heit zum Schreiben gegeben haben, und selbst die wenigen 
mit Mühe abgesandten Briefe blieben oft unterwegs. So 
berichtet Pfeffel in den ersten Julitagen: 

»Ihre Freundin*) hat mir endlich das Räthsd Ihres langen 
Sch^veigcns geHüst, mdera sie mir zweener Briefe erwähnle, die 
Sie an mich abge lassen, die aber nie den Weg nach Cnlmar 
gefunden. Der leute. der bey mir einlief, war aus Solothurn, 
umuiUclbar nach Ihrer dortigen Ankunft geschrieben, und unver- 
seugtich von mir beantwortet worden. Ihr ituincrwährender 
Quartjcrwech»el hinderte mich, diesen gunzlichen Mangel an 
Nachrichten Ihnen anzua:eigen. Denn trotx unsrer Gr^nzuachbar- 
schaft erfahren wir von Ihrem Kriegsthealer nur Widersprechen- 
des» auH hi^cTth;iften Zeitungen geschupfies, deren Verfasser nicht 
eiiunal alles s^grn dürfen was sie wissen Doch die vorgefallene 
groaso Veränderung') wird uns hollcnUfch mehr Licht gewähren 



*) ^wch JourdAQ-i Kiedcrlagt bri ^iock«cb (2^ MAnt| wurde denen 
Rfeitifl^v^c« mil d«f hwIvctiftchirTi vereinigt, — ') Ffftii Liirenti war fn Kolmmr 
tti Hetuch. — •) VVnbl d^r Kiukni^ hinier Rvui» und Ltmtn4t. 



536 Schoell. 

und den Lauf der Briefe sicherer machen. Was ich noch sagen 
könnte, überlass' ich Ihrer Freundin und umarme Sie, nebst 
meinem Gruss an Ihren Freund Oberlin.« 

Bei diesem wohlbekannten Namen halten wir uns einen 
Augenblick auf. Heinrich Oberlin, ein jüngerer Sohn des 
Steinthaler Pfarrers, war auch von der Konskription getroffen 
worden und hatte am 27. November, den Tornister auf 
dem Rücken, Strassburg verlassen. In Kolmar besuchte er 
PfefFel. in Mülhausen die Familien Mäder, Witz und Graff '). 
In Basel ward er krank und in der Familie Stehlin ^) durch 
den geschickten Arzt Stückelberger gepflegt. In Zürich 
nahm sich Lavater seiner väterlich an und widmete ihm 
sogar am 24. Februar 1799 einige von Stöber (Vie de 
J. F. Oberlin, S. 447) aufbewahrten Hexameter.' Bald 
wurde der schwächliche Jüngling wieder krank und ging 
Anfangs März 1800 auf Urlaub ins Steinthal, um folgendes 
Jahr, nach erhaltenem Militärabschied, Theologie und 
Medizin weiter zu studieren"). Als Soldat war er zuerst 
in die 84. Halbbrigade eingereiht worden, erhielt aber bald 
durch Percy's Fürsprache, des Chirurgien en chef der Rhein- 
armee und wohlwollenden Vorgesetzten von Heinrichs 
älterem Bruder Karl*), eine angemessene Stellung als 
officier de sante. Den Urlaub erhielt er erst nach der 
Schlacht bei Zürich, so dass er Zeuge war aller der Schick- 
salsschläge, welche Lavater in diesem verhängnisvollen 
Jahr 1799 trafen. 

Im Mai war Lavater nämlich wegen seines rücksichtslosen 
Freimutes verhaftet und nach Basel geführt worden. Diese 
gewaltsame Entführung erzählte er Pfeffeln in einer poetischen 
Epistel (28. Mai), woraus einige Verse hier folgen mögen: 

Auf dem Morgenlager (mich peinigten quälende Schmerzen) 
Hob' ich, matt von schlafloser Nacht, mein Haupt, und der 
Bald dem kommenden Tag . . . [Schmerz wich 

Briefe und Briefchen an Liebe, von Lieben, Zeilen der Liebe 
Lagen zerstreut auf dem Bett . . . 



*) Peter Witz (seit 1815 Pfarrer in Kolmar), ward sein Schwager 1802 
und Josua Graff 1 804. — *) Balthasar Stehlin, Basler Ratsherr, besucht Pfeffel 
im Herbst 1782, und Joh. Konr. Stückelberger 1779. — ') Er bestand seine 
Prüfung 1805 und ward einige Zeit Stiftspädagog. + 18 17. — *) Diesem 
begegnet Stilling in Ludwigsbnrg Frühl. 1801. (Lebensgeschichtc, 3. Aufl. 
S. 669.) 



Pfeffel und Rteder 



6J7 



Alsbald traten herein ins kaum geöffnete Zimmer 
Unbekannte Drey . . . ich erkannte zwey von den Dreyen. 
Tobler war bescherpt, und Affsprung der Kosmopoüte ^) 
Stand dem Bescherpten zur Seite. So ward zum Kranken 
, , • gebt, so befiehlt es Luzern, sogleich uns [gesprochen: 

AJie eure Papiere! — und es wurden 
Alle Schriften vom Bett und alle vom Tische versiegelt« 
Alle Taschen geleert .... 

AfFsprung und fünf Dragoner geleiteten ihn nach Basel, 
*wo er bei Jakob Schmidt gute Herberge fand. 

Pfeffel antwortete ihm bald (lo. Juni), und zwar eben- 
falls in Hexametern» deren Wiedergabe aber seinen Dichter- 
ruf wenig fördern würde. Halten wir von seiner Epistel 
nur so viel fest, dass er Aflfsprung persönlich kannte und 
Luise Lavater erst einmal gesehen hatte. Aus einem 
Rieder'schen Briefe vom i, August, der aber einen Monat 
unterwegs blieb, erfuhr er nochmals die Gefangennahme 
des Zürcher Freundes, 

>Luisens V^ater, schrieb er sofort zurück, berichtete nur 
sein Schicksal von Basel aus in einem poetischen Briefchen, iMeine 
gleichartige Antwort tral ihn dort nicht mehr an; doch liess sein 
edier Wirth^) mir sagen, dass sie ihm glücklich zugekommen; 
von beyden Episteln sollen Sie Abschriften bekoramen*). Auf* 
Callend war mir die beynahe wörtliche Übereinstimmung seiner 
Und Ihrer Erzählung. 

£s freut mich, dass das Schicksal Sie endlich mit Ihrem 
goten Oberltn zusammenfühne, sagen Sie ihm, dass sein Bruder^) 



> jöh. Micbael Affsprung, 174S in Ulm geh.^ Wftr seit 70 Erdehcr in 
Wien, Dessau» AjniiercUm u. a. O.» 79^^! in <l«r Ulmer Sudtkanilei, d&nn 
wieder Enteher in Heidelberg (vod wo bus er am t. Nov. 88 Pfeffel 
besuclite). St GAllcn. Lindau und am Seminar lu Rctctienau (GrAubtinden;, 
Nun war er SckreUr de* Regie rungwUtthalters in Zürich» Am 21. Mir« 
1S08 ge^tofben in Ulm, wo er »cit fünf Monaten Griechiscli «ntertichlete. 
£f gßh einselnc Oden und 1806 eine Gedtcbtsammlung benius. Der Name 
I^Xvbler war in Zörich fehr verbreibet: ein dortiger FuLafmann T. und aein 
oba waren l>ei PfciTel am 5. Nftv* 1778, Job, Georg T. U7<i8 — 1843) war 
featabxzxi's Gebiilc in Burgdorf und diinn eigner Insiitutsvor^tehcr tu St. 
allen, Genf, Lyon; er »chrieb eine Reibe von Enlkblungen von 18 JO an. 
Ein andefer T. war dam&U Pfarrer in Maschwanden, sein Sohn Salomon 
(I704 1S75), ebenialU Pfarrer, verfaiste die iwei Epen: Dw Enkel WinJttl* 
riedi Ü857) und Cohunbua ((846), — *) J^koh Schmidt. — *) Dte»c Ab- 
•» nd e», die wir bcnulfen. — *) Karl O* wiir Militirartt bei der 

2 :e, wo «ein b(kb»tei Vörge$cUier, der erwlbutc B&ron Percy 



638 Schoell. 

uns bisweilen von Breisach aus besucht. Ihr Schreiben ent- 
schädigte uns reichlich für die verloren gegangenen. Ich theilte 
es den Personen mit, an die Sie mir den unnöthigen Auftrag 
gaben, Ihr Andenken bey ihnen zu erneuern. Nur Luc6 bleibt 
noch zurück, dem ich es in wenig Tagen selbst zu überbringen 
hoffe, dann soll's mit erster Gelegenheit nach Strassburg abgehen. 

Im Striche, den Sie jetzt bewohnen, hab' ich keine Bekannten; 
kommen Sie aber nach Aarau, so werden Sie im Präsidenten 
der dortigen Cantonsverwaltung, meinem ehemaligen Eleven 
Rothpletz *) einen unterrichteten und gefalligen Mann finden . . . 
Mein guter Karl ist hier, um seinen Abschied der Revision zu 
unterwerfen. Er machte seine Herreise 2) über Paris, wo er sich 
eine Woche aufhielt und nebst Metzger auch Annette und ihren 
Mann antraf, der seine durch das Nationalinstitut gekrönte Preis- 
schrift 3) dort drucken lässt. 

Schweighäusem genoss er nur einige Tage, weil das Con- 
scriptionsgeschäft diesen nach Strassburg trieb, wo er laut seinem 
gestrigen Briefe endlich einen Regimentsabschied erhalten und 
nun Hoffnung hat an der Köllner (?) Centralschule Professor zu 
werden; doch dieser Posten wird ihn nicht für die interessante 
Reise nach Spanien entschädigen, die er mit Hrn. u. Fr. v. Hum- 
boldt unternommen hätte *), wenn es ihm möglich gewesen wäre, 
einen Pass zu erhalten. 

Von meinen Beschäftigungen sage ich Ihnen nichts, ausser 
dass ich jetzt alle Materialien zur neuen Auflage der poetischen 



('754 — '825) ihn auszeichnete und beschützte. Nachher trat er zur Theologie 
über und ward 1808 durch seinen Vater als Rothauer Pfarrer installiert. 
1830 lebte er als Arzt in Fonday. 

1) Joh. Heinr. Rothpletz. major de departement, und seine Frau, geb 
Tranckhuser besuchten Pfeflel Aug. 1779 und Juli 82. Ihr Sohn, auch Joh. 
Heinr., war Eleve vom 3. Juni 81 bis 15. Sept. 82. — *) Woher? In England 
war er öfters; damals aber herrschte Krieg. Im November war er wieder 
in Paris bei Gerando's, dann brachte er ein Jahr in Reims zu; endlich 1802 
fand er seine Lebensaufgabe im Bankhaus Bethmann zu Frankfurt. Hier ist 
wohl anzunehmen, dass er von der Armee kam — *) Le trait6 des signes et 
de Part de penser, in Schopertweier vor der Heirat geschrieben. 1802 krönte 
die Berliner Akademie seine Abhandlung Sur la g6n6ration des connaissances 
humaines, aus welcher 1804 seine Histoire compar^e des syst^mes philo- 
sophiques entstand. — *) Die Reise dauerte von Mitte August 1799 bis 
Mitte April 1800. Die Briefe Wilhelm v. Humboldts und seiner Frau an 
den früheren Informator ihrer Kinder sind von A. Laquiante in franz Über- 
setzung veröffentlicht (Nancy-Paris, Berger« Levrault, 1893 S. Annales de 
PEst, 1893, S. 92 u. 326). Sie erstrecken sich von Juli 1799 bis Okt. 1823. 
Schweighäuser wurde übrigens nicht sogleich vom Dienste frei, sondern 
musste sich noch im Bureau eines Strassburger Proviantamtes aufhalten. Er 
war damals 22 Jahre alt. Humboldt war bei PfefFel Ende Nov. 1789 mit 
Campe, bei der Rückkehr von Paris, auf der Reise in die Schweiz. 



Pfcifel und Rieden 



639 



Versuche in reinen Abschriften bereit liegen habe, um gleich 
nach dem Frieden deren Druck veranstalten zu können. Von 
der *FIora« ist mir seit dem Hornung kein Stück zugekommen. 
Ausser der i>Ernestine«, in der eine ganze Sendung überhüpft 
war und nachgeholt werden musste, wird sich noch eine Erzehlung 
»Henriette« darinn finden, die ich vorigen langen Winter zn 
»Stande brachte, und vermuthlich auch eine kleine dramatisierte 
Novelle »Adeline«, Das Taschenbuch meines L Jacobi wird für 
künftiges Jahr in einem andern Verlage und einer des V^erfassers 
würdigen Gestalt erscheinen '), Im Cottaischen werden Sie unter 
^meinen Beyträgen wenig finden, das Ihnen nicht schon bekannt 
füre. Doch ich vergesse, dass man in Uetikon^) kaum einen 
Bauernkalender, geschweige einen Daraenkalender antreffen wird. 
Gott! Wann weiden die Greuel der Verwüstung und die Scenen 
des Wehklagens ein Ende nehmen. Die Barthotdtsche Garten- 
gesellschaft und das Bussmannische Comit^ grüssen Sie herxlicL 
Caroline erwarte ich mit Ende dieses Monates zurück').^ 

Hagenbach, der Sekretär, fügte noch einige persönliche 
Zeilen hinzu: »Gestern (Sonntag) waren wir in Schoppenwihr, 
ich hätte gern die Zeit anders angewendet. Ihr h'ebe volles 
Briefchen machte mir viel Freude. Sie haben sich in Colmar 
sehr beliebt gemacht*), jedermann fragt nach Ihnen, Eben 
kommt Pfarrer Luc6 bey uns an. Empfangen Sic den Hände- 
druck eines redlich meynenden Schweizers, Gott wolle sich unser 
erbarmen! Dieser Brief kömmt in Hasel auf die Bürgerpost.« 

Wie er es am Anfang seiner Antwort versprochen, 

^teilte Pfeffel Rieders Brief der Frau Lorenz mit, die ihm 

am 2t, September dankend zurückschriebt *Ich benütze die 

Gelegenheit, welche Sie die Güte hatten, mir anzuweisen und 

schicke Urnen durch Hrn Steinbeil «^j Rieders Epistel wieder. 



•) S diese Zeilfichrlft, 1896, S. 37, Note i* — *) Ein Dörfchen üic*es 
KAin«ns liegt bei Mäonsdorf auf dem rechten Ufer des ^drcherseen. Da aber 
damals die Franzosen tmt das linke Ufer beietxtcn, so wird woHl ein gleich- 
•miger, westlicher gelegener Ort jjemeint sein, t^brigen* hitte Pfeffel von 
llrr Umgcgen^i von Stacfa nichl i:esA^t, dass er dort keine Bekjinnlf*n habe. 
— ■) Lina, Pfeft'els «weite Tochter (1769—1811)» die ipitrr«' Krim Bet^»er in 
Mömpelgj^rU kehrte am 2J. September von einem viermonjitlkifeu Aulenlbalt 
Ifi Frankfurt »urück, — •) Auch in dtr Schwelt. Kunts ertlhlt: »Als eitiig:e 
jAhre f^püter der»«lti« Bruder» der einst für Ritder mirschieten wollte, nach 
W'iiiteftljur kum und seinen Nanjen ins Wirt&haosregtster einachrieb, 10 um- 
IJiib ihn ulsobiürl die Be\vahner»chnft dei gancen Hauses; mAn bef^l 'te 

fhn i3er Bruder i\c% eclcln Kriegers ru sein, der cinsl da%elb*t 3 if, 

und der Zuvorkommen heilen in dem Slrtdlchen «koihe kein Ende wer den«« 
(5* 36). — ^) Drei Steinhcil uaten (793 Mit^hedct der hcixgL iweibrücken* 
sehen Re^erutig tu Rsppoluweilcr. Klei bt wohl von Pnedr. Jakob (175 > 
It\x%thf f Cc»tli, d. OUrth, K. F, Xtl!. 4, 41 



640 Schoell. 

Meinen Augen, deren Sehkraft frühe schon geschwächt worden, 
verursachte die sehr kleine Schrift viele Mühe ... Er hat uns 
eine Schilderung der Leiden der Menschheit gemacht, die meine 
Seele erschütterte. Was muss erst der gefühlvolle Jüngling 
empfinden, der Augenzeuge dieser Schauerscenen ist! Ach, möge 
mir doch die frohe Nachricht zu Theil werden, dass Ihr 1. Karl 
die Zahl der Leidenden nicht vermehre! .... Viele freundschaft- 
liche Empfehlungen von Hm. Prof. Oberlin.« 

Nachdem Massena im August Verstärkungen erhalten 
und den Generalmajor Bay, der in Unterwaiden eindringen 
wollte, mit seiner ganzen Division gefangen genommen, 
schritt er, bei der Nachricht vom Rheinübergang durch 
Korsakow, am 17. über die Limmat, überraschte und ver- 
nichtete mehrere Kavallerieregimenter und war nahe daran 
Zürich zu nehmen, was bekanntlich am 25. Sept. wirklich 
geschah, nach heftigen Kämpfen, infolge deren Österreicher 
und Russen wieder über den Rhein zurück mussteni). 

Rieder war Augenzeuge der Schlacht und teilte, 
sobald er konnte (am 27.) den Kolmarer Freunden seine 
Eindrücke mit: 

»Ich kann mich der Thränen nicht enthalten, indem ich die 
Feder ergreife, um Ihnen vielleicht der erste Unglücksbote zu 
seyn. Nach einem anderthalbtägigen grauenvoll hartnäckigen 
Kampfe sind unsre Truppen gestern Mittag in Zürich wieder 
eingezogen. Aber leyder musste der edle Dulder, Pfr. Lavater, 
ein Opfer dieses Einzuges werden ! Ich traf ihn heute auf dem 
Schmerzenslager an, den Unterleib von der Kugel eines 
plündernden Soldaten durchbohrt. . . Seit dem 16. August mit 
Erlaubniss des französischen Generals wieder in der Vaterstadt, 
hatte er sich gestern Nachmittag lange damit beschäftigt, unsern 
ankommenden Soldaten auf dem St. Petersplatze vor seinem 
Hause Wein und Brod auszutheilen, er wollte nun, da er Jeder- 
mann befriedigt glaubte, zu seiner verheiratheten Tochter Fr. 
Pf. Gessner, gehen, um zu sehen, wie es ihr im Tumult ergangen 
sey. Als er um die Ecke sich drehte, kam ihm ein französischer 
Soldat mit blossem Säbel in der Hand entgegen und forderte 



bis 1836) die Rede, dem Bruder der Frau Less, der vor der Revolution 
Archivar zu Rappoltsweiler war, ein Frl. Imlin heiratete und als Privatmann 
in Strassburg starb. ^ 

^) Mass6na benutzte bekanntlich in geschicktester Weise den groben 
Fehler des Wiener Hofes, der den Erzherzog abberief, ehe Suworow, der 
ihn ersetzen sollte, angekommen. Also standen augenblicklich den 77 000 Fran- 
zosen nur Korsakow und Motze gegentiber, allerdings in höchst vorteilhafter 
Stellung. 



Pfeffel und Riedei. 



64 t 



ihm Geld ab« Lavater ^ab ihm etwas. Der Soldat aber war 
nicht damit Eufrieden. sondern begehrte mit Ungestüm und 
uuter Drohungen einen neuen Thaler von ihm. Auch diesen 
erhielt er» jedoch mit der Bemerk 11 ng, dass wenn er künltig 
einen ehrlichen Mcinn um eine Gefälligkeit anspräche, er höllichcr 
seyn mögte. Der Franzose begnügte sich und die Sache schien 
beigelegt Aber im nemlichen Augenblick näherten sich Lavatem 
von liinten zween Schweizersoldateo, wovon der eine» ohne den 
geringsten Wortwechsel, ihn mit dem Bajonett durchstechen 
wollte. Der Stoss wurde von den auf Luisens Ritte eben 
herbeigeeilten Nachbarn abgewendet, Lavater aber, indem er 
sich in ein nahes Haus retten wollte^ ward von einer Flinten- 
kugel erreicht, die der zweite Schweizersoldal in sehr geringjer 
Entfernung auf ihn abscho^s und die ihm seitwärts den ganzen 
Unterleib durchbohrte. Urlheilen Sie von der Bestürzung seiner 
Gattin und Tochter, die Zeugen von diesem Aultritte waren» 
Krstere reichte mir in stummer VVehmuth die Hand, als ich 
heute zu ihr ins Zimmer trat* Es ist alles Nacht um mich! war 
alles was sie sagen konnte. Als man dem theueren Kranken 
sagte, dass ich da sey, sagte er mir, dass nun der gestrige 
Schmerz nachlasse, dass er sich aber sehr schwach fühle. Er 
entschuldigle seinen iMörder, indem er die That der Trunkenheit 
zuschrieb. Beten Sie für mich, sprach er, indem er mir die 
Hand zum Abschied reichte, dass ich micii mit kindlich- 
geduldigem Sinne der Fürsehung unterwerfe, wenn sie mich auch 
aul harten Wegen fuhrt ! 

Koch lasst sich nicht mtt Gewissheit sagen« ob keine inneren 

_Theile verletzt sind; doch hoffen die Aerzte« dass die Wunde 

r sieht tödtlich seyn wird. 

Unser General liess vorgestern mit Tagesanbruch auf der 
ganzen Linie angreifen. Um sich der Stadt von zwo Seiten 
n^^hem zu köoneu, wurde bei DieUkon eine Brücke über die 
Limmat geschlagen'). Die Russen fochten wie Löwen, liessen 
sich aber von dem grossem Tbclle ihrer Macht, der auf der 

j Anhöhe hinter dem ZOrichberg stritt, abschneiden und in der 

} Stadt umringen, auf die nun auch gegen Abend vom Uctüborg 
am mit der grössten Heftigkeit losgestürmt wurde. Unbeschreiblich 



*) »La rivi^re y forme uo coade donl U comvexJt# ««t ven U rire giodit 
et Uvrc p«r cons^cfuitnt h ttrntin de la rive drotle mu fen critisd dt t*iiriilJerte: 
de grandei l>ouquett de hnU, qtil donnrnt au \^ft un asftect pittitre»qtie, 
vAinit k tnm&<]uer \c iifoL« {Golhfn% S. 2*>o), — •Mouvemmt 

' toiirrunt d'Oudinot, qui 1 1 • LinimAt avcc 1 5 000 hommc«, coli've le 

cmmp de Hou£, devtnce lei Russei sur U route de Winterihur et Jeuf conpe 
U retraite. Le lemlemain, U rrjoini Ma»«4iia dam Zurltb, et 15 jotirt uprH 
U prenil Constaitce.« (Gaito» Stieglert Le Mar^hal Oudtftot. Paris, >99^ 
LS jta) Scbon am 14. Aa^. ia Schwys haltt Ondlocit die Armee vor der 
^Um2tnj*elttiig gerrtteL 

4a» 



642 Schoell. 

fürchterlich war dieser Abend: Die Dämmerung sank bereits 
ins Thal hernieder, die Erde erbebte vom Kanonendonner und 
dem Schlachtgeschrei, die grauende Atmosphäre ward vom 
Pulverdampf verfinstert, die Stadt schien ganz in Feuer zu stehen. 
Die Russen aber standen wie Mauern und lachten unsers 
Generals, der sie zur Uebergabe auffordern liess. Die Nacht 
machte endlich dem Gemetzel ein Ende. 

Gestern früh begann es wieder mit neuer Wuth. Erst gegen 
Mittag, als der Feind sich immer enger eingeschlossen sah, 
suchte er sich mit der Flucht zu retten. Einem Theile desselben 
gelang es sich durchzuschlagen^); der andre aber — eine sehr 
grosse Zahl — wurde zu Kriegsgefangenen gemacht. Viele 
tausend Ver^vundete blieben in den Spitalern und auf dem 
Schlachtfelde zurück; und sehr viele Artillerie und Bagage, auch 
ein ganzes Zeltenlager, fielen in unsre Hände. Beim Einzüge 
that Mass^na sein Möglichstes um Plünderung zu verhindern. 
Im Ganzen gelang es ihm auch; und Zütich darf sich, als eine 
im Sturm eroberte Stadt, sehr glücklich schätzen. Nur wenige 
Familien sind misshandelt worden und haben den Verlust ihres 
Vermögens oder eines ihrer Lieben zu beklagen; aber desto 
mehr Unfug soll auf dem Lande verübt worden seyn. Nur 
wenige Häuser in der Stadt sind von Kanonen leicht be- 
schädigt. 

Die Russen beschreibt man als ein gutmüthiges, genüg- 
sames Volk; und wenn besonders beim Rückzuge Gewalt- 
thätigkeiten von ihnen begangen wurden, so darf man sie gewiss 
nicht der grössern Menge zuschreiben. Unsre Armee lässt ihrer 
Tapferkeit hohe Gerechtigkeit widerfahren. Jetzt stehn unsre 
Truppen, wie man sagt, in der Nähe von Winterthur. Was der 
Erfolg unseres Angriffs auf den beiden Flügeln, bei Brugg und 
dem Wallensee, gewesen, weiss ich nicht. Letzterer Division^) 
hat man diesen Abend in Eile die unsrige zu Hilfe geschickt. 
Auch wir haben bereits Ordre, gegen Einsiedeln aufzubrechen. 
Professor Breitinger lässt Sie grüssen: er hat im Sturme nichts 
als das Unvermeidliche gelitten. . . . 

Ihr Brief ist glücklich zu Aarburg angekommen, aber noch 
nicht in meinen Händen. Fahren Sie fort, Ihre Briefe dorthin 
zu schicken, da ich nicht weiss, wo wir hinziehen. Freund 
Oberlin, der mit 3 seiner Kameraden 1200 verwundete Russen 
zu verbinden und zu besorgen hat, und bei seinem peinlichen 

^) Erst in der Richtung nach Winterthur, dann nach Eglisan und 
Schaffhausen, wo der Rheinübergang in grosser Unordnung erfolgte. — 
*) Unter Soult, der gleichzeitig bei Bellen die Linth überschritt, Schännis 
erstürmte, (wo Hotze, unweit seiner Geburtsstadt Rapperschwyl, den Heldentod 
fand), und das ganze ihm gegenüberliegende rechte Ufer besetzte. Rieder 
gehörte zur 4. Division. 



Pfeflfel tiod Rinder. 5^j 

Handwerke sehr viel leidet, lässt sich Ihnen empfehlen. Zu 
Herrn Dr, Hirzel *) habe ich noch nicht kommen könneuc. 

Soweit Rieder's Bericht. Einen andern erhielt PfeflFel 
aus Lavater*s eignem Munde, in der Form einer 2. poetischen 
Epistel, Da dieselbe keinen litlerarischen Wert hat» 
teilen wir nur den Inhalt kurz mit. Das in der i. Epistel 
erzählte weiter verfolgend, spricht Lavater von den 2 
Verhören» denen er in Basel unterzogen worden, und 
worin sein P'reimut ihm das Wort der Entlassung erwarb. 
Allein Zürich wieder zu erreichen war kein Leichtes, fn 
Baden wfurde er aufgehalten und wäre nicht weiter 
gekommen , wenn nicht Pfenninger-), der des Nachts 
Mausuniersuchung und Schriftenbeschlag bei Lavater vor- 
genommen hatte, ihm sein eignes Fahrzeug angeboten 
hätte, um ihn zu Massena zu führen* Da letzterer gerade 
abwesend, geleitete ihn Pfenninger bis nach Knonau bei 
Zug, wo Schwester und Neffen ihn freudig empfingen, und 
wo Rieder und Oberlin ihn besuchten- 5 Wochen lang 
besorgte er dort das Amt des eben vom Schlag getroffenen 
Ortspfarrers und kehrte dann, da alle Versuche weiter 
vorzudringen scheiterten, mit t andern Züricher Ver- 
bannten nach Basel zurück. Erst am 16. Aug., nach genau 
3 monatlicher Abwesenheit, war er wieder glücklich im 
Kreise der Seinen. 



•) Hans Kaspar. Ant un<i Oberstädttai (1715—1803), dessen Bruder 
Salmnaa (1727 — 1818) als StaJitimann uod Geschicbtff&direiber bekannt tsL 
Bdd< "^twttti Mitglieder dei helvetischen Geselkcbmü. Entetem Hatte Pfeffel 
1797 iwei Gedichte gewidmet. 1786 wir Heinrich Hinel (1766—1333), 
«p&ter Zürcherischer Chol bcrr und Profesior der Kinrhengeschichte und Philo* 
•ophie, in Kolmar. — ') So hiess ein Pfarrer am Fraucnmunsier tf 1775)* 
Von dessen S^ihnen ward einer (»747—^3) Diakon bei Si.»Prter; der andere, 
I{einrich» »lenite die Malerktinst bei Bullinger in Zürich und in Dresden 
bei Portrfltmaler Anton Gnflf au Winlerthttr. verferttgle Lavaters Itildnii 
^lUid lieferte ricle Zeichnnngen fltr dr^ iö^noroische» Werk* Ein 

Bdcrcr Malet «nd Siechet, Job. Pf. r —Zürich 1815) arbe&tel« 

fttich für LaYAter*. »Pfaniiennchtnid, S. 30^^ VgL AUatia, 1873, S, 10, 87 
Olid 99. — Cber Laralers dajmalige poUdsche Thatit^krit y{1 diese Zeit- 
•dififk, iS^S» S. 181. 



644 SchoclL 

V. 
Nach der Schlacht, his zum Urlaub. 

In den Winter 1799— 1800, aus dem uns keine sonstige 
Xachricht vorliegt, fallt wohl Rieders Aufenthalt in Bern, 
Zug und Winterthur, von dem Kuntz weiss (S. 26). Sicher 
ist, dass er im Januar zum i. Kriegsgericht der 3. Divi- 
sion ins Zentrum der Donauarmee nach Trogen kam. 
Über seine dortige Lage und Stinunung berichtet er am 
17. Februar: >Am wohlsteo ist mir in St. Gallen, wo ich jede 
Woche hinabsteige und bei der theaem Pfanfamilie Zollikofer^) 
einkehre. Hier wird der Wunsch, von diesem harten und zweck- 
losen Stande schleunig erlöst and in eine meinem Wissens- 
darste günstigere Lage versetzt zn werden, so laut in meinem 
Herzen, dass ich mich oft der Thränen nicht enthalten kann. 
Ach wössten Sie ein rechtmässiges Mittel zu meiner Befreiung, 
so beschwöre ich Sie bei Ihrer Freundschaft, es mir unverzüglich 
anzuzeigen. Meine Hand zittert, ich kann nicht weiter; aber 
ich musste einmal mein Herz erleichternc. — Dieser heisse 
Wunsch des empfindsamen Jünglings sollte nun bald in 
Erfüllung gehen. 

>Nach langem Harren, antwortet ihm Pfeffel am 1 3. März, 
hab' ich endlich wieder einen Brief von Ihnen, und zwar vom 
28. Regenmonat. £r lief den 13. 2) bey mir ein, nachdem ich 
Tags zuvor von Ihrem auferstandenen Freund Oberlin einen 
angenehmen Besuch erhalten und Ihren Aufenthalt in Trogen 
erfahren. 

Den Barden v. Riwa*) kenne ich nicht, da das schweizerische 
Museum nie zu mir gelangte; allein ich schätze ihn wegen der 
Thränen, die er auf dde Asche meines Schlossers*) geweint und 
wegen der Liebe, die er Ihnen bewiesen. Sein junger Freund 
Peter Zwicky*) ist mir sehr wohl bekannt und von Ihnen 



*) Adresse: Webergasse, St. Gallen, Kanton Säntis. Der Ruf des 
Kanzelredners Christoph Z. war bis ins Elsass gedrungen (Lettres de la Bar. 
de G^rando, S. 47). Ausserdem erhielt Pfeffel am 26. April 1789 den Besuch 
von Mariette Z. de St. Gall, und war die Frau des Dr. Busch, dem wir 
später in unserer Erzählung begegnen werden, eine geb. Z. — Ob die zwei 
St. Galler Pfarrer und Lehrer J. J. (1786— 1818), Verfasser der ^Poet. Ver- 
gnügungen« (i8i8j, und Hcktor (1799—1853), dessen Dichtungen 1827 u. 32 
erschienen, Christophs Söhne waren? Vgl. Alsatia, 1873, S. 93. — *) Wind- 
monat = 4. März. — *) Der in dieser Form mir unbekannte Name ist un- 
deutlich geschrieben. — *) Gest. 17. Okt. in seinem Geburtsort Frankfurt, 
den Lina Pfeffel drei Wochen vorher, nach längerem Aufenthalte, verlassen 
hatte. — ^) Eleve bis 1779, schreibt sich 1788 als Laudseckelmeister de» 
Stands Glarus und ehemaliger Major des Instituts ins Fremdenbuch ein, in 
dem auch ein Bannerherr und ein Rat gleichen Namens, bekle aus Glarus, 



Pfcffel nod Rieaer* 



ft4S 



nach dem Leben geschitdert; im Anfang ttnsrer Revolution hat 
er mich besucht und mir seitdem einigemal geschrieben; seit 
der Uraschaifung der Schweiz habe ich nur einen Brief von ihm 
erhalten ') und beantwortet. Sein Vetter, der Sohn eines edlen 
Vaters, war immer ein süller, etwas verschlossener Jüngling» der 
weniger Talente» aber einen bestimmlern Karakter^) als jener 

atte. Sein bedauernswürdiges Schicksal geht mir sehr nahe; 

löge er unterdessen wenigstens seine Gesundheit wieder 
'gefunden haben. Nur ein verschrobener Kopf kann einem 
alldemokraUschen Schweizer seine Anhänglichkeit an die 
Urvorlassung seines Landes verargen, Leid ist mir, dass Sie 
einen andern meiner Glamer Zöglinge, den ersten, den idi aus 
jenem Canion bekam, Conrad Schindler») aus MolUs, nicht haben 
kennen lernen. YAn Reisender hat mir erst seit einigen Monaten 
befriedigende Nachrichlen von ihm gegeben. 

Von Trogen hatte ich keine Zöglinge, wohl aber von 
Herisa u einen überaus schätr baren, Namens Schirmer*), den Sie 
vielleicht einmal bey mir gesehen haben. Wenigstens besucht er mich 
seit der Besetzung der Schweiz, so oft seine Heise nach der 
Frankfurter und Leipziger Messe ihn hierdurch führt. Gleich- 
wohl ist mir Trogen nicht fremd: ein Herr Zcllweger war 
Praesident der helvetischen Gesellschaft, als ich 1775 in 
Schinz:nach xum i. Mal in diesem nun leider auch zerrissenen 
Kreise erschien; und seine Weise und biedre Antrittsrede trug 
nicht wemg daxu bey, mich mit tiefer Achtung gegen diese in 



wohl die Vlier der fwei SchJÜer (K««p*f, *itii|:e Zeikn weiter erwAhnti war 
e» 77 — 8U, nm 1777 liehen. Au9»ertlfriii war ein Kildolin Z,« aus MolUi 
l)*i Gl&rus, am 17. M&rx 86 in Kolniar. wohl derselbe, der 1773 Stmsiburger 
StudeiU war. Wir htben iwci Briefe Peier Z/s an Pf: der eiste (7, Apr« 
9O) isi eine Empfehlung für seinen flüchtigen Freund Bilkter aus SUtii, der 
»ndere (7» Juli (>S>» von dem P£, hier spricht, kAndlet velsitfi baldigen ßesucli 
in Kf>ltn9ir au, 

•) Der heilte noch vorhandeii iit. — •) Erionert an Kalnc*« Worte au« 
der Vorreih' su AtlJi TroH: »Da« Talent war di'^ - sehr mis»Üche 

Begnbui}):« denn et) brachte in Venla^ht der Char.' .iL Die &che<cU 

Nüchtige fmpoieniK hatte endlich UAch looojfhrtgem Nachgnibeln ihre grtiase 
Wnffe gefuiiilcn gegen die Übermütigen dea Geniü»; tie fand nAmUch di€ 
Antitheae too Talejit und Charakter« ti« s* w* — > *| Zwei Kri^gtschQtipf ftlhrtea 
rtle$en Namen: der entere, Sohn des Glarnrr Ob«»r»ewgherrn, trat Ende 
Febrtiar 1776 an» und retate gegen Neuj^ihr 1752 dureh Kolmar auf einer 
Belehruogf reise nach Deul&chUnd. Pteffcl gab ihm (Qr I^uuey eine Empfehlung, 
au^ der wir erfahren, d4AJ. der ütieibrmgef Sali*' Zögling war, ehe er die 
Krieg^scliule besuchte. Der Andre, Konrad S. trat tn die Anstalt ein am 
Tage, wo der cr^tcre aie verlieai. Des IcUtern Bruder Kaspar war ^gUng 
April 1775 bis April 1777. Der 2«Qgherr Kaapar S, und Chorrichtcr 
Konrad S* beaucbi«it P(effel den 17. Mirt 1786. — ') — Joh. Konr.» eii>* 
getr. £o4« Juni 81. abg t2. 



646 Schoell. 

ihrer Art einzige Versammlung gleich Anfangs zu erfüllen. 
Vermuthlich ist dieser würdige Mann eben der, in dessen Familie 
Sie eingeführt sind; in diesem Falle bitte ich Sie, ihn meines 
unvergesslichen Andenkens zu versichern. 

Auch aus St. Gallen hatte ich drey Eleven, deren Vater 
während ihres hiesigen Aufenthaltes starb, und von denen der 
jüngste ihm kürzlich ins bessere Leben nachgefolgt ist. Dieses schrieb 
mir der ältere, Bartholomäus Binder^), durch einen Reisenden 
Namens Funterer, den er mir empfahl. Ich hoflfe, er werde 
meine Antwort vom 28. Jenner empfangen haben. . . . 

Unsre neue Regierung 2) scheint mir mehr als die vorigen 
die Jünglinge zu begünstigen, welche sich den Wissenschaften 
widmen. Der durch das Tribunat^) bereits angenommene Gesetzes- 
vorschlag wird Ihnen bekannt seyn, wodurch in Zukunft die 
schwächlichen oder studierenden Conscribierten sich durch die 
Stellung eines tauglichen Rekruten sollen dienstfrey machen 
können. Von denen, die im Dienste sind, geschieht keine 
Erwähnung; allein auch diesen soll der Abschied ertheilt werden 
können, wenn sie obige Bedingung erfüllen. Solche Abschiede 
fertigt aber bloss die Administration des Corps aus, bey dem 
der Conscribierte steht. Die. bereits verabschiedeten, wie z. B. 
mein Karl, sey die Ursache noch so gerecht, müssen für ihre 
Entlassung noch 100 Thaler nachbezahlen, falls ihre oder ihrer 
Eltern Auflagen 50 Frank übersteigen. Sobald das Gesetz 
angenommen und die VoUziehungsinstruction erschienen ist, 
will ich an Ihre Freundin Lorenz schreiben, dass sie im Türck- 
heim'schen Hause Erkundigungen einziehe, ob diese Verfügung 
nicht auch auf Ihren Fall anwendbar sei. . . . 

Dies ist leider alles was ich zu Ihrer Beruhigung thun kann. 
Der Mangel, darinn man Sie schmachten lässt, durchschneidet 
mir das Herz; ich weiss aber von Oberlin, dass Ihre Eltern 
Ihnen Geld geschickt haben; sollte es Ihnen nicht geworden seyn? 

Den Damenkalender schicke ich Ihnen nicht, weil er Sie 
vielleicht so viel Porto als Ankauf kosten würde. Da die Armee 
kürzlich einen Theil ihrer Rückstände bezogen hat, so sind 
hoffentlich auch Sie bezahlt. Ist*s nicht geschehen, so kann 
Ihnen ja ein St. Galler Handelshaus gegen einen Wechsel auf 
Ihren Vater aushelfen, Sie sind Ihr eigner Feind, w^enn Sie 
lieber die Flinte als dieses Mittel ergreifen. Ungeachtet sich 



») Eleve von Sept. 1788 bis Sept. 90. Nach Ehrlens Verzeichnis hiess 
einer seiner Brüder Karl. Ein Pf« B. steht im Fremdenbuch unterm i. Nov. 90. 
— *) Am 9. Okt. war Bonaparte in Fr6jus angelangt; am 9. Nov. stürzte er 
das Direktorium und wurde Erster Konsut. — ') Das durch die Konstitution 
vom J. Vni geschaffene, aus 100 vom Senat in der sog. Nationalliste 
gewählten Mitgliedern bestehende Tribunal hatte die vom Staatsrat vor- 
bereiteten Gesetze öffientlich zu besprechen, über die erst nachher die endgUtige 
Abstimmung des gesetzgebenden Körpers erfolgte. 






Tfcffel und Rieder. 



647 



desige und alle benachbarte Garnisonen zum Kriege rösteni sind 
■auch bey uns die Fnedeusgerüchte nicht gan* verschwunden. 
Wird unsre Hoffnung wieder getäuscht, so steigt unser Elend 
aufs höchste. Heute sollte raein Freund Camille ') in Paris 
ankommen, von wo Barthdlemy mir bereits geschrieben, Karl 
ist nun in Reims fixlrt« da sein Patron ihn mit in Socieiiit 
genommen 2). Gerando ist noch in Paris; nächstens wr^rdt^ v. h 
seine Preisschrift erhalten» aus der ein Buch geworden 

Pfeffels Friedenshoffnungen sollten noch ein volle*» 
Jahr ihrer Verwirklichung entgegenharren. Massena war 
eben nach Italien abgegangen, wo in Genua neuer Ruhm 
seiner wartete. Sein Heer, mit der Rheinarmee vereinigt, 
kam unter Ätoreau's Kommando, der in Basel sein Quartier 
hatte und von da aus am 27. April den neuen Feldzug 
eröffnete. Die erste Waffenthat desselben war Lecourbe*s 
SieiJ^ bei Morskirch (4, Mai): die letzte die Schlacht bei 
Molienlinden (3 Dcx.). Bonaparte seinerseits begann am 
I ; Mai den Übergang über den St. Bernhard und 
lieterte am 1 4* Juni die Entscheidungsschlacht bei Marengo. 
Doch kehren wir zu Pfeffel zurück. 

Seinem Versprechen gemäss, erkundigte er sich bei 
Türckheim über die Möglichkeit der Befreiung Ried«rs. 
worauf Letzterer von seinem Strassburger Gönner dieses 
tröstende Billet (25. März) erhielt: 

*Da der Zu&tand meiner Augen mir seit 6 Wochen verbietet, 
die Feder zu führen, so ertheile ich Ihnen durch frenade Hand 
'dt^n Rath, aile mögliche Mittel anzuwenden, damit die lOo* 
Halbbrigade Ihnen einen Abschied gebe, bevor sie aufgelöst 
wird. Man versicherte mich, da*is dies möglich seye, insofern 
die Beysitzer Ihres Kriegsrathcs bezeugen, daits Sie zum Kriegs- 
dienst nicht tauglich seyen, und aus ebeu der Ursache ah 
Sekretär angestellt worden, da Ihre vorige Lautbahn blos 
den Studien gewidmet war. Erhalten Sie ähnliche ' e, 

oder noch besser einen Abschied von der Halbbrigadi u, 



*) JördAfl (1771 — 1H21), «iet bekannte StaAtstnann uml Scüti tut eher, von 
dem jung»! talilteich« Briefe, besondein aus »eitier Oppositionsxeii unter der 
RctiAaration, vcröffenihcJit wuttifn. Übe? »eliie mit G^r^ndo geleilte Vtr* 
bannuagSEeit üi DeuischlAnd, atehr die Hriefe der Fr. v. G^nuiio to der 
Kevue d'Alsace l8<)6. Baith^lemy war Mitghed de« Direktariumt (to. M«f 
bi» 4. Sept* 97), wurde nach Cayenne deportierte entfloh, wtirde ttach dem 
ti. Bnimaire Vkepriaideni dei Senats Qnd trug ali solcher stir Streichmc^ 
des Dipl. Pfeflel von der Emigriertenlr^te viel bei, — *) AI» drtiler Ted- 
nehiucr tna Haus de Guinouth, da« nach einem JaKr in Konkurs geriet. 



648 Schocll. 

SO schicken Sie solche an die Gemahlin des Bürgers Mathieu % 
Generalcommissärs der Armee in Basel«. 

Andrerseits meldete Pfeffel am 16. April: 
»Aus Ihrem Brief vom 10.*), der 13 Tage lief, ersehe ich, 
dass diesmal meine beyden letzten geschwinde in Ihre Hände 
kamen. Stöber war bey uns, mit dem ich mich über die Mittel 
Ihrer Befreyung besprach, die von Strassburg aus betrieben 
werden muss und wird. Der Ordonnateur g6neral Mathieu, 
dessen Gattin, Caroline Frank, Türkheim's Nichte ist, soll sich 
Ihrer annehmen. Amalie Dietrich^) forderte mir zu diesem 
Behufe ein Zeugniss ab, dass Sie ein Jahr bey mir als litterarischer 
Gehilfe standen. Ich Hess zugleich die Versicherung Ihrer 
schwächlichen Leibesbeschaffenheit mit einfliessen, erfuhr aber 
seither nichts weiter. Indess freut mich herzlich, dass Sie die 
Dollmetscherstelle behielten. Wenn Sie vom Dienst los sind, 
wird es erst Zeit seyn, Massregeln wegen Fortsetzung Ihrer 
Studien zu verabreden; freylich kann das in Deutschland am 
besten geschehen, wo ich leider keine Verbindung habe als mit 
Cotta *). Bey diesem will ich anfragen, ob er Ihnen in Tübingen 
gegen einige Arbeitsstunden freye Unterkunft verschaffen könnte. 
Da ich von ihm noch keine Damenkalender erhielt, so disponirte 
ich über Ihre Exemplare per consensum praesumtum zu Gunsten 
von Minna und Fanny 5). Freund Hagenbach ist nach Basel 
zurückgereist«. . . 

Am 23. April schreibt Frau Lorenz an PfeflFel: 
»Ihre Zuschrift erhielt ich diesen Morgen und ersah daraus 
Ihre treue Sorgfalt für unsern Rieder. Herr Türckheim, zu dem 
ich sogleich ging, sagte mir, er habe mit seiner Gattin ß) und 
Herrn Redslob berathschlagt, glaube aber nicht, dass Rieder 
von der neuen Verfügung Gebrauch machen könne, in der 
keine Rede von denen ist, welche schon im Dienste stehen. 
Er versprach, der Sache noch nachzuforschen. Auch mit Prof. 
Oberlin sprach ich, der ebenfalls Sorge tragen will. Sollten 



*) Türckheims Nichte. — *) Germinal = i. April. — •) Am. v. Berck- 
heim (1776 — 1855) hatte im Juni 1797 den Sohn des ersten Strassburger 
Maire's geheiratet, der jedoch schon 1806 starb. — *) Friedrich Cotta war 
damals 36 Jahre alt. Sein Buchhandel bestand in Tübingen seit 1787. Auch 
in Stuttgart, München und Augsburg hatte er blühende Niederlassungen. 
Mit Pfeffel brachte ihn die Herausgabe der »Flora« und des »Damenkalenders« 
in Verbindung. Seine weiter unten erwähnten Reisen nach Paris lührte er 
im Auftrage der württembergischen Regierung zu politischen Zwecken aus. 
— *) Minna Luc6, geb. Wild. Fanny von Bcrckheim (f lO. Febr. 1801). 
Hagenbach, als Sekretär durch seinen Landsmann Merian ersetzt, reiste fol- 
gendes Jahr nach Thüringen, um das Forstfach zu studieren. — «) Lilli 
Schönemann. 



Pretlcl und Ried^f. 



ü4<^ 



Zeugnisse von den hiesigen Herrn Professoren oöthig seyn? Die 
wollte ich bald haben«. . , * 

Die Entscheidung kam. Rieder erhielt vorläufigen Ur- 
laub und reiste sofort über Kolmar nach Strassburg. 



VI. 
Auf Urlaub. Bis zum Besuch in Kolman Mal — Juli iBoo. 

Dorthin schrieb ihm PfeflFel am lo. Mai; 

»Ich danke Ihnen für die erfreuUcbe Nachricht von der 
gidcklichen EJnleiinng des Geschiiftes Ihrer Dienstbefreyung, und 
hoffe den guten Erfolg der Bemühungen Ihres neuen Gftfmers*), 
Ich verschob meine Antwort* weil ich noch immer atil eine vou 
Cotta wartete, diese ist gestcni eingelaufen und lautet also: 

•Für Ihren Rieder will ich wegen Kost und Logis nach 
seinem Wunsche aiu morgen suchen* ich Mchreibe dies im Augen- 
blick meiner Abreise nach Lei^zig^ ich kann also noch nicht!« 
bestimmtes melden. Senden Sie ihn aber bei seiner Hieherkunft 
gerade in mein Haus«, 

Da Cotta mit Anfang Juni wieder in Tübingen seyn und 
Ihre Abreise sich wenigstens so lange verzögern wird^), so 
erhalte ich vielleicht bis dahin bestimmtere Nachrichten. Endlich 
meldet er mir den Abgang meiner Daraenkalcnder, deren 
Empfang mich in Stand setzen wird, meine Schuld bey Ihnen 
„gut zu machen. Diesen Brief gebe ich Herrn Hageubach mit '*) 
lebst einem von Cotta für Herrn Engelbach *). Ich schliesse 
ihn nicht hier ein, damit» falls Sic nicht in Strassburg sind, die 
Fortsendung desselben nicht verspfitet werde. Vergessen Sie 
mich nicht im Türckhcim* sehen Hause, bey den Herren Blessig*) 
und Hafner und Ihrem Freunde Stober, dem ich für den mir 
mitgetheilteu Psalm danke. Ihre mir hinterlassenen Druck- 
schriften, zumal La Vaters Deportaiionsgeschichte, habe ich mit 
dem wärmsten Interesse gelesen. Meines guten Gevatters 
fortdauernde Ueberzeugung» dass die grösste Freymüthigkeit 
auch die grösste Klugheil scy, beweist mir, class er. den 
Terrerismus, so viel und so gut er auch davon spricht, nicht 



I) Des^ im folgeodea BHef gienuioteo Pnv»t|£elcbrten Brunk. d«n die 

ia 0^71» S. 14S, und 1S51« S 91 «rwAhot. — *) Sie wurde bis Anfiin|*t 

VI her verzögert, — *) Der amdi Thtlringen rtiitc, — *\ Der Fninkfiixtcr 

r 0. Enjgdbach besiidite Pfeß'^l am i^- Aprti 17M, Friedrich E, 

wdkr mm ». April 1790J Fi«« Mari» Etigelb*cli, (leb* Schmid 

iiod Emu Phihppine Moier, geb. Engelbadt, Ende ^li und F. Cb< Eagel- 

hacb vcifi Zweibrttcken im Apnl 179I. (Vgl. Alaatia, 1^$}, S. 11, to«iJ — 

*> Ble>sig (1745^1816) besuchte Pfcffel Aiifuogi Sept 17S4, 



650 



Schoell. 



wie wir in seiner ganzen Stärke erfuhr. Freymüthigkeit ist 
immer Tugend; und wenn man reden muss, ist sie Pflicht. Ob 
sie aber der guten Sache mehr oder weniger schadet als ein 
weises Schweigen, ist eine andre Frage. 

Die übrigen Broschüren sind eben so wohl gedacht als 
geschrieben. Ich sende Ihnen alles durch Hagenbach zurück 
und melde Ihnen nur noch zwo gleich traurige Nachrichten: 
dass vor 3 Monaten mein blinder Freund Weissenburg an einer 
langwierigen Krankheit in Mannheim gestorben, wie mir vor 
wenigen Tagen sein Sekretär Schmitt ^) meldete; und dass beym 
Ueberfalle von Freiburg mein guter Jacobi mit vielen andern 
geplündert worden ist. O des abscheulichen Krieges!« 

Rieders Antwort und Pfefifels Rückschreiben sind 
Vieren. Am 10. Juni schreibt Ersterer: 

»Ich benutze die Gelegenheit, welche Fr. Lorenz mir 
anbietet, um Ihnen den Empfang Ihres vorgestrigen Schreibens 
anzukündigen. Noch ist mein Abschied nicht ausgeliefert, wird 
es aber nächstens werden, wenn er nicht an die Halbbrigade 
zur Unterschrift geschickt werden muss. Vermuthlich hat der 
Quartiermeister zwo unterschriebene Exemplare, die nur aus- 
gefüllt werden dürfen. Wenigstens glaubt dies Herr Brunk, der 
ihm meine Reform- Certifikate selbst eingehändigt hat. Sobald 
ich ganz frei bin, komme ich zu Ihnen, um in Ihrem Umgang 
des langentbehrten Glückes zu gemessen, das Ihre Freundschaft 
mir wieder anbietet. Auch um Ihren Rath zur zweckmässigsten 
Einrichtung und Führung meines akademischen Lebens will ich 
Sie dann bitten. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie 
mir Herrn Cotta's nähern Bericht sogleich zusenden wollten, 
um dann des Weitern mit meinen lieben Eltern verabreden 
zu können. Meine Adresse ist Marais verd, n^ 11. Da aber 
dies ein Quartier ist, in das der Briefträger weder oft noch 
gerne geht und das Haus, wenn ich nicht eben da bin, meist 
verschlossen findet, so wäre es wohl besser, wenn Sie fortfahren 



*) Christian Schmitt aus Barr war gegen Neujahr 1787 bei Pfeffel, der 
auf seiner Pßlzerreise (Frühjahr 83) mit Weissenburg in Mannheim zusammen- 
traf und dessen Behendigkeit im Rechnen bewunderte. Die für die Lese- 
gesellschaft bestimmte Beschreibung dieser Reise steht in der Alsatia 1873, 
271. Weissenburgs Vater war Oberelsässer und kurpfölrischer Kammer- 
diener. Erblindet war er seit dem 4. Jahr, wie die Klavierspielerin Paradis, 
deren Briefwechsel mit ihm zum Teil in den »Rheinischen Beiträgenc erschien. 
In den Revolutionskriegen verlor er Vermögen und Gesundheit Wir besitzen 
ein Bruchstück des Briefes, in dem er (3. Dez. 1784) Pfeffeln meldet, dass er 
»Niesen, den besten Freund, dessen ich in der Welt mich rühmen konnte, 
dem ich mein ganzes Wissen, ja mein vernünftiges Dasein verdanke«, verlor, 
und der mit dem Ausrufe schliesst: »O Theuerster, werden Sie, was mein 
Niesen mir war!« 



Pfeflel «od Rieder. 



65» 



wollten, Ihre Bnefe an Fr. Lorenz tu schicken, der ich jedestoal 
die Porto-Auslagen ersetze. Wenn sich zur Ueberschickung der 
Damenkalender keine Gelegenheit findet, so vertraueti Sie 
dieselben immerhin der Diligence an* Die 4 Fr„ die sie kosten, 
werde ich ihnen persönlich zustellen. Man hat Sie mit Grund 
versichert, dass Herr Bnink nächstens ein GUed der Tiirkheiin'schen 
Familie werden soIL Herr Blessig ist auf seinem Tu^culum, wie 
er es heisst, xu Dorlisheim, kömmt aber Samstags liieher«. 

Pfeffel g-iib sogleich die Bücher dem Postwagen und 
schrieb an Cotta. »Sobald ich seine Antwort erhalte» meldet 
er seinem jungen Freunde, sende ich sie Ihnen. Er 
ist nun von der Messe zurück. Dies schrieh er mir 
den 2, Juni im Augenblick seiner Ankunft mit zwei Worten^ 
aber ohne Ihrer in seinem Briefe, den Ich mit letzter 
Post erhielt, zu erwähnen. . . Der beygeschlossene Brief an 
Schweighäuser nuthigt mich, Sie um einen Dienst zu bitten* 
Es ist ein Empfehlungsschreiben» das ihm zween interessante 
Reisende, die mich neulich besuchten, in Paris übergeben 
sollen*), Jhrc Namen sind Wiebekind und Rousseau , aus 
dem Darmstädtschen. Sie haben mich gebeten, den Briel 
nur dem Buclihfindler Levrault, dem Schwiegernohn des Herrn 
^cherx. zustellen zu lassen, mit dem Fj-suchen ihn an sie jtu 
befördern. , . Nachbar Bmrhwald«) freut «ic!» recht herzlich ober 
Ihre Befreyung^. 

Es folgt noch eine Nachschrift, die trotz ihres eigen* 
artigen Inhalts, in gewisser Beziehung lesenswert ist: »In 
dankbarer Beantwortung Ihrer freundschaftlichen Anfrage iässt 
meine Frau Ihnen sagen , dass sie 50 Stück Setzlinge Kohl 
und 100 Stück Setzlinge Blumenkohl brauchen könnte. Was 
i<Jen Vcn^and betrifft, so dürfen Sie die Ptlanaen nur in einem 
wohl verwahrten Packe unter der Adresse des Cit* PfeffeL 
Dürecicur des Frostes k Colmar, dem Strassburger Direktor Herrn 
Bruibot an einem Posttago und zwar spätstens um 12 Uhr mit 
der Bitte zustellen lassen , solche dem am selben Tag« 
abgehenden Kurier mitzugeben«« 



I)' ScbweifhAoser war aUo wieder in der Hauptstadt. Ob Jetzt tchon 
i)» Ettlfber b«i Voyer d^j\r|irrrson, b^i dem er noch 1807 Ist? Im H^bft 
17^5 hAHe er, »In s^kfriat »!«■« nn«» nun wohlbekannten KommisfJtrs MaiJil«rtt, 
2 Monau; br:i 1 r Hoff^noof*« die jrd<xh fr hl scldu|f^ 

IQ der Kohiim _ lit m wvrdrn Im FrühUnu reiste et 

dano nach Purit. Er biit» abn^eoa ««lloii 1793 einlies ^il alt Ffeiwilti^r 
Ucdient. — «) Hdnr. Et»«* Ca«ii1l Puchwald« PreflVU ICoUfKt In dcf Jury 
der Zentralicbulr, war mk tiemselhen nnd dem Prof Fhi!»(*p Hcü» Zeug« 
bei der Ziviltrauung voo Aug. Parier und Henriette v. Befsbeiin, FttitMg den 
JJ. Juni 1798, Rieder war gewiis auch rugegto. 



652 Schoell. 

Die Antwort lautet (21. Juni): »Nur ein Wort, um Ihnen 
den Empfang der Kalender anzukündigen. Möchte ich Ihnen 
doch recht bald den Werth derselben mit eigner Hand abtragen 
können! Der Brief an Schweighäuser ist besorgt. Die Setzlinge 
sind noch zu klein zum Ausziehen. Bis zur Mitte der künftigen 
Woche aber werde ich sie Ihnen entweder durch Hrn. Brulbot 
oder Fr. Lorenz zuschicken. Hr. v. Türckheim ist seit wenigen 
Tagen aus Paris zurück, auch Prof. Blessig befindet sich 
wieder hier«. . . . 

Die geplante Reise der Fr. Lorenz erfolgte 8 Tage 
darauf und Rieder gab ihr einige Zeilen mit, darin er 
u. a. sagte: »Leider muss meine Befreiungsacte zum Korps 
gehen, um dort unterschrieben zu werden. So werde ich vor 
meiner gänzlichen Befreiung, mit Erlaubniss meines Capitäns, zu 
Ihnen kommen müssen, wenn ich mir dieses Vergnügen vor der 
Abreise nach Tübingen verschaffen will. Vorgestern habe ich 
mich auf dem Paradeplatz vom Gen. Jordy müssen mustern lassen, 
und da erfuhr ich, dass mein Abschied zwar geschrieben, aber 
noch nicht fortgeschickt ist, und dass meine gänzliche Befreiung 
kaum nach zween Monaten erfolgen werde. Ihren Brief erhielt 
ich, da eben der meinige in Ihren Händen gewesen sein wird«. 

Frau Lorenz blieb mehrere Wochen im gastlichen 
Hause des Dichters, welchem Rieder am 15. Juli schrieb: 

»Die Nachricht, dass Fr. Lorenz im Laufe der kommenden 
Woche Ihren Familienkreis verlassen will, hat meinen Reise- 
entschluss bestimmt, und ich denke, Ihrer gütigen Einladung 
gemäss, nächsten Samstag bei Ihnen einzutreffen. Ich habe 
bereits von militärischer Behörde die Erlaubniss dazu und werde 
morgen nach Barr und ins Steinthal abgehen. . . Welche Berichte 
haben Sie von Hm. Cotta? Man sagt hier, er sey als Staats- 
gefangner auf eine Festung gebracht worden. Zwar sagte man 
es schon vor seiner Abreise nach Leipzig; indessen soll jetzt 
die Nachricht von der Famih'e Gmelin, aus der Mad. Cotta eine 
Tochter ist, kommen. Hr. Engelbach weiss nichts davon, das 
tröstet mich in etwas. 

Unser gestriges Fest ^) war glänzend, doch klebte ihm noch 
etwas von der Kälte der Directorialfeste an. Das Pferderennen 
in der Ruprechtsau, das wegen der späten Ankunft des Präfects 
erst mit einbrechender Nacht begann, hat leider einem Volontär, 
der dabei Wache stand, das Leben gekostet. Er wurde von 
durch die Nacht daherstürzenden Pferden zertreten. Unmoralisch 
und empörend war das Ziel der Schwimmer, welches darin 
bestand, einer im Wasser befestigten lebendigen Gans den Kopf 
abzureissen oder sogar, wie der Sieger that, abzubeissen. Am 



^) Zur Erinnerung an die Einnahme der Bastille und an das Foederalions- 
fest von 1790. 



, . Ä. <u.^.->*.i_'i 



653 



Vorabende des Festes bat ein Deuts chtfr, Namens Böhm, in der 
Münsterktrche, einem Ungeheuern Auditorium ein grosses selbst- 
componines Musikstück au%eführU das Bonapartes Zug nach 
Italien vorstellen sollte. Sogar das Knittern des Schnees und da^ 
Erkh'mmcn der Felsengipfel sollte gebort werden, leb habe 
nichts gehört als ein läcbcrlicb-uimatürliches Getöse und Zer* 
springen von Schwejnsblaaen, untermischt von wirklich schöner 
Instrumental- und Vokalmusik. . • 

Ich habe hier die Bekanntschaft eines Ihrer ehemaligen 
Zöglinge, Zorn v, Bulach ^) gemacht, und zwar in uuserm 
litterarischen Kränzchen, dessen Mitglied er ist«. 




1800. 



vu. 

Bis zur Abreise nach Tübingen, Aug.— Nov. 

Rieder blieb etwa acht Tage in Kolmar und kehrte 
dann mit Fr. Lorenz, und zwar auf einem lllschiif zurück. 

•Vorigen Mittwoch gegen Mittag, schreibt er am 2. August, 
bin ich mit meiner 1, ReisegeHüirtin glücklich hier angekommen* 
Nur in so guter Gesellschaft kann eine solche Reise in einem 
mit Käse und manchmal noch was ärgerm durchstänkerten Schifte, 
das jeden Augenblick unter lautem Fluchen der Scbiflleule auf 
dem Sand sitzen bleibt, erträglich seyn. Zu IllbausernS) war 
Kirchweih: nur mit Muhe fanden wir schlechte Zimmer und 
Betten, neben welchen unsre so hässliche als unfreundliche 
VVirthin die halbe Nacht unter gellender Bauernrausik tanzen 
hess. Zu Erstein, wo wir erst spät m der Nacht ankamen, fanden 
wir zwar gute Zimmer« mussten sie aber Morgens um 2 Uhr 
hon vetlasücn, um noch bis Mittag auf dem Wasser zu seyn. 
ie wohl war uns, als wir endheb dei langersehnten Zelle gegen- 
über aussteigen durften. 

Üer letzte Abschied von Ihnen ist mir besonders nahe 
gegangen« weil ich itum 1. mal voraussah« dass ich mich auf 
J ' ' von Ihnen trennen würde, Auch war mir jedes Ihrer 
^ ' gioichsam teslameniansch wichtig und rührend und 

wird tief in meine Seele gegraben bleiben, bis ich Sie einst 
wieder und, mit Gottes Hilfe, Ihrer würdiger umarme. Diese 
meine grössere Würdigkeit soll auch der beste Dank seyn, den 
fth Ihnen für Ihre unschätzbare Freundschaft gebe. 

Mein Abschiedsgeschäft ist noch nicht geendigt; aber Hr. 
Brunk hat mir heute versprochen» dem Quartiermeister aafs Neue 



') Vun PfÄfinenscbmid aU Elcirc oicbt crwAhat. — *) twitctiea Gem«r 
und Ktn^koUlidm. Neben der (lottigcn Brücke »tcht noch ein WirtshAtu, 
wo QherRUcbtet werden kann, vielloiclil dasselbe wie damalt. 



654 Schoell. 

anzuliegen und ihm die Ursache meines Drängens zu sagen. 
Ihren Brief an Hm. Cotta habe ich sogleich nach meiner Ankunft 
auf die Post gelegt. 

N.S. Endlich habe ich die »Voyages k Giphantie«, bei König 
u. Fischer, wo ich sie am wenigsten gesucht hätte, gefunden und 
schicke sie Ihnen hiemit. Sie kosten 2 Fr. H. Treuttel und 
unsre übrigen Buchhändler kannten sie nicht einmal dem Namen 
nach. Ich habe sie durchblättert und zweifle, ob sie Ihnen grosse 
Ausbeute für die Flora geben werden. — Dürfte ich Sie bitten, mir 
mit Gelegenheit den Brief zu schicken, in dem ich Ihnen meine 
Reise nach Schwytz beschrieb. Auch ein Heft habe ich bei Ihnen 
zurückgelassen, das unter andern Mathissons Gedicht am Sarko- 
phage des Jahrhunderts enthält und das ich Hrn. Merian^) mit- 
zuschicken bitte. Stündlich erwarten wir um Friederiken.« 

Fünf Tage darauf antwortete Pfeffel: 

»Ich danke Ihnen für das interessante Buch, das mir freylich 
nicht dienen kann. Zum 20. mal bin ich durch das Lob eines 
gallischen Recensenten getäuscht worden. Hier empfangen Sie 
den Betrag Ihrer Auslage; noch weiss ich nicht wann, weil ich 
das Päckchen Hrn. Arnold mitzugeben gedenke, ohne dass die 
Zeit seiner Abreise mir bekannt ist. Ihre Rückreise war eben 
so beschwerlich als abentheuerlich : als ich diese Fahrt machte, 
hatte ich freylich weder eine Kirchweyh, noch Sandbänke, noch 
den Nephitismus einer* Käse fracht zu bestehen. Cotta hat mir 
nicht geschrieben; ist aber Ihr Abschied einmal da, so soll dieses 
Schweigen Ihrer Reise kein Hindemiss in den Weg legen.« 

Dieser Brief scheint recht spät in die Hände des 
Adressaten gelangt zu sein. Wenigstens schreibt Pfeffel 
19 Tage später. (26. August) folgendes: 

»Diesen Morgen war Ihr Freund Stöber hier und fragte mich 
in Ihrem Namen, ob ich die »Voyages k Gyphantie« empfangen 
habe. Diese PVage wunderte mich um so mehr, da ich Ihnen 
ja mit den von Ihnen zurückverlangten Schriften die für gedachtes 
Buch ausgelegten 2 Fr. durch Hrn. Arnold oder M*"* Seith über- 
sandt habe. Ich nenne Ihnen beyde Personen, weil ich mich 
nicht erinnere, welcher von beyden ich in Schoppenweyer das 
Päckchen eingehändigt. Cotta hat mir gemeldet, dass Sie bei 
ihm einziehen können. 

Ich erwarte täglich meine Friederike, deren Gegenwart uqi 
so nöthiger wird, da Caroline schon über 14 Tage das Fieber hat« 

»Gestern Abend, antwortet Rieder vier Tage darauf, 
habe ich durch Hrn. Redslob Ihr Schreiben erhalten und eile Sie 



*) Pfeffels gegenwärtiger Sekretär. Friederike ist die dritte und 
begabteste der Fräulein Pfeffel. 



Pfeffd und Riedel. 



^55 



aus 1 jhe zu ziehen, die >ch Ihnen wegen der -Voyages 

il G}j gemacht habe. Ihr Päckchen lag im Dietrich sehen 

H^u5 iLud war in vollige Veigetsenheit gerathen. ich habe alles 
daiin gefimden. wad Sie mir anzeigen. Schon dorch Mad. Luc^ 
die» IQ Erwartung ihres Galten* sich etliche Tage hier aufliiek, 
habe ich bei Ihnen wegen desselben nachfragen lassen. 

Was Sie mir von Cotta schreiben, hat die Schwermuth ver- 
mehrt, womit die unbegreifliche ZÖgerung meines Abschieds bei 
Immer näher rückender Michaeh's mein Gemüth verdüstert. Seit 
Kurzem ist der junge Hr. Brunk wieder hier und hat mein Geschalt 
seinem Vater abgenommen. Auch Mad. Türkheim ist wieder 
wm dem Wildbad zurück. 

Vor wenigen Wochen ist ein junger Theolog, der schon 
vormals mit mir studierte, ins Stift aufgenommen worden, als er 
eben vun Tübingen ruriickkam. Er gab mir sehr befriedigende 
Nachrichten von der Universität, besonders der theologischen 
Facultät. Mit vieler Wärme nannte er mir Prof. Seybold, als den 
frohlwoUendsten Rathgcber junger Studierender, Wenn Sie, wie 
ch vennuthe, diesen untern Imlben Landsmann naher kennen^), 
so bitte ich Sie mir zu sagen, ob und wie auch ich ihn zur Enl^ 
weffung und Leitung meines Studienplans werde benutzen können. 
Als ebenso wanne Freunde der Jugend schilderte er mir auch 
Prof. Gaab, dem Pf. Zolhkofer mich empfehlen will« und Kandidat 
Süsskind, den Sie als Schriftsteller kennen und der fürs kommende 
Haib)ahr Dr. Storrs StelJe vertreten soll. 

Endlich habe ich einen liricf von Hagenbacb» n^m 5. Angusit 
erhalten, und zweifle nicht, dass er aucii ihnen geschrieben« Er 
macht tnir seine Reisebe Schreibung und bezeugt mir sein W^ohl- 
b^ndea in Ostheltn» wo die Familie« atit der er lebt» sein gvues 
Hetz bnsilxt und wo er, wie er selbst sagt, oft mit seinem Forac^ 
kakoder in den Wald spazioren geht und wacker dratif los lemL 
Von seinem zelintagigen Aufenthalt in Frankfurt, besonders von 
Beiiiua und dem Jungling (?) erzählt er mir viel; auch von Hm. 
und Fr. V« Stein, die er zu Volgershaussen sali. 



I 



»y D*v. Cbmiojyl) S«ybotd, jeb. 1747 su Br^ckenHeiin (WürttcTiiberKj» 
stndl^tt tu Jma FlitloloKie, wurd^ dott »naieferd. Ptokuat, r779 — 95 
Dii^ktor und Ldtrrr der «lliei» SpfKfato m BediMreBer, geitof be c 1804 ie 
ngffi. Er w«r bei PfeflW d. it. Juli 17»! und Abschied aehfaeed 
itH Mii 1795' In Tobinpo Iss er über alte Lttterntur Unter selaeir 
Werken oeooen wir di« «Pr«dSfteo det Hm, M* .S«b»Tdu« Nolhttokrr siis 
Miiico ft{rief«a«. U., 74—7^» !mAi« SobA Friedrich, 1784 m Btichtweilcr 
gvfaerta,. v üK s a » iHct dit Kiotltttcbule sn Müttlbtona, am ia Be^Mi^on frao» 
«tefaieher Soldat tu werden, was er bis t8ti$ büeb. tto^ — ts dienfcr er im 
vatttembetiiKheji Heere, das er aU Hiaptmaim «itrtiess^ om «kh der TAget* 
pieste ju widmen, S<ißc •Erinnerungcti mos ParU i. J. 1831« cogcit ihm 
eioe Hau «ui dem Hohciuuperj; su. Er ttarb lu Stuttf:nrt 1^41 Um ist auch 
djtr Vtrfa*aa von »Kai^iar Hftuat« odar der FlndltoiE.« 



656 Schoell. 

Mit M^"* Friederike bin ich letzten Sonntag im Dietrich'- 
schen Hause in Gesellschaft gewesen. Sie war seit Freitag hier, 
ich erfahr aber erst Sonntag Mittags ihre Ankunft. Montag ist 
sie mit der Familie Dietrich ins Steinthal verreist. Da ich eben 
höre, dass sie erst morgen oder übermorgen anlangen werden, 
so schicke ich Ihnen gegenwärtiges durch den heutigen Kurier.c 

Ohne auf eine Antwort zu warten, setzte er zwei Tage 
darauf seine Erzählung fort. 

Seit gestern Abend ist M*"® Friederike hier. Heute Morgen 
machte ich mit ihr Besuche bei Mad. Schweighäuser und Lorenz, 
hierauf speiste ich mit ihr im Dietrich'schen Hause zu Mittag. 
Nachmittags sahen wir die Universitätsbibliothek und den Tele- 
graphen, welchen wir eben in grosser Thätigkeit antrafen. Bei 
Prof. Oberlin werde ich mit ihr den Tag beschliessen. Morgen 
werde ich ihr Bücher mitgeben für die Hrn. Pf. Lvlc6 und 
Heiland. 

Nun noch eine Bitte: Sie wissen, dass ein Päckchen, das 
mir nach Glarus geschickt werden sollte, verloren ging. Nach 
der Behauptung des hiesigen Postmeisters aber sey es zu Basel 
auf der Briefpost liegen geblieben, wo^iin der Director der Dili- 
gence, Braun, es abgeliefert hat, um der Züricher Diligence auf- 
geladen zu werden. Könnten Sie nun durch einen Ihrer Bekannten 
in Basel ernstlich nachfragen lassen, ob es sich nicht vielleicht 
fände. Es wiegt etwa 30 Pfund, enthält mancherlei Kleidungs- 
stücke und Papiere, die zuerst in graues Packtuch, dann in 
schwarzes Wachstuch eingepackt sind. £s ist plombiert und die 
Adresse, auf weisses Schaafleder geschrieben, das man darauf 
genäht, ist folgende: »Au cit. R. Secr^taire interpr^te au ler Conseil 
de guerre de la 3« division de Taile droite de l'arm^e du Danube, 
i Glaris, en Helv^tie.« Es ist am 13. Dec. von hier abgegangen 
und zu Basel in dem Register des Hrn. Braun als angekommen 
und abgeliefert eingeschrieben. Der Werth ist gegen 130 Fr.« 

Rieder wartete lange auf eine Antwort. Die Erklärung 
davon giebt uns sein nächster Brief (9. Sept.). 

»Gestern hat mir Prof. Hess Ihr Schreiben vom 1 8, ^) 
gebracht, und heute kam Prof. Hammer 2) mit seiner Gattin, um 
sich zu entschuldigen, dass er einen Brief von Ihnen zu Colmar 
habe liegen lassen; es zeigte sich bald, dass der durch Pf. Hess 
mir zugestellte der vermeinte vergessne sey. 

Für die gütige Verwendung wegen meines Packes danke ich 
Ihnen und Hrn. Merian sehr. Das Schreiben an Pr. Seybold, welches 
Sie mir anbieten, will ich mit Freude und Dank annehmen. Vom 
Abschiede weiss ich noch nichts, doch will ich bei Hm. Brunk 

*) Fructidor. — ') Fried. Ludw., aus Neunstetten in Franken, war 
(etwa 1786—89) Erzieher Friedr. v. Bergheims, des spätem Generals. 



Pfcffd uitd Rieder. 



657 



anfragen, ob es mdglich wäre, ohne Abschied zu gehen. Sein 
Verraählungstag war letrler Freitag, zugleich ein Trauertag für 
mich and meine Freunde durch den Tod von Elias Goll, der 
auch einmal bei Ihnen war. Er verschied in der Nacht, in meinen 
Armen. Hier zwei Exemplare eines Trauergedichtes auf ihn, 
dessen Verfasser Arnold ist 

Diese Zeilen erhalten Sic durch Hrn. Gnif, der nach Herisau 
im Appenzellerlande reist» um eine Hofmeisterstelle an^iutrcten ').« 

Sobald sich wieder eine Gelegenheit fand, einen Brief 
nach Kolmar zu befördern, benutzte er sie: »Ich bediene mich» 
schreibt er am 22. Sept., also am republik. Neujahrstag, 
der Rückkehr Ihres Hm. Sohnes, um M*"* Caroline mrine und 
der Fr. Lorenz Freude über ihre Genesung zu bezeugen, und 
bei Ihnen mit unsrer Condolenz über Ihren Zeitungstod einzu- 
kommen. Auch ich habe einen Brief aus Zürich erhalten, worin 
man Ihr allzufrühes Absterben mit Rührung betrauert. Möge zum 
Heil Ihrer Freunde, wie Prot. Herrmann s) sagt, der alte V'olks- 
jlÄuben an Ihnen wahr werden, dass ein öfteres Todtsagen sichre 
Bürgschaft für ein langes Leben sey! 

Prof. Herrmann sprach ich an seinem Krankenlager. Er ist 
viel kränker als da sein Tochtermann ihn verliess; er sieht einem 
Skelette ähnlich und kann nie mehr das Bett verlassen. Dennoch 
nöthiglc er mich, ihm von Ihnen zu erzählen. Prof, Hammer ist 
mit seiner Gattin bereits am Orte seiner Bestimmung und wird 
also Ihre Aufträge ausgerichtet haben. 

Ihr gütiges Schreiben an Prof. Seybold hoffe ich bald über- 
geben zu kennen. Denn mein Abschied tat vom Conseil 
d*administration meines Corps unterschrieben und bedarf nur 
nuch der Nameh des Gen. Scbauenbnrg und Hrn. Brunks. Da 
dieser nächstens zur Annce gebt, wird er ihn dort untersclir^iben 
und an Schauenburg tibschicken. Aus dessen Händen kummt er 
dann in die meinigen und verhilft mir tum Retsepasa. 



*J Ob d<f tmchmalige Mlilhamer Pfctrer und Schwiegersohn Ff. Oberlitts. 
Hin andier Pf GmflT, Joli Heinr, gc^lofl>pn i\i Boorxhrim 178a. — *) Prof 
d<rr Mfditin und Natviri^fchichte« Sehwie|£erv«ier des eben gettannten HAmmcr, 
d^ ihn «n d«r Zenlralschule enetst«. tjjS hi Bftrr get>., eröffnet« Joh. 
MtTrmanrT 1764 *etnt Vorletungen und K«Ute tie bit *n »einen 12 Tag« nach 
Kieders Brief erfolgten To4 fort, »eit 1768 11I& Euliaotd, der M^dUin, seit 
. I ^^>iclmanits NAchfolger Auf dem Lehrstuhl der Hounik, Chemie und 

'H hre. Ein Schwiegersohn dct StrasÄh. Ante« Kunig, »edor er 

1793 »einen eioTigen» hotTnungfvolkn, im MilitilrspUAl Angestellten i^jlhrigen 
^cthif. Siehe über üin Friese*« biographische Skizze am Schltus seiner Vaterl. 
OeM^iehie, tisd Gerockt Au/mU »Die Katurw»»en»charWD «nf der Slrassb. 
Unif^idtit 1760^93« in den Mitteilungen der Philo matkchen GetenichAft 
t$(tti, Nr, 2. 

41* 



658 SchoelL 

Vorige Woche wohnte ich der Coniirqiation Ihres ehmaligen 
Hausgenossen, Ferdinand Waldner, bei, wo ihm Blessig und 
Redslob, zu seiner und unsern tiefen Rührung, das Bild und die 
Lehren seiner edeln Mutter mit zur Armee gaben; denn ach! 
sein Vater*) hat ihn, im 15. Jahr, zum. Dragoner gemacht. Schade 
der schönen, vielversprechenden Blume! seufzten wir alle, und 
gewiss Sie mit uns. Morgen geht er zum Regiment ab (es ist 
das 17«), und mit ihm die Wünsche seiner Pflegeeltern, seines 
Lehrers und der zahlreichen Freunde, die er sich hier gemacht. 

Unser heutiges Fest^) war gar zu kalt. Nicht einmal die 
gestern Abend angelangte Nachricht vom Unterzeichnen der 
Friedenspräliminarien schien die Gemüther sonderlich zu erwärmen. 
Man ist, leider mit Grund, so mistrauisch auch gegen unter- 
zeichnete Friedensschlüsse geworden^).« 

Die Antwort erfolgte unverzüglich. »Viel Glück zur 
endlichen Ausfertigung Ihres Abschieds. Für Cotta werde ich 
Ihnen noch ein Päckchen überzähliger Annalen^) schicken, da» 
ich von der Fabrik erhalten soll. Die grösste Verwirrung herrscht 
in seinen Sendungen. Ich hoffe, der bevorstehende Friede und 
Ihre Anwesenheit in Tübingen werden auch hierin, wem'gstens 
was meine Bestellungen betrifft, Ordnung herstellen ... £9 ist 
abscheulich, dass mau den jungen Waldner auf dem gewählten 
Wege zum Soldaten macht 

Von einem Züricher £leven. Lindinner ^), hat mir Haas eine 
rührende Elegie auf meinen Tod mitgeteilt, die ich nebst der 
Züricher Zeitung als eine Familienseltenheit aufbewahre. . . .« 



1) Christian, Baron Waldner v. Freundstein (Linie Sierenz), geb. 1740, 
1771 Infanterieobent, seitjani 1758 (er war damals Kapitän einer Schweizer- 
kompagnie) verheiratet mit der Grräün v Sandersleben-Colligny, welche ihm 
zehn Kinder gebar und im Dez. 1797 in Sierenz starb (Lettres de la Baronne 
de G^randp, S. 23 u. 32). Aus einem Brief Pfeffels an Parier (6. Dez. 1797, 
auf der Kolm. Stadtbibl.) erfahren wir, dass sie dem Dichter zwei ihrer 
Kinder vermacht habe, die mit ihrem Hofmeister bei ihm wohnen werden 
und an deren Erziehung er sich beteiligen wolle. — ^) Das republikanische 
Neujahrsfest. — *) Mit Russland kam der Friede wirklich zu Stande, nach- 
dem Bonaparte dem Zaren seine 7000 Gefangenen ohne jegliche Vergeltung, 
und neu gekleidet zurückgeschickt. Dagegen führte die nach Marengo mijt 
Österreich in Alezandrien geschlossene Abmachung (15. Julj) zu keiqem 
Ergebnis, und die in Lunöville wieder angeknöpften Unterhandlungen ver- 
wirklichten den Frieden erst, nachdem sich Moreau bei Hohenlinden (3. Dez.) 
den Weg nach Wien geöffnet. — *) Dieses Wort erklärt uns ein Brief von 
Luc6 (20. Sept. 96): »Hier Ner 4 u. 5 der Posselt'schen Europäischen 
Annalen, worin Sie die Parallele zwischen dem deutschen und fränkischen 
Soldaten finden werden.«^ — *) Abgeg. 1779, im Aug. 1783 wieder in 
Kolmar zu Besuch. Sein Vater war Statthalter der Malteser-Kommende zu 
Bubikon, eine Stelle auf die der Sohn die Anwartschaft erhielt, als er die 



Pfefi^l und Rieder. 



Hier itt die Adresse des Briefes; 



659 



Au cUoyen J. J, Rieder eher In Cit. Lorenz, nee Pfauih 
MaisoQ du CiL Blind Chamoiseur') Place dite Bloenet pr^s des 
moutifis Strasbourg. 

Der nächste Brief, 2 Tag'e darauf geschrieben, trägt 
leselbe Adresse*). 

'Noch kaua ich Ihnen von Ihrem Packet) keine Kachrlchl 
geben, da noch keine Antwort von Basel eingelaufen. Bleibt 
•le noch S Tage aus. so wollen wir einen andern Weg cin- 
schltigen, tim den Postmeister zur Sprache zu bringen. 

Meine Caroline ist nun, Gottlob, vom Fieber befreyt *, dagegen 
erßihre ich» Hn Prof, Hermann sey so krank, dass Hammer 
genothigt worden, seine Reise nach Deutschland aufi^uschieben. 
Wenn «eine Reise sicfi noch länger verzögern sollte, so ersuchen 
Sie ihn um die Auslieferung des ßnefes an Hrn, Ring*) in 
Carlsruhe, und legen Sic ihn doch in Strassburg auf die Post. 
Kr darf» so viel ich weiss, nicht frankiert seyn, muss aber, wo 
ich mich recht erinnere, nicht ins Loch geworfen, sondern zum 
Fenster hineingereicht werden. . , . 

Bey Gelegenheit der Anzeige des Cottaischen Dameii" 
kalenders kündigt der Züricher Zeitungssc^hreiber unterm ig. Aug. 
(^^* 53i ^^«Jtag) meinen zu frühzeitigen Tod auf rührende Art 
an. Zugleich schrieb Lavater an Sarasin and bat um Nach* 
richten von meinem Absterben,« 

Die Antwort ist vom 4. Oktober; Ihr Schten)en vom 4^), 
mit der Beilage von M*"* Friederike an Frau Lorenz, erhielt Ich 
durch Hm. Ehrmann*). Prof, Herrmann ist sehr schwach und 
menschlichem Ansehen nach der Auflösung nahe. Ich erkundigte 
mich so eben nach seinem Befinden, konnte aber nicht >*or ihn 
gelassen werden. Hr, Brunk ist den 7. zur Armee abgegangen, 
wo er sogleich meinen Abschied unterschreiben und abschicken 
wird. Jeden Morgen erwacht die Besorgniss !n mir, dass i<ib 
den Antang der Cottegien versäume. 



Kiieg»chiik verh««i. Mit ihm trtt Wilh. HidU am, der idoo %'erttorbeae 
Soiha des obcogftnaaami Basler Druckers, der i'j8q die »Poctiscbea Vcr- 
fiiclie» hermipUiw wovon Cotu 1H02 eine neue Aatgibe verrnnstalMli. — Am 
3$. Det. 177S gib Piiliel dem jotig«n Liiidiaiier, der fut die S^et^ÜMfeHefi 
nadt Babikon ^odm Bobiglieiiia) reists^ tiM« Briet fikr Liivitec mit. DIcteii 
Bfi«C vttoUcfitUcble Aug. SföUr ia der »E{>iite) ma die Nsckweli* S. 78. 

I) G««iieAlcder* oder Santitebfetber. — *) Itft mieh der gewöhnlklieQ 
MlMksttnt d«lien <}$. Sef>t>, Rfftlmiiiic wird Jedoch dm ftpublikiaiiche 
Kftlender v 1 ttU BÜI din 29 ^'ö^- aufgeeeben. — ■) Dem nach 

Gkrtt» feft< utl w utuili ftpinuenen. — •) S. Re%*iic d'AU«ce, l»^7, 

^, 22$. — *) Vc-nd^miAlre ^ 26. Sept — •) Wohl der Brilitigftni der 
So>|ililf Pf Seine Heirat erfolge etil da Jahr »pittT. 



66o Schoell. 

Nächster Tage wird ein junger Züricher, der Sohn des 
Chorherm Tobler^) und Candidat der TheoL, mit Briefen von 
Ihren Zürcherfreunden bey Ihnen eintreffen. Er war mein 
öfterer Gesellschafter während meinem 3 monatlichen Aufenhalt 
in Troge D, wo er im Zellwegerschen Hause als Hofmeister stand, 
£r reist nach Paris. Ich zweifle nicht, dass Sie ihm einen grossen 
Dienst leisten würden, wenn Sie ihm einen Brief etwa an 
Schweighäuser mitgeben wollten. 

Wenn Ihre Freunde aus Grenoble^), zu deren Ankunft ich 
Ihnen Glück wünsche, sich meiner erinnern, so empfehlen Sie 
mich ihnen bestens. Wissen Sie schon, dass man mehrere 
protestantische Pfarrhäuser, die der Stadt gehören, hier verkauft, 
um aus dem Erlösten das abgebrannte Comödienhaus wieder 
aufzubauen? Lange war das Project, das Wilhelmcolleg nebst 
dem Gymnasium, Blessigs Wohnung u. s. w. niederzureissen 
und es neben die Neue Kirche zu stellen; jetzt aber soll es 
wieder am alten Ort errichtet werden. Welche Zeiten I.« 

Pfeifel erwiderte am 15. Oktober: »Ich benutze eine 
eilende Gelegenheit nach Strassburg, um Ihnen noch einige 
überflüssige Fiorahefte für Hrn. Cotta zu übermachen, dessen 
Damenkalender ich noch immer vergebens erwarte. Die Zürcher 
Pilgrime machten mir viel Vergnügen, und ich gab Hrn. Tobler 
einen Brief an Schweighäuser mit. Heute las ich im Stra^sb. 
Weltboten Nr. 1 1 mit Verwunderung die mise en surveillänce meines 
Bruders 8). Der Artikel sagt, es sey aus der Frankfurter Zeitung 
gezogen. Da dies gewiss, nicht wörtlich geschehen, so wird Ihnen 
Hr. Salzmann*) wohl erlauben den Artikel abzuschreiben.« 

Rieder antwortete .so bald als möglich (18; Qkt,): «Ich 
eile, Ihnen mit erster Gelegenheit den Erfolg metn^er Erkundigung 
bei Hrn. Salzmann zu melden. Er hatte das Blatt nicht mehr in 



^) Nach Pfannenschmid (S. 1 74) war auch der Kaufmann dieses Namens» 
der im Jahre 78 in Kolmar war, ein Chorherrnsohn. Ein Tobler war es, wie 
der Leser sich erinnern wird, der Layatem am l^. Mai 1799 vef- 
haftete. — *) Augustin Parier heiratete im Juni 1798 Henriette von 
Bergheim, die er im Sept. heim nach Grenoble führte. Hier ist 
von ihrem ersten Besuch in Schopenweier die Redd. Unterwegs, in Besan^on 
(16. Okt.) verloren sie ihren Erstgeborenen, dessen Grab auf dem Ostheimer 
Friedhof heute noch zu sehen ist. S. ke'v-ue d'Als., 1895, S. 78 u. 226. — 
') Der Diplomat Pfeffel hatte beim Beginn des 99er Feldzugs Mannheim ver- 
lassen und nach Nürnberg ziehen müssen, wo er bis Oktober 1800 blieb. 
Nun reiste er nach Paris, um die Streichung seines Namens von der Emi* 
grirtenliste zu erwirken. Nach neunjährigem:.Extl ßt^h er seinen Bruder zam 
letzten mal. Er blieb einen Monat in Koirpar und setzte gegen Weihnachten 
seine Reise fort — *) Friedrich Rudolf Salzmann, der. jüngere Vetter des 
Aktuars, Hofmeister des Freiherrn v, Stein in Göttingen (1774 — 75), dann 
Besitzer der akad. Buchhandlung und eines politischen Leseinstituts. (Strassb. 
1749— 1821). Vgl. Ma.tters Notiz über ihn i- d. Alsatia i«62— 64, S. 163. 



PfeflTd und Rieder. 



661 



Händent sagte aber, dass es in 3 oder 4 Zeilen nur das enlhaiie, 
was im Wellboten stand. Die Mise en surveillance scye uidiU 
anders^ als dass Ihr Hr. Bruder^ wie jeder zurück gekommene 
Emigrant, fftr eim'ge Zeit unter der Aufsiebt des Maires Belnefi 
Aufenthaltsortes, also Colniara, stehe. Ich kenne das Verlangen, 
womit Sie so lange schon Ihrem Hm. Bruder entgegensehen, 
urtheilen Sie afso von der Freude» die mir die endliche Stillung 
desselben macht 

Die armen Pilgrime haben Unglück auf ihrer Reise» Sie 
werden mehrere Wochen hier bleiben müssen» nm ihre Pässe xu 
ctMarlen, die der Präfect nach Paris geschickt, um vom Minister 
der allg. Polii^ei unterschrieben zu werden, eine Formalität, die 
jeder nach Paris reisende Fremde» wenn er kein Kaufmann ist, 
über sich ergehen lassen muss, Sie wohnen indessen bequem 
und wohlieil bei der Wiltwe Jhres Freundes Dr. Kratz*) auf dem 
Btonely und studieren tUissig. 

Mein Abschied ist angelangt, aber ohne Schauenburgs 
Unterschrift. Nun reiste dieser» durch eine neue Fatalität, von 
hier nach München ab» wenige Tage bevor mein Abschied von 
München hier ankam, so dass ich auf seine^ wie es scheint, 
baldige Rückkehr warten rauss. O wie wird meine Geduld 
gt^"j^)rüh! Der Priifect erklärte dem Hrn, v* Türckheim, er könne 
mir vorher keinen Pass geben. 

Der Cottaische Damenkalender ist seit langem in allen 
hiesigen Buchladen xu haben. Ihre zwei Gedichte, die ich mit 
Genuss wieder las, machen den Schluss in demselben. Von 
Huher«), Lafontaine und Gothe sind interessante prosaische 
Stücke darin. 

Herrmann starb am Tage, als mein letztes Schreiben an 
Sie abging.' 

Pfeffels Erwiderung (20. Okt.) lautet: Ich wusste, was 
eine Surveillance ist, aber die meines Bruders war auf Paris 
ausgestellt. Ich selbst fertigte ihm schon vor einem Monat die 
Originalacte des Polizeiministers zu. aber wegen des Umweges» 
den sie über Dresden nahm, erhielt ich seine Antwort erst nach 
Abgang meines letzten ;in Sic. Seitdem sandte ich ihm noch 
2 Bolschaften, die, wenn sein Podagra es erlaubt, seine Herreise 
bescbleiinigeii werden. Da ich aber die Sadie geheim hielt, 



1) Frau Kratz, £«b. B^hm, zwei Fitultin Krats tinii Fr&a Ebdett, geb. 
alle AU» StfAftibiitg« besuchten den Dichter im Herbst i77<>. — 'I En*' 
r Job, Ludwig, der seit 17Ä8 in StuttgAit lebte, wo er Am 50, Sept.» aUo 
vor wcni|;en Ta^n geitorten w^r, cxler eher Ludv«*, FetdioAiid (1764- illo.|t, 
•Iso vitimehr teine Frau« dte gi*ftdiifdeiie Gattin Georg Fc>r5leii. l^^euter« 
tcbtt I79$--|{105 in TObiQ|e«D U5d Stattg«rt. Lftfontain« lebte trit 1790 in 
Hmlle, bii ]8oi »U F«>)dpfedi|^, diitiii al» Privitniftiia igeti, 1^31)* 



662 Schoell. 

SO wäre ich gern auf die Spur gekommen, wie der gedachte 
Artikel sich in die Frankfurter Zeitung einschlich« 

Die Ankunft des Damenkalenders in Strassburg wurde sogar 
im hiesigen Wochenblatt angekündigt. Ich habe meine Exemplare 
noch nicht, die laut Cottas Bericht schon am 1 9. Sept. abgingen. 
Warum hat er sie nicht Hm. König 1) bejgeschlossen, anstatt sie 
über Basel zu schicken? Allemal ist es ärgerlich, dass ich den 
Kalender zuletzt zu lesen bekomme. Doch diesmal soll es 
nicht geschehen; denn ich will Sie hiemit ersucht haben, mir 
ein Exemplar bej König zu kaufen und unter doppeltem 
Umschlage mit meines Sohnes des Postmeisters Adresse an mich 
abzuschicken. Lieb wäre mirs, wenn Sie ein Exemplar des 
Plan de lecture pour une jeune dame, par M. de Marn^sia, 
bejlegen könnten. Das Buch sollte wohl in Strassburg zu 
bekommen seyn, weil es schon bej 2 Monaten heraus ist. 

Gestern kamen meine 1. Grenobler an , aber leider mit der 
Leiche ihres einziges Kindes, das unterwegs das Scharlachfieber 
bekam. Diesen Morgen wird es in Ostheim begraben, und ich 
bin eben im Begriffe eine traurige Wallfahrt zu den Trauernden 
vorzunehmen. Vermuthlich weiss man diese Nachricht im Türck- 
heim'schen Hause noch nicht.« 

Bereits nach 2 Tagen, konnte Rieder schon schreiben: 
»Hier der begehrte Kalender. Er kostet 5 Fr. 10 S. Nach 
dem Plan de lecture erkundigte ich mich bei allen hiesigen 
Buchhändlern: er ist nirgends zu haben; in 10 Tagen will 
ich ihn aber, wenn Sie es begehren, durch Levrault kommen 
lassen. 

Schauenburg ist noch nicht hier. Im Türckheim-schen 
Hause wusste man schon den Verlust Ihrer Grenobler Freunde. 
Sie schrieben mir, dass Sie mir überzählige Annalen von der 
Fabrik schicken wollen; da meine Abreise hoffentlich nahe ist, 
so müsste es bald geschehen.c 

Er erhielt mit rückgehender Post folgende vom 23. Okt. 
datirte Antwort: »Wenn Levrault mir binnen 10 Tagen des 
Adrien Mamesia Plan de lecture pour une jeune dame^) ver- 
schaffen kann, so bitten Sie ihn mir diese Gefälligkeit zu 
erweisen. Das Päckchen von der Fabrik hatte ich Gelegenheit 
Hrn. Cotta von hier aus durch einen Offizier zu senden. .« 



*) Ein Lehrer am Pfefferschen Institut führte diesen Namen (Annales 
de PEst, 1895, S. 552). — *) Dieses Werk war bereits 1784 erschienen. 
Der Verfasser, Marquis de Lezay -Mamesia, 1735 in Metz geb., 1789 DepU- 
tirter, ist der Vater des gleichnamigen Strassburger Präfekten, der auch 
während der Revolution einige Schriften verfasste und 1814 von einem 
Wagensturz starb. 



Pfeffel und Rieder. 663 

Rieders letzter Brief aus Strassburg ist vom 27. Okt.: 
»Endlich kann ich Ihnen die frohe Nachricht von meiner Abreise 
geben. Am Ende der Woche, wenn das Wetter es erlaubt, 
denke ich zu Fuss von hier abzugehen, bin aber noch unschlüssig, 
ob ich meinen Weg über Carlsruh oder Freudenstadt nehmen 
will. Vermuthlich wird das erstere geschehen, da ich Carlsruh 
und Stuttgard zu sehen wünsche. Stöber und Arnold werden 
mich zwo Tagreisen weit begleitea. Unsre Schweizerfreunde 
sind gestern nach Paris abgereist, wider Erwarten sind ihre 
Pässe nur 10 Tage ausgeblieben. 

Bitte Hm. Merian heiligendes Blatt Hm. Berger zuzustellen. 

Ich werde in jedem Falle Ihre Antwort abwarten. . .* 

Diese Antwort erfolgte am 30., ist aber nicht mehr 
vorhanden. Dass sie richtig ankam, wissen wir durch 
Fr. Lorenz, die am 4. November Pfeffeln meldete, Rieder 
habe sie Tags zuvor gegen 12 Uhr verlassen, um mit 
Stöber und Arnold nach Tübingen abzumarschieren. 



Übersicht 

über das 

gedruckte und bandsehriftliehe Material ffir die Heransgabe 
der badisehen nnd elsässiseben Stadtrecbte. 

Von 
Carl Koehne. 



II. Das mittlere und südliche Baden'). 

Aach im Hegau. Vgl. Baden in geographischer , . . Hinsicht 
S. 769, Gengier, Cod. iur. mun. S. i, ZGO. XXII 277, Archiv. 
Notizen über Aach in Freie Stimme Jahrgang 1894 Nr. 62, 63, 
64, 72. 

1493 Apr. 17. Privileg Kaiser Friedrichs III., enthaltend 
unter anderem Bewidmung mit dem Rechte der Stadt 
Mengen. Chmel Reg. Frid. S. 800 Nr. 8932. 

Achern, Vgl. Mitt. XII (ZGO. NF. V) S. 13, Ph. Ruppert, 
Gesch. der Stadt Achem 1880, Kopialb. 484 S. 242, 280 im 
G.-L.-A. zu Karlsruhe. 

1492 ff. Dorf buch, enthaltend Feuerordnung, Weidordnung, 
»Gemeine gebreuch und Ordnung der Bauerschaft zu Under- 
achern« etc. Stadtarch. Vgl. Mitt. 13. 

1561. »Urthel-Buch« enthalt. Eidesformulare, Gemeinde- 
ordnung etc. Stadtarch. Vgl. Mitt. 13.. 

1578. Statutenbuch, darin Ordnung der Einsetzung der 
Stadtbehörden, abgedruckt ZGO. XV 276, 277. 

1578. Hänfnerordnung für A. im Bühler Policeybuch im 
G.-L.-A. zu Karlsruhe. Abdr. ZGO. XX 301. 

1659. Zunftordnung für Maurer, Zimmerleute und Stein- 
hauer der Gerichte Achern, Appenweier, Offenburg und Gries- 
heim. Or. im G.-L.-A. zu Karlsruhe. Vgl. ZGO. XVI S. 162. 

1688. Erneuerung der Rechte (?). Stadtarch. Vgl. Mitt. 13. 

Aliensbach. Vgl. Mitt VI (ZGO. XXXIX) S. 219, 220, 
Schulte in ZGO. NF. V S. 150—157. 



>) Überlingen und Konstanz sind beiseite gelassen, da die Edition ihrer 
Recbtsquellen bereits in Angriff genommen ist. 



Obersiebt über die badi&cben u. elsSssiscben Siadtrechte- 



665 



1075 Mai 2, Abt Eckebard vod Keichenaa giebl eine Ord- 
Jiong für den Wochenraarkt zu A. Or. Kartsruhe G.-L.-A4 Ab* 
druck ZGO. NF. V S. 168, ttq. Vgl Schalle, S. 150 ff., 
Hegel, Entstehung des D. Städtewesens (1898) S, 125 — 128. 

1564, Freiheitsbrief des Bischofs von Konstanz für die 
Gemeinden Reichenau, Hegne, Aliensbach etc* Gerne indearch. 
Reidienau* Vgl. Miit. VI 221. 

"585» "^594- HoUordnung. Gemeindearch* Allensb. Vgl 
Min. VI 2tq. 

1753. Waldordnung, Auszug bergest 1761, Ebenda, Vgl, 
MiU* VI 220. 

Andere Allensbacber Urkunden im G.-L.-A. Vgl. ZGO. NF. V 
S. 156 Note I. 

BräHHiingm. Vgl. Mitt. XllI (ZGO, NF. VI) S. 62—72, 
Gengier, Cod* iur, mun. 271, 272. Tumbült in Westdeutsche 
Zt. XVI (1897) S. 146- »71. 

1526. Sladtprivileg. Abdruck ZGO. XX 33. 

'337 J*^*' '22. Freiheitsbrief. Regest im Fürstenbergischen 
Urkb. V 445. 

'554* 135^- ^'e Stadt Waldshut verleibt den Bürgern von 
Br. ihr Bürgerrecht. Vgl, Mitt. S. 66. 

13Ö1, 1493t 1557- Freibeitsbesüitiguogen, überliefert im 
Kopialbuch im Arch. zu Br. Vgl. Mitt. S. 66. 

1364, 136g Nov. 30, 1383, 1406, 1430. 1434. Freiheits- 
bcstäiigungen, teilweise mit Zusätzen. Regesten im Fürstenberg. Urkb. 
VI S. 25, 43, 45; Druck des Privilegs von 1383 ZGO. XX 38. 

1369 Dez. 20. B, erhall das Reclit von Diesunhü/tn, 
Fürslenbeig. Urkb. VI 46. 

1480. I*rivileg Herzog Sigismunds von Österreich über 
Exemption von (remden Gerichten. Or. im Stadtardi» Vgl, 
Mitt. S, 63. 

1493. Vertrag mit Hüfingen über Zwing und Bann, S. 
unten Hüßngen. 

1567, 1667, 1712, 1779. Privilegien Erzherzog Ferdinands, 
Kaiser Leopolds» Karls VI u Maria Theresias. Vgl. .Mitt. S. 64, 

1580. Kopialbuch enthaltend Ordnungen der Stadt von 
157Ö an und Abschriften zahlreicher Privilegien. Vgl, Mitt, 
S. 65— Ö7. 

1677. K. Leopolds Jahrmarktsprivileg. VgU Mitt. S. 65, 

1710 — 1739- Zunftordnungen. Vgl. Mitt. S. 69* 

1723* Vergleich über die Patronatsrcchte der Stadt. Or, 
im PCarrirch sii Br. Vgl, Mitt. S. 72. 

1722*-! 748. Handwerker- und Gewerbeordnung. Stadtarch. 
Vgl. Mitt, S. 69* 

Breuüfh, Vgl. Mitt. VII (ZGO. NF. Ij S. 9» mxx, XI 
(ZGO. NF. IV) S. i— 91, Gengier, Cod. iur. mun. 1 3. 308—313» 
Rossmanu u, Ens. Gesch. der Stadt Br. (Frcib. »2^51) ent- 
kialtend S. 467-477 AuazUgi^ der Urkunden des Stadtarchivs, 



666 Kochne. 

Hugo Mediatisierung d. D. Reichsstädte S. 37, A. Clorer, 
Breisach (Breisach 1883). 

1255, -1264. Die Bischöfe Berhtold und Heinrich bestätigen 
die Freiheiten der Stadt. Or. Stadtarch. Vgl, Mitt. XI S. 4. 

1264. SchuhheisSy Rat und Gemeinheit erkennen die Herr- 
schaft des Baseler Bistums über die Stadt an. Trouillat, Monum. 
de Thist. de Tancien 6v6che de Bäle II 142 vgl. Mitt. XI S. 3. 

1275 Aug. 25. K. Rudolf I. verbrieft den Bewohnern von 
B. eine Reihe von Satzungen vornehmlich Staats- und strafrecht- 
lichen Inhalts. Vgl. Mitt. ibid., Druck Schöpflin, Hist, Zaringo- 
Badensis V p. 257 — 261, Gengier, D. Stadtrechte S. 42 — 44, 
A. Cosk, Notice hist. et topogr. sur la ville de Vieux-Breisach 
(Mulhouse 1860) S. 311. 

1309. K. Heinrich VII., 1315 K. Friedrich bestätigt die 
Stadtrechte in Kriminal- u. Civilsachen etc. Mitt. S. 5. 

1315. K. Friedrich gestattet der Bürgerschaft die Stadt zu 
befestigen u, übergiebt in anderer Urkunde für jedes Interregnum 
die Burg zu Breisach der Obhut des jeweiligen Vogts oder 
Schultheiss. Vgl. Mitt. ibid. 

^330 Juni II. Otto Herzog von Österreich verleiht der 
Stadt bei Gelegenheit des mit ihr geschlossenen Bündnisses zahl- 
reiche Rechte. Druck ZGO. XIII S. 91 — 93. Vgl. auch 
Mitt S. 6. 

1330 Aug. 18, Sept. I, Sept. 11, 1346. Privilegien Kaiser 
Ludwigs für die Stadt Br. Vgl. Mitt. S. 6 u. 8. 

'330» I33'« Privilegien Herzog Ottos von Österreich als 
Pfandinhabers der Stadt. Vgl. Mitt. S. 6, 7. 

1331 Juni 21. Rat u. Bürgerschaft vereinbaren eine neue 
Verfassung. Vgl. Mitt. S. 7. 

1353» ^3^5 Apr. 30 u. Mai i. K. Kari IV. bestätigt die 
Freiheiten von Br. u. erteilt neue. Vgl. Mitt. S. 8, 9. 

1365. Privilegienbestätigung Herzog Leopolds von Öster- 
reich als Pfandinhab'^rs. Vgl. Mitt S. 9. 

^^79» 1380. König Wenzel eximiert die Stadt von den 
königl. Hofgerichten etc. und bestätigt ihre Rechte. Vgl. Mitt. 10. 

1403 55ept. 6 u. Sept. 8, 14 13 Sept 1. Privilegien K. Ruprechts 
u. Sigmunds für Breisach. Vgl. Mitt. 12, 14, auch Chmel Reg. 
Rup. Nr. 1553 u. Mitt. VII S. 9 über die zugleich Breisach und 
anderen Städten erteilten Privilegien. 

141 5. K. Sigmund bestätigt den Breisachem ihre Rechte 
u. verspricht, sie dem Reiche nicht mehr zu entfremden, es sei 
denn, dass er sie dem Hause Österreich zurückgebe. Über Or. 
vgl. Mitt. 14. Druck Hugo Mediat. Urk. Nr. 9 S. 219 — 221. 

1429. Privileg Herzog Friedrichs von Österreich als Pfand- 
inhabers, 1433 Privileg K. Sigmunds, 1442, 1453 Privilegien 
K. Friedrichs III. Vgl. Mitt S. 17 ff. 

1436. Schiedsspruch twischen der Markgrafschafl Baden u. 
der Stadt Br. über Fischerei und Jagdrecht. Vgl. Mitt. S. 18. 



Überticbt uher die bndisdien u, eliässi sehen Stadtrech tc« 



06; 



1466. K. Friedrich bestätigt der Stadt Br. verschiedene 
Rechte» darunter auch daa Einzugsrecht baufälliger Häuser h^ 
der Stadt. Vgl. Miu. S. ai, 

1469. Die Schiff er Zünfte zu Breisach und Strassborg ver- 
gleichen sich über Ausübung des Personentransports auf dem 
Rheine. Vgl, ZGO. IX S, 399, 400. 

'495i «50^1 *5ö7« 151Ö. Privilegien K, Maximilians, Vgl, 
Mitt. S* 27---29. 

16. Jahxh. Ordnung des peinlichen Prozesses zu Br. Papier* 
kodex im Stadtarch. Vgl Mitt. 28. 

1521 — 1792. Privilegi«n deutscher Kaiser. VgL MitU 
S- 29-44. 

Aufzeichnung über Freiheiten^ Rechte und Gewohnheiten 
d&r Stadt, nach 1653 verfasst» im Stadtarch. Vgl. Milt S« 41, 

MA/. Vgl. Mitt. XIX (ZOO. NF, XII) S. 8— 19, K. Rein- 
fried» Gesch. der Stadt Bühl m Diöcesanarchiv XI (Freib, 1877) 
S. 60 — 1.^4, Gengier, Cod. 437 Note . Manuskr. von Ludwig 
StoltJE» Kopien der wichtigeren Urkunden von Bühl im G.*I>.*A. 
EU Karlsruhe. Vgl. Diöc.-Arch. XI S* 66, 

1474. Weistum über die Banngrenzea* Druck ZGO. XXVU 
S. 107. 

1488. Polizeiordnung, erneuert 1507, erweitert 1528. G^^L.-A, 
zu Karlsruhe. Vgl, Z.GÜ. Vll $• 267 ff., XXVII 108 ff. 

1527. Mattenordnung, Abdruck Z»G.O. Hl 176—178. 
XVI. Jahrh. Ordnung der Hänfer und dea Hanfhandels. Or, 
im Böhler Polizeibuch im G*-L.-A. Nr. 569 fol. Si, Abdr. Z.G.O* 
XX 299—303, 

Burkheim. Vgl. Mitt. 12 (Z.G.O. NF. V) S. 114— I2ip 
Baden in geogr. etc. Hinsicht S. 799. 

1348 Jan. 4. Karl IV. bestätigt der Stadt Bargheim ihr» 
alten Rechte. Stadiarchiv, Mitt. S. 114. 

^44^^1672. Zunftordnungen, ibid. Mitt, 114, 115. 

1471, 1523. Privilegienb*rstaligung, ibid. Mitt, S, tl6, IIA, 

1472 Apf» 27. Wucheumarkts- und Jalirmarktsverleihung 
durch Herzog Sigmund von Osterreich., ibid. Milt, S. iib. 

"473 (?) Sept. 13. Wucbcü* und JahrmarktsverlcihuDg durch 
Kaiser Friedrich, iUd, MilU S, 117, 

1521 — 1782, Zehn Heslatigungen und VidiiiHts deratfidtiscteil 
Privilegien, ibid« Mitt. 1 14. 

1551 D^z, \H, Vollstreckungs- und Verfahrensordniuigi ibid. 
Mitt 118. 

1526 Febr. 2. Statut der Fischerzunft, ibid. Mitt 118. 

1571 Jan, 29. Errichtung einer Zunft der Acker- und Rcb- 
leuie, ibid. Mitt 118. 

158». Dez. 5 Schiedsrichterliches Urteil swiscben Hemclimll 
und Sttult Ilurkhcim, Mitt 119. 

Di€iUnhojen (i* d. Schweiz, Thurg.). Vgl. Braunlingen, Thcngen* 
D. halte Freiburg zum Oberhof, vgl Gc^ngler, Stadtnschte S 8d § 6, 



668 Koehne. 

Emmendingen. Vgl. Mitt. VII (ZGO. NF. I) S. 87—89, 
Heinrich Maurer, £. vor und nach seiner Erhebung zur 
Stadt 1590 (E. 1890), enthaltend Urkundenverzeichnis des Stadt- 
archivs, 

14 18. Bewilligung eines Jahrmarkts. Or. G.-L.-A. zu Karls- 
ruhe. Vgl. ZGO. NF. m 440. 

»Recht und gebreuch auch zins der gemeind Emetingen«. 
Zwei Hefte, das eine aus dem Ende des 15. Jahrhunderts mit 
Zusätzen vom Jahre 1517, das andere vom Jahre 1560 im Stadt- 
archiv. Mitt. VII S. 89 Nr. 3, 

1590 Jan. I. Markgraf Jakob III. befreit die Bewohner des 
Marktfleckens Em. von der Leibeigenschaft und gewährt ihnen 
städtische Rechte. Or. im Stadtarch. Vgl. Mitt. VII S. 88 Nr. 10, 
Heinrich Maurer, Der E.er Stadt- u. Freiheitsbrief (Em. 1875). 

1757 Okt. 13. Markgraf Karl Friedrich dehnt die Freiheiten, 
die E. 1590 erhalten hat, auf eine zu erbauende Vorstadt aus. 
Or. Stadtarch. Vgl. Mitt. VII S. 89 Nr. 20. 

1762 Juni 7. Erteilung des Bürgerrechts an alle Personen, 
welche in der Vorstadt gebaut haben oder noch bauen. Or. 
Stadtarch. Vgl. ibid. Nr. 21. 

Endingen. Vgl. Mitt, VII (ZGO. NF. I) S. 67 flf., Hugo 
Mediatisierung S. 58. 

1324 Mai 21. Burkhard von Üsenberg gelobt, die Bürger 
von E. niemals zu verpfänden und gewährt seinen Leuten zu 
Bahlingen und Eichstetten freien Zug nach E. Or. Stadtarchiv. 
Vgl. Mitt. S. 68 Nr. 8. 

1327 Nov. 7. Kundschaft über die Rechte des Schultheissen 
zu E. Vgl. ibid. Nr. 9. 

1331 Jan. 13. Verbot der Einfuhr fremden Weins in E. 
Vgl. ibid. Nr. II. 

1344 Mai 25. Verkauf des Dinghofs des Klosters zu 
Endingen samt dem Schultheissenamt in E. an die Stadt. 
2 Urkunden im Stadtarch. S. Mitt. S. 69 Nr. 18. 

1347 Juni ^3- Verpfändung der Stadt Endingen an die 
dortigen Bürger. Stadtarch. Vgl. Mitt. ibid. Nr. 19. 

1363» 1387» H12, 1427, 1442, 1467. 1490, 1517, 1520, 
1521, 1523, 1544, 1744. Bestätigungen der Rechte und Frei- 
heiten der Stadt. Or. im Stadtarch. Vgl. Mitt. ibid. Nr. 28, 37 etc. 

1379 Nov. I. K. Wenzel befreit die Bürger von Endingen 
vom Landgericht zu Rottweil und erlaubt ihnen verschriebene 
Aechter aufzunehmen. Vgl. ibid. Nr. 36. 

1392 April II. Steuerprivileg. Vgl. ibid. Nr. 38. 

1399 Mai 8. Herzog Leopold entscheidet einen Streit 
zwischen Freiburg und Endingen, auch Bestimmungen über 
verliehenes Erbgut enthaltend. Vgl. ibid. Nr. 41. 

1499 Nov. 21^, Jahrmarktsprivileg. Vgl. ibid. Nr. 94. 

1582 Aug. 17. Kaiser Rudolf II. befreit die Bürger von E. 
vom Hofgericht zu Rottweil. Vgl. ibid. Nr. 140. 



Übersicht über die bidiscfaen u. eliä^siscbeii Sudirtchte. 



O09 



1660 SepL 2, Eraeuerte Zunftordnung. Vgl, ibid. Nr, 152. 

1687 April 7. Erneuerung der StÄtuten der Handwerks- 
geaellen-Brüderscbaft zu E» vom Jahr 1435. Vgl, ibid, Nr. 157» 

Vgl auch Mitt. S. 84 über Urkunden, die sich ehemals vav 
Stadtarchive befanden* 

Engen. VgL Mitt XIH (ZGO. VI) S* 91, 92. Barth, Gesch. 
der Stadt Engen (Eugen 1882), handschriftliche Chronik von 
Engen im Pfarrarchive zu Mühlhausen in Baden (erwähnt Mitt. 
a. a. O. S, 95), Schriften des Vereins f, Gesch* des Bodensees 
VII S. u ff- 

M^^f 138*» 1404, 1438. Privilegien, Vgl. Furstenbergisches 
Urkb. VI 59, 8a, 143^ 219 Note 2. 

1380. Verordnungen Burkhards 2U Höwen, Dompropsts zu 
Konstanz, Erbschaften in der Stadt £. betr. Abschrift im Stadt- 
archiv zu Engen. Vgl, Mitt S, 91, 

1408, 14 ro, Privilegien. Vgl, Freiburger Zt lü Jabrg< 1874. 
S, 332, 340, 

1471, Weistum. Druck Fürstenb. Urkb. MI 16, 

1502* Stadtrecht« Druck Fürsib. Urkb. VII 213. 

1 503. Stadtbuch von £. im Arch* xu Stuttgart. Vergl. Frcib. 
Zt. III 298. 

1679 Bestätigung aller im Stadtbuch eingetragenen Privilegien, 
Abschrift im Gemeindearch. Vgl. Mitt« S. 92. 

Ettenhtim, Vgl Kürzel, Die Stadt E, und ihre Uxngebung 
(Lahr 1883), Weiss. Geschicliie u, rechtl. Stellung der Juden 
im Fürstbistum Strassburg. 

1221, 1223. Schiedssprüche Kaiser Friedrichs II., die Märkte 
SU E* und zu Mahlberg betr. Vgl. GotheiUi Wirtschaftsg. des 
Schwar&watdes I S. 1331 Kürzel S. 10. 

Freiburg, Vgl. Schreiber, Urkb, der Stadt Freiburg i. B. 
4 Bde. Freiburg 1828 ff. >), Zettschrift der Gesellschaft für 
Beförderung der Gesch.-« Altertums- und Volkskunde von 
Fr. L Br. etc. Bd. I— Ul (Freiburg 1869—89), (Walchner) 
Freiburger Stadtchronik (Freiburg 1842), H. Schreiber Gesch, 
der Stadi Freiburg^ 7 Bde. (Freiburg 1857 ff.) Poinsignon 
Geschieht). Onsbeschreibung der Stadt F^ i. B. (Freiburg 1892), 
Verzeichnis von Urkunden der Stadt Freiburg in ZGO. IV 209, 
Freiburger Di oces an -Archiv (Freiburg 1874 ff.), Huber, Das 
külniäche Recht in den zähringtschen Städten in Zt. L schweixer. 
Recht XXII (1882) S, I "37, 

(n2o) Frciburger Stadtrechi gedruckt Gaupp D. Scadt- 
rechte des M. II S. 19 — 27« Dumgc, Regosta Badensia S. 122, 
H.Schreiber, Die älteste Verfassungsurkundc der Stadt Freiburg 
(Fr. 1833), ZGO. NF. I S, 193—199. Über die Texte aus dem 
Anfange des 13, Jahrh., von 127?, ur^d 1293 vgl. Schulte ZGO. 



*) Die dort gegebenen brücke smd in dpr Regel unten nicrii noth 
beiooderi enrilwL 



670 



Koehmtu 



NF. I S. 102 Note 1 sowie ober die Teüentwickloai^ Heinrich 
Maurer a. a. O. S. 170 — 193. Ober dies erste Stsdtreciit vgl. 
attch Hegel ZGO. NF. Xi S. 277—287 und EDtstehnag des 
D. Städtewescns (189S) S 38 — 40. 

1282. Vertrag mit Grafen von Freiburg. Abdruck Ana» Colm. 
ad h. a. bei Böhmer, Fontes rer. Genn. U i8. 

1282. Graf Egino von Fr. bewilligt den Bürgern zu Fr. auf 
zehn Jahre die UngddserheboBg. Schreiber, ürkb. 1 S. 96. 

1289 Vergleich mit Ginf Egino. Abdruck bei Schöpflin^ 
Eist. Zahr.-Bad. V 290, Schreiber Urkb. I 108. 

1297. Schiedq>nich iwisdien der Stadt Fr. und dem Grafen 
Egino über die Gerichtsbarkeit betr. Diebe und Fälscher. 
Abdruck ZGO. X 320. 

1316 April 3. Vertrag imschen dem Girnfen Conrad IL 
und der Stadt Freiburg. Druck ZGO. XII & 237. 

1 338. Urteil gegen die Bürger von F. tu Gunsten ihres Grafen. 
Abdruck ZGO. XIII 216, vgL auch den Kompromiss ibid. S. 227. 

1340. Vergleich von Graf und Bürgern über Recht des 
Thorschlusses. Abdruck ZGO. XUI 222. 

13Ö1 und 1476. Verordnungen über das Tuchmachen. 
ZGO. IX 143—147. 

1 368. Vertrag mit den Grafcn. Abdruck ZGO. XYI 204 vgl 355. 

1370 Jan. S. Bestätigung der Rechte von Freiburg. Reg. d. 
MariLgrafen 1269. 

1399. Herzog Leopold von Österreich überiasst den Schlag 
schätz seiner Münze zu Freiburg an die Bürger. ZGO. U S. 42z» 

1462. Verordnung fSr Metzgerzunft Abdr. ZGO. XVII 50. 

1464. Ordnung der Leineweber. Druck ZGO. IX 178. 

1472. Verordnung über die SchneiderzunfL Druck ZGO. 
Xm 302. 

1477. Gerberordnung. Abdruck ZGO. XVI 162. 

1484 Juni 16. Ordnung der Glasmaler und Glaser. Abdruck 
ZGO. XVI 151. 

1494. Ordnung bei KriegsgefiiJir. Abdruck ZGO. XVII 309. 
1494 Mai 14. Verordnung über Aufnahme von Satsbürgem. 

Druck ZGO. XVI S. 172. 

1495. Verordnung für Wirte. Abdr. ZGO. XVI 267. 

1496. Ordnung der Kessler und Ordnung der Bäcker» 
Druck ZGO. XVII 32 u. 48. Cber die Zunftordnungen vgl. 
auch ZGO. XV 46 ff., III 152, 150 und Maldoner. Rep. dea 
Stadtarchivs zu Freiburg. 

1497. Verordnung über die Aufnahme in die Zunft der 
Rebleute. Druck ZGO. XVI 172. 

1 501 . Verordnung über Bürgenneister\%-abl. Druck ZGO. XX 49. 

1502. Marktordnung. Or. im Stadtarch. zu Freiburg. Vgl. 
ZGO. XIX 405. 

1509. Sturmglockordnung. Druck ZGO. XVI 447. 

15 10. Verordnung für Kürschnerzunft. Druck ZGO. XVII 55. 



Übersicht über die badischen u. ehiUsilchen Sladtrechte^ 



6ji 



1513 Aug. 21. Zunftartikel der Glaser tu Freiburg. Druck 
tCtO. XVI 164—166. 

1520. Die nawcn istaatrechten und Statuten der loblichc^o 
Stadt Fnburg im Prysgow gelegen, Gedn (Fryü. 1520) !oI. 

Über die Tocbterrechte von Freiburg und Freibuig aU 
Oberhof vgl. Schröder DRG, S, 663«664, s, auch KtMidngen, 
Mengen, Mahlberg, Neuenbürg, Stelnbach, Villingen, Waldkirch. 

Fürsknkrg. Vgl. Mrtt. VII (ZGO, NF. I* S. iiy, nS. 
Hisior.-lopopr. Beschreibung %*on F. in Schwaben (1803). 

14 85 Sept. 2ö. Artikel der Weberxunft. Druck Fürsicnberg. 
Ürkb. Vll 112, 

1615 Juni 20. Vergleich zwischen der Stadt F. und dem 
Kloster Maria Hof in Keuüingea, 2 Urkunden im Stadtarchiv. 
Vgl. Mitt S. 117, 

171g Dez. 20. Auszug aus dem Freibeitsbuch von 1 587, die 
Stadtrechte betr, Stadtarch, Vgl. Mitt. S. 117. 

1722, 1751» *765p 1797. Bestätigung der Privilegien. 
Vgl. Mitt. S, 117, 118. 

FtirätHt/tgm erst 174g «um Marktdecken, 1873 zur Stadt 
erhoben. Vgh Kreuzer, Zeitgesch, von F. iSSo» Baden in 
gcogr. . . Hinsicht S. 826. — VVeistom von F- Vgl. Birlingers 
Alemannia IJ 233. 

1761, K. Franr I, erteilt F, einexi Jahrmarkt« Vgl, ZGC). 
NF. V 531 mit Note 3, 

Gemngen. Vgl. MiU, 111 (ZGO. XXXIX) S* «25, tt6, 
J, Barth Gesch, der Stadt G. (Geisingen 1880). 

1665, Gericht&buch im Gemeindcarchiv, VcL MilL~tf5, 

1740. Forsir und PoÜzeiverorf >770 Bettel- 

Ordnung, »798 * ^ucrordnung im irarch. Vgl, 

Mitt. 225. 

GfHgenhach, VgK Mitt V, (ZGO, ^^v. -^h Hugo 

Mediatisiciung S. ÜÖ, Gotbein Wirtscliaftsg. des Sch^-arzwaldes I 
S. 208—295, Baumgarten in Zt. Schau-inVLand ao S. ti — 33, 
2Z S. 1—45- 

1366 Jan. 5, Karl IV. besLltigt die Privilegien von Gengcn- 
bach üisbes. die Befrciong von fremden Gerichten, ^h. Im 
G.-L.-A. in Karlsruhe Vgl. ZGO, NF, 1 S. 34g. 

1390. Bestätigung der Privilegien durch VVeuze). vi. »ia 
G.-L..A. in K^rlsrulie. Vgl. ZGO. NF, III 427, 444. 

140s Miiri 26, 1407 De«. 13, 140g Aug. 23. Privilegien 
Künig Ruprechts für G. Or. im G.-L-A. in Karlsruhe. Vgl. 
Chmel, Keg. Ruperti 1952, 2439, 2790. ZGO, III 43t 

1414 luli 30 u. 1433 Dei. Privilegien K. Sigmunds. Or. 
G.-L,-A. in Kari^ruhc. Vgl. ZGO. NT. Ul 427, 444, 

Stadtrecht abgedr. in Sammlung der Landrechte (Karhrubc 

1805» n 3-^5- 

1540^1604, f705*»66 Schntorartikel Im Stadtarch, Vgl 
Mitt V S, 2(13. 

2tli«clir. r, a»ch. d. Obtrrh. K. F. Xtlt. 4. 44 



672 Koehne. 

1623. Münzverordnung. Gedruckt ZGO. XXI 49. 

Gernshach, Vgl. Mitt X (ZGO. NF. IV) S. 42—46, XIX 
(ZGO. NF. XII) S. 54, Ruppert Ufgoviana (Achern 1878; Beil. 
z. Progr. der höheren Bürgerschule), Krieg von Hoch Felden, 
Geschichte der Grafen von Eberstein in Schwaben (Karlsr. 1836) 
bes. S. 37g. 

1297. Rechte der Bürger v. G. am Walde von Loffenau. 
Abdruck ZGO. XII 215. 

1417 Aug. 20. Markgraf Bernhard erteilt denen, die sich 
zu Gernsbach niederlassen, Bedfreiheit auf 10 Jahre. Or. im 
Stadtarch. Vgl. Mitt. X S. 42. 

1418 März .27. Ungeltsbefreiung durch Markgraf Bernhard 
von Baden und die Grafen Bernhard und Wilhelm von Eberstein. 
Ebenda. Vgl. Mitt. S. 42 Nr. 5. 

1485. Verordnungen über den Weinschank in G. Ebenda. 
Vgl. Mitt. S. 43. 

1579. Lagerbuch. Erneuerung und Beschreibung alter . . 
Herrlichkeiten, auch . . . Rechten und Gerechtigkeiten, so . . 
Herrn Philippsen, Marggraven zu Baden und zu Gernspach in 
der Statt . . zugehörig seien. Im Stadtarchiv. Vgl. Mitt. XIX 

s. 54. 

1583 Febr. 28. Privilegium der Stadt betr. Leibeigenschaft 
und Salzhandel. Vgl. Mitt. S. 44. 

Zwei undatierte Handschriften »von Bürgerrechten« im 
Stadtarch. Vgl. Mitt S. 45, 46 Nr. 43 u. 63. 

Haslach, Vgl. Baden in geograph. . . . Hinsicht S. 842. 

1374 Dez. 4. Bestätigung der Freiheiten nach Vorbild des 
Freiburger Freiheitsbriefs. Or. G.-L.-A. in Karlsruhe. Abdruck 
Fürstenbergisches Urkb. II 458. 

1386. Freiheitsbrief. Abdruck ibid. 333—336 

1407 Nov. 7. Huldigungsrevers für die Stadt ibid. III 39. 

14 19 Juni 27, 1432 Okt. 27. Bestätigung der Freiheiten 
ibid. 136, 219. 

1496. Schiedsspruch zwischen den Grafen von Fürstenberg 
und der Stadt ibid. IV 203. 

HauensUin, Vgl. A. Buisson, St. Blasien in topogr. und 
geschichtl. Beziehung (Freiburg 1883), das Archiv der Einung 
Hauenstein zu Dogern, Abschriften im sog. Breisgauer Archiv 
im G.-L.-A, zu Karlsruhe, Urkunden in Wartmann, Urkb. der 
Abtei St. Gallen, Lad ewig, Regesten der Bischöfe von Constanz. 

1597. Bestätigung der Freiheiten der Stadt H. Druck ZGO. 
XI 481. 

Hüfingen. Vgl. Mitt. XIII (ZGO. NF. VI) S. 78-81, Bader, 
Badenia II (1862) S. 495. 

1364. H. erhält hohe Gerichtsbarkeit. Vgl. Fürst. Urkb. VI 26. 

1435. Bestätigung der Privilegien. Vgl. Freiburger Zt. III 419. 

1452. Stadtordnung. Or. im Stadtarch. Druck ZGO. XV 
426, Fürstenberg. Urkb. VI 251. 



überficht über die badiichen u* elsii^jfcchen Sudlmhtc. 



67i 



1493 Mai 2t, Vertrag zwischen H. u, Brättnlingen, die 
f Markungen u. Zwing u, Bann betr, Gr. llüHngener Abschrift im 
^Kopialbuch zu Bräualingen* Vgl. Mitt. S. 67 u. 78. 

1558, Neue Redaktion der Stadtordnung, Or. im Stadtarch* 
(vgL Mitt. S. 78). Auszug ZGO. XV 434. 

1559, Vergleich «wischen H. und Villingen über das Vor- 
recht an Jahrmärkten. Abschr. im Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 78. 

1620. Immissionsinstruraent betr. die Rechte und Freiheiten 
der Stadt H. und der Grafen zu Fürstenberg. Vgl. Mitt. S, 79, 

1651. Urkunden über Erhhuldigung und Vollzug der 
städtischen Privilegien. Vgl, Mitt. S. 79, 

1657. Vergleich zwischen der Stadt und den Grafen zu 
Fürstenberg, Vgl. Mitt. S. 79. 

'754 J*^^' 7* Gerichts- und Gemeindeordnung für die 
Städte, Flecken und Dörfer der Landgrafschaft Baar im Hutinger 
Oberamtsdistrikt, Gemeindearchiv zu Sumpfohren, VgL Mitt. S. 86, 

Karlsruhe. Vgl. Fe cht, Gcsch* der Haupt* und Residenz- 
stadt K. (K. 1887), von Wecch, Gesch. der Stadt K. und ihrer 
Verwaltung (K. 1893 ff.), 

1715 Sept, 24. Frciheitsbrief des Markgrafen Karl Wilhelm 
für Ansiedler in Karlsruhe, .\bdr, F'echt Beil. I. 

1722, 1724, 1758, 1752* Freiheilibriefe desselben u. Karl 
Friedrichs für die Stadt K. Abdr. Fecht BeiU II— V, 

Kcnzingen. Vgl. Mitt. Vll (ZGO. NF. 1) S. 91 — 101, Hugo. 
Mediat. S. 90, Kenxingen im Bauernkrieg. (Programm der höheren 
Bürgerschule zu K. 1890.) 

1283 Febr. 13. König Rudolf verleiht der Stadt K. Frei* 
burger Recht. Or. im Stadtarchiv, Abdruck Frei burger Ztschr, V 
S. 236, Schreiber, Gescii. der Stadt Freiburg 1 S. 29^3}^. Vgl, 
Mitt S. 91. 

1 283 Juli 6, Hesso und Rudolf von Üscnberg verleihen der 
Stadt K. eine Verfassung. Or. und Abschrift der deutschen 
Obersetzung im Stadtarchiv, Abdr, Freib. Zt, V S. 23 ji Auszug 
ZGO. X 105. Vgl. Mitt. S. 9». 

1290 Dez. jo» Rud. von Osenberg verzichtet auf das Recht 
de» Bannweins in K. Or. im Stadtarchiv. Vgl Mitt. S* 92. 

1330, 1340, 1352, 1383, 1387. 1408, 1442. 1474. 1520 etc. 
Bestiitigung der städtischen Freiheiten. Or. im Stadtarch., teil- 
weise gedruckt Frciburger Zt. V (1882) S, 207 f(. Vgl. Mitt, S. 92. 

1341 Nov. 6. Regelung des Fischverkaufs. Abschrift im 
Stadtarch. Ebenso. 

1341 Juni 24 u 1342 Nov, 24 Steuer- und Gerichtsstand»- 
privüeg. Or, im Stadtarch, Ebenso. 

1550 Apr, I. Friedrich von Üscnberg gestattet die Ein- 
lichtQDg von Zünften, welche auch auf die Ratsbesetzung EinÜuss 
ethalteo* Ebenso. 

1369 Scpt» 28, Herzog Leopold von iJstcrreich giebt der 
Stadt eine neue Verfassung. Ebenso. 

44* 



674 Koehne, 

1370 Aug. I. Karl IV. bestätigt der Stadt das Recht, für 
die Schulden ihrer Herren nicht verpfändet zu werden. Ebenso. 

1372 Okt. 4. Derselbe verleiht der Stadt das Recht, Aecbter 
aufzunehmen. Ebenso. 

1495 Juli 6. Privileg Maximilians betreffend Zollfreiheit, 
Jahrmarktsverlegung, Landstrasse, Zinsablegung, Fronung bau- 
fälliger Häuser etc. Ebenso. 

1496 Jan. 15. Privileg Maximilians über die Jahrmarkts- 
verlegung. Ebenso. 

Ein Manuskript enthaltend verschiedene Verordnungen des 
16. Jahrhunderts im Stadtarchiv, darin Stadtordnung von 1550 
(gedruckt ZGO. XXXVH 98), Fischereiordnung von 1583, Wald- 
ordnung 1584 u. 92 etc. Vgl. Mitt. S. loi u. ZGO. XXXVII 98. 

Kkinlaufenhurg, Vgl. Mitt, XIV (ZGO. NF. VII) S. 76 — 79. 

1298 Sept. 6. Graf Rudolf von Habsburg bestätigt den 
Bürgern von Laufenburg freies Verfügungsrecht über ihr Ungelt. 
Or. im Stadtarchiv. Vgl. Mitt. 76. 

1335 März 20. Die beiden Städte Gross- und Kleinlaufen« 
bürg erhalten von den Rittern Heinrich und Matthis vom Stain 
ihre Almende zu Lehen und beschwören die Lehenspflichten. 
Ebenso. 

1346 Apr. 7. Verleihung von Gütern an die Stadt durch 
die Äbtissin des Klosters S. Fridli's zu Seckingen und Ver- 
pflichtung der Laufenburger das Hofgericht des Klosters zu 
beschicken. Or. im Stadtarch. Vgl. Mitt. 77. 

1695 J^^^ ^* Verbot des Fürkaufs an Häuten und Leder. 
Or. im Besitz des Stadtschreibers Bläule. Vgl. Mitt. S. 79. 

Küssaberg, Vgl. Baden in geogr. . . . Hinsicht S. 877, Bader 
Badenia 1839. 

1346. K. erhält die Freiheiten von Neukirch. Vgl. ZGO. 
V 238. 

1408. Wolf hart von Brandis verspricht Bürger und Gemeinde 
von K. bei ihren Rechten und Gewohnheiten zu lassen. VgL 
ZGO. V 239. 

1497. Oeffnung des Herkommens und der Gewohnheit zu K» 
Abdruck ZGO. V 378 ff. 

Kuppenheim, Vgl. Baden in geogr. . . . Hinsicht S. 877. 

1 505. Ordnung der Murgschiffer zu Rastatt und K. Abdr» 
ZGO. IV 92 ff. 

'597« Notiz über Gerichtsverfassung im Kuppenheimer 
Lagerbuch. Abdr. ZGO. XX 20. 

Lahr, Vgl. Mitt. XI (ZGO. NF. V) S. 97 ff., J. J. Rein- 
hard, Pragmat Gesch. des Hauses Geroldseck. Mit Urkunden. 
(Frankf. u. Leipz. 1766), Fr. Stein, Gesch. der Stadt L. (Lahr 
1827). Fr. Müller, Beitr. z. Gesch. der Stadt Lahr. Programm- 
beil, des Lahrer Gymnas. 1854/55 u. 1855/56, Ruppert, Gesch^ 
der Mortenau L 



Übemcht fiber die bidiachcD u. etslLssischeo St»d( rechte. 



675 



'354- Heinrich 11. von Cietoldseck erklärt, dass die Burger 
ihm unter der Bedingung gehuldigt habeni das« ihr Eid nicht 
för einen fremden Herrn, der auf sie bezügliche Rechte erwirbl, 
gilt. Zwei Abschriften im Stadtarch. zti Lahr. Vgl. Mitt. 98, 

Ij6i. Derselbe erlaubt der Stadt die Erhöhung des Un* 
gell». Or. Stadurch, Druck ZGO, XXI S. 291, 2q2, vgl. Uiit 
S. 99, 

U77' Freiheitsbrief. Or. im Stadtarchiv zu Lahr, Ab- 
schriften iro G.-L.-A. zü Karlsruhe, Drtick K. Steinmann, Der 
Lahrer Projiess (Lahr 1855). Ober Schriften, in denen die Ur* 
künde aus^ugsweis<^ abgedruckt und be^iprochen ist, a, MitL 99, 
vgL auch Mitt, 106 über Aktenconv, 149 im Stadtarch, xu Labr. 

1577 Juni 26, 1443 Juni 18, 1490 IVlarz 11, 1515 Juli 24 1 
1558 Jan. 27 etc Bestätigungen des Freibeilsbriefes. Vgl Mitt. 
S, 99, 100. 

1420 Nov. zb u. 1484 Juni t. Entscheidungen betr. die 
Nutzung der gemeinsamen Alm enden von Lahr und Dingiingeu. 
Or, im Stadtarchiv. Vgl. MitL S. 97. 

1471 KAiser Friedrich III. verielhl der Sudl ein Weggeld- 
pdvileg. Abschr. im Stadtarcb. Druck bei Müller II S. 6. 7. 
Vgl. Mitt. S. 99. 

1606. Wirts- und Umgelisordnung, 1660—1741. Zunftartikel, 
Vgl. Mitt, S. 104. 

1722. Reichskammergerichtsraandat belr, Lahr, .^bschr. im 
Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 100. 

1739. BestAtigung des Privilegienbriefs von 1726 mit Zu- 
sätien. Or., Abschrift und Druck Im Stadtafclilv. Vgl. MltU 

S. ICK>. 

1777 De«. 23» 1784 Okt. 27, 1788 Mai 10 u. Juli i» 1790 
Dez. 18. Reichskammergerichtsurteile in Sachen L, gegen 
Nassau* Usingen. Or., Abschr. u. Drucke ebenda. Vgl. Mitt* 
S. 100. 

1806 Juni 6. Kur f. Kari Friedrich ^ic^ut der Stadt einen 
Privilegienbrief, der die nötig gewordenen Änderutigen enthält. 
Or., sowie Druck (Erneuertes Privilegium der Stadi Lahr, Karls* 
ruhe 1806) im Stadiarch, 

Lühtenau. Vgl. Baden in geogr. , . , Hinsicht S. 884. 

1500. K, Albrecbl erteilt dem Dorfe L. Stadtrecht \%\, 
a« ft, O. 

1300. L. tritt in die Gcmelnachaft der Waldmärker. Vgl. 
ZGO. VI 461 ff.. VIU 130, 

1492. Salbudi von L. im G.-L.-A* lu Karisnihe. 

Lä/ßngtn, Vgl Baden in geogr. . . . Hinsicht S. 887. 

1490 Man 26. Vergleich zwischen den Grafen von Fürsteo- 
berg und den Abten von St. Blasien, die Zuziehung des dem 
lUoater in L. gehörigen Meierbofs su den stadtischen Lasten 



betreffend. 
Ni. 141. 



Vgl. Fartienb. Urkb. IV Nr. 477 Kote i, MI 



576 Koehne. 

Lörrach, Höchstetter, Die Stadt Lörrach (Lörrach 1882). 

Stadtrechtsverleihung 1682 und Bestätigung 1756. Druck 
in Höchstetter S. 7 u. 26. 

Mahlberg. Vgl. Mitt. IX (ZGO NF. III) S. 76, J. J. Rein- 
hard, Pragm. Gesch. des Hauses öeroldseck etc. (Frankf. u. 
Leipz. 1766), Baden in geogr. etc. Hinsicht S. 889, Ruppert, 
Gesch. der Mortenau S. 338 iF., 382. 

1221, 1223 s. oben Ettenheim. 

1279 Mahlberg erhält Freiburger Recht. Vgl. Gothein, 
Wg. des Schwarzwaldes I S. 134. 

1646, 1652, 1674, 1686, 1773. Bestätigungen des Mahl- 
berger Freiheitsbriefes (vom 2. Sept. 1631). Or. resp. Abschrift 
im Gemeindearch. zu M. Vgl. Mitt. a. a. O. 

Markdorf. Vgl. Mitt. IX (ZGO. NF. lü) S. 31—48, Staiger. 
Beschreib, und Gesch. von Meersburg am Bodensee (1861), 
Markdorf betr. Akten von 1389 — 1625 Abt. 87 des Stadtarchivs 
zu Überlingen (nach Mitt. VI ZGO. 39 S. 321). 

1354 Febr. i. Privileg der Herren von Markdorf für die 
Stadt. Or. Stadtarch. Vgl, Mitt. IX S. 32. 

1355 Mai 21, 1378, 1398 etc. Urkunden deutscher Könige 
u. Kaiser für M. Or. u. Abschriften im Stadtarchiv. Regesten 
Mitt. IX S. 31, 32. 

1362 Nov. 21, 141 1 Juli 20. Bestätigung der Freiheiten 
der Stadt durch die Herren von Homburg. Or. Stadtarch. Vgl. 
Mitt. S. 32, 

14 14. Stadtrecht. Or. Karlsruhe G.-L.-A. Abdr. ZGO. 
XVIII 83. 

1425, 1434 etc. Bestätigung der Freiheiten von M. durch 
die Bischöfe von Konstanz. Vgl. Mitt. S. 33. 

1444, 1554, 1562. Verträge und Schiedssprüche zwischen 
M. und den Bischöfen von Konstanz. Vgl. Mitt. S. 34 ff. 

^457» 1526, 1537, 1652. Bischöfliche Bestätigung von 
städtischen Verordnungen namentlich über Erbrecht. Vgl. Mitt. 

S. 34, 35. 

1488, 1517, 1537. Vertrag der Stadt M, mit dem Kloster 
St. Gallen, dem Domkapitel zu Konstanz und dem Kloster Baindt 
über ihre in der Stadt sesshaften Leibeigenen. 

1584, 1598. Bischöfl. Privilegien betr. Aufhebung der Leib- 
eigenschaft, Bürgerannahme etc. Vgl. Mitt. S. 36. 

1636. Erweiterung des Zugrechtes an städtischen Grund- 
stücken. Vgl. Mitt. S. 36. 

1639, 1698. Bischöfliche Verordnungen für M. Vgl. Mitt 

s. 37. 

Meersburg. Vgl. Mitt. VIII (ZGO. NF. II) S. 78—90, 
Roth von Schreckenstein ZGO. XXVII S. 1—35, Staiger, 
M. am Bodensee (Konstanz 186 1), Barack, Die Handschriften 
per fürstl. Fürstenberg. Hotbibliothek in Donaueschingen Cod. 



Üb^rsicbi Hber die bAdischen u* els&sibchexi St»d(Techte. 



677 



619 S» 433, Schriften d. Vereins f. Gesch. d* Bodensees 24 
(1895) S. 211—218. 

1133. ^* Heinrich (Vll) erlaubt dein Bischof von Konstanz 
in subiarbio ca&tri sui M. einen Wochenmarkt anzulegen. Abdr. 
ZGO. XXVI] 32 vgL BochojtfX'Ficker Reg* Nr. 4271/. 

12QQ. K. Albrecht I. erteilt Meersburg das Recht der 
Stadt Ulm, Abdruck ZGO, XI 437- 

1310 — 1748. Privilegien deutscher Könige und Kaiser, 
Or, und Abschriften in Rubrik 1 — ^111 des Stadtarchivs «u M. 
Übersicht Mhu Vlll S, 80, 8i- Das Original des Priv, von 1380 
Mdrat lö befindet sich im G.-L.-A. asu Kadsruhe ^ZG(X 
NF. III 426), Abdruck ZGO. XU 325; ebenfalls im G.-L,-A. 
die Or- der Priv. von 1353» 1430 u. 1442 vgl. ZGO, XI 438, 
XXVU 14. 18, ZGO. NF. m S, 443 Nr. 663, Abschriften der 
Privil. von 14 13» I434f 150 3 etc. im Mecrsburger Cop.-B. 11 
S. t7, 39. 46 ff. des G.-L.-A. vgl. ZGO. XXVII S. 16, 18, 2S. 
Abdruck des Priv, von 1411 ZGO. XXVU 34, 

1337 — jöoi. Bischöflich Konstanzische Privilegien. Or. u, 
Abschriften im Stadtarch. Vgl Mitt. S. 82 — 83, 

1381. Schiedsspruch betr. die in der Stadt Meersburg 
wohnenden Eigcntenie der Dompropstci Konstanz. Or. im 
G.-L.-A. Druck ZGO. XXVU S. 33 C 

141g Febr« 23. Vertrag jcvvischen M* und dem Bischof 
von Konstanz. Konst. Copiatb. 10 B, fol, 107 v. im CJ,-L,*A. 
Jnhalisangabe ZGO. XXVII S. 17. 18. 

1452 Nov. 10. Die Stadt unterwirft »ich dem Bischof, der 
ihre Verfassung neu ordneu Koust. Cop. 10 fol» 64 — 66 im 
G..L,-A. Vgl. ZGO. XXVII S. 19—22. 

1461, 1480. Bischötlichc Verordnungen für die Stadt. 
Konst. Cop. B. 10 A. fol, 111 — ^114 u. fol l8ob. vgl. ZGO. 
.XXVII 25. 27. 

1383. Suitutenbuch. Ausxug ZGC». .XIII 139 

Ortin ungon der Handwerker und Tagl6hner. Stadtarch, 
Ruhr. XXII. Vgl Mitt. S. 78. 

Obrigkeitliche Verordnungen und Verbote Mltarch. 

Rubn XXJJI, Lohnordnungen Ruhr. XXXII« Stra; 1 Rubr. 

XIII das. Vgl. Mitt. S. 78. 79. 

Mtngfn »in Württemberg), Vgl. Aach. 

127C». k. Rudolf erteilt M. das Recht der Stadt Frtihurg, 
Vgt ZGO. XX 450, Laub« Gesch. der vormaligen fünf Donau- 
stadte in Schwaben (Mengen 1894). 

Mirsshrih. Vgl. Mut, X (ZGO. NF. IV) S. 55—61. Baden 
in geogr. . . . Hinsicht S. 89 li Zimmerische Chronik (hera. von 
Barack)» Birlinger Alemannia XV S. 70 ff. 

1 374. K, Karl IV. ijicbt Wemem von Zimmern, Herrn zu 
Mes&kirch, das Redtt» dass seine Leute zu M. nur auf dem 
Landtage zu Rotwil Rcclii suchen soUeo, Or, im Fürstenborg. 
Arch. zu Donaueschingcn. Vgl. Furstcnbcrg. Urkb. VI Nr. üJ. 



678 Koehne. 

1379. Die Freiherren von Zimmern erkennen die Freiheiten 
der Stadt M. an. Kopie im Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 55. 

147 1. K. Friedrich bestätigt den Herren von Zimmern 
unter anderem die hohen Gerichte in ihren Städten Messkirch 
und Oberndorf mit dem Blutbanne. Vgl. Fürstenb. Ukb. VII 
Nr. 22, 

1523, 1582, 1617. Statutenbücher. Vgl. Mitt. S. 57. 

1588. Privileg betr. Salzhandel. Vgl. Mitt. S. 55. 

1595, 1627, 1628, 1642, 1645, Jö?!» 1Ö85, 1790. Bestätigung 
(1628 auch Erweiterung) der Rechte der Stadt. Vgl. Mitt. S. 56, 57. 

1627. Bestätigung und Erneuerung der 153 1 errichteten 
Bruderschaft der Schneider Weber und Färber. Vgl. Mitt. S. 56. 

1672. Erneuerung des Wochenmarktes und Verleihung 
eines Jahrmarktes. Vgl. Mitt. S. 57. 

1699 Febr. 13. Zunftordnung des Kaisers Leopold für die 
Nagelschmiede in M. Kopie im Gemeindearch. zu Renchen. 
Vgl. Mitt. XII (ZOO. NF. V. S. 19). 

17 10 u. 1769. Dekrete der Grafen von Fürstenberg über 
Wochenmarkt, Vorkauf, Bettelei etc. Vgl. Mitt. X S. 60. 

1742, 1743. Dekrete des Fürsten Karl Friedrich an seine 
Residenzstadt M., betr. Handwerke sowie Befreiung der fürstl. 
Beamten von der städtischen Weinsteuer. Vgl. Mitt. X S. 60. 

Mohringen. Vgl. Baden in geogr. . . Hins. S. 896. 

1470 Aug. 31. K. Friedrich verleiht der Stadt M. ein 
Wappen. Vgl. Fürst. Urkb. VII Nr. 11. 

1470 Sept. 24. K. Friedrich giebt Kaspar von Klingenberg 
für seine Stadt M. ein Marktpriviieg. Vgl. ibid. Note 5. 

Mühlburg, Vgl. Baden in geogr. . . Hinsicht S. 898. 

1670. Erhebung von M. zur Stadt. Vgl. ibid. 

Münster bei St. Trudpert. Abgegangenes Städtchen, Vgl. 
Poinsignon in ZGO. NF. II S. 450. 

1303 Dez. 5. Der Abt von St. Trutpert und Diethelm von 
Staufen bewilligen dem Rat und den Bürgern von Münster das 
Weinohmgeld. ZGO. XXX 325. 

Neuenburg, Vgl. Mitt. VII (ZGO. NF. I) S. 7—31, Huggle, 
Geschichte der Stadt Neuenburg (Freiburg 1876 — 81). 

1292 Dqz. 24. K. Adolf erteilt den Bürgern von N. ein 
Stadtrecht, das »die meisten Bestimmungen den auf Frei- 
burger Recht beruhenden Satzungen einiger elsässischen Städte 
entlehnt«. Druck ZGO. NF. I S. 102—1 1 1. Vgl. Schulte a. a. O. 
S. 97—102, Mitt. S. 7, 

1300 — 1785. Zahlreiche Bestätigungen der Freiheiten von 
N. durch deutsche Kaiser und Könige sowie Herzoge von 
Österreich. Vgl, Mitt. S. 7 — 12, vgl. auch S. 14 Nr. 64. 

1365. K. Karl IV. giebt der an Herzog Rudolf von Öster- 
reich verpfändeten Stadt das Recht, dass ihre Bürger nicht 
Österreichs wegen gepfändet werden sollen. Vgl. Mitt. S. 14. 



übersiebt über die badiieli«! tx. elsfefbschen SUdIreclite. 



67g 



1599. Zollvertrag zwischen den Stiidtcn N. und Breisach. 
f%\, Mitt S. 15. 

1418, K, Sigmund gewährt der Sudl N. das Recht zwei 
Jahrmärkte zu hatten. Vgl. Mitt. S, 15, 

1442. Zollprivileg K, Friedrichs IIJ. Vgl, Mitt. S. 17. 

1602. Vertrag rivi&clien den Stadien N, uiid Eheinfelden 
über Zollfreiheil und Erbrecht. VgL Mitt, S. 12. 

Xntsiadi (a, d. Gutach)* V*gl. Baden in geogr. . . Bezieh. 
S. 906. 

1447, Graf Heinrich zu Fürstenberg giebt N. ein Privileg, 
betr. Jahrmarktsordnung, Alnaende, Masswesen. Vgl. Förstenb, 
Ürkb. IV Nr, 526, 

1340, 1379- Vereinbarungen der Grafen von Fürstenberg 
TOit den Bürgern von Villingen, den Zoll zu Neustadt betr. Vgl, 
a. a. O. U Nr, 223 u, 477. 

Oierktrch, Vgl. Bader Badenia U (1840) S* 219 — 237. 

1326, Oberkirch erhält das Offenburgtr Stadtrecht Vgl, 
Baden in geogr, . * Hinsicht S. 912. 

1411. Notariaisinstrumem über Freiheiten der Stadt O, 
VgL ZGU. ^%t 133, Wenker, De Usburgcris p. 41* 

1541 — 1568- Verordnungen über Bürgerannahme in Ober- 
kirch und Oppenau. Druck ZOO. VIU S, 36. 

Ordnungen der Stadt O, Or, im G.-L.-A. zu Karlsruhe. 
Abdruck ZGO. XXXUl 362. Über Statuten vgl J. WoUlin, 
Siaiutenbuch von Oberkirch und Uppenau Hs. im G,-L.*A, zü 
Karlsruhe, VgL ZGO. XVII 188. 

Bürgereid ZGO. Vül S. 37, 

Offcnhurg, VgL K, Walter, Beiträge zu einer Geschichte 
der Stadt O. (Offenb. 1880), Abdrücke städl. Frivilegien von 
1315 — 1767 aus einem Copialb. enthaltend; Chronik der ehern, 
Retchstadt O, in Bader Badenia 1840 S. 1; Geogr. Beschreibung 
und Geschiebte der Landvogtei Ortenau etc. (Karlsruhe 1795). 
VgL Oberkirch. 

1315 März 26. Bestätigung der Privilegien von O. Druck 
bei Hugo, Mediatiäierung S, 295. 

1343 Mai 20. Entscheid über die Kunlgsleute zu Ulm bei 
Oberkirch als Ausbürger von Offenbtirg. Druck ZGO. VllI S* i8, 

1347. K. Kari IV. bestätigt die Rechte der Stadt O. Dr. 
im G,.U.A. zu Karlsruhe. Druck ZGO, XU S. 333. 

1349 Aug. It. u. 1360 März 25, Weitcrc Privilegien 
Karls IV. für O. ( »r. im G.-L.-A. VgL ZGO. NF. I 339 "»<! 
349, Druck Hugo, Mediatisierung S* 297. 

1351 Juni 29. Privileg, des Bischofs Beithold von Strats« 
bürg för OITenburg. Druck Hugo S, 29S, 299. 

1390 März II, 1414 Juli J3. u, 1433 Dez. 5. Bestätigung 
der Privilegien von O. durch K. WVnzcl und Sigmund. Or. im 
G.-L,'A, VgL ZGO. NF, 111 427, 437, 444. Druck Hugo S. 30Ö. 



68o Koehne. 

1405 März 26 und 1409 Aug. 23. Privilegien K. Ruprechts. 
Or. G.-L.-A. Vgl. ZGO. NF. III S. 431, 433, Chmel. Reg. 
Ruperti 1957, 2790. 

1451. Ordnung der Schützengilde. Druck ZGO. V 484. 

1504 Aug. 16. Privilegienbestätigung. Druck Hugo S. 334. 

1504 August 21, 1516, 1521, 1541, 1559, 1566 etc. Privi- 
legien. Abdr. Walter S. 55 ff. 

1530 u. 1545. Kornordnungen. Or. im G.-L.-A. Abdr, 
ZGO. XIX S. 408, 410. 

1595. Erbordnung. Ms. in Univ.-Bibl, zu Heidelberg, an- 
gebunden an »Der Statt Freiburg Statuten etc. 1520 fol.«. 

1601. Verordnungen über Bettelei. Aus Ratsprotokollen 
von Offenburg gedruckt ZGO. XIX 161. 

Offenburger Stadtrecht gedruckt in Sammlung der Land- 
rechte (Karlsruhe 1805) 11 S. 3 — 58. 

Oppenau, Vgl, Baden in geogr. . . . Hinsicht S. 917. 

1500. Oppenauer Hubrecht. Druck ZGO. XIII 484. 

1541 — 1568. Verordnungen über Bürgerannahme. S. unter 
Oberkirch. 

Wölflin, Statutenbuch. S. unter Oberkirch. 

1701. K. Leopold erneuert die Rechte der Stadt. Vgl. 
Baden in geogr. . . . Hinsicht S. 917. 

Pfullendorf, Vgl. Hugo, Mediatisierung S. 342 ff. Wal ebner, 
Gesch. d. St. Pf. (Konstanz 1825). 

1220 Juni 2. K. Friedrich II. erhebt Pfullendorf zur Stadt. 
Or. im G.-L.-A. Über die Drucke vgl. ZGO. NF. I S. 66 
Nr. 26. 

1267. Freiheitsbrief. Druck Walchner S. 261. 

1282 Mai 15. Privileg Rudolfs I. Or. im G.-L.-A. Ober 
die Drucke vgl. ZGO. NF. I S. 76 Nr. 99. 

1322, 1330, 1333, 1348, 1360, 1370, 1376, 1377» H'3» 
1433, 1434. Privilegien. Vgl. Hugo S. 342 ff., ZGO. NF, I 
88> 91, 337» 345» 350» 354» 355» ^^^ 4^8, 436, 444, 445, 
ZGO. XXII 28, XXXI 32, Walchner S. 157 ff. 

1383. Verfassungsurkunde. Druck Walchner S. 157. 

i486 März 31. Vergleich über Gerichtsbarkeit. Vgl. Fürstenb. 
Urkb. Vn 114. 

Radolfzell Vgl. Mitt. XV (ZGO. NF. VIII) S. 70—86, 
von Weech, ZGO. XXXVII S. 1—78, Walchner, Gesch. der 
Stadt R. (Freib. 1825), P. Albert, Gesch. der Stadt R. 
(Rad. 1897). 

iioo. Abt Ulrich von Reichenau und Vogt Lampert von 
Radolfzell errichten mit Wissen und Willen Kaiser Heinrichs 
einen Markt zu R. Or. im Arch. der kath. Pfarrei zu R. Abdr. 
ZGO. NF. V S. 141. Vgl. Schulte, ibid. S. 142 ff., Schaube, 
ibid. VI 296, Küntzel, ibid. VIII 373. 78, P. Albert in 
Alemannia 24 (1896) S. 87—90. 

1275. Freiheitsbrief. Druck bei Walchner. 



Et ober die ba^iischea u. elsässischen StiStrecnffT 



«T 



1515— 1605- Privilegien, Or. im G.-L.-A. Vgl, ZOr». XXXVll 
S, 2—5, 2G0. NF, 1 335p 355, 111 416. 43!. 43g. 445- Drucke 
und Ausjsüge ZGO. XXXV 11 S. 19 ff., Druck eines Privilegs von 
1415 Juni 8 bei Hugo, Mediat. S* 360, 

1423, Münxvertrag. Abdr, ZGO, VI 274. 

1454. V^eitrag swischen Pfullendorf und RadolfaieU eioer- 
seJtS, dem Abt von Reichenau andrerseits. Vgl. ZGO. XXVIII 71. 

14«^3. Vertrag zwisL-hen R, u, Überlingen, Or, im G.-L.*.\» 
zu Karlsruhe, Druck ZGO. XIX S. 3, 

1506. Strafgerichtsordnung, Or. im G.-L.-A. Abdruck 
Walchner S, 278 flF, 

1560, Tax- und Gerichtsordnung, 1712 Gerichtsordnung. 
Or. im G.-LrA, Vgl. ZGO. XXXVII 74, Vgl. auch Landgerichts. 
Ordnungen von Neuenbürg» Ms. der F. Fiirsteub, Bibliothek zu 
Douaueschiogen Nr, 770, 771 (Barack, Die Handschriften S. 528)» 
sowie über Prozessordnungen in R, und Stockach »Keformatioti 
u. Ordnung der Grfschft, Nellenburg< (Konstanx 169Ö). 

1662. Fischereiordnung, 17^2 Waldordnung. Or. im G,*L.-A» 
Vgl, ZGO. XXXVII 73, Zunftordnungen. Vgl. ZGO. XXXVII 77. 

Genehm. VgK Baden in gco^r. , . . Hinsicht S. 927, MitL Xll 
(ZGO. NF V) S. 18—22. 

1530 Nov. 30, Vergleich über den gemeinsamen Weidgang» 
die »Banngarth« etc. zwischen den (»emeinden Reuchen und 
öiisbach» Koj>. im Archiv der Gem. R. Vgl. Mitt. S- 19. 

1758 Marx 21, Schuhmacherxunftordnung. Or. im Arch, d, 
(;em. R, Vgl. Mitt. S. 20. 

Siukingm. Vgl. Mitt, XIV (ZGO, NF, VII) S. 88--- 105, 
Schau binger , Geschichte des Stiftes SäckiDgcn (Einsiedeln 1 865) 
S. 84—90, S. 136—147. 

13 16 Juli 12, Herzog Leopold von Österreich bestätigt die 
Rechte und Freiheiten der Stadt. \' gl. Mitt 88, 

13 16 Dex. 14, Äbtissin und Konvent bestaliiren der Stadt 
ihre alten Privilegien, Vgl. Mitt. 8u 

1330 Mai Q. DestüUgung dieser Urkunde imi wichiiijen 
Zusäuen. Ebenso. 

1326 Nov. 31. lU verliehen durch die Herzoge 

von Österreich. Ausi« ^ Regest -Mitt, 69. Cberlief. im 

Kopiatbucb im Stadtarchiv. 

1343 A|>r. 23, Richtung swischen Sudl und Stift. Druck 
rgovi.i V (1866) S. 90 Nr. 57, Vgl. .Mitt. 90, Sc hau binger, 
"B, 171 Nr. 40. 

11^4. Begtätiguiig dieses Vertrages durch Herzog Friedrich 
von « ii. Vgl. Schaubingcr, a. a. O. Nr, 41. 

1^ . br. 9. Richtung xwiscbon Stadt und Stift betr. Weide, 
Wald» Erbgüter etc. Vgl. Mitt, 91 

1400 Aug, 25. Richtung zwischen denselben bclr, des 
Hüixschbgens. Vgl, Mitt, 9K 



682 Koehne. 

143 1 März 22, Entscheidung von Streitigkeiten zwischen 
den Bürgern von S. einerseits, dem Pfandherren u. den Kirch- 
genossen des Thaies Wehr andrerseits über Gerichtsbarkeit, 
Steuern und Dienste. Vgl. ?*Iitt. S. 91, 92. 

1438 Sept. 23. Vergleich zwischen der Stadt und den 
Fischern zu S. und den Fischern zu Laufenburg. Mitt. S. 92. 

1467 Febr. 25. Herzog Sigmund von Österreich verleiht 
der Stadt das Fischlehen, die Frevel und Bussen, das Schult- 
heissen- und Meieramt. Mitt. S. 93. 

151 1 Juni 13. Vertrag zwischen der Stadt und den Pfand- 
herren zu Werr. Mitt. S. 93. 

1528 Dez. 13, 1571 Dez. 17, 1577 Febr. 26 u. 1630 Juli 6 
Verträge zwischen Stadt und Stift. Vgl. Mitt. 93 if. 

1574 Sept, 18. Fischerordnung auf dem Rhein. Mitt. 94. 

1575 Juli 9. Privileg Erzh. Ferdinands für die Stadt und 
verschiedene benachbarte Gemeinden betr. Arbeiten am Syssel- 
bach, 1576 Jan 4 von der Stadt und diesen Gemeinden erlassene 
Sysselfeldordnung. Mitt. S. 94. 

S/außn. Vgl. Mitt. XIV (ZGO. NF. VII) S. 118— 124, XIX 
(ZGO. NF. XII) S. 87, Hugard, Die Stubengesellschaften zu 
Staufen (Schau-in's-Land 15 S. 49 — 53), die Gemeindebeamten 
zu St. (ibid. 19 S. 36 — 40). 

1370. Zeugnis für das von den Grafen von Freiburg in 
Burg und Stadt Staufen vorbehaltene Öifnungsrecht. Druck 
ZGO. XVI S. 358, 359. 

^534- Spitalordnung. Or. im Stadtarchiv. Vgl. Mitt. 119. 

1555, 1617, 1652. Verträge der Stadt mit den Gemeinden 
Grünem und Wetteibrun über ihren gemeins. Wald. Vgl. Mitt. 119. 

ca. 1600. Eidesformeln bei der Verpflichtung der Gemeinde- 
angestellten. Vgl. Mitt. 120. 

1708. Urbar (?) der Stadt, auch Abschriften von Gemeinde- 
statuten, Verträgen etc. enthaltend. Teilweise Inhaltsangabe 
Mitt. 120. 121. 

Sieinhach, Vgl. Mitt. IX (ZGO. NF. III) S. 63. 

1258 Aug. 23. Steinbach erhält Freihurger Stadtrecht und 
einen Wochenmarkt. Or. G.-L.-A. zu Karlsruhe. Vgl. Fester, 
Regesten der Markgrafen zu Baden I S. 38. 

1552 Febr. 23. Entscheid zwischen der Stadt Steinbach 
und Philipp von Dalberg Weg und Steg, Wachtgelder, Leib- 
eigene etc. betr. Or. im Besitz des Herrn August Rössler auf 
Schloss Neuweier, Amt Bühl. Vgl. Mitt. XIX (ZGO. NF. XU) 
S. 34. Weistum von Steinbach im Fürstlich Löwenstein'schen 
Archiv zu Wertheim. Vgl. ZGO. XII S. 266 Nr. 19. 

Privilegien und Gerechtigkeitenbuch der Stadt St. im Ge- 
meindearchiv zu St. Inhaltsangabe Mitt. IX S. 63. 

St. Georgen. Vgl. Mitt. V (ZGO. XXXIX S. 239, 240). 
Ka Ichschmidt, Gesch. des Klosters, der Stadt und des Kirch- 
spiels St. Georgen auf dem badischen Schwarzwald. Heidelb. 1895. 



Übenicfit ftlitr die badticbeD n. dsSsrisclieii Sudtrechte. 



683 



c 



r 507 Aug. 21. K, Maximilian I. erhebt das Dorf St Georgen 
zu t^juem Marktflecken, Vgl Kaictiscbmidt S. 21. 

1620, Gemeindeordnung. Vgl. UhU 23g, 

SMUrtgm, Vgl Mitt. XIX (ZOO. NF, XII) S. 82—84, 
Baden in geogr, , . . Hinsicht S. 959. 

1640. Revers des Grafen Prosper Ferdinand von Fürsten- 
berg über die der Stadt St. zustehenden Rechte, erwähnt in dem 
Memonalc der Stadt von 1701, Gememdearch. Vgl, Mitt. S. 82. 

1777. Verordnung über Feuerversichenng, Vgl, Mitt. a, a« O. 

Stoi'J^acA, Vgi. Mitt. XV {7AMK NF. VIII) S. 64 — 66, XVII 
S- 41, 42, Baden in geogr. etc. Hinsicht S. 957, Jakob Barth, 
Ge&ch. der Stadt Stockach im Hegau (Stockach 1894), Ms, Nr. 627 
der F. Fürsten b. Bibh zu Donaueschingen über Verfassung von 
Stockach. (Vgl Barack, Handschriften S. 442}, sowie oben 
Radoh^ell 

1750, Akten über Verfassung der Stadt St. Gemeindearchiv 
XU St. Vgl Mitt. XV S 65, 

' 755^^93* Vorschriften über das Verfahren bei RechtS'- 
streltlgkeiten, Ebendort. Vgl ibid, 

1782. Gerichtsbarkeit der Stadt St. über die Häuser In 
den Vorstädten. 

1787. Ausübung der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der Schweizer- 
itonc. Ebenso, 

Suhbhrg^ Vgl Fecht, Der Amtsbezirk Mtällheim (Lörrach 
1861) S. 226 — 243, Martini, Solzburg in Freiburger Zt, V 
(18^2) S. t-190, 

1004. K. Heinrich II. giebl dorn S. Cyriakusklosier in S. 
MarkUecht, Vgl Stumpf» Regesten Nr. 1387, Fecht S, 259, 

1283. Schiedsspruch zwischen dem Kloster S. Trudpert 
und den Bürgern von S. ()r. im C»,-L.-A. zu Karlsruhe. Vgl 
Regesten der Bisch, von Konstanz Nr. 2579. 

1442. Marktprivileg K. Kriedrichs UL für die Stadt S, Vgl 
Focht S, 230, 

Thingin, Vgl Baden in geogr. . . Hinsicht S. 962. 

1291 April 24. K. Rudelf bestiktigl den Bürgern von 
Tbengcn ihr Markt/echt und die Freiheiten, welche die Bürger 
van DüufnAü/m haben. Ür- im G.*L,-A. vx Karlsruhe* Vgl 
ZGO. NF. I S. 77. 

14 IJ. Ausfertigung der .StaiUrechte von Diessenhofen behtifs 
Annahme. Or, im G.-L-A. Abdr, ZGO. XXV 27, 

ntimgtm. Vgl MitL VII (ZGO, NF. 11) S- 117—121, 
Bader Gesch, der Stadt Thiengen (1S25I Mnscrptc Bader* 
über Tb. und den Kleitgau im Stadtarch. zu Ih. (vgl Mar 
a. a, O, S, 120). 

1262 Jan, 25. Bischof FZbcrhard LI von Konstanz nimmt 
Heinrich von Krenkingen unter seine Vasialleu auf und triüt bei 
dieser Gelegenheit Bestimmung! tie ihm verlehnte Stadt Th. 

Vgl Ladewig, Regesten der von Constanz Nr. 2051* 



684 Koehae. 

1378. K. Wenzel sichert Hermann von Krenkingen und 
der Stadt Th. die Befreiung von fremden Gerichten, das 
Beherbergen von Aechtern und die Bürgeraufnahme von 
Krenkingenschen Eigenleuten zu. Vgl. ZGO. XIII 252, 253, 
Mitt. 117. 

1390. Urteilspruch in den Streitigkeiten zwischen Th. und 
denen von Krenkingen. Vgl. ZGO. XIII 356, Mitt. 118. 

1425 — 1546. Bestätigungen der städtischen Freiheiten. 
Vgl. Mitt. 117, 118. 

1640. Privileg des Grafen von Sulz für die Bürger von 
Thengen Näherrecht betr. Vgl. Mitt. 118. 

1603, 1615. Statuten, XVII. u. XVIIl. Jahrh. Stadtordnungen. 
Vgl. Mitt. 119 Nr. 37 — 4or 

1728. Zunftordnung für die Stadt Th, und die Landgrafsch. 
Klettgau. Vgl. Mitt. S. 120. 

Ulm vgl. Meersburg. 

Überlingen vgl. Wangen. 

Villingen. Vgl. Mitt. XIII (ZGO. NF. VI) S. 28-30, XV 
(ZGO. NF. VIII) S. 20—28, ZGO. VIII S. 106 fl*., XXXII 
S. 274 ö., Württ. Vierteljahrsh. I S. 129 fF., Villinger Chroniken 
in Bibliothek des litterar. Vereins zu Stuttg. Heft 151 u. 164, 
Barack Handschriften der F. Fürstenb. Bibliothek zu Donau- 
eschingen S. 446 — 448, Schleicher Beitrag zur Gesch. der 
Stadt V. (Donauesch. 1854 — 72), Mone, Quellens. I 82 ff., 
Steidlin Mercurius Villinganus (Freyburg 1634), Steidlin 
Lydius Austriacus (Rottweil 1634). Über Freiburg als Oberhof 
von Villingen vgl. ZGO. NF. V S. 509 Note 3, ZGO. VIII 
S. 108. 

999 — 1794. Kaiserl. und königl. Urkunden, die Freiheiten 
der Stadt V. betr. . Or. u. Abschriften im Stadtarchiv. Vgl. 
Mitt. XV S. 20 u. 23. 

999 März 29. K. Otto III. verleiht dem Grafen Berthold 
das Marktrecht für dessen Ort Vilingun. Or. im G.-L.-A. zu 
Karlsruhe. Druck Fürst. Urkb. V S. 33. 

1278 Aug. 19. K. Rudolf bestätigt dem Grafen von 
Fürstenberg für seine Städte Villingen, Fürstenberg, Haslach 
und Domstetten Befreiung von auswärtigen Gerichten. Or. im 
Arch. zu Villingen. Druck Fürstenb. Urkb. I 525. 

1282 Sept. 19. Privileg. Vgl. Koch- Wille, Reg. der 
Pfalzgrafen Nr. 1074. 

1284 Okt. 16. Vertrag mit Grafen von Fürstenberg. Vgl. 
Ladewig, Regesten der Bischöfe von Konstanz. Nr. 261 1. 

1 290 Juli 20. Sühnebrief mit dem Grafen von Fürstenberg. 
Druck Fürstenb. Urkb. I 607. 

1286, 1298, 1324, 1326, 1419. Bestätigung der städtischen 
Freiheiten. Drucke u. Regesten Fürstenb. Urkb. I 596, II 131, 
142, III 202, V 281. 

1293 oder 1294. Stadtrecht. Druck Fürstenb. Urkb. I 630. 



Ol ler sieht aber lUe bAdi^Uefi u. eUissiscbeD Stadtrechte. 



685 



XIV".— XIX. Jahrh. Urkunden über Zunftwesen im Stadt- 
"archiv. Vgl, Mitt. XV S. 25. 

1503 Mai 2- Die Stadt erhält Freiheit der Wahl des 
ehuttheissen. Druck Fürst. Urkb. II 14. 

151 1 — 1823. SatEungen und Ordnungen der Stadt im 
Stadtarch. Vgl. Mitt. XV S. 2u 

1314 Okt, 14, 1329 Juni 29» Zusätze zu den Statuten. 
Druck ibid. Vll S. 416 Nr. 269. 

1371, 1592» Gesetzbücher. Stadtarch, Vgl. ZOO. KF, V 
511 mit Note 3, 512, Note i. 

'309* Verschenkung der Stadt an Herzog Leopold von 
Österreich, Druck ZGO, VIII 382. 

1417 Juli 8. K, Sigmund erklärt die Stadt V, zur Reichs- 
Stadt. Druck Hugo S. 393. 

1536. Auskunft der Weberzunft zu V. über vorschrifta- 
mässige Verfertigung der Futtertvlcher. Or. im Stadtarch. zu 
Freiburg. Druck ZGO. IX S. 147. 

1563 — 66, Statuten. Ms. Nr. 18 der Universitätsbibliothek 
Freiburg. Vgl. ZGO. IV 142. 

V^^hnndacA^ Vgl. Mitt. XIV (ZOG. NF. VII) S, 33, Baden 
in geogr. . . Hinsicht S. 971. 

1244, Die Grafen zu Freiburg verzichten bei Gründung 
der Stadt V. der daselbst zu errichtenden Kirche gegenüber 
auf das Recht des Fatronats, der Vogtei und jegliche Gerichts* 
barkeil* Druck Ftirstenb, Urkb. I Nr. 411. 

1387 Graf Heinrich IV. von Förstcnberg beschwört der 
Stadt V. ihre Rechte, Druck ibid. 11 Nr. 516, 

1438. Vertrag zwischen den Grafen von F: und der Stadt 
V. Druck ibid. III Nr, 272, 

Wa/JhnA. Vgl. Mitt. XIU (ZGO. NF. VI) S. 126-128, 
Bader» Badenia NF. II f 1802) 584, Freibunrer Diöccsan-Arch. III 
124, ZGO. NF. V 495/ 

130Ü Aug. 8. Die Herren von c^cu^arzenberg geben Wald- 
_ rch FrnbHrg€r Recht. Or. im Arch. zu Waldkirch. Druck in 
Schreiber Urkb. von Freiburg 1 157. Vgl. Mitt. S. 126. 

1379— 1712. Bestätigung dct FrivÜegien. Or, im Stadtarch, 
Vgl, Mltt^ S* 127. 

1459. Ordnung der Schneider- tv /unft, mit 

Zusätzen bestätigt 1597. Or. in \V ige ZGO. 

xvn s. 4^. 47. 

1470, Söldnereid. Vgl. ZGO. XVIII . . ^,j. 

1470. Siadtschrejbcrordnung. Druck ZGO, XVI 402, 403, 

1470, Sudlrecht. Vgl. ZGO. XIV 79. 

1498 Jan. 28. Entscheidung zwischen Stift und Stadt W.. 
Bannwein und WaJdnutziing betr. Or. im Stadtarch. Vgl. Mitt. 
S. 128. 



686 Koehne. 

1507. Stadtrecht. Druck Freiburger Zt. X (1892). Vgl. 
ZGO. VlI S. 190. 

1588. Stadtrecht. Vgl. ZGO. XIV S. 80 ff., Mitt. XIII 
S. 128. 

WaldshuL Vgl. Mitt. X (ZGO. NF. IV) S. 92—168, 
Bader Gesch. der Stadt W. (Freiburg 1832), Chronik von W, 
und Umgebung aus dem 18. Jahrh. Hdschr. (im Besitze des 
Herrn Franz Längle zu Wutöschingen vgl. Mitt. VIII [ZGO. 
NF. II] S. 121), Loserth im Arch. f. Österr. Gesch. Bd. 77 
S. I — 149. 

1363 Febr. i, Privileg Herzog Rudolfs von Österreich das 
Asylrecht der Bürgerhäuser betr. . Kopie im Stadtarchiv. Vgl, 
Mitt 96. 

1370. Privileg K. Karls IV. für W. Verloren, Nachrichten 
über diesen und andere verlorene Freiheitsbriefe in einem 
Verzeichnisse vom 11. Sept. 1733 im Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 93. 

1380 Okt. 16. König Wenzel befreit die Bürger von fremden 
Gerichten. Kopie im Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 96, 97. 

1380. Derselbe gewährt den Bürgern das Recht, mit Aechtem 
Gemeinschaft zu haben. Mitt. S. 97. 

1445. K. Friedrich IV. verleiht der Stadt 2 Jahrmärkte. 
Vgl. Mitt. 100, auch Mitt. XVII (ZGO. NF. X S. 68) über eine 
Kopie dieser Urk. im Arch. der (kath.) Pfiarrei zu Bimdorf. 

1468 Nov. 21., 1469 März i. K. Friedrich IV. bestätigt 
der Stadt alle Privilegien (Vgl. Mitt. 104) und verleiht ihr den 
Wasserzoll (ibid. 105). 

1487 Febr. 5. Vergleich zwischen Kloster Königsfelden 
und der Stadt W. Mitt 106. 

1489 Dez. 20. Schiedsspruch zwischen der Stadt und den 
iLeuten auf dem Schwarzwalde« über Ausdehnung der städtischen 
Gerichtsbarkeit. Vgl. Mitt 106. 

1490 Juni 18., 1496 Febr. 26. Bestätigung der städtischen 
Freiheiten durch Maximilian. Vgl. Mitt. 107, 108. 

1496 März I. K. Maximilian verleiht der Stadt W. nach 
einer Feuersbrunst eine neue Ordnung bezüglich Wiederaufbaues 
und Hebung der Stadt Vgl. Mitt. 108. 

1513 Jan. 29. Zunftordnung der Schuhmacher. Vgl. 
Mitt 108. 

1520 Dez. 16. Karl V. bestätigt der Stadt Waldshut ihre 
Rechte und Freiheiten. Vgl. Mitt. 109. 

1523 Aug. 17. Vergleichsbrief in Streitigkeiten der Stadt 
Waldshut mit der Stadt Laufenburg über Fischereiberechtigungen, 
Vgl. Mitt 109. 

1526 Jan. 19. Aufhebung aller Privilegien der Stadt 
Druck im Arch. f. Österr. Gesch. Bd. 77 S. 135. 

1527 April 12, Erzherzog Ferdinand von Österreich ordnet 
die Verfassung der Stadt, indem er ihr nur wenige ihrer alten 
Rechte zurückgiebt. Vgl. Mitt, S. 1 10. 



Überticht aber die bftdbchen n. elft&ssisctieD SUditechte. 687 

15JO. Aug. 10, Priv. Karl V. für Waldshut. Vgl. Mitt. S, in. 

*553* Stadtbuch enthaltend Statuten und Ordnungen für 
Idie Stadt, Feuerordnung, Steingrubenordnung, Beeidigungs- 
jformutare für die städtischen Beamten (1651) etc. Vgl, Mitt 
p* 1*3» vgl. auch S, 161 Nr. 384. 

1567 Nov, 5. Bestätigung der Privilegien von W, durch 
[Knherzog Ferdinand. Vgl. Mili. S. 115. 

1594. Buch der Statuten und Freiheiten der Stadt W,, 
[enthaltend Bestimmungen über eheliches Güterrecht, Erbrecht^ 
[Sirafrecht, Gewerberecht etc. Vgl. Mitt. S. roi* 

tSQQ Mär« 24. Bestätigung der Privilegien der Stadt W. 
^ durch Kaiser Rudolf 11, Vgl Mitt. S. 117. 

1624. Kid und Ordnung der »Droitmeisterf zu W. Kopie 
im Gctneindearchiv lu Dogem. Vgl. Mltt. VlI (ZOO. NF. l) 
35 Nr. 15. Vgl auch Ibid. S. 34 Nr. 16, 17. 

1631 Juli 25. Satzungen der Herrenstubengesellschaft. 
|Vg|. Mitt. S. 120. 

1646 April 23, Aufzeichnung über .Ausdehnung des Blut- 
ft^annbedrks der Stadt W. Vgl. Mltt. S. 124, auch S. 160 
[Kr. 376. 

1651 Aug. 14, Bestätigung der Privilegien durch Erzherzog 
[Ferdinand Karl von Österreich. Vgl. Mitt. S. 125. 

1701 Okt. 17. Kaiser Leopold bewilligt der Stadt W. unter 
Erneuerung rler früheren Privilegien auch *die ehemal gehabte 
Freyheit zweier jährl. Viehmitrktet, Vgl, Mitt, S. 132. 

1707 Juni 18, 1742 Juni 15. Bestätigung der PriWIegien 
ron W. durch Joseph 1* und Maria Theresia. Vgl. Mitt, 

^*^. 135» »37- 

Wangen, Vgl. Hugo. MediatisieniDg der d. Reichsstädte 

1(1 838) S. 155t 15Ö. 

1281. K. Rudolf bestätigt die Satzung Friedrichs M. über 
die Vogtei von Wangen. Or. Getneindearch. VV. Druck 
Boehmei Acta imp. selcctA p, 335. Vgl Furstcnb. Urkb. 1 
560, Regesten der Markgrafen 1 h 7. 

1286 Jan. 10* K. Rudolf verleiht den Bürgern von W. 
» (oranger Recht. Or. in Stuttgart. Druck Hugo Mediat. S, 403. 

1348. PrivUeg, Druck ZGO. XXH 28. 

1377. Privilegien bestStigung. Vgl ZGO, XXU 21. 

riW/ciM. Vgl Mitt XVII (ZGO. NF. X) S. 92. 93. Badcii 
|in geogr. . • . Hinsi* tj. 

1305-*! 7 24. 1 ] riefe der Grafen zu Fürsteuberg für W* 

jOr. Im St^tdtarch, Druck Fürsienb. Urkb, II 21, 427, VI 108, 
In 570, Regesten III 40, 132, IV 120, 124, 426. Vgl. Mitt. XVII 
IS, 92. Kopialbuch der Wolfacher Frciheiisbriefe im F. Fürstcn- 
[l>ergUchen Arch. zu Donauescbingen. Vgl Fürstenb. Urkb. Itl 
|S. 31 Nr. 40, 

1347 Okt 23. Stadtrecht. Or. Sudtarcb, (?) Druck Fürst. 
|Urkb. U 264» vgl auch V 488 S. u-o 

Zfhtclir. r. Gttcti. il. OtrvrHi H. r. XIH ^^ 



I . 



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r 



688 Koehne. 

1400 — 1500. Weistum. Vgl. Fürstenb. Urkb. Jll i, Frei- 
burger Ztschr. II S 425. 

1407 — 1537. Städtische Verordnungen über Amt des Schult- 
heissen, Stadtschreibers und Schullehrers, den Eid der Bürger 
und Dienstknechte, abschriftlich in Ms. des Stadtarchivs. Stadt- 
schreiberordn. von 1470, Büttelordnung und Eide, gedruckt 
ZGO. XX 42 ff. 

1470 — 1509. Stadtbuch. Druck Fürst. Urkb. VII 1. 

15 10. Aufnahme von Wolfach ins Burgrecht von Rottweil. 
Vgl. ZGO. XXX 408. 

1603. Ordnung betr. die Musketiere und Schützen zu W. 
Vgl. Mitt. S. 92. 

1615. Verordnung über die Reutfelder. Vgl. ZGO. XXI 266. 

1643. Niedere Gerichtsordnung. Stadtarch. 

1687. V^erordnungen über Polizei, sowie Strassen und Felder 
der Stadt. Stadtarch. Vgl. Mitt. S. 93. 

Zel/ am Harmcrshach. Vgl. Mitt. XIX (ZGO. NF. XII) S. 53, 
54» J- J. Moser, Staatsrecht von Zell (Leipzig 1740), Gothein, 
Wirtschaftsgesch. des Schwarzwaldes S. 2 18 ff., Platz in ZGO. 
NF. XII S. 691 ff. 

1366. Privileg Karls IV. für Zell. Vgl. ZGO. XII S. 691. 

1545. Privileg Karls V. für Zell. Vgl, ibid. 

1682. »Stattbuch der Reichsstatt Zell« im Gemeindearch. 
Vgl. Mitt. S. 53. 

1727 — 1730. »Neue Schwörartikel- Ay dt, so die Bürger zu 
schwören haben.« Gemeindearch. Vgl. Mitt. S. 54. 

1793. Entwurf einer Gantordnung. Gemeindearch. Vgl. 
Mitt. S. 54. 

Stadtrecht abgedr. in Samml. der Landrechte (Karlsruhe 
1805) II S. 3—58. 



. ««K.. ..^-m. ^ i^- . .. .. .< 



M i s c e U e n. 



Nochmals das oberrheinische Formclbuch, Gegenüber 
den von mir in dieser Zeitschrift N* F. n, i — 55 vcröflcnt- 
Uclilen Ürieten eines oberrlieinischen Formelbucbes aus der Zeit 
der ersten Habsburger hat Bresslau ira Neuen Archiv 21, 783 
starke Bedenken geäussert Sicher habe der Verfasser, bemerkt 
ßrcsslau, gewisse Kenntnis von den Dingten gehabt, die er 
behandelt, aber wie die Briefe vorliegen, zttigcn sie so viele 
formelle Vefst<V39c gegen den Überwiegenden, wenn nicht 
konstanten Ciebrauch der Zeit und so viele stilisthche Chcr- 
nng in Stücken, die von ver- 't^llern 

h 1 sollen, djss der Verdacht» sie ?.> r rum 

roinilesten in ttusscrordentfich starkem Masse überarbeitet, sehr 
nahe zu liegen aicheinl. Professor Ilresslau war so freundlich 
gewesen, mir schon vorher in einem längeren Schreiben (vom 
6. April 1896) »eine Bedenken ausführh'cher auscfn i n* 

leb musste natürlich f»>r diV V^<Tv%'er!«nt^ dieser i i\ 

Regesten König Rud* inst klare zu kommen 

«neben. Und die m 1 , ing der Brfef$amraluDg 

brachte mich denn scbliesshch xu einem Ergebnisse, welches 
mit der Ansicht Dresslaus im wcsentiichcn fibcrcinstimmt« Ich 
habe dem bereit» in fCcg, traperü VI o. 1 766 Ausdruck gcgebeü 
und 1 Ur ;tn dieser Slcllr eine nähere Begründung för 

die : meincH Urteils bringen. 

i*tir uns kommen hauptsächlich die erste und letxte Gruppe 
dcx Uricfsamralung (n. 1—72, 60 — 72) in Betracht. Sie enthalten 
die Schreiben, welche mit K6nig Rudolf und seiner Zdt in 
Beziehung stehen, beide Ciruppcn betreffen überwiegend Städte 
und Büix'er, die Stellung von Südtcn zu Kuiiig und Reich. 
I N-'l und Wandel in St;idten* Zwull '-n 34 

> ollrn vun K HiikT Ku'lotf hernihren, J von 



besUtieinig» lütiht an «vier Bttfjicltt Zwei Bdrf« waren »choa in Böhmers 
Act» impcrii sei, 366 n. 4S1 und 709 o, 1009 ttüert wotdcu; ich ^ 

roil n. 481 und 11» 1009, dl* Qhri^n mit der Nummer meiner t u; 

n. 60^ 61 und 62 des Codex sind daielb«t nur tn Rr|»e9lHi (Sw J4« 35) 
AUgüUstL 

4S' 



690 Miscellcn. 

mindestens fünf verschiedenen Ausstellern an ihn gerichtet» 
die übrigen 14 sind von 13 ganz verschiedenen Schreibern 
für verschiedene Empfänger bestimmt. Wenn nun bei so 
be wandten Verhältnissen die Stilvergleichung ergiebt, dass alle 
diese Briefe dasselbe Diktat aufweisen, dann folgt hieraus allein 
schon, dass die Briefe das Erzeugnis auch eines und desselben 
Urhebers sind, dass sie also fingiert sein müssen. 

Das ist nun in der That der Fall. Schon früher war mir 
eine gewisse Unbeholfenh'eit des Ausdrucks, die Anwendung 
mühsamer Konstruktionen in den Schreiben König Rudolfs auf- 
gefallen, Eigenschaften, die mit der sonstigen gewandten 
und beredten Stilistik der königlichen Episteln sehr kontra- 
stieren. Ganz dasselbe ergab sich nun auch bei den 
übrigen Briefen der Sammlung. Es ist in erster Linie eine 
gewisse eigentümliche Wortstellung, welche den Briefen dieses 
Gepräge verleiht. Zunächst die ganz regelmässige Voraus- 
stellung des Pronomens vor das eine Anrede enthaltende 
Substantiv: vestra, tua dileccio n. i, 5, 27; vestra, nostra 
celsitudo n. 4, 8, 15» 17, 18; vestra serenitas n. 4, 17, 18; 
tua fidelitas n. 6, 8, 14, 15, 23; vestra circumspeccio n. 7, 9, 
21, 28, n. 481; vestra magniücencia n. 7, 21; vestra strenuitas 
n. 13, 17, 18; vestra industria n. 12, 19, 20, 29, n. 481; tua, 
vestra discrecio n. 25, 27, 33; vestra dominacio n. 9, 22, 26, 29; 
vestra sapientia n. 1009, u. s. w. Der sonstige Gebrauch der 
Zeit geht dahin, in der Regel das Pronomen nachzustellen, weil 
dies fast immer durch die Gesetze des richtigen Tonfalles 
(Rhythmus» Cursus) bedingt ist. Indem nun diese Normen in 
unseren Briefen vielfach unberücksichtigt blieben, entstanden harte 
Wendungen, wie z. B. in n. 13: vestre strenuitati volumus esse 
notum, während es sonst heissen würde : strenuitati vestre notum 
esse volumus; oder n. 14: tue üdelitati presentibus innotescat 
und n. 27: tue dileccioni clareat per presentes, statt fidelitati 
tue, dileccioni tue. 

Dazu gesellen sich nun eine Reihe von noch auffallenderen 
Diktateigentümlichkeiten aller dieser Briefe«). Die Sätze werden 
sehr gerne eingeleitet mit Cum igitur und cum ergo (n. 3, 12, 
18, 19, 21, 26, 28, 29, n. 481), oder mit Sciat igitur (n. 6, 9, 
10, 22, 23, 33, n. 1009), am liebsten aber und geradezu 
charakteristisch mit quare (n. i, 5, 7, 8, 13, 14, 15, 16, 17, 19, 
20, 22, 2'jf 33, n. 481). Strafandrohung oder Versprechen 
der Belohnung u. ä. wird regelmässig mit sciens oder sciturus 
eingeführt (n. i, 14, 15, 16, 19, 22, 29, n. 481). Verhältnismässig 
häufig wird das sonst nicht sehr gebräuchliche Wort barones 
angewendet (n. 3, 6, 8, 18, 29, 33), ebenso die Anrede vestra 
circumspeccio (vgl. oben) und zwar auch in Schreiben von 



1) Auf eine Reihe der nachfolgenden Beobachtungen hat Bresslau in 
dem oben citierten Briefe aufmerksam gemacht. 



Miscelltci. 



691 



ReFchsangehörigen an den K5iiJg (n, 7, 9, 11), wo sie 
enuchieden ungehörig ist. Gewisse Wendungen and Phraien 
kehren oft wörtlich wneder: consilium et auidUum n. 15, i8> 22; 
experiencia ambigere non permittit n. 1009» experiencia comperimus 
non ambigua n. 10; nuHa causa previa rationabili 22, nalla 
racione previa 28; rebus suis teoiere spoUatus 18, rebus suis 
temere spoliaverunt 28; auspice domiiio n. 6. 9; der Schluüs 
von n. 16 und 22, von n. 5 und 19. Sehr auffallend ist endlich« 
daas in keinem der Schreiben Rudolfs die Grussformel, soweit 
eine solche vorhanden ist, so lautet» wie sie nach allgemeinem 
Brauch in Königsbriefen lauten sollte, nämlich: gractam suam 
et omue bonum Oi ^^ hetsst vielmehr salutem et graciam suam 
(n. 1, 12, 16, 17, 35), oder suam graciam (n. 6, 13, 23)^ oder 
salutem (n. 15), oder bonam in omnibus voluntatem (n. 481), Es 
erscheint besonders unzulässigp dass der König Reichsan gehörigen 
seinen GruHs (salutem) entbietet; denn dies kommt nur in Briefen 
an auswärtige Fürsten» an Kardinäle und Kirchenfürsten und 
höhere Geistliche vor')* Geradezu ganz ungehörig ist die 
Inscriptio in n, 481: sancte sedis Coloniensis episcopo (l) bonam 
in Omnibus voluntatem. 

All diese Dinge wirken schlagend, wenn man z, B, Schreibon 
wie n. 14, 15 und 19 mit einander vergleicht^ das erste vom 
Landvogt Otto von Ochsenstein an den Schullheiss von Hagenau, 
das zweite von K. Rudolf an einen Vogt, das dritte von der 
Stadt Strassburg an die Stadt Speier. Nr. 15 ist eine ganze 
Mustersammlung der angeführten Eigentümlichkeiten, besonders 
auch der schwerfälligen Diktion, n* 14 beginnt genau mit 
derselben Formet wie n« 15: tue fidelitaii presentibus innotescat, 
beide drohen sub obtentu nostre (regalis) gracie (was aifch 
noch in n. 8 ganz ebenso vorkommt), in allen dreien die Ver- 
bindung mit quare, die schleppende Konstruktion mit sciens 
oder tciturua« 

So ist wohl die einheitliche stihstische Mache der beiden 
fiaglichen liriefgruppen und daher ihr Charakter als fingierter 



n So »threibt K, Kadolf sog«r an »eine Geniblia und seine Söluie. 
v|gl Wiener Bneftammlune n- U9i tl6, 184, Wenn in einer Sühne 
K. Ritdolft vom 10. Juni I29t (Böhmer Actt tel 34a) »alutem ei credere 
tubimUtift vorkuRimf, to gjthi die*e den PrivAinrkunden eigen tam liehe Formel 
in diefcm Fi^lle jinf die von den Pattelen herrUhfende F Absang der Urkunde 
mrick. ItahenUcben Untertkanen wird, wolil nkht ohne Absicht, geschrieben i 
grtciam itum et benivoUni (bonainji volontilem, Wiener Briefi. u. t^% 
StobUi ira Archiv f. öuctr, Ge^ch* I4. 358 n. 237, 365 n, 171, Winkelmtno 
Acta 1» 90. -i* ') Vgt Erben in Keiien Archiv ao, 36a. So t. B In BodmAnn 
Cod* «|K Rodolfi 3 (an den Kdnif voo Eoglrad)! ib. 148, Mirtiben ^ die 
Snqt»laitor«fi, und in dm din g il i S i l ti i i Ktapablixi«TQOf dtr Konvtltiittoatn 
K. FHnlKchi It« gfftn dl# K«t<tr» BOhaar Mia id. 367 n. 484* H^- Htf * 
imper. VI n. iof;o. ;i. 



tCjl 



Miscellen. 



Schreiben, als Stilübungen unbestreitbar. Allein sie sind darum 
nicht einfach bei Seite zu werfen. Ihr Verfasser hat ganz 
erhebliche Kenntnis der Zeitereignisse in Südwestdeutschland, 
ein Umstand, der mich früher die formellen Bedenken über- 
sehen Hess. Die Kenntnisse können nun nicht mehr durch die 
Benützung von Vorlagen aus der königlichen Kanzlei erklärt 
werden, sondern nur dadurch, dass der Verfasser eben selber 
damals, d. h. in den letzten Jahren von Rudolfs Regierung 
arbeitete, dass er ihm bekannte Ereignisse als Themata seiner 
Stilübungen nahm, auch selber dies und jenes aus seiner 
Phantasie hinzuthat und so eine Sammlung zustande brachte, 
ähnlich der wie sie um dieselbe Zeit der niederbaierische Notar 
Wolfgang von Altaich kompilierte i). 

Es macht den Eindruck, als ob dieser Mann vom Obeirhein, 
vielleicht ein Constanzer 2), etwa in den Jahren 1283 bis 1291 
nach und nach sein Formelbuch zusammenschrieb*^). Bis 1283 
und 1284 reichen die Ereignisse zurück, an die er anknüpft. 
In n. 4, das sonst in den Jänner 1284 fiele, ist die Rede von 
einem päpstlichen Legaten, der am Rhein angekommen sei und 
ich habe schon in Reg. imp. VI n. 1813 vermutet, dass dem 
Diktator hier der Kardinallegat Johannes von Tusculum vor- 
schwebte, der im Herbst 1286 in diesen Gegenden eintraf; 
hiernach wäre dieses Schreiben frühestens Ende 1286 entstanden. 
Das angebliche Schreiben Bischof Heinrichs von Basel an König 
Rudolf (n. 9) scheint recht bald nach Heinrichs Sendung an 
die Kurie im Februar 1286 geschrieben zu sein (vgl. Reg. imp. 
VI n. 20 lO-*). Die spätesten sicheren Beziehungen führen zur 
Niederlage der Berner an der Schosshalde am 27. April 128g 
(n. 1009) und zur Bemühung König Rudolfs, seinem Sohne 
(Albrecht) die Nachfolge zu verschaffen im Frühling 1291 (n. 481). 



^) Vgl. Rejj. imp. VI n. 2517. — '^) Die Beziehungen zu Constanz sind 
doch auch in den beiden fraglichen Gruppen stark hervortretend — 9 Schreiben 
betreffen Constanz. — ^) Eine Beobachtung bei Schreiben Friedrichs d. Seh. und 
Ludwigs d. B. an Constanz (13 14 Juni 20, Nov. 28, Dez. 9, Schwalm im Neuen 
Archiv 23, 297, 314, 315) schien mich auf eine Spur zu leiten, die zu einer andern 
Annahme geführt hätte. In diesen Briefen kommt nämlich das .vquare-. und 
das vscituri . vor. Sollten wir etwa da die Quelle für die oben geschilderten 
Kigentümlichkeiten des Diktators vor uns haben, hätte er die KOnigsurkunden 
und Briefe des Constanzer Archivs als Musler benützt? Um dies zu verfolgen, 
sah ich eine ganze Reihe der für Constanz ausgestellten Königsurkunden 
seit Rudolf durch, welche mir durch das General-Landcsarchiv in gütigster 
Weise nach Wien gesandt wurden. Allein es fand sich absolut gar kein 
weiterer Anhaltspunkt mehr vor, so dass es doch wohl bei der oben aus- 
gesprochenen Annahme verbleiben muss, dass die beiden fraglichen Teile der 
Briefsammlung in den letzten Jahren der Regierung König Rudolfs entstanden 
sein werden. — *) Wegen der hier vorkommenden Wendung manu militura, 
quam prepotens Germania poterit germinare vgl. Reg. imp. VI n. 1920. 



Darnach sfnd denn nun diese Schreiben kritisch 211 beurieilen 
und zu verw*erte?n. Es erklären sich üo vor allem die verschiedenen 
aufbllenden Angaben» die mit anderweitig Bekanntem gar nicht 
£U9ammenstimnien, oder ihm geradezu widersprechen. So also 
der papsiliche Legat am Oberrhein zu Anfang 1284 (n, 4), die 

pV'ermilllung schwäbischer Städte im Speierer Streite (n. 6), der 
Krieg *in Austria* (n. 33) und nocli anderes (vgl, n. 7, S, <)f 
10. 13, 21, 2j, iooq). Das sind einfach Unriclaigkeiten, die 
der Verfasser bcwusst oder unbewus^t hineingebracht hat. Es 
erklären sich Ungehörigkeiten wie die klägliche Sprache des 

^Königs gegenüber einer Stadt in n. lo, die Drohung gegen 
Uuber in dem SchuUbrief n. 16» die Absicht Rudolfs cingu- 
lum militie dissolvere in n, 481. Allein trotz alledem kann da 
und dort ein Kern stecken, der ganz wohl unter den gebotenen 
Reserven hisionsch verwertet werden darf. In 15. 6 fordert z. B. 
König Rudolf den Grafen Albrecht von Hohenberg Landvogl in 
Schwaben auf, mit Vertretern der ihm untergebenen Städte an 

.«inem bestimmten Tage nach Speicr zu ^ , damit durch 

'deren und der Grossen Rat der Zwist - . Bürgern und 

Geistlichkeit in Speier beigelegt werde. Hierzu bemerkte fdi in 
Reg. imp. VI n. 1842: Dass die Vertreter der schwäbischen 
Städte wegen jencsi Friedenswerkes nach Spcier berufen wurden» 
ist ganx undenkbar. Aber vielleicht ist es gestattetp die Kombi- 
nation des Kompilators so aufzulösen: es wurden unter Intcr- 

, vention des Landvogts Albrecht von Hohenberg die schwäbischen 
Städtcbolen an den Rhein geladen, allein nicht nach und wegen 
Speier, sondern nach Worms und wegen der Steuerfordcrungen 
des Königs und neuerlicher Leistung des Treueides. Denn wir 
wissen« dass Rudolf die rheinischen Städte auf Jacob! 12B4 nach 
Worms zu diesem Zwecke zusammen bericl j^vgL Reg. imp. V! 
n. 1850*). .Aus unserem Schreiben dürfen wir also mit gewisser 

I Wahrscheinlichkeit eninehraeD, dass damals auch die schwäbischen 

[Städte Vertreter nach Worms zu senden hatten* 

Solch«! Kritik musM bei jedem einzelnen der Bride nach 
J^e der Dinge geübt werden. Idi habe dies in der Neu- 
beAibeitung der Regesien von 1273 — 1313 versucht und das- 
jenige in diesen Brieten xu fassen gestrebt, was ihnen vielleicht 
als vrrwcribar entnommen werden kann* Ich darf daher w^oW 
einfach darauf verweisen und citi^rrc die betreffenden Nuramcru 
voti Reg. imp. VL nämlich n. t^biy, »813, 18 u>, 1842, 1843» 

^lg02, ^OID, 2J12, 2121, 2227, 2444, 2^iO 2516, 

Die erste und jetn«^ Gruppe des ganzen Formelburhes ist 
Iso in H in der ge :n 

reise eil ' >n ist die mit'. f- 

pTUppe (Cod. n. 2^ — 59), deren Schreiben die geistliche Verwaltung 
und das Verfahren vor geistiichem Gericht betreffen. Diese 
Gruppe kann jedenfalls erst nach 1325 abgeschlossen worden 



694 



MiFcellen. 



sein^). Aach sie ist z^-ar am Oberrhein entstanden, sehr wahr- 
scheinlich ebenfalls in Konstanz, aber ihr Kompilator hat wohl 
kaum etwas mit dem Verfasser der andern Briefe zu thun; er 
hat wohl nur die ältere Sammlung mit seiner eigenen verbanden. 
Wenn daher Cartellieri aus der Vereinigung der früher mass- 
gebenden Erwägungen schliessen zu können glaubte, dass etwa 
ein Notar des Konstanzer bischöflichen Gerichtes mit Unter- 
stützung Bischof Heinrichs von Klingenberg (1293— 1306) die 
Sammlung angelegt habe, so dürfen wir jetzt dieser Vermutung 
nicht mehr Raum geben. Denn jene älteren Briefe sind geschrieben, 
als Heinrich von KJingenberg noch gar nicht Bischof von Konstanz 
war, und dass er etwa als Vicekanzler König Rudolfs zu solchen 
ungelenken Stilübungen Pathe gestanden, ist gewiss nicht anzu- 
nehmen. Als aber die zweite, geistliche Briefgnippe in Konstanz 
kompiliert wurde, war Bischof Heinrich längst schon tot 

Wün. Oswald Redlich. 



Über den Ursprung des Konstanzer Freskencyclus aus 
dem 14. Jahrhundert, welcher sich in dem Hinterhause Münster- 
platz 5 befindet und in dem jetzt noch erhaltenen Teile von 
kunst- wie von kulturgeschichtlicher Seite gleich geschätzte Dar- 
stellungen über die Leinwandweberei enthält, habe ich, einer 
Anregung Schuhes folgend, eingehende Nachforschungen im 
Stadtarchiv Konstanz angestellt. Die Konstanzer Steuerbücher 
reichen bis 1429 zurück und soweit die Häusersleuerregister eine 
zuverlässige Fährte boten, konnte nur festgestellt werden, dass 
das fragliche Haus, in dem sich die interessanten Wandgemälde 
befinden, jedenfalls schon im 15. Jahrhundert dem Stift St. Johann 
gehörte, als dessen Mesnereiwohnung diente und von der städti- 
schen Häusersteuer frei war. Als Mesnereihaus von St. Johann 
hat bereits Schober, Das alte Konstanz, 11 S. 29 dasselbe 
richtig bezeichnet. Vgl. auch Kraus, Kunstdenkmäler I S. 288 f., 
Ettmüller in den Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft 
in Zürich, Heft XXX, und vor beiden Mone ZGO. XVH, 284. 

Es ist klar, dass wir in einer vermöglichen Handelsfamilie 
des Mittelalters den Urheber des Cyclus zu erblicken haben und 
dass jedenfalls das Stift St. Johann es nicht war, welches die 
Dienstwohnung seines Pfarrmesners mit solcher für jene Zeit 
luxuriös zu bezeichnender Pracht ausstattete. Ausserdem verbot 
der Inhalt der Darstellungen, an eine Beziehung zum Stift St. 
Johann zu denken. Der Versuch, aus den Quellen des Stadt- 
archivs Konstanz eine befriedigende Lösung der Frage zu erhalten, 
war demnach gescheitert. Dieser Tage kam ich bei Durchsicht 
der Archivabteilung Petershausen (Conv. 64) im Grossh. General- 

*) Wie Cartellieri in dieser Zeitschrift N.F. 11, 316 gezeigt hat. 



Miscenett^ 



695 



landesarchive zu Karlsruhe auf eine Urkunde, welche uns einen 
Fingerzeig giebt, woher die Bilder stammen mögen. Der Cyclus 
hetindet sich nämlich an der seitlichen Abschlusswand des frag* 
Hchen Hauses gegen das nördliche Nachbarhaus zum Hiriicbhorn 
KU« ja ist besser gesagt auf die sehr starke Mauer jenes Hauses 
aufgemalt» da das Haus* welches die Bilder enthält, vom »Hirsch- 
horn^i nicht durcli eine eigene Mauer getrennt ist Das Haus 
zum Hirschhorn gehörte aber im spätem Mittelalter dem Kloster 
Petershausen. Die genannte Urkunde, datiert vom 28, Juni 157^, 
ausgestellt vom Konstan^jer Stadtamman Ulrich von Roggvilc, 
berichtet uns, dass an diesem Tage der Konstanzer Bürger und 
Goldschmied Konrad Flötzer und seine Frau Agnes, letztere 
durch die Hand ihres gekorenen Vogtes Heinrich im Tum, an 
Aiit Burkart und den Konvent des Klosters Petershausen um den 
zum Kaufpreis von 300 Pfund Heiler ihr Haus und Hofraithe genannt 
Hirschhorn verkauft haben, >die zu Konstanz bei der S. Johannes-^ 
kircbe gelegen sind zwischen dem Haus, darin jetzt die V'olgerin 
wohnt und dem Haus und Hofraithe, die Herr Heinrich Under- 
Schopf selig bewohnt halte, welche beiden Nachbarhäuser jetzt 
an das Gotteshaus S. Johann geborene Das Haus mit den 
Bildern war also schon im Jahre 1372 im Besitze des Stifts 
S, Johann, die Bilder sind demnach vor dieses Jahr zurück zu 
datieren. In der Familie Unterschopf ist aber eine Geschlechter* 
familie als FjgentümcttJi des fraglichen Hauses gefunden, die sehr 
wohl die Gemälde anbringen lassen konnte. £s mag der zwischen 
1285 und 1320 (vgl Beyerle, RaUlisten S. 63 — 76) erwähnte 
Heinrich Unterschopf. Schenk des Bischofs von Konstanz, gewesen 
sein, der die Wände seines Hauses in der gedachten Weise 
schmücken Hess. Wenn wir weiter erwägen, dass ein Heinrich 
Unterschopf von 133 1 — 1 345 als Chorherr von St. Johann vorkommt 
(siehe Konstanzer Bischofsregesten 11 Nr, 4269, 4723), welcher 
der in unserer Urkunde erwähnte Heinrich Unterschopf sein 
durfte, so int uns» damit auch gleichzeitig ein Schlüssel gegeben, 
auf welche Weise das fragliche Haus in den Besitz des Stifts 
S Johann kam. Ks geschah dies vermutlich durch lelztwillige 
Zuwendung des gedaolUeo Chorhcirn Heinrich Unlerschopf, 
Komians, Ä". Beyerle* 



Zur Lebensgeschichte des Ulrich Zasius* In der 
Deutschen Zeitschrift für Geschiihtswissenschait N,F. II, S. 183 f. 
teilte vor kurzem F, Priebatsch einen Brief von Bürgermeister 
und Rat zu Konstanz vom 3, August 1485 mit, üi welchem 
Ulrich Za^ius für das Stadtschreiberamt des kleinen schwäblftcbeu 
Gemeinweiiens Buchhorn empfohlen wird» in der Zeitschrift 
der iiavignystifiung tür Rechtsgeschicbte , Germ. Abt, XVIII, 
S. 170-170 brachte alsdann F, P- Bremer das Familie nstatui 



6gö Miscellen. 

der Herren von Rappoltstein vom lo. Februar 151 1 zum Abdruck, 
dessen Entwurf nach den überzeugenden Darlegungen des 
Herausgebers auf Zasius zurückzuführen ist. Es sei gestattet 
mit dem Hinweis auf diese beiden Aufsätze den auf zwei noch 
unbekannte Urkunden zu verbinden, die des Freiburger Gelehrten 
Thätigkeit als Anwalt veranschaulichen mögen*). 

R. Slintzing -i) hat mit Recht des Ansehens gedacht, dessen 
sich Zasius als Sachwalter erfreute; man habe ihn mit Q Mucius 
Scaevola verglichen. Ein Zeugnis hiefür ist die Urkunde der 
Äbtissin Veronica und des Konvents von Güntersthal vom 
17. Februar 15068). In einem Streite mit Vogt und Richter zu 
Wolfersweiler sowie Paulin von Öhlinsweiler, der vor dem Abt 
von St. Peter auf dem Schwarz wald zum Austrag gebracht werden 
soll, werden die >hoch- und wohlgelehrten, würdigen und ehr- 
samen Herren«, Doctor Ulrich Zasius (Zass) und der Magister 
der freien Künste Blasius Eichen, zu »Anwälten, Sachträgem, 
Gewalt- und Machthabem« der Frauen von Güntersthal bestellt: 
was sie oder ihre Ersatzmänner beschliessen, bindet das Kloster, 
das ihnen unter Verpfändung seines liegenden und fahrenden 
Gutes jedweden Schaden zu ersetzen verspricht. 

Die Dürftigkeit der Oberlieferung gestattet nicht, Ursache 
und Ausgang des Zwistes kennen zu lernen: jedenfalls aber 
trat diese Irrung an Bedeutung weit hinter einer anderen zurück, 
die das Kloster Güntersthal und die Freiburger Stadtgemeinde 
während der nächsten sechs Jahre in Spannung erhielt*). 

Veranlassung und Verlauf waren folgende. Im Jahre 1467 
hatte der Rat von Freiburg zwischen den Güntersthaler Nonnen 
und den Einwohnern des Dorfes Adelhausen einen Vergleich 
vereinbart, in welchem durch die Aufrichtung einer neuen Grenze 
der Geltungsbereich der klösterlichen Hoheitsrechte umschrieben 
worden w^ar. Ohne Wissen der Klosterfrauen war späterhin dem 



') Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass die von Ulr. Zasius 
redigierte und am 2. Okt. 15 11 von Markgraf Christoph bestätigte Erbordnung 
für die Markgrafschaft Baden, die Stintzing (Ulrich Zasius, 156 Anm. l) 
nur dem Titel nach kennt, handschriftlich und als Druck im Karlsruher 
Archive vorhanden ist Über das Honorar, das Zasius für seine Arbeit 
bezogen, vgl. die Notiz bei Mayer, Beitrage z. Gesch. des bad. Civilrechts, 
19 Anra. 3 — Anm. d. Red. — *) Stintzing, Ulrich Zasius 46. — ') Karls- 
ruhe GLA. Kopb. 378 a, 27. — <) Ich stütze mich im folgenden auf die 
Akten von Güntersthal, Conv. 2 10 und 16 (GLA.); das Original der 
Urkunde vom 27. Oktober 15 11 (GLA. 23 Gen. 7) umfasst 112 Folioseiten; 
vgl. im Allgemeinen Bader, Freiburgcr Diöcesanarchiv V, 163 f, 180 ff. Die 
hier citiertc Handschrift: ^Beschreibung des adeligen Gotteshauses Günterstbal 
de anno 1752« ist mir nicht zu Gesicht gekommen. Auch blieben Nachfor- 
schungen nach weiterem archivalischem Material im Freiburger Stadtarchiv, 
die Herr Dr. Albert anzustellen die Güte hatte, ohne Erfolg. 



Mitcelli 



697 



Vertragsinsirumcnt ein Vorbehalt beigefügt \^orden, der das 
Kigentum der Stadt am hohen Gericht, an Wotmc und Weide 
in dem xuvor strittigen Gebiete wahren sollte. Als Frcil>urg im 
Jahre 1506 das Dorf Adelhausen» ein österreichisches Lehen 
der Famih'e von Snewiin, käuilich an sich brachte, niusste die 
Abtei, die ohne Zweifei von jener Klan^eJ inzwischen erfahren 
hatte» eine Einbusse ihrer bisher geübten Gercclitsamen be- 
fürchten. Sie wandte sich an die östeneichisdie Regierung tu 
Ensisheim, die ara iö* April i-j07 zu ihren Gunsten entschied. 
Neue Eingriffe Freiburgs veranlassten neue Beschwerden des 
Güntersthaler Kastvogts Rudolf von Blumeneck in En^isheim; 
Fretburg aber appellierte an den Statthalter in Innsbruck, der 
die Aussöhnung der Streitenden dem ersten Gerichtshof anheimgab. 
Nach zahlreichen Rechtstagen erging endlich am 27, Oktober 
1511 ein zweites Urteil der Eusisheimer Regierung; allein erst 
am 3. April 1512 gelang es der Veiinitllung der Kreiburger 
Universität, den langwierigen Hader zu schlichten* 

Ulrich Zasius hatte sich Itn Jahre 1506 der Abtei 
verpflichten können , da stiidtische Interessen nicht in Frage 
gestellt worden waren. Der Streit der nächsten Jahre rausste 
ihn auf .Seiten der Gemeinde finden, nachdem ihn schon 1502 
der Rat verptlichlet iiatte, ^u raieu mundlitch odttr mii S( kniff* 
iubfn ratschi€gen^ se rüen, reden mnd alUs das Be tun, darsu 
dtKtcret g€W0nlkh gthrucht uvrdem^), Ks entsprach dieser Be- 
Stimmung, da^s man ihn« den Schreiber des Stadtgerichts, im 
Jahre 1508 nach Enstsheim entsandte, um hier die Sache 
Freiburgs tu vertreten. Die Gegenpartei aber wusste einen 
Bescblui^s lu erwirken, der ihm die Erledigung seines Auftrags 
untersagte« iRüdolÜ von Blnmcckt, heisst es in einer Urkunde 
vom 15. Mai 1508») [Aa^l uns berührten doctor uss ursach, das 
er vorhin in diesem handel by einem heyurtel als ein keys. rat 
gesijssen sye, abzestellen vcnneint, und dagegen nit aliein wir, 
besonder euch der selbig doctor ottenlich endeckt und tu 
verstand geben, da* er in discr sach sich des ampt£ bysiUcns 
nit witter, besonder aliein des stanu eins atvocatn gcbrucho 
welle, wie im dat die recht sälassco» nicht destminder haben 
stiLtlialter und rat erkent« das bomelter doctor als kcy. mL mt 
dr iinds in discr sach müsiig gon solU Wie wol nun der 

j« doctor dc5 oben angezeigten tags (-^ Mai 8} glich 

am obend den eid, d;tmit er key. mt. altz ein key serlicher rat 
und bysiizer verwandt gewesen bt» utlgebcn und sich desselben 
amptz gentilich und in allweg vtrzyen^ demnach momdens 
xinstags {^^ Mal 9) als ein fryer, unverdingter, onverpflichteter 



foL j2: »Ue iri; 



II. 44 C, |S|. — n KAtlsnihe Gl«A, Kopb, 378 •• 
* itt matmiglacheo Korrekturt d 
icb madie* 



698 Miscellen. 

doctor sins doctoratsampts gebruchen und uns anwalten und 
gwalthabem eins rats von Fryburg hat wollen postuliem und 
byston, [hat] das nun abermalen R&dolff von Blümegk angefochten, 
und hynwider von uns selb sin anfechten abstellt ist,« haben 
Statthalter und Räte erkannt, dass es bei ihrem ersten Spruche 
sein Bewenden haben solle. 

Für Zasius bedeutete, wie es scheint, der Bescheid des 
Gerichtshofs das Ende seiner Thätigkeit in dem Prozess 
zwischen Kloster und Stadt. Im Jahre 1 5 1 1 allerdings findet 
sich in der Abrechnung mit dem Rate unter den Einnahmen 
des Juristen eine solche >umb die letst appella(z^^)\ unter ihr ist 
wohl jene des Jahres 1508 zu verstehen, die infolge der Ab- 
lehnung des Zasius beschlossen wurde, in unserem vielleicht 
lückenhaften Material aber nicht weiter erwähnt wird, — allein 
es ist bezeichnend, dass 151 2 nicht auch Zasius von der 
Universität zum Schiedsrichter bestellt wurde: man mochte sich 
seines früheren Missgeschicks erinnern. 

Noch fordert der Grund der Ablehnung und deren unmittel- 
bare Wirkung einige Aufmerksamkeit Zasius sei untauglich zum 
Amte des Fürsprechers, hiess es, weil er bei einem Zwischen- 
urteil') als kaiserlicher Rat und Beisitzer thätig gewesen. Diese 
Behauptung ging, irren wir nicht, zu weit. Wohl entsprach es 
dem Rechtsbrauch des deutschen Mittelalters, dass derselbe 
Mann nicht Richter und Fürsprecher in einer Person sein konnte^) : 
aber doch wohl nur dann, wenn das Urteil noch am Tage der 
Verhandlung gefallt wurde. Hier lagen das Zwischenurteil und 
die Verhandlungen des 8. Mai 1508 eine Spanne Zeit aus- 
einander; allem Anschein nach war der Zweck des ersteren 
allein der gewesen, die Verhandlungen des künftigen Rechtstages 
vorzubereiten, nicht aber sie zu bestimmen und zu binden. Es 
war vergeblich, dass Zasius, wenn anders wir richtig interpretieren, 
eidlich bekundete, durch den Schwur, den er zuvor als Rat und 
Beisitzer geleistet, nicht mehr verpflichtet zu sein, d. h. dass 
jener Schwur nur für den Tag des Zwischenurteils gültig 
gewesen sei. So mochte er dem Gerichte gegenüber, dass im 
Namen Maximilians Recht sprechen sollte, sich für »frei, 
unverdingt, unverpfiichtet« halten. Der Gerichtshof freilich 
beharrte bei seinem Spruch, obwohl der Freiburger Rat geglaubt 
hatte, dessen Begründung mit dem Hinweis darauf entkräften 
zu können, dass es i,in keyserlichen rechten gegrünt ist^ das ein 



^) Stintzing, a. a. O. 384. — ^ vgl. Haltaus, Glossarium Germanicum 
s. V. beyurteil. — ') vgl. Nietzsche, De prolocutoribus iuris Gcrmanici 
commentatio, Lipsiae 1831, 39 f.; Planck, Das deutsche Gerichtsverfahren im 
Mittelalter I, 199. Beide verzeichnen freilich nur Belege aus niederdeutschen 
Quellen. — Ffir die frftnkische Zeit vgl. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte II, 
184,28 und 310. 



Miscellen. 5oo 

ytder assessor oder urielsprecher, so er syn ampt uffgipt, dannanihin 
inn allen henndeln wol mag ein atvocat seyn, tr wer dann sunsi 
andrer siuck halb nii erltch*,**^) Der Berufung auf die »kaiser- 
lichen Rechte«, d. h. das römische Rechte), blieb der Erfolg 
versagt. 

Berlin. A, Werminghoff, 



1) vgl. H. F. Hitzig, Die Assessoren der römischen Magistrate und 
Richter, Mftachen 1893, S. 58 f. — *) 1. 14 pr. C. de adscssoribus I, 51; 
vgl. Hitzig, a. a. O. 149. — Das Freiburger Stadtrecht von 1520, 
bekanntlich das Werk des Ulrich Zasius, gedenkt im Tractat I, Tit. 7 
§ I (fol. Xni der Originalausgabe) der römischen Satzung nicht und 
bestimmt, dass „nu,n hinfür dhein urUüsprtchtr noch ouch dhein unser ^ 
ratsfründ derwedtr in gericht noch in unserm rat yemanis me in recht- 
liehen Sachen und lUfungen syn red thUn oder sin fürsprech sin \sol\\ 
vgl. § 7 (fol. XIV). 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Alemannia: Jahrgang 26 (1898), Heft i. K. Brunner: 
Die Kürenbergerforschung, S. i — 38. Referat über Ursprung, 
Verlauf und gegenwärtigen Stand des Htterarischen Streites über 
das Verhältnis des Kürenbergers zum Nibelungenliede und die 
Heimat des Dichters, die Verfasser nicht im Breisgau sucht. — 
O. Heilig: Eine Anzahl altdeutscher Segen aus Heidel- 
berger Handschriften. S. 70 — 71. Gicht- und Wurmsegen. 
— K. Pfaff: Märchen aus Lobenfeld. S. 79—95. Fort- 
setzung der in Band XXIV veröffentlichten Sammlung. 



Annales de TEst: Band 12. Jahr 1898. Heft III. In der 
Bibliographie S. 464 — 473 eine eingehende bedeutsame 
Besprechung des Buches von Jakob »Die Erwerbung des Elsass 
durch Frankreich« mit interessanten Mitteilungen aus den Pariser 
Akten von B. A[uerbach] und S. 485 — 491 eine ausführliche 
Inhaltsanzeige der Jahrgänge 1896 und 97 dieser Zeitschrift von 
Th. Schoell. 



Revue catholique d*Alsace: Nouvelle serie. Band 17. 
Jahr 1898. Juni-Juli-August-Heft. Aug. Gasser: Grandidier 
est-il un faussaire? S. 401 — 423, der verfehlte Versuch einer 
Widerlegung von Blochs bekanntem Aufsatz, dessen Argumen- 
tation überhaupt nicht begriffen ist — Schickel^: Le doyenn^ 
du Sundgau, S. 424 — 436, 484 — 493, 571 — 580, Fortsetzung 
der kirchengeschichtlichen Notizen über die Gemeinden jenes 
alten Ruralkapitels der Basler Diöcese, die Ortschaften Burnhaupt, 
Carspach, Didenheim, Dornach, Eglingen, Feldbach, Franken, 
Froeningen, Galfingen und Grenzingen betreffend. — Seyfried: 
Le cut6 constitutionnel de Molsheim, S. 448 — 460, 
schildert die Verwaltung des konstitutionellen Pfarrers Tiran zu 
Molsheim in den Jahren 1792 und 93, seine Streitigkeiten mit 
der Munizipalität und seine Gefangensetzung. — Levy: Les 
pers^cutions des catholiques dans le comtt^ de Saar- 
werden et la seigneurie de Diemeringen (1697 — 1793)1 
S. 461 — 471, 520 — 528, 603 — 619, stellt ortschaftsweise die 



ZMt»cHriflenscl}»u und Uiteraturnotiecn. 



rot 



I 



Beschwerden dar Katholiken zusammen, 2umei&t Störungen des 
G , Verbot der Proxcssioiicn u. tu fictreffend, durrh- 

V, i II Klageschriften der Geistlichen selbst. — Bloch; 

Les iaisihcations tnodernes dans les oeuvres de Graiv- 
didier, S. 5O1 — 570, Entgegnung auf Gasaer» Artikel und Zurück- 
weisung seiner Insinuationen, mit Raiidgloäüen von A. ][ngold]i 
der ebertfalh Blochs Beweisführung nicht vcrstandeo bat und nicht 
von der Wi^&ensciiafi, sondern vom gesunden Menschenverstand 
die Frage entschieden wissen will. 



Revue d'AIsace: Nouvelle sdrie. Band 12. Jahr 1898, 
Juli-Augu^kl-September-Helt. Weissguerber utid Degerroan: 
Les Mincs de Saint e-Marie» S. 305 — 313, bibliographisclir 
Notizen über den Markircher Bergbau. — Kerlinger: Le 
Äurnom de Maisetocker donu6 aux Strasbourgeois, 
S. 316 — 327^ Übersicht über das Vorkommen, die Entstehung 
und die Erklärungsversuche dieses den Strassburgern gegebenen 
Beinamens. — Benoit; Notes d'un voyageur anonyme 
sur Bale, Brisacht Strasbourg, S. 32S — 342, Briefe eines 
Reisenden aus dem Jahr 168S mit einigen NoliJten des HL-raus- 
gebet3( iibär die bekannte Tierf»rozession im Strassburger Munster. 
— Scboell: Thcophile Conrad Pfeffel. S, J43— 362, Fort- 
setsung der litterafgeschichllichen Studie ßber Pfeffel. — Gasaer: 
n de la viMe et du bailliage de Soulti, S* 363 — 3S4, 

I 1^ der schon seit 1893 laufenden Arbeit mit Angaben 

iibnr *A\fr Befest iL;ung» die Besatzung, die Feucr^vchr, die hohe 
und niedere Gerichtsbarkeit des obereJsa&siscIien Stiidtcheos. — 
Uoe page de ]*htstaire coutemporaiue de l'Alsace, 
S. ^85— 390. Abdruck eines anonymen Artikels der Europe 
nouvcUe über die Einverleibung Mülhausens in Frankreich. — 
Liblin; Notes historiqucs sur roriginc du luthcrantsme 
i Strasbourg» S. 403— 414J, Abdruck von Exccrplcn und Korizen 
Grandidicrs. — Liblin: Alsace et regions voistnes en terops 
de guurre» S% 419 — 427, archlvalische Exccrple xur Gc^cliichlc 
des Departements Obcr-Khoin in den Motiaten .\pril bi^ Dezember 
1794. — PrcvÄts, abbös cl doyens de Honau, Rheinau 
et S. Pierrc-lc-VicuX| S. 428 — 430, Wiedergabe einer von 
Grandidier aufgestetUen NamentUste» 



Als archivaliftche Beilage des Strujtsburger Diöcesaublaiiei 
föi das Jahr iSg; hat der um die el&assiscbe GcBchichtsforschuDg 
hochverdiente greise Stadtbibliothekar von Hagenau Abbe 
Hanauer ein Cartutatris de rdglise de S. George de 
Haguenau erscheinen hissen ($tra*shurg, Le Roux, l898>. In 
1042 Stüirkcn, teils in extenso, teils in kurzem Reifes^ ist hier 
das V I und des W r 

2500 icn, zvfti K ^ :i 



\ , ^ • TTTTtTttr* *»! Tfinm M 



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^Ar-icr-r "jr^IifenTtii'Hinur a« 

1^: ----■ TT "Tir äis Gisacäica 



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Se^^tombor 7. Nr. «_ i^:.:. "ii ::--* ;. =-'it:ttr3. ^cm Ha*. . 
Nr. j^'^ nioh: ^on: Ft:-:u.- = -::i:n ?=:r-i:*r . :. >^r- •f 3ii 
vom J,\niiar > >cr.^:n "i>-. ü.- .. _• - ' 1 z^ ..ir -itxt Jani iT ä 

dem .n\ Nr. c\; ;..:r: ; :■- i.: ■-*.- .i :- i.i::m z >ii ":•? 3ä 

vom Januar 13 >»:r-,iir^ Ft:-:ar " f W 



Ulli K. Thi>n:=:i^T. t:»iT - ::* : ; 
Piicose Kot. >:::r.: lS J--::m -: 






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1 . . A 



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CS 



2eits<:hnfienschau und LiUenitüniau^cfi. 



7OJ 



J, Hiine teilt im Anzeiger für Schweizerische Gefi4:hichle» 

lahrg. 1698 Nr. 3, S 6 t ff, aus dem Mailänder Staatsarchive ein 

>islirr unbekanntes, von einem Landsknechte verrautlich verfassteÄ 

jhistonaches Volkslied wider die Schweiz aus der Zeil des 

iKonstaniter Sturms vom Jahre 1548 mit. — Ebenda S. 65 bringt 

|H. Tarier ein Schreiben der Siadi Bern an den Markgrafen 

iolf V. Hochbers vom 7* April 1485, das sich anscheinend 

eine Intcrcession des letztern zu Gunsten von Conrad Törst 

besieht» «im Abdrucke. AT, O. 



•Die Külshciraer Fehde« bildet das Thema einer Heidel- 
berger Dissertation von R, Kern, in welcher der Verfasser unter 
Verwertung noch anbenüutcn Urkundenmateriales einen Überblick 
über die ältere Ortsgeschicbte giebt und im Anschlüsse an eine 
Darstellung de» bekannten Mainzer Eribisturasstreites von 1461 
I die Einnahme des kurtnainzischen Städtchens durch den Graten 
Johann v. Wertlieim und die d;iraus entspringenden langwierigen, 
erst im Jnbre 1528 bezw, 1558 beendeten Handel wegen Ver- 
gütung der Kriegakostcn und Entschädigung der Pfandinhaber 
schildert. 

Im Anhange (S. 57-85) wird eine Antahl von Urkunden, 
welche sich auf Külsheim und die erwähnten Streitigkeiten 
beziehen und aus den Jahnen 1214 — 1.538 stammen« zum Ab- 
druck gebrachte K. O. 



In G, SeeMgers Historiseber Vierteljahrschrift N, F, III, 
Hcfl 3 veföffeniHchl F. Haake aus dem Dresdner Archive acht 
Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte aus ^^sn Jahren 
1682 — 86» die an ihre Schwägerin, Kurfurstin Wilhelmino 
Emestine v. d. FfeJz gerichtet sind und u. a. den Tod ihres 
Bruders Karl und ihrer Mutter Charlotte betreffen* A' O, 



In der Programmbeilage der Heidelberger Oberrcalschule 
vom Jahre i8q8 giebt Th» Lo rennen unter dem Titel: Die 
Hochseit des Kurprinzen Karl von der Pfalz mit der 
diknischen Prinzessin Wllhclmine Ernestine (1671) 30 S, 
4", ein anschauliches Bild der V'erhandkif r diese bekannt- 

lich wenig zum Segen der Ehegatten aussi 1 Heirat, die Karl 

Ludwigs Schwester Sophi« eingeleitet hatte, und schildert dann, 
wesentlich an der Hand eines Berichtes des Landrats Detlev 
von Aliiefcld, der als Reisemarschall fungierte, die Fatirt der vK>n 
siatilichem Gefolge begleiteten Braut von Kopenhagen nach Heide!« 
bcrg und ihren Empfang in der Pfalz. ä\ O. 



Z«i»ckf. t a«*ea. It. OI»«rrli. N. F. XUl «. 



704 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Dr. Sophie E. v. Jakubowsky, Beziehungen zwischen 
Strassburg, Zürich und Bern im XVIJ. Jahrhundert. 
Strassburg, J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 1898. 

Den Kern dieser Bemer Dissertation bildet die Darlegung 
des Verhaltens der Städte Zürich und Bern zu dem verbündeten 
Strassburg in den stürmischen Jahren 1672 — 78; doch giebt 
eine umfassende Einleitung, welche fast die Hälfte des Buches 
ausfüllt, auch über die älteren Verbindungen zwischen Strassburg 
und den Eidgenossen von der Mitte des 13. Jahrhunderts an 
ausführliche Auskunft. Leider zeigt sich die Verfasserin hierbei 
mit der neueren Strassburger Geschichtslitteratur — die doch für 
den Gegenstand ebenso in Betracht kommt wie die schweizerische — 
nicht genügend vertraut. Die Nichtbenutzung der wichtigsten 
Strassburger Chroniken, ferner des Strassburger Urkundenbuchs 
und der »Politischen Korrespondenz im Zeitalter der Reformation« 
mag noch damit entschuldigt werden, dass für die einleitenden 
Abschnitte ein Zurückgehen auf die ursprünglichen Quellen nicht 
thunlich war; dass aber die Vf. beispielsweise für die Strass* 
burger Reformationsgeschichte sich vorzugsweise auf das ebenso 
tendenziöse wie veraltete Werk des Jesuiten Laguille (1727) 
stützt und Sleidan in der deutschen Bearbeitung Benthers benutzt 
und citirt, kann man unmöglich gutheissen. Auch für das im 
zweiten Teil eingehend behandelte 17. Jahrhundert wird die 
Kenntnis und Berücksichtigung wichtiger Strassburger Quellen, 
wie der Documents historiques von Kentzinger^), der Aufzeich- 
nungen des Ammeisters Reisseisen, der Chronik von Walter 
(ed. Reuss) schmerzlich vermisst. Ferner ist es zu bedauern, 
dass die Benutzung des Strassburger Stadtarchivs, welches der 
Verfasserin doch leicht zugänglich gewesen wäre, unterblieben 
ist. Immerhin ist anzuerkennen, dass die Arbeit auf Grund der 
Akten des Berner und Züricher Staatsarchivs über die Beziehungen 
zwischen Strassburg und seinen eidgenössischen Verbündeten 
im 17. Jahrhundert manches bringt, was die früheren Werke, 
besonders die Mitteilungen Schweizers in seiner Geschichte der 
schweizerischen Neutralität in willkommener Weise ergänzt. Die 
von Jakubowsky verwerteten Berichte der von 1673 — 79 im Dienste 
Strassburgs stehenden Berner und Zürcher Hauptleute an ihre 
Obrigkeiten sind für die Kriegsgeschichte jener Jahre und 
namentlich für die Strassburger Ortsgeschichte nicht unwichtig. 

Auf den Inhalt des Buchs näher einzugehen, ist hier nicht 
der Platz. Es sei nur kurz erwähnt, dass die Strassburger im 
Verlauf des dreissigjährigen Kriegs wiederholt die Hilfe ihrer 
eidgenössischen Verbündeten angerufen, aber trotz aller An- 
strengungen nichts weiter erreicht haben, als dass ihnen im 
März 1643 vo^ ^®" 100 000 Gulden, die sie 1588 in der 



*) Der von Jakubowsky S. 84 abgedruckte Brief Ludwig XIV. an 
Strassburg steht z. B schon bei Kentzinger I 328. 



Zelts^hnflertschRti und litterAtumotizcn. 



705 



Schweiz hinterlegt hatten « 30000 zurückgezahlt wurden« Ais 
dann In den siebziger Jahren der Krieg zwischen Ludwig XIV» 
nml den Kaiserlichen im Elsass tobtti und Slrassburg zum Schutz 
»einer Neutralität Unterstützung erbat, schickten Zürich und 
Bern im März 1673 zwei Compagnien um massigen Sold zur 
Verstärkung der stadtischen Besatzung und 1675 folgten noch 
vier weitere Compagnien. Frankreichs Beschwerden iiierüber 
blieben ohne Erfolg; nur wurde den schweizer Hauplleuten von 
ihren Oberen wiederholt eingeschärft, sich ja nicht zur Oftensive 
sondern nur zum Schutz der Siras&burger Neutralität brauchen 
zu lassen. Im Jahre 1678 kämpften sie bei der Verteidigung 
der Rheinschanzen an erster Stelle gegen die Franzosen mit. 
Die Einnahme der Stadt durch Ludwig XIV. im Jahre iö8i 
machte dem Bündnis mit den Eidgenossen selbstverständlich ein 
jnhes Ende, Als nun Strassburg die Rückzahlung der noch bei 
den ehemaligen Bundüsstadten hinterlegten 70000 Gulden 
forderte, entspann sich ein langwieriger Zank, der erst 1773 
durch Vergleich beigelegt wurde. Strassburg liess sich mit einer 
Summe von 72000 livres abluden und gab die bis dahin zurück- 
behaltene Bundesurkunde von 1588 heraus. 



Zu den Plänen Grandidiers, für die er durch lange Jahre 
sammelte, gehörte eine allgemeine elsässische Biographie; über 
den Vorbereitungen ereilte den .arbeitsamen der Tod, Noch 
waren die meisten Aufzeichnungen Bruchslücke, unverbundene 
Notizen, verschieden nach Charakter und Wen; noch fehlten 
darin manche Pors6nlichl< 13t aus dem engeren von G, 

bevorzugten Kreise der S ier und Künstler Auch heut 

würden diese Vorarbeiten dem Verfasser eines biographischen 
Lexikon?», wie es StotTel geplant hatte, crrwünschte Unterstützung 
gewäliren» insofern sie die ältere Litteratur verarbeitet und auch 
h&K Angaben verwertet haben; aber selbst dem Herausgeber der 
Nouveltcs Oeuvres in^dites de Grandidier*) scheint der 
Vorrede zufolge nicht entgangen zu sein, das» es Bedenken 
unicrliegen könne, den StoJl in seiner jetzigen unfertigen Gestal- 
tung zu veröffentlichen. Dennoch bringen die Fragmetita d'une 
Alsatia Htterata, die den 2. Band jener Sammlung bilden, die 
Papiere vullig unverändert zum Abdruck, und im Vorwort hei&st 
es: »Signalcr les iravaux, dont tel ou tel Alsacien qui figure 
dans cette galerie a etc Tobjet dcpuis Grandidier« m'eut entrain€ 
trop loint. 

Nun liegt es ja in der That so» dass keineswegs nur die be- 
deutendsten Persönlichkeiten wie Bcaius Rhenanui, Brant, Bucer^) 
seitdem Gegenstand von wichtigen Daratellungeii geworden sind, 



») Er»tef Band 
^ feil cnlnehmt dt^ h 



md 13 s. i»n n. 

4^ 



•jot Zeitschriftenschau und Litteratnrnotizen. 

sondern dass auch Männer zweiten und dritten Ranges, wie etwa 
Bader, Bälde, Bebel, M. Bcmegger (der nur in einer Anmerkung 
erwähnt wird), H. Boner, J. von Botzheim, Brunfels, M. Buchinger, 
J. Burchard schon biographisch behandelt worden sind. Trotz- 
dem wäre es verhältnismässig leicht gewesen, innerhalb des von 
Grandidier gegebenen Rahmens durch Anmerkungen — Avenn der 
Text unangetastet bleiben sollte — die Ungleichheiten, die bei 
dem plötzlichen Abbruch der Arbeit ihr notwendig anhafteten, 
zu ebnen und auf die neuere Litteratur zu verweisen. Neben den 
allgemeinen deutschen und französischen Biographieen, den prote- 
stantischen und katholischen Encyklopädieen, der Biblioth^que 
de la compagnie de J^sus, den Künstlerlexiken — die zum 
grossen Teil in den letzten Jahren neu erschienen sind — unter- 
richtet uns C. Schmidt über alle Humanisten, Reuss über alle 
Geschichtschreiber, Woltmann über die Künstler, Berger-Levrault 
über die Professoren, Heitz-Barack über die Drucker des KIsass *). 
Allein kein Hinweis auf solche Werke belehrt etwa den Leser 
der Fragmente, dass Hans Baidung Grien, der ein Bild des Erasmus, 
den Freiburger Münsteraltar, »plusieurs figures de saints, les 
12. ap6tres, des femmes illustres et des habillements ä la mode« 
gewLalt habe, einer der Meister deutscher Malerei gewesen ist, 
und schildert den Reichtum seines uns erst jetzt zugänglichen 
Werkes. Nirgends wird femer bemerkt, dass der als Verfasser 
eines Buches »de coloribus parandis« genannte Valentin Boltz 
seine Bedeutung einzig als hervorragender Dramatiker besitzt. 
Eine volle Seite gilt einem von Michael Beuther geführten Pro- 
zesse, nicht eine Zeile fügt die notdürftigsten Nachrichten über 
sein Leben hinzu. 

Grandidiers Werk bleibt ohne Ergänzung und ohne Wider- 
spruch. Von den neuerdings veröffentlichten Bruchstücken der 
Chroniken Berlers und Bühlers hören wir so wenig, wie von den 
Papieren Brants; nichts verrät gegenüber den dürftigen Angaben 
über die wenigen damals bekannten Briefe des Bealus und 
Bucers, dass seitdem die Schätze ihres Briefwechsels zum guten 
Teil gehoben sind; kein Wort stellt klar, dass die langen Er- 
örterungen über die Handschriften von Burchards Diarium durch 
die Ausgabe von Thuasne gänzlich entwertet sind. Von Leon- 
hard Baldner giebt Gr. nur den Namen und den Titel seines 
Manuskripts nebst kürzester Beschreibung; wer von den Lesern 
wird wissen, dass er sich in Reibers Ausgabe (1888), L'histoire 
naturelle des eaux Strasbourgeois über den Verfasser und sein 
Werk Auskunft holen könne? Der Buchstabengeist, von dem 

^) Nur 7 von den 47 unter B. behandelten Personen sind nicht darin 
verzeichnet; doch giebt es andere Nachrichten über sie. Einer von ihnen, 
Brice, kann überhaupt keinen Platz in einem elsässischen Lexikon bean- 
spruchen. — Das Werk von Keuss dürfte A. Ingold noch nicht zugänglich 
gewesen sein. 



ZefUdiiiftenactuiu uad UuemttiTQotiien. 



7Öjr 



' sdiese Wiedergabe Grandidicrs erfüllt ist^ hat es nicht geduld<;t, 
dass (Ins in seinem Manuskript unausgefüUt gebliebene Todes* 
jabr r77 des Arztes R. Binnlnger richtig j£U J776 ergänzt 
^vurdel — Darnach oiramt es nicht mehr Wunder, dass auch 
offenbare Irrlumer nicht berichtigt werden und dass z. D, die 
ungenauen, übrigens durch Druckfehler entstellten Angaben über 
die Auggaben von Brants Narrenschiff nicht gebessert wurden. 
Dass ein von dem oben genannten Binninger übersetztes Werk 
einem Rabenot, nicht dem Autor Ravaton. zugeschrieben wird, 
mag ebenso auf einem Druckfehler beruhen wie jedenfalls S. 60 
Z, 12 Rithmanno statt Ringmanno, und ii>t leicht za ändern* 
Wie wird sich aber ein Ungcl ebner zurecht finden, wenn :5. 5g 
Z^ 4 V. u. der Tod von Blaru xu 1505 und swei Zeilen später* 
anscheinend aus einer andern Quelle, zu 1510 angesetzt wird? 
Und was sollen wir dazu sagen, dass die erst von Hossuet in die 
Ge.-schiLhte eingeführte dritte Frau liucers unbeanstandet bleibt» 
ja dass Ingold itx dein Satae: >La femme de Bucer fut Wibciujde 
Rosenblatt« eine seiner seltenen eigenen Anmerkungen hiniufügt; 
>la troisi^me sans doutec! offenbar also hat or nicht den geringsten 
Versuch gemacht, sieb zu unterrichten^ da er dann sofort den 
fehler erkarmt hätte. Wohin schliesslich diese Nichtachtung 
nderer Arbeit fuhrt, zeigt tehrrcich der Artikel über Hrocardus. 
Da wirtj Burchardus de Monte Sion in den Anfang des 1 3, Jahr* 
hunderla gewiesen, während er sicher an dessen Ende lebte; er 
wird gegen MoT^ri als der Verfasser der Summa casuam bczcichnoi, 
wahrend diese wirklich von einem andern Dominikaner Burchard 
herrührt, det^sen Schicksale bei (in falschlich mit denen jenes 
ersten verbunden sind. Natürlich bleibt im Folgenden auch di« 
Identifikation des Notars Burchard mit dem Strassbur^r Vizedoin 
unbeanstandet, obgleich Sdieffcr-Doichorat beide endgillig ge- 
schieden bat. Und niemand to^it endlich das wunderliche (durch 
Druckfehler nicht mehr zu erklärende) Ratsei, wie dieser Burchard 
1225 von Friedrich 11. an den 1193 gestorbenen Saladin entsandt 
werden konnte (en 1225 envoy^ cn Kgypte par Tempereur 
Frederic IL aupr^s de Saladin)! 

Die hier ^us räumlichen Grimden nur bei einem BQch*»Uben 
nachgewiesenen Misstande wird jeder Sachkenner liei den andern 
ähnlich wiederfinden. Man wird sie damit rechtfertigen wuUen, 
dass ja der blerausgeber bewus&t und absichtlich auf jede Er* 
ganzung und Änderung der Niederschrift Graudidicrs verzichtet 
haiii':; ich miisste alsdann erwidern» da^is er durch *iein Verhalten 
aus dem nützlichen Matcrialc ein u digrs und onzu- 

verlfissigts*), für Gelehrte wie Laien j !»r**tjLhb:irc.s Buch 



^} Diese UQItIVerllssigKcii, ncr sclllitnmste renitr cinc> .».TtiLfcrii-iK'^i»"*^^"'*» 

nird durch lalilreichc Veneh«) in il^n Zjdileot di« rutn Teil Druck r^hle? »ein 
dürDfti, wfirnilicli «rrhr,ht. Unter dem Buchtt^ben B. und -^ »!>;, m 

«eUiHtver^^lundluiicft Vetlie^senmi^u -^ tu a^ foi|*etid«; iitUitn u: 



yo8 Zeitschriftenschau und Litleraturnütizen. 

hat werden lassen. Diese Ausgabe mit ihrer gewollten Abkehr 
von der Gegenwart wirft ein grelles Licht darauf» was im Elsass 
noch heut als »Wissenschaft« angesehen werden will. 

Hermann Bloch. 

Durch eine kürzlich veröffentlichte Biographie des Generals 
Baron Bourgeat, bearbeitet von Jules Rey und Emile Remy 
(Grenoble bei Alex. Gratier 1898, 144 S.) ist ein bisher kaum 
beachteter Offizier des ersten Kaiserreichs der Vergessenheit 
entrissen worden, der einen beträchtlichen Teil seines Lebens 
im Elsass verbracht hat. Zu Bernin im Dauphin^ 1760 geboren, 
trat J6rome Dominique Bourgeat 1782 als gemeiner Kanonier 
in das Strassburger Artillerieregiment ein und brachte es dort 
durch Begabung und Energie während des Rheinfeldzuges 1793 
bis zum Kapitän. Er kämpfte dann 1796 unter Bonaparte in 
Italien, wurde 1 808 Brigadegeneral und zeichnete sich als solcher 
i8io~i8ii in Spanien besonders aus. Infolge dessen erhielt 
er den Rang eines Baron de Tempire. Auch in Deutschland 
fand er in verschiedenen Stellungen Verwendung und machte 
den russischen Feldzug 18 12 mit. Im Jahre 1813 wurde er 
Oberkommandant der Artillerie und der Citadelle in Strassburg 
und verteidigte die Festung gegen die Angriffe der Verbündeten. 
Merkwürdiger Weise ist er trotzdem in dem Werke von Heitz 
(Strasbourg pendant ses deux blocus, 1861) nicht einmal flüchtig 
erwähnt. Nach der Abdankung Napoleons erbat und erhielt er 
einen ehrenvollen Abschied und verbrachte den Rest seines 
Lebens bis 1827 in Strassburg, das ihm durch seine Heirat mit 
einer geborenen Strassburgerin zur zweiten Heimat geworden 
war. Leider bringt die Biographie, welche wesentlich auf 
Familienpapieren beruht, gerade über die Belagerung von 18 13 
gar nichts Näheres. O. W—n. 

In erstaunlich kurzer Frist hat A. P fister seiner früheren, 
auch in dieser Zeitschrift (XII, 376) besprochenen Publikation: 
^Aus dem Lager des Rheinbundes«, unter dem Titel: »Aus 
dem Lager der Verbündeten 1814 und 1815 (Stuttgart, 
Deutsche Verlagsanstalt. 1897. 480 S., br. 7 M.; Hfr. 9 M.) an 
jene anknüpfend eine neue folgen lassen. Die Darstellung der 
beiden letzten Feldzüge gegen Napoleon und der damit zu* 
sammenhängenden diplomatischen Verhandlungen bildet den 
Hauptinhalt dieser vorliegenden Schrift, in welcher der Verfasser 
der Vorrede zufolge hauptsächlich nachzuweisen sucht, wie das 
deutsche Volk trotz all* seiner gewaltigen Anstrengungen schliess- 



S. 32 Z. 13: 1604 statt 1603; S. 35 Z. 11: 8. VI. statt 6. VI., Z. 12: 21. 
XI. statt 2. XI.; S. 61 Z. 6 V. u.: 1672 statt 1692; S. 65 Z. 12: 24. V. 
statt 14. V.; S. 66 Z. 9: 1539 statt 1535; S. 67 Z. 8 v. u.: 1458 statt 1468; 
S. 68 Z 4: 1500 statt 1494; S. 84 Z. 3 v. u. : 1491 statt 1451. 



ZetUchriftenschau und littenititmotizeii. 



7ÖQ 



lieh Ulli den verdienten Preia von den Fremden betrogen worden 
Ist, Auch diesmal war es dem Verfasser vergönnt, aus den 
noeb unausgebeutcten Akten des Stuttgarter Konigl. Haus- und 
St vä 2u schöpfen. Was sein Buch an neuen Aufschlüssen 

ui 1 liungen enthält, stammt ans dieser Quelle: ich verweise 
auf die höchst interessante Korrespondenz des Königs und des 
Kronprinzen! sowie die Berichte der beiden Wintzingerode, 
Bangolds. Neuffers, Lindcaa u. a* Es kann hier auf den reichen 
Inhalt der verdienstlichen Publikation des näheren nicht ein- 
gegangen werden, nur das Eine sei hervor^^ehoben^ dass auch 
durch sie die Gestalt des Königs, von dem Napoleon einmal 
gesagt hat, er sei der erste Souverän, der ihm imponiert habe» 
vielfach in richtigere Beleuchtung gerückt wird und gewinnt. 
Auch in dieser entscbeidungsvoUen Zeit gewahren wir in all' 
seinem Thnn und Lassen die Kund^'ebungeo eines starken 
Willens und eines weitblickenden Geistes* Energisch tritt er, 
nachdem er sich einmal gegen Napok'on entschieden, für die 
nflcksichtslose Hekärapfung und Vernichtung des Feindes ein; 
^lUich ohne Osterrejch ist er im März 1814 entschlossen, weiter 
kämpfen. Die unzweckmässige Grossmut« die man an Kapo- 
5n geübt, empört ihn: dass ^dieser Mensch« auf Elba gefahr- 
lich und Mittel und Wege zur Rückkehr finden werden könne, 
spricht er orten aus. Und als Preussen sich bemüht» im zwc*itcn 
Pariser Frieden die Fehler des ersten wieder gut zu machent 
und die Rückgabe von £Uasa«Lothringen fordert, tritt König 
Friedlich allein auf seine Seite und kümpfl in VV^ort und Schrift 
föt diese Forderung, durch deren Erfüllung allein die deutsche 
Greiue dauernd gesichert und der deutsche Südwesten vor trän- 
»Östschem Einlluss bewahrt werde. — nicht ohne geheime 
S' Lchten freilich, denn ein auf Kosten Badens veistÄrktes 

W . rg, dessen Grenzen bis zum Rhein reichen, soll nach 

seiner Auffassung hier die Wacht halten, zu deren Übernahme 
der im Ktsass zu entschädigende Grossherzog zu schwach ist 



Einer Bearbeitung der »Geschichte des badischen 
Fussartillerieregiments Nr. 14 und seiner Stammtruppen- 
tdlet (Berlin, C S. Mittler. 106 S, mit 5 Karten in Steindruck) 
hat sich im Auftrage des Regiments Hauptmann Rauthe unter- 
zogen und mit Geschick seine Aufgabe gelösL Nach einem 
dlLokens werten Überblicke über die Vorgeschichte der badischen 
Anillcrie vom Jahre 1780 ab beharidelt ' - 
des im Jahr 1859 errichteten badischen i 

das bei der Formierung des Regiments im Jahre 1893 als 
Summbataillon gedient und im Feldzuge gegen Frankreich an 
den Belagerungen von Strassburg, Ncubreisach und Beifort 
ehrenvollen Anteil genommen hat, sodann die Gl^ ' " der 
bei der Bildung des Regiments hinzugekommenen drei . .uien 



jIO Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

des Fussartillerieregimentes Nr. lO und 8. — Umfassender 
angelegt ist die »Geschichte des 4. badischen Infanterie- 
regiments Prinz Wilhelm Nr. 112«, (272 S. mit 6 Karten 
in Steindruck), welche Premierlieutenant Pralle und Sekonde- 
lieutenant Gessner im gleichen Verlage veröffentlicht haben. 
Auch hier ruht, da das Regiment erst im Jahr 1852 formiert 
worden und im Jahre 1866 nicht ins Feld gerückt ist, das 
Hauptgewicht ausschliesslich auf der Darstellung seines Anteils 
an dem Kriege gegen Frankreich, wo es sich erst vor Strassburg, 
dann in den Gefechten bei £tuz und Nuits, vor allem aber in 
der dreitägigen Schlacht an der Lisaine, hier unter erheblichen, 
insbesondere durch den blutigen Strassenkampf zu Chenebier 
verursachten Verlusten, hervorragend ausgezeichnet hat. Statistische 
Zusammenstellungen: Gefechtskalender, Ordres de bataiiie, 
Verlustlisten, sowie die Ranglisten vom Jahre 1852 ab bilden 
im Anhange willkommene Zugaben. K, O* 



Ein Werk ganz eigener Art ist soeben aus der Offizin von 
Heitz und Mündel in Strassburg hervorgegangen. Urheber 
ist der erstgenannte der beiden Verleger, Paul Heitz, durch 
seine Elsässischen, Basler, Frankfurter, Mainzer und Kölner 
Büchermarken oder Drucker- und Verlegerzeichen (4 Bde.), 
durch seine Zierinitialen aus den Drucken des Hagenauers 
Thomas Anshelm und der Strassburger Johann Grüninger und 
Johann Heerwagen (2 Bde.) sowie durch seine Originalabdrucke von 
(Strassburger) Formschneiderarbeiten des XVI. und XVII. Jahr- 
hunderts (2 Bde.) als äusserst rühriger und gewandter Heraus- 
geber bekannt. Seine neueste Leistung ist eine Zusammenstellung 
von überaus seltenen und kostbaren Blättern der in den Samm- 
lungen zu Basel, Berlin, Bern, Braunschweig, Dresden, Franzen- 
berg, Gotha, Graz, Halle a. S., Hannover, Kolmar, London, 
München, Nürnberg, Paris, Weimar, Wernigerode und Wien zer- 
streut erhaltenen Neujahrs wünsche des XV. Jahrhunderts 
in getreuer Nachbildung meist auf altem Papier (2®. 15 SS. mit 
43 Abbild, in Originalgrösse, wovon 14 auf Papier des XV, Jahrh. 
u. 10 farbig. Subskriptionspreis: M. 35, — ). Der Text verbreitet 
sich kurz, aber ausreichend über Aller und Litteratur der Neu- 
jahrswünsche, die als selbständige Blätter sehr selten und zum 
Teil nur dadurch auf uns gekommen sind, dass sie sich 
ursprünglich auf dem Innendeckel alter Handschriften oder 
Druckwerke der Zeit befanden. Die hier mit Litteratumachweis 
und kurzer Beschreibung veröffentlichten Blätter, etwa anderthalb 
Dutzend, sind Unika, die mit Preisen bis zu 400 M. das Stück 
bezahlt werden, von Heitz genau nach den Originalen auf Original- 
papier faksimiliert. Zahlreicher sind die Neujahrswünsche auf 
Kalendern des XV^. Jahrhunderts, deren hier 26 wiedergegeben 
sind. Die als selbständige Blätter vorkommenden Neujahrswünsche 



ZeiischrirteusdiAU and ütieraturiioü^en. 



7ii 



xeigen fast ausnabnislos das Jesiskind als Sinnbild der wachsenden 
Tage in mehr oder minder binniger und künätlcrischer Auffassung, 
luil und ohne allegorisches Beiwerk, öfters in der derbrealistischen 
Msinier des XV, Jahrhunderts; diejenigen aus Kalendern, in Form 
von Kopf- und Zierleisten rait reich ornamentierten Blattranken 
u, dgl. haben gleichfalls das Christuskind als Bandhalter. Alle 
aber, mit wenigen Ausnahmen, tragen jenen unserer heutigen 
Illustration stech nik völlig abhanden gekommenen Stempel der 
Originalität und Naivität, der Sinnigkeit und Herüigkeit an sich» 
dass man im Anschauen ihrer gar nicht satt werden kann. 

Cr »Die Kunst des Zeugdrucks vom Mittelalter bis zur 
Empirezeit« betitelt sich ein Prachtwerk, welches R. Forrer 
«ocbea (Strassbnrg 1 898) veröffentlicht hat. Beigefügt sind 8 1 schon 
iusgerührte Taleln, Für diese Zeitschrift sind von besonderem 
Interesse die Kapitel, welche von dem Gewebedruck in Deutsch- 
land und der Stellung der Zeugdrucker 2U den Zünften handeln. 
Die erreichbaren urkundlichen Nachrichten sind vom Verfasser 
zweckdienlich vereinigt worden; manches Unbekannte mögen 
noch die Archive bergen. Beachtenswert sind die Notizen über 
die oberelsässische Druckindustrie (Mfilhausen, Domach» 
Munster), welche sich auf S. 46 f. finden. Was der Verf. über 
( iulenbergs Dnickcrthätigkeit in Strassburg (S. 29 f,) sagt^ ist 
originell aber unwahrscheinlich. — Einige Stücke seiner Arbeit 
hat Forrer noch besonders als Dissertation unter dem Titel: 

I^es imprimeurs de tissus dans leurs relations htsto* 
Iques et artistiques avec les corporationsc (Strassburg 
898) erscheinen lassen. — h. 

Aus der Geschichte der Waldungen im ebemaligoii 
Icichsritterslift Odenheim betitelt H. llausralh eine Ab- 
handlung in der Allgemeinen Forst- und Jagdzeilung- (Juli-llcft 
i8gS). Die Arbeit, welche wesentlich auf Kadsruher Archivalien 
beruht, bildet eine dankenswerte Bereicherung unserer Kenntnis 
der Geschichte eines wirtschaftlich nicht unbedeutenden Stiflcs 
nach cinex Seite hin, die bisher nur äusserst wenig Beachtung 
und Pllege gefunden. AT. Br. 



Eine Schilderung der gesamten wirtscliafiHchen Lage der 
ehemals zur Grafschaft naaau-Lichtenberg gehörigen Orte Helm- 
lingen und Muckenschopf giebt E. IJraunagcl in lieft 1 
Band XVI der »Staats- und sozialwisscnschaftlichen Forschungen! 
(»Zwei Dörfer der badischen Rheinebene unter be- 
sonderer Berücksichtigung ihrer AMmendverbältntsse«. 
86 S.) Der Verfasser verfolgt die verschieden artige wirtschaft- 
liche EntwickcFuug, der beiden Ddrfer, die bis 2um Jahre 1720 



712 



Zeilscbriftenschau und Litteraturootizen. 



eine Gemeinde gebildet und bis zum Jahre 1760 eine gemein- 
same Allmende besessen haben und untersucht die Ursachen 
der Verarmung und Verschuldung von Helmlingen, das heute 
hinter dem wohlhabenden Muckenschopf weit zurücksteht. Von 
Interesse sind die Mitteilungen über die eigentümliche Regelung 
des AUmendgenusses in H., wo je nach der Grösse des Looses 
(i ar — I ha 42 ar) 28 Anteilsklasscn bestehen, in denen der 
Genussberechtigte allmählich aufrückt. Sehr flüchtig und ungenau 
ist die historische Übersicht, die der Verfasser als Einleitung 
vorausschickt. Ludwig IL v. Lichtenberg war der Schwiegersohn 
des Markgrafen Hermaan V. v. Baden; Anna v. L. war nicht 
die Tochter des kinderlosen Jakob, sondern seines jungem 
Bruders, des Grafen Ludwig V. Helmlingen kann selbst- 
verständlich keine Schwarzacher Gründung des 15 Jhdts. sein, 
zu der es S. 5 gestempelt wird; ebenso unrichtig ist, was über 
den angeblich Jüngern, also etwa in die zweite Hälfte des 15. 
Jhdts. fallenden Ursprung von Muckenschopf gesagt wird: der 
Hof Muckenschopf wird schon im Jahre 1273 genannt (vgl. 
Krieger, Topogr, Wörterbuch, S. 473). K. Obser. 



\ 

f In der Zeitschrift f. Kulturgeschichte 5, 206 ff. berichtigt 

f H. Funck (Cagliostro und der Magnetismus in Strass- 

b urg) eine Angabe E. Sierkes in seiner Geschichte der »Schwärmer 
und Schwindler des 1 8. Jahrh.« und stellt fest, dass zur Zeit von 
Cagliostros Aufenthalt in Strassburg die Puys^gur'sche Gesellschaft 
noch nicht bestanden und das magnetische Treiben noch nicht 
begonnen hat. K. O, 



Die vor- und frühgeschichtliche Besiedelung des 
Kraichgaues behandelt W. Schnarrenberger in der dies- 
jährigen Programmbeilage des Gymnasiums zu Bruchsal. Bei- 
gegeben ist ein Anhang: »Flurnamen aus den Bezirken Bruchsal, 
Wiesloch und Bretten, die von geschichtlicher Bedeutung sein 
können«, sowie eine Figurentafel und eine Karte. K. Br, 



Eine vor kurzem erschienene Ortsgeschichte von Beiert- 
heim (Geschichte, Volkswirtschaft und soziales Leben der Ge- 
meinde Beierthcim. Nebst Anhang: Geschichtliche und wirt- 
schaftliche Mitteilungen über die Benediktincrabtei und das 
nachmalige fürstliche Kammergut Goltesaue. Unter Benützung 
amtlicher Quellen bearbeitet von A, Stork. Verlag bei dem 
Gemeinderat in Beiertheim und zu haben in Bielefelds Hof- 
buchhandlung (Karlsruhe) ist ohne wissenschaftlichen Wert, dürfte 
aber auch, vermöge der wenig ansprechenden Form, in der sie 
abgefasst ist, schwerlich geeignet sein, als Volksbuch, wie dem 
Verfasser vorgeschwebt hat, weitere Kreise »zur Pflege der 



Zl9l8duitU'(i!»duiu aiKJ LiUcr lUino 1 1 



HrimaiNJiebr und der HcjiDaUkunde< uiuurcgcu. sowie xur 3»Vi?t- 
miltlunir voTt KcnntuLsscni* bdEUliagen. -weklne dem junyeii Bürger 
•Aixt Icilnahine am öffenltidieii Leben befalugen helfen,« — n 



Seiner Ausgabe der Schönensleitibaoher ChrowUc hat Staatsrat 
Dr. von Schiumberger nunmebr auch die Gcbweiler Chronik 

des D o in i n » k a n e r s S «-• r a p h i n D i e 1 1 e r folgen 1 assen (Geh weikr, 
Boltit;, i8u8), L>iest:lbe war schon 1814 von Mossmann als 
<.*hrotik]iie des dominicains de GuebwiUcr publiziert worden, aber 
Ufivoll ständig und nicht niit der wünschenswerten Sorgfalt, Herr 
V, Schiumberger hat auch diese Edition mit peinlich genauer und 
gewissenhafter Beobachtung aller Äusserüchkeiten der Original- 
handschrift besorgt, zugleich aber auch im Vorwort» was hier zu 
Lande nicht der Brauch ist» über die r > nheit und Schick- 

sale der Handschrift, über die Quellen, \ und den Charakter 

der Chronik umfassenden und soweit ich urteilen kann^ trefTeriden 
Aufschluss gegeben, darieben aus der Fülle seiner Kenntnisse wert- 
volle Mitteilungen xur Geschichte der Stadt Gebweiler selb»l 
eingestreut. Dietlers Chronik, die selbstversländlich die lokalen 
und elementaren KreigniBse in erster Reihe berücksichtigt, bringt 
auch einige Angaben im Geschichte des Dominikanerordens auf 
deutschem Boden und verdient vor allem allgemeinereg Interesse 
durch ihre Schilderungen des Bauernkriegs, denen die Chronik 
eines Zeitgenossen, des Getiweiler Bürgers Hans Stoit2 zu Grunde 
liegt, die, wie mir scheint, bis zum Jahre 1540 benutzt ist. 
fenirr des 30jährigen Kriegs, deren Quelle nicht mehr nach- 
zuweisen ist, und der ersten Jahrzehnte des t8. Jalirhunderts, 
in denen Dietlcr selbst teils in Schonensteinbach, teils in Geh- 
weilcr bis zum Schhiss des Jahrs 1723 die Begebenheiten seiner 
engeren Heimat mit gewissenhafier Treue aufgezeichnet hat. 



Bausteine zur oIsass*lathr logischen Geschichts* 
und Landeskunde: IV". Heft: >Die Dinghufe und Ordens- 
hauser der Stadt Rufach nebst einem Anhang: Zur Bangeschichte 
des Munsters zu unserer lieben Frauen« von Tljeobald Walter; 
\\ Heft: »Die Ortsnamen des Kreises Zabern^^ von Albert 
Fuchs. Zabern J89Ö. — Die Schrift von Walter^ die eine 
Geschichte der Dinghöfe (Eschaucr Dinghol und Freihof) und 
der Ordenshiiuser (Priorat St. Valentin, Deutschofdenshaus, Frao- 
ziskancrkloster, Spital z. Heil. Gei^i, Beguineidiäuser und Kloster- 
hnfe) di-r Stadt Rufach gicbt» ist in ihrer scbUchtcn und warmen 
1' *i doch auf slrcnj: archivalischer Grundlage beruhcmlcn 

i iig ein ganz vortrefflicher Beitrag zur Geschichte der 

allen iJischofsstadl und kann als Muster dafür gelten, wie der 
I«okalhi»toriker lUc ihm zugefallene Aufgabe lösen soll« einerseits 
Licl»e ttnd IntereK&e an der geschichtlichen Vergangenheit der 



•jlA Zeitschrifteqscfaau und Litteraturnotizen. 

Heimat zu erwecken, andererseits auch der Wissenschaft wirklich 
brauchbare Bausteine zur vaterländischen Geschichte zu liefern. 
Wir bedauern nur, dass Vf. nicht auch das Stift St. Markus bei 
Rufach in den Kreis seiner Darstellung gezogen hat. Beim 
Priorat St. Valentin hätte er etwas näher auf die eigentümliche 
Stellung desselben zu Österreich eingehen können. — Die Schrift 
von Fuchs giebt an der Hand der Ortsnamen des teils im eigent- 
lichen Elsass, teils auf der lothringischen Hochebene gelegenen 
Kreises Zabem eine Besiedelungsgeschichte dieses Gebietes. 
Leider hat Vf. zu seiner im übrigen gut und verständig 
geschriebenen Arbeit die neue Schrift von Hans Witte (Zur 
Geschichte des Deutschtums im Elsass und im Vogesengebiet, 
1897) nicht mehr benutzt, oder auch nicht mehr benutzen können, 
und fusst daher noch auf der von Witte meines Erachtens völlig 
widerlegten Arnold'schen Theorie, dass die Ortsnamen auf ;»heim« 
im Elsass fränkischen Ursprungs seien. Für die ältesten Formen 
der Ortsnamen scheint Vf. die Arbeit von Harster (Der Güter- 
besitz des Klosters Weissenburg) nicht benutzt zu haben, wenig- 
stens übergeht er dessen beachtenswerte, vielfach von den übrigen 
abweichenden Erklärungsversuche vollständig. In der Polemik 
gegen Gauss betreffend »Altenheim zur Tauben« ist Vf. im 
Irrtum; das Dorf hiess noch im 16. Jahrh. urkundlich »Altenheim 
zur Truwen«. Alfred Overmann, 



Qotlleo lur Gcadiklite fiadenj nnd der Pfib. 



11165 



lOOQ. 



[375. 



379- 



f 640*— 650. Denkschnften der Intendanten: Bd« IX, Memoiro 
sur la g^n^ralitc de Qiampague» drt-si*^ cn l^ajint^e 1698; 
la Lonaine et AUace. Par MM. Laicher, dea Mare»ts de 
Vaubourg et de h Orange* — 5 Karten, darunter ein« 
des Rheinlaufs von Strassburg bis Worms, von Wilhcloi 
Delisle» des Rbeiniaufs oberhalb Simssburg (1704), sowie 
vx)n Worms bis Bonn (170.^), 117 BL 
I 825* Sammlung von diplomatischen Akten^itticken: 

fol. 18. TraictÄ on nemisc de Brixac entre les mains 
du Roy. 1639. Avec les m6moircs de monsieur Tcvesque 
de Limoges pour maintonir les canlons de Suisses au 
Service du Roy» au desavant<igc de sos cnncmis, faicta 
pendant que Monsr de L6on estoit ambassadcur on Suiittie, 
en rannte 1629, 

Sammlung von 19 Plänen und Karten, darunter ein Plan 
von PhiHppsburg mit einer Karte eines Teils des Kheinlaufs. 
alle (lid. XXVJ) 

Traitc de fortification, expliquc par Monsieur i\c Moniidis, 
professeur de math^matiquc du l'Acad^mie royalle, k 
Monsieur le chevatier de Meulebeq, quJ en a trac«i et 
lave tous lea plans et figures. A Paria, Tan 1701* 

foL 50, Pian von Philippsburg, 74 Ul 
Sammelband, 18* Jh, 47 til. 

fol. 1, Memoire miMtatre sur la fronti^rc d*AIlemmgne. 
Expose sommaire de la nature des diiferents pays iituds 
sur la rive droitc du Rhin, de Basle 4 Coblcnt^, ontro 
les Montagnes noires et Ic Kbtn, des villes fronli^res de 
cc fieuve ou de la Suissc au bat Mein, Ia^ü '' le» 

noireä, paralleles au count du Rhin dcpuls Rbui \\) 

jusqu*a Darmstadl ... 

foL 41. Anni'e 1743. Reconnaistance du cours des 
deux rives du Rhin, depuis Sptre jufqu'4 Manheim (par 
Hügel). Tlrc d'un aotrc memoire. Deputi Spire jusqu'i 
Manheim, le Rhin forme de grandet stciiiosU6« . . , 

tbl 42 V(>« Reconnaissanccs prixen sur Manbelm en 1730. 
Manheim est une place qui n'ett commandde par aucun 
endroit . . , 

Sammelband, 21 BL foL 1. Mtooire militalro lur la 
nouveJIe frontl^re, d«poJi Dunkcrque jntqti'li Landau, eo 
snivant la mcr d'Anr^ma^e, la frontifre d« Hollande et 
k Rhin, par le gt^ntrml MarescoL En Öorcal de Tan 6 
de la R ^publique fran^aise. 
468. Histoire et poitraiu de quelqoei hiMMqnm %l impim^ 
HfiT, tum grosseti Teil von Uaak Bttllait QDd tefocin 
*- ^*^f^ Jakob- 17. Jh. 129 El. foL 30 ond 3a PUUppaa 

uchion. 
lli»-ltre . SIcttc de FUndf« de 18. JH, 



48 S. S 

lüB. 4. ll*d. m«. E««. 9r. a^ 



ire i$. 



I7K 



in66 Brunner. 

485. Sammelband. 17. Jh. 249 BI. fol. 94 vo. De i'Empereur 
et de TEmpire et des £lecteurs et de plusieurs anltres 
princes et seigDeurs d'AIlemaigne. 
623. Miscellanea d'Antoine Le Karon. 16. Jh. 441 Bl., darunter 
eine Anzahl doppelt, fol. 350—367. Nachrichten und 
Schreiben betr. die Ereignisse vom September 1543 bis 
zum Juni 1544, speziell in Artois und Flandern, darunter 
(fol. 356): La proposition de l'Empereur k Spire; (fol. 360) 
Responce donn^e extemporeement au herault du roy de 
Franche, ä Spire, par le d^putt6 de TEmpereur. 
Fonds Godefroy 183. Sammlung von Genealogien. 18. Jh. 
582 S. mit eim'gen farbigen Wappen. 
S. 201. Baden. 
S. 243. Les palatins du Rhin. 
Lyon (Bd. XXXI) 

(Biblioth^que du palais des arts) 
53. fol. 88. Epigramm auf den Rheinübergang des Prinzen 
Karl von Lothringen im Jahre 1745. 
Angers (Bd. XXXI) 
231. Johann von Freiburg, Summa confessorum. 467 Bl. Datiert 
mit folgendem Chronogramm: 

Quidam Burgundus hanc scripsit nomine Petrus, 
Annis quingentis duodenos terque (!) removebis, 
1485? = 1500-12— 3. 

268. Johann von Schwaben oder Heinrich Suso, Horologium 
sapientiae. Französische Übersetzung, gefertigt in Chäteau- 
neuf 1389. Kopie des 15. Jh. 99 BI. 
Niort (XXXI) 

176. Denkschrift über Stadt und Schloss Freiburg. 1714. 



Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz 
in den Handschriftenbeständen der Pariser Bibliotheken 

gesmminelt von 

Karl Brunner. 



Im Anschluss an die Zusammenstellung der im Catalogtic 
gineral bisher verüffenllichten Handschriften zur Geschichte 
Badens und der Pfalz in den französischen Provinzbibliotheken 
gebe ich die Handschriften gleichen Botrefts aus den bedeuten* 
den Pariser Bibliotheken» In Betracht kommen dabei in erster 
Linie jene^ deren Handschriftenkataloge in derselben Sammlung 
wie diejenigen der Provinzbibliothekea erschienen sind: Bibllo- 
th^quc de l'Arsenal (7 Bände, Paris 1885 — 1896, herausgegeben 
von Henry Martin); Biblioth^que Mazarine (4 Bände« Paris 
1885— j8t/2, herausgegeben von Auguste MoUmcr); Biblioth^que 
Sai Ute-Gene vi^ve (2 Bände. Paris 1893 — 1896, herausgegeben 
von Ch. Kohter). Bei der Biblioth&que Nationale habe ich mich 
zunächst beschränken müssen auf die Mitteilung der in dem 
»Catalogue des manuscrits allemands de la Biblioth^que Nationale 
par Ged^on Huet, Paris 1895« enthalteiR-n einschlägigen jMate- 
rialjen. Hier ist wohl das meiste Wichtige vereinigt. Eine 
nach den Urundsätien des Catatogue gcncrat verfasste Gesamt- 
äbersichl der Handschriften giebt es für diese Bibliothek nicht. 
Namentlich macht sieb der Mangel eines GeneralregisCers fühl* 
bar. Bei der Biblloth^que de TArsenal habe ich mit Rücksicht 
auf den grossen Umfang des StoJTes sachliche Gruppierung in 
ilienfolge gewählt, bei der Biblioth^que Nationale 
u Grund eine Zusammenfassung In mehrere 
Haupubschnitte. 



!• 



m68 Branner. 

Bibliothique de TArsenal. 

Baden. 

4893. Sammlung zur Geschichte Deutschlands im 17. Jahrhundert: 
»Affaires des . . . marquis de Bade . . .« (Bd. IV. 492 f.) 
5410. Sammlung Conrart. Bd. i. 

28. — Seite 357: »Memoire des ambassadeurs ordi- 
naires et extraordinaires, nonces, rdsidens, ou gentilshommes 
envoyez, venus en France de ia part du Pape, de i'£m- 
pereur, des rois, princes et R^publiques estrangers, depuis 
le 20 febvrier 1634 jusques au mois de may 1639.« Aus- 
zug aus den Denkwürdigkeiten des M. de Bruslon. 
Aufnahme der Gesandten von . . . Baden . . . (Bd. V. 233.) 
6105. Sammelband. 

5. »Marquis de Bade: affaires avec les Empereurs, avec 
la France.« (Bd. VI. 50.) 
6621. Bd. VIII. Sammlung von Aktenstücken. 

I. Markgrafschaft Baden-Durlach 1733 — 1734. Eigen- 
händige Briefe des Markgrafen Karl von Baden-Durlach. 
(Bd. VI. 289.) 
Breisach. 
41 18. Sammlung Conrart. Bd. 13. 

64. — »Relation envoyde au Roy par monsieur le 
mareschal de la Force, de ce qui s'est pass6 entre Tarm^e 
du Roy et celle du duc Charles, jusqu'ä sa retraitte vers 
Brisac.« 25. Mai 1635. (Bd. IV. 191.) 
4532. Sammelband. 

16. — Convention pour Tarm^e du duc de Weimar. 
Brisach, octobre 1639. 

20. — »Capti Brisaci inscriptio« 1638. (Bd. IV. 382.) 
6314. Sammelband. 

62. — »Plan de Brisach.c (Bd. VI. 85.) 
6630. Sammlung von Aktenstücken zur Militärverwaltung. 1701 
— 1767. 

I . — Schreiben des M. de Trouville, Majors in Breisach. 
Metz, 3. Januar 1701. (Bd. VI. 297.) 
Frankenthal. 
4083. Sammlung von Verträgen. 

19. — Traitd du d6p6t de Frankendal, etc. 29. März 
1623. (Bd. IV. 102.) 
Freiburg i. B. 

4512. Portefeuille de M. d'Angervilliers, ministre d'fetah Samm- 
lung von Aktenstücken betr. Heeresverwaltung und Militär- 
dienst, namentlich von 1734 — 1735. 

24. — fol. 144. Projet de surprise du fort Saint-Pierre 
de Fribourg. 1735. (Bd. IV. 371.) 
5585. Bd. 158 der allgemeinen Bibliothek des Abb6 Philippe 
Drouyn, Doktors der Sorbonne und Geistlichen Rates im 



Quöllen lur Geschichte Badens und der Pfftli. 



m69 



ParlameQt von Paris (321 Bände) — foL 156 (gedr.): 

»Distiques sur la pnse de Friboarg-« von Christophe de 

Mann 1678. (Bd. V. 410.) 
6463. Samintung von Karten, Plänen und Denkschriften, auf 

französische und auäländische feste Plätse bezugh'ch» ge^ 

sammelt von Marquis de Paultny* 

684, iPIan de Fribourg et de ses forts. Septembre 

1744.- (Bd. VL 177.) 
6S5. Plan des »atiaques de la viUe et des forts de Fri- 

bouTg en Bnslcau* comraancdes la nait du 30 septembre 

jusqu'au 16 novembrc 1713.« 

686, »Plan des attaques et du siige de Fribourg, 

commandes par M. ie marechal de Coigny, t744*< 
Fürstenberg, 
3720. »Recherches historiqoes. copies de pi6ces ourieuses poux 

les deux demiers si^cles de l'histolre de France, recucillies 

par Madame la marquise de La Cour.< 

5. »Harangue de M. Tevesque de Strasbourg au loy, 

lorsqu*iI y fit son entr^e, en i'bSi.« (Ed. 111. 483,) 
47B3. Verschiedene Denkschriflen und Urkunden betr. die vod 

dem Baron von Lisola verhandelten Angelegenheiten. 
II. — »Confessio quadragesimalis pubh'ca Guilelmi, 

principis a Fürstenberg, Bonnae , iu arresto i674.€ 

(Bd. IV. 462.) 
5282. Verschiedene historische Schriften« 

7. — »Prix des armes fournies au r^giment de Furstem* 
berg par M. Titon.« (Bd. V. 189,) 

6040* Autographensammlung (hauptsachlich Briefe an Mitgliedef 
der Familie Arnauld), Bd. VII. 

7 1 u »Lettre du roy k scs ambassadeurs sui Tenl^vemcnt 
du prince Guillaume de Furstemberg.« 

gio. 987. 1142. Briefe des Kardinals von Fürstenberg 
ao Pomponne« 

Qt^. Brief der Gräfin von Fürstenberg an Pompoune. 
792. Brief des Bischofs von Strassburg, Franz Egon von 
Fürstenberg an Pomponne. (Bd* VL 23. 33.) 
7054« Autograiphensammlung, hauptsächlich von Victor Lujtarchc. 
Bd. IL 

Kardinal Landgraf von Füratenberg. (Bd. VL 372.) 
Heidelberg. 
6543. Satamlung Tralage. Bd. 111. 

8, — ». . * Sur la prise de Heidelberg. 1693. . ,< 
(IW. VL H2.} 

Ip^t* Philo^eca oder AutographenaJbtim von Johann Konrad 
Amotd. Enthält u« su Autographcn von Professoren ver* 
schiedcner deutscher Universitäten (1679 — 1683), auch 
von Heidelberg, (Bd. VI. 423.) 



myo Brunner. 

Heinrich Suso. 
686. Sammelband. 

3. — Heinrich Suso: »Horologinm sapiencie.« (Bd. II. 38.) 
2114. Sammelband. 

2. — Heinrich Sqso: »Cycommance le premier chappitre 
du livre de TOrloge de sapience.c (Bd. IL 419.) 

2314. Heinrich Suso: »Cy commence le livre qui est dit Horologe 
de sapience, le quel fist frhre Jehan de Souhaude, de la 
nacion d'Alemaigne, de Tordre des fr&res Prescheurs.« 
(Bd. II. 473.) 

2315. Heinrich Suso: Spi^el der Weisheit (ebenda). 

2316. Sammelband. 

I. Heinrich Suso: »Chi commenche le livre que on dit 
rOrloge de sapience, le quel fist fr&re Jehan de Souhaude, 
de la nacion d'Alemaigne et de Tordre des fr&res Prescheurs.« 
(Bd. IL 474.) 

2672. Sammelband. 

I. — Heinrich Suso: »Cy commance le traicti^ nommä 
rOrloge de sapience.c (Bd. III. 70.) 
5162. Heinrich Suso: Spiegel der Weisheit. — fol. 3: »Ezplidt 
hora sexta post prandium XV octobr. anno Domini mille- 
simo quadringentesimo sezagesimo octavo.« — fol. i. 
folgen die Verse: 
»Ceste doctrine coiironn6e Licenciez principalement 

Fut premierement ordonn6e Es droiz diz civil et canon. 

Du Saint Esperit, et fut dicte Qui du fons de baptesme a nom 

A un homme de grant merite, Maistre Dimenche dit de Port. 

Sage, de grant perfection, Fait fut cest escript et transport 

Profus en la religion Devot, subtil et gracieux, 

Du glorieux saint Dominique; Par un frere religieux 

Nez fut de terre Al[a]manique De la nacion de Lorraine: 

Frere Jehan dit Detsoubz Aube A grant fmit et a pou de paine 
[de Souaube] Fut mis de latin en fran^ois; 

Et fut de l'ordre saint Fran9oys; 

De latin en roumans donn^ Maistre fut en theologie: 

Fut ceste hystoire celle ann^e Son nom et son genealogie, 

Que le millaire couroit, De fait avis6, cele et queuvre, 

Qui propremont compter poftrroit, Car il [n'a] pas fait sy grant euvre. 

MU nilc IIIlxx et neuf, 

En la ville de Chastelneuf, Faicte fut la transladon 

A la requeste et Tinstance En Tan de Tincamacion 

D'omme de grant souffisance Devant dit» le jour XXVIU« 

Es sept ars fondez realment Du mois d'avril, environ prime.c 

(Bd. V. 103.) 
8215. >Oerloy der eewegher wiisheit.« — Titel: »Dit boeck es 
ghenomen wt een latinen boeck dat gebeten es Oerloy 
der ewegher wiisheit.€ 15. Jahrb. (Bd. VI. 439.) 



Quellen tur Geschieht« Badens und der Ff&lz* 



m7l 



8124. ^Oerloy der ewigher wiisheyt.« — Titel: «Dit boec is 
ghcnomen wt. j. ladncn boec dat ghehcten is Oerloy der 
ewigber wiisbeyt.< 14. Jahrh* (Bd. VI. 444.) 

HermanDus Contractus. 
S50. SammelbaQd. 

2. — Hermann Contractus: *Liber de pagoa nume- 
rorunii qui Rithmacia nuocupatur.« 

3. - Hermann Contract: »LudusRithmachie,<(Bd* IL 121.) 
kann es von Freiburg. 

458. Sammlung über die Confessio. 

I, — »Summa confcssorum, compilata a fratre Johanne 
Leciore, ordinis Predicalorum*« 

4. — »Confessionale fratris Johannis Thootoaici» ordinis 
framim Predicatorüm.* 14. Jahrh. (Bd. I. 306.) 

459. iSumma confessorum, compilata a fratre Johanne Lectorei 
ordinis Predicatorum.« 14. Jahrh. (Bd. L 307.) 

Lahr. 

6630. Sanunlung von Aktenstücken betr. die MiHtärverwaitung. 

1701 — 1767. 

9. — »Etat de tout ce qua la seigneurie de Lahr a 

livrc aux trouppes de France pendant les ann^es 1744 

et 1745.. (Bd. VL 297.) 
Landau. 
2980. »L'Oneirop^e« oder »Ic Songe d'Amyntast. gerichtet an 

.\licante. — Am Schluiis (S. 608) heisst ess: »Commenc6 

le 1 9 septembre , premier jour de la tranch^e ouverte 

devant Landau, et acheve le 23 novembre 1704, jour de 

sa pnse.« (Bd. IIL 177.) 
6io^. Sammelband. 

I -, ^Affaires des Empereurs avec la noblesse imm«»- 

uj4k% ieö villes tmp^rialtes, les viÜes de « , . Spire, .... 

Landaw . , .<• (Bd. Vi, 51.) 
6451. Sammlung von Karten, Plänen etc. von Marquis de Paulmy. 

424. »Plan de Tancien hopital de Landau, dit Munichofif,« 
onteneichnet: »De Riverson. 1754*« 

425. — a) und b) »Plan et coupe et elovation de deux 
Corps de casemes propost-s dans remplacement du Muni- 
cho^ i Landau«, unterzeichnet: »De Rivcrson. 1754.* 

426 ».^ttaques de Landau, depuis la nuit da 24 au 
25 jutn jusqtre et compris la nuit du 9 au 10 juÜIet 1715*« 
(Bd- VL i6j.) 

Orleans. 

4889. Margueritc d*Anjou , reync d'Anglclerre, ou la vertu 
triomphante, histoire heroique, dediee k Soti Altesse royale 
madame Charlotte ^lisabeht^ palatine, dachesse d'Orl^ans, 
par Maximilien Wald, Janvier 1707.4 (Bd. IV. 491.) 

5633» Band 206 der allgemeinen Bibliothek des Abbä PhU. 
Drouvu, 



myz 



Brunncr. 



— fol. 184. Discours de M. Prousteau au duc de 
Chartres et ä la duchesse d'Orl^ans, apr^s la mort du duc 
d'0rl6ans, prononcds par M. de Chambourg. 1701. 
(Bd.V. 414.) 
5754. Verschiedene historische Schriften. 

29. — Etat de la d^pense de Madame, duchesse d'0rl6ans. 
Pfalz. 
3507. Sammelband. 

17. — »En cas que le duc des Deux-Ponts mourut 
Sans laisser d'enfans masles» dissertation au sujet de la 
succession pr6tendue par messieurs de Birken (!) et de 
Sultzbach.« (Bd. III. 391.) 

3873. 

4. »D^duction de Torigine de la s^rdnissime brauche 

palatine Wertheim, qui descend 16gitimement en ligne directe 

de r^Iecteur palatin Fr6d6ric le Victorieux.« (Bd. IV. 28.) 

45 1 8. Bd. 1. einer Sammlung von Aktenstücken betr. die Kriege etc. 

der französischen Armee 1674 — 1788. (2 Bde.) 

38. — D^pendances du duch6 de Deux-Ponts et du 
Palatinat. 
4532. Sammelband. 

24. — »Palatinorum legatorum responsio ad resolu- 
tionem Caesaream. 1642.« (Bd. IV. 382.) 
4746. Sammlung von Aktenstücken zur Geschichte der politischen 
Beziehungen Frankreichs mit den Kurfürsten des Reichs. 

23. — »ifelecteurs Palatins« 1329 — 1674. 

24. — »De la succession du Palatinat.« 

25. — »Memoire de l'affaire du Palatinat« 

26. — »Affaires des Electeurs palatins avec les rois 
de France.« 1576 — 1685. (Bd. IV. 446.) 

5047. Sammlung von Papieren des Du Gange und seiner Familie. 
14. — Notes sur . . . palatins de Wittelspach. (Bd. V. 20.) 
5410. Sammlung Conrart. Bd. i. 

28. — »Memoire des ambassadeurs ordinaires et extra- 
ordinaires, nonces, residens, ou gentilshommes envoyez, 
venus en France de la part du Pape, de TEmpereur, des 
rois, princes et Republiques estrangers, depuis le 20 febvrier 
1634 jusques au mois de may 1639.« Auszug aus den 
Denkwürdigkeiten des M. de Bruslon. 

Aufnahme der Gesandten von . . . dem pfälzischen 
Fürsten . . . (Bd. V. 233.) 

5420. Sammlung Conrart. Bd. 11. 

265. — »De luy mesme [M. d'Ablancourt] ä M. Span- 
heim, gouverneur de M. le prince Palatin. D'Atys, le 
icr septembre 1659.« (Bd. V. 332.) 

5421. Sammlung Conrart. Bd. 12. 

49. — »Copie de la lettre de T^lecteur Palatin au duc 
de Montpensier. De Heidelberg, ce 150 jour de mars 



Qudien tur Geschichte Badens und der Pfali. 



»73 



1572. — Monsieur mon cousin, le gentllhotnme prdsent 
.jiorteiir . . »♦ 

50. — »Reponse de M, de Moiitpensier a M, T^Iecteur 
PalatiD. D'Afgues-perse, ce 28« jour de mars 1572. — 
Monsieur mon cousin, lout ainsi que la vertu des sages . . .* 
(Bd. V, 342.) 
"5422. Sammlang ConrarL Bd. 13. 

135, — »Lettre ou cartel da prince Charles-Louis, 
comte Palatin. [a Turenne]. A FredOricbourg, le 27 juillct 
1674. — L'cinbrasemcrit de tiies bourgs et vÜlages . . ,< 
{Bd. V. 357.) 
6400« Saminelband beir. die Ketigionskncge von Orleans. 

3. — »Extraict d*une lettre escrite je 20 juillet 1578 
aux nisidus de l'^glise d'Orleaus» espars ^a et la, par le 
miiijstre Daniel Toussainis» cstant au Palatinat oü il 
annonvoit la parole de Dteu i l'^lecteur palatin Frideric « 
(Bd. VL 123,) 

6467. Bd, L einer Sammlung von Aktenstücken betr. Städte 
und Provinzen Frankreichs. 

5. — »Avis sur ta deniande en Cassation de Tanfit rendu 
au conseil supcrieur d'Alsace, le 26 may 1726, formte 
par M. le duc de Deux-Ponts conlre M, le comte d*Hanau.< 
(Bd. VI i8k) 

6621. Bd. VlIL Sammlung von Aktenstücken. 

2. — Herzogtum Zweibrücken. 1726 — -1731. — Schreiben 
des Fürsten von Birkenfeld. (Bd. VL 289,) 
7157. Sammelband. 

I. — »Lcttres de M. de Jossaud concernant une n^go- 
dation avec le prince de Soultxbach. I727.t (Bd. VL 392,} 
Pbilippsburg. 
3128, Sammlung Fevrot de Footette »Piöccs en vers. C« 

40. — ■• . • Sonnet 4 Mgr. le Dauphin sur la prisc de 
Philisbourg. — Madrigal »ur Ic möme sujct.* (Bd. IIL 237.) 
4118. Sammlung Conrart. Bd. 13. 

^3. — »Relation de ce qui s*est pass^ k la prise de 
V\.' rg, Ic 24 janvier «635.1 (ßd, IV. 191.) 

4512, 1% it- des Staat^mitiislcrs d'Angervilliers. 

5ammlutig von Aktenstücken betr. Hccre&verwaUung und 
Militärdienst, namentlich von 1734 — 1735. 

14. — Pcrles du si^ge de Philipsbourg. 1734. 

21* — Schreiben des La JavcUi^rc. Philipsbourg» 

II fcvder 1735. Eigenhändig unterxeichnet. (Bd. IV, 370.) 

5171, Sammclbaodt ge^clirieben von Hetiri-Louis de Lomi^nie* 

Grafen v*on Htienncs (163$^ — 1698), wahrend seiner Haft 

in S«inl-Uiiaje. 

6. — »Serenisslmo Delphino ob expugnatum foolicissima 
obsidione PhUippoburgum.* (Bd. V. 109.) 



m74 



Brunner. 



6040. Bd. VII. der Autographensammlung der Familie Amauld. 
30. Philipsbourg (Bericht über alles, was in der An- 
gelegenheit Ph. vorgefallen), (Bd. VI. 30.) 
6463. Sammlung von Karten, Plänen etc. des Marquis de Paulmy. 
687. »Carte des environs de Philipsbourg, pour faire 
voir la position de i'arm^e du Roy pendant le si^ge de 
cette place, en 1734.« (Bd. VI. 177.) 
6541. Sammlung Tralage. Bd. I. 

36. — Sonne ts et autres pi^ces de vers sur Louis XIV, 
le Dauphin, sur les prises de Philipsbourg etc. (Bd. VI. 231.) 
6543. Sammlung Tralage. Bd. III. 

8. — Verse auf die Belagerung von Philippsburg u. a. 
(Bd. VI. 242.) 
6626. Sammlung von Autographen etc. der Familie Amauld. 

2. — ... »Plainte de la d^esse de Philipsbourg et 

harangue du dieu du Rhein pour la consoler. Toy, qui 

fais dans le ciel les destins de la terre . . .« (Bd. VI. 29 1 .) 

Rhein. 

44 1 1 . »Relation cons6quente au passage du Rhin, pour la partie 

d'Haguenau. 1744.« (Bd. IV. 354.) 
4532. Sammelband. 

1. — »Cappitulation faicte avec le comte Jean-Philippes 
du Rhin, le 26 aoust 1568.« (Bd. IV. 381.) 

6450. Sammlung von Karten, Plänen elc. des Marquis de 
Paulmy, 

410. a) »iisit des changemens du cours da Rhin, depuis 
janvier 1754 jusqu'A may »755. — b) Relev^s des cartes 
des douze inspections du cours du Rhin, depuis Huningue 
jusqu'ä Lauterburg: sculp. Le Mire, g6o . . .< (Bd. VI. 162.) 

Sasbach. 

4518. Bd. I. einer Sammlung von Kriegsakten etc. 1674 — 1788. 

2. — »Campagne de 1675, par M. de Turenne« mit 
einem Plan von Sasbach. (Bd. IV. 373.) 

Schwäbischer Kreis. 

6394. Sammlung von Briefen und Autographen des Schauspielers 
H. L. Lekain. 

2. Teil. 2. — Seite 17. »Description, par lettre alpha- 
bötique, de toutes les villes que j'ai parcourues dans mes 
diff^rents voyages, soit en France ... et dans FAIlemagne, 
une partie des Cercles de Souabe . . .< (Bd. VI. 122.) 

Sponheim. 
507. III. Teil. »Commendatissimi viri reverendique in Christo 
patris domini Jhoannis de Trittenhem, abbatis Spanhe- 
mensis, liber de ecclesiasticis scriptoribus.« 

Fol. I A V®. Brief des Johann »de Lapide« [Johann 
Heynlin], vom Orden des Chartreux an Johann von Auer- 
bach, betr. das Buch des Johann Trithemias, dat. 28. August 
1494. — fol. I. Brief des Johann Trithemias an Johann 



Quellen zur Getehkbte Badens und der Pfali. 



»73 



von Dalbcrg, Bischof von Wormsg vom 26, April 1492, 
— fol. I v*^. Vorwort des Verfassers. — fol. 2, Anfang 
des Werkes: »Clemens sancte Romane ecciesie qnarlus a 
beato Petro, ul quibusdam placet • . .« — fol. 89* Brief 
des Johann Trithemius an Morderer, Abt, vom 2* April 
1493. — fol. 89 v^ Lateinische Verse von Sebastian 
Brandt zu Ehren des Werkes von Johann Triihemius, mit 
folgendem Anfang: 

sScriptorei qukuinque velis novisse probates 
Ecciesie et quiccjuid qui&que decoris habet . . ,« 

(Bd. I. 359.) 
,624, Sammlung betr, geheime Wissenschaften« Bd, IIL 

14, — »Joaniiis Triteroii, abbatis Spanhcimensis, in 
Itbros SQos de steganographia epistota sive praefatto 
apologetica,' 

15, — >Ex libro Joannis Trithemii octo questionum 
libellus.- (Bd, IL it8.) 

Speyer. 
^3357. Sammlung von Aktenstücken, Briefen etc., gerichtet an 
den Grafen von Argenson, Unterzeichnet u. a* von Franz 
Christoph, Fürstbischof von Speyer. (Bd. IIL 325,) 
4606. Sammlung zur Geschichte Deutschlands. 

8, — »Trait^s entre les reis de France et lc8 ^vesquea 
de . . . Spire , . .<« (Bd. IV. 401.» 
4893* Sammlung zur Geschichte Deutschtands im 17« Jahrh. 

»Affaires des . , , dvesques ... de Spire , . . (Bd. IV. 492.) 
6105. Sammelband« 

J5. — • Affaires des Empereurs avec . . . la ville de . . . 
Sptre •. .€ (Bd VL 51.) 



BibÜoth^que Mazarlne. 
Band L 
923. Heinrich Suso. »L^Orloge de Sapience.^ Fransösische 
Übersettung eines Minoritenbruders aus Lothringen vom 
Jahre i389, angefertigt auf Wunsch *i ers Dimanche, 

genannt von Port, Licenciaien des k*ii n und bürger- 

lichen Rechtes. Beginnt: »Cy devise comment le livre 
qu'il est dit TOrloge de Sapience» lequel ü&t Jehun de 
Souhaude. dr la nation d*Alemaigne, de Tordr© des Creres 
Prescheurs et de Tordre Saint-Dominique. ^ Salemon en 
son prcmier livre de i>apicnce, ou premier chapitre, dit: 
Senttte de Domino tn bonitate • . .« (S. 433.) 
953- 2* Obersetxung, bexw. Paraphrmse in franjcöstscher Prosa 
des •Horolcgium sapientiae« von Heinrich Siiso. Beginnt: 
>L« Disdple. Mes yeulx, respandes vos lermea plourez 
et cHes ä toutes heurei . . .« Schltesst, »Laquelie ne 
face pechie et Tammour lo face dement eslever en son 
Cfea:eur. Amen.« (S 458.) 



BQ76 Brunner. 

963. I. »Cy commence ung traitd du saint sacrement de Tautel, 
extrait de »rOrloge de Sapience«, qui contient comment 
Jesu Crist est le vray sacrement. Sapience pardurable et 
souveraine, veilles avoir compassion de mon desir et de 
haste . • .« Auszüge aus dem Traktat Johanns von 
Schwaben (S. 465.) 

987. 12. Auszug aus dem »Horologium sapientiae« von Johann 
von Schwaben. (S. 482.) 

993. Dasselbe. (S. 490.) 
Band II. 

132 1. Johannes Lector von Freiburg. »Summa confessorum.« 
Perg. (S. 71.) 

1322. Johann von Freiburg. 

1. »Manuale collectum breviter de summa confessorum.« 

2. »Tractatus de instructione confessorum . . .« Perg. 

(s. 71.) 

1330. 2. Rechtsgutachten betr. Ankaufeines kirchlichen Gebäudes, 
gezeichnet u. a. von Nikolaus von Speyer. (S. 75.) 

1565. Anhang, c) »Epistola d. Johannis Tritetmii, abbatis Spaen- 
heimensis, Arnoldo Boscio , carmelite Gaudensi missa.« 
Datiert vom Montag nach Palmsonntag [= 24. März] 1494. 
(S. 121.) 

1848. Sammlung von diplomatischen Aktenstücken des 17. und 
18. Jahrh. 

7. »Memoire concernant les d^pendances du duch^ dn 
Deux-Ponts, situees en Alsace, bailliage de Bergzaber ou 
de Nicastel.« (S. 255.) 

21. Brief Ludwigs XIV. an den Kurfürsten von der 
Pfalz, Marly, 20. Juli, und Brief des Kurfürsten an 
Ludwig XIV., 30. Juni 1699. (S. 256.) 

1857. Briefsammlung von Gelehrten des 17. Jahrh. 

29. Lettre sign6e de Marcin k Steel [Stella], resident 
pour le Roi k Strasbourg (Philippsbourg, 29 mai 1645). 
(S. 262.) 

1862. Sammlung von Aktenstücken, hauptsächlich die Beziehungen 
Englands zu den übrigen Ländern Europas betreffend. 

25. Schreiben des Königs Jakob I. von England an die 
deutschen Fürsten zu gunsten seines Schwiegersohns, des 
Kurfürsten von der Pfalz (2. Mai 1621). (S. 268.). 

1 884. »Vita Serenissimi ac potentissimi principis ac domini, domini 
Caroli Philippi, utriusque Bavariae ducis comitis Palatini 
Rheni, S.R. J. electoris et archithesaurarii, etc. etc., succincte 
proposita a quodam e societate Jesu.« Gewidmet dem 
königlichen Prinzen von Polen Franz Xaver, Herzog von 
Sachsen, von Dominikus Minelli (25. August 1743). (ß. 273.) 

1985. »Contracts de mariage de roys, reynes, princes et princesses.« 
16. d'Elisabeth d'Angleterre et de Fr^d^ric, ^lecteur 
palatin. (S. 299.) 



Qnettefl mr Geschichte Badens und dei Pfuli, 



1077 



2000. iRecueU sur Thisioire de France.« Bd, II, 

4g. (gedr.) »Guillelrai» principis Furstembergü, restitutio 
ad Caesans autboritatem tuecdam , . . auctore Germana 
Phüarclio Eupisteusi.-' (S. jo6*) 
2079. Sammlurig von Aktenstöcken asur französischen Geschichte, 
9« »Harangue de I*ambassadeur du duc Jehan Casimir 
au Ro)%^ Johann Casimir, Sohn Friedrichs, Kurfürsten 
von der Pfalz, Herzog von Ktampes. 1576 oder I577, 

(S. 338.) 

2t 18* I. »Dtclarations et offres des deputez de Frideric, Electeur 
Palatin» aux demandes et propositions de la part de 
TEmpereur, ä Colmar, le 18. juület, Tan 1627.^ 

8 *Sommaire des articles de la paix entre rEmpereur 
et r Electeur de Saxe, traictve a Spire et pubüÄe ä Prngue 
en 1635,« 

12. »Traduction de Taltemand d'une lettre du major 
Erlach k .Mons, TElecteur palatiu, du 19. octobre 1639,« 

17. Protest des Kurfürsten von der Pfals (Hampton* 
Court, 27. Januar 1637), 

19. Kapitulation von Breisach, 17. Dezember 1638. 

20, »Extraicts de deux letres, Tunc de Lyon, l'aulre 
de Basle, sur le iaici de ßrisac et auires affaires d'Alc- 
magne, 1630,- 

27. ^Conditions sous lesquelles TEmpereur prclend que 
la restitution soit faicte du Hault et Bas Palatinatf du 
i2 may 1642.« — Antwort des Kurfürsten von der PfaU. 
31« Proposition faite, au nom de Louis XJII, par le 
sieur de Fcuqui^res, h rassembh'e des quatre cercles des 
provinces clectorales du Rliin, de Francouie etc. A Franc* 
fort sur le Meiu, 23 juin 1Ö34. (S, 361 ff.) 

1^33* 3* ^Memoire de M. te marquis dn Bade.« Mit lateinischen 
Bemerkungen. Miite des 17. Jahrh. (S. 392*) 

J236. tPrcliminaires ou m^motres pour les pr^paratifs k la paix, 
recueillis par M* D. G* au mois d'aoust 1646«« Samm- 
lung von Vertragsentwürfen , die auf den Konferenzen 
von Münster erörtert wurden; der erste ist der Vorschlag 
einrs allgemeinen Friedens c, 1640. Angelegenheiten von 
Lothringen, PUsass^ der Pfalz etc. (S, 393.) 

2276- Feldzug von 1689, 

Planzeichnungen von PhiUppsburg und Mannheim« 
(S. 401.) 

2363. »Journal de plusieurs campagnes, lidtes taut en Vuest- 
phatic, Boheme, Bavi^re, sur le Haut Rhin et en Flandre» 
comraenctes ea 1741 et finies en 1748, par M. le comte 
de Sebbeville, sous-lieutenant des chevaus'lcgers de la 
Reine, 1748.« (S. 420.) 

2457. Sammlung von Aktenstücken zur Kirchengeschichte unter 
der Regierung Ludwigs XIV, 



inyS Brunner. 

II. 31. Ansprache des Bischofs von Strassburg, von 
Furstenberg, an den König (Oktober 1681). (S. 443.) 
Band III. 
3335. tloges de Wolfgang-Guillaume, comte palatin du Rhin 

(t 1653). (s. 55.) 

3783. Sammlung von Festungsplänen: Landau; Ebernburg in der 
Pfalz; Philippsburg. (S. 181.) 

4356. »Projet des articles concert6s en pr6sence de M. le 
marquis de la Salle, commandant de la province d'Alsace, 
relativement aux territoires n6cessaires pour perfectionner 
le cours du Rhin entre Drusenheim et Hugelsheim et les 
ouvrages ex6cut6s en vertu de la Convention arrßt^e en 
1 780.« 3 Bl. fol. mit einer farbigen Handzeichnung. (S. 313.) 

4376. »M^moires pour Thistoire principallement de France, lettres 
par chiffres, etc., formules de lettres ä diff^rentes per- 
sonnes de qualit^ et au parlement, tir6es des manuscripts 
de M. Dubuisson-Aubenay.« 

Le compte des subsides payes de 1570 ä 1582 par 
les protestants de France au duc de Deux-Ponts. (S. 319.) 

4383. »Guerre entre la France et l'Espagne. — Negotiations 
pour la paix ä Cologne, Munster et Osnabrück, avec 
diff^rents traitds, le tout lire des manuscrits de M. 
Dubuisson-Aubenay.« fol. 449. Accommodement pour le 
Palatinat (1647). (S. 324.) 

4408. »Germaniae superioris itinerarium.« Elsass und benach- 
barte Länder. Darstellung der Übergabe von Breisach an 
den Herzog von Weimar (Stich), gezeichnet von J. Humbelot. 

(s. 332.) 

Biblioth^que Sainte-Genevi^ve. 

Band L 

1015. »Cy commencent le traicti^ qui est nommÄ TOreloige de 
sapience, auquel est parfaictement contenue la voye et la 
maniere d*aquerir saulvement.« Französische Übersetzung 
des Horologium sapientiae von Heinrich Suso aus dem 
Jahre 1389, gefertigt von einem lothringischen Franzis- 
kanermönch in Neufchäteau auf Wunsch des »maistre de 
Moinge [Demange], dit de Port« (S. 471.) 

Band 11. 

1454 - 1458. »Epistolae Haereticorum.« 5 Bände. Ausser zahl- 
reichen Briefen Melanchthons, die von Bretschneider in 
seiner Ausgabe der Korrespondenz Melanchthons im 
»Corpus Reformatorum« bereits verwertet sind, kommt hier 
in Betracht: 

Bd. 2. fol. 584. Pfalzgraf Johann Kasimir. (S. 37.) 

2240. Abhandlungen und Notizen zur Alchimie. 

8. »Ex libro experimentorum Trithemii, manuscripto.« 
(S. 298.) 



QucUeo <ur Geschichte Badens und der Pralie. 



m79 



2 28q* ^Manuscrit ou recueU de divers propositions geometriques 
et asironomiques.* foK 78* »Figure anagramatique ou 
cicf pour ecrire ücultenaent de Tristemraec [Trithemius], 
(S, 312,) 

2959. Summa des Raymond de Penaforl, mit dem Kommentar 
Wilhelms von Keanes, der Johann von Freiburg (Lektor) 
zugeteilt wird. (S. 546.) 
31S7, Autographensammlung des P. Fran^ois Blanchan, Abtes 
von Sainte-Genevi^ve* 

I. . . , ^Madame« [Henriette von England oder Elisabeth 
Charlotte von Bayern, Gemahlinnen von »Monsieur«, des 
Bruders Ludwigs XIV.] (S. 623. j 
5225, Aosjsüge aus vcrscliiedcneu Werken etc, Bruchstücke zur 
Geschichte, Litteratur etc. 

7. »Chanson de Madame, 1677« Beginnt: 
•Vou^ quc j'ay veu hrilcr d^utie üame d belle 

Et qui m'av6i « 

(S. 636.) 



Bibliotheque Nationale, 

ReühsiagskQrrespQndt nt. 

Zahlreiche Schriftslücke betr. die Festung Philippsburg, 
Supplim^ni /raufaü ^jjh /— 9; 4^3: ^ü* — Schreiben des 
rkgrafen Karl August von Baden (Ernennung sum Reichs- 
^marschail), ar. Mai 1753, — Schreiben des Landgrafen Ludwig 
von Fiirstenbcrg (Bitte um Ernennung xum Reichs-Feldzeug- 
Li3»eisteT), — Dankschreihen des Ten von Baden-Durlach 

^lur seine Kmennung zum Fcldzti r, 19. April 1754. — 

Keichsgutachleu über die Ernennung des Fürsten von Fürsten- 
berg xuui Feldzeugmeister. — Schreiben desselben über die 
Garnison von Kehl, 12. August 1754. — Bcsiatigungsdekret der 
Ernennung desselben xura Fe Idxeugm eisten — Schreiben des 
J. C. von May im Namen des Mark^tAfen von Baden an den 
Reichstag gerichl'»t» betr. die An. it-'it von Kehl, 3. Nov, 

1754. — DaJikschreibcu de» Füf: i Fftrstenberg, 4, Febr. 

1754. Bestiitigungsdekrel bcir, d»e Venninderung der von 

dem Reiciisritterstlft üdenheim geforderten Lasten, 12. Mai 1755; 
gredr. — Schreiben des Markgrafen von Baden* Baden (Ernennung 
1 der Kav 18. Juni 1756, — Mitteilung de* 

u den >. L li von Baden im bleichen Hetrefl. 

— r kret der Ernennung des > u itum Genemi 

der !. , , Juni 1757, gedr* — Dai iben des Mark* 

: i-n, 3. Juli 1757. — Schreiben des Markgrafen Karl August 
vua Baden, Bitte um Ernennung zum Rejchsfeldmarschall, 17. Juli 
175Ä. — Schreiben des Ahtes Dominikus von Weingarten betr. 

1, 14. Mai 1759* — Schreiben 
. Namen des Bischofs von Kon- 



m8o Brunner. 

Stanz, in derselben Angelegenheit, 21. April 1759. — Schreiben 
des Freiherrn von Minsterer, des Vertreters der Stadt Überlingen, 
in derselben Angelegenheit, 24. April 1759. — Reichsgutachten 
betr. die Ernennung des Herzogs von Zweibrücken und des 
Markgrafen von Baden-Durlach zu Reichsmarschällen, 20. März 
1 760, gedr. Kaiserliche Bestätigung dieser Ernennung, 28. März 
1760, gedr. — Dankschreiben des Markgrafen. — Schreiben 
des Fürsten von Löwenstein (Bitte um Ernennung zum Feldzeug- 
meister). — Schreiben des Pfalzgrafen Friedrich (Dank für seine 
Ernennung zum Reichsmarschall), 27. April 1760. — Bitte des 
Markgrafen von Baden um Ernennung zum Feldzeugmeister, 
21. Mai 1760. — Dankschreiben desselben, 25. März 1761. 

Supplimsnt franfais 4731, 1—9; 4731 bis. 



Religionsangelegenheiten auf dem Reichstag, 

Religionsangelegenheiten der Gemeinde Rosenberg im Fürsten- 
tum Löwenstein: Schreiben des Corpus Evangelicorum an den 
Fürsten von Löwenstein, 20. Februar 1754, gedr.; 6. November 
1754. — Bittschrift der Evangelischen von Rosenberg an das 
Corp. Evang., 8. Juli 1755, gedr. — Neue Bittschriften, April 
1756, gedr.; 12. Oktober 1756. — Denkschrift an das Corp. 
Evang. über den Religionszustand der Pfalz, gezeichnet von J. C. 
Schwarz, 8. Januar 1759. — Schreiben des A. C. Gehwolffan 
das Corp. Evang. betr. die Angelegenheit der Kasse von Ger- 
mersheim, 19. Mai 1759. — Schreiben des Corp. Evang. an den 
Kurfürsten von der Pfalz betr. Holzhausen, 5. September 1759, 
gedr. — Klagen der Gemeinde Ilbesheim (Grafschaft Falkenstein) 
an das Corp. Evang. gerichtet, Januar 1756, gedr. — Memo- 
randum der evangelischen Gemeinde Winnweiler (Grafschaft 
Falkenstein), 14. April 1758, gedr. — Schreiben des Corp. 
Evang. an den Ordensmeister der Johanniter von Heitersheim, 
26. April 1758, gedr. — Schi^iben des Corp. Evang. an den 
Kaiser betr. die Klagen der Gemeinde Landstuhl, 28. Juli 1756, 
gedr. — Denkschrift derselben Gemeinde an das Corp. Evang., 
2. Juni 1760. — Klagen der Gemeinde Neckarsteinach, an das 
Corp. Evang. gerichtet, 18. September 1753. — Schreiben des 
Corp. Evang. an den Kaiser in ders. Angeleg., 24. April 1754, 
gedr. — Schreiben dejr Reichsritterschaft von Schwaben an das 
Corp. Evang. über den Familienvertrag der Freiherrn Göler von 
Ravensburg, 27. Juni 1758, gedr. — Protest gegen diesen Ver- 
trag seitens zweier Familienmitglieder: Wilhelm Friedrich Karl 
Ludwig und Stephanie G. v. R., 24. Februar 1759. — Protest 
des Frhrn. G. v. R., Mannheim, 6. Juli 1759. — Aktenstücke 
des Corp. Evang. gegen den Vertrag, 15. August 1759. — 
Schreiben des Freiherm von Staritz, der sich beklagt, dass seine 
Frau von ihrem Kinde in Mannheim getrennt worden ist, 25. April 
I750, gedr. — Promemoria: Verbot der pfalzischen Regierung 



Quellen zar Geschicbte Badens und der Pfalz* 



mtio' 



ia dieser Aogelegenheii, mit einer Species facti, gedr. — Schreiben 
des Corp. Evang. an den Kaisii^r betr. die Unterdrückung der 
evangelischen Gemeinde Heimkirchen, i8, Febr. 1761, gedr. — 
Denkschrift an das Corp, Evang., 6. Juni työi, — Neue Denk- 
schrift an dasselbe, 21, März 1762. — Schreiben des Konsisto- 
riums von Pfalz-Sponheim betr. Ausschreitungen gegen die Evan- 
gelisdicn in Trarbach, 3. Februar 1763, gedr. — Promemoria 
der evangelischen Gemeinde Heirakirchen, 19, April 1763. — Denk- 
schrift der evangelischeu Gemeinden Dörrebach und Seibersbach, 
14. März 1764^ gedr* — Denkschrift der evangelischen Ge- 
meinden Mommenheim (19* Mai 1764, gedr.), Beohlolsheim 
12. März 17Ö4, gedr.), Udeoheim (20. März 1764, gedr*)» Cronen- 
berg (j. Juni 17Ö3; 28. Dez. 1764; 22. Jan. 1765; 16. Aug. 
■7^5« g^dr,). Bittschriften der Gemeinde Cronenberg an das 
Corp. Evang. (20. Okt, 176^^; 19, Mai 1765; 5, Nov. 1765,) 
^ Bericht über rlas Verhalten des Herrn von Sickingcn-Ebernburg 
gegen die c;emeirKle Heimkiichcn» 7, Juli 1763, gedr. — Neues 
Bittgesuch in i\ej%, Angelcf^cnheit , 2S, Okt. 1764» gedr. — 
Bericht über die Verfolgungen der Reformierten von Ruchheim, 
3. Juh* 1764, gedr. — Klagen der Gemeinden Maudach (3. Juü 
1764; 10, Dez. 1704, gedr.), Landstuhl (20. Sept. 17Ö4, gedr.), 
Neckarsteinach (20. Dez. 1764), Bbesheim (25. Jan. 1764, gt^dr.; 
iO. Nov. 1764.) SuppUmeni /raftfais 4^j^, 1^4, 



Zulassung neuer AfägÜeder zum Fürsfenkolhgium des Reichstags^ 

Gesuch des Fürsten von Löwcnstcln-Wcrthcim um Aufnahme 
in das Fürstcnknllcgium, 20. Okt. 1753. — - Promemoria gegen 
die Zulassung des Hauses Lowenstein, 19. Febr. 1754, gedr. — 
Schreiben des Markgrafen von Baden-Durlarb an den Kaiser, 
betr. die Zulassungen, 13. Mai 1754. — Schreiben des Königs 
von Preusscn an Baden-Durlath und Pfalz-Zweibrücken, be^tr. die 
PrivilegiLii der Förstcu. 4, Dez. i 755. — Schteibcn des Königs von 
Dänemark an iX^n Markgrafen von Badcn-Durlacb, 2. Fcbr* I75(n 

Supplimeni fran^a i% / 75 5 . 

Resehwerdin heim Reiehstag, 

Deductio gravaminum (J. A* von Bach ^^%^n Löwenstein* 
Wertheim. Aug. »752, gedr ). — Beschwerde des Fürsten von 
Lö\v*Tistein-\V*ertheim in dcrs. Angelegenheit, 20. Sept. 1752* 

Sup^Ument fram^ait 4734» ^• 

Aklensiikki zum sielunjährigen Krieg, 

Ernennungadektel des Herzogs Friedrich von Zweibrücken 
tttm Befehlshaber der Rcicbsarmee, 20. Febr. 1758^ gedr, — 
Gesuch desselben um Vcrleilmng der Würde als Rdchs-Fcld- 
marschall» lü. Febr. 1758. — Erklärung desselben, forciert die 
Ausliefening der Kassen in den von d«tr Rcicbsarmee besetzten 



inSo' Brnnner. 

Landern, 26. Febr. 1759. — Erklärung desselben, Verbot jeden 
Verkehrs mit dem Feinde, 26. Febr. 1759. — Proponenda des 
Kurkreises vom Oberrhein; Beschluss desselben, o. D. — Befehl 
des oberrheinischen Kreises, 27, Jan. 1757. — Bitte der Reichs* 
Städte von Schwaben und vom Oberrhein an den Kaiser, o. D. 

Suppliment frangais 4736, 4. 

Kaiserliches Reskript an den Kurfürsten von der Pfalz, betr. 
die Rückberufung der kurfürstlichen Truppen von der kaiserlichen 
Armee, 9. Febr. 1763. — Species facti in ders. Angelegenheit. 

Ebenda 473$ bis. 

Verschiedenes, 

Sammlung von Urkunden zu den Vergleichsverhandlungen 
zwischen dem Kardinal von Lothringen und Herzog Friedrich 
von Württemberg, 1597 - 1603. SuppUment fran^ais 47t. 

Chronik der Kaiser, Päpste und Pfalzgrafcn mit einer Lebens- 
beschreibung des Kurfürsten Friedrich I, und autobiographischen 
Notizen des Verfassers Matthias von Kemnath, nebst einer Fort- 
setzung der Chronik bis 1475. Suppl^ent frangais ioig4. 

Sammlung von Briefen an Oberlin, u. a. von Abt Martin 
[Gerbert] von St. Blasien, 11. August 1782. 

SuppUment fran^ais 32g8. 

Wappenbuch mit Signaturen und Wahlsprüchen, entstanden 
im Lauf des 17. Jahrh. (1607- 1671), zuerst im Besitz des Kur- 
fürsten Friedrich JV. von der Pfalz, dann wahrscheinlich in dem 
seines Sohnes Friedrich V., Königs von Böhmen. [Vgl. darüber 
J. Bächtold, Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1876, 
Sp. 97 ~ ^ö?'] Nauveile acquisition 220. 

Die Kommission der freien Reichsritterschaft des Nieder- 
rheins gegen den Kurfürsten von der Pfalz, betr. die Herrschaft 
über die P'bernburg, 1770. — »Documentirte Gegenanzeige« mit 
Beilagen. — »^Ungrund der sogenannten documentirten Gegen - 
anzeigen.« NouveUe acquisition 280, 8—10, 

Wappenbuch vom Turnier von Würzburg (1479) und Heidel- 
berg (1481). Beginnt: »Ein register von Tournier zu Würtzburg, 
ist gewesen auf dienstag nach dem Heyl, drey könig tag ... 1479'. 

NouveUe acquisition 304* '» 

Sammlung von Briefen an Friedrich Dübner; darunter: Ver- 
ordnung des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz betr. den 
Civiletat in den Kirchen, 18. Nov. 1769. — Vorstellung in 
Sachen Pfalz-Zweibrücken gegen Baden-Baden. 

NouveUe acquisition 324. 



Freihcrrlich \\ ZobeUscbes Archlr. 



mt45 



VIIL Baibach (Ober- und Unter-). 

*535 April 28, Vertragsbrief in Streitigkeiten zwischen 
lans und GölJß v, BerlichingeD, Bruder, wegen des Zehntens zu 
Oberbaibach. Perg, Orig. — 155Ö. Gerne iiiderechte des Dorfes 
bach, — 155g Okiober 9- Ludwig Kasimir, Graf zu 
i 'he, bestätigt die Gefälle der Pfarrei O* — 1584. Hohen- 

lobe*sche Erbhuldigung zu O, — 1585. Kündschaft über strittigen 
Zehnten in Deubacher Markung. — 1588* Kaufbriefe über die 
Guter und Rechte zu O. 1 Fasr. — 1589 August i. Julius, B. 
zu Wdrzburg* ordnet mit Stephan Zobel v. Giebclstadt die Cent 
zu O.; 1080—1770 weitere Urkunden über die Cent. — 159^- 
Reccss zw, dem Deutschmeister Maximilian und dem Bischöfe 
Julius zi\ W. über die Cent zu O. u. U. — 1595 — i8ou. Streitig* 
kciten mit dem Deutschorden zu Mergentheim wegen O, u. ü, 
57 Fasz. — 1596* Kaul brief des Kunz v, Rosenberg» der seine 
Güllen und Rechte zu O- an Stephan Z. v. G. zu D. verkauft« 

— 1605. Kopie des Recesses über die Vogtei, Fischerei etc. zu 
O* — 1628 — 1673. Jus patronatus der Pfarrei 0„ Gotteshaus- 
rechnung und Schulmeiaterbestallung zu O, 1 Fasz. — 1629. 
Marburger Urteil über die Vogtei und das Laudum zu O. Zwei 
Abschr. — 1648. Das Fischen zu O. — 1652. Exercitium rc- 
Hgionis und Pfarrbestallung zu O. — 1662 — 98, Dorfs-, Ge- 
meinde-, Gassen- und Markungsherrschaft zu O, 1 Fasz. 1665 
— 1709. Kirchen- und Pfarrhausbau zu O, — 1680, Öde Plätze 
zu O, I Fasz. — 1683. Jagdgerechtigkeit zu O. — 1686. Fcld- 
schiedei-spruch über einen Garten zu O. — i686. Das Mühle- 
wehr zu O. I Fasz, — 1686. Freier Hiu- und Herzug zu O* 
t Fasz. — 1693. Wiesenweide im Herbst. — 1696 Juli 21, 
Würzb. Vikariai r n über Verbesserung der Pfarrcinkünftc 
XU O. — ^1098. i acher Dorf- und Polizei-Ordnung. 1 Fasz* 

— 1699. Vertausdiuiig des Schaftriebes zu O. — 17. Jahrh, 
Die Markuug zu (>. und Labcrtsbrunoer Hof. — 17. Jahrb. 
Polizei- und Gerichtsordnung. — 17. Jahrb. Zobel*sche GcfjiUe 
zu U., Dcubach und Bemsfcldcn. — 1723* Notariats verhör über 
Schulmeister- Annahme» Gcmrindeläutcn u, Gemeindeholz, 2 Fasz. 

— 1740. Nuvaizehnlen zu Labertsbrunn. i Fasz. — 1761^ — 69- 
RückstÄndige Ritierstcuer zu (>. i Fasz. — 1761^ — 70» Abhör 
der Gotteshausrcchnungcn zu O. i Fasz, — 1762. Den Heu- 
zehnten zu O» I Fasz. — ijbi^ Frohnden zu ü. i Fiüz. — 
1762. Abfall einiger Untertbaneo zu O. i Fasx. — ^7^^- D^n 
Zehnten auf Reckersthaler Markung. i Fasz. — 17Ö4. Wcg- 
reparatur ru U. i Fasz, — *r^5- Wiescnwässerung zu O. i Fasz. 

— 1766 u. 17Q4. Windwein tu O. 2 Fasz. — 1766. Verlosung 
der Gtmcindefelder zu O. i Fass. — i7t>6 u, 1772» Den Keo- 
gercutzehnten zu O. 2 Fasz. — 1768. Gewaltthätigc Einfälle der 
Crnt Lauda in die Cent übörUaJbach, 1 Fasz. — 17Ö9, Rück- 
litäDdig«; Gült zu O, i F««* — 1769. Pfarrhausbau zu O. 2 Fasz, 

mtt, iL lUil. lllM. Kvm. Sl, m; tO 



111146 Ehrensberger. 

— 1770. Die Cent zu O. i Fasz. — 1770—85. Die jährlichen 
Dorf- und Vogteigerichte zu O. i Fasz. — 1771. Das Besthaupt 
zu O. I Fasz. — 177J. Die Bestände der Mahlwerke zu O., 
Messelhausen, Marstadt und Hofstetten. i Fasz. — 1771 — 79. 
Statistische Tabellen von O. u. U. i Fasz. — 1772 — 91. Gottes- 
hausrechnungen zu O. — 1775- 1780. Traueranordnung zu O. 
2 Fasz. — 1776. Den Novalzehnten auf Riedershofer Markung. 

— 1776. MarkungsbegehungsprotokoU über den Hof Laberts- 
brunn und Grenzberichtigung. 2 Fasz. — i777» I^ie Schäferei zu 
O. — 1778. Schiederstuhl, Gemeinderechte u. s. w. i Fasz. — 
1782. Aufstellung eines gemeinsamen Hirten zu O. i Fasz. — 
1786, 1795 — 98. Den Schulmeister und dessen Bestallung. 2 Fasz. 

— 1790. Die Gassenvogtei zu O. i Fasz. — i793- I^iß Kon- 
firmation des Gefall- und Zinsbuches zu O. i Fasz. — 1793* 
Renovation der Zinsbücher zu O. — 1797« Präcognition von 
Seiten der Freiherren v. Z. in Centfällen zu O. — 18. Jahrh. 
Miscellen. 

IX. Darstadt 

1563 — 1800. 133 Urkunden und Bündel über D. — 1613. 
Dorfordnung. (Buch.) 

X. Gossmannsdorf. 

1559 — 1800. 96 Urkunden und Bündel über G. — 1587 
Januar 6. Hans Scharpff zu G. macht seine Schenkstatt zum 
Lehen Stephan Zobels v. G. Perg. Orig. Siegel. — 1598. 1616. 
Pfarrregister v. G. 

XI. Lauda. 

1520. Verschiedene Eidesformeln der Kellerei Lauda. i Bd. 

— 1570. Beschreibung aller Gült und Zinse des Hofes zu L. 
I Bd. — 1570. Zinsbuch über L. — 1589. Friedr. Karl Z. v. 
G.-D. gegen die Regierung zu W. und Cent L., praetensi man- 
dat. de non turbando in possessione. i Bd. — 16. Jahrh. Ver- 
zeichnis der Äcker des Hofes zu L. — 1636. Beschreibung der 
Lehengüter zu L. i Bd. — 1654. Die Zobei'schen Zinsgefalle 
zu L. I Bd. — 1654. Verzeichnis der eigenen und lehentragen- 
den Güter der v. Z. zu L. 1 Bd. — 1658 — 93. 1776. Handlohn 
zu L. 3 Bde. — 1659— -64. Den Hühner- und Unschlittzins zu 
L. I Bd. — 1662. Versteinung der Zobei'schen Güter zu L. 
I Bd. — 1663. Recess zwischen der Zobei'schen Vormundschaft 
und der Stadt L., die Beth betr. i Bd. — 1663. Verzeichnis 
aller Güter des Zobei'schen Freihofes zu L. — 1673 — 1767. 
1769. Die Cent zu L. 2 Bde. — 1706. Güterbeschreibung des 
ZobeFschen Eigentums zu Stadt L., Oberlauda und Distelhausen. 
I Bd. — ^759- Becksteiner Zehnten, i Bd. — 1764. Laudaer 
Landstrasse und Lehenschmälerung. i Bd. — 1776. Zobel'sche 



rreihcrrlich v. ZobeVsches Archiv, 



111147 



Weinberge zu L. i Bd. — 177Ö* Jttrisdiktion des Zoberschea 
Freihofes zu L, 1 Bd — * 1777, Wjesenverkauf in Obetlauda. 
1 Bd. — ^77^* Übermässiges Anwanden und Durchgehen durch 
die Wiesen zu L, i Bd. — *770. Schutzbrief der Insassen im 
Burglehen und Freihof zu L. 1 Bd. — 1795. Das B.uiwescn 
in U 1 Bd, 

Xn. Messelhausen. 

1401 — 1556. Auszüge aus den Kauf- und Lehenbriefeti über 
M. wie solches gekauft und geliehen worden. — 1 5. Jahrh. Die 
gcwisen ecker als die schoppfen in kungshouen besagt haben, 
die Junckern bansen Zobehi von G. zehenden in der marck tu 
kungshouen (von späterer Hand: an sant veyts obent anno 38). 
Umschlag eine F^i '" ' ide: 14 15, nächster Donnerstag vor 
S Veitstag, worin i t v. Eberstein» Domherr ru \V. und 

Landrichter des HcriMgiums «u Franken, beurkundet, dass Hans 
Zobe), Amtmann zu Kitzingen» seiner Frau Barbara 1000 fl, als 
Morgengabe vermacht hat. — 1580 Oktober 10. Die zerfallene 
Gerichtsstau am Jungholz und deren Aufrichtung* Auszug aus 
einem Lehenbuch. — 1596. Leibeigcnleutbüchlein des Hauses M, 

— IÖ03» 1652 — 84. 1677. 1Ö99 — J702, Die Schäferei zu M. 
4 Fasz. — 1619. Verzeichnis der Guter des Sitzes M, — 1621 
— 1776, Den Schaftrieb zu M. — 1631 — 1779, Akten über das jus 
patronatus und die Ffarrbe Setzungen zu M, — 1650. Zobel'sche 
Ffarrbestcllung und jus patronatus £u Grossnndcrfeld, Messel- 
hausen, Euerhausen und Darstadt, t Fasz* — 1650. Erbhuldigung 
zu M. l Fasz. — 1651. Verzeichnis der Unterthanen zu Dar- 
stadl, SegnitZi Osthausen, Messcl hausen, Ober- und Unterbai bach- 
] Fasz. — l<>5t* Beschreibung der Schätzung* — <^57. Recess 
itwischen dem Deutschorden und der Zoberschen Vormundschaft 
Aber Markung und Viehtrieb zu Labertsbrunn. l Fas«. — 1664 
—70. Zinae von Unter- und Oberwittigbousen, Werbacbhausen, 
Grossrindcrfcld, Marbachi Deubach, Faimar und Büs&hard. f Fasz. 

— 1671. SchrttEenordnung zu Hofsietten. — 1676* Markungs- 
umgang, t Fa»z» — i67Q, Das Fischwasser zu Konigshofen. 
I Fasi. — t68o. Das Ft^chwauAer zu 'rauberkonigshofen, 1 Fasz. 

— 1681* Feldgeticbworeneuürdnung. i Fasz, — 1682. Dorf- 
lind Polizeiordnung zu M. 1 Fasz, — 1683, 1685. Göltbächlein 
der Voglei M. — 1684. Die nach M. zinsbaren Güter zu Uoter* 
witttghausen. *- 1688 Oktober 31, Ausxug aus dem Ffartbuche 
über die grosse durch die Franzosen angelegte F»*i!erü^l>r«!iM. — 
1O90. Mejcsung der Hofsteltcr Felder, — J693. ' zu 
M. a.D. ^ 1694 u. 1795. Qüarüertreihcit von H< i^sz. 

— 1694 — 1770. Schulden des Gotteshauses M. i Fas«. — 1694 
— 1766. Hof Baierthal. 1 Fasz, — '^95, Copien der Lehen- 
bffefe« Vergleiche und Heiratsrotule der ZobeTschen Familie 
Parnt^' ' ' hreibung. i Fasz. 
-^ iti Ige und Wiesen, 

10» 



midS Ehrensberger. 

I Fasz. — 1698. Erbverschreibungsbüchlein der Weinberge zu 
Hofstelten. — jy. Jahrb. Drei unvollständige Archivrepertorien. 

— 1700. Die zehntbaren Äcker und Gefälle zu Königshofen. 
I Fasz. — 1705 — 1709. Erbverschreibungen über die Weinberge 
zu Hofstelten. i Fasz. — 1705 — 17 10. Kauf- und Güterver- 
schreibungen über Gültweinberge, i Fasz. — 1 706. Die Hecken- 
wirtschaft zu M. — 17 13. 1750. öie Dinkelsbühler Obligation 
über 5600 fl. an das Gotteshaus M. i Fasz. — 17 14. Spezi- 
fikation der Hofstetter Gültweinberge, i Fasz. — 1729 — 76. 
Akten zur Pfarrei M.. i Fasz. — 1741 — 49. Beständige und un- 
beständige Geldgefalle zu M, i Fasz. — 1741. Akkord über 
Maurer- und Steinhauerarbeit bei dem neuen Schlossbau. — 1 744. 
Stiftung für die Pfarrei M. und für Erlernung eines Handwerks 
von Ferdinand Z. zu G., Kapitular zu Fulda. — 1746. Grenz- 
steinsetzung zwischen M. und Vilchband. i Fasz. — 1748. Reni- 
tenz der Ortschaften Vilchband, Gerlachsheim, Kützbrunn und 
Össfeld, zu den Militärkosten nach M. zu konkurrieren, i Fasz. 

— 1749. Landstrasse im Jungholz, i Fasz. — 1752. Ankauf 
des Gutes Rutschdorf durch das Kloster Bronnbach, i Fasz. — 
1752. Zehntdistrikt in Deubach. — 1752. Den Novalzehnten des 
Deutschordens in Deubach. i Fasz. — 1753. Güterverpachtung 
zu M. I Fasz. — 1755. Aufsatz eines Kaufbriefes über das 
Wirtshaus zu M. — 1756. 1763. Tax- und Sportelordnung zu M. 

— 1757. Permutation mehrerer Lehenstücke mit dem Domstifte 
zu W. I Fasz. -r- 1761. Den Aemiliansbrunnen zu M. i Fasz. 

— 1762. Besichtigung der Waldungen zu M. durch den Landes- 
visitationsforstmeister. I Fasz. — 1765. Unparteiische Gedanken 
über den von dem Kloster Bronnbach mit der Freiherrl. Familie 
V. Z. errichteten Kontrakt wegen Rutschdorf, i Fasz. — 1767. 
Instruktion für Amtsverweser und Revierjäger zu M. 1 Fasz. — 

1767. Gehaltenes Hochgericht und Visitation zu M. i Fasz. — 

1768. Die öden Felder zu M. — 1769. Rutschdorfer Steuer. 
I Fasz. — 1770. Die Setzung der Maulbeerbäume zu M. u. D. 
I Fasz. — 1770. Ausserordentliche Fruchtleueiung. i Fasz. 

— 1771. Freiherr v. Z. gegen die Regierung zu Würzburg wegen 
freier Ab- und Durchfuhr des verkauften Getreides, i Fasz. — 

1771. Die Schulordnung zu M. — 177 1 — 78. 1796. Tabellen 
über die Unterthanen zu M. und Hofstelten. 2 Fasz. — 1771 

— 85. Ertrag der Reben zu Lauda und Hofstelten. i Fasz. — 

1772. Gemarkungsbeschreibung von M. i Fasz. — 1772. Die 
Frohnd zu M., Osthausen und Marstadt. i Fasz. — «773. ^-^' 
trag der Pachtgüter zu M. i Fasz. — '773« Voranschläge über 
die Feldgüter zu M. u. D. i Fasz. — 1774 — 79- L)as Ökonomie- 
wesen zu M. I Fasz. — 1776. Instruktion für den Gegen- 
schreiber zu M. — 1776. Aufstellung eiiios Weinbergmannes zu 
Hofstelten. — 1778. Acht Morgen Tannenholz der Pfarrei Gross- 
rinderfeld. I Fasz. — 1779. Das Messehören in der Scliloss- 
kirche zu M. an Sonn- und Feicriagen. i Fasz. - 1781 Bau- 



Prcihcirlich v. j^beP&chcft Arcbiv. 



m!49 



rechnung über das Amthaus zu M, i Fasz, — 178^. Instniktion 
för Schieder und Feldgeschworene. 1 Fasz. — ^7^$> Zehnten 
zu Königshofen, i Fasz. — 17S3* Joh. Scheirsche Schulstiftuog 
zu M. I Fasz, — '7^7- Vorschlag über die Verwaltung der Ein- 
künfte zu M. u. D. I Fasz. — 1788 u. 89, Plan zur Ausrodung 
des Kirchhölzleins zu M. und Kontrakt. 2 Fasz. — 1790. Den 
Brodsatz und Bäckereiaccisbestajid zu M. r Fasz, — «791- Kom- 
missionsprotokoll über die Amts verweserei zu M. i Fasz. — '79^* 
1792. Anitsvisiiation und Ho< f zu M. 5 Fasz. — tJQ^, 

Untersuchung über die Gotle Italien zu M. i Fasz, — 

1792. Instruktion für den Schäfer zu M. — 1793— 1800, Mili* 
Larische Durchzüge und Requisitionen. — ^703. Exercitium re- 
llgionis zu Hofstetten. i Fasz. — 1794* Reglement des Fuhr- 
wesens bei Truppcnmärschen zu M. 1 Fasz. — 1795. Rekruten- 
stellung zu M, I Fasz. — 1797* Akkord ilber Lieferungen für 
die K. K. Magazine, 1 Fasz. — I797< Aufgebot zum Landsturm 
in M., Marstadt und Hofstetten. 1 Fasz. — 1798. Anforderungen 
der Pfarrei Wenkheim und der Gemeinde Brunnthal an die Hof- 
bauern zu liaierthal. 1 Fasz, — »799. Grundriss und OberschUg 
des zu erhauenden Jägerhauses zu M, 1 Fasz. — '799 — 1 öoo» 
Französische Requisitionen, i Fasz, — 18. Jahrh. ZunH " / 
verschiedener Handwerke in M. — Instruktion für den 1 

zu M. ali Forstmeister. — Gedanken zur künfiigeri Benützung 
des Gutes zu M. mit Plan. 2 Fasz, — Specifikatiou der zum 
Rittergut M, gehörigen Pertinentten. 

XIII, Osthausen. 

1552 September 6* Melchior, Bischof zu Würzburg, entscheidet 
auf Grund zweier Urteile am Katserl, Landgericht und Würzburg. 
Hofgericlit in Streitigkeilen zwischen Friedr. Z, v. Guttenberg 
und VV'oIfgang v, Bibra, Komthur des Deutschordens, wegen des 
Hauses in Osihausen* — 1567 September 5» Kaiser Maximilian II, 
bestätigt Hans Z, v, G. den Zoll in O. — 1582 Juli 20. Gleiche 
Bestütigung durch Kaiser Rudolf IL 



XIV. Segnitz. 

1448 Oktober 51, Copia fundationts et separatiotüs ecclesiae 
parochialis in Segnitz fundatae a Joanne Zobel de Giebelstadt. 
(Trennung derselben von Frickenhausen.) — 145 1 Wurxburg. 
Abfassbrief des Kardinals Nikolaus» päpstl. Legaten in Deutsch- 
land, für die Kirche in S. — 1535 Juli 20. Copia Instruuientt 
examinationis icstium, die Z/sche Vogtci und Gerechtigkeit zu 
S, betr. — 1619 Januar 20, Instrumentum protcstationis Zobel 
liod Konsorten conita Brandenburg, die Plarrvisilation und anderes 
IQ S. betr. — 1642 April 27. Instrumentum publicunip was bei 
der Markgrefischen Krbhutdigung zu S, vorgegangen, Perg, Orig, 
— Dazu t$t) Bde, über Segnitz. 



mi50 Ehrensberger. 



B. Bücher. 

1583. Teilungsregister zwischen den Brüdern Heinrich und 
Stephan Zobel von und zu Giebelstadt und Darstadt. — 1596. 
Zobel'sche Zins zu Oberbaibach. — 1600. Protokoll des Vogtei- 
gerichts zu Messelhausen, mit Abschriften von Urkunden. — 16. 
u. 17. Jahrh. Kopie Zobel'scher Originalbriefe zum Schloss Mes- 
selhausen gehörig. — 1600 — 1800. Nahezu sämtliche Vogtei- 
und Amtsrechnungen von Messelhausen und Darstadt. — 1635. 
Kopeibuch der furnehmsten brieflichen Dokumente. — 1691. 
Zins- und Gältbuch von Messelhausen und Marstadt. — 1692. 
Grossrinderfelder Zins- und Gültbuch. — 1694. Verzeichnis der 
Fruchtgefalle zu Messelhausen. — 1696. Erneuerung und Be- 
schreibung der Zehnten zu Tauberkönigshofen. — 1697. Gült- 
und Zinsbuch von Lauda. — 1724. Lehenbuch über Segnitz. — 
1746. Zins- und Gältbücher von Paimar (Beymer), Marstadt und 
Messelhausen, Ober- und Unterbaibach. — Hebregister von Ober- 
lauda und Unterwittighausen. — 1780. 1782. Zins- und Gült- 
buch über das Ziegler'sche und über das Haag'sche Söldnergut 
zu M. — 18. Jahrh. 3 Protokollbücher; Hammelburger und 
andere Verträge; Dorfordnung zu Poppenlauer; Kaiserl. Kon- 
firmation über den Burgfrieden zu Thundorff; etc. 



In zwei vor einigen Jahrzehnten hierher verbrachten Schränken 
befinden sich Archivalien der. Freiherren von Schackau und von 
Speth- Gammertingen. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 
Eberbach*). 

A. Verzeichnet von dem Pfleger 
Bürgermeister Dr. G. J. Weiss in Ebetbach. 



I. Eberbachs). 

Stadtgemeinde. 
Nachtrag. 

1392 März 12. Der Rat der Stadt Wimpfen bestätigt der 
Stadt Eberbach, dass sie Wimpfener Mass und Gewicht und 
Wimpfener Recht besitze. O. Perg. Sieg, fehlt. (Gedr. Ober- 
rhein. Stadtrechte I.) 

Akten: 1410 ff. Bürgernutzungen und Dienstleistungen 
(Frohnden). — 1568 ff. Gesundheitspolizei. — 1574 ff- Armen- 
sachen. — 1581 ff. Zünftige Gewerbe. — 1590 ff. Lehen und 
Erbbestandssachen. — 1594 ff. Bürgerannahmen. — 1600 ff. Ab- 
gaben an den Staat; Prozesse; Handelssachen. — 16 18 ff. Stiftungs- 
sachen. — 1623 ff. Gemeindeschulden. — 1629 ff. Gemeinde- 
waldungen. — 1636 ff. Kriegs- und Militärsachen. — 1653 ff. 
Mass und Gewicht. — 1664 ff. Schulanstalten. — 1672 ff. Dienst- 
barkeiten. — 1675 ff. Gemeindesachen, allgem. (Organisation, 
Statistik). — 1685 ff. Landessachen, allgem. — 1695 ff. Strassen, 
Wege, Brücken. — 1701 ff Kirchensachen. — 1706 ff. Feuer- 
polizei. — 1707 ff. Schiffahrt und Flösserei. — 1714 ff. Begräb- 
nisse. — 17 17 ff. Nichtzünftige Gewerbe, Gemeindeämter. — 
1722 ff. Forst- und Jagdsachen. — 1729 ff. Amtsverband. — 
1732 ff. Sittlichkeitspolizei. — '733 ff« Grundgefälle. — 1 735 ff- 
Judensachen. — 1738 ff. Baupolizei. — 1740 ff. Liegenschaften 
der Gemeinde. — 1 746 ff. Berechtigungen der Gemeinde. — 
1748 ff. Landbau; Viehzucht. — 1762 ff. Fahrnisse der Gemeinde. 
1765 ff. Feldpolizei. — 1772 ff. Fruchtmärkte. — 1781 ff. Rech- 
nungswesen der Gemeinde. — 1784 ff. Sicherheitspolizei. — 
1792 ff. Polizei (allgem.). — Rechnungen: i439ff. Gemeinde- 
rechnungen und Nebenrechnungen derselben, sowie Vormund- 
schaf^srechnungen. • Bücher: 1654 ff. Ratsprotokolle. — 1658 ff. 
Beethsatzbuch. — 1683 ff. Schatzungsprotokollbuch. — Pläne: 
Drei Pläne über die städtischen Waldungen. 



1) Vgl. Mitt. Nr. IG, 100 — 110; 16, 146— 1 47. — *) Gemeinde, siehe 
Mitt. Nr. IG, lOG— IIG. Ev. u. Ktth. Pfarrei, s. Mitt. Nr. 16, 146. 



^r 



mi52 Weiss. 

2. Mülben. 
Gemeinde. 
1807 fF. Gemeinderechnungen. — i8i4fF. RenteiprotokoUe. 

— 1 815/18. Kriegskostenrechnung. — 182 1 fF. Grundbuch. 

3. Neckargerach. 
A. Gemeinde. 
1718 fF. Pfand-, Kauf- u. Kontraktenbücher. — 1746 Nov. 26. 
Mannheim. Erbbestandsbrief über die Fähre zu Gerach für Franz 
Melch. Lorentz und dessen Descendenten. O. Perg. — 1806. 
1808. Renov. Schatzungsbuch. — 1808. Gültbuch. — 1810. 
Centprotokollbuch. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 

1579 fF. Pfarrei-Einkünfte. — 1686 fF. Kirchenbücher für 
Neckargerach. — 1698 fi'. Kirchen- und Pfarrdokumente. — 
1 703. Faselvieh. — 1 705 fF. Kirchenpolizei. — 1 708 fF. Bau- 
sachen, Kirchen- und Pfarrhausbaulichkeiten. — 1726 fF. Landes- 
herrl. Verordnungen. — 1735 fF. Leichenschau. — 1737 ^. Hirten- 
briefe. — 1737 fF. Neurottzehnt. — 1739 fF. Dispensationen. — 
1 740 fF. Schulverordnungen, Allgem. und Einzelnes für Gerach, 
Lindach, Reichenboch und Schollbrunn, -r 1741 fF. Stiftungs- 
sachen. — 1742 fF. Jubiläen und Indulte. — 1747 fF. Zehnten 
zu Reichenbuch. — 1747 fF. Kopulationen, Todesfälle, Taufen. 

— i75ofF. Lehrers- und Glöcknersbesoldung. — 1754 fF. Mit- 
genuss der Allmende. — 1757 fF. Zehnten zu Zwingenberg (mit 
Auszügen von 1557 an). — 1759 ff. Neuzehnten. — 1761 fF, 
Matrimonialverordnungen etc. — 1767 ^. Kleezehnten zu Gerach. 

— 1774 ff. Schulhausbaulichkeiten. — 1775 fF. Zehnten zu 
Lindach. — 1776 fF. Besoldungsholz. — 1781 fF. Amtliche Heirats- 
konsense. Landesfundus. — 1786 ff. Synodalprotokolle. — i8iofF. 
Kirchenbücher für Scholibrunn. 

4. Neckar wimmersbach. 

Gemeinde. 
1756 — 1846. Register über Bürgerannahmen, Heiraten, Weg- 
zug. — 1773 fF. Gemeinde- und Schatzungsrechnungen. — 1773 ff. 
Unterpfandsbuch für die 4 Weiler. 

5. Neunkirchen. 

Gemeinde. 
1749 fF. Güterverzeichnisse, 2 Bde. — 1 793 ff» Nahrungs- 
zettel, 2 Bde. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Eberbach. ini53 

6, Schollbrunn. 
Gemeinde. 

Dieselbe besitzt keine Archivalien. 

7. Schwanheim. 
Gemeinde. 

1 745 fF. Pfandbuch. — i . Jahrh. (Ende) Güterverzeichnisse. 

8. Strümpfelbrunn ^). 
A. Gemeinde. 
1792 ff. Pfandbuch. — 1802/8. Rechnung über die Hinter- 
lassenschaft des reform. Pfarrers Fries. — 1802/23. Vormund- 
schaftsrechnung für den verschollenen Nikol. Fries. — 1809. 
Rechnung über das Vermögen des t Schutzjuden Moses Jacob. 

— 181 1 ff. Grundbuch. — 181 3 ff. Gemeinderechnungen. — 
1814 ff. Brandversicherungsbuch. Akten: 1818/47. Zehntender 
Standesherrschaft Zwingenberg. — 1818/59. Novalzehnten. Zehnt- 
ablösung im Allgem. — 1832 '46. Ablösung des Zehnten der 
kathol. Pfarrei und Kirche. — 1833/48. Abgabe von Lehenhafer 
und Gülten an die Standesherrschaft Zwingenberg. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 
1699 ff. Kirchenbuch über Ehen, Taufen und Todesfalle 
(beginnend mit der Wiedererrichtung der Pfarrei am 4. Oktober 
1699). — 1726 ff. Kurpfalz. Erlasse. — 1 741 ff. Verschiedene 
Aktenstücke über das Schulwesen. — 1749. Kurpfälz. Verord- 
nung über Sportein und Diäten der Beamten. — 1769 April 7. 
Xollektenpatent des Kurfürsten Karl Theodor zum Zwecke der 
Erweiterung der Kirche zu Strümpfelbrunn. — 1783. Antwort 
K&rl Friedrichs von Baden auf die Danksagung des Landes nach 
Abschaffung der Leibeigenschaft. 

9. Zwingenberg*). 
Gemeinde. 
1811 ff. Kontraktenbuch. — 18 16 ff. Gemeinderechnungen. 

— 18 17 ff. Grundbuch. 

Notiz: 

In den Archiven der Gemeinden Baisbach, Friedrichsdorf, 

Lindach y Michelbach, Oberdielbach, Pleutersbach, Rockenau, 

Wagenschwend, Waldkatzenbach, Weisbach und der Kolonien 

Igelsbach und Schöllenbach befinden sich keine älteren Archivalien. 



>) £v. Pfarrei s. Mitt. Nr. 16, 147. — s) Schloss Zwingenberg s. Mitt. 
16. 147. 



mi54 Schuck. 



B. Verzeichnet von dem Pfleger 
Stadtpfarrer Schuck in Eberbach. 

I. Haagi). 

(Evang.) Pfarrei. 
1650 ff. Kirchenbücher. lögSff. Befehlbücher (kirchenrätl., 
Regierungs- und amtl. Verordnungen). — 1 741 ff. Almosen- 
.rechnungen. — 1776 ff. Heiligenrechnungen. — 1817 ff. Memo- 
rabilienbuch für die reformierte Gemeinde Haag — enth. viel 
Interessantes. 

2. Michelbach. 

(Evang.) Pfarrei. 
1 634 ff. Kirchenbücher. — 1 800 ff. Pfarrhausrechnungen. — 
1801 ff. Heiligenfondsrechnungen. — 1803 flf. Protokollbücher des 
Pfarramts. — 1 809 ff. Pfarrgefallrechnungen. 

3. Neckargerach. 
(Evang.) Pfarrei. 

1 650 ff. Kirchenbücher für Neckargerach. — 1 726 — 1777. 
Kirchenbücher für Guttenbach. — '74^ ff. Befehlbücher. — 
1 800 ff. Almosenfondsrechnungen. 

4. Neunkirchen. 

A. Evang. Pfarrei. 

1 569 ff. Kirchenbücher (enthalten auch sonst. Notizen, Befehle 
und Verordnungen). — 1666 — 1849. Befehlbücher. — 1722 ff. 
Almosenrechnungen. 

B. Kathol. Pfarrei. 

1 690 ff. Kirchenbücher (darin auch Anniversarienverzeichnisse). 
— 1719 ff. Firmlingsregister. — 1721 ff. Beschreibung der Pfarrei 
durch Pfr. Job. Matthias Arnold. 

5. Schollbrunn. 

(Evang.) Pfarrei. 
1650 ff. Kirchenbücher. — 1748. Akten über Anschaffung 
neuer Glocken. — 1796 flf. Protokollbuch des Kirchenvorstandes. 



*) Gemeinde s. Mitt. Nr. 16, 146. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 
Engen ')♦ 

Verzeichnet von dem Pfleger 
Dekan Auguatin Dreher in Binningen. 

I. Biesendorf*). 

(Kathol.) Pfarrei. 

1655 fF. Rechnungen. — 1795 ff. Kirchenbücher. — Kurze 
Notiz über die Errichtung der Pfarrei ex redditibus der Fabrik 
Brunnen (Kapelle zu Hattingen gehörig) anno 1623. 

2. Schlatt u. Kr. 
Gemeinde. 
1758. Urbar. — 181 3 ff. Rechnungen. 

3. Thengen, Dorf. 
A. Gemeinde. 
1701 fF. Rechnungen. 



B. (Kathol.) Pfarrei. 

141g fF. Anniversarienbuch. — 1581 ff. Rechnungen. — 
1640. Standesbücher. — 1669 u, 1784. Urbare. — 1703. 
Rosenkranzbruderschaftsbuch. 



4. Zimmern*^). 
(Kathol.) Pfarrei. 
1743. Errichtungsurkunde der Pfarrei. Urbar. 



») Vgl. Mi«. Nr. 8, 07— 105; 13, 89—98; 16, 28—33. — *) (lemcimle 
s. Milt. Xr. 13, 98. — »; Gemeinde s. Mitt. Nr. 13, 98. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 
Messkirch*). 

Verzeichnet von dem Pfleger 
Pfarrer Leopold Schappacher in Henningen. 



I. Leibertingen2). 
Gemeinde. 
1739 Mai 21. Marken- und Lauchenbeschrieb zwischen 
Leibertingen und Rohrdorf (gebunden). — 1741 Juni 16. Bitte 
der Taglöhner und Ortsarmen von L. an den Fürsten von 
Fürstenberg wegen Überlassung verschiedener Oedungen. — 
1743. Index (Urbar) über die Gemeinde L. und Lengenfeld (geb.). 



2. Messkirchs). 
(Evang.) Pfarrei. 
In dem neuerrichteten Pfarrarchiv sind keine Archivalien. 



3. Nusplingen. 

Gemeinde. 

1791 Juli 22, Verfügung der Reichsstift Salmannsweiler'schen 

Obervogteiamtskanzlei zu Stetten a. k. M. wegen »Triebrecht« 

der Gemeinde Oberglashütte auf mehreren Hartwiesen. Siegel. 

— 1802 Juni 28. Eine von der K. K. Obervogteiamtskanzlei der 
Grafschaft Oberhohenberg in Spaichingen gefertigte Abschrift 
landesherrlicher Verordnungen zur Förderung des Wohlstandes. 
Siegel. — 1803 Aug. 25. Erlass der K. K. Oberamtskanzlei 
Hohenberg in Rottenburg an Michael Haug u. Gen. in Stetten 
a. k. M., Nusplingen und Oberglashütte auf die beim Ober- und 
Kreisamt vorgebrachten Beschwerden gegen das Obervogteiamt 
Stetten. Siegel. — 1803 Okt. 29. Eine von der K. K. Ober- 
amtskanzlei Hohenberg in Rottenburg beglaubigte Abschrift eines 
»Extraktus des herrschaftl. Kommissionsbescheides vom 27. Juli 
i8o2< wegen Beschwerden der Gemeindebürger von Stetten, 

1) Vgl. Mitt. Nr. 10, 55~6i; 15, 88—98; 16, 149— 151; 17, 23—29. 

— *) Pfarrei s. Mitt. Nr. 17, 23—25. — *) Gemeinde s. Mitl. Nr. 10, 55 
und 15, 93, und kath. Pfarrei 16, 150 und 17, 25. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Messkirch. Dil 57 

Ober- und Unterglashütte und Nusplingen gegen das Salmanns weil. 
Obervogteiamt Stetten. Siegel. — 1804 Juli 20. Eine von der 
Obervogteiamtskanzlei gefertigte Abschrift des Bann- und Marken- 
beschriebs vom 16. Juli 1737, welcher die Grenzen zwischen 
Thiergarten und Stetten bestimmt. — 1804 Sept. 27. Desgleichen 
Abschrift des Grenzbeschriebs vom 20. Mai 1763 (doppelt). — 
1804 Sept. 6. Rescript des K. K. Oberamts der Grafschaft 
Hohenberg in Rottenburg auf eine Vorstellung der Gemeinde- 
ausschüsse Nusplingen , Glashütte und Stetten a. k. M. wegen 
Verabfolgung mehrerer Dokumente und Urkunden. 



4. Stetten a. k. M.^). 
(Kathol.) Pfarrei. 

1572 fF. Kirchenfondsrechnungen. — 1620 f[. Rosenkranz- 
bruderschaftsrechnungen. — 1621 tf. Kirchenbücher. — 1623 
Nov. 1 1 . Lehenbrief des Grafen Joachim von und zu Hausen, 
Stetten dem Kaltenmarkt etc. für Hannsen Löffler zu Stetten pumb 
zwey unnser Lieben Frawen FriemeG Lehen«. O. Perg. — 1626. 
Lateinischer Jahrtagsbeschrieb. — ca. 1641. Deutscher Jahrtags- 
beschrieb. — 1 696 ff. Rechnungen über die >3 Trittenkapelle«. 

— 1739. Abschrift einiger Stiftungsbriefe über in der Pfarrkirche 
zu St. abzuhaltende Jahrtage, welche Pfarrer Jo. Joachim Beck 
von den im herrschaftl. Archiv sub Nr. 2 aufbewahrten Originalen 
gefertigt hat. Dabei zwei weitere latein. Jahrtagsverzeichnisse. — 
1742. Renovation U. L. Frauen-Frühmess-Kaplanei (doppelt). — 
1746 Dez. 15. Anerkennung der Zehntpilicht an die liochgräll. 
Schenk-Kasteirsche Herrschaft seitens der (jemeinden StettcMi, 
Nusplingen, Ober- und Unterglashütte. — 1763. Recessus com- 
munis pro Capitulo Ehingen Visitationis Generalis Kpiscopalis 
Constantiensis. De anno 1747. Abschrift. — 1765 März 14. 
Amtliches Gebührenverzeichnis über die gestifteten Jahrtage. — 
1769. Gebührenverzeichnis über die gestifteten Jahrtage. — 1792 
Juni 9. Auszug aus dem Reichsstift Salmannsw. Obervogteiamts- 
protokoll d. d. Stetten a. k. M. 8. Juni 1 792 über eine zwischen 
Pfarrer Schlag und den Deputierten der Gemeinden Stetten und 
Nusplingen getroffene Vereinbarung wegen des Brachkleezehntens. 

— 1792 Juni 14. Cbercinkommen zwischen Pfarrer Job. Nep. 
Schlag in Stetten und der Gemeinde Unterglashütte wegen des 
Brachkleezehntens. — 1 793 Juli 4. DcsgliMchen mit der Gemeinde 
Oberglashütte. — 1792 Juni 20. Schreiben des Josef Klett, 
Krämer in Salzburg, gebürtig von Stetten. wegen einer beab- 
sichtigten Jahrtagsstiftung für sich und die Klett'sche Freundschaft. 

— 1792 Juli 12. Auszug aus dem Reichsstift Salmannsweil. Ord. 
Verhörprotokoll d. d. 6. Juli 1792, des Pfarrer Pflugs /ehend- 

') Gemeinde s. Mitt. Nr. 15. 98 ^besitzt keine Archivalien). 



inieS Schappacher. 

forderung ab herrschaftl. sog. Stockackern. — 1796 Mai 6. Ober- 
vogteiamtl. Bescheinigung der gemachten Jahrtagsstiftung der 
Anna Marie Marquardin geb. Boosin. Siegel. — 1797 März 20. 
Obereinkommen zw. Pfr. Joh. Nep. Pflug in St. und den Gemeinden 
Stetten, Nusplingen, Ober- und Unterglashütte wegen des Brach- 
klee- und Brachrepszehntens. — 1797 April 8. Auszug aus 
dem Reichsstift Salmannsweil. Oberamtsprotokoll d. d. Stetten 
I. August 1795 über die Zehntpflicht eines »Plätzle Feld, das 
dem Joh. Baptist-Beneficiaten gehörte — 1797 Juli 17. Schreiben 
der Obervogteiamtskanzlei St., Verfugung über das Vermögen 
des verschollenen Johann Moser. — 1800 Juli i. Verfügung 
des Obervogteiamts Stetten wegen der Zehntpflicht der von Brach- 
feldern erzeugten Futterkrauter. — 1 801 März 27. Zustellung der 
Oberamt Rottenburg*schen Entscheidung vom 4. Dez. 1800 über 
die Zehntfreiheit der auf Brachfeldern erzeugten Futterkräuter an 
Pfr. Joh. Nep. Pflog. — 1801 Nov. 28. Schreiben des Obervogts 
Kibele an den Pfarrer in Stetten über die mit Testament vom 
7. Juni 1800 gemachte Jahrtagsstiftung des Simon Beck. 

Notiz: 
Die Gemeinde Unterglashütte besitzt keine Archivalien. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 
Mosbach'). 

Verzeichnet von dem Pfleger 
Bürgermeister Dr. G. J. Weiss in Eberbach. 



Sulzbach 2). 
(Evang.) Pfarrei. 

ijioflf. Kirchenbuch. — i745fF. Ehebuch der luth. Gemeinde. 
Im Anhang Notizen über den Kirchenbau, das Schulhaus, die 
Einnahmen aus Kollekten. — 1 754 ff. Besoldung des Lehrers, 
I Fasz. — 1777 ff. Eheverträge, i Fasz. — 1 801 ff. Almosen- 
rechnungen. — 18^1 ff. Bürgerl. Standesbuch der evangel.- 
protest. Gemeinde S. 

Notiz: 
Die Gemeinden Binau, Fahrenbach, Nüstenbach, Reichen- 
buch, Rittersbach, Robem, Sattelbach, Waldmühlbach und Zimmer- 
hof besitzen keine Archivalien. 



^) Vgl. Mitt. Nr. 7, 102; 9, 19—30; 17, 94-99; 18, 16—20, 47—68. 
•) Gemeinde, siehe Mitt. Nr. 9, 29. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 
Pfullendorf'). 

A. Verzeichnet von dem früheren Pfleger 
Hofkaplan und Päpstl. Kämmerer Msgr. Martin m Heiligenberg. 



Ebratsweiler. 

Gemeinde. 



O.D. Urbar. 



2. Hattenweiler. 

Gemeinde. 

O.D. Urbar mit Karten. — 1686 Juli 24. Lehenbrief für 

Veit Keller und Barbara Finneisen von der Stadt Überlingen. — 

1759. Übertragung des Lehens. — 1766. Güterbeschreibung 

des zu Überlingen gehörigen Amtes Ramsperg. 



B. Verzeichnet von dem jetzigen Pfleger 
Pfarrer Lor. Löffler in Zell a. Andelsbach. 

3. Heiligenberg. 
Sparkasse. 

1 7 84 ff. Rechnungen. 

4. Pfüllendorf«). 

Stadtgemeinde. 
1381 Nov. 29. Kaufbrief eines Gallin, sesshaft zu Gaylingen. 
Perg. Sig. — 1387 März 21. Kaufbrief für das Spital von Herrn 
von Hornstein >umb das Dorff und Kirchen zu Illmenseec. Kop. 
— 1425 Nov. 27. Kaufbrief. Adelhaid Cuntzlerin verkauft an 
ihren Sohn Gebhard Cuntzlcr einen Acker. Perg. — 1467 Apr. 20. 
Lehenbrief für Hans Mathes von Ostrach. Perg. Sig. — 1533 
Aug. 20. Lehenbekenntnis des Johannes Jerger zu Pfullendorf 
>von der pronnen wegen«, Perg. Sig. — 1560 Juni 16. Lehen- 
brief für Jakob Gremiich von Jungingen über Wiesen zu 

») Vgl. Mitt. Nr. 13. 115— 123; 14. 34—58- — *) Kathol. Pfarrei 
siehe Mitt. Nr. 14, 39—58. 



mi6o Löfficr. 

Öttenschweiler. Perg. 4 Sig. — 1596 ff. Bürgerbücher. — 
löioff. Ratsprotokolle. — 1704 ff. Schulakten. — 1706 Nov. 18. 
Wien. Kaiser Joseph bestätigt die der Stadt Pf. von früheren 
Kaisern (von 1348 an) gewährten Briefe. Heft in gross Quart, 
14 Pergamentblätter in rotem Sammt gebunden; gelbe Seiden- 
schnüre mit grossem Wachssiegel. — 1774- »Kurtze Beschreibung 
des Heyl. Rom. Reichs Statt Pfullendorf Herkommen, Aufnamb, 
Privilegien, Hospital, Zuegehörigcr Landschaft, Jurisdiction, Statt 
Pfarr, Pfarr Illmensee, Zell, Beneficien, Stipendien, Beiden Klöstern, 
nebst andern darinnen liegenden Höfen etc. etc.«, beschrieben 
durch Franz Andreas Rogg, Benefiziat zu St. Catharina in Pf. 
Koliöband in Leder, SS. i — 150 und 183 — 363. Citiert viele 
Geschichtswerke und Manuskripte. — 17QI Dez. 20. Donau- 
eschingen. Karl Joachim Fürst zu Fürstenberg stellt für Joh. 
Gg. Hibschle, Spitalpfleger, eine Lehensurkunde über das »Guth 
Schönbronn« aus. Perg. Sig. — 1802 Sept. 14. Karlsruhe. Karl 
Friedrich Markgraf zu Baden und Hocliberg an Bürgermeister 
und Rat zu Pf., provisorische Okkupation betr. — 1802 Nov. 20. 
Karlsruhe. Markgraf Karl Friedrich benachrichtigt Bürgermeister 
und Rat zu Pf. von der Besitzergreifung und stellt als Ver- 
waltungsbevollmächtigte Geh. Rat Reinhardt und Hofrat Maler 
auf. — 1 806 Febr. 20. Donaueschingen. Lehenbrief der Fürstenb. 
Lehenstelle über einen Hof in Mottschiess. — 1809. Urkunden- 
buch der Stadtgemeinde Pf.: ^^Archiv der nunmehrig grosshl. 
Bad. Municipal-Stadt Pfullendorf. Chronologisch aus Urkunden 
und Akten bearbeitet von dem grossh. Bad. Archivrat Kolb. 
Freiburg**. Folioband, 614 Seiten. Dasselbe beginnt mit 1220, 
in welchem Jahre Friedrich H. dem Dorf Pf. Stadtrechte verleiht. 
Auf der Rückseite des Titelblattes sind von anderer Hand Notizen 
über die Jahre 570, 574, 1132, 1180 beigefügt. 

Notiz: 
Die Gemeinden Grossschönach mit Sohl, Grossstadel ho fen 
mit Sylventhal, Heiligenberg, Waldbuuren und Wintcrsulgen 
besitzen keine Archivalien. 




bu^ 'iiv, und *!■■ ' 'lichte der i 

herBOj^izm Eiden bildend m irfntcileii behandeln, au den kc»d«ktruf fQt 

dea hftdijirheo Teil, Herrn Axchivrot Dr. Obiec in Karlsruhe, eiiuiii»oo4en* 

I>M Honorar betrigt fQr DAiflelLongen und Kan«: buii|*rn M« jo* — . f(ir 

^11 i>en ü. A* m. M* 20«— pro Dnickbojfeu. 

'\^i ♦•tHäK Ton seinem Britn^ 3n Sondermbtüge fimtk: 
Wr N'n* bei B t Korrektur betltUt 

««-j ^ Pf. pro 1 ^ TfHihnet; jcd«r Ted 

eines Dfnc]ib<i|{tnt und drt UmcchUi* xildt aI« vollrr Bogen. Die Somlerabcii^ 
kdnnen dem Autor crtt tm TAgc dct Auit|£d?i« des betr. Heftes yu|> *->«' - *- 

Dm Vefljig%rc4:ht auf tlic in der Zeitschrift vcrÖfrcnlHchten 
der Bjuliidieii Hittnri*chen !Commi«»ton auf vier Jahre vom Tife^*^ dti Vci- 
^ffrTTlIitboJig an gewahn. 

MiHehe Rezenstonscxenipbre (Hir Tjttemturnuliitcti) iind «n Herrn 
.^:-: . :;a Df* Ob«er in KarUruhe xu wndfH,, dutti. wi^hii.« ^urh «iw. vr, , 
tendttng der Refcnsic»n«bclege erft)l|*i< 

BettcUungen k/innen bei allen finehliiiidlung«'!) un \rtia;;>- 

bncbhondlimf; direkt ^^«machl werdem* 

lerte Scit^ '^ «erden inu io l*!\ i"tir die 

Ff 1 an J, H ^«K tu Koilindve erbeten. 



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Geschichte des Oberrheins 



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Badlsohen Historischen Kommission, 



Neue Folge. Band Xin. Heft a 




J. Bie. VerUff. 



Inhalt 



Karl Kochnc , . 

Der heilige FokI und seine lütcstcn BrsitJter. II. GnluduDg tla- 
Burg und Stadt Higenön, von Heinrich Witte .... 

Za tiem neimui gefundenen Verzeichnis der ^teuam des Keichfgut«» 
Kom Jdire 1241^ van Aloys Schulte .«..«. * * 

Montesquieu In Heidelberg und ftUimheim im Augtut I729» Wll^ 
RCltih voti D. Hin dt . . ..♦»*. 

Di« iStrussbur^er Unlvei i Zeit der rnns^sisehoa Revolution« 
Ton Conrad Varfeiilrapp 

Badische GcscliinhtäUtterAiur ilc- Tihje? I807. iüsinimcnä^«telU i^n 
Alfred Wtnkclmann 

Miscellen: 

Die HinricliUiöe K L. Sands» von William Fische 

ZeitschrifteDschtu 

LitteraturnotUeo 

Altinatui, VtU. K. Sigitfmundi. 520 — Bttitn^tten-Jolly, 
Stil Jolly. 527. — Baiif, Ph. Chr, v. - v — 

hi>i iicl», Rei;, imp* VI, J. 517. — Böll«r ! r-ref- 

oingei. 537. — CAftelUeti, DonÄü«hching«i BHelsleller. 51 > -^ 
Ciolodoiftll, Auren gemma. 538, — Copingcr, Supplement t<» 
Hh'm^ Ttpf^t 537. — Corrcll, Portak u. TbQrrn. SJS«)» — 
0&bnban!U Griech. Dmmtn, $58. — Era*t, Bil * 

533. -- HawtVeiu Bihl. Fischarls. 515, — Haupi, 
geschiclile v. Warms. 530. — Hansialh, Fomtgesdticiiic *i- 
Bist, Speyer, 532. — Hegel, Radolfeeller Urk. 529. — Heeel, 
Eatstehung d. deatsch. StMteweiens. 529.-* Hubert, M, BtktEtrs 
GeBaogbuch. 538. — logold, Les manttscrits des sncicnaes m^om^ 
reli^* d*Als»cc. 514. — Kochne, Worm*er St4direditsref<fftti . 
>29- — Kuiiter, Kauh'i; »tr» ' 
Mehring, Obcrstcüietd. 533. 
514* — V, Oechelhäuici, Kn 
Münster, 534. — Ftllechot. •- , - 
Pfoaor, Index to the Sen^ietiin. 
^«rly prinlcd boolu. sy - 

[Moxint Teutonia. 530 
BrochiaL 541, — 
RicUchel. Stftdi un 
denkmiler. 539. — i^beret« 



381 

4'S 

441 

44» 

506 
5«« 

S«4 



Die Wormser Pischmarktsordnung vom 
Jahre 1106 oder 1107. 



Von 

Karl Koehne. 



Es sei erlaubt, in dieser Zeitschrift auf di^ Brtiir::^ 
hinzuweisen, welche eine Wormser Urkunde aewrJa^f* 
in einem Anhange eines sonst vielleicfat den tics^te^ 
der oberrheinischen Geschichte entgehenden Bach» J»*«^«« 
hat. Ein solcher Hinweis dürfte dann kmerRtda^VP^ 
bedürfen, wenn es gelingt, gleichzeitig aaci»i«^*>*^^*^ 
dafür zu bringen, dass in der Hauptsache «9H^»^ ^'^ 
Auffassung richtig ist, und sie in dn^ts: arfc^ttA ;:^ 
wesentlichen Punkten zu berichtigen. AaA ffU^ ^ -' 
Betracht kommende Urkunde zu da wst: «T ^r w^'t 
Arbeiten über Worms, sondern aaä k Jimtmpff ''-'^^' 
die Entstehung der deutschen 
deutschen Zunftwesens im allgemeiiieEi 
Es handelt sich nämlich um diei'ntSi 
als Nr. 56 gegebene Urkunde, iff « ^ÜP»^ ^^r^ 
erhalten hat: »Adalbert, Bisdix^vKlbBK^^^^ - 
Bitte des Burggrafen WenMC «KJvm^^^«^ ^ ^ 
fisch em in Wor ms ca. iio6c 




382 Koehne. 

fang, sondern als sich mit Fischhandel beschäftigende 
Personen Vorschriften empfangen, ist diese Urkunde nun 
neuerdings von Eberstadt in seinem ergebnisreichen 
Buche: »Magisterium und Fratemitas. Eine verwaltungs- 
geschichtliche Darstellung der Entstehung des Zunftwesens«*) 
zum Gegenstande einer eingehenden Studie gemacht worden, 
deren Titel »Die Wormser Fischmarktsordnung vom Jahre 
1 106«*) schon die neue Auffassung zeigt. Dies Regest muss 
— von dem kleinen Irrtum in der Datierung abgesehen — 
als das allein richtige, den Nagel so zu sagen auf den 
Kopf treffende angesehen werden. »Gegenstand des Privi- 
legs« ist, wie Eberstadt ausführt, »die Schaffung von 2^ 
mit Erbrecht ausgestatteten Stellen, deren Inhaber das aus- 
schliessliche Recht des Aufkaufs von Fischen innerhalb 
eines bestimmten Umkreises um die Stadt Worms und zu- 
gleich die Verpflichtung haben, dem Aufkauf durch nicht 
privilegierte Personen entgegenzutreten.« Innerhalb eines 
bestimmten Gebietes, d. h. zwischen Altripp») südlich und 
Suelntheim, das in gleichem Abstände nördlich von Worms 
zu suchen ist, haben die privilegierten 23 Fischhändler das 
ausschliessliche Recht des Kaufs zum Zwecke des Wieder- 
verkaufs; allein auch sie dürfen an den Markttagen vor 
dem Läuten der Primglocke keine Einkäufe machen. Alle 
Fischer, die selbst den Fang betreiben (ipsi, qui capiunt), 
dürfen nicht gehindert werden, selbst zu Markt zu kommen. 
Man beabsichtigfte durch solche Bestimmungen genügende 
Marktversorgung unter gleichzeitiger Beschränkung der 



meiner Ansicht, dass höchstens von einer Fisch händlerinnung die Rede 
sein kann, beistimmt. Dasselbe thun auch von Below, Jahrb. f. Nationalök. 
Bd. 58, S. 63 u. Hegel, Entstehung d. D. Städtew S. 118. 

*) In Schmoller's Staats- u. sozial wissensch. Forschungen XV, Heft 2 
(Leipzig 1897), S. 220 — 230. Vgl. meine in den Mitteil. a. d. hist. Litt. XXVI, 
S. 64 — 67 erschienene Besprechung dieses Buches. — ^) S. 223. — ^) Eber- 
stadt führt S. 225 für die Identität des in unserer Urkunde genannten »Alt- 
druphen« mit »Altripp« an, dass derselben Ortsbezeichnung in den Mon. Boic. 
XXXI I, S. 584 in einer Urkunde K. Wilhelms von 1255 in Klammern i. e. 
Altripp zugefügt ist. Dies ist aber nur Bemerkung des Herausgebers, die 
allerdings richtig ist. Vgl. Boehmer-Ficker, Reg. Nr. 5242. Die Identität 
wird zweifellos durch eine Urk. von 1357 (diese Zeitschr. IV, S. 76) und 
das von Frey, Beschreib, des bayer. Rheinkreises (Speyer 1836) S. 183 — 186 
angeföhrte. 



Wormscr Fisclimarktsordiiimg. 



383 



» 



I 



Zahl der Personen zu erreichen, welche aus dem Zwischen- 
handel Vorteil zogen. 

Die Bestellung der 23 mit der Versorgung des Fisch- 
marktes betrauten Personen wird von Eberstadt aufgehellt 
durch eine ParallelsteHe, eine Bestimmung des Bischöfe 
Gebhard II, von Konstanz, welche dessen im 12. Jahrhun- 
derte verfasste Biographie erzählt,*) Dieser bestimmt ein- 
zelne seiner Unfreien zu Bäckern» Schustern, Zimmer- 
leuten etc., die nicht nur för das Kloster, sondern auch für 
den Marktverkehr arbeiten; sie werden der Aufsicht beson* 
derer Vorsteher der einzelnen Handwerke (singularum artium 
magistri) unterstellt. Aus den Wormser Rechtsquellen 
hätte zur Erläuterung auch auf c* 29 der leges et statuta 
Burchardi vom Jahre 1024 hingewiesen werden dürfen, 
wonach die der hoher stehenden Klasse der familia des 
Bischofs angehörenden Personen, die Fiskalinen» wider ihren 
Willen nur zu ganz bestimmten Dienstleistungen heran- 
gezogen werden dürfen.*) 

Mit Recht führt Eberstadt*) aus, dass »die in der Ur- 
kunde erwähnten 2;^ piscatores keine Innung« bilden; »sie 
haben keinerlei genossenschaftliches Recht oder Organ; 
sie werden in herrschaftliche Beamtungen eingesetzt und 
empfangen ihr Amt unter Erbrecht«. Im Gegensatze zu 
Eberstadt möchte ich aber darauf hinweisen, dass so richtig 
es auch ist, dass die Urkunde die Ordnung des Insch- 
Verkaufs enthält und dass die piscatores in ihr als Fisch- 
verkäufer, welche in Bezug auf die Anschaffung zum 
Zwecke des Wiederverkaufs privilegiert sind, in Betracht 
kommen, es doch nicht ausgeschlossen ist, dass sie auch 
nebenher Fischer waren.*) Betrieb des Handwerks und 
Ankauf des Produkts zum Weiter\'erkauf sind gerade in 



tj Sä X, p. 588, »b£cdrucki von Ehersudt S. 23 r. — ») Wonnser 
tJrkh. S. 43* — ') S. 250 vgL Auch S. 222. — *) EtWAi guu andcrts mcinl 
Wühl K. Miyer, wenn er in seiner Schrift: Zoll, KjLuAnaii&Mbin u. Markt «tc 
in den Abhandlun^n tum 70. Geburtstage K. von Mftvren (Göttingen 1895) 
S. 49(> Note 1 sAgt; Auth die 33 piscatores der Urkunde von 1106» welche 
rom Bischof dngeseixt, aber notwendig hemchAftUcbe Gewerbtreibcnde sind, 
lunfen iwar Fische, aber lie liod tjdier kHiodwcrker», Er denkt wohl nur 
▲n den Gegensati tu den Grosileaiifltuten, welche, wir er sehr wahrschemlich 
madit, «in die honsa des Inhabers der hohen Gericht itiarkeit eintreten müsseo«, 
Vgl. ibid. S. 46 t. 16 f, 

26* 



384 Koehne. 

der mittelalterlichen Fischerei nicht geschieden. In Frank- 
furt a. M. hatten die Fischer nach dem Gewerbe weistum 
von 1355 das Recht, die Fische, welche auf dem Main ein- 
geführt wurden, aufzukaufen xmd des Aufkaufs der Fische 
auf dem Markt und der »veldishalp« (über Land) gebrachten 
Fische mussten sie sich enthalten. *) Ein in Stade im vier- 
zehnten Jahrhundert entstandenes Gedicht*) sagt: 
De vischer hir in der stat 
hevet enen sede de is quat [schlecht], 
dat se de vische vorekopen pleghet, 
von den de se hir in de stad dreghet 
mit kipen unde mit korven. 
Auch hinsichtlich der Datierung müssen die Angaben 
Eberstadt's, der die Fischmarktsordnung einfach ins Jahr 
1106 legt, einer kleinen Berichtigung unterworfen werden. 
Die Urkunde selbst ist ohne jedes Datum. Der erste Heraus- 
geber Schannat datierte sie mit ca. 11 06 und Boos ist ihm 
darin gefolgt. Massgebend war offenbar für beide, dass 
die Urkunde mit einer anderen, welche das Datum 1106 
trägt*), ausser Bischof Adalbert auch den Stadtgrafen Wem- 
her und den Propst Adalbert sowie mehrere Zeugennamen 
gemeinsam hat. Bischof Adalbert wurde bekanntlich 1073 
aus seinem Bistum vertrieben*) und irrte seitdem im Reiche 
imiher, während in Worms von Heinrich IV. eingesetzte 
Gegenbischofe walteten.*) Nur 1076, 1077*), 1080^) und 
in der letzten Zeit seines Lebens, das am 6. Juli 1 107 endete*), 
ist er wieder in Worms bezeugt. In welchem Monate 
des Jahres 1105 ihm die Rückkehr nach Worms dadurch 
ermöglicht wurde, dass die Stadt in die Hand der Gegner 
Heinrichs kam, ist nicht überliefert; Speier eroberten sie 
am 31. Oktober, Mainz Anfang November 1105.®) Doch 
wird an Vornahme von Massregeln der inneren Verwaltung 
noch dazu einer so speziellen wie der Versorgung des 



») Boehmer, Urkb. der Reichsstadt Frankfurt S. 643; vgl. Landau, 
Beitr. z. Gesch. der Fischerei (Kassel 1865) S. 35. — *) Arch. d. Vereins 
f. Gesch. u. Altertmsk. der Herzogt Bremen u. Verden 1 (1862) S. 131. — 
») Wormser Urkb. Nr. 59. — *) Koehne, Ursprung S. 20$. — *) ibid. S. 216, 
Note 4. — •) ibid. S. 214. — t) Wormser Urkb. Nr. 57. — ®) Schannat I, 
P- 347- — •) Vgl. Kilian, Itinerar Kaiser Heinrichs IV. (Karlsr. 1886) 
S. 131, Giesebrecht, Kaiserzeit HI, l (Fünfte Aufl.) S. 741. 



.^-4 



Wormitr Fiftchm&rkUordDung. 



385 



Städtischen Fischmarkts nicht zu denken gewesen sein, bis 
der Bürg-erkrieg wenigstens vorübergehend beendet war, 
also bis zum 20. Dezember 1 105» dem Tage der Zusammen* 
kunft Kaiser Heinrichs mit seinem Sohne bei Koblenz.') 
Aber auch die letzten Tage des Jahres 1 105 kommen nicht 
in Betracht Ausdrücklich ist überliefert, dass der Wormser 
Bischof an der Gesandtschaft beteiligt war» welche von 
Heinrich V, nach Ingelheim geschickt am 31. Dezember 
vom Kaiser den Verzicht auf die Regierung erlangte.*) 
Jedenfalls wird Adalbert auch an der Fürsten Versammlung 
m Mainz vom 25. bis 27. Dezember teilgenommen haben. 
Es ist daher nicht anzunehmen, dass er im ganzen Jahre 
1105 Zeit für die Erfüllung seiner Aufgaben als Stadtherr 
gefunden hat. Man wird unsere Urkunde also mit »1106 
oder 1 107«, allenfalls auch mit >ca. 1 io6f, aber nicht schlecht- 
weg mit 1106 datieren dürfen. 

Sowohl infolge der neuen Auffassung unserer Urkunde, 
als auch weil keiner der modernen Forscher dessen gedenkt, 
sei mir erlaubt» darauf hinzuweisen, dass Bischof Adalbert 
in seinen letzten Regierungsjahren auch noch andere Mass- 
regeln traf, welche Analoga zu den Verordnungen für die 
genügende Versorgung der Stadt mit Fischen bildend, 
ebenfalls Fürsorge für ihr materielles Wohl erkennen lassen, 
Schannat*) erzählt nämlich» dass Adalbert damals die öffent- 
lichen Fleischbänke und Bclckereien der Aufsicht des Dom- 
propstes unterstellt und auch anderes dem allgemeinen 
Nuuen entsprechend geordnet habe. Man dürfte auch 
hier an Ordnungen entsprechend derjenigen des Fisch- 
verkaufs zu denken haben, die noch Schannat in Urkunden 
vorlagen, die zu publizieren er leider unterlassen hat. 

Beschäftigen wir uns zum Schluss mit dem Ausdruck 
urbani, der in der Fischmarktsordnung zweimal vorkommt: 
falls einer der piscatores stirbt und ein Erbe fehlt, soll er 
»lirbanorum communi consilio« ersetzt und auf Grund von 
Verletzung des Aufkaufsprivilegs konfiszierte Fische sollen 
inter txrbanos gleichmässig geteilt werden (equaliter divi- 
dantur). Mit Recht führt Eberstadt S. 226 aus, dass die 



») Kiliftn S. 152. — «) H«lmoltli Oimnicft Sbvomm Hb. 1 (MG. SS. 

xxr. i\), ^ *) h |), S47. 



386 Koehne. 

Verteilung einer Marktlast Fische unter eine Gresamtheit 
von Bürgern nicht möglich sei. Wie viel weniger die 
geforderte gleichmässige Verteilung! Auch der andere 
Satz kann nach Eberstadt nur auf eine Behörde gedeutet 
werden. »Die Bürgergemeine, der Umstand oder welche 
andere Personenmehrheit hier in Frage kommen könntec, 
werde »nicht als ein commune consiliumc bezeichnet* »Deutet 
man endlich den Ausdruck der gleichen Stelle in abstrak- 
tem Sinne als auf das Anraten, auf den Ratschlag, so 
kann auch dann wieder nur eine geschlossene Zahl als 
Ratgeber gemeint sein; denn die Menge erteilt, wo sie 
berechtigt ist, nicht ihren Rat, sondern nur ihre Zustim- 
mung.c Mir scheint diese letztere Deutung von consilium 
die richtige zu sein; sowohl an einer anderen Stelle unserer 
Urkunde als auch in allen aus Worms um dieselbe Zeit 
überlieferten, in denen das Wort consilium vorkommt'), 
hat es die Bedeutung »Anraten, Ratschlag«. 

Von den verschiedenen Meinungen darüber, welche 
Behörde unter den urbani zu verstehen sei, hält Eberstadt 
die älteste, nämlich die 1735 von Schannat*) geäusserte, 
dsiss urbani die Heimburgen bezeichne, für »mit dem Inhalt 
der Urkunde und mit der Wormser Stadtverfassung allein 
vereinbare. Eberstadt's Nachweis, dass weder in dem Sprach- 
gebrauche der Wormser Quellen noch in dem, was über 
die gleichzeitigen Verfassungszustände überliefert ist, ein 
Grund gegen diese Auffassung liegt, kann im allgemeinen 
als gelungen gelten. Es lässt sich auch noch hinzufugen, 
dass in Speier nach stadtpolizeilichen Vorschriften aus der 
Mitte des 14. Jahrhunderts, die aber auf ältere zurückgehen, 
die Heimburgen darauf zu sehen hatten, dass die Fischer 
keinen Vorkauf innerhalb der Mauern treiben.*) Zwingend 
für die Ansicht, dass die urbani unserer Urkunde die Heim- 
burgen sind, ist dies alles aber nicht. Nur die Ansicht, 
dass wir in ihnen den Rat zu sehen haben, muss abgelehnt 
werden, da ein solcher noch nicht existierte; an die Schöffen 
kann ebenfalls nicht gedacht werden, da diese in der Ur- 
kunde als iudices erscheinen. Endlich wird man auch die 

») Wormser Urkb. Nr. 48c 30 u. Nr. 58, Schannat II, Nr. 65; vgl. 
auch Hilgard, Urk. zur Gesch. der Stadt Speyer Nr. 14. — «) I, S. 204. — 
5) Hilgard, Urk. S. 484 Z. 4. 



Wormser FischmarleUordnung. 



S87 



neuerdings von KüntzeP) als angeblich mächstliegende und 
dem Sachverhalt durchaus entsprechende* aufgestellte Er- 
Idärung« ablehnen müssen, >in den urbani die 2^ piscatores 
2U erblicken«; die Wahl eines derartigen allgemeinen Aus- 
drucks fiir bestimmte namentlich angeführte Personen» 
welche weit mehr als dass sie alle urbani sind, mit ein- 
ander gemeinsam haben, ist dem Sprachgebrauche der Ur- 
kunden jener Zeit ganz fremd, welche öftere Wiederholung 
des Wortes piscatores gar nicht gescheut hatten. Dagegen 
scheint es mir nicht ausgeschlossen, dass man, worauf ich*) 
schon früher hingewiesen habe, bei den urbani an eine die 
Kaufmannschaft repräsentierende Behörde oder vielleicht 
auch mit Doren') an einen Au&schuss der Bürgerschaft, 
aus dem sich dann der Rat entwickelt habe, denken kann. 
Meine frühere Erklärung ist vielfach bestritten worden. 
Selbstverständlich halle ich die in der Urkunde erwähnten 
tudices nicht fiir das Gildegericht, Aber dass die Verletzer 
des Privilegs vor das Stadtgericht (die Schöffen) gebracht 
werden, schliesst doch nicht aus<), dass die bei diesem An- 
lass konfiscierten Fische einer anderen Behörde zufallen; 
noch weniger, dass eine andere Behörde Ratschläge giebt, 
wenn Stellen der privilegierten Fischmarktversorger erledigt 
sind. Ebenso ist es kein stichhaltiger Einwand*) gegen 
meine Behauptung, dass bei der Einsetzung der piscatores 
nur von der petitio des Burggrafen Wemher, dem consUium 
und der persuasio anderer Optimaten des Bischofs die Rede 
ist. Der Ausdruck optimales kann sich sehr wohl auf 
angesehene Kaufieute beziehen , die als Vertreter der 
Wormser Kaufmannschaft zum Bischof kommen« Manche •) 
wenden ein» in Süddeutschland hatten Kaufmannsgenossen- 



») In Schmoller'* Jthrbtich Bd. t8, S. 656, Note y Imflmlich ist 
Kilntiel'f Ansicht, dass »bisher noch niemand« diese ErkUrung gefunden 
hAt. Schon Moritx, AbhandL vom Ursprünge derer ReicltssUUlte (1756) 
Sv 565 giebt sie neben einer anderen. — *) In dem oben S. 201 Note i 
dtletten Buche S 5^, 60, — *) Unten, «, Gesch. der KAufmannsgilden (Leip/. 
1893) S. 53. — •} Wie Schaube a. a. O, tn meineii scheint. — *) Schaube 
tbid; — *) So Schaube nnd Doren a. a. O. >ßt Recht sa^rt KQntiel in der 106 
Note y citierten Recension von den Veitretcm dieser Ansicht, dass sie für 
(JM Nichtbestehen von Gilden in Süddeuisc bland im GegensaUe zu Frank- 
reich« den Kiederlonden. Norddeutschland» England und Skandinavien keine 
stichhiütigen Gründe aningeben vermögen. 



388 



Koehne. 



Schäften mit weitgehenden Verwaltungsrechten überhaupt 
nicht existiert und namentlich in Worms fehle es an jedem 
unanzweifelbaren Zeugnis für ihre Existenz. Dagegen sei 
hier nur auf folgende Stelle eines alten Wormser Weistums 
verwiesen: 

»Pannifices duos pidellos quo vis anno statuant, quibus 
tantum burgenses obediant et nuUo pidello alii.c^) 

Gerade die im ganzen doch sehr niedere Stellung, welche 
die PIcimburgen in Worms einnehmen, scheint mir gegen 
ihre Identifikation mit den urbani zu sprechen. Sie haben 
sich stets zum Läuten der Glocke im Bischofshofe bereit 
zu halten') und sind wenigstens eine Zeit lang von dem 
pedellus civitatis, sicher keinem einflussreichen oder an- 
gesehenen Beamten, erwählt und bestellt worden«), während 
die Bezeichnung urbani bei einer Behörde doch auf Ver- 
treter der Bürgerschaft oder ihrer angesehensten Elemente 
weist. Gerade »pene omnes urbani« werden auch am 
Schlüsse einer bischöflichen Zeugenreihe in einer Urkunde 
von 1016 genannt«), die von Eberstadt unter den Stellen, 
in denen das Wort urbani vorkommt, nicht angeführt wird. 
Auch dort kann mit urbani nur eine geschlossene Personen- 
anzahl gemeint sein; dass den Ueimburgen aber die Ehre 
der Zeugenschaft zugekommen, dürfte doch kaum anzu- 
nehmen sein. 

So scheint mir, während im übrigen die Urkunde von 
1106 durch Eberstadt aufgehellt ist und man ihm speciell 
darin zustimmen muss, dass die urbani eine Behörde sind, ^) 
die Frage, welche Behörde wir in ihnen zu sehen haben, 
auch jetzt noch mit einem »non liquet« beantwortet werden 
zu müssen. 

1) S. Mon. Worm. p. 225 und Boos' Bemerkung ibid.: »Offenbar haben 
wir in diesem BruchitUck den Rest eines Weistums vor uns.« — 'j ibid. 
p. 230. — ») ibid. p. 228 — ♦) Worms. Urkb. I, Nr. 45. — *) In den 
nach Kinrcichung dieses Aufsatzes erschienenen Schriften Hegel, Entst. des 
D. Städtewesens S. 119 und Boos, Gesch. d. Rh. Stüdtekultur zweite Aufl. 
S. 262 — die erste sofort vergriffene Auflage war mir nicht zugänglich — 
werden die urbani der Urk. wieder als die »cives maiores« erklärt, also als 
vom Bischof gelegentlich zu Rat gezogene Bürger, die kein abgeschlossenes 
K-ollcg bilden, sondern nach Person und Zahl ohne festes Prinzip wechseln. 
Ka ist nicht abzusehen, warum dann auf die gleich massige Verteilung der 
Fische Gewicht gelegt worden ist. 



Der heilige Forst und seine ältesten Besitzer. 

Vüö 

Heinrich Witte. 

11. 
Gründung der Burg und der Stadt Hagenau. 

In dem bisherigen Gang der Untersuchung fand der 
Name der Stadt Hagenau keine Stätte, Das ist an tmd 
für sich auch ganz natürlich, denn 2ur Zeit der sachsischen 
Kaiser bestand Hagenau Oberhaupt noch nicht; und als 
sich dann um die Burg auf der Moderaue im Laufe der 
Zeit eine Ans^iedlung gebildet hatte, war dieselbe nicht 
nur in kirchlicher, sondern zunclchst auch in administrativer 
Hinsicht von dem alten Königshofe Schweighausen abhängig. 
Ja, man darf noch weiter gehen und kann mit ziemlicher 
Sichrrheit sagen, dass die Gemarkung von Hagenau aus 
derjenigen von Schweighausen herausgeschnitten ist und 
ursprünglich einen Teil derselben bildete. Ihre Erhebung 
zur Stadt verdankte die Ansiedlung nicht sich selbst und 
konnte es auch nicht, weil ihre Insassen Hörige waren, 
sondern ihrer Zugehörigkeit zu der Burg Hagenau und 
deren wachsender Bedeutung als Hauptplatz nicht nur für 
den heiligen Forst, sondern auch für die zu dem ehemaligen 
Königshof Schweighausen gehörigen Dörfer, seitdem sie 
an die Stelle von Schweighausen getreten und der Sitz 
dieses weiten Herrschaftsgebietes geworden war.') 

Die Burg Hagenau war lange Zeit vor der Stadt 
Hagenau, und es wird Aufgabe dieser Untersuchimg sein, 
beider AnßUige darzulegeii. 



') Mrlfie urtprüri|;liiiiv Abftkhlt da^ j^eumte »taulbch« Eigen, »owdl c» 
ftu% d«D K4(it|Ethev(eii herrnkrl, hiei im weitern VcrUuf der Uoter>uchun); so 
btthjifideln^ mii«s ich wegen anderer diingetider Arbeiten etnttweüen snigebeiu 



390 Witte. 

Der Name des Ortes Hagenau tritt uns zum erstenmale 
völlig gesichert im Jahre 1 144 aus einer Urkunde Konrads III. 
entgegen. Diese Urkunde war bisher nur aus einem ganz 
unzureichenden Regest bekannt 1) imd so ist sie denn auch 
fttr die Forschung so gut wie unbeachtet geblieben, während 
sie doch das einzige Zeugnis ist, das nicht nur das alte 
Rechtsverhältnis vom Kloster Selz zu Schweighausen und 
dem heiligen Forst in unzweideutiger Form sicher stellt, 
sondern uns auch die Anfänge der Stadt Hagenau kennen 
lehrt. In dieser Urkunde bestätigt Konrad III. einen von 
seinem Bruder Herzog Friedrich mit dem Abt von Selz 
vorgenommenen Austausch, wodurch derselbe die Aus- 
scheidung der Ortsgemeinde Hagenau aus der 
Pfarrei Schweighausen und ihre Erhebung zu einer 
selbständigen Kirchengemeinde herbeigeführt hatte. 
Ihr Text lautet«) unter Weglassung aller Formeln: Nove- 
rit . . . quod cum . . germanus noster Fridericus Sueuorum et 
Alsaciorum dux in prediosuo Hagenowe dicto matricem 
ecclesiamedificaredisponeret, qui fundus in parrochiali 
termino ecclesie de Svechuse situs erat et ipsius 
decimatio ad monasterium Selse antiquo iure perti- 
nebat, nostram clementiam petiit, quatenus ecclesiam de 
Nerstein, que sibi ex beneficio regni attinebat, cum omnibus 
suis pertinentiis ad predictum monasterium Selse contra- 
deremus, sie quod prefatum fundum ad edificandam libere 
matricem emancipatum ac liberum ab omni alterius parochie 
termino eflficeremus. Ex consensu itaque Burchardi Argen- 
tinensis episcopi, in cuius diocesi prenominatum 
castellum Hagenowe situm est, ecclesiam de Nerstein 
de manu iam dicti fratris nostri ducis Friderici in nostram 



1) Bei Dumgö, Badische Regesten 135 und Stumpf Nr. 3458. Leider 
hat auch Batt sich diese Urkunde entgehen lassen, vielleicht hätten seine 
Forschungen dadurch eine ganz andere Richtung bekommen. Was Meister 
über die Anfänge von Hagenau bringt, ist völlig ungenügend. — *) Die Mit- 
teilung einer genauen Abschrift aus dem Generallandesarchiv zu Karlsruhe 
verdanke ich der Güte unsers gelehrten Stadtarchivars Herrn Abb6 Hanauer. 
Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit hervorzuheben, einen wie 
hervorragenden Anteil Herr Abb6 Hanauer und Herr Bürgermeister Nessel 
an dieser Arbeit genommen haben, namentlich was die Gründung der Burg 
Hagenau betrifft. 



Der beilige Forst und seine alles ten BesiUer. 



391 



manum recepimus eamque legitimis instrumentis ad Seisense 
monasterium, cui venerabilis abbas Walterus preest. ad usura 
monachonim pauperura et peregrinorura donavimus, Porro 
idem abbas ex consilio fratrum suoruin et consensu laico* 
rum de terrninis decimalibus supradicte ecclesie de 
Svechuse, assentiente Burchardo Argentinensis ecclesie 
episcopo, in cuius diocesi predicta baptismalis ecclesia posita 
est, dedit nobis et iam dicto fratri nostro Friderico duci a 
Karlesbrunne usque ad locum qui dicitur Wazerual 
atque inde usque ad locum qui dicitur Egenul- 
fespat, ita videlicet ut quidquid terre vel habitatorum 
intra prescriptos terminos in presenti ac futuro tempore 
fuerit, inde totius dedmationis utilitas ac synodalis iustitia 
ad ecclesiam de Hagenowe absque ullius inquietationb 
obstaculo pertineat 

Diese Urkunde war in erster Linie für den Abt von 
Selz von allerhöchstem Wert, denn sie enthielt eine unzwei* 
deutige Anerkennung seines Zehntrechtes über den heiligen 
Forst von Seiten der beiden staufischen Brüder, und man 
kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie dem ge- 
fälschten Privilegium Otto's III,. namentlich was die Grenz- 
bestimmungen für den Zehntbezirk betrifft» als Unterlage 
gedient hat. Aus dem Wortlaut der Urkunde geht hervor. 
dass KOnig Konrad hier in doppelter Eigenschaft thätig 
war: einmal gab er seine Zustimmung als Reichsoberhaupt 
zu dem vorgenommenen Rechtsakt» denn Selz war Reichs- 
abtei und der Abt konnte keinerlei rechtsgUtige Veränderung 
bezüglich des Besitzstandes seines Klosters vornehmen ohne 
Zustimmung des Königs; wenn nun Herzog Friedrich zum 
Austausch den Pfarrbezirk des weinberühmten Nierstein 
hergab, so kann das immerhin als Beweis dienen, dass 
auch die Niederlassung auf der Moderinsel über ihre ersten 
Anfänge hinaus war. Der König ist aber auch als Staufer 
Mitbesitzer des praedium Hagenowe, und ihm und seinem 
Bruder tritt der Abt den Zehnten innerhalb des angegebenen 
Bezirkes ab. Wenn hier nicht auch auf den Grafen von 
Lotzelburg als Miteigentümer Bedacht genommen wird, so 
erinnern wir uns an die gleichartigen Vorgänge bei der 
Gründungsgeschichte der Abteien Walburg und Neuburg; 
zudem konnte das praedium Hagenowe und die Burg 



392 Witte. 

Hagenaul) ebensowohl ein Sondereigen der Staufer sein, 
wie etwa die Burg Falkenstein ein solches der Lützelburger 
war, und schliesslich fallt ja genau genommen dies prae- 
dium Hagenowe überhaupt nicht in die Besitzgemeinschaft 
des heiligen Forstes, sondern liegt noch ausserhalb des- 
selben. 

Das Jahr 1144 ist also das Geburtsjahr der Kirchen- 
gemeinde Hagenau. Das Geburtsjahr der Stadt kann 
nicht sehr weit davon entfernt sein, denn die Grenze wird 
gezogen durch den am 6. April 1147 erfolgten Tod des 
Herzogs, der nach dem ausdrücklichen Zeugfnis seines 
kaiserlichen Sohnes der Begründer der Stadt gewesen ist. 
Man wird doch anzunehmen haben, dass die kirchliche 
Selbständigkeit der Ortsgemeinde Hagenau der erste Schritt 
sein sollte zur Gründung der neuen bürgerlichen Gemeinde. 
Die Gründung der Stadt früher anzusetzen muss wider- 
sinnig erscheinen; es ist in der Urkunde Konrads auch mit 
keinem Worte von dem Vorhandensein einer städtischen 
Gemeinde die Rede, während das Bestehen einer Orts- 
gemeinde die notwendige und stillschweigende Voraus- 
setzung für die Gründung einer Kirchengemeinde ist. Diese 
Ortsgemeinde im Bereich der Burg Hagenau ist ebenfalls 
von Herzog Friedrich, und zwar schon zur Zeit seines Oheims 
des Kaisers Heinrich V. ins Leben gerufen, wenn anders 
wir den Worten des grossen Privilegs von Kaiser Friedrich 
Glauben schenken dürfen, die da besagen: villa que dicitur 
Hagenowe a nostro quondam patre duce Frederico sub 
Henrico Romanorum imperatore fundata.«) Die Ungunst 
der Zeiten unter Lothar m., als der Staufer um seine 
Existenz zu ringen hatte, mag ihn gehindert haben seine 

^) Einzelne Spuren des Mitbesitzes der Lützelburger werden sich aber 
doch ergeben. — •) eademque iure suo fulcita, so heisst es weiter im Privileg. 
Die von uns mitgeteilte frühzeitige deutsche Übersetzung derselben im Stadt- 
chartular übersetzt villa mit statt: an der statt zu Hagenowe, die unser vater 
. . . von erste machte in kaiser Heinrichs gezite und sie in ir recht satte. 
Thatsächlich wird der Ausdruck villa im kaiserlichen Privileg auch für da§ 
damalige Hagenau des Jahres 1164 gebraucht, aber das »eadems das uns 
zwei verschiedene Handlungen des Herzogs erblicken lässt, kommt in der 
Übersetzung nicht zum Ausdruck. Ausschlaggebend ist jedoch, dass in der 
Urkunde Konrads von einer solchen villa mit städtischem Recht noch nicht 
die Rede ist. 



Der heilige Forst und feine SUetteo BestUer. 



593 



schon früher gehegte Absicht, dieses praedium zur Stadt 
z\x erweitem, zur Ausfuhrung zu. bringen. 

In der Urkunde selbst werden praedium und castellum 
Hagenowe in administrativer Hinsicht als gleichartige Be- 
griffe gebraucht, und man möchte annehmen, dass dies 
praedium und castellura Hagenowe fiir den ehemaligen 
Königshof Schweighausen eingetreten ist. Hagenau selbst 
lag stets ausserhalb des eigentlichen heiligen Forstes am 
höheren rechten Ufer der Moder, und demnach kann auch 
das praedium Hagenowe an und für sich» wie schon 
angedeutet, nicht zum heiligen Forst gehört haben. Es 
war von der benachbarten Pfarre Schweighausen abhängig» 
nicht weil es zum heiligen Forste, sondern weil es zum 
alten Konigshof gehörte, von dem der Forst nur ein An- 
hängsel bildete. 

Daraus ergiebt sich nun auch das richtige Verständnis 
für die topographischen Angaben der Urkunde über den 
Zehntbezirk der neuen Pfarrgemeinde» wobei wohl zu 
beherzigen ist, dass deren Umfang keineswegs mit dem- 
jenigen des praedium Hagenowe im weitem Sinne» wohl 
aber mit dem Bann der spätem Stadtgemeinde zusammen- 
fallt. Aus ihrem Umfange lassen sich denn auch jene 
Angaben der Urkunde ungefähr erkennen, wenn auch 
gegenwärtig und wohl schon seit langer Zeit keine einzige 
dieser in der Urkunde angegebenen Örtlichkeiten mehr 
nachweisbar ist. Eine Ortsbezeichnung Karlsbmnn giebt 
es nicht mehr und lässt sich auch aus dem Hagenauer 
Stadtarchiv nicht feststellen, aber da sich der Zehntbezirk 
der neuen Kirchengemeinde notwendigerweise an den von 
Schweighausen und an die Gemarkung dieser Gemeinde 
anschliesst» so muss die Deutung') wohl zutreffend e/scheinen, 
dass damit der sogenannte Geiselbrunn bei d^ Papier- 
fabrik unmittelbar am Schweighauser Bahnhof und am 
Rande des Forsten gemeint ist. Noch unbestimmter ist 
die OrtUchkeit Wasserfall, zu der dann die Grenze läuft; 
jedenfalls aber ist sie auf dorn rechten Moderufer ausser- 



«) Dieselbe fUmrat van den Httteo Neisel imd lUiiiuier. Hctt Hesse) 
nuicht mich auch daranf anf^erlc»!!!« dats dieier Fluniame im t$. Jilirliiiiidert 

aI« Gti^K^bf^Uirunu vorkommt. 



halb des Forstes zu suciien und :inifiS5C cfen sich 
er^creck/»vden Kirchspiel- and Scadxdiscrikr. in deiL nocii die 
jetrl^er« Ortschaften Kaltenhansen :znd Vfanenrhal hifwin- 
raller.. Der Xaxne selbst komme menrTirn in Cisc G«oiar- 
kansf Hag-enaus vor. kann un^ aber an :ind für seh nidt 
viel helienj denn genude oei den Wasseriäiiren bar äcfa. im 
l^sx^ift der Zeit nanirgremäss eine rrannTgäcne Vecscfaiefaimg' 
erj^eben. Nimmt man eine unier diesem Xamen vor- 
kommende Flurbezeichnung- bei ileyerÄcfen. ein^m Vor- 
orte von Hag-enau, und zieht man von ca, eine Linie auf 
Schirrhein, äo würde die Gemarkung- Hag-enans in der 
Hauptsache einbegriffen sein, und bei Schirrhein begann 
dann der Egenohspfad. Dieser Xame ist ebensowenig- 
hutorisch nachweisbar, aber es wird wohl der uralte >p£uc 
sein, der allerdings durch die modernen Wegeanlagen ver- 
wischt imd zum Teil wohl ersetzt ist, der von da in der 
Richtung auf Ober- und Xieder-Betschdort durch den Forst 
lief. An und fiir sich kommen aber diese Bestimmungen 
für die Zw^ecke unserer Arbeit wenig in Betracht- Die 
Hauptsache ist, dass durch diesen Akt die Bedingungen 
für ein selbständiges Gemeinwesen geschaffen wurden. 

Durchaus zu trennen von der Frage bezüglich der 
Entstehung der Stadt Hagenau ist diejenige nach der 
Gründung der Burg Hagenau. Wenn die herrschende 
Cberlieferung besagt, dass Herzog Friedrich sie gebaut 
habe, so ist dawider zu betonen, dass in unserer Urkunde 
kein Wort davon steht: die Burg ist vorhanden; dass sie 
von Herzog Friedrich erbaut sei, ist nicht angegeben, wäre 
aber vielleicht angegeben, wenn es sich wirklich so ver- 
hielte. Auf alle Fälle haben wir nicht d4s Recht, mehr 
in die Urkunde hineinzulesen, als darin steht. Hervor- 
gerufen ist jene Meinung jedenfalls durch das bekannte 
Wort Otto's von Freising über seinen Stiefbruder: »Herzog 
Friedrich schleppt am Rossesschweife eine Burg mit siehe; 
aber der Burgenerbauer kann nicht jede alte Burg im Elsass 
gebaut haben, deren Erbauer man nicht kennt, und in 
diesem Fall kommt hinzu, dass man den Gründer der Stadt 
mit dem Erbauer der Burg zusammengeworfen und auf 
ihn dann jene Geschichte von der Gründung der Burg 
brjzogcn hat, wie sie uns in dem Statutenbuch der Stadt 



Der heilige Forst und teine ilteiten BesiUer. 



395 



Hagenau erhalten ist. Demnach würde sich aus dem 
Quellenbcfund auch kein Hindernis ergeben gegen die 
Ansicht, dass der Name Hagenau schon bestand für die 
Burg, bevor die gleichnamige Stadt ihn trug» und that- 
sächlich hält die Gründungsgeschichte ausdrücklich die 
Gründung der Burg und Stadt auseinander und lässt 
erstere vorangehen» 

Dass der Name Hagenau schon vor der gleichnamigen 
Stadt bestanden habe, behauptet auch Schöpflin, aber nicht 
für die Burg Hagenau: älter noch soll der Name sein als 
Gaubezeichnung, und so wie es der Vater der elsässischen 
Geschichtschreibung gesagt, haben es bisher alle gläubig 
nachgeschrieben.') Schöpflin stützt sich dabei auf ein an- 
gebliches Privileg des Kaisers Konrad 11, für die alte 
Merovingerabtei Surburg, von dem uns Schilter in seinen 
Observationes zu Konigshofen S, 1067 lediglich die 
Datierungszeile überliefert hat. Dieser angebliche Gau 
Hagenau hat dann Schöpflin eine Hauptstütze für seine 
Theorie über die älteste Gau Verfassung des Elsasses leihen 
müssen, und daraus erklärt sich auch die Wärme, mit der 

ler für die Echtheit dieser Urkunde oder vielmehr ihrer 
Datierungszeile eintritt. An und für sich braucht man über 
die Sache kein Wort zu verlieren, denn die Thatsache der 
Fälschung Hegt auf der Hand; aber im Elsass bewegt sich 
die lokale Geschichtsforschung mit Vorliebe in alten aus- 
gefahrenen Geleisen, und so kann es nicht schaden» dass 
einer toten Urkunde nun auch noch ein besonderes Leichen^ 
begängnis veranstaltet wird. 

Die betreffende Datierungszeile lautet also: Anno a 

'nativitate Domini 1035, indictione 111, XIII kal. Martii, reg- 
nante Conrado imperatore anno XII, eiusque filioHeinrico IIX, 

iWilhelmo Argentinensis sedis anno VII, in ducatu Con- 

'radi in pago Hagenowe in abbatia Surburg in Hugonis 
principis Alsatia presentibus testibus. 

Wenn man schon an und für sich von einer aus der 
"kaiserlichen oder königlichen Kanzlei hervorgegangenen 
T>V'iinii*> verlangt, 'i^^^ sie alle Merkmale d^^r Kchlheit 



Im El«««« In Man in- Wie gAnd« Stni«&L 



Sien II, p. 560. 



30 



Witte. 



trägt, so ist diese Forderung ganz gewiss berechtigt bei 
dem letzten Bruchstück einer Urkunde, von der man sonst 
überhaupt nichts weiss; man kann aber zuverlässig sagen» 
dass, wenn auch die angebliche Urkunde in ihrem Wort- 
laut erhalten wäre und sie inhaltlich zu keinem Verdachte 
Anlass geben konnte, sie doch wegen dieser Datierungs- 
zeile in der vorliegenden Form nicht echt sein konnte. 
Gerade in der Datierungszeile verraten sich am häufigsten 
die späteren Fälschungen, denn wenn der Fälscher keine 
echte Vorlage hatte, so war er nicht im Besitz der geschicht- 
lichen Mittel und Kenntnisse, um für das betreffende Datum 
die richtigen historischen Jahresangaben zu schmieden. 
Soviel für die Leser dieser Zeitschrift, die keine Historiker 
sind, die aber vielleicht in der Erinnerung haben, wie 
sehr die Vorstellung von Untergauen in der historischen 
Geographie des Elsass spukt. In dem vorliegenden Bruch- 
stück stimmt nun so gut wie gar nichts. Bei der Bestimmung 
der Regierungsjahre Konrads hat sich der Fälscher augen- 
scheinlich von dem Irrtum verleiten lassen, dass annus 
regni und imperii, das Jahr der Königs- und Kaiserherr- 
schaft zusammenfallen, aber selbst dann stimmt die Rech- 
nung noch nicht. Das Königtum Konrads beginnt mit 
dem 8. September 10241 das Kaisertum mit dem 26. März 
1027 ; das Regierungsjahr Konrads wäre also am 17. Februar 
1035 zu bestimmen auf annus regni 11, imperii 8, womit 
man die betreffenden Angaben vergleichen mag. Auch 
für das Regierungsjahr des jungen Königs Heinrich stimmt 
die Rechnung nicht. Nur das Regierungsjahr des Bischöfe 
Wilhelm von Strassburg trifft zu, aber dem Fälscher konnte 
es nicht schwer fallen, in dieser Hinsicht die nötigen Mittel 
zu finden, um eine richtige Berechnung aufzustellen. Selbst 
wenn man über diese Mängel hinwegsehen wollte, so sind 
die weitem Angaben doch derart, dass man eine Fälschung 
notwendigerweise annehmen muss. Der Gaugraf des Unter- 
elsass hiess damals wohl Hugo, aber der blosse Graf 
passte dem Fälscher der spätem Zeit nicht mehr, als die 
Grafen billig geworden waren, es musste ein Fürst sein, 
wie in späterer Zeit die Bedeutung des Wortes princeps ist. 
Ausschlaggebend ist schliesslich die Bezeichnung »in 
ducatu Conradi«: da es sich hier um eine Ausstellung in 



Der heilig« Font und 5€iiie iltesteo Besitter. 



M7 



äer elsässischen Abtei Surburg handelt und rudern noch 

runter dem princeps Hugo der damalige Gaugraf des Unter- 

^elsass gemeint wird, so ist damit das Herzogtum des 

Conrad gerichtet. Das Elsass gehörte zum alamannischen 

Herzogtum, und dort gab es weder um 1035 noch kürzere 

oder längere Zeit vorher oder nachlier einen Herzogt) 

dieses Namens. Alle Versuche sich um diese Thatsache 

herumzudrücken^), sind als hinfällig zu erachten. Damit 

lentfällt auch der Gau Hagenau aus der historischen 

Geographie des Elsass» damit aber auch das Zeugnis für 

lies angeblich frühere Vorkommen des Namens Hagenau. 

Fälschungen haben in der Regel einen praktischen 

[Zweck* wenngleich sie auch zuweilen aus blosser Lust 

lam Fabulieren entstanden sind. In diesem Fall wird die 

I Absicht der Fälschung enthüllt, wenn man die deutsche 

Ersetzung bei Schiher mit dem lateinischen Urtext ver- 

icht. Hier ist pagus Hagenowe mit Pflege Hagenau 

übersetzt, das heisst das Alter der Landvogtei Hagenau 

und ihrer Jurisdiktion über die Reichsdörfer, die vormals 

den Bestand unserer Königshöfe ausmachten, wird um 

etwa drei Jahrhunderte hinaufgerückt, sie wird somit als von 

ältester Zeit her als zu Recht bestehend hingestellt* Damit 

I soll natürlich nicht gesagt werden, dass die Fälschung von 

[Schilt er herrührt, er wird lediglich gedruckt haben, was 

|cr Vorland* Demnach bleibt zunächst das Jahr 1 144 das 

»burtsjahr nicht nur für die Kirchengemeinde Hagenau, 

indem auch für den Namen überhaupt. 

Es bleibt nun noch übng die Überlieferung, welche 

die Stadt Hagenau selbst über den Ursprung der Burg 

Hagenau bewahrte und die allerdings das Alter des 

I Namens um ein Jahrhundert hinaufrückt. Diese älteste 

'Stadtgeschichte in Verbindung mit einer kurzen Stadt- 

L Chronik» welche die Ereignisse bis zum Jahre 1394 fuhrt. 



•) Dum;«! <yg yk'At Hejmd.au IV*, — »ein iirTjjIücklichcr Bruder 

und tlri iuige VAter wAreji dxt VorgÄngrr, — ^> Wah Sth. 'ptlin, 

^AU. llU 2, 543 über di« Ireanung des Elsus von AlamAnniei) und aber die 
bang dbser Ljüuisdun tu einem selbständigen rlsflsttschen Hcnogtum 
dit KoDf&d dem J äugen», dan Vetter Konrmds IL« ils Ilersog tagt, bt 
ch 4US der Luft gegriffen. Dsi kann dem mlTHcben Gelehrten ffkr die 
illge Zeit rceilick Dicht xnr LmmI fallen. 
XelCKbr. I. C*«cfe. d, Qh^nk, ». F. XIIL i, 27 



3g8 Witte. 

ist uns in dem städtischen Statutenbuch i) erhalten, dessen 
Anlage am i8. Juni 1339 durch Heinrich Holfing-er, den 
Schultheissen des Landvogtes Grraf Albrecht von Hohen- 
berg zu Hagenau, sowie durch die Stadt Hagenau be- 
schlossen wurde. Die Stadtgeschichte ist demnach ein 
späterer Eintrag, und zwar des 15. Jahrhunderts, wie aus 
dem Charakter der Sprache und Schrift hervorgeht. Auch 
das Statutenbuch bestand ursprünglich aus mehreren auf 
Pergament geschriebenen Teilen, wie schon die ver- 
schiedene PaginierunfiT beweist, die schliesslich in dem 
noch erhaltenen mit Leder überzogenen Holzband vereint 
wurden, wobei imsere Stadtchronik, wie ich sie jetzt kurz 
bezeichne, nach jenem Beschlüsse eingereiht wurde. Von 
grosser Wichtigkeit ist, dass auch eine Bemer Handschrift 
von Königshofen unsere Stadtchronik enthält, und zwar 
ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert nach dem Charakter der 
Schrift und Sprache, wie denn auch das Wasserzeichen 
des Papiers der Handschrift auf diese Zeit hinweist.*) 

Wenn nun auch das Alter unserer Stadtchronik meines 
Erachtens nicht höher hinauf bestimmt werden kann, so 
hat sie doch ganz unzweifelhaft aus einer alten Vorlage 
geschöpft und dieselbe vermutlich fast wörtlich, vielleicht 
stellenweise etwas gekürzt wiedergegeben, und zwar reicht 
diese Vorlage in die Zeit der grossen Verfassungsreform 
zu Hagenau hinauf, mit der die Stadtchronik in ihrem 
ältesten zusammenhängenden Teil schliesst. Man darf 
vielleicht annehmen, dass diese älteste nicht mehr vor- 
handene Stadtgeschichte einen Teil jenes alten Copial- 
buches bildete, in das auch Ratseinträge gemacht wurden, 
von dessen Vorhandensein bereits in jenem Ratsbeschluss 



*) Leider ist das Stalutenbuch zugleich mit den alten Stauferurkunden 
durch den Bodmann'schcn Diebstahl dem städtischen Archiv entfremdet und 
späterhin durch Kauf in das sogenannte HabePsche Archiv gekommen, das 
sich jetzt im Münchener Reichsarchiv befindet. Dem Herrn Direktor des 
Reichsarchivs, Dr. v. Oefele, verdanke ich eine Beschreibung des Kodex 
nebst einem noch anzuführenden Faksimile. Später hat Herr Abb^ Hanauer 
den Kodex hierher nach Hagenau kommen lassen, um eine genaue Abschrift 
zu nehmen, und so konnte ich ihn auch hier noch benutzen. — *) Eine 
Abschrift findet sich im Besitz des Herrn Abb6 Hanauer. Die Handschrift 
hat Herr Professor Dr. Tobler in Bern mir freundlichst in obiger Weise 
beschrieben. 



Der beilige Font und Mine ältesten Besitzer. 



399 



^ 
^ 



I 



von i3J9t der an der Spitze des Statutenbuchs steht, die 
Rede ist. So kommt demnach meines Erachtens unserer 
Stadtchronik eine viel höhere Beglaubigung zu, als es 
sonst ihre Abfassung im 15, Jahrhundert zuliesse» 

Ich lasse hier den Text*) in genauer Abschrift aus 
dem Statutenbuch folgen: wie die burgk und die statt 
HagenÖwe zö erste erhaben und gemacht würden, 

Diße statt Hagenouwe hat den namen von der bürge, 
die do stet inn der statt. 

Item Der heillige vorst den man sprichet sacer forest(us), 
der ist also groß und also lang gewesen, das er ging unu 
do nüzumol die statt ist gebuwen. Wann die alten 
sagen'), das etliche hüser. die do stont umb die burgk* 
brück, das sü in derselben stette gehouwen würdent, do 
sü stontt,^^) 

Also uns die alten sagent: do wart die bürg zfim ersten 
erhaben. Es kam zft eyme mole, das eyn herre von 
Axone*) für iagen in disem vorgeschribn heiligen forst 
mit sinen dyenem \y\ die do mit ime fftrent. Die hunde 
beide groG und cleyne koment ufF eyn spüre und wordent 
mit dem wilde iagen und hetten gar ein grosse gebracht; 
und die hunde lieffen so lutte und so mit grossem geschrey* 
eyns groß das ander dein, und wart donoch also ejTi süsser 
geton *) von den hftnden gehört, das es den herm und sine 




I 



*) Meines Wisseos ist derselbe noch nicht verdient licht worden, wenn* 
gleich Bau grosse Stücke dmuins Jii roodeniisicrier Form mitgeteilt hat. 
— ^) Diese Stelle zeugt guxi umweifelbAft von der alten Trftdition aus der 
ursprünglichen Vorlage, die wörtlich herübergenommen ist — ') Bie Stelle 
ist etwas undeutlich und will «agen, dass da, wo die BSume geflült wurden« 
die Häuser daiaui errichtet wurden. — *) Herr v. Oefelc hatte die grofte 
mir ein Faksimile des Namens 2u Übermitteln. Xach dem Begleit- 
ibeo ro dem Fjtkstmile wollte man in München ursprünglich Avone 
lesen» dAS durch Htneinkorrigterung eines I in Atone umgeüLndert worden 
fci. Das t ist wirklich vorhandenf und swax von schwärzerer Dinte. Als 
ürundrorm lese ich alter nicht Avone, »cmdem in Übereinstimmung mit den 
Herren I-lanauer und Nessel Axone, da» durch Aas hinein korrigierte t in 
Altone umgewandelt werden sollte» In der Hemer Handschrift liest Herr 
PYt>1esstir Tobler aber gani ileutUch Arone« und da& ergiebt steh auch mit 
voller Sicherheil ans dem mir gütigst übersandten Faksimile. — *) Süiie 
TAne ist man im allgemeineii von Hunden nicht gewöhnt, es müstte denn 
schon das Winseln der Hunde damit gemeint werden. Es iditiQt mif« daaa 
der Abschreiber hier seine Vorlage nicht vertlsnden bat 



400 Witte. 

dienere wunder nam, wie das kerne, und das sü ouch kein 
wildt nit gefohen konten an dem hage, do sü dann den 
wilthag an betten gebunden, und do reyt der herre 
den hunden noch und die dyener sin und wolten befinden, 
wo das wilt hienkeme, und also sü nochfürent, do kam 
der herre mit synen dienern an eyn wasser, das do heisset 
die Moter, die noch huttigs tags flösset durch die stat.*) 
Do fant er sin hunde ston mit lüttem geschrey mit mani- 
gerley styiiie, beyde groß und dein, und mochten nit über- 
kommen und was ginsit des wassers eyn grosse 
hage, darumbe floß die bach zu beyden sitten gering 2) 
umb. Daru£F hette sich das wilt gesamett und was sin 
ussermossen vil. Do gedochte der herre, wie gar wol 
ein keiserlich stoß und bürg hie stünde und wie das 
wassere und wie das wasser ouch gering umb die bürg 
würde fliessen, als es dann umb die wildehage floß, do 
sich die wilden diere uff" zfiflücht hetten gesamelt. 

Also donoch wart die bürg gemacht und gibuwen so 
königlich, vesticlich und so zierlich, das man ieren glich in 
allen landen nit vant mit gewölben, mit dfirnen, mit mfiren 
und allem anderm gebuw; alles mit quadersteynen wart 
volbracht. Es hette ouch in der bürge ieder landes- 
herre sin ritterhuß ston und hilten huß in der 
bürge, und hant noch hüttistages ir lehen von der 
bürge*) alle herrn von Liechtenberg, von Ochsenstein*) 



*) Es findet sich hier ein Widerspruch : vorher ist gesagt, dass die Jagd 
in einem abgesteckten Gelände stattfand. Hier muss man aber doch an- 
nehmen, dass Jagdherr und Gefolge sich in einer ganz unbekannten Gegend 
befanden. Eine Parforcejagd zu Pferde ist in dem sumpügen Terrain auch 
nicht denkbar und wunderbar ist es, dass sich die Hunde im Jagd- 
eifer durch das Wasser abhalten Hessen, dem Wilde zu folgen. Solche 
handgreifliche Widersprüche, wie sie aus der Vorlage übernommen sein 
werden, sind aber jeder Sagenbildung eigentümlich. Ich möchte noch 
bemerken, dass gering so viel wie ringsum bedeutet. — ') Die Lesart ist 
absolut sicher. — ') Hier beginnt der eigentliche historische Teil betreffs der 
Rechtsverhältnisse der Kaiserburg nach dem Untergang der Staufer. Ober 
die Burglehen und Burgmänner vergl. Batt II, i flf. — *) Das war bisher 
nicht bekannt. So lange wir über die Anfänge der Herren v. Lichtenberg 
und Ochsenstein nicht genauer unterrichtet sind als durch Lehmann *s Geschichts- 
werk, wird sich über den Ursprung dieses Burgsitzes nichts Sicheres bei- 
bringen lassen. Beide Geschlechter hatten ausgedehnte Lehen im Unterelsass 
vom Bistum Metz , und nach ihrer Lage glaube ich mit Bestimmtheit 



Der heilige Font und seine Sllestee BesiUer. 



401 



und andere vil herm, und ein konig an dem Rine was 
uff der bfirge seßhafft und frigeie die buregk großlichen 
und machte eyn geriechi in der bftrge, das heisset das 
Hochgericht uff den gretten*) in der borge, das die 
statt noch hut dis tages haltet. Und demselben geriecht 
muß ejnt iegelich herre und edelman gehorsam sien und 
das hanthabent die (stat ist wohl ausgefallen) noch und 
ein lantfougt« Und darnoch buwcte man eyn sttelin 
(statt stettelin verschrieben) umb die bürg genannt 
Hagenouwe noch dem hage, da das wilde uff entran, 
als do obenan geseit ist, und darnoch merte sich die stat 
also, das sü xft dem dritten mole ist gewittert worden 
Und von alters har ist sii gefiriget von keiscm und k&nigen« 
das die bürgere von Hagenouwe keynen zoll sullent geben, 
war sü komen von ierem kouffen und verkouffende. Do* 
mitte nam die statt sere und vast zfi an gi\t und an ere, 
Do wurdent zwolff scheffen von den erbaren in der statt 

behAuplen m dürfen, das& dieselben zum grßsstea Teil ursprünglich zu uDfteni 
K gehörten und »h Be&tandteil der GraCK^hafi Lützelburg an d«s 

Bi^: - gclanj^ten. Daiu rechne tdi bei den Herren v. Lichtenbefg 

Burg iierrenfttein mit den Dur fem Dettweiler, Clein-Wi^enlowe, du bereits im 
Privileg Otto*s UL genAnnt m-ird, HarimoU und Do&>enbeim, das von dem 
Bischof von MeU an die Gimfen von McU und Dag^burg au »geliehen vard und 
noch deren Aussterben cingeiogen und späteihin an die Herren von Lichien- 
berg verpfändet war (vcrgL auch Schöprtiu Alf. ill. II, 221 ff-h sowie Buchi- 
Weiler» Ingweiler, Ober- und NtedenuUbocK welch* beide Dörfer früher dl« 
Herren v. BUmont hatlen» Mcnchhofcn. Utwciler und GichtMrciler, bei den 
Heiten v, Ocht«iisLein Eckwersheim und Geudertheim. Bei IcUterem Dorf 
tritt das VerU&ltoli insofern recht deutlich hei^ori aU die Miniaieriaten v. 
Geudertheini xu den üUesten Burgmanncn von HairenAU gehörten und das Dorf 
tnr HkUte dem Reidi als Recln ner geh<^fle. Hier hallen 

also der LUticlburger und Stain 1 t. über diese Verhält- 

nisse werden wir erst Klarheit gewinneni wenn wir Regesten dieser Dynasten- 
4^rsdilechtc^ haben. 

I) •GreteD4 sind die Stapeln der Freitreppe, die tu der Burgkapelle 
Idnauf fahrte ^Batt 1. U7K wo dA% Schultheissengericht tagte. Die Zu- 
iHwtdifVrit diese* Gericht» für ilie »Pflege- Hagenau t*t gane richtig angegeben, 
dir hkfit dt-a Kdaigs am Rhein ist natürlich s-agenhafl, wenngleich 

VVi 1 Holland od«- Richard v. Cornwallit gemeint sein köJinlen, sie 

fcind bcfdf für S9 Stadt von groaier Bedentttng gewesen. Ein bestimmter 
Akt der Einsetzung ist nicht nachweisbar, et ist das ursprüngliche Burg* 
mannengericht, wie e» 1220 tutr«t nachweisbar ist (v^rgl. Batt II« p. 6f und 
dessen Kompvt«*iijic luh wohl von Anfang an Ührr das insammenh&ngende 
stautifche lertU^tHtim der twei be*. drei K6ntgsh<Vfe trstreckir. 



402 Witte. 

gemacht, die besessen das geriecht und regierten die statt 
alleyne und luttent in keynen ratte doz&mole untz ufF die 
stunt, das zfi den obgenanten schefFen 24 parschonen 
gemacht wurdent von den hantwercken, die mit den Schöffen 
den ratte besytzen solt(ent).*) 

Die Stadtchronik schliesst also in ihren thatsächlichen 
Angaben ab mit der Ratsemeuerung und Vermehrung des 
Jahres 1324, die nunmehr ausführlich auseinandergesetzt 
wird, und läuft somit zuletzt in ein Stück Stadtgeschichte 
aus. Damit haben wir uns hier nicht zu beschäftigen, 
wohl aber die Frage zu erledigen, ob in der Stadtchronik 
ein historischer Kern vorhanden ist. Nach ihrem Wortlaut 
handelt es sich nicht etwa um eine Neubildung der Ge- 
schichte, sondern sie berichtet lediglich das, was die Alten 
sagen: sie giebt die Tradition über den Ursprung der Burg 
wieder, wie sie im Anfang des 14. Jahrhunderts verlautete. 
Zunächst scheidet aus der historischen Betrachtung der 
Versuch, den Namen der Burg an eine besondere Ver- 
anlassung zu knüpfen, die in dieser Stadt des Waidwerkes 
natürlich ein fröhlicher Jagdzug gewesen sein muss; denn 
der Name Hagenau ist geradezu als ein Gattungsname zu 
bezeichnen, den solche auf einer rings von fliessendem 
Wasser umgebenen Waldinsel gelegenen Orte tragen.^) In 
der That findet man diesen Ortsnamen überall in Deutsch- 
land in waldiger Gegend angewandt, zum Teil noch in der 
ursprünglich vollen Form in Baiem, Ober- und Nieder- 
österreich, im alten Frankenland und bis in die Land- 



») Diese Ratserweiterung vollzog sich 13 17— 1332. Vergl. Batt I, 259. 
Daraus ergiebt sich das Alter der Vorlage, aus welcher die Stadtchronik 
abschreibt. Auch bei dieser Vorlage möchte ich noch eine Alters- 
teilung vornehmen. Das Hauptstück von der Gründung der Burg bildet einen 
Teil für sich; was dann noch über die Gründung der Stadt Hagenau gesagt 
wird, ist nichts als ein Anhängsel, das später angefügt ist, und zwar möchte 
ich vermuten, dass diese Chronik von der Gründung der Burg die Ein- 
leitung des ältesten Copialbuches bildete, das wahrscheinlich identisch ist 
mit dem antiquissimum manuscriptum, von dem in den städtischen Auf- 
zeichnungen Öfters die Rede ist; dann wäre als Seitenstück in der nämlichen 
Weise unsere Stadtchronik der letzten Redaktion des Statutenbuchs voraus- 
geschickt. — *) Das ergiebt sich mir aus einem Vergleich über das Vor- 
kommen dieses Ortsnamens, soweit er sich in den grössern Urkundenbüchem 
vorfindet. 



Der heilige Forst imd seioe ältesten BesiUer. 



403 



Schäften ursprünglich slavischer Zunge, wohin ihn der 
deutsche Ansiedler aus der Heimat hingetragen hat,^) Zu- 
sammengezogen ist der Name zu Hanau geworden 2) und 
im waldreichen Thüringen, wo die weichere Form Haginau, 
Haginowa vorwaltete, ist daraus Hayna, Haynau geworden.») 
Am trefflichsten klingt aber die ursprüngliche Bedeutung 
durch, wenn von einer insula de Hagenowe verlautet.*) 
Demnach muss man es ablehnen, bei unserem Orte auf 
der Moderaue nach einer besonderen Veranlassung für die 
Namengebung zu fragen: der Name ist hier wie anderswo 
aus der I-age des Ortes erwachsen, und es bedurfte nicht 
des Jagdzuges unsers Herrn von Axone» um diesen Namen 
aufzubringen. Und wenn nun eben derselbe Mann bei der 
Betrachtung der Örtlichkeit auf den Gedanken kommt« wie 
gar wohl eine kaiserliche Burg hier stände, so hat sich 
unter der Hand der geheimnisvolle Herr von Axone um- 
gewandelt in Kaiser Friedrich Barbarossa, der die Burg 
auf der Moder gar herrlich ausschmückte, und was die 
Stadtsage hier erzählt, ist auf die Pracht der spätem 
Kaiserburg zugeschnitten. So bleibt also nur noch übrig 
die Persönlichkeit des Herrn von Axone als Erbauers der 
ursprünglichen Burg und die Thatsache, dass der Burgen- 
bau dem Stadtbau vorausging. 

Wer ist nun dieser Herr von Axone? Man wird selir 
rasch fertig und nichts ist leichter, als %venn man ihn nach 
Art gewisser Kritiker einfach fiir ein Sagengebild nimmt, 
um das man sich nicht zu kümmern braucht. Das heisst 
den gordischen Knoten zerhauen, wir wollen lieber ver- 
suchen ihn zu lösen. Dass der Name in dieser Form ein 



*) Zum Beispiel Hftj^mow in Mccklenbui^. — *) Es ist da merk* 
würdiges ZtLsammentreflfeii« dA$s die Henen « 1 läge q au- Haß au a.n der Müd* 
düng der Kinzig in den MAifi ^»pdiierhiii die RechtsnucUrolger und Erben der 
Herren von Lichicnbcrg im Umkreis **on Hagenau geworden sind- — *) Das 
«iieht man am bcfCeu aus tlcm Rejfi^ter des neuen IrelTUchen Regeste nwerkes 
van Doliettecker, Reijcsta dipt llmrtni^^tae. — *) In OberA«treieh bietet das 
Urkunde nbudi ol> der Ktio» die nötigen l^r\e^, Abgesehen von den mJlch* 
tilgen Dynasten von H agenau am Inn, die im Bereich des Bistums Pamu 
eine grosse Rolle spielen, gab es auch In Niederostreich ein MinbleriAlen- 
geschlecht von lUgenan. — Noch will ich bemerken, dass sich anch im 
Elsass der Name »usier dem untergegangenen Hagenmu bei Berfheim als 
Flurname bei RappolUweiler voriindeL 



404 



Witte. 



Unding ist, liegt auf der Hand; vielleicht wird aber die 
Persönlichkeit des Erbauers der Burg etwas greifbarer, 
wenn wir versuchen, ihre Geschichte weiter hinauf zu ver- 
folgen. Dann fallen die Staufer fort und es bleiben übrig 
die Salier und die Grafen von Mümpelgart. Dabei begehen 
wir keinerlei Geschichtsklitterung, denn die Burg ist 1144 
vorhanden; wann sie aber erbaut ist, darüber verlautet 
nichts. Und nun sprechen eine Reihe von Erwägungen 
dafür, dass wir den Zeitpunkt ihrer Erbauung erheblich 
weiter hinaufzurücken haben. Das weite Gebiet der beiden 
Konigshöfe Schweighausen und Morschweiler bedurfte eben 
so sehr eines administrativen Mittelpunktes wie eines mili- 
tärischen Stützpunktes '), und diesen Bedingungen entsprach 
die Burg Hagenau in ganz vortrefflicher Weise. In der 
Rheinebene war kaum ein besserer Punkt zu finden als 
diese auf hohem Ufer gelegene Moderinsel: allenthalben 
war die Moderburg von sumpfiger Niederung umgeben 
und nur auf schmalem Steig zu erreichen. Und nun 
möchte ich doch betonen, dass der Wildreichtum die 
früheren Eigentümer ebenso sehr in diese unwirtliche 
Gegend locken musste wie später die Staufer. Insofern 
ist diese Hervorkehrung des jagdlichen Gesichtspunktes in 
der Gründungsgeschichte der Stadt keineswegs zu unter- 
schätzen, wenn man auch ablehnen muss, die Entstehung 
des Namens darauf zurückzuführen. 

Hagenau war und ist wie kaum eine andere Stadt 
eine Stätte des fröhlichen Waidwerkes. Wie sehr das 
Sinnen und Trachten der Jagdberechtigten in der ersten 
Zeit der Stadt davon erfüllt war, lehren die in der Münz- 
stätte auf der Burg zu Hagenau gegen Ende des 12. Jahr- 
hunderts geprägten Münzen^), die wohl einzig in ihrer Art 

') Hochfelden selbst muss früh befestigt gewesen sein, wie es denn mit 
Schwindratzheim schon früh in Besitz städtischer Rechte gelangte. — *) Ich 
verstehe von Numismatik wenig oder gar nichts und berufe mich hier auf 
die Autorität eines so hervorragenden Kenners wie Herr Nessel es ist. 
Dass in der zweiten Hälfte des 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts sich in Hagenau auf der Burg eine Münzstätte befand, war bisher 
gänzlich unbekannt und stellt die Bedeutung von Hagenau in dieser Zeit in 
ein charakteristisches Licht. Herr Nessel hat eine Reihe höchst interessanter 
Münzen mit dem Hagenauer Stadtwappen, beziehungsweise der Hagenauer 
Rose aus dieser Zeit in seiner sehenswerten Münzsammlung. 



Der heilige Forst und Mine ältesten fiesitter. 



405 



dastehen dürften. Und nun wundere man sich nicht, dass 
die Jagd in der Gründun gsgreschichte dieser Jäg*erstadt in 
solchem Masse hervortritt. Irgendwo mussten aber die 
Herren dieses weiten Jagfdgebietes ihren Sitz haben, von 
wo sie auf die Sauhatz ziehen, von wo sie den Falken 
steigen lassen konnten. 1) Dass es Schweighausen gewesen 
wäre, dafür fehlt jeglicher Anhaltspunkt Wo konnte man 
eine bessere Stätte finden, als hier am Rand des Forstes 
in dieser Burg, die allen Bedingungen entsprach, welche 
man überhaupt nur stellen konnte! 

Und nun sind auch noch die politischen Verhältnisse 
ira letzten Drittel des n. Jahrhunderts zu erwägen, als der 
Investiturstreit hier im Elsass tobte wie kaum irgendwo und 
dem Kaiser und seinem Schwiegersohne Friedrich von Staufen 
die Grafen von Egisheim und Mümpelgart aufs schärfste 
gegenüberstanden. Die Bauernschaft in den zu den Königs- 
höfen gehörigen Dc>rfem, die später die *Pflegec 1 lagenau 
ausmachten, spielt in diesem Kampfe eine bedeutsame 
Rolle, und es will nicht recht in den Sinn» dass es diesem 
weiten Gebiete an einem militärischen Stützpunkt gefehlt 
hätte. Wohl aber bietet sich ein anderer Gesichtspunkt dar: 
es ist bekannt, wie hier im Unterelsass die Gegner des 
Kabers den kürzern zogen; damals mögen die Graftfn 
von Mümpelgart, die doch wohl für Egisheimer zu halten 
sind'), aus dem Besitz der Burg zu Hagenau verdrängt 
worden sein.^) Diesen allgemeinen Erwägungen kommt ein 
höchst wichtiges und bisher nicht bekanntes Zeugnis zu Hülfe. 



') Ich büi von Herrn Nesfd »Qf fli«i Mättten dieser Art «itfmerkiatn 
gcnaocht, die aus der&dben Zeit sUmmeiu Auf iler «inq^wird der Kjmpf 
«wischen einem WiU*thwein und einem Jlgtr dargestellt, d«r mit einer 
Mordaxt i^uf Hieb und Stich einffen'chtet) ru5cHl!i^*l, Aul der «weiten erbliclct 
mjin ein Wildschwein von einem Jagdhund iretfalgt. Aai der dritten Muni« 
fiieht man endlich einen Jai^dblken »uf einen iindetn Vogel »toü&cn, 
dai wischen die Ha|;eD«iier Rot«, Die Mannen, gtpr&gl in d«r MitntstBtto 
auf def Hai;ctiii|ier Burg, m\i\ iichon vor llngrer Zeit gefunden und befinden 
sich in den X^^nikAhineitcn im KjirUiuhe und Donaue*chingen. Vgl anch 
L. Müller, Der Fund von Bctgbieten, Straa*burg l8*>7 S, J, — >) Vergl, 
den Exknrs. — ') Vielldcht aber doch oicbi ganz volUiändig. Ich knöpfe 
hier an eine frahere Bemerkung an und möchte mir die Vermutung erlaubet, 
da»« der Bargensiti der Herren v. Lichtenberg und Ochisenkteiu vielbicht aui 
ihre Eigenschaft al» Metter Lehnimaunni für Teile der Luiielburger Erbschaft 



4o6 Witte. 

In einer cedula, die einem Testament vom 13. Februar 1440 
angeheftet ist und in diesem Testament erwähnt wird, somit 
wohl als ein Kodizill zu betrachten ist, heisst es: Item 
60 güldin sol man anlegen und zinse darumb koufiFen und 
sei dieselbe zinse geben eime cappelan, der do sige ein 
weltlich priester zfi Hagenau uff der bürge mit namen 
uff den altar den do hobest Leo gewihet hat, sol 
derselbe cappelan messe haben, i) 

Dies Zeugnis ist zwar spät, aber die Art und Weise, 
wie es gegeben wird, lässt uns über den Mangel an Gleich- 
zeitigkeit hinwegsehen: es ist nicht etwa ein beabsichtigtes 
Zeugnis, das uns verstimmt und misstrauisch macht, sondern 
gelegentlich erfahren wir als etwas ganz Selbstverständ- 
liches, dass Bruno von Egisheim und Dagsburg, der spätere 
Papst Leo, hier in der Burgkapelle einen Altar geweiht 
habe. Und diese Beweiskraft wird nun auch in anderer 
Weise erhärtet. Es ist bekannt, wie Bischof Bruno von 
Toul auch als Papst die Liebe für seine schöne Heimat 
bewahrte. Ebensowenig vergisst er die zahlreichen Mit- 
glieder seines hochangesehenen Geschlechtes und wieder- 
holt giebt er der zärtlichen Neigung zu seinen Angehörigen 
urkundlichen Ausdruck. Diese Liebe zu seiner Heimat und 
zu seinen Angehörigen bethätigt er bei seinen wiederholten 
Besuchen des Elsasses in einer des Papstes würdigen Weise, 
indem er überall Klöster, Kirchen, Kapellen und einzelne 
Altäre weiht, und zwar ganz besonders in den von seinen 
Vorfahren und Verwandten herrührenden Stiftungen. Somit 
erhält jene Nachricht ihre innere Beglaubigung durch diese 
M. M Gepflogenheit des Papstes, und jeder Zweifel in dieser Hin- 

sicht muss schwinden, wenn wir bedenken, dass die 
Eigentümer dieser Burg zu den nächsten Ver- 
wandten des Papstes zählten. An Kaiser Heinrich HL 
als Burgherrn ist dabei wohl nicht zu denken, wohl aber 
an Graf Ludwig von Mümpelgart^), den Gatten der Sophia 

zurückzuführen ist. Es ist immerhin bezeichnend, dass sie die einzigen 
freien Herren mit Burglehen sind, während alle übrigen Burgmannen ehemals 
staufische Ministerialen sind. 

') Ich verdanke dies Zeugnis der freundlichen Mitteilung von Herrn 
Abb6 Hanauer. — ^ Über seine Verwandtschaft mit dem Papst vergl. den 
ersten Teil dieser Untersuchung. 



Der heilige Forsl und seine ältesten Be&itoer. 



407 



\\ Bar, die ihm ihr Drittel an dem heiligen Forst zugebracht 
hatte. Der Papst hatte wohl einen doppelten Anlass hier 
dasselbe zu thun, was er zu Kloster Hesse, Altorf, 
Woffenheim und in anderen Stiftungen seiner Angehörigen 
gethan hatte.») Denn wenn nicht alle Zeichen trügen, 
gehorten die Grafen von Mümpelgart einem Zweige der 
Etichonen an. der sich allerdings bereits lange vor Papst 
Leo abgezweigt hatte; ausserdem stand Graf Ludwig selbst 
in nächster V^erwandtschaft zum Papste-), und Leo IX, 
that in der Burgkapelle zu Hagenau nichts andres, als was 
er in der Pankratiuskapelle auf dem Schloss seiner Ahnen 
zu Egisheim gethan hatte. 

So würde man also das Alter der Burg in die Zeiten 
Konrads II. und Heinrichs III. zurückverlegen dürfen, und 
man hätte sich also den Grafen Ludwig als Erbauer zu denken» 
denn vor ihm war der heilige Forst mit dem Königshof von 
Schweighausen in Händen von Geschlechtern, die nicht in Be- 
tracht kommen können. Als Etichonen nannte ihn das Volk 
einen Herrn von Egisheim, wenn es ihm einen Zunamen geben 
wollte. Die welschen Beziehungen des Geschlechtes nach Mont- 
behard, Mongon, Mousson und Bar waren auch später noch 
dem Volke nicht geläufig, und selbst die Sohne und Enkel 
des Grafen Ludwig werden ohne ihre Beinamen in der 
Regel schlechtweg mit ihrem Vornamen genannt» bis Graf 
Peter sich nach Lützelburg benennt. Wir werden jetzt 
auch nicht mehr in Verlegenheit sein, wie wir diesen 
Herrn von Axone unterzubringen haben; aber man kann 
sich sehr wohl vorstellen, wie man etwa im 15. Jahrhundert, 
nachdem man die Kenntnis des Zusammenhangs verloren 
hatte« der jetzt erst wieder aufgedeckt ist, vor diesem 
Namen hilflos wie vor einem Ratsei stand« ihn sich mit 
Attone mundgerechter zu machen suchte, um wenigstens 
den ^Vnklang an einen Vornamen zu erlangen, während 
der Name in der Berner Handschrift nun gar bedenklich 
an das mosaische Zeitalter anklingt. Der Schritt von dem 
FumiUennamenp der durch das >van« bedingt wird, zu dem 



') Vgl bierOber den Aolnt« von Stlmlti*. P. Leo IX. nnd die El&Litiichcn 
Kirchen in Martin u. Wiegand, ^ t Studien II, 7S ffl — ») VgL die 

Ausfuhning^n in Teil I dic«er l ' mg. 



4o8 Witte. 

Personennamen war jetzt nicht mehr weit, und es ist etwas 
scherzhaft, wie der brave Batt sich damit abfindet: er 
meint, das »von« sei in späterer Zeit aus Ehrerbietung" 
eingeschoben, so gewinnt er den Herrn Axone, der ihm 
»der geschichtliche Agino und Hagen« aus dem Nibelungen- 
und Waltharilied ist. 

So wären wir denn glücklich bei dem grimmen Hagen 
von Tronje angelangt. Dahin wollen wir dem patriotischen 
Hagenauer aber nicht folgen, und er selbst wurde sich 
jetzt auch wohl trösten, wenn er für den bösen Hagen den 
heiligen Papst eintauschte. Auf der andern Seite muss ich 
nochmals nachdrücklich betonen, dass es keineswegs an- 
gängig ist, den Namen einfach über Bord zu werfen. Das 
erste Drittel des 14. Jahrhunderts war nicht so weit von 
den Anfängen der Stadt entfernt, und die Stadtchronik 
erzählt nur, was die Alten sagten. An und für sich lag 
es dem Hagenauer Bürger unendlich viel näher, an den 
Staufer Friedrich als den Gründer ihrer Stadt auch die 
Gründung ihrer Burg anzuknüpfen. So hat es denn auch 
die spätere rationalistische Geschichtsforschung gemacht. 
Sie hat einfach für den Herrn von Axone den Herzog 
Friedrich eingesetzt; in dieser Form wird noch heutigentags 
die Gründungsgeschichte verabreicht J) und anders war sie 
bisher auch nicht bekannt. 

Denkt man nun aber an die Eigentümlichkeiten des 
alamannischen und besonders des elsässischen Dialekts, wie 
er geneigt ist, die Endungen zu verschleifen und nament- 
lich die so gebräuchliche Endung heim einfach in ein e 
ausklingen zu lassen, — ein klassisches Beispiel ist Schilke 
für Schiltigheim — , wie er andrerseits Vokallaute wie e in 
Rachentönen zum Ausdruck bringt, so kann man nach den 
vorhergehenden Ausführungen in der Deutung des Familien- 
namens Axone keine Schwierigkeiten finden, namentlich 
wenn man ausserdem noch die Unkenntnis und vielfach 
mechanische Thätigkeit des Abschreibers in Erwägung zieht: 
o und e stehen sich in der mittelalterlichen Schreibung und 



*) In dieser Form finde ich sie kurz angedeutet zuerst in Herzogs 
Edebassischer Chronik und in Schöpflins Als. ill., in derselben Weise zu- 
gestutzt findet sie sich in den Schullesebüchern. 



Der heilige Forst und seine ältesieo Besitzer. 



409 



speziell in dem Texte selbst sehr nahe; Axone, AKene 
ist nichts anders wie Egisheim. Wer sich heutzutage 
auf den Wegmacht nach Egisheim und einen unverfälschten 
Sohn des Volkes nach dem Orte Egisheim fragte, würde 
wohl schwerlich eine zutreffende Antwort erlangen; sobald 
er aber nach Axene, Axe fragt, wird man ihm unfehlbar 
den Weg nach Egisheim zeigend) Und so steckt denn 
ja auch in den bekannten ^Drei Exen«, der Pluralform von 
Axe, Axene, nichts anders als der Name für die Egisheimer 
Schlösser. Dem Namen Egisheim wird man aber gewiss 
nicht die Lebenskraft absprechen können, zumal wenn wirk- 
lich Graf Ludwig ein Etichone war. Und darin liegt nun 
der beste Beweb für das Zutreffende unserer Beweis- 
führung» dass sich alles ganz vortrefflich zu einem Gusse 
zusammenfügt^ das spätere Zeugnis, die Stadtchronik 
selber und die thatsächlichen Verhältnisse, 

Dabei bleiben die Barbarossaschwärmer doch im Recht. 
Diese alte Burg war natürlich nur in ganz bescheidenen 
Verhältnissen gehalten: man braucht in dieser Hinsicht 
nur an die eigentliche Stammburg zu Egisheim zu denken.^) 
Über die Beschaffenheit der Kaiser bürg zu Hagenau ist 
ja unser Wissen eitel Stückwerk: wir wissen nur, dass die 
Burgkapelle, wie sie Friedrich Barbarossa gestaltete, all- 
gemein angestaunt wurde nicht nur wegen ihrer Bauart, 
sondern ebensosehr wegen ihrer prächtigen Ausstattung. 
Sie war ein würdiger Aufenthaltsort für die Insignien des 
heiligen Reichs^^) Es war ganz natürlich» dass auch diese 
Stätte des Glanzes und der Herrlichkeit des deutschen 
Vaterlandes dem Vandalismus Ludwigs XIV. zum Opfer 
fiel sie wurde in den Fundamenten von Fort*Louis ver- 
graben. Aus den Trümmern, wie sie in den letzten Jahren 

'') Auf diese Erkllnitig h»btn mich die Herren Hanauer und Nessel 
attfmerktttin ijemAcht, - *) Eloen Rist d«r Huiis foidct man bei Bmcker, L'Aliace 
et r^glise au temps du t)ape laint I^oii IX. Diet Werk enUpricht vortrefflich 
ffftn^ösisiermden Zwecken der Erbauung, »*>er wtssenschafUich bringt es ausser- 
ordentlich wenii;. — *) Dal»^i wiU ich dinh hemetk«fn, dasv Pfarrer Guerbcr 
in seiner MilleUung ««iaes »{»enaueti« Ahttsse» «vuii HohensUulTei burgschlo^ 
i Sil Hagenau« wie solche« i«n Jahr 16 1^ von St>Jergen Kirchihurn fu »chauen 
|t«t« im Bulletin der sodet^ des mc»n, hial. d'Ahace II ^rie 7. %*ot., ebenso 
wi« leider auch der tnä^Uctte Bau aauh MUtetiuug von Herrn Nestel eitler 
l Fiktion sum Oi^ifer gefallen iiod. 



M 



t 



i 



410 Witte. 

ZU Tage gefördert sind und leider vielfach zu höchst 
profanen Zwecken der Landwirtschaft verwandt werden, 
kann man noch heutzutage die hohe Pracht des gewaltig'en 
Steinbaus, wie ihn die Stadtchronik selber andeutet, erkennen, 
wie sie nicht bloss nach aussen zu Tage trat, sondern ebenso 
im Innern vorherrschte. Diese reich verzierten Kapitale in 
Steinmetzarbeit, diese mannigfache Ornamentik, wie sie 
vorherrscht und sich in derselben Weise wieder vorfindet 
an der Georgskirche, zeigen, dass Barbarossa einen voll- 
ständigen Umbau vorgenommen hat.^) 

Von grosser Wichtigkeit wäre es, wenn sich einiges 
über die Gründung der Stadt ermitteln liesse. Das um- 
fassende Stadtrecht, das Kaiser Friedrich 1 164 an Hagenau 
- gab, vermag darüber einigen Aufschluss zu gewähren. 

m Die deutsche Übersetzung, die ich im Folgenden aus dem 

:' , Stadtchartular mitteile, ist zwar nicht gleichzeitig, aber da 

sie aus dem 14. Jahrhundert herrührt, immerhin noch alt 
genug, dass sie als die authentische Interpretation der 
Quelle des Hagenauer Rechtes seitens der Bürgerschaft 
gelten darf; gewiss hat es auch einiges Interesse, wie die 
Bürgerschaft einzelne Bestimmungen des Stadtrechtes be- 
griff oder wie sie dieselben nicht begriü. So ist für ein- 
; \ zelne Rechtsverhältnisse das Verständnis abhanden cfe- 

ifv} kommen, wie denn z. B. der burgensis, der staufische 

Ministeriale und Burgmann, nicht mehr bedeutet wie jeder 
andere Bürger schlechtweg und demnach mit Bürger über- 
setzt wird. Das entspricht den Vernältnissen einer späteren 
Zeit, aber nicht denen des 12. Jahrhunderts bei einer von 
Haus aus hof hörigen Bevölkerung. 

Inhaltlich zerfallt das Stadtrecht in drei Abschnitte, 
die ich als A., B. und C. kenntlich gemacht habe; aus 
demselben Grunde sind die einzelnen Bestimmungen mit 
Nummern versehen. 

*) Es ist wiederum Herr Nessel, der auch diese Zeugnisse io Stein 
einer glänzenden Vergangenheit vor dem Untergange gerettet hat. Noch etwa 
ein Viertel der Fundamente ist unberührt; es wäre sehr wünschenswert, 
wenn von Staatswegen hier die weiteren Ausgrabungen vorgenommen würden. 
Hier lande die Soci^t^ pour la conservation des monuments historiques d'Alsaoe 
einmal ein lohnendes Feld ihrer Thätigkeit! 



Der heilige Forsi uad »eine ältesten Besitzer. 



4M 



Die alte friheit von keiser Friderichen. 

Ks zimeL wol keyserlichcr rotUckcit wol tön den, die dem rkhe th 
allen zilen yeiiuwe »ini, davon ist dai m Stmsburger BUt&m an der ilai z& 
Hagenowe*), die unser vatter hertzoge Friderich seligen von erst 
mähte in keyscr Heinriche* gesite und ly in ir reht aatte; d*i 
selbe welleu wir stetigen so mit redelicheit des rehtes so mit bestetikeit 
unser« gewaUes. Darumbe tun wir kunt den gegenwertigen und den kiliif* 
ligeu, wclhrc ertzbischof oder bischof, hertzoge oder margrafe, grofe oder 
welre ander man weltlich oder geistlich« kleine oder groE dise ding getAr 
brechen, der hat an dem Kiche gebrochen. 

Wir wellent, daz die vorgenante stat und daz voig daj do wonet habe 
das recht*): 
A* h Welre arm oder rieh, er sie ein gast oder dannan geborn. woocii 
wil in derselben stat, der sol sime herren den er anhöret antwurtcn 
von sime Übe und von sime ligendc gftle» aber von »ime varendeo 
g&tie antwurte er siner meisterschaft und der stat th der er sich 
geniachet het,*) Hei er aber zinsig erbe, so widersprechen wir daa 
oihtf er s411e das recht des zinses» der ime ufgesat ist, gelten als es 
recht ist vor dem richler der da über gesät ist Aber von 
sime Übe» ist da» er ein sthift anhftret« sol er geben »in gesät recht 
nach zinslicheme sittcn« 
H* Indaz wer gctniwer man^l do sitzet, der sei fry silzin von alme 
gewer0e oder schatzuoge und von der bes werde, daz er ieman her« 
berge wider sinen willen, es si in der stat oder da uße. 
HI, Swer da itirbet, von des gfite soll dehein mensche todesrecht nemen 
danne sine erben^ obe er erben hat* Ist aber, also dicke geschihi, 
daz sin elichen erben nicht sint gegenwertig, so sol man in de% 
gerichtes gewalt de&^lben mannes gut antwurten zu ratnnist vor 
syben getruwen mannen von derselben stat*>, daz es der rihtet ane 
minrunge behalte ior und tag. Und ist daz in demselben zil Ieman 
säcb dar antwortet umb« des toten gfti in erbes recht, beiieret der, 
dater d«t toten erbe sy« so sol mmn ime daz erbe alles geben ane 
allen widersata: ist aber daz von nieman indewendig dem zil das 



') in Villa que dicitur H. — *) H<c autem iuris predicte villc 
cum populo hanc inbabitaote decemimos. villa, locus und zum 
Schluss civitas sind die Beieidiiiuiigen fUr Hagenau. ^ *) magiilntiu 
suo respondeat et loco ad quem se transtulit, Duich dit Über- 
seuung von locus mit stat, in welchem Sinne das lateinische Wort 
i»onst gebraucht wird, wird diese Bestimmung sehr unklar. Aus C Itl. 
geht hervor, wie der Begriff maifisttattis utid locus zu fa^^en ist. Die Hand- 
werke oder richtiger die vcmchiedenen Bcschäfügungsarten innerhalb der 
Siadt waren bereiU organisierl, aber sUnden noch unier der Gewalt des 
Stadtherm und des von ihm gesetzten Beamten, des Schuliheissen. locus 
bedeutet hier die Stltte, d^ h. K^irpei schalt der Gewerbetreibenden, der sich 
der Keube wohner angeschlossen hat — *\ huius loci incola tidelis. — ') coram 
mä nlous Septem eiusdem loci hdelibus. 



i 
A 

;i 



412 Witte. 

gut wurt gevordert in erbes rechte, so» sol es verüben in des 
rihteis gewalt. 

IUI. Alle die da wonent, die süllent in allen enden unsers riches ledig 
sin von alleme zolle und von alleme geleite, da sy ir gut verkouflfent 
oder f&rent; welre aber es gebe, der sol alles sin gut verlorn han, 
und so mens befunden hat, donach in den ahte tagen sol man in 
scheiden von der bürgere genozschaft ') und hinußer den zilen 
derselben stat 

V. Swer iht schulde schuldig waz, do er in die stat zoch da ze verüben, 
so der da burgerrecht gewinnet*), wurt er angesprochen von sime 
borger, so sol er ime antwurten nach rechte. 
VI. Ein iegelich erber man burgerrecht^) da gewinnet also, daz 
er gebe dem büttel*) einen pfennig und den burgern einen umbe 
wahs z& der kirchen. 

VII. Welre aber in der stat wonet tmd einen burger zu rede setzet vor 
welme richter ussewendig des umbegriffes der selben stat^), 
der sol in öch ledig machen vor demselben rihter und sol geben 
sime gesatten rihter drü phunt 
VIII. Von unßre miltekeit den walt, der bi der stat üt, han wir gelaßen 
ze stiire sin den lüten die da wonent, also das ir iegeücher holtz 
dinne gewinne des er z& notdorft bedarf zu büwenne oder z& 
bümen; howe*) also viel als sie bedurffent, süllent sie da sammen. 
Doch sol man daz laßen, daz ieman sine hant iht lege an ein eich 
oder an ein b&ch, es si denne zCi buwenne. Swin und ander ir vihe 
alles one schof süllent si friüche weiden unvertzigen des hirtin 
lones.^ 
Villi. Allen den, die derselben stette market sftchent^), gebe wir mit kciser- 
lieber mankraft vesten friden lybes tmd gutes dar und dannen dri 
milen alumbe und swer das frefelichen brichet, der hat an daz riebe 
geraten. ') 
X. Kein keyser und nieman der bürgere, der an unser stat da gesät 
wurt>^}, soll die burger an irme kome es sie gelroschin oder un- 
getroschen, es si grftne oder dürre, oder an dem howe, es sie 



<) a consorcio ceterorum concivium extra eiusdem loci terminos. 
Hier ist zum ersten Mal von dem civis und von der bürgerüchen Gemein- 
schaft die Rede, während bis dahin das Wort vermieden ist. — *) commu- 
nicato iuris atque consorcii civium privilegio. — •) civilis iuris communionem. 
— *) preconi. Batt übersetzt willkürüch den preco mit Heimburger. — 
*) extra ambitum ville. — *) fenum. Das ist die berühmte Streu, die in dem 
wirtschaftlichen Leben des Kreises Hagenau eine so grosse Rolle spielt. — 
^) Dies Nutzungsrecht entspricht in der Hauptsache demjenigen, das auch an 
die Klöster Walburg und Neuburg verliehen war. — «) loci forum peten- 
tibus. — •) reus sit maiestatis. — *o) nee aliquis burgensium vice nostra 
ibidem locatus: Das wäre der Vogt, der sich sonst unter dem iudex, dem 
ordentlichen vom Stadtherm seiner ursprünglich hörigen Einwohnerschaft 
gesetzten Richter, verbirgt. 



Der heilige Forst und seine ältesten Besitzer. 4 iß 

gesammet oder niht, oder an anderm irme g&te iudewendig des um- 
begrifFes derselben stat oder ußewendig geleidigen. 
XI. Desselben rechtes machen wir deilhaftig alle, die da wonent umbe 
daz brüch daz an derselben stat lit ußewendig, und die, die 
umbe den spittal sitzent*) 
B. Danach von unßre gerehtikeit setze wir daz recht also: 
I. a) Wurt ein manslehtig') da fanden und begriffen, dez höbet sol 
man verteilen ane widerspräche. Sin varende gut sol der richter 
ziehen in sinen gewalt; sin ander erbe sol man geben sinen erben, 
die in zu rechte erben süUent. Ist es daz er erben niht enhat, so 
sol man daz erbe t&n in den gemeinen nutz derselben stette, doch 
in der wise also hievor geschriben stat, daz in des richters gewalt 
daz erbe si iar und tag, obe ieman in dem zile komme der daz 
bewere, daz er des toten erbe sye, daz man ime daz erbe gebe. 

b) Ist aber daz der den dotslag hat getan, der penin entpflühet und 
engat, so ist er schuldig, daz er hat, an daz riche geraten mit 
allen den, die in mit herberge oder mit welicher geselleschaft 
entpfahent. 

c) Der da entpflühet, getruwet er siner Unschuld, so daz er wider 
in kummet und sich verantwurtet an gerihte, so verhenge wir, 
daz er sine unschult urzoige und küntlich mache ufFe den heiligen 
selbe sibende getruwe lute von der stat; also swie er der getat 
niht enloickent, doch daz er vor werffe, daz er unschuldig sy, daz 
der anefang sin niht enwere des slahüns, demselben sol man sins 
gutes nicht nemen und sol in gesunt und gantz wider setzin als 
e in die recht und in die genozschaft der andern "burger. 

II. a) Swer wunt wirt und doch daz leben behaltet, aber er wurt eines 
glides ungewaltig, der an dirre getat schuldig ist, der hat die hant 
verlorn und sol man scheiden von der burger gemeinschaft ußer 
der stette umbegriffe, und von sime varenden gute sol man fünfzig 
Schillinge geben dem wunden, daz ander varende gut sol der 
rihter ziehen in sine gewalt; sin ligende gut sol man laßen 
sinen erben. 

b) Welre die gelide gerecht blibent und öch mit eime woffen wunt 
wurt von icmanne der an der getat schuldig ist, der hat die hant 
verlorn und also hie vorstat sol in sin scheiden von der burger 
gemeinschaft und umbe die freveliche mißetat sol er dem wunden 
antwurten an gerichte z& drin zilen; sin varende gut wurt dem 
rihter, mit dem ligenden gute du man also hie vor geschriben stat. 

c) Swer frevelichen zornig iemanne da sieht mit der hant oder mit 
eime stecken, daz er bl&trünstig wurt, der do an schuldig ist, so 
man in darumbe beklaget, der sol dem rihter geben drißig Schillinge, 
und sol man in twingen, daz er deme den er geseret hat entwurte 
umbe die beßerunge zCi drin ziln. Anders sol man ime sins gutes 

>) circa paludem extra terminos predicti loci adiacentem vel drca 
hospitale habitantes. — ^ homicida. 

Zeitschr. f Gesch. d. Oberrh. N. F. XIII 3. 28 



414 



Witie- 



rick: nexr.^. ztoch &ol m^n is scheid ez uBer der stat io dem ror- 
gtwiiiib*!: rehie. 

III. BeKia^tt t::ii barger den anders ambe schult^*, »o sol der riiiter 
gebi«::^:: dem i^hiildeDer, daz er sich setze mit dem klegere in den 
ahie tagen: io aber die ahte tage nß &int, hat sich danne der schul- 
cecer mi: dem kleger nicht gesät, &o i&t er schuldig zu befiemnge 
eimt rihter zwölf phennige und dem kleger sechs pfennige. Beklaget 
aber do ein gast einen burger. so sol der barger frist haben alleine 
iiber naht, das man die geste iLt sume. Ist aber daz ein bnrger 
einen gast beklaget, <yo mag der gast haben obe er wil frist ahte 
tage O'ler ob ime lieber ist. daz stat an siner willekür. daz er über 
naht antunirte. 

IV. Swer durch sine schalgkeit iemanne da unerliche handelt mit schelt- 
Worten, wurt der darum be beclaget und wart des uwerwunden mit 
getrnwen luten'; \'on der sut, der sol umbe die missetat beßem dem 
richter und dem kleger nach rechte. Swer aber daz t it z& einem 
mUt und f!^h z& dem andern male, ist das er zu dem dritten male 
des aber redeliche überwunden wurt und zu beßerunge vollen g&tes 
nicht inhat, dem ziehe man abe vell und fleisch und sol in ußstofien 
vür die zil der stat, so daz er swere niht wider in ze kommen. 

V. Ein unnütze frowe, handelt die üppig mit scheltworten eine biderbe 
und ein erber frowe, die des zu eim male wurt redeliche überwunden, 
die sol man scheiden ußer der stat'; in der vor geschriben wis one 
alle widerspräche. 
C. I. Ein icgelicher winman alle iar so man nuwen win geliset und er den 
verk offen wil, so sol er ruffen dem büttillc und sinem undenan und 
andern gctruwen lütcn von der stat und sol redclichcn besetzin vor 
dem rihter umbe die winmaße und M-ie iure mcn den win gebe, und 
dieselben moße, so si geordent sint, soll er völ wines geben dem 
büttille von dem ersten fuder, aber dem rihter sol er derselben maße 
geben zwei vierteil zu rechte und da nach alles das iar sol er frilichen 
win verkouffen, daz er kein rehi me also davon gebe, diewile die 
ordenunge unverwandelt ist: wurt aber die erste ordenunge ver- 
wandelt, so das man den win dürre wurt geben, so sol man nach 
dein rehte des rilitcrs und des büttcls diin von dem nieße also hievor 
geschriben stat. 
II. Wir gcbietcnt, daz man an körne und an wine halte Strasburgcr 
maße. 

III. Wir vcrlihent dem Schultheißen gewalt zu setzenne nicisterschafl*) 
ül)er die brotbecken, und so der meister in gcsat ist, so süUent si 
verkoffen brot in deme kofli'e und in der giite nach der gcwonheit 
zu Ilochvelden und zu Swindrotzheim. 

VI. Wclrc aber heran in sime ampte missctüt zu einem male und z& 
dem andern male, wurt er des mit rehte überwunden, der sol umbe 

*) Si civis a cive pro dcbitis in causam ducitur. — -) ab eiusdem loci 
fidclibus. — *) extra civitatis collegium. civitas ist hier in derselben Bedeutung 
gebraucht wie vorher locus et villa. — *) Vgl. hierzu A. I. 



Der heilige Forst und seine ältesten Besitzer. 41^ 

die missetat dem Schultheißen antwurten; wurt er aber zu dem 
dritten male des mit rehte überwunden von getruwen lüten von der 
stat, so sol der Schultheiß in sinen nutz nemen daz brot daz er danne 
gemachet het, und zu penen sol man in scheiden von der andern 
brotbecken genoßschaft. 
V. Wir verhengent, daz wanne ein keiser in dise stat vert, daz die f&ter 

'^^rkouifent, daz die zwen pfennige an eime vierteil gewinnent. 
VI. Wir gebietent ze gehaltenne ane gewin eins keisers phant sechs 
wuchen und der burger*) phant fünfzehen tage, daz men sü 16se; so 
aber dieselben zil sint ußgegangen, bedarf denne der borger phennige, 
so sol er zu ime rfiffen dem schuldener und in siner gegenwertickcit 
oder ander werlicher lüte sol er zu sime nutze ußgeben die phani. 
VII. Wir gebietent, daz die metziger verkoufTent gesunt und frisch fleisch 
oder das anders unsufers oder unreine ist, wurt er des überwunden 
von den geswornen von der stat'), den sol man ußscheiden von 
der andern gemeinschaft ußerhalb des umbegrifTes der stette. 
VIII. Ist das der keyser in die stat vert, so sol sin marschalg die her- 
bergen fridelichen geben ane der burger schade. 

Dis geschach an dem plane bi dem übiln berge') . . 

Es würde mich selbstverständlich weit über die Grenzen 
der Aufgabe, die ich mir gestellt habe, hinausführen, wenn 
ich auf den reichen Inhalt dieses Privilegs eingehen wollte. 
Das städtische Leben in Ilagenau vermögen am besten die 
unter C. fallenden Bestimmungen zu veranschaulichen. Die 
kaiserliche Pfalz bedingte den Fremdenzufluss und das 
Hervortreten derjenigen Erwerbszweige, die daraus und 
aus dem Hof- und Haushalt der Burg ihren Vorteil zogen. 
Es sind Wirte, Bäcker, Metzger, Kornhändler und Geld- 
wechsler, denen der kaiserliche Grund- und Stadtherr in 
der Ausübung ihres Gewerbes im Interesse der Gesamt- 
heit und namentlich in demjenigen der > Gäste« bestimmte 
Schranken zieht. Für die Erkenntnis aber dessen, wie es 
wohl bei der (Tründunj^»- der Stadt zugegangen sein mag, 
kommen lediglich die unter A. befindlichen Bestimmungen 
in Betracht, und zwar lässt uns in erster Linie A. VIIL 
erkennen, wie die Bevölkerung auf dem höher gelegenen 

') burgcnsiuin, also nicht der Bürger, sondern der Burgmannen, der 
Ministerialen. — -) a coniuratis civitatis . . convictus a ceterorum consorcio 
extra villc ambitum removeatur. — ») datum in piano iuxta Montcm Malum. 
Der Monte Malo ist der jetzige Monte Mario auf dem rechten Ufer der 
Tiber, eine kleine Stunde oberhalb der Peterskirche. Vgl. Böhmer-Ficker, 
Reg. Nr. 301. 

28* 



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:irih an 'irf'rr P**r:pherie ier Scadr. isc ier ".^iTTiT^.-i7t> tTsBer- 

V>a<tr', ■:w>nn er dre :z.rzzer. zi ier Scidr remcliae »HoZz- 
-,r'ic5c^- ;:v*r d:e Ifrxier Iberschreirec. " In: Säsect Senne 
'^^VrftA -^ TP^ohl kßirie einzige Scadr im Elsa« z^aea. ifie in 

rrAt ^etr. R#*r/nt^2xwtand. T^e Ihn der Begr^der ins Leben 
r:^., ^rrhalteri hat, 

t/^tTiit wird nun aber auch <£e Anrarort geg-eben auf 
di<^ f ra;^^, :va% das Bestimmende znd Entscheidende ge- 
Tur^rvrri i.^t ''iafür, dass der eine Teil der Bev!.Ik«iing des 
pr^Avr^m Has^^enowe sich von dem andern Teile abgesondert 
h^t zu dnem .städtischen Geraein^wesen. In erster Linie 
i^t f/^ flf-r umbegrifFe, der auch in den ^zilen« der Stadt 
vnn^i AuvJruck findet, die räumliche, äusserlich in die 
A'i^f'jTi fallende Absonderung gewesen, welche die Trennung- 
h'rrl'/eiführte,*) Es kann aber keinem Zweifel unterli^en. 
/la^<* Hund in Hand damit ging das besondere Recht» in 
t)i%^ \Uir7/>i( Friedrich die Bevölkerung rechts der Moder 
V5t/t>5, wodurch sie sich schliesslich doch noch weit stärker 
v</ri d*;n Anwohnern auf dem linkseitigen Moderufer unter- 
^h\(u\, und OS entsteht nun die Frage, ob sich dieses 
k\\t'Mti k^5cht der Stadt Hagenau noch in seinen wich- 

'; Vel- 'Ji*? Ainführungcn bei Batt I, passim. — •) Ob schon eine Um- 
rf»«ifi*fiirig *Ulf ic^funJcn hatte, mu»i» dahingestellt bleiben. 



Der heilige Forst und seine ältesten Besicier. 



417 



Pngeren Bestimmung-en erkennen lässL Gewisse allgemeine 
Erwägungen können immerhin den Weg zeigen zur Er* 
kenntnis dieses Rechts. 

Es scheint nicht, dass es sich um ein geschriebenes 
Recht handelt; man darf wohl annehmen, dass sich der 
Kaiser auf ein solches ausdrücklich berufen hätte. Es 
handelt sich ebensowenig um einzelne Rechtsbestimm ungen» 
sondern um dasjenige von Herzog Friedrich den Bewohnern 
auf dem rechten Moderufer gegebene Recht, wodurch diese 
aus der hofhörigen Rechtsgemeinschaft mit den Bewohnern 
des linken Moderufers ausschieden. Dies Recht findet 
seinen Ausdruck in denjenigen Einrichtungen, welche 
kaiserliche Privileg als thatsachlich vorhanden voraus^ 

"■«etzt. Da zeigt es sich, dass auch hier der Markt die 
treibende Kraft zur Entwicklung des städtischen Gemein- 
wesens ist. Der Markt wird nicht erst vom Kaiser ver- 
liehen, sondern er ist schon vorhanden. Mit dem regel* 
massigen W^ochenmarkt hängt aufs engste zusammen der 
Marktfriede; er ist nicht minder vorhanden wie die Markt- 
polizei. Man kann zweifelhaft sein, ob der *richter* eine 
neue Behörde für die Stadt Hagen au ist, oder ob es sich 
hier nicht um den ursprünglichen grundherrlichcn Beamten 

tfür das ganze praedium Hagenau handelt^ dessen Befug- 
nisse jetzt entsprechend den Bedürfnissen der neuen Schöpfung 
geregelt werden. Ganz anders steht es mit dem Schult- 
heissen: er ist ins Leben getreten mit dem Markt» mit dem 
Marktfrieden und mit dem Marktgericht; er handhabt in 
Gemeinschaft mit den getreuen Leuten der Stadt die 
Marktpolizei, wie das namentlich bei der Bestimmung über 

»das Bäckergewerbe (C\ IV.) hervortritt. Diese Institutionen 
sowie der eigene Gerichtsstand sind es, die das neue Ge- 
meinwesen ebensosehr von den alten Hofgenossen auf dem 
linken Moderufer absonderten als irgend eine räumliche 
(Abgrenzung es nur thun konnte und die mithin das Wesen 
des Rechtes ausmachen, in das Herzog Friedrich Hagenau 
♦gesÄt' hat. 
Wenn somit Herzog Friedrich der erste Begrtinder der 
Stadt Hagenau ist. so kann dennoch mit demselben Recht 
auch sein grosser Sohn als solcher bezeichnet werden: er 
hat der Stadt erst die Bedingungen geschaffen, unter denen 



4i8 



Witte. 



sie zu früher Entwicklung emporblühen konnte, er hat ihr 
vor allem die Bauten gegeben, durch die sie die erste 
Stauferstadt geworden ist im Lande Elsass und zeitweilig- 
sogar Strassburg in Schatten gestellt hat. Und so hat sie 
allen Anlass, auch heutzutage noch diese Erinnerung zu 
pflegen: sie darf sich mit Recht die ^Barbarossastadtc 
nennen. 

Excurs. 
Zur Genealogie der Grafen v. Mümpelgart. 

Seit den Ausführungen von GrandidierM hat man wenig-- 
stens hier im Elsass die Zugehörigkeit der Grafen von Mümpel- 
gart zu den Etichonen als feststehend angenommen. Die 
Zweifel, die ich dawider in meiner Untersuchung über die 
Geschichte des heiligen Forstes geäussert habe, waren haupt- 
sächlich dadurch hervorgerufen, dass die ältere Linie des 
Hauses Mümpelgart dabei nicht genügend brücksichtigft 
worden war; bei einer genauem Untersuchung hat sich mir 
aber ergeben, dass die Verhältnisse dieser Linie, so unklar 
sie auch erscheinen, eher dafür, als dagegen ins Gewicht 
fallen.3) 

Hauptvertreter dieser Linie ist 3) Hunfrid, dei gratia 
non infimis ortus natalibus, sancte Argentinensis ecclesie 
canonica nutritus, wie er von sich selber sagt, der Kanzler 
Heinrichs III. und spätere Erzbischof von Ravenna, der per- 
sönliche Gegner und Nebenbuhler Leo's IX. Welches 
Geschlechts er war ergiebt sich aus dem Eintrag des 
Zwifaltener Totenbuchs: Hunfridus de Mumpligart. 
Nach seiner eigenen Erzählung war er mit seinen Ver- 
wandten (cognati) in Streit geraten wegen seines Erbes, 
das sie ihm streitig machten: mühevoll, nach langem Recht- 
streit hatte er es durch den Spruch der Schöffen im Grafen- 
gericht erstritten. Voll Zorn enterbte er seine Angehörigen 
zu Gunsten des Strassburger Bistums, dem er 1044 zum 
Seelenheil seines Vaters Liutold, seiner Mutter Willebirg 

») L^Art de verifier les Dates i6, 172 ff. — «) Dabei bleibt aber 
bestehen, was ich in meiner Abhandlung über den h. Forst, p 234 bemerkt. 
— ^) Ich verweise auf das Kapitel: Dunkle genealogische Punkte in meinem 
Buche: Die altem Hohcnzollern und ihre Beziehungen zum Elsass. Vgl. 
auch Grandidier, Oeuvres in^dites II, 17 ff. 



Der heilige Forst und seine ältesten Besitzer. 41Q 

und seines Bruders Uotto seinen gesamten Besitz zu 
Embrach bei der Burg Wülflingen im Thurgau gelegen 
vermachte mit Ausnahme des Stiftes zu Embrach, das er 
schon früher nebst einem Hof zu Sasbach in Gemeinschaft 
mit seiner Schwester, der Gräfin Adelheid, der Domkirche 
zu Strassburg geschenkt hatte. Damit ist der Hinweis auf 
die cognati gegeben, denn eben diese Gräfin und ihre Söhne 
fochten die Schenkung Hunfrids an, und das Domkapitel 
zu Strassburg hielt es für ratsam, nachträglich um 1052 
ihre Zustimmung zu jenem Vermächtnis zu erwirken.*) 

Über die Familienverhältnisse dieser Schwester Hun- 
frids sind wir völlig ausreichend unterrichtet durch die 
Chronik des Klosters Zwifalten, das durch der Gräfin Adel- 
heid Söhne, die beiden Grafen Kuno v. Wülflingen und 
Liutold V. Achalm, gegründet worden war. Wenn Hunfrid 
sich seiner vornehmen Abkunft gerühmt hatte, so wird 
dies vollinhaltlich bestätigt durch diese Chronik: wir hören 
von zwei Brüdern, mächtigen und vornehmen alamannischen 
Grafen, Egino und Rudolf, von denen jener den Bau der 
Burg Achalm begann und dieser ihn vollendete. Graf 
Rudolf aber führte die Tochter nobilissimi comitis Liuthonis 
de Mumpilgart seu de Wulvelingin, eben jene Aflelheid, 
heim und zeugte mit ihr sieben Söhne und drei Töchter. 
Somit ergiebt sich jetzt auch die Erklärung des Familien- 
zwistes: die beiden (Geschwister waren nicht bloss die 
Erben des Allodialnachlasses ihres Vaters, sondern auch 
desjenigen ihres Bruders Uotto gewesen, der zur Fort- 
führung des Xamcns berufen gewesen war; denn nur um 
das Hausgut kann es sich gehandelt .haben, da weder bei 
den Schenkungen Hunfrids noch bei denen der Gräfin 
Adelheid und ihrer Kinder von einer Genehmigung des 
Lehnsherrn die Rede ist. Anfangs befanden sich die (je- 
schwister im Einverständnis, wie ihre gemeinschaftliche 
Vergabung zeigt, dann aber entspann sich ein Streit, der 
manche Seitenstücke hat. Da Hunfrid Geisthcher war, 
wollte ihn seine zahlreiche Verwandtschaft der Sorge für 
das Irdische überheben; darüber kam ein Riss in die 
Familie, und dabei stand Mutter Willebirg auf Seite ihres 
Sohnes. 

'I Vgl. Strassb. ÜB. I, 47 nr. 55. 



420 



Witte. 



Der Doppelname des Grafenpaares zeugt von ihrer 
Doppelstellung. An anderer Stelle*) habe ich nachgewiesen, 
dass der Familienbesitz dieses Geschlechts im Thur- und 
Zürichgau, sowie im Bündener Rheinthal, wie er nament- 
lich aus den Vergabungen der beiden Söhne der Gräfin 
Adelheid, der Grafen Kuno und Liutold, an Kloster Zwi- 
falten hervortritt, auf burchardingischen Ursprung der Gräfin 
Willebirg hinweist. Der reiche Besitz im Oberelsass, der später- 
hin noch gross genug war, dass der Enkel der Grräfin Adel- 
heid, Graf Kuno von Lechsgemünd, hier das Geschlecht der 
Grafen und Herren von Horburg begründen konnte*), muss 
hingegen von Graf Liutho v. Mümpelgart herrühren. Wir 
wissen von ihm nichts als seinen Namen; 1044 als sein 
Sohn Hunfrid an das Strassburger Domstift schenkte, war 
er tot, und da seine Kinder als Zeitgenossen des Papstes 
Leo und des Kaisers Heinrich erscheinen, vielleicht aber 
schon früher hinaufreichen, so muss man seine Blütezeit 
verlegen in die Zeit Konrads II. und Heinrichs II. Die 
Grafschaft Mümpelgart, der alte Aisgau, gehörte aber nicht 
zum deutschen Reich, sondern zum Königreich Burgund, 
und da wir zum ersten Male eine gesicherte Nachricht über 
den Mons Piligardis erhalten, da ist nicht Graf Liutho, 
sondern Graf Ludwig, der Neffe des Papstes Leo, der mut- 
massliche Erbauer der Burg Hagenau, der Inhaber der 
Grafschaft; er verteidigt 1044 jenen festen Platz mit Erfolg 
gegen den Graf Reinald v. Burgund. 

Wir würden in diese Verhältnisse viel klarer hinein- 
blicken, wenn wir etwas über jenen Uotto wüssten, zum 
wenigsten wann er lebte. So kennen wir nur seinen Namen ; 
dass sein Bruder mit besonderer Zärtlichkeit 3) von ihm spricht, 
kann uns nicht viel helfen; es kann ebensowohl ein älterer 
wie ein jüngerer Bruder gewesen sein, und der erstere Fall 
ist sogar der wahrscheinlichere, da jener Uotto als älterer 
Bruder dazu bestimmt gewesen sein mag, die Familie weiter- 
zuführen. 



') Die altern Hoheuzollern, S. 124. — ^) Schöpf lin und Grandidier 
wussten dies noch nicht und deshalb weiss man es heute noch nicht im 
Elsass, wie man aus dem Buche von Herrenschmid über Horburg ersehen 
kann. — ^) carae raemoriae. 



Der beUige Forst und seine ältesten Be^tt^cr. 



421 



Graf Ludwig war also der Rechtsnachfolger des Grafen 
Liutho und wir haben ein Recht, sie für Stammverwandte 
za halten, da sie beide denselben Familiennamen führten. 
Da die Familiennamen aber erst in der Entstehung begriffen 
sind» so kann die Teilung des Geschlechts sich erst in ver- 
hältnismässig junger Zeit vollzogen haben. Man wird dem- 
nach Graf Ludwig ftir einen Brudersohn des Grafen Liutho 
zu halten haben, und zwar muss dieser Bruder jünger 
gewesen sein als Graf Liutho, da dieser zuerst die Graf* 
Schaft inne hatte, und an eine blosse Titulargrafschaft in 
jener Zeit nicht zu denken ist. Wie < iraf Ludwig der Gräfin 
Adelheid, so stehen auch seine Kinder denen der Gräfin 
als jüngere Zeitgenossen zur Seite, 

JCehmen wir also zunächst ein solches Verhältnis 
zwischen diesen beiden Grafen v. Mümpelgart an, so 
werden wir uns jetzt 'nach einem gemeinsamen Stamm- 
vater umsehen müssen, der uns die Machtstellung dieses 
Geschlechts in Burgund, im Elsass und in Lothringen zu 
erklären vermag. Denn wenn auch Graf Ladung in 
Lothringen die Grafschaft Bar seiner Gattin verdankte, su 
war er doch auch sonst ein mächtiger Herr im obern 
Mosel- und Maasgebiet, und diese Machtstellung, die ihren 
Ausdruck findet in dem Grafennamen v. Mousson und 
Mon^on, riahrt schwerlicli von seiner Gattin her. So zu- 
treffend nun auch sonst die Ausführungen (irv^ndidiers über 
die Abstammung der Grafen von Mümpelgart von den 
Etichonen sein mögen, so wenig kann es befriedigen, wenn 
er nun den Graten Ludwig unmittelbar an die Egisheimer 
anknüpft. Dabei ist eben das Vorhandensein einer altem Linie 
nicht berücksichtigt. Die nahe Verwandtschaft zwischen den 
beiden Häusern Mümpelgart und Egisheim-Dagsburg hat 
ausserdem durch unsere frühem Ausfuhmngen eine völlig 
ausreichende Erklärung gefunden. Der Ahnherr der Grafen 
v. Mümpelgart war wohl stammverwandt, aber die Ab- 
zweigung reicht eine Reihe von G Hedern hoher hinauf. 
Wenn wir überhaupt die Mümpelgart er an die Etichonen 
anknöpfen wollen, so kann es nur an den Zweig geschehen, 
der den Namen Liutfrid führt und allen Bedingungen ent* 
spricht, die wir an den Ahnherrn der GraCen v. Mümpelgart 
zu stellen haben: eine bedeutende Machtstellung im Elsass, 



422 Witte. 

in Burgund und in Lothringen, und immerhin ist in dieser 
Hinsicht anzuführen, dass wenigstens bei diesem Zweige 
auch der Name Hunfrid vorkommt.^) Von einer Blutsver- 
wandtschaft dieses Zweiges der Etichonen mit den Egis- 
heimern, bevor dieselbe durch erneute Verschwägerung 
wieder hergestellt wurde, kann überhaupt kaum noch die 
Rede sein, da die Abzweigung bereits unter den frühern 
Karolingern erfolgt sein muss. Durch die Schwägerschaft 
mit Kaiser Lothar war diese Linie auch in Lothringen zu 
bedeutender Macht gelangt, die unter Lothar IL noch 
gesteigert wurde. Der erbliche Besitz von Kloster Gran- 
felden, zwar im alten Herzogtum Elsass gelegen, aber 
später zu Burgund gehörig, enthüllt uns die Beziehungen 
zu diesem Königreich, die auch urkundlich zu Tage treten. 
Wie die Egisheimer den Nordgau, das Unterelsass, 
inne haben, so stehen diese Liutfrid dem Sundgau und zeit- 
weilig dem ganzen Elsass vor, und zuletzt ist es Liutfrid VII., 
der bis zum Ende des lo. Jahrhunderts im Oberelsass 
waltet. Nimmt man ihn als gemeinsamen Ahnherrn, so 
heben sich alle Schwierigkeiten. Dieser Gesichtspunkt 
kann aber natürlich nicht der entscheidende sein, wenn 
nicht anderweitige Argumente vorgebracht werden können. 
Als Nachfolger des Grafen Liutfrid im Sundgau erscheint 
1003 ein Graf Odo und dieser nähert sich im folgenden 
Jahre unmittelbar dem Bruder Uotto Hunfrids v. Mümpel- 
gart, insofern er als Uto comes bezeichnet wird.2) Man 
kann demnach mit Fug und Recht behaupten, dass beide 
Namen gleichartig sind. Dieser Graf Uto-Otto erscheint 
zuletzt 1024 und 1025^); der Bruder Hunfrids kann er nicht 
gewesen sein, sein Vater war er ebensowenig, sein Gross- 
vater könnte er allenfalls gewesen sein, und man muss in 
dieser Hinsicht an die Gepflogenheit der Zeit denken, dass 
sich der Name des Grossvaters beim Enkel wiederholt, 

') In der gefälschten Urkunde für Kloster St.-Trudpert vom Jahr 902 
erscheint er als ältester Sohn des Grafen Liutfrid. (Vgl. die Urk. des 
Klosters bei v. Weech in Ztschr. für Gesch. des Oberrh. 30, p. 78. Der 
Name selbst ist aber echt und wird bestätigt durch das bekannte Güter- 
verzeichnis des Stiftes St.-Thomas im Strassb. ÜB, I, 43 nr. 52. — *) Die 
Urkimden bei St. nr. 1367 u. 1389. — ^) St. 1892 u. 1895. ^^^ unsere 
Zwecke ist es ohne Belang, dass dieser Graf zeitweilig auch dem Unterelsass 
vorsteht. 



Der heilige Fotst und sdtie ftlcesten ßesiUer. 



423 



In unserm Falle käme hinzu. da*is die Verhältnisse der 
Nachkommenschaft der Gräfin Adelheid hier im Elsass 
durchaus dazu passen; und man dürfte mit ziemlicher 
Sicherheit annehmen, dass man sich auf der richtig^en 
Fährte befände, wenn man den Namen Liulho für eine 
Koseform anstatt Liutfrid halten dürfte, wozu man an 
und für sich vollauf berechtig:t wäre. Dann hätte sich der 
Name des Grossvaters zweimal jeweilig erneuert*), und 
auch der Name Hunfrid würde, wie schon gesagt, hier 
seine Stätte finden. Aber leider nennt Hunfrid seinen 
Vater Liutold, und dieser Name fällt vollständig aus der 
Reihe heraus, eben so wie an und für sich der Name 
Otto-Uotto, und var tappen wieder im Dunkeln wie vorher. 
1027 ist an Stelle des Otto ein Giselbert^«) getreten 
und auch das Unterelsass scheint zeitweilig den Händen 

er Etichonen entglitten zu sein: an Stelle des Grafen 
>erhard ist Wezil getreten, der Gründer von Hugshofen, 
den später Kaiser Friedrich in seiner Urkunde für dies Kloster 
nach Ortenberg benennt, dieser am Eingang des Weilerthals 
gelegenen Burg, Er ist der mütterliche Ahnherr der (frafen 
von Zollem. die nunmehr auch Fuss im Elsass gewitmen/) 
Während aber nach Wezil das Unterelsass wieder dauernd 
in den Händen der Egisheimer ist, bleibt ihnen das Ober- 
5s^ der Sundgau, entzogen. 1048 tritt hier ein Berongcr 

ils Graf auf*); 1052 erscheint dann Kuno, der auch 1064 
noch im Amte ist,*) Nach der Gepflogenheit der Erbfolge in 
den Gaugrafschaften darf man für diese Graf*:-! ^''^wissen 

Familienzusaramenhang annehmen, und \\ ns Gisel* 

bert und Berenger führen Namen, die dem Geschlecht der 
Unruochinger eigentümlich waren 0), dem auch die Graten 
Egino und Kudolf angehiVrten; auch der Name Liutho- 
Liutold gehört diesem Geschlecht an, und den Grafen 
Kuno darf man mit ziemlicher Sicherheit tlir den Sohn 
der Grälin Adelheid ansehen.*) Und nun sprechen auch 

n Utttfrid I Otto I Litttfnd-Ltatlio ' HHöfricU — *) 5^- »<>4J' — ^> *>*o 
iltem Hoh.m£ollem, Kap» I. — <) St 31$ t* — *J St 2415. — •) VfL dk 
vtm SchwU^ vrr'" "' ' " " imchs IV, ftif KJ. '^ im in 

»ciin-m Bucht? ui 1, — ♦/ Dem Crr^chu er iSm 

Far iitts Vorki>ii\iiie» der Namvti bi^ttrl jedoch dk roit Ihm mitsctciUe 
Stunmtifel die Bdegc. Vgh luch SumiaUf«! I in ateinvo »HohentoUern«. 



','v^/>.:r./^rr v,h.vr- i ',r ii*=. rrdrSL "^^zi^i^z ziK!r:nL I 



lr*z ti^'.y^Jif^T.*', aber iv:. cüs der S^hn der Frac Adei- 
>.^?->! ^/r:5u' ''I^i^i r^ '^zA'^4%r^ "»-oT. Mi.' hat ausserdem Cjch zu 
'•rw;i^'rT, -//:*5 ^xr^ h:*T an einzelner* Stellen die Besitzungen 
'':^rr ^/r<tfer. v, Pf.n. Es^^heini-Lraesburg^ und der Herren 
.^r, lU/f',\^T'/ ^iurchkreuzt^m- Und nun kommt nxrh hinzu. 
''^t^. Ira, A^'Ieiheid mit dem Papste Leo verwandt war. 
/v>, :*t /y/Är eine «spätere (Quelle, die sie als consanguinea 
?/"z/r*;^% <ir/er indirekt erhält dies Verhältnis seine Bestätigung 
-r^fi ^:;e en;/en fV^ziehungen. die der Papst zu ihr päog« 
/r>r>; '/ervir'andtvjbift findet keine andere Erklärung als 
&.rf}i die Zujrehorigkeit der Gräfin zu jenem Geschlechte, 
/J'^ff» a .'^ h d*rr Papst angehörte. Wenn ihr Bruder Hunfirid, 
r/*it dem «-Je zerfallen war, sich schlecht mit Leo IX. stand, 
>/f mochte das iür sie um so mehr ein Grund sein, sich 
t^ it zu stellen, 

l'A ist keine Annehmlichkeit, mit einem spärlichen 
OiiihI;jirf*|//;hen in äg)'ptischer Finsternis zu wandeln und 
h"M;jridig Gefahr zu laufen, zu straucheln und zu fallen. 
AlJ^drlK;klif;h mochte ich mich daher dagegen verwahren, 
t\i%^,-, \(.h irn Ivrnst glauben würde, einen irgendwie gesicherten 
Nachwis für die Zugehörigkeit der altem Linie der Grrafen 
von Mürnpelgart zu den Etichonen erbracht zu haben. Ich 
kann blr>ss brranspruchen, verschiedene Gesichtspunkte, die 
bisher nicht beachtet worden sind, hervorgehoben zu haben 
lind niu.ss damit schliesscn, dass, wenn die späteren Grafen 
von jVl(hnp<'lgart, wie es nun allen Anschein hat, Etichonen 
gi'Wirs<fn sind, dies auch notwendig für ihre Namensgenossen 
K(*lten muss. 

•) V^\, iiirinc Aunfühnin^en in ältere Hohcnzollern«. p. 122 ff. 



Zu dem neugefundenen Verzeichnis der Steuern 
des Reichsgutes vom Jahre 1241. 



Von 



Aloys Schulte. 



In dem soeben ausgegebenen Hefte des Neuen Archivs 
veröffentlicht Jakob Schwalm, der in der Sammlung der 
Monumenta Germaniae als Nachfolger des unvergesslichen 
L. Weiland die Constitution es imperii herausgiebt, ein für 
die Geschichte des Reichsgutes ausserordentlich wichtiges 
Dokument: ein Verzeichnis der Precariae civitatura et 
villarum, dessen Abfassung Schwalm mit schlagenden 
Gründen in das Jahr 1241 verlegt.*) Dass uns eine so 
wichtige Mitteilung noch werden würde, hat wohl Niemand 
mehr zu hoffen gewagt, sie entstammt den unerschöpf- 
lichen und kaum erst benutzten Schätzen des Allgemeinen 
Reichsarchivs in München. 

Schwalm hat die treffliche Ausgabe mit einem reichen 
Apparat und sehr wertvollen Bemerkungen zu einem jeden 
Orte begleitet, für die ihm jeder spätere Benutzer Dank wissen 
wird. Er hat aber seiner Veröffentlichung einen nicht ganz 
richtigen Titel gegeben, er nennt das Stück: >Ein Eingangs- 
verzeichnis von Steuern der königlichen Städte«, obwohl 
die Überschrift die villae von den civitates trennt. Und 
in der That sind eine ganze Reihe von ländlichen Gebieten 
aufgeführt, wenn auch der Hauptteil der Einnahmen die 
Städte trifft. 

Es ist kein Zweifel, dass diese Veröffentlichimg der lokalen 
Geschichte und der Geschichte des Reichsgutes vielfache 
Anregung geben wird. Ich machte hier das aufführen, was 
sich beim ersten Blicke als Gewinn für die Geschichte der 



*) Neues AtcIuv tur »Hcrc dcuist ijc 



iditskimde, Btnd 23, S'7— S51* 



426 Schulte. 

oberrheinischen Lande ergiebt, zugleich aber den Versuch 
machen, die Ziffern uns plastisch vor Augen zu führen. 
Mit ungewissen Vorstellungen haben wir uns bisher 
begnügen müssen, wenn wir von den Machtquellen der 
staufischen Kaiser redeten. Hier erhalten wir wenigstens 
für eine der wichtigsten Einnahmequellen einen detaillierten 
Überblick. 

Ich weiss sehr wohl, dass mit mittelalterlichen Zahlen 
zu operieren, tausend Bedenken hat. Ein ängstliches 
Gemüt erschrickt vor den Fehlerquellen und verzichtet auf 
den Versuch, sich aus den Ziffern überhaupt ein Bild zu 
machen. Wiederholte Versuche mit Hilfe leidlich brauch- 
baren Materiales werden uns doch endlich die mittelalter- 
lichen Staatswesen vor Augen führen. 

Auf zwei Punkte wird besonders zu achten sein. Ein- 
mal sind die Arten der Einnahmen zu unterscheiden. Wir 
werden nicht allein die Judensteuern gesondert aufzuführen 
haben, sondern auch die Einnahmen aus Vogteien, aus 
Städten und aus Dörfern von einander trennen müssen. 
Gerade der Unterschied zwischen den beiden letzten ist 
besonders schwierig, hier kann mit Sicherheit manchmal 
überhaupt nicht entschieden werden und die Einzelunter- 
suchung muss geführt werden. Aber die Frage ist denn 
doch zu wichtig, ob sich das staufische Haus mehr auf das 
Land oder auf die Städte stützte und auf welche Kate- 
gorien, als dass man nicht wenigstens den Versuch machen 
sollte; mit der philologischen Edition einer Quelle ist nur 
die Hälfte geschehen und gerade mittelalterliche Ertrags- 
register müssen auch in tabellarische Formen gebracht 
werden. Der zweite Gesichtspunkt ist die lokale Einteilung. 
Das Register selbst hat eine solche, die gewiss nicht ein 
Zutall ist. Sie ist auch von sachlichem Werte. Wir können 
noch deutlich erkennen, dass das Ganze nicht von einem 
Verfasser herrührt, sondern dass Einzelaufzeichnungen zu 
Grunde lagen. Schwalm gründet seine Einteilung aus- 
schliesslich auf die Unterschiede der Schrift, den Beginn 
neuer Zeilen in der keineswegs in einem Zuge geschriebenen 
Vorlage. Diese Merkmale, die sich auch auf dem bei- 
gegebenen Facsimile deutlich erkennen lassen, müssen aber 
durch weitere Beobachtungen ergänzt werden. 



Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes v. Jahre 1241. 42-- 

In dem Abschnitte, der Oberschwaben enthält, findet 
sich bei den Städtesteuern meist die Angabe cives, was 
in den andern Gruppen nur ein einziges Mal vorkommt. 
Von 73-92 der Schwalm'schen Zählung scheint also ein 
einheitliches Stück zu sein. Des weiteren ist bei den 
Posten, die ganz oder halb den Städten ze dem buwe 
d. h. zu ihrer Befestigung überlassen wurden, folgende 
Unterscheidung zu beobachten. In den von mir ange- 
nommenen drei ersten Gruppen heisst es fiinf Mal: >ad 
edificia eorum«, in der vierten Gruppe (Franken) neben 
»propter edificiumc vier Mal »ad edificiumc in der letzten 
(Schwaben) einmal »in edificio«. In den drei ersten Gruppen 
ist die Hälfte vier Mal durch x^dimidietas- (Friedberg und 
Offenburg) und zwei Mal durch ^medietasc (Düren) gegeben, 
im letzten Abschnitt erscheint bei Konstanz »medietas^^. 

Die Einteilung, wie sie Schwalm hervorgehoben hat, 
ist übrigens nicht immer in Übereinstimmung mit dem 
Facsimile und dem natürlichen geographischen Gang. Die 
erste Gruppe geht Rhein abwärts und schliesst mit Dort- 
mund, Schwalm zieht aber noch Worms und Speyer hinzu. 
Mit »Item Judei Wormacienses- beginnt übrigens eine neue 
Zeile und ohne weiteres schliesst sich diesen * hier voran- 
gestellten Judensteuern das officium in Kaiserslautern an. 
Ich sehe also nicht, weshalb Schwalm den Einschnitt nicht 
hinter Dortmund machte, wo er ein natürlicher ist. 

Die zweite Gruppe: Oberrliein von Worms auf dem 
linken Ufer und von der Ortenau auf dem rechten aufwärts 
bis Rheinfelden habe ich in zwei zerlegt, um den Unter- 
schied des rechten und des linken Rheinufers recht deutlich 
zu machen. Die Disposition der Quelle ist folgende: sie 
geht von Worms auf dem linken l.'fer aufwärts bis Rhein- 
felden und dann abwärts bis (Jffenburg, dann folgen die 
Judensteuern. Die vierte Gruppe umfasst das südwestliche 
Franken, die Begrenzung zur fünften, Schwaben, ist nicht 
sicher. Mit Nördlingen beginnt eine neue Zeile, vorher 
gehen aber die schwäbischen Städte (rmünd und Augsburg. 
Ich mache hier — freilich entgegen der Vorlage — die 
Trennung, obwohl dann noch drei schwäbische Städte in 
der vierten Gruppe bleiben, l^s sind die drei Orte Dinkels- 
bühl, F'euchtwangen und Aufkirch. Die letzte Gruppe 



428 Schulte. 

behandelt zunächst Niederschwaben und die Fortsetzung 
durch das Ries bis an die Donau, dazwischen ist Augs- 
burg eingeschoben, dann folgt Oberschwaben und die 
Schweiz, die Judensteuern, den Abschluss machen die 
Bürger von Bern. Wenn die am Ende stehenden Juden- 
steuern nicht nach Niederschwaben zurückgriffen, könnte 
man, wie das Facsimile das an die Hand giebt, die Gruppe 
in Nieder- und Oberschwaben zerlegen, zu ersterem wäre 
dann auch Ulm gerechnet. 

In meinen Tabellen habe ich die Reihenfolge der 
Quelle nicht beibehalten, sondern die einzelnen Posten 
innerhalb dieser Gruppen geographisch angeordnet. 

Eine Einteilung nach dem Ursprung des Besitzes 
habe ich nicht versucht; in den Ämtern war ja vielfach 
Hausgut der . Staufer, Besitz des Reiches und Kirchenlehen 
gemischt. Eine Spur trägst die Tabelle aber doch davon. 
Die Steuern aus den Vogteien von Weissenburg, Oden- 
heim, Kempten und St. Gallen, welche in der Quelle 
deutlich hervorgehoben sind, mochte ich nicht auf die andern 
Rubriken verteilen. 

Zunächst möge in Tabellenform das Material folgen. 
Zu berücksichtigen waren nur die Angaben über die Hohe 
der Abgaben selbst; die Angaben über die Verwendung 
habe ich völlig unberücksichtigt gelassen. Es kam mir 
nicht so sehr darauf an, die Rechnung von 1241 vorzu- 
legen, sondern die konstanten Einnahmequellen zu fixieren. 
Die Ziffern der einzelnen Steuerbeträge werden ja wohl 
kaum endgiltig feste gewesen sein, wie das später der 
Fall war. Im ganzen können die Ziffern aber doch wohl 
als typisch gelten. Was aber als expensae regis auf- 
geführt wird, lässt sich für die Einzelrechnung von 1241 
ja vorzüglich benutzen, sehr viel schwerer aber für das 
was wir einen Etat nennen dürfen. Leider scheiden einige 
Posten von Städtesteuem aus, weil die Stadt infolge eines 
Brandes überhaupt von der Steuer befreit war. Der 
Fehlerquellen sind also genug, doch für mittelalterliche 
Ertragsregister steht das Verhältnis nicht allzu übel. 



\ 



Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes v. Jahre X241. 



42Q 



I. Gruppe: Mittel- und Niederrhein, Wetterau. Dortmund. 
I. Um Frankfurt— Wetterau: 

S^adt ffi^}; Land Vogtei Juden P^ «P« 

Frankfurt 250 — — — — — 

Gelnhausen 200 — — — — — 

Wetzlar 170 — — — — — 

Friedberg 120 — — — — — 

Seligenstadt 120 — — — — — 

Juden der Wetterau ... — — — — 150 — 

860 — — — 150 — 

lOIO 



2. Mittelrhein: 

S^*<»' fdhift ^"^ Vogtei Juden P^/^^* 

120 — — — 15 — 

60 — — — — — 

frei — — — 20 — 

80 — — — 25 — 

70 — — — 25 — 



Oppenheim 
Nierstein . 
Ingelheim . 
Wiesbaden 
Oberwescl . 
Boppard 
Sinzich 



330 — 80 — 8s — 
49S 



Aachen 
Düren . . 
Kaiserswerth 
Duisburg . 
Nymwegen 
Dortmund . 



3. Niederrhein: 

«»•<*' felh^ft ^^^ ^««^** J"^*» ^e7^' 

40 — — — 10 — 
20 — — — 20 — 

50 — — — IS — 

60a — 15 — 15 — 



100 marc. Colon. 2 IG — 



Summe von Gruppe I. 



1400 — 



IS 



75 



300 
95 — 310 



- I 1805 



Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. XIII. 3. 



29 



430 



Schulte. 



II. Gruppe: Oberrhein, linkes Rheinufer. 

I. Fränkisches Gebiet: 

Zwei- 



Worms . . 
Speyer . . 
Kaiserslautern 
Trifels . . 
Weissenburg 



Amt 



S'*d* fellaft !-*«<* Vogtci Juden ^'^J^^^' 

— — — — 130 ~ 

— — _ — 80 — 

— 120 — — — 

— 150 — — — — 
_ _ _ 80 — — 

— 270 — 80 210 — 



560 



2. Elsass: 
S«*^' felhaft L">^ Vogtei Juden P~ "^P" 



Hagenau — 2CX) — — 15 — 

Hochfelden 
Brumath . . 
Geudertheim . 
Kronenburg . 
Strassburg . . 

Erstein — — 

Ehnheim 150 — — — — — 

Schlettstadt 150— — — — — 

Kaisersberg, St. Gregorienthai — 70 — — — — 

Colmar 160 — — — — — 

Mühlhausen 80 — — — — — 



— 2CX) — 

— _ 150 — — — 

— — — — 200 — 

— — 40 — — — 



540 270 226 — 215 — 



I251 



3. Schweiz. (Angrenzende Teile.) 

S'*d^ fdhaft L»»^ Vogiei Juden P^/^^P' 

Basel 200 — — — 40 — 

Rheinfelden 40 — — — — 



240 — — 



40 — 

1 - 



Summe von Gruppe II. 



280 

ZuMmmea 

780 540 226 80 465 — I 2091 



Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes v. Jahre 1241. 431 

III. Gruppe: Oberrhein, rechtes Rheinufer. Schwäbisches Gebiet. 

1. Breisgau: 

S^*<»^ fflhä ^"^ Vogtei Juden P^«?' 

Neuenburg 100 — — — — — 

Breisach lOO — — — — — 

200 — — — — — 
200 

2. Ortenau: 

S'*<»' ffSä Land Vogtd Juden P~«J|P- 

Mahlberg ....... — — 10 — — — 

Haslach — — 40 — — — 

Ortenberg — — 20 — — — 

Offenburg 60 — — — — — 

60 — 70 — — — 

Zusammen 
Summe von Gruppe III. . 260 — 70 — — — 330 

IV. Gruppe: Fränkisches Gebiet. 
I. Neckargebiet südlich des Flusses: 

S'*^* Whifi L»"^ Vo«^** J"<»~ ^Vl^' 

Heideisheim 1 00 fl> hlr — — — — 

Odenheim — — — 6 — — 

Neckargemünd . . . . , 20 — — — — — 

Waibstadt verbrannt — — — — 

Wimpfen 40 — — — — — 

Weil der Stadt 100 ff hlr — — — — 



*) 200 fl^ h =» 100 marc. 



60 + 200 ff hlr •) 



6 — — 



160 m 



166 



Eberbach . 
Mosbach 
Schefflenz . 
Heilbronn . 
Weinsberg 



2. Nördlich des Flusses: 

S**^* Whaft ^^^ Vogtei Juden P7/^*P- 
20 — — — — — 

- - 15 - ~ — 

befreit — — — ___ 
60 - — — « — 



105 — 



15 — — — 



120 



29* 



432 



Schulte. 



3. Mittleres Franken: 

S'*<J' fdhä ^^^ Vogtei Juden P^/^^P- 

Hall 170») — - — 8 — 

Rothenburg 90 — «) 

Feuchtwangen 20 — 

Dinkelsbühl 40 — — 

Aufkirch verbrannt — 

Weissenburg 40 — — — 

*) Durchstrichen 200 Mark, 

') durchstrichen 10 Mark. 



360 — 



Summe von Gruppe IV. 



368 



625 - 



15 



8 



8 — 



Zusanunea 
I 654 



Rottweil . . 
Villingen . . 
Konstanz . . 
Überlingen 
Buchhorn . . , 
Lindau . . . 
Wangen . . 
PfuUendorf . 
Ravensburg- Altdorf 
Biberach . . . 

Ulm 

Kempten . . . 
Memmingen . . 
Kaufbeuren . . 
Schongau . . . 
Augsburg . . . 



V. Schwaben. 
I. Oberschwaben. 

Sttdt ffi^l; Land Vogtci Juden P^^^^P* 
100 — — — — — 

— — 20 — 

— — 2 82 Va 



30 — — - 

50 — — - 

10 — —.____ 

100 — — — 2 — 

— — — — — 30 
50 — - - - — 

80 — — ~ 

— — — 50 



6 — 



70 — 

90 — 

30 — 

verbrannt 



— verbrannt 



690 — — 50 30 IS4V1 



924V« 



Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes v. Jahre 1241. 



433 



2. Schweiz. 

Zwei- 
felhaft 



Schaffhausen . 

St. Gallen . . 

Zürich . . . 

Bern . . . 



Stadt Z^^l; Land Vogtci Juden P'^^P' 

— — 227 



— — — 100 — — 

— — — — — 150 
40 — — — — — 



40 



— — 100 



— 377 



5x7 
3. Niederschwaben. 

«'•<*' fdhä ^•»<* Vorei Juden ?'?«?• 



Esslingen 120 — 

Giengen 25 — 

Schwab. Gmünd .... 160 — 

Staufen — — 

Bopfingen 50 — 

Nördlingen — — 

Harburg verbrannt 

Donauwörth 60 — 

Lauingen 80 — — — 

Ellingen — — 5 — 

^) pro enormitate commissa 495 — 



reg. 
— 30 152 



— — 12 — 
10 — — — 

— — — 100») 



«5 



44 252 



Summe von Gruppe V. 



1225 — 



806 

Zusammen 

15 ISO 74 783'« I "47Vt 



Daraus ergiebt sich folgende allgemeine Zusammenstellung: 

I. Mittel- u. Niederrhein . 1400 -- 
JI. Oberrhein, linkes Ufer . 780 540 

III. » rechtes Ufer 260 — 

IV. Fränkisches Gebiet . . 625 — 
V. Schwaben 1225 — 15 150 74 783'/, 



95 


— 


310 


226 


80 


46s 


70 


— 


— 


»5 


6 


8 


«5 


150 


74 



Zu. 

sammen 

1805 
2091 

330 

654 

2247V« 



4290 S40 421 236 857 783V, I 7 »27 Vi 



Auf den ersten Blick sieht man, dass das Register 
nicht das gesamte Reichsg^ut umfasst, sondern die grossen 
Komplexe um Nürnberg und das Reichsgut in Thüringen 
und Sachsen ausschliesst. Rs ist eben eine Zusammen- 
stellimg, die Bayern, Ostfranken, Thüringen und Sachsen 
— mit Ausnahme von Dortmund — nicht einbeziehen will. 



434 Schulte. 

Aber auch innerhalb dieses Gebietes ist das Register 
nicht vollständig: Auf das Fehlen von Rosheim im Elsass 
und Murten in der Schweiz hat schon Schwalm hingewiesen. 
Von Städten fehlt, abgesehen vom Niederrhein, ausserdem 
Reutlingen und Leutkirch, femer Selz, weiter das Thal 
Hasli, Uri, die Besitzungen auf dem südlichen Abhänge 
des Schwarzwaldes, das Dorf Kaiseraugst, eine Reihe von 
Kirchenvogteien u. s. w. Es wäre also ein grosser Fehler, 
ausschliesslich auf dieses Dokument eine Karte des Reichs- 
gutes begründen zu wollen. Wir müssen aber sehr dank- 
bar für die Stellen sein, die unsere Kenntnis des Reichs- 
gutes erweitem. 

Wenn man nun den Vergleich mit dem Kartenbilde 
bei V. Spruner-Mencke, das übrigens den Anfang der Re- 
gierungszeit Friedrichs II. darstellen will, macht, so ergiebt 
sich, dass für die Gegend am Neckar nun zum ersten Male 
uns Klarheit geschaffen wird. Bei v. Spruner-Mencke ist 
einmal das durch Friedrich IL an die badischen Markgrafen 
abgetretene Gebiet von Durlach angegeben, das 1241 
schon längst in badischen Händen war, daneben nur Mos- 
bach, Heilbronn, Weinsberg und Weil der Stadt. In Zukunft 
wird man auch Heideisheim, Neckargemünd, Waibstadt, 
Wimpfen, Eberbach und SchefiFlenz als Reichsgut bezeichnen 
müssen, bei Odenheim wenigstens Reichsrechte hervor- 
heben. Ebenso erfahren wir zum ersten Male, dass auch 
Haslach im Kinzigthal einst dem Reiche gehörte. 

Betrachten wir nun die Tabellen ! Sofort springt in die 
Augen, dass der Ertrag der städtischen Steuern der eigent- 
liche Kem der Geldeinkünfte ist, und zwar so sehr, dass 
Schwalm in dem ganzen Stücke ein Verzeichnis der Städte- 
steuem erblicken konnte. Zu ihnen sind auch die Abgaben 
der Juden zu rechnen, da diese ja gleichfalls ausschliesslich 
die Städte bewohnten. Die Summe, welche sich auf diese 
Weise ergiebt, beträgt: 857 Judensteuem -j- 4290 Mark 
Städtesteuem = 5147 Mark. Aber auch diese Ziffer um- 
fasst nicht alles, was aus den Städten in die königliche 
Kasse floss: Einmal fehlen folgende gerade abgebrannte 
Städte, deren Steuerbetrag nicht angegeben ist: Waibstadt, 
Aufkirchen, Harburg und Augsburg. Dann kommen 
783 1/2 Mark expensae regis in Betracht, welche die Städte 



Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes v. Jähre 124t. 



435 



Schaff hausen, Villingen, Überling^en» Pfullendorf, Zürich 
und Esslingen und die Nördlinger als Busse aufbrachten. 
Nur zum Teil (Cberlingen und Esslingen) ist dabei noch 
der Steuerbetrag genannt, in den andern Fällen ist die 
Steuer durch diese Auslagen ersetzt, zugleich aber gesteigert. 
Immerhin wird man für die fünf übrig bleibenden Städte 
den Steuerbetrag auf 350 Mark veranschlagen dürfen. Die 
weiteren 433 '/« Mark dürfte man als unregelmässige Ein- 
nahmen dann völlig vernachlässigen. Weiter stecken 
städtische Abgaben noch unzweifelhaft in folgenden als 
unentschieden behandelten Posten : Hagenau 200 Mark (Stadt 
Hagenau)» Kaisersberg und Gregorienthai 70 Mark (Stadt 
Kaisersberg)» Kaiserslautem 120 (die Stadt), Trifels 150 
(Annwciler und Landau?). Wir dürften aber gut thun, 
diesen Posten mit den Abgaben aus dem Lande, w^elche 
möglicherweise in der einen oder andern Stfidtesteuer stecken, 
zu recompensieren. In den Kirchenvogteisteuern sind 
unzweifelhaft die Abgaben der Städte Weissenburg. Kempten 
und St. Gallen eingeschlossen, wir dürfen sie ohne Bedenken 
auf 150 Mark veranschlagen. 

Es ergäbe sich dann auf die Städte ein Betrag von 
5647 Mark (nämlich städtische Steuern 4290, Judensteuern 
57^ aus den expensae regis 350, aus den Kirchen vogteien 
50), auf das Land ein solcher von 1047 (ländliche Steuern 
421, unentschieden 540, aus den Kirchen vogteien 86 Mark), 
Das Verhältnis der städtischen zu den ländlichen war also 
84,4 zu i5.6Vo- S<^ richtig diese Zahl das Verhältnis der 
Geldeinnahmen uns vor Augen führen wird, so darf doch 
nicht übersehen werden, dass die Naturalabgaben fehlen 
und sie das Verhältnis ganz erheblich zugunsten des Landes 
verschieben könnten. Wir können diese nicht ermessen 
oder schätzen, da versagen die Quellen völlig. Wir haben 
da ja nur die Abrechnung des Amts in Sinzig von 1242^) 
und das von Ficker in Pba gefvmdene Register über die 
Einkünfte des Speiergaus aus dem Anfang des 14. Jahr- 
hunderts» 

Doch was war denn die Stellung der Naturalabgaben 
in den Finanzen der Sta^itm des 13. Jahrhunderts? Sie 



*) XfG. CoüäU U. 440 



^^6 Schulte. 

waren die alte Form der Periode der reinen Naturalwirt- 
schaft, sie setzten den Konsum der gelieferten Naturalien 
in loco voraus — für ein Staatswesen, dessen Interessen so 
universal waren, wie die der Staufer, waren diese Einkünfte 
sehr schlecht verwendbar. Nur das Geld konnte leicht 
nach Italien wandern. Und damit stehen wir wieder bei 
der Würdigung des uns nunmehr bekannt gewordenen 
Materials. Wir sehen, wie viel den Staufern an diesen 
Geldeinnahmen liegen musste, und begreifen die Politik 
Friedrichs IL und Konrads IV. gegenüber den königlichen 
Städten. Wir verstehen es, wie eifrig sie dabei waren, das 
Land mit Städten zu bedecken. Ich will da nicht oft 
Gesagtes wiederholen; seit 1200 überziehen die Staufer das 
ihnen gehörige Reichs- wie ihr Hausgut mit einem Netze 
von Städten und so vollzieht sich der Umschwung: aus 
dem städtelosen Hausgute der Staufer und dem Lande, 
das die wenigen alten Pfalzen umgab, wie aus dem Reste 
des sonstigen Reichsbesitzes wurde ein Gebiet, in dem die 
Städte durchaus die Hauptsache sind. 

• Sie dominierten auch ausserhalb des Gebietes. So oft 
schätzt man die Bedeutung der Reichsstädte hoch ein und 
man wird zugeben müssen, dass in der Geschichte der ober- 
rheinischen und schwäbischen Wirtschaft neben den Reichs- 
städten die Landstädte wenig zu bedeuten haben, aber 
man muss den Satz auch einmal in anderer Form sich aus- 
sprechen: die Territorien schlössen die wichtigsten Städte 
nicht in sich, sie waren relativ arm an Bürgern, reich aber 
an Bauern. Ein Typus war der elsässische Besitz der 
Habsburger: in einem Neste wie Ensisheim sass die Re- 
gierung! Noch schärfer ist das ausgedrückt bei Fürstei\- 
berg. Dieses glückliche Haus hatte schliesslich so ziemlich 
den Adel an der oberen Donau beerbt, es hatte damit aber 
nicht eine einzige wichtigere Stadt gewonnen und das 
Fürstenhaus lebte auf einem Dorfe ! Die einzige wirtschaft- 
lich wirklich mächtige Territorialstadt oberhalb der Oos 
war Freiburg, die Bedeutung dieser Stadt haben im Elsass 
Zabern oder Molsheim oder Tann niemals erreicht. Die 
Geschichte der oberrheinischen Gebiete gabelt sich also in 
eine Geschichte der Städte, welche in der Hauptsache 
dem Reiche gehören, und des Landes, welches zum Reiche 



Verzeidtnis der Steuern des Relchsgules v, Jahie 134I. 



437 



die direkten Beziehungen fast überall verloren hat. Nur 
die Verschmelmng beider hätte an der Südwestecke des 
Reiches einen widerstandsfähigen Pfeiler schaffen können. 
Das geschah nicht und sofort beginnt dei^ Prozess der 
Zerbröckeln ng* 

Der Betrag der Steuern der Städte ist sehr verschieden: 
den höchsten Betrag mit 250 Mark hat Frankfurt zu ent- 
richten, es folgen Gelnhausen, Basel und Ilagenau (ein- 
schliesslich Landbezirk) mit 200, Schw. Hall und Wetzlar 
mit 17O1 Colmar und Schwäbisch Gmünd mit 160, Ehenheim 
und Schlettstadt mit 150 Mark. Die Juden von Strass- 
burg zahlen den höchsten Beitrag mit 200 Mark» es folgen 
Worms mit 130 und Speyer mit So^ die Juden der Städte 
der Wetterau zahlen 150 Mark. 

Ich habe daran zu erinnern* dass die von mir berechnete 
Summe nicht die ist, welche wirklich in die Kammer floss. 
Nach Schwalms Berechnung kamen bei der Kammer ein: 
von der gewöhnlichen Steuer 4919 Mark, von der Steuer 
der Juden der nur um 4 Mark gekürzte Gesamtertrag, 
nämlich H^;^ Mark, von den Posten pro expensis regis 
53j'/2 ^^- insgesamt also b^o^^j,^ mr. 

Noch nach einer Richtung hin dürfte das Material 
höchst wertvoll sein* Schon die Vermutung spricht dafür, 
dass jede Zahlung auf einen bestimmten königlichen Beamten 
zurückgeht und jedem Beamten, in dessen Bereich über- 
haupt Geldsteuem vorkommen, eine Zahlung entspricht 
Von einem Amte -officiumt ist direkt nur bei Kaiserslautem 
und Trifels die Rede, von einer Vogtei bei (Kron-)weissen- 
bürg und Kempten (advocatia in Wizenburc, advocatia in 
Cemton, aber advocatia sancti Galli); aber wir können eine 
Reihe von Fällen nachweisen — von den Schultheissen 
der königlichen Städte sehe ich ganz ab , in denen der 
Zahlung wirklich ein Beamier entspricht. Aus der Ortenau 
sind wir durch die von mir s, Z. in Wien gefundenen Acta 
Gengenbacensia zufällig ober die königlichen Beamten 
dieser Zeit vorzüglich unterrichtet. Es werden Schultheissen 
von Offenburg und Mahlberg (Burg nicht Stadt) genannt, 
imd ein Vogt auf der Burg Ortenberg. Neben diesen drei 
Orten wird in unserem Verzeichnis nur noch Haslach auf- 
geführt, nur für diesen Ort fehlt uns also der Nachweis 



4^8 Schulte. 

eines Beamten. Im Elsass war ja später die Verwaltung 
des Reichsgutes in der Landvogtei centralisiert, wie auch 
der berühmte Schultheiss Wölflin seine Stellung schon unter 
Friedrich IL mehr als eine centrale auffasste und sich nicht 
auf Hagenau einschränkte. Es wird nun zu untersuchen 
sein, ob wirklich den für das Elsass gegebenen Posten 
Schultheissen oder Vögte entsprechen. Ich mache darauf 
aufmerksam, dass die spätere »Pflege« Kaisersberg uns 
hier schon begegnet: »Item de Kersberc et Vallis sancti 
Gregorii 70 mn«. Hier wird die lokale Untersuchung ein- 
zusetzen haben und meine Vermutung prüfen müssen, von 
Breslau aus lassen sich solche Untersuchungen nicht führen. 
Sollte meine Vermutung die Probe bestehen, so hätten 
wir allerdings in unserem Verzeichnisse noch viel mehr als 
der Herausgeber vermutete: einen Überblick über die 
Organisation des staufischen Besitzes. Man kann einwenden, 
dass derselbe Ort häufiger zweimal erscheint: mit der all- 
gemeinen Steuer und mit der der Juden. Doch letztere 
waren Kammerknechte und schon dieser Name leg^ es 
nahe, dass sie die Gelder direkt an die Kammer und 
wenigstens nicht regelmässig an den Schultheissen bez. 
Vogt des betreffenden Ortes abführten. In Sinzig ver- 
rechnet freilich der Amtmann 1242 auch die Steuern der 
Juden. Auch der Herausgeber setzt voraus, dass die Summe 
der Judensteuern gesondert betrachtet werden konnte. Es 
ist nämlich auf der Rückseite eine Summe von 1488 Mark 
Kölner Pfennige angegeben, welche in Gewichtsmark um- 
gerechnet 892^/5 Mark ergiebt. Diese Summe zieht Schwalm 
in Vergleich mit der Summe der Judensteuer, die sich auf 
857 Mark beläuft. In dem Texte ist ferner bei Rotenburg 
der Satz: »Judei ibidem x marcas« durchstrichen; wann das 
aber geschah, ob vor oder nach der Berechnung der Summe, 
ist nicht festzustellen. Wir kommen immerhin sehr nahe 
an die Summe heran. 1) Dass die Rückseite in Kolner 
Münze rechnet ist auffällig; die Kenntnis derselben dürfen 
wir wohl (von der Kammer abgesehen) den Juden zutrauen 
nicht aber etwa süddeutschen Vögten. Lässt sich die 



Es fehlt noch der zuerst begonnene, dann aber nicht ausgeschriebene 
Posten für die Juden von Kaiserslautern, der um 1309 auf 26 8; sich belief. 



Verzeichnis der Steuern des Reich !>gtite& v Jahre 124!, 



439 



Summe wirklich nicht mit der Judensteuer in Einklang 
bring'en» so wird mant um diese Ziffer zu deuten, an den 
Niederrhein zu denken haben, wo die Kölner Rechnung 
damals neben der nach Sterlingen die übliche war* 

Vergleichen wir nun die einzelnen Gegenden mit ein- 
ander, so ist unzweifelhaft der dichteste und ertragsreichste 
Reichsbesitz der im Elsasse gewesen* Hier ist auch der 
bäuerliche Besitz offensichtlich der st«lrkste. trotzdem ja 
Wölflin hier eine Reihe von Orten ummauert hatte. An 
zweiter Stelle dürfte die Gegend der Wetterau im weitesten 
Sinne mit den hochgeschraubten Städtesteuern zu stehen 
haben, den Rang könnte Oberschwaben streitig machen. 
Eine grosse Zahl von fiir damalige Zeiten mittleren Städten 
ist aufzuführen, der Landbesitz fallt völlig aus, da hier nicht 
wie im Elsass auch den Dörfern Geldsteuern aufgelegt 
waren. Daf Elsass erweist sich auch durch diese Quelle 
als das Land, in dem die Geldwirtschaft am frühesten 
eindrang. 

HolTentlich wird dieser Fund die Arbeit auf dem 
Gebiete der Geschichte des Reichsgutes wieder anregen. 
Bis jetzt ist energisch, abgesehen von lokalen Arbeiten, 
nur das Elsass von Meister und Fritz bearbeitet worden. 
Schon Fritz hat vor Jahren darauf hingewiesen, dass am 
dringlichsten Arbeiten sind über das Reichsgut in der Pfalz, 
in den Rheinlanden und in Schwaben, ») Heute dürfen wir 
auch wohl auf den Besitz an dem unteren Neckar hinweisen. 
Derartige Arbeiten sind ja sehr schwer, aber es darf einen 
nicht verdriessen, auch einmal zu irren. Erst wenn wir 
eine Reihe von solchen Vorarbeiten haben, wird uns die 
eigentlichste Grundlage des Lebens unserer mittelalter- 
lichen Könige klar sein. Und welcher Zauber ruht auf sol- 
chen Arbeiten, was zieht nicht da alles an unsem Augen 
vorüben Im Amte Kronenburg lag die alte merowingische 
Königspfalz Marlenheim, deren Reste auszugraben mir un- 
endlich viel wichtiger erscheint, als die so und so vielte 
Blosslegung von Reihengräbem Von den karolingischen 
Pfalzen Aachen, Nym wegen und Ingelheim lieferte den 
grössten Ertrag, seitdem Aachen von der Steuer befreit ist, 



)] Göct. Gelebn. Anieigeii 1891 S. 56 Anm 1. 



440 



Schulte. 



Ingelheim. Der betreffende Eintrag giebt uns einen sehr 
interessanten Moment der Geschichte der Pfalz bekannt. 
Wie alle älteren Pfalzen war auch der Saal zu Ingelheim 
offen, nicht durch Mauern geschützt. Ohne dass damit 
Ingelheim eine Stadt geworden wäre, wurde es später um- 
mauert. Aber wann geschah das? In der vorliegenden 
Rechnung ist sehr oft angegeben, dass der Betrag der 
Steuer einer Stadt dieser selbst überwiesen wurde, um den 
Bau derselben zu vollenden. Bei Ingelheim heisst es aber: 
»Item de duabus villis Ingelhem lxx mr., de quibus frater 
Sebastianus debet perficere opus curtisc Man konnte an 
Bauten in der alten Pfalz denken, allein nach den Studien 
von Giemen ist es wenig wahrscheinlich, dass damals die 
Pfalz umgestaltet oder erweitert wurde. Ich meine näher 
liegt es, an die Befestigung zu denken und dann mag 
hervorgehoben sein, dass der Name Sebastian um diese 
Zeit in Deutschland wohl sehr selten vorkam, haben wir 
es mit einem Italiener zu thun? 

Die bevorzugten Sitze der Staufer begegnen uns in 
Gelnhausen, Trifels, Hagenau; auch erscheint die Stamm- 
burg des Geschlechtes noch einmal. 

So bietet die neue Quelle genug des Anreizes fiir die 
weitere Forschung und diese anzuregen war der Haupt- 
zweck dieser Zeilen, die mit einem herzlichen Dank an den 
Entdecker und Herausgeber enden sollen. 



Montesquieu in Heidelberg und Mannheim 
im August 1729. 

Mitgeteilt von 
D, Hinneschiedt. 



Der Präsident des Parlaments zu Bordeaux, Baron 
Charles de Montesquieu, der im Jahre 1721 die »Lettres 
Persanesc veröffentlicht halte, legte im Jahre 1726. im 
Alter von 37 Jahren, sein Amt nieder und bereiste in den 
folgenden Jahren diejenigen Länder Europas, deren Kunst- 
schätze, Bewohner und politische Einrichtungen ihn vornehm* 
lieh interessierten. Ein eigentliches Tagebuch hat er auf 
diesen Reisen nicht geführt» sondern er hat das, was ihm 
von seinem Standpunkt aus besonders bemerkenswert schien 
oder was er glaubte, bei späteren Arbeiten einmal benutzen 
zu können, in bunter Reihenfolge und zwangloser Form, 
z, T. auf fliegenden Blättern und oft wohl im Postwagen, 
niedergeschrieben. Diese Notizen, die auf dem Stamm- 
schlosse la Brede bei Bordeaux aufbewahrt werden, hat 
ein Nachkomme des grossen Schriftstellers, der Baron Al- 
bert de Montesquieu, im Laufe der letzten Jahre geordnet 
und unter dem Titel Voyage^ de Montesquieu* heraus- 
gegeben. Der IL Band dieser Publikation mithält die 
Bemerkungen über den Aufenthalt in Deutschland und ist 
im Jahre 1896 erschienen. (Bordeaux, G. Gounouilhou, 
Paris, J. Rouam et C'*). Hiemach hat Montesquieu nur den 
südlichen und den westlichen Teil des Reiches besucht; sein 
Aufenthalt betrug im ganzen etwa zV , Monate* Am 29. Juli 
reiste er in Verona ab, ftihr über den Brenner nach Inns- 
bruck und kam am 3, August in München an. ') Am 10. Ok- 

I) B<i, n, S. 124 ff. Dir in der Folge uigeg«bezieii SdtensAhlcn 
betiehen iich iimüich auf Bd. 11 de« Werkes* 



AA2 Hinneschiedt. 

tober reiste er in Osnabrück ab und kam am 12. Oktober 
in Utrecht an. (S. 219.) 

Vor seiner Abreise von Rom verschaffte sich Montes- 
quieu von einflussreichen Bekannten Empfehlungsbriefe 
an deutsche Fürsten oder deren Minister: von dem Chevalier 
Bini erhielt er einen für den Hof von Durlach und einen 
anderen für den Hof des Kurfürsten von der Pfalz (S. 66, 
67). Nach Durlach ist er nicht gekommen; dagegen hat 
er den zweiten Brief benutzt und sich in Heidelberg und 
Mannheim , allerdings nur vorübergehend , aufgehalten. 
Wenn nun auch die Notizen über diesen Aufenthalt (S. 164 ff.) 
manches enthalten, worüber wir durch urkundliche Quellen 
längst unterrichtet sind, manches andere, das vielleicht einer 
strengen Kritik nicht Stand zu halten vermag, so dürfte 
sich doch wohl die Mühe verlohnen, diese Bemerkungen 
dem grossen Kreise der Freunde des Oberrheins in treuer 
Übertragung darzubieten ; denn einmal enthalten sie manches 
kulturgeschichtlich Wichtige, und dann ist es doch interes- 
sant zu sehen, mit welchen Augen der grosse Verfasser 
des »Esprit des lois« Land und Leute betrachtet hat. 



»Am 26. August 1729 — so erzählt Montesquieu — kam 
ich in Heidelberg an. Diese Stadt ist nicht gross. Sie liegt 
zwischen dem Main (! !) und einem Gebirge, derart, dass sie sich 
nur in die Länge erstrecken kann. Es mögen dort 1 700 Bürger 
(bourgeois) wohnen. Sie sind alle elend, seitdem der Kurfürst ') 
die Stadt verlassen hat, um nach Mannheim überzusiedeln. Er 
that dies aus Erbitterung darüber, dass man ihn gezwungen hat, 
die Mauer in der Heiliggeistkirche wieder autzubauen*); diese 
Mauer trennt das Schiff, das den Calvinisten gehört, vom Chor, 
der den Katholiken*) gehört. Der Kurfürst veranlasste auch 

») Karl Philipp, 17 16—1742. — «) Vergl. von Weech, Römische Prä- 
laten am Deutschen Rhein, Neujahrsblätter der Badischen Historischen Koni* 
mission, N.F. Heft i. 1898, 8.33/34. Der Kurfürst wollte den Katholiken 
die ganze Kirche einräumen und war bereit, eine neue Kirche für die Anders- 
gläubigen bauen zu lassen, aber diese gingen nicht darauf ein. — Montes- 
quieu erfährt zu Braunschweig, dass auf dem Reichstage zu Regensburg 
besonders der Vertreter Preussens, der Graf von Metternich, sowie der Ver- 
treter von Braunschweig- Wolfenbüttel, Baron von Stain, der kaiserlichen Au- 
torität entgegengetreten sind und die Ansprüche der Heidelberger Protestanten 
verfochten haben (Voyages, Bd. II, S. 210.) — *) Der Text hat hier — 
ein Beweis für die Flüchtigkeit der Niederschrift — das Wort: protestants. 



Montesquieu In lieiddberg uoi MämmeünT 



445 



seine Rate und Gerichü-beamten» ihren Wohnsitz nach Mannheim 
zu verlegen. Dies hal die Stadt Heidelberg so herunter gcbrachti 
dttss man dort kein Geld sieht. Die Hauser, die einen Wert 
von 3000 Gulden hatten, gelten jetzt kaum 1000 bis iioo* Ich 
habe diese berühmte Kirche gesehen, die so viel Aufsehen erregt 
hat, und die sicherh'ch nicht wert war» so sehr umstritten tu 
werden. Aber die Protestanten fürchteten vor allem» dass der 
Kurfürst, wenn er erst die Kirche hätte, auch die Einkünfte ver- 
langen wiirde, die beträchtlich sind. Es ist erstaunlich, dass der 
Wcstphälische PViedensvertrag , der zu Gunsten der Fürsten 
gemacht wurde, ihnen je tut so in die Quere kommt. Dieser West- 
phälische Vertrag hat die katholische Religion in Deutschland 
zu Grunde gerichtet. 

Ich bin im Schlosä gewesen und habe das berühmte Fass 
gesehen In der That, das ist ein schiines Stück. Es hält 204 
Fuder, 3 Eimer, 12 Finten. Jedes Fuder enthalt 10 Eimer; der 
Eimer 48 Finten, 

Man schätzt im Volke, dass das Fuder das Jahresquantum 
eines Mönchs ist. Also kann dies Fass für 204 Mönclie aus- 
reichen [sciL für I Jahr]. Es ist noch ein anderer Keller da 
mit grossen Fassenii <iie zusammen nur soviel halten wie das 
grosse. Der Küfer giebl einem zu trinken aus einem furchtbar 
irossen Pokale; aber er thut nur wenig Wein hinein. Man muss 
^ul das Wohl des Kurfürsten trinken, und wenn man gewisse 
Ceremonien unierlässt, bekommt man einen Schlag auf den 
Hintern, ebenso wenn man an das» vermaledeite Fass klopft. 

Das Schloss ist zur Zeit der Franzosen zerstört worden 
(»du tcmps des Fran^oistl), Sie wollten auch das Fass in #lic 
Luft sprengen; aber durch ein Wunder hat die Mine nicht gewirkt. 

Die ößentHche Ausübung der drei Religionen ist in der 
Pfalz gestattet Seit diesem Kurfürsten haben die Katholiken 
ein wenig freieres Spiel gehabt Man hat kleine Leute belästigt, 
die sich übrigens wieder beruhigt haben. Die Ämter sind zum 
grossen Teil in den Händen der Katholiken, Da, wo es gemein- 
same Kirchen gab, hat man getrennt, und bald halten die Refor» 
mirten und die Katholiken mehr Irciheit in ihren Predigten, 
is die Protestanten, und die Jesuiten predigten ein wenig über 
trcitigc Glaubenssätze. [Vennutltch die Professoren der Hoch» 
schule, die grösstenteils Jesuiten waren. J 

Am 27. (?) August (; reiste ich in Heidelberg ab und kam 
atn frühen Morgen in Mannheim au, das eine Posisialion davon 
entfernt ist Dies ist zur Zeit eine der schönsten Städte Deutsch* 



*) Montfsqu]<ru j^ebt snr le 25 »oi'lt; am 16, kam er aber erst in Heidel« 
htxg iui, naclKleru er am 2^, io Augsbiir|* abffrei&t war («. S* 15^). Dtt 
HerAuijscbef scheint diesen WidertpiocH, wie so vick fthnhche, f>u;ht i^emerkt 
£11 haben, S. 175 2. & ist i. B. ttAlt »ler d'A^au co letcrn: >i«t »eptembrts 
das ergiebt sich aus SS. «36» II 5, IX4. 1j2 u* «* Ol. 



^j,^ Hinneschiedt. 

lands, und es wird eine seiner stärksten werden. Sieben Strassen 
in einer Richtung, gekreuzt durch sieben andre, bilden die Stadt; 
breit, kerzengerade. Schöne Plätze; zweistöckige, meist wohl- 
gebaute Häuser. Die Lage der Stadt ist reizend, an der Stelle, 
wo der Neckar in den Rhein mündet; sie wird eine der hervor- 
ragendsten Städte Deutschlands werden, und wenn die Franzosen 
sie hätten, so würden Mainz, Speyer, Worms, Heidelberg, Phi- 
lippsburg, Trier ihre Bedeutung verlieren oder doch im Schach 
gehalten werden. 

Der Kurfürst hat die Wälle rings um die Stadt angelegt, 
die Bastionen des Hauptwalles, sowie einige Aussenwerke. Aber 
die letzteren sind nicht vollständig. Die Sache hat nämlich einen 
Hacken: er darf nach der Rheinseite zu keine Festungswerke 
anlegen, weil in den Verträgen von Baden und Rastatt bestimmt 
ist, dass Frankreich und das Reich keine Bollwerke an den Ufern 
des Rheines errichten dürfen. Der Kurfürst hat gleichwohl einige 
kleine, ziemlich unbedeutende Werke am Rheinbrückenkopf an- 
gelegt. Man ist von Landau herübergekommen, um sich die 
Sache anzusehen, und man fand sie so unbedeutend, dass man 
nicht für der Mühe wert hielt, ein Wort weiter darüber zu ver- 
lieren. 1) 

Wenn Krieg ausbricht, so würde man zuerst das Rheinufer 
befestigen und man würde einen festen Stützpunkt haben. Eines 
allerdings gibt zu denken: nämlich nach dem Schlosse zu ist 
der Boden sehr sandig, und die Werke können dort nur von 
geringer Haltbarkeit sein. 

Das Schloss des Kurfürsten wird sehr schön werden. Der 
Plan hat mir sehr gut gefallen, obwohl er bei weitem noch nicht 
vollendet ist. Der in Holz ausgeführte Entwurf ist zu sehen. 
Ein neuer Baumeister hat einige Fehler des ersten ziemlich glück- 
lich verbessert. So hatte man z. B. an jedem der beiden Flügel, 
die an den Hauptbau stossen, zwei kleine Vorbauten auf jeder 
Seite angebracht, um die Treppen unterzubringen; er hat aus 
den beiden einen gemacht: dies macht einen etwas weniger 
ärmlichen Eindruck und unterbricht nicht so sehr die Wirkung 
der Perspective. Der Fehler ist, dass die Vorhalle niedrig und 
klein ist, dass sie keine Säulen hat, sondern gewölbt ist, und das 
ist eines so grossen Bauwerkes unwürdig. Ebenso ist in der 
Wohnung des Kurfürsten der Hauptsaal nicht gross genug. Was 
schön ist, das ist die Aussicht. Der Kurfürst sieht sein ganzes 
Land und noch dazu die beiden Flüsse. Eine Kapelle ist da, 
die ungefähr nach dem Vorbild der zu Versailles gebaut ist. 



^) Hier folgt im Buche eine dem Manuskript nachgebildete Skizze von 
»Mannheim et ses environs«: Rhein, Neckar, Stadt, Kurfürstenpalais, Ver- 
einigung der beiden Flüsse, Schiffbrücken u. e. a. Das Ganze ist wenig genau, 
zeigt aber das Interesse, das Montesquieu an der Stadt genommen hat. Die 
Hauptsache ist ihm die feste Lage der Stadt. 



Afontesquieu in Heidelberg und MAnnheim. 



445 



Die Stadt ist niedrig gelegen und steht so zu sagen gleichsam 
in einem Sumpf. Darum behaupten die Heidelbergex, die Luft in 
Mannheim sei schlecht: aber nach den Gesichtern der Mann- 
heimer zu urteilen ist dies nicht der Fall, Sie haben eine gesunde 
Farbe, und ich habe sie im Monat August gesehen. Aber wenn 
die Luft wirklich schlecht wäre, würde es mich nicht wnindem, 
denn man baut dort unaufhörlich, man hebt Erde aus und das 
Wasser wird faulig in den Vertiefungen» die man nicht ausfüilt 
iji dem V^erhältnis, wie man baut, und, da die Strassen nicht 
alle gepflastert sind, bleibt das Wasser stehen, und man bleibt 
selbst stehen. Und das war noch viel schlimmer, ehe man soweit 
vorgeschrilien warl Damals war ein furmlicher Gestank; das 
Wasser war schlecht- Jetat ist es besser, und in dem höchsten 
Teile der Stadt giebt es gute Brunnen, tm übrigen haben sie 
die Wahl zwischen dem Wasser des Neckars und dem des Rheins* 

Der Schlossbau rückt nicht vor und wird nicht vorrücken, 
weil die PfaU jährlich eine Summe /uschiesst, die man nicht 
fahren lassen darf: jeder wohlhabende Mann xahlt monatlich 
i Gulden, die übrigen nach Verhältnis. 

Die Kapuziner haben ein sehr schönes Kloster, das ihnen 
der Kurfürst hat bauen lassen von der Geldbu^se, die ein reicher 
Jude bezahlte, um einen anderen Juden vom Galgen zu retten. 

Ein Drittel der Einwohner Mannheims ist katholisch^ die 
übrigen evangelisch und reformiert. 

Die Jesuiten haben ein Kloster ohne Kirche; aber sie halten 
Gottesdienst in der llauptkirche und helfen dem Pfarrer aus. 

Der Eifer der Jesuiten zur Bekehrung der Protestanten ist 
ganz unverkennbar. Ich habe mit ihnen über Heidelberg ^) 
gesprochen. Ich kann versichern, sie verwünschen nicht wenig 
den Westphälischen Friedensvertrag. Sie haben mir gesagt, dass 
die Sache nur langsam voran gehe« dass eine eiserne Geduld 
dazu gehöre; dass die Patres aus Rom ihnen selirciben, sie seien 
erstaunt, dass es noch so viele Protestanten in der Pfalz gebe; 
aber wenn sie (die röra. P.) sich an die Bekehrungsarboit 
machten, so würden sie schon finden, dass die Protestanten 
ihren Mann stellen; zwar seien die Minister des Kurfürsten ka* 
tholisch, aber sie mussten gute Katholiken sein. Jedoch nie 
hoffen« dass die Kinder der lauen Väter glaubenseifriger sein 
werden. Jn Heidelberg, sagen sie, sind zwei Drittel Calvinisten, 
und vom anderen Drittel ist der grossere Teil katholisch, der 
Rest lutheriscli. Sie erzählten mir ferner, dass der Kurfürst wäh- 
rend des Kriegs grossere Fortschritte [seil, in der Bekehrungs- 
arbeit] gemacht habe, als zur Friedenszeit: die Franzosen, die 
katholisch sind, waren in der Nachbarschaft; der Kurfürst halle 
eine starke Truppenmacht; die Protestanten hatten Angst und 
beriefen sich nicht auf ihren Westphälischen Vertrag, und so 



*) Vcnnuilich die Angelegcnbeit der HeiU|:ceistkirchc. 
Ztlnchr. r. G«mA« 4 ObmK. K. F. XJlt. j, yo 



^^46 Hinneschiedt. 

hatte sich nach und nach unter der Neuburger Linie die katho- 
lische Religion weiter ausgedehnt. Die Jesuiten sagen, dass sie 
mit Geld viele Arme bekehren könnten. Am besten bringen sie 
es mit den Soldaten fertig, die sie fast alle dazu bringen, den 
Glauben zu wechseln. »Ich trete über,« so sagen sie, »weil das 
meinem Hauptmann Freude machen wird und weil Eure Cere- 
monien mir gefallen.« ') Die trefflichen Patres haben in Heidelberg 
ein schönes gutes Kloster und eine sehr schöne Kirche. Ein 
Teil davon ist nach einem guten Plan gebaut. Sie wollen sich 
von dem Kurfürsten noch ein Haus geben lassen, um ein Semi- 
nar darin zu errichten. In Fulda haben sie ein Seminar, aus 
dem Priester hervorgehen, um bedürftigen oder verwaisten Pfarreien 
zu dienen, und das 4000 römische Thaler von der päpstlichen 
Schatzkammer oder vielmehr von der Propaganda bezieht. Sie 
[die Jesuiten zu Mannheim] sind unwillig, dass es in der Pfalz 
so langsam vorangeht [mit dem Bekehrungswerk, vergl. oben]; 
besonders im Hinblick auf Mainz, Köln, Trier, wo es so viele 
Ketzer gab und jetzt keine mehr giebt. Als ich mit ihnen über 
den Streit wegen der Heiliggeistkirche sprach, sagten sie mir: 
»Mein Herr, wir thun, wozu wir durch unsern Orden verpflichtet 
sind. Ob das gefallt oder missfallt, darüber machen wir uns 
keine Sorgen.« 

Die Einkünfte aus den Herzogtümern Jülich und Berg sind 
bedeutend höher als die aus der Pfalz: ich hörte, sie beliefen 
sich auf 2 Millionen Gulden; die aus dem Herzogtum Neuburg 
auf 60 000 Gulden, die aus der Pfalz auf i ^/a Million Gulden. 
Kurz, ich glaube, dass der Kurfürst im Ganzen wohl an 4 Mil- 
lionen Gulden Einkommen hat. Der Kurfürst und König von 
Böhmen [Friedrich V.] veräusserte sehr gute Bezirke der Pfalz, 
die noch nicht wieder zurückerworben sind. Indessen scheint 
es, dass der Kurfürst mächtig ist: denn er unterhält in Friedens- 
zeiten IG 000 Mann Truppen. Er baut, wie oben erwähnt, und 
er bezahlt an seinem Hofe sehr grosse Gehälter. Ich habe von 
Leuten sprechen gehört, die von ihm 40 — 50 000 Gulden bezogen. 

Während meines Aufenthaltes war der Kurfürst in Schwetzingen, 
einem kleinen Lusthaus, eine Poststation von Mannheim, wo er 
den Sommer zugebracht hat Ich hatte Eile und ging nicht hin, 
zumal der Baron von Ricordin, einer seiner Kammerherm, an 
den ich einen Empfehlungsbrief hatte, nicht dort war. Aller- 
dings boten mir mehrere Räte, die ich in Heidelberg sah, bereit- 
willig ihre Dienste an. 

Der Kurfürst sollte zwei Tage nach meiner Abreise eine 
Jagd auf den Inseln des Rheines*) abhalten. Man fangt Hirsche 



*) Die folgenden Bemerkungen über Heidelberg, wo er sich nur einen 
Tag aufhielt, und Fulda, wohin er gar nicht kam, sind wohl auf die Unter- 
haltungen Montesquieu's mit den Mannheimer Jesuiten zurückzuführen. — ^ 
<) Im Manuskript, das mehrfach von hochgradiger Flüchtigkeit zeug:t, steht 
»les lies du Danube«. 



Montesquieu in Heidelberg und Mannheim. aa-j 

in den Wäldern, bringt sie anf diese Inseln und jagt sie, bis sie 
sich in den Rhein stürzen, dann tötet man sie, wenn sie vorüber- 
schwimmen. Aber, da sie vorher eingesperrt sind, lassen sie 
sich abschlachten, nicht jagen, i) 

Der Hof des Kurfürsten wird sehr gequält durch die Furcht, 
dass die Herzogtümer Jülich und Berg ihm verloren gehen. Der 
Vater des Fürsten von Sulzbach ist sehr reich, wie man sagt, 
an barem Geld. Dieser Fürst soll Thronfolger werden infolge 
des Todes seines Bruders, der die Tochter des Kurfürsten 
geheiratet hatte, und der nur Töchter hinterlässt. £r hat einen 
Sohn.c 

Am 2g, August reist Montesquieu von Mannheim über Darm- 
stadt nach Frankfurt, wo er noch am selben Tage ankommt. 



*) Die Jagd bat stattgefunden, und der Mainzer Erzbischof mit seinem 
Hofe hat daran teilgenommen. S. 173. 



30* 



Die Strassburger Universität 
in der Zeit der französischen Revolution. 

Von 

C. Varrentrapp. 



Wie Strassburg die deutsche Schicksalsstadt genannt 
ist, weil sich in ihrer Geschichte die grossen Wandlungen 
unseres nationalen Lebens wiederspiegeln, so hat ein elsas- 
sischer Gelehrter 1) nicht ohne guten Grund auch die von 
dieser Stadt im i6. Jahrhundert gestiftete Hochschule als 
Schicksalshochschule bezeichnet. Ein Studiun? ihrer Ent- 
stehung liefert wertvolle Beiträge zur Erkenntnis des Ver- 
hältnisses zwischen 'dem Humanismus und der Reformation 
— und bei der Betrachtung ihres Untergangs treten uns 
bezeichnende Züge und Gegensätze der Zeit der französi- 
schen Revolution entgegen. In dieser Ansicht bin ich 
durch einige bisher wenig oder gar nicht beachtete Quellen 
bestärkt, welche mir durch die Güte der Leiter und Be- 
amten der hiesigen Archive und Bibliotheken eröfl&iet 
wurden; in der Hoffnung, dass einiges aus ihnen auch die 
Leser dieser Zeitschrift interessieren dürfte, bringe ich im 
Folgenden den wesentlichen Inhalt eines in der Strass- 
burger historischen Gesellschaft gehaltenen Vortrags zum 
Abdruck, in dem ich mit Hülfe dieser neuen Materialien 
in kurzen Strichen den Einfluss der franzosischen Revolution 
auf die alte Strassburger Hochschule und ihren Untergang 
zu schildern suchte. 

Um die Bedeutung der damals eingetretenen Wendung 
recht zu würdigen, gilt es zunächst die Frage zu beant- 
worten: welche Stellung nahm die Universität ein, als der 



') Wieger, Geschichte der Medizin in Strassburg, S. VII. 



Die Stimssburger Universität i, d. Zeit d. franz. Revolution. ^^g 

Stiinn der Revolution sie traf? Mehrfach ist hervorgehoben 
worden'), dass sie bis zuletzt den bei ihrer Gründung ihr 
aufgeprägten Charakter einer protestantischen deutschen 
Hochschule behauptet hat. Diese Auffassung wurde auch 
in der wichtigsten ihr gewidmeten Publikation, von Knod 
in seiner Einleitung zu der Ausgabe ihrer Matrikeln ver- 
treten; lebhaft aber wurde sie in einer beachtenswerten 
Rezension dieser Arbeit bestritten*); auch zur Prüfung 
dieser Streitfrage dürfte es sich empfehlen, genauer die 
letzten Jahre der Universität zu betrachten. 

In dem Strassburg des achtzehnten Jahrhunderts kann 
natürlich nicht an eine politisch-nationale deutsche Empfin- 
dung gedacht werden, wie sie ja auch rechts des Rheins, 
ja rechts der Elbe erst unter dem Druck der Herrschaft 
Napoleons sich entwickelt hat; kein historisch Gebildeter 
wird es veruninderlich finden, dass damals von Strassburger 
Professoren die Verbindung Strassburgs mit Frankreich 
gepriesen wurde. In überschwanglichen Worten that dies 
namentlich der letzte Historiker der alten Universität. 
Johann Michael Lorenz*}, und wenn schon in sehr anderem 



») S, Schrickers 1872 veröffentlichte FcstfchriA; die 18S5 von Heitit 
gehaltene Rede zur Geschichte der Stmsäburgcr UniverMtät; H. Ludwig (von 
Jan)» Strassburg vor 100 Jahren (1888) S, 116 ff.; Ho*eus, Die Küsex- 
Wilhelnis-UnivenitÄt zn Strassburg S. 2 f,; Hausmann. Die Kaiser- Wil- 
helms-Universitat Strasst»urg S. 9 ff. — "} Von Rudolf Reuss in der 
Revue cntique vom t. Novemtier iS^7 n* 44 p. 291 ff, Doch verdient 
hervorgehoben lu werden, da&s Reuss in dem gleichzeitig er&chirnenen er&ten 
Band seines Buchs aber UAlsace au dix-septi^me siöcle S. 726 schrieb: 
L*Universiiti de Strasbourg, les <t;oles sccondaires ou gymnasea du pays, k 
plus fort raison \c% icoles primaires rest^rent fonci^remeot allemandei de 
ns^lhodes et dela langue jusqu* au lendcniAin de la ptise de la ßa&tille. ^ *| Auf 
die Verhertlichung Frankreichs ^ttrcb Lofcnjc wiesen llernijuin Baumgarten 
i» der Aüg. Deutschen Biographie XIX. iSo und Erich Schmidt, Tra Neuen 
Rcith lS;4 Bd. II. 1015 hin» Unter Blessigs Reden ist für seine An* 
iclukuun^en neben der von 1731 die 17H8 nach Etlnsai des Toleninxedikt) 
Ludwigs XVL gehaltene l>ei»onitets bezeichnend; über sie *. die Erklirungen» 
in denen er sie gegenüber dem königlichen Prilor verteidigte, l>ei Fritr, 
Leben Blessigs I, 123 f. IL 64 ff« Beachtung verdient namentlich auch seine 
tm Jahrgang 1782 des Dentscben Museum Bd. 11, S. 47 t iL veröffentlichte 
Verteidigung der Strassburger; ihrem Ankll^er gegc«Ol*er, der geäussert luiitc 
man witoc nicht, ob man sie »ur dfutsch^n oder französischen Nation rechneu 
solle, erkUrte Blessig hier S, 474: «Besage jeder LÄndkATle und jedes 
Gcsddchtftbuchs i«ind es Deui^cbe unter rrjinxdsischer Botmlssigkeit«* 




^i0^ji, vr^ jgrjJ i K,! 'V'sr TTi lan aar ck ^^rnati i niu. 

^^j^itPffi psip^L fitf^ ifismsL '^inJn^^ "! ! -mir" ^—w ^ ^amecs. 

iB'sum^gL. ölt i#sr ^SMä: ohl 3mwgat^ä : Tot Ijmvri^ 3Z^r 

•!»sw^<rvs«T{»rn v:n URa. ttrrusi".ip?j- '^n*^ ijij»ri:.iiiiiMi— ■— ^ 

Kr vrf!3ߣgm«D*r ljtatT»r tsl zt junänmÖBssz, äesr 
>iff « «»r |f**2iÄC5H: ^xäiiq&L ^anpsaysESL. not 
t^r vvi um uifi W3USIX. VTifi>r 4^Tm gTH^iHW*! Zinäa- 

itsg^^^.t r>!nna^i#e imt ^^murateL. •rsHUP'irliiiL ^auicaEne 

jr*iMi^si iaq;'*£u{fn^n. ^sjbl nTgrracTnfnii'pr Ziur TF^iiFsirim: is^ 
irw «r iju»!si0:r -w^jn. ^"jr ^aI^sil ioa ffir ZsBsrrxixmzxir -Zt -h?- 

V-'SrtdJVM^^r Van*rwcic '>B5»:!»^r5 ^r* Yrsrvxiftäscux 
mr: jtr:^ V*sr-j!ru4ui^ mc -Mr 'If^jrz^ Aurisci Äoncr* 

— > irir-fe an* ^xx±ciz^sL xnr Fi— =. £x Sixi dSe 

ViT'/fVrr. anA -ri^ T>e£ Ver>-c3Hfs4es 6er G«daake fär 3iii 

vÄ-iC f*«rA ÄÄ ♦^-/w: Fresnde Lobetem nach Goamgcn, 
Mr-> ^, iir>: -w' ?>erkTitet ">, von Pöner, Böhmer. Gatterer und 




Die StrAssburger Universitüt u ü. Zdt d. franz. Revolution« ^c t 

Schlozer rnng-emetn freiuidschaftlich aufgenommene \inirde. 
Schon früher hatten er und mehrere seiner Strassburger 
Kollegen an Publikationen Schlö^ers mitgearbeitet, der 1773 
bei einem längeren Aufenthalt im Elsass persönliche 
Bekanntschaft mit den Strassburger Professoren, von denen 
einige ihm durch seine Gattin verwandt waren, und vor- 
züglich mit Koch und Oberlin angeknüpft») hatte. Dieser 
bezeugte, wie ihn der Umgang mit Schlözer belebte, dem 
er 1775 seine interessante Schrift sur le Patois Lorrain des 
Steinthals widmete. In Göttingen selbst haben Johannes 
Schweighäuser und Blessig fruchtbare Anregungen empfan» 
ren; seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Blessig und 
linem anderen Strassburger Theologen, zu Haffher hat der 
Göttinger Meiners*) gedacht, und auf dessen »ürundriss 



häofier in stiner vte de Koch mit|eeteilt worden. Zu die&cr liefert bedeutsame 
ErgäDzuDgen die biograjthische Skixxe« die Kochs %'ertntuler Schtiler, Friedrich 
Scholl seiner Ausgabe von seines I.ehrers Histolre de* tratt^s de paix voran- 
stellte; von Schweighäuser und Schill sind AQch die bekunntesten Diplom«iten 
aufgeführt, die tn Strassburg zu Kochs Fttssea msen« Die meisten von ihnen 
hörten neben dessen Vorlesungen «uch Nmurgeschicbte bei Hermann; vgU über 
fliesen und seine ZuhOrer die Abhandlung von J. E. Gerock über die Natur« 
wissenschaflen auf der Strassburger Universitit 1760—92 im IV, Jahrgg. der 
^litieilungen der Phtlomathisdien Gesellschaft und Benecke In der Zischr. der 
Deutschen Geologischen Gesdlschaft XLIV, 514», 

') So Christian v. SdiMzer, Aug. Ludw, v. SchI6ters ÖfiFentUchei u. Privat* 
leben 1» 221* Koch lieferte für die eweilr 1775 erBchienene Auflage von Schlöicn 
VVeligeichichte eine kune Skixfc des neuen burgundischen Reichsund für den 
enten Band von Scbiözers Bricfwccliscl Nachrichren von der Abtei St, Blasien, in 
denen er namentlich die gelehrte Thi\ligkcil des Abtes Gcrbert schilderte. Der- 
selbe Band des Briefwechsels brachte auch eine Beschreibung der Schlitie der 
Strassburger Bibliothek von Lorenz und Mitteilungen von Oberlin; über 
diesen vgL Spadi, Oeuvres choisies I, 323 ff* und Martin, AUg, deutsche 
Biographie XXIV, nb C; über Johannes Schweighfiuser und seinen Sohn 
Gottfried s. ebenda XXXIII» 345 ff» '^'^ Artikel von Kaibcl und ^(tchae)is 
und die von ihnen angefühlte Litteratur* Die im Folgenden benutcten 
Strassburger Voflesungsveneichnisse fand ich teils auf der Universitltf- 
bibliotbek, teils im Thomasstift» einig« aueh in den Seta*isburgef gelehrten 
Nachrichien, die Blessig 1782— $5 herausgab; wenn man mit ihnen che 
Lektionskataloge der Fakultäten von Nancy vergleicht, die in dem enrUmten 
Band des Schlüter 'scheik BiiehredueU S» 3 1 C abgedruckt wurden« well m»n 
sich Hlarmos einen Begriff vom Zustand der LTniversitÄten in Frankreich über- 
haupt machen« kfinne, treten deutlich die L^nterschiede zwivcheo den dortigen 
und den Strassburger VrrhÄltnissen vor Augen, — *) In der 1^05 vrrAfient- 
lichten Beschreibung seiner iSoi unternommenen Reise nach Stuttgart and 



4^2 Varrentrapp. 

zur Geschichte der Menschheit« wies Haffner bei der An- 
kündigung von einer seiner Vorlesungen hin. Auch sonst 
sind in den Strassburger Vorlesungsverzeichnissen mehr« 
fach Gröttinger Arbeiten ausdrücklich empfohlen: in der 
theologischen Fakultät wurden danach Eichhorns Einleitung 
in das Alte Testament und der eben damals auch für den 
Religionsunterricht im protestantischen Gymnasium ein- 
geführte Neue Hannoversche Katechismus als Leitfaden 
benutzt; Oberlin lehrte Logik und Metaphysik nach Feder; 
Lauth, Lobstein und Röderer trugen Physiologie nach Haller 
vor. Schweighäuser empfahl denjenigen, qui lectiones philo- 
logicas cursorias librorum nonnuUorum Veteris aut Novi Testa- 
menti instituere cupiunt, ducem Joh. Georgium Dahler nuper 
ex Gottin gensi universitate ad nos reversum; er selbst kün- 
digte 1792 Interpretation der kürzlich von F. A. Wolf in 
Halle herausgegebenen Schriften Lucians an, nachdem schon 
in früheren Strassburger Vorlesungsverzeichnissen die 
Studenten auf einen anderen berühmten Haller Professor, 
auf Heineccius hingewiesen waren. 

So wurde bis in die letzte Zeit der Strassburger Uni- 
versität ihr Zusammenhang mit anderen deutschen Hoch- 
schulen gepflegt. Deutsch wurde ihr Rektoratsprotokoll 
geschrieben; neben lateinischen Vorlesungen wurden andere 
in deutscher wie in französischer Sprache gehalten 1), und 
auch nach den Tagen, in denen hier Goethe mit Herder 

Strassburg S. 122. Seine Dankbarkeit gegen Meiners und andere Gröttinger 
Professoren hat andererseits Blessig in den in seiner Biographie von Fritz II, 50 
abgedruckten Äusserungen und in dem 1786 bei Antritt seines Ordinariats 
veröffentlichten Programm ausgesprochen. 

*) In einer im Thomasstift (Univ. T. 7 L. 13) aufbewahrten Denk- 
schrift von 1790 wurde darauf hingewiesen, dass die öffentlichen Vorlesungen 
an der Universität lateinisch gehalten würden, pour que les 6tudiants des 
differentes nations puissent y assister, mais que les professeurs enseignent 
dans les cours priv6es au gr6 de leurs auditeurs en langue Latine, Fran^aise 
ou Allemande, ce qui lui attire des jeunes seigneurs de differens pays. 
Dieser Aussage entsprechen die Mitteilungen, die über Hermanns Vorlesungen 
aus dessen Papieren Gerock in der angeführten Abhandlung gemacht hat, 
und so finden sich auch auf der Strassburger Stadtbibliothek neben den von 
Reuss in der Revue critique erwähnten lateinischen Kollegienheften drei 
deutsch geschriebene Bände von Nachschriften der 1790 — 92 gehaltenen Vor- 
träge von Thomas Lauth über Anfangsgründe der Wundarznei-Kunst und 
Theorie der chirurgischen Operationen. 



Die Stri&sburger Universität i. d. Zeit d. fnuiz. Revalmion. a^^ 

sich msammengefunden hatte, bekundeten Angehörige der 
Strassburger Universität^ bekundeten unter ihren Professoren 
namentlich Oberlin und Blessig ein lebhartes Interesse für 
alte und neue Werke deutscher Dichtung i). Was aber das 
Wichtigste: OrganiSÄtion und Lehrbetrieb der Strassburger 
Hochschule zeigten die gleichen Hauptzüge wie die der 
anderen deutschen Universitäten; dass sie nach beiden 
Richtungen wesentHch und zu ihrem Vorteil von den 
katholischen französischen Hochschulen sich unterschied, 
das ist noch im i8. Jahrhundert von Haffher in einem 
später von uns noch genauer zu betrachtenden Buche ein* 
gehend dargelegt worden, dafür hat jetzt Liards lehrreiche 
Darstellung des modernen französischen Utuerrichtswesens 
neue Belege geliefert *), Andererseits aber treten, wenn 
man mit der Göttinger die Strassburger Universität ver- 
gleicht, klar auch die Nachteile ihrer Stellung hervor, Sie 
hat nicht wie jene eine wohlwollende Förderung durch eine 
einsichtige Staatsregierung gefunden; vielmehr begünstigte 
^^ gegenüber die französische Regierung die katholische 
Akademie, die im Anfang des Jahrhunderts von Molsheim 
hierher verlegt war, und die Lasten, die sie auf die Stadt 
legte, und noch mehr der Sondergeist, der im Gegensatz 
zu den hier einst von Jakob Sturm vertretenen Anschauungen 
jetzt die auch die Universität leitenden Strassburger Familien 
beseelte, hinderten die Heranziehung geeigneter Kräfte aus 
anderen deutschen Gebieten, wie sie damals Gottin gens, wie 
sie im i6. Jahrhundert Strassburgs Ansehen und Wirksam- 
keit gefordert hat. Mit Recht haben elsässische Gelehrte 
beklagt, wie die Entwicklung ihrer Heimat und der Uni- 
versität dadurch geschädigt wurde, dass nicht mehr ein so 
fi-uchtbarer Austausch geistiger Kräfte zwischen dem Elsass 
und anderen deutschen I^ndschaften wie früher stattfand; 
namentlich musste den Verehrern Schöpflins sich das 



*) VkI. namcniljch i mi h s hnmlt, Wigner 2* Aurl. S. 9. 21. 121t: 
Froilxheim, Zu Simäsbui|j;i Sturiu- und Drangperiode S. 240.; Hertnaim 
Ludwig (V, Jaot, Stm&sburg vor loo Jjihr«ti S. 136 fT. (58 ff. 504 ff. und die von 
ihnen ftni^eführte IJUemiur. — *) Li«fd, L'coieigTjemcnl supcricur en Franrt 
1789—188^, 1« ^f. 69 f. Vu). Attch die eifigcheode Besprechung die^e» 
Buches von J^qttef FIacH In der Revue inlernAtioaale de ren^eignement 
supdrieur XXVlIlr 4^0 rL. R^mentlifli H. 492 u. 494- 



4^^ Varrentrapp. 

Bedauern aufdrängen, dass, nachdem dieser Badenser für 
die Geschichte des Elsass mehr geleistet hatte als irg-end 
ein in ihm geborener Historiker, nicht öfters versucht wurde, 
rechtsrheinische Kräfte für die alte Hauptstadt des Ober- 
rheins zu gewinnen, und so haben sich ja auch, wie wir 
in Dichtung und Wahrheit lesen, die beiden Liebling-s- 
schüler Schöpflins, Koch und Oberlin, bemüht, den grossten 
Strassburger Studenten hier zur Mitarbeit mit ihnen zu 
bestimmen; Goethe aber, der in diesem alten deutschen 
Grenzland nach seinen eigenen Worten »alles französischen 
Wesens baar und ledig« geworden war, konnte sich zum 
Eintritt in den französischen Staat nicht entschliessen. Von 
solcher Stimmung war begreiflicher Weise die der Strass- 
burger Professoren, war namentlich die Kochs sehr ver* 
schieden; seine Aufzeichnungen beweisen, wie er sich der 
Anregungen freute, die ihm ein Studium der Bibliotheken 
und Archive in der französischen Hauptstadt und der Ver- 
kehr mit hervorragenden Franzosen und seinen französischen 
Schülern brachten; die Förderung, die er dadurch, die er 
durch französische Staatsmänner und aufgeklärte katho- 
lische Geistliche bei seinen gelehrten Studien erfuhr, 
schätzte er höher als die Schwierigkeiten, die für die Uni- 
versität durch französische und katholische Bestrebungen 
und durch die politische Stellung Strassburgs herbeigeführt 
wurden. Wohl machten sich Schattenseiten von dieser 
schon damals fühlbar; aber die damaligen Lehrer der 
Strassburger Hochschule vermochten nicht zu erkennen, 
wie grosse Gefahren sich daraus in der Zukunft für die 
von ihnen gewünschte Behauptung ihrer eigentümlichen 
Bildung entwickeln würden. Erfüllt von der kosmopoli- 
tischen und optimistischen Gesinnung ihrer Zeit erhofften 
sie von den Fortschritten der von ihnen vertretenen Auf- 
klärung eine weitere Zurückdrängung der nationalen und 
konfessionellen Gegensätze und eine Besserung der Ver- 
hältnisse auf politischem, kirchlichem und pädagogischem 
Gebiet. In dieser Stimmung begrüssten die meisten von 
ihnen, wie so viele ihrer rechtsrheinischen Gesinnungs- 
genossen mit lebhafter Freude die grosse Bewegung, die 
durch die Berufung der Etats generaux eingeleitet wurde; 
sie ahnten nicht, welche Bedrängnis ihnen und den deutschen 



Die Strassbarger Univer§ilit i d. Zeit d. frAim. Revolution. a^s 

Bildungsanstalten Strassburgs daraus erwachsen sollte, dass 
durch die Revolution mehr als je zuvor die centralistischen 
Bestrebungen in Frankreich gestärkt wurden. 

In dem Monat der Eröffnung der Reicnfetande über- 
nahm Blessig zum zweiten Mal das Rektorat der Universität; 
im Juli wurden er und die Dekane von dem neu ernannten 
Kommandanten, dem Marquis von Rochambeau empfangen. 
Er unterhielt sich mit ihnen, \%de das Rektoratsprotokoll 
berichtet, »von dem Flor der Universität, auf welcher auch 
sein Sohn studiert habe, und von der Verträglichkeit, die 
vorzüglich in Strassburg herrschen sollte«. Unmittelbar 
irauf wurde auch die Universität durch die in Strassburg 
ausbrechenden Unruhen M gefährdet; der Rektor erbat sich 
soldatischen Schutz für das Universitätsgebäude; die Er- 
füllung seiner Bitte wurde ihm, wie er schreibt, »wiederholt 
versprochen — aber vergessen«. So bildete er eine Wach- 
mannschaft aus Studenten : solche suchten unter Anführung 
Oberlins auch unter den Trümmern der halbzerstörten 
Pfalz die zu den Archiven gehörigen Schriften auf. Als 
die Bürgerwehr die Posten besetzte und die Ruhe sich 
wieder einstellte, hielt Blessig es dann aber am 27, Juli 
»für unnötig die Studiosos weiter zu bemühen und ermahnte 
ie nun wieder mit verdoppeltem Fleiss zu ihren Studien 
arückzukehren«. 

Noch 1789 aber wurden die Studien der Professoren 
durch die Sorgen gestört, die ihnen der Weitergang der 
revolutionären Bewegung brachte. Mit Recht ist immer mehr 
die Bedeutung der Beschlüsse der Nationalversammlung 
über die kirchlichen Verhältnisse betont worden; ob nach 
ihnen die elsässischen Protestanten die ihnen zugesicherten 
Rechte behaupten könnten, das war eine Lebensfrage nament- 
lich für die Strassburger Universität, zu deren Unterhaltung 
vor allem die Pfründen des Thomasstifts dienten. Zur 
Vertretung der Rechte und Wünsche der elsässischen Prote* 
stanten wurde nun Ende 1789 Koch nach Paris gesandt; 
seine im Archiv des ITiomasstifts aufbewahrte Korrespondenz 
eröffnet uns einen lehrreichen Einblick in dieSchwierigkeiten, 

>y Vgl. aber sie M. Eimer. Die politiichen Verbtttniite tinil Bewrgmigeii 

in Strassburg im Jahre 1780 S, 58 ff, der bicr S. ^i «ocb »ndere Quellen 
Qbei Oberlins Bemübacgen zur Rettung der Archiv« mnflikrt. 



456 Varrentrapp. 

mit denen er bei seiner Mission zu kämpfen hatte; sie 
liefert damit eine neue Rechtfertigung für die Ehren, die 
ihm durch die Errichtung eines Denkmals in der Thomas- 
kirche und die Bezeichnung des unserem Universitäts- 
gebäude gegenüberliegenden Stadens mit seinem Namen 
erwiesen sind. In einem seiner ersten Briefe schildert er 
am 10. Januar 1790 anschaulich, wie stark die Strömung 
in der Versammlung sei, die überall auf Einförmigkeit und 
Gleichheit dränge. »Localitäten , die doch bei einer jeden 
Gesetzgebung billig in Betrachtung gezogen werden sollten, 
verdienen ihrer Meinung nach gar keine Rücksicht. Selbst 
innere Zwistigkeiten, Religionshass, Umsturz der Familien, 
Auswanderung und Blutvergiessen sind lauter Dinge, die sie, 
um das Platonische Gebäude ihrer Gesetzgebung durchzu- 
setzen, als lauter Kleinigkeiten behandeln«. Koch bemerkte, 
wie danach »auch unsere Universität dem gemeinen Schicksal 
folgen« müsse und wie für solche uniformierende Tendenzen 
besonders eifrig der oberelsässische Deputierte Reubell ein- 
trat. Doch überzeugte sich Koch auch, dass auch in der 
Versammlung eine Empfindung für die drohenden Gefahren 
und ernsthafte Wünsche für Berücksichtigung seiner Vor- 
stellungen sich regten. Alle Unbefangenen, schrieb er, 
räumten ihm ein, dass fiir die Protestanten zu fürchten 
sei, sie könnten bei der Neugestaltung der kirchlichen Ver- 
hältnisse ihren bisherigen Besitz verlieren, ohne etwas 
Neues dafür zu erhalten, und in der That mussten die 
Verhandlungen von 1790 jedem schärfer blickenden Beob- 
achter immer deutlicher machen, wie wenig daran zu 
denken war, dass der Staat Leistungen für Kirchen und 
Schulen von Protestanten übernehmen würde, wie sie für 
die katholische Kirche in Aussicht gestellt waren. So ver- 
ständigte sich Koch mit Führern der Versammlung, in der 
auch einige seiner ehemaligen Schüler sassen, darüber, man 
möge die elsässischen Protestanten in ihrem bisherigen 
Besitz belassen 1). Er legte dar, dass von ihnen bereits im 



Als Abgeordnete, die Koch durch ihren Rat und ihre Mitwirkung 
unterstützten, rühmt er namentlich den Berichterstatter Chapelier, Tracy, 
Gouy, Dupont de Nemours, Rabaut de St. Etienne, Bouchotte und die beiden 
Elsässer, den Strassburger Schwendt und den im Bezirk von Hagenau- 
Weissenburg gewählten Hm. von Rathsamhausen, dessen Unterstützung von 



Die btnssburger Universität i. d. Zeit d. Irnnz. Revolution. a^j 

i6. Jahrhundert die geistlichen Güter säkularisiert und 
schon seitdem namentlich die Einkünfte des Thomasstifts 
für Bildungszwecke verwandt waren*); es handelte sich 
hier also, führte er aus» nicht um solche geistliche Güter 
und Korporationen, wie die der katholischen Kirche, 
auf die sich die Dekrete der Versammlung bezogen; es 
^ürde zugleich ein Unrecht und ein politischer Fehler sein, 
den elsässischen Protestanten zu entziehen, was sie selbst 
unter dem alten ihnen abgeneigten Regiment besessen 
hätten. In dem Gegensatz gegen dessen Behandlung reli- 
giöser Fragen, in dem Streben nach Religionsfreiheit 
stimmten die Führer der Mehrheit mit Kochs Glaubens- 
genossen überein. und um so weniger durften sie deren 
Wünsche unbeachtet lassen, je grössere Schwierigkeiten 
ihnen im Elsass die Opposition weiter katholischer Kreise 
bereitete und je wichtiger deshalb die Zuwendung der 
Protestanten zu der neuen Ordnung erschien. Andererseits 
konnten aber auch einsichtige Freunde der alten Ordnung 
sich nicht dagegen erklären, wenn hier der bisherige Rechts- 
^ustand erhalten wurde; sie knüpften daran die Hoffnung, 
ihn dann auch an anderen Punkten wiederherstellen zu 
können, die ihnen besonders wichtig waren. So gab schon 
im Mai das kirchliche Comit6 eine beruhigende Zusicherung 
hinsichtlich des Thomasstifts^) und im August beschloss 
die Nationalversammlung, dass die Anhänger des Augs- 
burgischen und Helvetischen Glaubensbekenntnisses im 
Elsass fortfahren sollten, dieselben Rechte, Freiheiten und 
Vorteile zu gemessen wie bisher. Aus Kochs Briefen") 



Kochs HemühuiMzeii auch Sdineidfr in seiner Geschichte der evangelischen 
Kirche de* Elsass in der Zeit der Revolution S* 54 besonders hervorhebt. 

^) Vgl. das PragniRiJn von Knod über die Stifbherrn von S«, Thom«* 
und Hoscus, UnivcrsiUI StoiMsbntg S. 398 f. — *J Reuss, UAlsuce pcodant 
Ic revolution 11, 48 f. — "y Vom iS. und 10. August. Naroentlich der erste 
dieser Briefe liefert wichtige Erg&nxittigen zu dem Bericht des Moniteur über 
die Sitzung votn 17. August, in der d«s vom K&nig am 24. sanhiionicrte 
Dekret beschlo^^n wunle. Djinach hielten es nach dem Gmng der Debatte 
mehrere A^. «lie noch für den Kommi&sionsbericht liatten sprechen 

woUerii für >i^ £u schwei{:en, und du nAch ihren WOnschen durch« 

gesetft wurde, dass nicht ein tu dem Kommissionsantrag gestelltes Amen- 
dement, «.ofKlem dieser selbst rur Abstimmung kam, wurde er mit grosser 
Mehrheit Angenommen 



A^S Varrentrapp. 

sehen wir, wie erfreut er darüber war, dass nach dem 
Bericht Chapeliers dieser Antrag, über den beide sich ver- 
ständigt hatten, angenommen wurde, nachdem für ihn auch 
der Wortführer der elsässischen katholischen Geistlichkeit, 
der Abbe d'Eymar, sich ausgesprochen und dessen eifriger 
Antagonist Reubell nur die von dem Abbe an den An- 
trag geknüpften Konsequenzen bekämpft hatte. Um das 
Besitzrecht der Protestanten noch klarer festzustellen, 
erstrebte und erreichte Koch dann noch, dass die Ver- 
sammlung am I. Dezember 1790 ausdrücklich erklärte, 
die Güter der elsässischen Protestanten sollten nicht als 
Nationalgüter verkauft, sondern in der bisherigen Weise 
verwaltet werden. 

Damit war zunächst die äussere Möglichkeit für die 
Weiterexistenz der Universität gesichert. Doch haben 
schon im Herbst 1790 Koch und seine Kollegen das ihren 
Wünschen entsprechende Dekret vom August gegen Mit- 
bürger verteidigen müssen, die auch in Strassburg den 
von Koch in Paris beobachteten Tendenzen nach Gleich- 
heit und Einförmigkeit huldigten. Ihr begabtester und 
wirksamster Vertreter war damals bekanntlich der im Früh- 
jahr zum ersten Maire von Strassburg erwählte Friedrich 
Dietrich. Er hatte auf der Universität seiner Vaterstadt, 
hauptsächlich aber in Frankreich naturwissenschaftliche 
Studien getrieben und eine vielseitige Bildung und wichtige 
Beziehungen zu hervorragenden Franzosen sich erworben. 
In nahe Verbindung war er namentlich mit Turgot und 
Condorcet getreten und hatte sich in ihre, in die Gedanken 
der französischen Aufklärung eingelebt; für die durch sie 
bestimmte neue Staatsordnung entfaltete er nun in Strass- 
burg die eifrigste Thätigkeit. Bei seinen politischen Be- 
strebungen wurde er von mehreren der genannten Professoren 
unterstützt, die wie er von Enthusiasmus für die Ideen von 
1789 erfüllt waren; Blessig, Oberlin und Schweighäuser 
traten deshalb in die neuen Verwaltungskollegien ein. 
Mehrfach bekundeten sie und ihre Kollegen ihre Sympathie 
und ihre Opferwilligkeit für die von der Nationalversamm- 
lung beschlossene Neuordnung; der Zeitströmung folgend 
verzichteten sie auf manche bisher übliche Äusserlichkeiten 
in Titulatur und Tracht; zugleich aber fühlten sie sich 



Die Strassburgur Universität l. d* Zeit d- Tranz. Revolution. ^cq 

verpflichtet, alte wesentliche Rechte und Überlieferungen 
ihrer Glaubensgenossen und ihrer Hochschule nachdrücklich 
zu verteidigen. Hier machte sich die Verschiedenheit des 
Standpunkts der Mitglieder der alten deutschen protestan- 
tischen Universität von dem des Maire geltend, der vor 
allem die Verschmelzung des Elsass mit dem neuen fran- 
zösischen Staat betrieb, in dem er die alten historischen 
Gegensätze möglichst beseitigt zu sehen wünschte. Seine 
Gesinnung teilten auch andere protestantische Strassburger; 
deshalb wurden von ihnen wie von Katholiken das Dekret 
vom August 1790 und die Haltung Koclis und seiner Kollegen 
in den kirchlichen Fragen getadelt und 1791 von Dietrich 
die Wahl Kochs in die gesetzgebende Versammlung be- 
kämpft *). Trotzdem wurde sie durchgesetzt, und Koch hielt 
sich zur Annahme der Wahl gerade nach den Erörterungen 
verpflichtet, die über die kirchlichen Verhältnisse und auch 
über die Universität in Strassburg gepflogen waren. Wenige 
Wochen zuvor hatte der Gemeinderat beschlossen, die 
Nationalversammlung zu ersuchen, ein Institut für höheren 
Unterricht der Stadt Strassburg zu bewilligen; war unter den 
Gründen, die dafür sprachen, auf ihre Lage und Traditionen» 
auf die beiden schon hier existierenden Hochschulen hin- 
gewiesen, so war auch betont, wie sehr ihre Reform und 
namentlich die Beseitigung jeder konfessionellen Gebunden 
heit zu wünschen sei«). Die unleugbare Notwendigkeit einer 



>) VgL die Einleituni; von Scholl tu seiner Ansgibe von Kochs Histotre 
dAilte p. XXVI ff. Die»e Mittetlun^n sind um so beachten s weiter, da 
thöU in nahem Verhlitot» wi« va Koch auch tu Dietrich stand, den er 
~mutig 1791 tt. 93 in Flucschriften verteidigt hat und dessen Charakter und 
Talent er auch hier warme Anerkennung lolh, wenn er auch das Irrtümliche 
fteincT Axiichauungen stark hervorhebt ; mau wird dabei nicht vergessen dürfen, 
dai« er diese Einleitung in der Epoche der Restauration schrieb, »deren 
Inteatiooen er mit lebhafter Überzeugung teilte« und deren EinAusi auf »eine 
historische Auffassung schon Ranke {in dem Vorworte zu den von $chA)l 
bearbeiteten Denkwürdigkeiten Hardenbergs! betonte. — Über die Debatten, 
in denen 1790 in der Geseüschaft der Freuode 4er VeHRtasung die Verhllt- 
nisse der elslssischeo Protestaaten erörtert wurdea« tiiid die auf sie beirfig« 
liehen damali verOfTctitHchteti Schriften f, Helti, Let sociales poÜtiqaes de 
Strasbourg pendant les anafes 1790 i 179S p. 6ö[L — •) S. die Protokolle 
über die Sitauiigen des Gemeinderal« vom b. «nd fj* Atignst 1791 and 
den von Keu!»s, L*Abaee pendani b rtvolution 11, 2^6 0*. vcr&ffentitchlen 
Entwurf einer Adresse. 






■ • ' " . ..♦<:-%--. n:^.: in ;.ir ::a J^a«- 

" • '* • ■ • . i» ■ *«r •• -^•-. Hl, .1 ■_! Z.**7.^äCT ari. 

. * ''*/*■ ''* f ' *^ »f f.x^'-Ti-AT.ki'.*^. L'.i'zi zur in der 
r ■•''•../-•/..-./ r, ir. '>r. h:',i'.'Ai.tü^z dtr Provinzen scL 



Die Sirassburger Universität i. d. Zeit d« (rrnnz. Revolution. ^5| 

ihre Bedeutung und Vorzüge legte nun, nachdem Talley- 
rands Plan bekannt geworden war» eingehend der im 
Herbst 17(^1 ^um Rektor erwählte ^fheologe Haffner in 
dem Buche dar. das er im folgenden Frühjahr unter dera 
Titel: De Teducation litteraire ou essai sur Torganisation 
l^un etablissement pour les hautes sciences veröffentlichte, 
warmen Worten ist von Eduard Reuss und August 
Stöber die Bedeutung dieser Schrift hervorgehoben und 
mit Recht von Rudolf Reuss bemerkt worden, dass ihr 
Studium noch heute von Interesse sei*). Auch in ihr 
spricht sich die warme Anerkennung aus, die Göttinger 
Einrichtungen und Persönlichkeiten in dem damaligen 
Strassburg gewidmet wurde; welche Beachtung hier aber 
auch die weitertbnschreitende Entwicklung des deutschen 
Geistes fand» dafür liefern Haffners Ausführungen über die 
Philosophie ein bedeutsames Zeugnis. Er wies darauf hin, 
dass wenn diese im Anfang des Jahrhunderts in Frank- 
reich und England, sie jetzt in Deutschland vorzügliche 
Pflege finde und eine neue Revolution in ihr durch Kant 



') Die Bemerkung vod R. Reuss s, in seiner Histoire du gymnüse 
proiestüTit S. 48. Die Haupt^^tze der 1831 bei HiilTners Todteofeier von 
EduArrl Reuts gesprochenen Worte druckte tS68 August StfJber in der Alsati& 
wieder »b» als er hier S. 131 ft. HaiTner besprach und xwei Briefe von ihm 
mtUeiUe. In dem ersten von ihnen «olJt H. Pariser Run st schätzen und 
Gelehrten wjinne Bewunderung; auch sonst zeigte er mehr Neigung tür fran- 
lÖÄische Sprache und Litteratuf, als Freunden von ihm richtig zu sein schien ; 
um so beachtenswerter ist, wie entschieden gerade er Hlr deutsche Uuiver* 
sitlltseinrichtungen eintrat und dass er in dem Vorwort des auf sie bezüglichen^ 
seines Zwecks wegen nnttlrlich franxOsisch geschriebenen Buchs um nach* 
sichtige Beurteilung des Stils bat« da er comme ta phipart des babltans des 
deux Departements du Rhin un eiranger dajis la langue de 1a Nation. Seine 



tu einem Brief an Gregoire vom September 17^4 auf daa Bedenkliche der 
Bestrebungen gegen die deuttche Sprache hinwies« nicht nur« dass das Land* 
Volk im Elsa^s sie allein kenne, sondern auch den Wen, den Für die 
Franzosen n&here Beziehungen lu einer Nation hatten, qui compte t!e$ 
philosophes originaux. La philosophie de Rant est encore inconnue en 
France et eile mertte d*y ötrc tianspoit^e ^Revue intemalionale de J enseignc- 
raent snpiricur XXVIII» 21 8). tjl>cf die Stellung ¥ou Jöh. Schweighinser 
lu Kant vgl. seinen Brief an seinen Sohn Gottfried vom 27. Nov. 1803» 
den Laqiiianle im Anhang tu seiner Publikahon det ^hreiben von Wilhelm 
utid Karolin (boldt an Gottfried *^ Paris u. Nancy IÄ92) 

S. 104 (T. tri L»? und die hier aag»- ir- 

Setisehf. L Gesch. d. 0^«iiii.. H« F. XRL |. -^t 



462 Varrentrapp. 

hervorgebracht sei. Ihn bezeichnet HafFner als den Ari- 
stoteles des achtzehnten Jahrhunderts — >denn wir kennen 
keinen Philosophen unter den Alten und den Neuen, dem 
man ihn mit mehr Recht vergleichen könnte«. Auf die Ver- 
bindung philosophischer und philologischer mit theolo- 
gischen Studien legt Haffner besonderes Gewicht; dass sie 
durch die Einrichtungen deutscher protestantischer Uni- 
versitäten gefördert werde, darin erblickt er einen wesent- 
lichen Vorzug dieser vor den katholischen Hochschulen 
und vor Seminaren der Geistlichen; aus mehr als einem 
Grund scheint ihm die Erhaltung einer deutschen Uni- 
versität in Strassburg von besonderer Wichtigkeit zu sein. 
Er setzte auseinander, dass durch sie Fremde nach Strass- 
burg gezogen und zugleich die eigentümlichen Bedürfnisse 
der Elsässer und auch der Franzosen befriedigt würden, 
die dadurch eine wirkliche Erweiterung ihrer Bildung er- 
langen könnten, besser als auf einer Lehranstalt, die ganz 
ebenso wie die in Frankreich anzulegenden Institute für 
höheren Unterricht eingerichtet würde. 

Auf Schweighäusers Antrag wurde Haffner der Dank der 
Universität für seine Arbeit ausgesprochen und beschlossen, 
100 Exemplare von ihr nach Paris an Koch zu schicken, 
damit er sie in der gesetzgebenden Versammlung verteile; 
ihm wurde dann auch die Adresse zugesandt, welche die 
Universität an das von der Versammlung eingesetzte Comite 
d'instruction publique richtete, um ihren Standpunkt dar- 
zulegen gegenüber den hier aufgestellten Plänen für Lyceen, 
wie jetzt die neuen National-Institute für höheren Unter- 
richt genannt wurden. Das Rektoratsprotokoll berichtet über 
die eingehenden Verhandlungen, in denen die Strassburg-er 
Professoren diese Angelegenheit berieten; schliesslich wurden 
von ihnen folgende drei von dem Juristen Braun bestimmt 
formulierte Fragen bejaht: »i. ob man dafür hielte, dass 
den Augsburgischen Konfessions- Verwandten als solchen 
daran gelegen sein müsse die hiesige Universität, wie sie 
ihnen durch das Dekret der konstituierenden Versammlung 
vom 17. August 1790 zugestanden worden ist, zu erhalten, 
2. ob man es als vorteilhaft für das ganze Reich ansehe, 
dass hier auf den Grenzen gegen Teutschland eine teutsche 
Universität sich befinde, 3. ob in dem Memoire ausdrücklich 



Die Strassbttrgt^r Universiläl v d, Zeit d. rmiu. Revolution. ^63 

sollte gesagt werden, dass ein solches teutsches protestan- 
tisches Etablissement neben einem französischen Lyceo 
bestehen könne«. In Übereinstimmung mit diesem Beschluss 
wurden in der von Blessig redigierten Adresse die Gründe 
ent wackelt, die für die Erhaltung der Universität und für 
die Bewahrung der deutschen Sprache auf allen Stufen 
des Unterrichts und des auf den deutschen Hochschulen 
üblichen Lehrbetriebs sprachen. 

Wie in Haflfners Buch wurde auch in dieser Adresse 
auf die Vorteile hingewiesen , die daraus auch für die 
Franzosen sich ergeben würden; keineswegs wurde ge- 
leugnet, dass sie sich durch Verbesserungen noch steigern 
Hessen, wie sie vielmehr gerade dem Geist deutscher Hoch- 
schulen entsprächen '); eben wenn man der Universität 
diesen ihr durch ihre Lage und Traditionen zugewiesenen 
Charakter erhalte, werde sie am besten für den franzo- 
sischen Staat und die Verbreitung der neuen Ideen wirken 
können. Aber obwohl die Absender dieser Adresse so auch 
hier ihre Anhänglichkeit an beide betonten, wird es kaum 
verwunderlich scheinen, dass ihre Ausführungen in Paris 
keinen Beifall fanden. Als Koch sie zusammen mit einem 
anderen Deputierten des Departements Bas-Rhin, mit Rühl 
dem Ausschuss für das L^nterrichtswesen überreichte, zeigten 
sich dessen Mitglieder, wie er schreibt 2), nicht geneigt, die 



H in der 17^2 in der Librairie aoid^i&iqiie vez<(^lejitlicliten Adiene de 
rUntversiU |>ro(e»Ufite de Struboui^ au comit^ dUnstnicüoti (mhlique de 
Tusembl^e nAtionule lie^t man S. 36: Uespiit tief tiitivetsit^ d^AIIemugoe, 
fxxt le mod6)e dcscueUes Ia oötre est Ibf 1116c. ne notta permeL pit% de 
ressembler Ä ces tjistitutcurs, qui reposeni »tu leurs cahiers |%etcinptoltef et 
Cfoyent foumir en m mois Ia cArriire enü^re d*uu bomme de lettres, Xou% 
CTtr^'ons ä robHgation d 'avancer sAtit relAcbe avec te« Itimi^res de notre li^lc. 
cl ßoüs D^avons Äucune idfe de 1a penuÄnence d'auctm abr^g^« d'aucuti syst^rae. 
In dem Berlcbt» durch den Biessig feinen Entwurf dieser Adrrtse motivierte 
nd dessen Konxept stisdLtnmen mit anderen darauf beztigtichen Akten im 
bcimaÄsiLft itTöiv. T. 7 L. 13J aufbewahrt wird, hatte er ifeschriebrn : »Die 
Lyceen aolleu er%C werden, unsere Anstalt i»L In den werdenden Anstalten 
nm&s nach Narmol-l^hrbachern gelehrt weiden. Wir wünschen auch hier 
Kreiheit. Alles Gute jener Anstalten toll vnn un& pftichtgemikss und gewissen* 
haft benutxt werden. \Vir bleiben wir und werden bef ter.« — *) In einetn 
Bnef vom 18. Mai 171)2. Wohl war es bedeutsam, dftss in den Ausschuta 
Untpnichtswe»en nicht 1 niem dct "^ r Mathematiker 

•t gewählt w»r. der fU d- i>ilit keine ^ liAivt, vielmehr 



^64 Varrentrapp. 

Universität in ihrer gegenwärtigen Verfassung neben dem 
Lyceum bestehen zu lassen, das in Strassburg nun ein- 
gerichtet werden sollte. Kurz zuvor hatte in grossem 
Zusammenhang der Berichterstatter des Ausschusses Con- 
dorcet seinen Plan auch für die Organisation der Lyceen 
entwickelt. Mit Recht sind meines Erachtens schwere 
Bedenken gegen die uniformierende Richtung, die auch 
in seinen Vorschlägen für die Neugestaltung des Unter- 
richtswesens sich geltend macht, und gegen seine Zurück- 
setzung der humanistischen Studien geäussert, doch ist 
andererseits neuerdings auch in Deutschland die anregende 
Kraft seiner pädagog^hen Gedanken namentlich für eine 
sozialpolitische Betrachtung anerkannt worden. Starken Ein- 
druck mussten sie besonders auf Condorcets alten Freund 
Dietrich und dessen Strassburger Gesinnungsgenossen 
machen; unter ihnen trat im Gemeinderat jetzt Friedrich 
Rudolf Saltzmann mit Beschwerden gegen die Universität 
auf. Er hatte friiher selbst Eingang in diese durch histo- 
rische Vorlesungen gesucht; hier aber »gefiel nichtc, wie 
berichtet wird '), dass er mehr an Voltaire und Gibbon als 



im Jahr zuvor zum Direktor des Collie national ernannt war; s. Reuss, 
Hist. du gymnase protestant S. 56 ff; Berger-Levrault, Academies alsaciennes 
2 f.; Barth, Notes biograph. sur les hommes de la r^volution k Strasbourg 
S. 181 f. und über A.'s Thatigkeit in dem Comit6 d'instmction publique dessen 
1889 von Guillaume publizierte Proc^s-Verbaux an den im Register S. 445 
aufgeführten Stellen. Hier ist S. 184 f. auch das Schreiben mitgeteilt, mit 
dem die Strassburger Professoren das Werk Haffhers übersandten, und S. 294 
das von ihnen eingeschickte Memoire über die Universität erwähnt; nament- 
lich liefert diese wertvolle Publikation die wichtigsten Erläuterungen zur 
Entstehungsgeschichte von Condorcets Plan; sehr nachdrücklich hebt dessen 
Bedeutung Natorp in den Monatsblättem der Comenius-Gesellschaft 111, 
128 — 146 hervor. 

') Von Matter in der Alsatia 1862 — 64 S. 164. Vgl. ausserdem über 
Saltzmann Froitzhcim, Zu Strassburgs Sturm- und Drangperiode S. 33 ff". ; 
Herrn. Ludwig, Strassburg vor 100 Jahren S. 3 10; Pfannenschmid, Pfeffels 
Fremdenbuch 1 80 ; Barth, Notes biogr. sur la r6v. 1 29 f. ; Reuss, L'Alsace 
pendant la r^vol. II, 214 f. Noch 1786 hatte Blessig in dem S. 452 citierten 
Programm seiner alten Verbindung cum Saltzmanno meo gedacht, den 1774 in 
Göttingen zusammen mit ihm die dortigen Professoren freundschaftlich auf- 
nahmen; wie beide im Juni 1792 verschiedene Ansichten in der Universitätsfrage 
vertraten, zeigen die Protokolle des Gemeinderats und des Rektorats aus diesem 
Monat Wohl war ihre Differenz in dieser Frage schon 1791 hervorgetreten, 
als Saltzmann mit Arbogast, Brunck und Schweighäuser beauftragt wurde, die 



Die StTftssborg^r UniverBitlt i. d. Zeit d, (r^nt, Revolutioiu 465 

Schöpflin, Koch und Lorenz sich anschloss. So hatte 
kr einer anderen Laufbahn sich zugewandt, war Leiter 
einer Buchhandlung, eines Le&einstituts und der Strass- 
burger Zeitung geworden und unterstützte Dietrichs Be- 
strebungen auch als Mitglied des Gemeinderats. In diesem 
klagte er nun im Mai 1792 über die Universität, weil sie 
der Errichtung eines Lyceums in Strassburg Schwierig- 
keiten bereite; daraufhin wurde Blessig von einer Ver- 
sammlung der Professoren autorisiert, in der Vorrede zu 
der deutschen Übersetzung des von ihm redigierten Memoire 
Saltzmanns Bemerkungen entgegenzutreten; im Juli aber 
beschloss mim damit zu warten» bis auch Saltzmanns 
Äusserungen gedruckt seien. Zu beiden Publikationen ist 
es nicht gekommen; denn unmittelbar darauf wurden alle 
Gedanken der beiden alten Freunde und der von ihnen 
vertretenen Gruppen der Strassburger Liberalen, die in 
dieser Frage auseinandergingen, durch Angriffe in An- 
spruch genommen, die gegen sie und die ihnen am 
Herzen liegende Ordnung gefahrlichste Feinde richteten* 
Diesen gegenüber mussten in der That beiden ihre Meinungs- 
verschiedenheiten als untergeordnet erscheinen, mussten sie 
sich zur Verteidigung ihrer gemeinsamen Interessen und 
Anschauungen zusammenfinden; trotz der Vereinigung ihrer 
Kräfte aber sind sie ihren fanatischen Gegnern erlegen, 
haben diese zugleich dem ersten Maire von Sirassburg, 
der mehr als irgend ein anderer für die Verbindung dieser 



ob«» enrihnte Adresse des GcmeinderaU in die Nattoniüvers&mntlun^ cu 
entweHen. Damas erklärt sidi« d^ss dicie Adresse auch ottter Schwei{:hiiusert 
Papiere lum und Teile von ihr als seine Arbeit von Rabaiiy ^Les Schweif* 
hiuser S» 1 1 &.) vctOiTcntlichi wurden. Nach dem» wa* uns sonst über die 
Aniichten beider l>ckanjrn ist, hiütc ich aber für wahrscheintiL-hcr» da^s die 
Adresse nicht von Schweichluaer, sondern von Salumann redi^crt wurde. 
Die Stellung, die dieser 17<»3 der UniverslUt eegeoü)>er einnahm, war für sie 
tiiD io bedeutsamer und bedenklicher« da er gerade damals eiBer der von der 
Stadibehorde erwlhlten Schokrchen war; wie von den ^tncn sehr verschiedene, 
wie auch auf diesem Gebiet durthau» ktmsefvjiCive Ansichten sein Kollege tu 
diesem .\int F, Türckhcim vefirai, ictjgen die Mitteilungen von Rcichardt in 
seinen 1S92 von Laqtiianle in frani^isischer Über*eLruiig publiiierten Briefen 
S. 84 f. Interessini wire es lu erfahren, wie über die sp&tere Entwickelunj; 
vcm Salt^mann der Freiherr vom Stein gedacht haVt desMO Hofmetstcr et in 
Göttingen war. 



Stadt mit Frsoikr&ch g«iian haxxB. :md mr»r alten. cSeaxscften 
Hochfichute den TodÄsatrwcii vers«zt. 

lMiutl\ch z^«m dfe Ryrfrhrifr der Volkaanppräsentanceiu 
die nach dem lo, August voa Paris teerfifir gcsancft: wnrvien. 
welche Besorgnis ihnen efieHalmng' der Scrassbor^^ Böre^r- 
9ch^ einäii'jsaat und wie crfirwir se darüber waren« rfa.^ 
wider ihr Erwarten ätnen das Entge^oikamxnea. des Scrass- 
hfOTger Mairtt \3ax^ Operatioaen er feiarhrer te'^^. Von £hni uad 
den yEtgSedem der Scraaabixrger VerwalnmOTkoOeeien 
daammer auch den Professoren, <fie an <fiesen Teil nahmen» 
waren Adressen nach Paris geschickx worden, in denen sie 
^fch get[en die dortig^en re^ohzziQciaren Agitatioaen ans- 
sprachen; noch am Morgen des lou Ai^nst hatte von ciort 
ans aoch Koch einen BrieC in dem er zu solchen Erklarnni^en 
anfforderte, in die Heimat geschrieben. Dann aber hat er 
noch in demselben >Ionat in entgegengesetztem Sinn sich 
geäassert, an den Sitzungen der NationalTersammhzng' aoch 
weiter sich beteiligt, ja selbst im Anftrag^ der nenen 
Regierang eine diplomatische llisaon in die Schweiz über- 
nommen*). Auch seine Haltung wie die seiner Kollegen 
und des Scrassburger Maire ist wohl besonders durch die 
RQcksicht auf den Krieg Frankreichs mit dem Ausland 
bestimmt worden*). Ihn zu verhüten hat sich Koch in der 

^) S. Dameotlich das rertnuilkhe Schreiben der Kommissare tcmb 
22, Aojjfaiit 1792, das neben ihren offizidlen firilhcr schon anszogsweise im 
Monitenr f|;ednickten Berichten neuerdings Cbanraj, Correspond. de Canot I. 
72 f. veröffentHchte. Nach dieser Pnbhkation and den im Bezirksarchir auf. 
^^wahrten Protokollen des Departementsrats Usst sich Engelhardts Schil* 
dernng der kritischen Wendung des Angnst 1792 (in seiner Fortsetznng Ton 
Stro^>e]s Geschichte im Elsass VI, 63 ff.) berichtigen und erganzen ; nament- 
lich aber beweisen diese authentischen Quellen die Unhaltbarkeit der in den 
Memoires snr Camot I, 262 ff. mitgeteilten Erzählnng von Prieor; v^ aber 
sie anch Mtlhlenbeck, Ealoge Schneider 37. — *) S. die nnter seinen Papieren 
im Thomasarchiv aufbewahrte Minute du memoire justificatif, que j'ai redig6 
pendant ma detention au seminaire en Strasbourg 1794. — *) Als bestimmen- 
rlfss Motiv für die Haltung der Strassburger wie anderer französischer Depar- 
tement» hat schon Sybel die Rücksicht auf den Krieg gegen die Fremden im 
Anfant; des 2. Kapitels des 4. Buchs seiner Geschichte der Revolutionszeit 
hervor(;ehoben und in gleichem Sinn dann auch Sorel geäussert: On ob^ira 
Aux jacobins, parcc quMl» ordonneront la guerre, qu*on la veut et que l'on est 
hftbituA rrallleurs k obcir ä qui commande de haut et fermement (L*£urope 
et 1a r^volution fran^aiHc 11, 534}. 



Strassbuigfr UTijver^njii i. d. Zeit d. franz. Revolution, At)7 



I 



» 



gesetzgebenden Versammlung^ bemüht; er musste erleben. 
dass stärker, als er g-egflaubt hatte, die Gegensätze sich 
erwieÄcn, die zum Ausbruch des Kampfes zwischen Frank- 
reich und den deutschen Mächten dräng^ten, und dass 
durch diesen die revolutionären Beweg^ungen in Frankreich 
gesteigert wurden. Die aus ihnen drohenden Gefahren 
empfand immer mehr auch der Maire von Strassburg; 
besser lernte er infolge dessen Kochs Haltung schätzen'); 
beide und ihre angesehensten Mitbürger fühlten sich ver- 
pflichtet für die von ihnen beschworene Verfassung von 
1791 einzutreten. Aber nachdem diese trotz ihrer War- 
nungen durch die Pariser Agitatoren umgestürzt war und 
dem Staatsstreich vom lo, August auch die Heere sich 
gefügt hatten, schien es den Strassburgem unmöglich zu 
sein, der in der Hauptstadt einmal durchgesetzten Regierung 
weiteren Widerstand zu leisten: hätten sie doch fürchten 
müssen dadurch die Kriegführung gegen die fremden 
Truppen zu lähmen, von denen auch sie den Boden des 
französischen Staats vor allem befreit sehen wollten. Wie 
Dietrich hatte auch Schweighäuser seinen Sohn sich unter 
die freiwilligen Kämpfer Frankreichs einreihen lassen: 
damit hängt es zusammen, dass wie der Strassburger 
Maire auch die Professoren, die im Gemeinderath sassen, 
ruhig die von Paris aus verfügte Suspension über sich 
ergehen Hessen, Blessig erklärte, dass, »wenn wir als freie 
Männer das Recht haben» unsere Meinung zu sagen, wir 
uns als Bürger dem von der Nation geäusserten Willen 
unterwerfen müsseni^); Schweighäuser forderte seine Mit- 
bürger auf, der Behauptung entgegenzutreten, dass man, 
um die alten Gemeindebeamien zu erhalten» sich mit den 
auswärtigen Feinden verbinden wolle. Weiter als sie war 
Braun den Pariser Kommissären entgegengekommen; eben 
deshalb wurde er, als sie die Mehrheit der Mitglieder des 
Departementsrats suspendierten, als dessen Präsident weiter 
geduldet und hat als solcher noch die Konstitution von 



*) S. Sch6lU Ktnleitting tu seiner Ausgabe von Kochü HUl des ttmit^s 
p, XXVIXf. — *) S, Friu, ßlesftgi Lcb«n I. 221; die von SchweighÄu«er 
im 2y August aji seine Mitbürger gerichtete Ansprmche bei RibAiiy, Lei 
Schweigh&uüer S. 15. 



468 Varrentrapp. 

1793 mit überschwänglichen Worten begrüsst*). Doch hat 
auch er nicht auf die Dauer diese Stellung behaupten, 
noch auch nur vor Verfolgungen sich schützen können, da 
im Lauf dieses Jahres die Jakobiner vollständig die Herr- 
schaft in Strassburg gewannen. 

Epochemachend ist zunächst in ihm auch für Strass- 
burg der 21. Januar geworden: an dem Tag, an dem in 
Paris das Haupt Ludwigs XVI. fiel, wurde von den Kon- 
ventskommissären Dentzel und Couturier der Savoyarde 
Mönet als Maire eingesetzt, der im August 1792 zum Mit- 
glied des Direktoriums des Departements und bald darauf 
zu dessen General-Prokurator ernannt war, obgleich er 
noch nicht das durch das Gesetz vorgeschriebene Alter 
von 25 Jahren besass. Durch die Einsicht in die Proto- 
kolle der Strassburger Verwaltungsbehörden bin ich in 
der Meinung bestärkt worden, dass ihm und dem gleich- 
zeitig als Agitator im Departement immer mehr hervor- 
tretenden Südfranzosen Teterel aus Lyon ein grösserer 
Einfluss auf die Entwickelung der nächsten Monate zuzu- 
schreiben ist als dem in der legendarischen Volksüber- 
lieferung meist hauptsächlich genannten Eulogius Schneider. 
Unfraglich bieten seine Persönlichkeit und seine Schicksale 
ein grösseres psychologfisches Interesse als die ihren; gewiss 
war er begabter und gebildeter nicht nur als der ehemalige 
Rechenlehrer Teterel, dessen Rohheit durch seine Briefe 
und seinen Antrag auf Abtragung des Münsterturms deutlich 
beleuchtet wird, sondern auch als Monet, der zwar 1788 
ein juristisches Licentiatenexamen an der Universität 
bestanden hatte, den aber auch ein so zu mildem Urteil 
geneigter Historiker wie Spach als »unwissend und leiden- 
schaftlich« charakterisiert 2); doch haben bei Schneider seine 



*) S. diese in dem Protokoll über die Sitzungen des Departementsrats 
vom 8. Juli 1793. Vgl. über Braun Berger-Levrault, Acad. alsac. 30 und 
Barth, Notes biogr. sur la r6v. 16 fF. — *) S. Spach, Moderne Kulturzustände 
im Elsass I, 45. Vgl. über Monet und Teterel Barth, Notes biogr. sur la 
r^v. 398 ff. u. 517 ff. Besonders wichtige Mitteilungen über beide sind dem 
Livre Bleu und den Protokollen des Gemeinderats und Departementsrats 
zu entnehmen. Die in den Akten der juristischen Fakultät befindlichen 
Angaben über Monet stellte Knod, Matrikeln der Univ. Strassburg II, 673 
zusammen. 



Die Strassbuiger Uni^-etsital 



Sinnlichkeit» Eitelkeit und Feigheit, die bei ihm mit seiner 
Herrschsucht sich paarte *)» vieli'ach sein Handeln beeinflusst 
und seine Wirksamkeit gehindert, so konnte vor allem der 
geborene Deutsche auch nicht mit so rücksichtslosem Fana- 
tismus wie die franzöfcschen Jakobiner ihre Anschauungen 
vertreten, konnte er sie deshalb nicht befriedigen — trotz 
allem, was er für sie gethan hat. Denn freilich gab auch 
er den Strassburger Professoren viel Anlass zur Klage, und 
bitter hat namentlich Blessig es bereut, dass mit auf seine 
Empfehlung der ehemalige Mönch und spätere Bonner 
Professor nach Strassburg berufen wurde, wo er nun gegen 
die »reichen Pfründner vom Thoraasstift« hetzte; viel gefahr- 
licher aber war für sie die Feindschaft, mit welcher die 
nach Strassburg gekommenen französischen Demokraten 
alle Traditionen der alten Zeit verfolgten* Für den Eifer, 
mit dem sie dabei schon in den ersten Tagen ihres Regi- 
ments vorgingen, liefert auch das Rektoratsprotokoll der 
Universität charakteristische Belege. »Am i. Hornung, 
bemerkte der damalige Rektor, der Mediziner Thomas 
Lauth» kam Teterel und begehrte, man müsse die König- 
lichen Bildnisse, welche die Universität besitzt, dem Depar- 
tement ausliefern, damit sie Tags darauf mit ähnlichen 
Stucken, welche aller Orten aufgesucht worden sind, ver- 
brannt würden.« Wirklich wurden sie ausgeliefert und 
verbranntet Am Ende desselben Monats hielten der Rektor 
und die Kollegen, mit denen er sich darüber besprach» es 

*) TrefTeml h.tt dies R. In »einer Betprechung von MohleDbeck« EuUige 
Schneider in dtx Histofischen Zcitschrirt 78, 140 hervorgthoben und zugleich 
bedauert« düss M. es &ich durch seine Eintchrft&kung auf da^ Jahr 17«)^ 
unmöglich machte eine |>5ycholc|:iscb roottvierle EQtirickeluugsg«»chkh(e 
Schneiders tu liefern. Für eine solche verdienten m. E. besonders auch die 
10 der Bonner Umvcr<jiüt«vbibliothek aufbewiihrten Aklen berücksichtigt tu 
werden, auf die ich 1868 in den Beiträgen rur Geschichle der KiirkOtnischen 
UniversiUll Bano hinwies. Eine genauere HeUachiung der WirksiinikeiC 
Schneiders au Bonn l&sst es auch besser verständlich erschcinco, wie Blessig 
dazu kam die Berufung der beiden Bonner l^fessoren Schneider und l>eresei 
nach SttAssburg /u empfehlen; s, ölier Dereser die von mir in der Allg, 
Deutschem Biographie V» 6q verteichnete Litteratur und Über seine von der 
Schneiders grundverschiedene Haltung in Strassburg Frite, Bles»igs Leben I, 
258 und Reufts, Cath^rale de Strasbourg 360, — *) S, über die Verbremutng 
den Bericht der Strassb, j^tuog vom 4 Februar 1793 ufid da» Schreiben der 
Kotnmtss&re bei Aulard» Kfcueil dea acte» du comic^ du mIuC pubhc tl, 65« 



^.yo Varrcn trapp. 

ebenfalls »aus Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeitumstände, 
worin die Zerstörung aller Zeichen der Königlichen Würde 
befohlen worden«, für nötig, die Lilien am akademischen 
Scepter zu zerbrechen — obgleich Lauth bemerkte, dass 
»unsere Lilie viel älter ist als alle Rechte der Franken- 
Republik auf Strassburg und sie daher kein Zeichen König- 
lichen Einflusses bei uns vorstellt« 0. Im November wurden 
dann von der Universität ihre Scepter und Pokale dem 
Staat geopfert. All diese und andere den Wünschen seiner 
jetzigen Regenten entgegenkommende Massregeln aber 
haben die Hochschule und ihre Mitglieder nicht vor Ver- 
folgung bewahrt. 

Schon im Februar 1793 war neben Saltzmann und 
anderen angesehenen Strassburgem auch Blessig aus dem 
Elsass ausgewiesen und verfügt worden, die 1 790 angeordnete 
besondere Verwaltung der Güter der elsässischen Prote- 
stanten und namentlich des Thomasstifts sollte aufgehoben, 
auch sie sollten als Nationalgüter verkauft werden. Freilich 
wurde dann in Paris erreicht, dass diese Verfügungen 
annulliert und die Konventskommissäre Dentzel und Cou- 
turier, die sie erlassen hatten, zurückberufen wurden 2); 
ihnen gegenüber trat im März 1793 auch Philipp Rühl, der 
im Januar mit ihnen nach Strassburg gesandt, dort aber 
mit ihnen zerfallen war, für die von der Mehrheit der Strass- 
burger Bevölkerung geäusserten Wünsche ein; aber wie 
im August 1792 wandte er sich dann auch im Mai 1793 
wieder den Jakobinern zu 3). Mit scharfem Hohn kritisierte 

') Auf den einst schon von Wimpfeling betonten selbständigen Ur- 
sprung der Strassburger Lilie war auch in den von Frantz verfassten Anmer- 
kungen zu Blessigs Rede S. 7 hingewiesen. Vgl. Cahn, Münz- und Greld- 
geschichte der Sudt Strassburg im Mittelalter S. 37 f. — ') Vgl. Livre bleu I, 
194 ff., II, 82 ff., 176 ff.; Berger-Lcvrault, Acad. alsac. p. CLXXVII f.; Wallon, 
Repr^sentants du peuple IV, 302 ff. ; Reuss, Hist. du gymn. prot. 79 f. ; 
Mühlenbeck, Euloge Schneider 43 ff. — ») Für Rühls Haltung 1793 ist ausser 
den interessanten im Livre bleu II, 174 ff. mitgeteilten Briefen ein Schreiben von 
ihm vom 23, März 1793 zu beachten, das in der Sitzung des Departements- 
rats vom 29. verlesen wurde. Sehr ungünstig hat wie Scholl in seiner Flug- 
schrift zur Verteidigung Dietrichs auch Koch in dem oben S. 466 citierten 
Memoire Rühl beurteilt. Vgl. über diesen noch Barth, Notes biogr. sur la 
r^v« 457 ff«; Eimer, Polit. Verh. in Strassburg 1789 S. 61 ff.; Wallon, Repres. 
du peuple an den im Register V, 411 verzeichneten Stellen und Revolution 
Fran^aise XXXI, 261 ff. 



Die Strassbttreer Universitit i* d. Zeit d. frmnx. Revotutioti. ^yt 

er eine Adresse, in der sich die Strassburger zu Gunsten 
der Girondisten ausgesprochen hatten; unmittelbar darauf 
wurden diese niedergeworfen und dadurch auch die Libe- 
ralen in Strassbiu-g schwer getroffen* 

Mit gutem Grund ist der Zusammenhang betont» der 
wie bei den entscheidenden Wendungen des vorangegan- 
genen Jahres auch bei denen von 1795 zwischen dem Fort- 
gang des Kriegs und der inneren Ent Wickelung Frankreichs 
sich erkennen lässt; er tritt uns besonders auch bei einem 
Blick auf Strassburg und die lliätigkeit entgegen, die hier 
in den letzten Monaten dieses Jahres der rücksichtsloseste 
Vorkämpfer der Jakobiner gegen alle ihre Feinde innerhalb 
und ausserhalb Frankreichs entfaltete. In glänzenden Farben 
ist dies Wirken von St. Just neuerdings von Arthur Chuquet 
in seiner mit Recht so vielfach gerühmten Darstellung der 
Revolutionskriege geschildert worden; gerade an diesem 
Punkt aber haben mit treffenden Gründen seinem Urteil 
Rudolf Reuss und Albert Sorel widersprochen ^ ), so warme 
Anerkennung sie sonst ihm gezollt haben; jedenfalls ist 
unleugbar, dass durch St- Just die Unterdrückung Strass- 
burgs gesteigert wurde. Durch ihn wurde den hiesigen 
französischen Jakobinern der Sieg über ihre deutschen Rivalen 
verschafft und nun noch eifriger der Kampf gegen alle 
deutschen Tradidonen Strassburgs und damit auch gegen 
die Universität betrieben* 

»Auf Befehl von St. Just und Lebast wurde Anfang 
November Oberlin nach Metz gefänglich abgeführt^); in 
Strassburg wurden Blessig und Haffher eingekerkert; das 



1) S. Revue HUtorique LXIII« I46 uti«! S6inces et trmvmiui de l'ACAd^niie 
des fdcnces tnonües CXLI, 404 AT. Vgl. aber St* Ju&t m Stra»biirg nament« 
lieh WtUon, Reptd*. du peuple IV, 322 ff.; Vcoedc)*, Deutsche Republikaner 
unter fninifl», Republik S» $' ^ i Mtthleobeck, Ettloge Schiteider S« 25 C» 
118 f.; mit Recht ist fchon von diesem betont, dws die für Sl Just uod 
]ktanet g\ln$tigen Schilderungen der Stra»burger Wirren in den iJteren rran* 
r^sischen Geschichls werken au/ die Mitteilungen funick^ehen, die spJUer 
Monet selbst in Fatis den VerfAssern der Hifstoire parlementAtre machte. — 
') So sagt AusdrOcklich das PratocoUum conventns pmeceptarum, eine aehon 
von Reuss 'für seine Geschichte des protestantischen Gjrmnasiums viel 
bentttile« nach seiner Ansicht in diesem Abschnitt ron Rifl" verfasite «eit* 
genöSilKhe h^ndschnfUiche Darstellung der Schicktale des Gymnasiumi, di« 
aneh mir aus dessen Archiv Hr. Direktor Veil freundlichst mitteiUe. 



AJ2 Varrentrapp. 

gleiche Schicksal traf manche ihrer Kollegen, darunter 
auch Koch und Braun. Schweighäuser musste froh sein, 
dass er dauernder Haft entging und nur nach einem 
lothringischen Städtchen verbannt wurde, wo er weiter an 
seiner Ausgabe des Polybius arbeiten konnte. Aber auch 
diejenigen Professoren, denen die Freiheit nicht geraubt 
wurde, konnten an Fortsetzung ihrer Lehrthätigkeit nicht 
denken. Schon unter den Wirren der letzten Jahre hatte 
der Besuch der Universität schwer gelitten: 1791 waren 
nur 23, 1792 nur 20 Studenten immatrikuliert; 1793 sank 
die Zahl der Immatrikulationen auf 13, 1794 auf 6, und die 
letztgenannten waren ausschliesslich Strassburger. Hermann 
konnte die beiden Vorlesungen, die er im April 1793 begonnen 
hatte, nicht zu Ende führen; in seinen Aufzeichnungen ist 
den Namen mehrerer Hörer die Bemerkung hinzugefügt: 
»Musste mit dem Bataillon fort«. Aber auch die rechtliche 
und materielle Basis der Universität wollten die franzö- 
sischen Gewalthaber zerstören. Wann und wie sie diese 
ihre Absicht ausführten, darüber finden sich in der 
neueren Litteratur weit von einander abweichende Angaben; 
es erscheint dies wohl erklärlich bei einem Blick in die 
Quellen. 

Der letzte Satz des Rektoratsprotokolls lautet: »Die 
Drangsale, welche zu Ende 1793 — 94 nicht nur einzelne 
Bürger, sondern auch öffentliche Anstalten gedrückt haben, 
erheischten, dass von dem, was bei der Universität damals 
vorgefallen ist, nichts aufgezeichnet wurde«. Und sucht 
man nun nach Aufklärung an anderen Stellen, prüft man 
deshalb genauer die Beschlüsse, die 1792 — 94 in Paris über 
das Unterrichtswesen gefasst wurden, so ergiebt sich, wie 
Liard gezeigt hat, dass sie sich vielfach widersprechen; 
namentlich hat Liard nachgewiesen, dass wenn mehrfach 
in den August 1792 die Aufhebung der Strassburger Hoch- 
schule verlegt ist, das dafür angeführte Dekret vom 1 8. dieses 
Monats nicht die Universitäten betraf, dass diese auch nach 
ihm, ja auch nach dem Beschluss vom 15. September 1793, 
durch den wirklich ihre Aufhebung verfügt wurde, ihre 
freilich sehr verkümmerte Existenz weiter gefristet haben. 
Aber immer stärker machte sich im Konvent die Strömung 
geltend, die sich gegen sie, die sich auch gegen die den 



j»T. -.^Siiiik:! 



Die StrAssbtirger UniversU&t i. d. Zeit d. frtttix. Revolution« 



473 



Protestanten 1 790 eingeräumte Sonderstellung und nament- 
lich auch gegen die deutsche Sprache im Elsass richtete. 
Im Namen des Wohlfahrtsausschusses berichtete Barere 
im Januar 1794 dem Konvent über die Gefahren, die sich 
aus der Duldung fremder Sprachen in Frankreich ergäben; 
er wandte sich dabei namentlich gegen das Deutsche, diese 
Sprache >wenig gemacht fiir freie Völker«, die nur »der 
Hass gegen die Republik und die Emigration« sprächen »)• 
Lebhaften Beifall zollte Monet in der Strassburger Rats- 
gesellschaft 2) dem so begründeten »weisen und der Politik 
angemessenen Dekret, welches in jeder Gemeinde franzö- 
sische Sprachschulen aufrichtete. Diese Sprache allgemein 
machen, die deutsche aus dem Handel und allen Öffent- 
lichen Akten verbannen, sie nach und nach aussterben 
lassen» deutsche Sitten und Trachten abschaffen, dies wird 
die Bande zerhauen, welche den Niederrhein mit dem 
Feinde zusammenhalten, dies wird eine ewige Trennung 
zwischen freien Menschen und Sklaven zu Stande bringen, 
dies wird das Elsass der Republik einverleiben.« Von 
diesem Gesichtspunkt aus empfahl er auch eine grosse 
Anzahl Franzosen aus dem Innern in das Elsass zu ver- 
pflanzen, an sie »in den Distrikten von Magenau und 
Weissenburg die zahlreichen und weitläufigen Güter der 
Verrather. welche durch ihre Auswanderung diesen Kan- 
tonen Arbeiter und Aerme entzogen haben, zu verteilen und 
so das linke Rheinufer mit Republikanern zu besetzen, 
deren Gewohnheiten, deren Sprache einen auffallenden 
Kontrast mit den Bewohnern des jenseitigen Ufers machen 
wirdt. Von dem gleichen Gesichtspunkte aus rühmte er 
auch» dass man alle die an den alten Zuständen hängenden 
und mit Deutschland verbundenen »stolzen Patricier« von 
allen öffentlichen Amteni ausgeschlossen habe, und rief er 
im Mai 1794 die Municipalität, die schon im Sommer des 
vorigen Jahres die bisherigen Zahlungen der Stadt an die 
Universität eingestellt hatte, zu ihrer Vernichtung auf. 

Wohl verdient die Rede, die er bd diesem Anlass 



') S, den Beridst Barere» ia der R^mprr^sion dt rAodcn Mooitcur XIX, 
,517(1. uod In der Publikation von GiülUtttne, Procii-verbaux du comit^ 
d'imtTuction publique de la comftnUon lll, 3i9 ff- — *) S. seine Rede in 
dem Li vre bleu I n. LXXL 



474 Varrcntrapp. 

hielt, besondere Beachtung*): nirgends sind schärfer in 
zusammenhängender Darlegung die Gründe entwickelt, aus 
denen die französischen Jakobiner bei ihren Bestrebungen 
für eine nationale Umgestaltung der Strassburger Verhält- 
nisse eifrig die Zerstörung der »noch nicht nationalisirten 
Universität« betrieben, die »den Augen der Republik das 
wunderbare Schauspiel der Knechtschaft und des Germa- 
nismus in einem französischen und freien Land darstellte«. 
Eingehend führte Monet aus, warum die Stadtbehorde 
berechtigt und verpflichtet sei die Güter der Hochschule, 
»die gegenwärtig zur Ansteckung der öffentlichen Vernunft 
verwandt werden, in die Kasse der Freiheit zu legen«; 
nachdrücklich betonte er, wie die alten Ordnungen und 
Anschauungen in Strassburg dadurch gefördert waren, daiss 
die Universität, »anstatt durch den Unterricht die g^roben 
Gebräuche umzuschaffen, anstatt jene nützlichen Kenntnisse, 
die Früchte der ausgebildeten Philosophie unserer Tage zu 
verbreiten, anstatt dem Stolz der in den Jahrhunderten der 
Feudalität und unter dem aristokratischen Schutz des 
germanischen Rechts eingeführten Stände durch die An- 
preisung der Grundsätze der Gleichheit entgegenzuarbeiten, 
die dumme Eitelkeit der Patricier liebkoste« und »dem Volk 
das Andenken einer Reichsstadt ins Gedächtniss rief, wo 
seine Väter, wie sie vorgaben, eine vollkommene Unabhän- 
gigkeit besessen hatten«. Demgegenüber erklärte es Monet für 
eine »erhabene und heilige Pflicht«, »alles, was den Anstalten 
der Reichstadt eigen, zu zerstören und namentlich die An- 
ordnung von allem dem zu beschleunigen, was unsere Bande 
mit Frankreich enger knüpfen kann«: deshalb beantragte 
er »die Güter der Universität als Nationalgüter unter die 
unmittelbare Aufsicht der Verwaltung des Distrikts zu 
setzen« und die dafür nötigen Massregeln sofort zu erlassen. 



^) Deshalb glaubte ich sie und den daraufhin gefassten Beschluss, wie 
sie gleich nachher französisch und deutsch als >Auszug aus dem Register der 
Municipalitätc von deren Buchdruckerei veröffentlicht wurden, im französischen 
Wortlaut in der Beilage abdrucken zu sollen, da in der neueren Litteratur 
nur einzelne Sätze mitgeteilt sind. Die deutschen Citate im Text entnahm 
ich hier wie bei Monets Rede in der Volksgesellschaft der alten deutschen 
Übersetzung. Dass j^das Mitglied der Municipalität«, welches die Rede hielt, 
Monet war, bezeugt ausdrücklich das Protocoll. convent. praecept. S. 315. 



Die Str&ssburger Unlvcriität t. d. Zeit d. fran^. Rcvolation. ±r^ 

Und der Gemeinderat stimmte einmütig diesen Vorschlägen 
zu; dabei wurde noch besonders hervorgehoben, dass die 
Anstalt *die seit dem Ursprung der Revolution ihr Grab 
holen sah und die aus Egoismus unaufhörlich gegen sie 
gestritten hat, in der jetzigen Lage der Dinge dadurch 
selbst verdächtig ist, dass sie mit den Universitäten von 
Frankreich niemals etwas gemein hatte und dass ihre 
Diplome, die von denselben nicht anerkannt wurden, immer- 
fort als Briefe der Bruderliebe in den Ländern aufgenommen 
werden, mit welchen die Republik in Krieg ist*« 

Monet hatte aufgefordert, »die Hyder des Germanismus 
und aller Anstalten, die ihm noch ein Dasein zusichern» zu zer- 
nichten«; so wurde am 2t^. Juli auch die Aufhebung deseng mit 
der Universität verbundenen protestantischen Gymnasiums 
beschlossen, um, wie sich das von dem gleichen Tag datierte 
Schreiben der Munizipalitat an das Direktorium des Distrikts 
ausdriickte, no laisser aucune trace de l'esprit germanique*). 
Wenige Tage darauf aber, so lesen wir in einer aus den 
Kreisen des Gymnasiums stammenden Aufzeichnung'). 
3»wurden die strengen Volksregenten zu Paris unter sich 
selbst uneins und der grosse Volks-Freiheits-Gotze Robes- 
pierre kam den zS, Juli mit seinen würdigen Konsorten 
St.-Just und I^bas unter die ihnen und ihren Spiesgesellen 
so beliebte Guillotine, welche sie sehr witzig das rasoir 
national zu nennen pflegten, Jet2t fing man an die grosse 
Menge unschuldig Verurteilter nach und nach in Freiheit 
zu setzen.* 

Auch die gefangenen Professoren wurden nun ihren 
Familien und ihrer Berufsarbeit zurückgegeben, Braun und 
Koch 1795 in die Verwaltung des Departements berufen. 
Erst nach manchen Weiterungen wurde auch Blessig aus 
seiner Haft befreit; wie durch sie sein Mut und sein Gott- 
vertrauen nicht zu erschüttern waren, das bezeugen noch 
heute die auf unserer Stadtbibliothek aufbewahrten Briefe» 
die er in diesen schweren Monaten an seine Frau gerichtet 
hat; über die Schreckenszeit und ihr Ende trug er nun in 
das Protokollbuch der theologischen Fakultät, das lange 



>| S, Kfusj. JluL tia gjrmöA»« prolesUnl log, — *) lo dem iD«iit- 



4,76 Varrenlrapp. 

unbenutzt geblieben war, folgenden kurzen Bericht ein '): 
»Noch ehe alle übrigen Geistlichen eingekerkert wurden, 
waren es schon die drei Professoren Weber, Blessig und 
HafFner. Die Studiosi und jungen Prediger wurden zur 
Armee abgeführt, die Kirchen geschlossen, alle gottes- 
dienstlichen Handlungen und Gesinnungen verhöhnt und 
niedergedrückt. Kenntnisse machten suspect und Reli- 
giosität wurde als staatsgefahrlicher Fanatismus erklärt in 
den Clubben, den Vernunfttempeln und den Versammlungen 
der Gesetzgeber. Verschiedene Prediger betrugen sich 
niederträchtig, manche schwach. Der Schrecken lähmte, 
blendete alles. AUmälig kehrte man zur Besonnenheit 
zurück, und Dank sei es der göttlichen Vorsehung, die 
zerstörenden Kräfte wichen den erhaltenden. Es sammelten 
sich wieder die Christen in Tempeln und hie und da einige 
Studiosi in unseren Wohnzimmernc. 

So suchten verschiedene Professoren wieder ihren aka- 
demischen Unterricht aufzunehmen; ihre alte Hochschule 
aber vermochten sie nicht wieder zum Leben zu erwecken. 
Als 1801 sich der Göttinger Meiners in Strassburg aufhielt 
und sich von seinen alten Freunden Blessig und HaflEaer 
über ihre und die Verhältnisse ihrer Stadt berichten Hess, 
fand er diese »glücklich in Vergleichung mit der Schreckens- 
zeit, aber ebenso traurig, wenn man sie mit der Lage vor 
der Revolution [zusammenhielt«: ein. Urteil, das wohl um 
so mehr ins Gewicht fallt, da Meiners zugleich anerkannte, 
dass »die Landleute in der Revolution weniger gelitten und 
mehr gewonnen hatten als die Städter«. Und ganz besonders 
traurig erschien ihm der Zustand des höheren und niederen 
Unterrichtswesens. Auch er macht darauf aufmerksam, wie 
wichtig es für die Universität war, dass das Eigentumsrecht 
des Thomasstifts auf seine Güter wieder anerkannt wurde; 
aber »auch sie hat, schreibt er, wie alle anderen Besitzer, 
Zehnten, Gülten u. s. w. eingebüsst«. Und ebenso hebt er 
hervor, dass Vorlesungen wegen Mangels an Zuhörern nur 
selten gehalten werden konnten; in den acht Jahren von 
1795 — 1802 wurden zusammen nur 12 Studenten imma- 

^) Aus ihm hat einzelne Sätze Schricker in seiner Festschrift von 1872, 
den ganzen Wortlaut Erichson in seinem Artikel über Blessig in der 2. Aufl. 
der Real-Encyklop. f. prot. Theologie XVII» 718 abgedruckt. 



Die Strassburgcr Universitüt u d. Zeit d, franz. Revolution. 



477 



trikulien und auch von diesen letzten Kommilitonen der 
alten Strassburger Hochschule stammen nur zwei aus andern 
Orten als Strassburg. Wohl wurden die Lehrer der Uni- 
versität nicht mehr verfolgt wie in der Schreckenszeit; doch 
bereiteten ihnen auch jetzt Verdächtigungen und Angriffe, 
die nach Strassburg berufene Franzosen gegen die »Deut- 
schent und »Lutheraner« richteten, manche Schwierigkeiten; 
vor allem aber konnten ihnen die Leistungen der neu orga- 
usierten Bildungsanstalten, an denen sie zusammen mit 
iesen ihren Gegnern wirken sollten» nicht genügen 0* und 
auf die Vorschläge, die sie für das höhere Unterrichtswesen 
machten, gingen auch die den Schreckensroännern folgen- 
den Regenten Frankreichs nicht ein. »Während Rennes 
eine Spezialschule für Medizin, Lüttich eine solche für 
Musik, Dijon für Malerei, Rouen für Astronomie begehrte, 
reklamierten die Strassburger Professoren, sagt Liard*)» 
eine wahrhafte LTniversitat.« Von Liard wie von anderen 
hervorragenden Franzosen ist die Bedeutung ihrer Be* 
strebungen, ist das Bedenkliche der im Gegensatz zu ihnen 
durchgeseuten Spezialschulen hervorgehoben worden; klar 
lassen uns aber auch namentlich die Ausführungen von 
-iard die Gründe erkennen, aus denen an eine Realisierung 
er von den Strassburgern vertretenen (Jedanken am 
wenigsten zu hoffen war, als nun nach all den in der 
Revolutionszeit entworfenen und nicht ausgeführten Pro- 
jekten auch auf dem Gebiet des Unterrichtswesens eine 
neue Ordnung Napoleon schuf, Wohl verdient Beachtung 



*) Vgl. die BemerkitngeQ vom Meiners in »doer Bescbreibuiig eioec 
Reise OAch Stuttgart ttod Strassburg i S3 ^' : Beti^r-Lcvmult, Acftd. ■!«»- 
Dues p. CLXKlXff.; Reut». Hht. du iryninase : i 144 IT.; Wieger, 

, d* MfdictQ in Slra&shurg S. 13t th üb« di© di^n.^ rttucn «wi^cbco 

deutschen und rrsinjLösLächen Professoren in StT^sburu iiruicti wicU beachtens* 
werte AuikUrungen in der IV. Kapsel der aoi der Uniii'ersitJUsbibUoth«k 
sufbewAhrtcn Papiere von Hermann und in den Akten des BedrksardiiTs 
Serie L. Kr. iJ8, — ») Lsard^ L*enseign«ment sapfricur en France I, 286. 
Vgl namentlich auch Tsinc, OiipQcs de la France amtenip. VI, ijtti, 
Lcrdcr scheint beiden der inierr^sante Beiii-hi nicht t>ekjinnt geworden lu 
Äcia, dm im Okiober 17Q5 das Direkimiimi des Distrikte über die alte 
Straföburgcr Uuiv«riiUt erststtete und üen 1H84 Junj* Im VII. J''vhrt;ang d«r 
Revue Alaadenn© S- 442^ — 456 und dessen llanptteile dun^** b ti. K H^'n*«*?, 
Levrauh* Acad. *l*aa<tnoe% p. CLXXXl ft. veröUcntlidite. 



478 Varreairapp. 

• 

und Anerkennung, was unter den von ihm neu gestaltetoi, 
für sie besonders schwierigen Verhältnissen Strassburger 
Gelehrte für die wissenschaftliche Bildung nicht nur 
ihrer geliebten Heimat, was sie in Anknüpfung an ihre 
alten Traditionen namentlich für die Erziehung protestan- 
tischer Geistlicher geleistet haben : darauf einzugehen aber 
würde mich über die Grenzen meines Themas hinausfuhren. 
Auch für das Verständnis der weiteren Entwickelung sind, 
irre ich nicht, einige Anhaltspunkte in den hier mitgeteilten 
Thatsachen geboten; namentlich aber liefern sie wohl 
einen neuen Beleg dafür, aus wie manchem Grrunde ein 
Studium der Strassburger Geschichte in der Revolutions- 
zeit von Interesse ist. 



Beilage. 



Extrait des R^stres du Corps Manicipal de la commune de Strasbourg. 
S^ance publique du 10 Pndrial Tan second de la r6pub1ique fran^aise une 
et indivisible. 

Un membre a dit: 

Quelques efibrts que nous ayons fait jusqu'ä ce jour pour d^tmire Pesprit 
de localit^ qui rend une partie des habitans de cette commune ^trangers au 
reste de la R6publique, nous n'avons cependant encore pu atteindre tous les 
abus, totttes les institutions antiques, autour desquelles viennent se rallier les 
f6d6ralistes et les contrer6volutionnaires. Strasbourg r^uni depuis trop peu 
de tems k la France, s'est plutot regard^ comme subissant un joug impos^ 
par b force des armes que comme partie int^grante d'un ^tat; invoquant sans 
cesse la capitulation qui Pavait arrach^ ä Taigle d'Autriche, cette commune 
avoit conserv^, jusqu'ä Pheureuse 6poque de notre r6volution, des droits par- 
ticuliers, de priviliges, des p6ages, une douane, une universit6, une Jurisdiction 
criminelle et civile qui n'avoient aucune liaison, aucun rapport avec les droits, 
coutumes et 6tablissemens des autres villes de Tinterieur; exempte de contri- 
butions g6nirales, eile levoit des impöts de tout genre pour son administration 
locale et ses besoins; eile n'accordoit des secours h P^tat que sous le titre 
de dons gratuits; c'6toit en un mot un gouvemement aristocratique alli^ de 
la France et non pas une portion de cet empire. 

La r^volution a enfin bris6 ces barriires funestes qui isoloient les coeurs 
et les intirßts; Pidifice gothique de la magistrature, du grand et du petit 
sinat, des ichevins, des tribus et maitriscs s*est 6croul6 sous la main hardie 
d'un peuple insurg6; mais des administrateurs perfides, initi^s dans les complots 
de Dietrich, ont ralenti, autant qu'il 6toit en eux, le cours rapide de la libert6 



Die Strassbtirgtr Universiuit i. d. Zeit 1. traAz. Revolution* ajq 



et audacieusement suspcndu rex^culioo des lob d^cr^tees p*r les rq>r£»etitaiis 
du peuple; noumssaac Tespoir crimiael d'utie revolte procliaine iis tAchoicnt 
d« canserver ä la commune, qu^üs cberchoienl a maitiiser, de» biens qui, aus 
tcrmes des lois, dcvoicnt ^tre vendus; üa s'opposoient k Tali^nation des pro- 
priet^s dc5 corporations et maurises üuppnm^s; une lenleur afTect^ uccom- 
pugnoit toules Ics grandes Operations adminisiratives, qui auroient ancr6 lu 
rtvolmion dans oos mur% el dtsc&pM les eoaemis de la cbose publique «n 
les privant dp:> moycns n&ces&aircft h TeK^culioD de leurs cnupahles eiitieprises; 
uue universit^ qui n*est pas oaticnaUs^e encore, qui appaitieiit en propre h 
cette ville, qui lui a bit con&acr^ par 1e§ trait^s conime un priviUge, subsiste 
niAnie de ao« jours et präsente atu yeüx de la r^ublique te 5p«cUcle ^toimnaat 
de la ^rvilit6 et du gerannisine daas un p«y« fifto^als et libre, 

C'est üur cette universitt riebe en biens el en revenus« pauvre en civisme 
et en vertus r^publicaines, que je llxe aujourd'bui votre attention; cet objet est 
Egalem ent int^essant sous le rapport d'admiiüstration et soos celoi d'esprit 
publk. 

Les biens de Tuniversit^ de Strasbourg appanienneiit*ib au culte 
Protestant ou ii la commune, äont-iU compris dans les lois du lo d^embre 
1790 et S mars 1795* ancten style» qui interdisent provisoiremeoi rali^natioa 
dei possesäions alTectdes nuA ^tahlissemeni d'tastructioa publique des protest;ins 
dftns les d^partern«>nä du haut et du bas-Rbin, ou sont-ils compris dans cetle 
24 aoül 1793, qui d^clare nationales lea proph^t^s descommunes? TeUe 
st la queslion, qu'eo administration nous avons 4 resoudre« et pour cet eifet 
ü nous faul remoDter U Vorigiue de cette institutioQ et dicouvrir, si. conime 
d'autres, die a ^prouv^ des clumgemens dans sa nature par la succession 
des ann^. 

Unc r^volutioa venoit de s'opdrer dans les esphts en Europe« et la 
couDoissance des belles-lettres y 6tait d^ji assez g^n^ralement rcpandue, lorsqtte 
le ma^strai de Strasbourg, jaloui d*en accil^rer les progr^, ouvrit vers la 
fm du XV. si^te des icoles publiques et cr^ un College, que soixante«ns 
annöes apr^s Maximihen second ^rigea en acad^mie; les privil^ge^i d'universit^ 
d'empire tui furent accord^ par Ferdinaud U. en 1621 «i la demandc de ce 
n^^e migistrat auqucl eile dcvoit d^ji son existance; cc» privÜ^ges furent 
confirm^ par la eapttulation de 1681 qui coosolide et hxe en d^^nitif les 
droits de la commune sur les btens de cet d'tablisAemeiit public, en rangeant 
en dcux cbsses s^paries les posses^stons de la confes^on d'Augsboutg et 
ceUes de U ville rendue. Par l*anide 5. la France accorde /i la confessiod 
d'Augsbourg le libre eaercice de son culte avec la jouissance des tttert-» i|u'elle 
avoit alors, sa^oir: des biens de Tabbaye de Sl Etienne« du cbapitre de 
St. Thomas, de St* Marc, de St. Guülaume et de U Toussaint; par les artides 
4, et 5. eUe bliese 4 la ville son magistrat dans le tn6me 6lAt et avec les 
mftmes droits, raniversit6, les trtbus et mattiises« ses reveoiUH sea p^es et 
aa douane, 

U est donc bien Consta t^ par la eapttulation m(me qui r^le, en cette 
drconstance, les droits respeclifs de& parties, que les biens de Tutii versitz 
ppartiennent eu pumpte i U commune, el s*il reatoit le moindre doutc i cet 
gaiü ü sufliroiL, pour le dissiper, de jetter un conp d'oeü sur Tadminbiration 
de ces btens qui n*a cessi un instant d^^^tre dans les mains du magisirat« 



480 Varrentrapp. 

ensuite dans celles de la mnnScipalitö qui lui a succ6d6; c'est eile qui arrßte 
tous les comptes en recette et döpense; c'est dans son sein que les scholarques 
sont pris, c'est eile qui salarie les rögens du College, qui fait partie de cette 
Institution et qui leur accorde des compötences en denr6es qui ont successive^ 
ment ith rMuites; c'est la commune qui a 6tabli la biblioth^ue; c'est k la 
commune et non k la confession d'Augsbourg que Schoepflin a ligu6 son 
cabinet d'antiquit^s et de livres; c'est la commune qui a pay6 la coUection 
de Marc Otton, de Silbermann et difF(6rentes autres coUections particuli^res ; 
c'est eile encore qui a ^rig^ le th^atre anatomique, ^lev6 l'observatoire, cr66 
enfin le jardin botanique et qui foumit, mdme de nos jours, les fonds n^cessaires 
k son embellissement et k son entretien. 

Ces considirations puissantes, ces preuves multipli^es vous porteront sans 
doute k mettre promptement k ex6cution k l'^rd de ces biens la loi du 
24 aoüt 1793, et k verser des richesses, dont l'emploi aujourd'hui est de 
corrompre la raison publique, dans les tr^sors de la libertö arm^e contre tous 
ses ennemis. 

Aux motifs que je viens de dMuire, et qui sont tous puis^s dans les 
lois, s'en joignent d'autres non moins pr6pond6rans, dans un 6tat oü les 
progr^ de la morale et l'an^antissement, dans un 6tat oü les progr^s de la 
morale et l'an6antissement des prijug6s anti-sociaux doivent toujours entrer 
en balance dans les d^terminations politiques. 

Cette commime n'a cess^ de renfermer un grand nombre de ces familles 
anciennes, qui pour se conserver le superstitieux ascendant qu'elles s'6toient 
acquis sur le peuple, affectoient en public et dans la solitude de leurs foyers 
les moeurs peu civilis^es, les habitudes gothiques de leurs anc^tres et refusoient 
de se d6pouiller de ces id6es retr6cies, qui depuis longtems ont ^t^ ^pur6es 
par le souffle de la raison; l'universit* de la ville au lieu de r6former, par 
l'instruction, des coutumes grossi^res, au lieu de röpandre ces connaissances 
utiles, fruits de la philosophie plus cultiv^ de nos jours, au lieu de rapprocher, 
par les principes de l'^alit^, Porgueil des rangs introduits dans les siMes de 
la föodalit^ et sous l'aristocratie du droit germanique, flattoit, carressoit la 
vanit^ stupide des patridens, dont eile se glorifioit de porter les chaines, 
croyant partager leur 4clat emprunt6 et leur gloire futile; revötus la plupart 
des fonctions du sacerdoce, les professeurs n'employoient Pautorite de leur 
double ministire qu'ä rappeler au peuple le Souvenir d'une ville imperiale oü 
ses pires, k les entendre, avoient joui d'une parfaite ind6pendance, tandis 
qu'il n'y avoient ktb que les serviles artisans des passions des riches et leurs 
aveugles esclaves; delä sont n6s tous ces obstacles que la r6volution k ren- 
contris dans nos murs; delA sont partis tous ces pamphlets liberticides qui 
nous ont si longtems fait craindrc uiie scissicn criminelle avec la r6publique ; 
c'est lä qu'itoit le point d'appui de la conspiration de Dietrich qui cherchoit 
k rattacher k l'empire une province fertile qui en avoit 6t6 depuis peu 
dimembrte; ainsi l'enfant en su9ant le lait de sa m^re, en recevant les 
premiires impressions des idies morales et r61igieuses apprenoit ä regretter 
les fers de l'Autriche, k ditester sa vraie patrie et k se regarder comme 
membre d'une soci6t6 asservie et subjugie. 

Hätons-nous donc, citoyens colligues, de d6truire tout ce qui appartient 
aux institutions de la ville imperiale, pour y substituer les institutions d'un 



Die Straasburger Unirersttät i. d« Zeil d- (naiz, Revolalioo. ^^i 



pays r^g^n^i, Celles de U r^publique; d6truisoiiii tout ce qui n'est avantageux 
qu'ü quelques /&tnilles et qui porte pr^udice au peuple et h TeDseinble de la 
dihi que IHd^ de Veropire ne soit d^sortnais rappelige dans Strasbourg qu'avec 
Ue de TcKlavage bonteux et dur d^ns kquel on y g6miti propageons les 
rincipes de la liberK% qui rtous rendront chaque jour notre patrie plu» chere ; 
acc^lerous surtout retablisseraent de Umt ce qui peut rcsserrer nos noeuds 
avcc la France que Von a envain cherch^ h rendre odieusc dans ce* murs; 
l'int^ret g^odral, let loix nous en imposent le devoir auguste et sacri. 

Je vous propose dooc d'arrdter et de d6clarer: 

I,** Qu*invariablement ums h la Conveation nationale, nou$ Terons tou4 
nos efforts pour d<*truire Thydre du gemianiÄme et toutes le» institutioni qui 
lui assurent encore une ejtiflence; qu*cn cons^queuce de cct principcs et ea 
execution de la toi du 24 aoflt 1793 (vicux style) les biens de runiversit^ de 
ceCte viUe seroüt fni$, coiuroe biens natianaux, sons la sufveiUaiice itnmMiate 
de radministration du district 

2.^ Qu*il sera notifie au rcccveur de cctte universit^ de donDer dn&s deoi 
foi* vingl-quatre hcurt?s P^laf de tous »es biens k T admiolstntioii da district« 
aiBsi que celui des fonda qui peuvent sc trouver encore dans sa Cftisse* 

5.^ Que l*admiaistrateur des Stabil ssexnens public» sera chnrg^ de ciore 
dans Ic rooindre d^lai les comptea en recette et depense de l*universit* et de 
propo^er tDcessamment au corps muDidpjü les moycns de faire ser\tr h 
rinstruction publique ses 6tablisscmens, th^atre, bibliotheque et jardini. 

4.^' Que copie de la dilib^ration sera etivoy6 dans la jouni6e k Tadmi* 
nistration du district. 

Le Corps municipal d^bbfrant $ur le projet de (ranstnettrc an district 
radministration des biens de runivcrsiti de Strasbourg; 

Convaincu depuis loagtems du daoger de laisser subsister dans le sein 
de 1a ville un Etablissement panicuHer, qui s'^carte des princfpes lages 
dopt^ par Li Convention nationale, et qui devient un germe pemicieiu de 
M^ralisroe; 

Consid^rant que rinütltution de cctte onivcrsit^ qui rit d6s l'origine 
que la r^volution creusoit soti tombeau et qui par 6goUme n*a cess^ de lutter 
contre eile, est suspecte, dans T^tat actuelle det dioaeft, par eela mtmc quVUe 
a tonjours htä ^trangire mux univenitls de Ff»tioe et qtie tes dipl6iiieS| 
m^onnns par dies, out ooustamment M accueniis, comme de» brevets de 
fratemit^i dan« les pay>» avec lesqueU la r^publiquc est en guerre; 

Con&id^rant d'aillcurs que »es biens ont toujottri Hi administr^s par la 
commitne et n'ont cess6 de lui appartenir; 

A arrct^ L rananlmit^ les propositious faites par un de ses membres. 

Fait h la noatsou commune les jour. moif et an que desstu, 

Sign^ sur le* r6gistres: P, F. Momet, Maire; GHminer, Bierlyn, PUrr, 
"Tetcrei» Grandmougin, Hugard. Roüge* Sultzer, Heim, Gilbert!, Stern, oßkiers 
nunidpanjcj Matth&us, agent national ; PracsamU, 5ub»titut; Doron» secri&taire- 
grefÜer-odjoint. 



Badische Geschichtslitteratur 

des Jahres 1897.*) 
Zusammengestellt von A. Winkel mann. 

Verzeichnis der Abkürzungen, s. diese Zs. NF. lo, S. 302. 



Inhaltsverzeichnis« 
I. Zeitschriften und bibliographische Hilfsmittel. Nr. i— 13. 
II. Prähistorische und Römische 2^it. Nr. 14 — 33. 

III. Alemannische und Fränkische Zeit. Nr. 34 — 36. 

IV. Mittelalter und Neuzeit. Nr. 37 — 81. 
V. Ortsgeschichte. Nr. 82- 146. 

VI. Kirchengeschichte. Nr. 147 — 183. 
VII. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte. Nr. 184 — 193. 
VIII. Kunstgeschichte. Nr. 194 — 206. 
IX. Kulturgeschichte. Nr. 207 — 227. 

X. Familien-, Wappen-, Siegel- und Münzkunde. Nr. 228 — 238. 
XI. Litteraturgeschichte. Biographie. Nr. 239 — 288. 
XII. Bibliotheken. Archive. Sammlungen. Unterrichtswesen. Nr. 289—301. 
XIII. Recensionen früher erschienener Schriften. Nr. 302 — 331. 



I. Zeitschriften und bibliographische Hilfsmittel. 

1. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, hrsg. 

von der Badischen historischen Kommission. NF. XII 
[der ganzen Reihe 51. Bd.]. Karlsruhe, Bielefeld. X, 
772 S. Bespr.: Karlsr. Zg. Nr. 537 (Dr. A[lbert]); Allg. 
Zg. (1898) Nr. 14 (R. D.); Strassb. Post Nr. looi. 

2. Mitteilungen der Badischen historischen Kom- 

mission. Nr. 19. Beigegeben zu dieser Ztschr. NF. 
XII. 87 S. 

3. Freiburger Diöcesan- Archiv. Organ des kirchlich- 

historischen Vereins für Geschichte, Altertumskunde und 



*) Den Herren Archivrat Dr. K. Obser in Karlsruhe, Archivar Dr. P. 
Albert in Freiburg, Archivar Dr. G. Tumbült in Donaueschingen, Dr. C. 
Beyerle in Konstanz, und insbesondere Herrn Pfarrer Reinfried in Moos 
spreche ich für ihre liebenswürdige Mithilfe meinen besten Dank aus. 



bndjsclie (TeschichlsliUeramr *lcs Jalires 1897. 



403 



christliche Kunst der Erzdiöcese Frei bürg mit Berück- 
sichtigung der angrenzenden Diöcesen. Bd. XXVI. 1 1898 
hrsg.) Freiburg i. Br., Herder. XXJI, 353 S. 

4. Freibürger katholisches Kirchenblatt, nebst archi- 

valischen Beilagen. 41. Jahrg. Freiburg i. Br., Dilger, 
848 S, m. 12 archivah BeiK 

5. Schau-Jn's-Land. Hrsg. und im Verlag vom Breisgau- 

Verein Schau-in's-Land. Freihurg u B. XXHIL Jahrlauf. 
1807. 4S S. 

6. Alemaauia. Zeitschrift för Sprache, Kunst und Altertum« 

besonders des alamannisch- schwäbischen Gebiets» be- 
gründet von t Anton Birlinger, fortgeführt von Friedrich 
Pfaff, 25. Bd. Heft i. Bonn, Hanstein. 

7. Zeitschrift der Gesehschaft für Beförderung der 

Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von 
Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden 
Landschaften. Bd. 13» Freiburg i. Br„ in Kommission 
b- Eugen StolL 

8. Schriften des Vereins für Geschichte des Boden- 

sees und seiner Umgebung. Heft XXVI, Lindau, 
Stettner. 152 S, m. 1 Karte a. i Plan, Bespr.: Karlsr. 
5^g. Nr. 53^- 

9. Schriften des Vereins für Geschichte und Natur- 

geschichte der ßaar und der angrenzenden Lan* 
desteile in Donaueschingen. X. Heft. Tübingen, 
Laupp. 

10, Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidel- 
berg und der rheinischen Pfalz, i. Auftr. d. Stadt- 
rats hrsg. V. d. Komm. f. d. Gesch. d. Stadt. — Im 
Berichtsjahr lucbts erschienen. 
Neue Heidelberger Jahrbücher, hrsg. vom historisch- 
phil o so phi pichen Verein zu Heidelberg. Jahrg, VH, Heft 1 
u. 2. Heidelberg, Küster, 260 S. in. 2 Tflü. 
^12, Werminghoff. A. und Winkelmann, A, Badische Ge- 
schicht$.titteratur des Jahres 1896. {Diese Zs. NF. XII, 

53Q— 555.) 
^ 15. Dieselben. Bericht über die badische Geschichtslitteratur 
des Jahres 1896. (Jahresberichte d. Gesch.-Wiss., hrsg. 
von Berner. XIX. Jahrg. 11 S. 219—232.) 



IL Prähistorische und Römische Zeit. 

14, Wagner. E, .\rchaeologische Untersuchungen L Baden 
[Grabhügel i. Dürnigvvalde b. Weiogaiteti u. bei Liptingen, 
A. Stockach]. KÜWZ. XVL 145 — 150; 177 — 179. Bad. 
Ldyig. Nr. 185. L U; Karlsr. Xg. (1898) Nr. 59. 



4|.84 Winkelmann. 

15. Wagner, £. Bericht über d. Ausgrabungen d. Sommer 
i8q7 geg. im Alt.- Verein, Bad. Ld.-Zg. Nr. 279. IL 

16. Ausgrabungen u. Neuerwerbungen d. Grossh Alter- 
tümersammlung d. J. 1897. [Bericht nach Vortrag.] 
Karlsr. Zg. Nr. 518. 

17. Anthes, E. Die römischen Steindenkmäler i. Odenwald 

[auch Baden betr.]. WZ. XVI, 200 — 223. 

18. Schumacher, K. Die Besiedelung d. Odenwalds in vor- 

röm, u. röm. Zeit. Neue Heidelbergjbb. VII, 138 — 160. 
Bespr.: KBWZ. XVII, 46—47. 

19. Grünzvinkel, Römische Niederlassung. Bad. Ld.-Zg. Nr. 127. 

20. Riegel. Maurer, H. Prähistorisches aus R. Schau-in's- 

Land XXIV, 5-9. 

21. Weingarten. Archaeologisches aus d. Umgebung von W. 

Heidelberger Zg. Nr. 157. 

22. Wössingen. Wagner, E. Römische Gebäude von W. 

Veröffentl. d. bad. Samml. f Alt.- u. Völkerkunde in 
Karlsruhe 2, 11 — 34 m. 6 Tfln. 
Nr. 23 — 33. Den germanisch-rhätischen Limes betr. 

23. Hettner. Bericht über die Thätigkeit d. Reichslimes- 

kommission vom Nov. 1895 — Nov. 1896. Jahresber. d. 
kais. deutschen archaeol. Instit. Bd. XI. Archaeolog. 
Anzeiger 4 (1896), 175 — 203. 

24. Schumacher, K. Die Limesuntersuchungen i. Baden f. 

d. J. 1897. Limesbl. S. 769 — 776. 

25. Gradlinigkeit d. Grenzgräbchens auf d. bad. Strecke 

Rinschheim — Tolnaishof. — Limesbl. (Nr. 22) 611 — 612. 

26. Hang, F. Vom römischen Grenzwall. KBGesch.-Ver. 45, 5. 

27. Grosseicholzheim. Römisches Kastell. Heidelberger Zg. 

Nr. 118. 

28. Oberscheidenthal. Schumacher, K. D. Kastell Ober- 

scheidenthal [Nr. 52]. In Lief. 6 d. »Obergerman.-rhät. 
Limes«, hrsg. v. d. Reichslimeskomm. 13 S. 3 Tfln. 
Heidelberg, Petters. 

29. Osterburken. Derselbe. Limesblatt (Nr. 24) S, 667 — 669. 

30. — Derselbe. Neues vom Limes (Osterburken). Allg, Zg. 

Beil. Nr. 147. 

31. Walldürn. Conrady. [Kastell Alteburg.] Limesblatt (Nr. 24) 

S. 649 — 658 m. Skizze. 

32. — Conrady. [Badgebäude.] Limesblatt (Nr. 24) S. 658 — 660. 

33. — Mommsen, Th. Die Walldürner Inschrift. Limesblatt 

(Nr. 24) S. 660—667. 

III. Alemannische und fränkische Zeit. 

34. Schnitze, W. Die fränkischen Gaue Badens. Stuttgart. 

XIII, 140 + 272-1-112 S. m. Karte. Bespr.: Diese Zs. 
XUI (1898), 183—185 (A. Werminghoff). 



BftdlBcHc GeBcbichtiUttcmliir des Jahres 18^7. ^ge 

J5. Berghausen. Plattengräber mit Fanden, Heidelberger Zg, 

Nr. 1 79. 
56, Wüsiach, Fränkisches (alamaimj) Gräberfeld. Heidelberger 

Zg. Nr. 182. 



IV. Mittelalter und Neuzeit. 
1) Nr. 37 — 45. KurpfatjE betr. 

37. Kurpfaliische Fürstenkinder. Leipz. Zg. Wissensch. Beil. 

Nr. 1^8. 

38. Schmidt, Hans G. Fabian von Dohna [xeitweiltg pfalz. 
Gesandter]. Hallc^che Abb. x. neueren Gesch. Heft 
XXXIV. Halle, Niemeyer. 225 S, m. i Bildnis. Bespr.: 
LCBL 1897, S. 1455. 

^39. Ritler, M. liie Pfalzische Politik ti. d, böhmische Königs- 
wahl 1619. HZ. 79 «NF. 43), 239—283. Bespr.: HJk 

xvin, 941—042 a i"-)- 

40. (Friedrich V. v. d. Pfak.) Die Krönungsfcier d. Winter- 

königs, Stimmen aus Maria-I^ach Bd. 51 (1896). 331 — 33b, 

41. Elisabeth Charlotte als Philosophin. Die Grenzboten 

55. Jhg, (1896). S. 545 — 55**- 

42. Nasemaun. Elisabeth Charlotte v. d. Pfalx. Deutsche 
evatig, Bll. XXII, 3. 

Helge U K, Th. Geschichll. Bilder u. Skitien [darin »Der 
sog. Verrat Mannheims 1795«]. München, Lehmann. VI, 
411 S. Bespr.: HZ. 42, 552, 

2) Nr. 44 — 73. Die badiscben Lande betr. 

44. Fehler. R. Die angebliche Stammmutler aller regierenden 
europ, Fürstenhäuser, eine genealog. Anfrage [betr. Jo- 
hanna v. Mömpelgard, Gera* d. Mkgr. Rudolf Hesso v. 
BadenJ. DZ. NF. 1. 351—352. 

44*. Hug, K, \V. Markgraf Hermann V, von Baden. Heidel- 
berg» Homing. 1896. 26 S. 

45. Albers, Br, Pisiorins und .Markgr. Ernst Friedrich von 
Baduu-Durlach. Diese Zs. NF. XII, 620—635. — Über 
Pistorius s. Nr. 259. 

46. V, Weech, Fr Nachträge i. Geschichte d, Conversion 
d, Markgr. Jakob 111. v. Baden und Hachbcrg; Auch 
unter d. Tit.: Mitt. aus d. Vatikanischen .Archiv V. Diese 
Zs. NF, XII, 260— 270, 

47. Obser, K. D. Grabstätte d. Markgr. Georg Friedrich v, 

Baden-Durlach, Diese Zs NF. XII, 356 — 357. 

48. Per Sonden. Riskskans leren Axel 0)censticma*s skrifter 
och brefvexelling. Bd. VIIl. Stockholm. [Wichtig T d, 
Gesch. d. <iberrb. Feltbugs.] Bespr,: Diese Zs. NF. XU. 
570—57" t*^* Obser). 



a86 Winkelmann. 

49. Quadt, H. Markgraf Ludwig von Baden. Bad. Mil.-ver.- 

bl. Nr. 37. 

50. .Geyer, M. Studienreise d. Chr. Fr. Rinck (1783 — 84), 

untern, i. Auftr. d. Mkgr. Karl Friedrich v. Baden. Nach 
d. Tagebuch hrsg. Altenburg, St. Geibel. 1896. VII, 

257 s. 

51. Sütterlin, A. Baden vor 100 Jahren. Bad. Ld.-Zg. Unt.- 

halt.bl. Nr. 243, 244. 

52. Brüning, H. Zum Rastatter Gesandtenmord. Aus Aachens 

Vorzeit 10, 21 — 25 (s. 1896 Nr. 60, 61). 

53. Bardy. Un document inedit relatif ä l'arrestation du duc 

d'Enghien. Revue d'Alsace. NS. 11, 137 — 139. 

54. Müller, P. L'espionnage militaire sous Napoleon I. (Charles 

Schulmeister.) Paris, Berger-Levrault. 1896. 

55. Du Moulin-Eckart, R. Zur Geschichte d, bad. Politik 

i. d. J. 1801 — 1804. HZ. 78 (NF. 42), 238—254. 

56. Badische Politik v. 1801 — 1804. [v. Weech]. Karlsr. Zg. 

Nr. 60, 63, 67, 73. 

57. Gustav, B. Ein badisch-bairischer Konflikt i. J. 1802 

[betr. Mannheimer Samml.]. Frankf. Zg. Nr, 19. 

58. Ho eck, J. Badische Dragoner im Feldzug 1806. Bad. 

Ld.-Zg. Unt.-halt.-bl. Nr. 172. 

59. Memorial d. J. M. Norvins [1809 — 18 10 Gesandter am 

Karlsruher Hofe], T. 111. Paris, Plön. Bespr.: Diese 
Zs. XlII (1898), 182 (K. Obser). 

60. A. VV. Aus d. Fremdenbuch d. Burg Alt-VVindeck [betr. 

öffentl. Meinung i. Baden z. Z. d. und nach d. Freiheits- 
kriegen]. Bad. Ld.-Zg. Unt.-halt.bl. Nr. 302. 

61. Schneider, G. H. Der Press- u. Vaterlandsverein 1832 

— 33. Heidelberger Diss. Berlin, Druck b. Baensch. 
183 S. [darin S. 72—78 über d. Anteil d. Heidelb. 
Studenten]. 

62. Blum, Hans. Die deutsche Revolution 1 848 — 1849. [Baden 

betr. s. S. 83 — 106; 226-246; 316—322; 411 — 465.] 
Leipzig-Florenz, Diederichs. XIV, 480 S. m. 256 Abb. etc. 

63. Erinnerungen a. d. J. 1848. [Demokratie u. Jesuiten.] 

Bad. Ld.-Zg. Nr. 30. I. 

64. Militärische Schriften weiland Kaiser Wilhelms d. Grossen. 

Bd. JI. III, 504 S. m. Plänen. Beriin, Mittler u. S. [Darin 
Aktenstücke betr. Baden i. d. J. 1849—50 s. S. 277 — 95.] 
Bespr.: Diese Zs. NF. XII, 571 — 572 (K. Obser). 

65. Seh. Der .»Prinz v. Preussen« und d. Reorganisation d. 

badischen Truppen. Bad. Ld.-Zg. Nr. 73. 74. 

66. Das preuss. Besatzungskorps i. Baden z. Z. d. deutschen 

Krisis. Bad. Presse Nr. 176, 177. 

67. Tagebuchblätter badischer Minister. Bd. Ld.-Zg. Unt.-halt. 

Bl. Nr. 162, 290—294. 



BAdische Geschichtsiittfirttur de» Jahres 1897. 



487 



68. V, Posch inger. Fürst Btsmarck u. der Bundesrat. Bd. U. 

Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. 427 S. [darin Personal- 

notizcn betr* badische Bundesratsnaitglieder u. a, s. S. 

168—188]. Bespr.: Diese Zs. NF. XII, 572. 
6q, V. Frevdorf und Bismarck [nach Poschinger, Fürst Bismarck 

u. d, Bundesrat 11]. Bad. Ld.-Zg, Nr, 82—86, 88—89. 
70. Jolly, 6a umgarte 11, Herrn, u. Jolly, L. Staatsminister 

Jolly, £• Lebensbild. Tübingen, H. J^upp. VIJ, i^\ S. 

ßespr.: LCBL 1897, 11 26 
71» — Brandes, W. Aus d. Aufzeichnungeo d* Staatsministers 

Joliy. Gegenwart 52, 38—41, 
72. — Staatsminister JoJly o. seine Kirchenpolitik. Bad, Ld.-Zg, 

Nr. 146, 147» i49t 153* «55t 15«** 
75. Erlebnisse eines Parlamemsbeamten [Ad. BauerJ 1. d. Z. 

1873—1895. Bad. Ld.-Zg. Nr. 103, 104, 108, iii, 

113— 115, J18. 

74, Eltester, H. Gesch. d. bad» TrainbataiUons u, Train- 

depols d. XIV, Armeekorps. Karlsruhe, Chr. Fr. Müller« 
IQ9 S. Bespr.: Diese Zs. NF. XII. ;7u (K, 0[bser]). 

3) Nr. 75 — 81. Den deutsch-französischen Krieg betr. 

75. Barth ofomae, Herrn, Erlebnisse eines badischen La- 

zarett-Unteroffiziers i. Feldr. 1870 — 71, {=- ßadener u 
FekUug 1870 - 71 Bd. XIV.) Karlsruhe, Reiflf. VI, iSt S. 
m. I Karte. 
70. Berger. M, Vor 25 Jahren. [Fortsetzung] (l8t^6 Nr, 78). 
Bad. MiL-ver.bl. Nr. 1 — ii ; 13—18; fortgeseut u. d. Tit.: 
Deutsche UnterolTiziere j. Frankreich. Nr. 19 — 26; 5t— 37. 

77. Merz, Joh, Erlebnisse e, Sold, d. 3. bad. Inf.reg., >Markgr, 

Ludwig Wilhelm» Nr. 111 (=1 Badener u Feldx, 1870 — 71 
Bd. XUI.) Karlsruhe, Reiff. VU, 155 S, 

78. Rohrhurst. R, Der badische Soldat im Krieg 1870 — 71. 

(Vortrag.) Heidelberg. Druck b. PfetTer. 23 S, 
7g, Secretan, L'armOe de TEsi \2o. Döc, 1870 — l, F^vr. 

1871). 590 S. ra, Karten. Bcspr.: DLZ. XVIII, 145 

— 146 (H. Granier); Allg. Zg. Beil. Nr. 259, 
8a* Varnhagen, Herrn, Werder gegen Bourbaki. Der Kampf 

d. XIV. Korps gegen d, (ranz, Ostarmee i. Jan. 1871. 

Berlin. Schall u. Grund. VI, io.| S, Bespr,: Milit. Litt.- 

li. Eine Erinnerung an d. ersten Sieg d. Badener 1870, Bad« 
Mü.AerbL Nr. 20. 



V. Ortsgeschichte. 

82. Krici^trr, A. Topographisches Wörterbuch d Grossh. 
Baden. Hrsg. v d, Bad. bist. Komm. IV. Abt, S. 481 



488 Winkelmann. 

— 640 (Auf der Nuss — S. Trudpert). Heidelberg, 
Winter. Bespr.: LCBl. 1897, 743-744 (K-flf). 
82*. Schnars, C. W. Kleiner Schwarzwaldführer f. Baden. 
Elfte Auflage. Unter Mitwirkung des Schwarzwaldvereins 
neu bearbeitet von Fr. Sachs. Heidelberg, Winter. 
IV, 88 S. 

83. Schwarzwald, Wie es vor 80 Jahren bei uns ausgesehen 

hat. [Reisebeschreibung über den mittleren Schwarz wald.] 
Freiburger Bote, Beil. Nr. 166, 172, 178, 190, 197, 202, 
207, 213. 
Achdorf, s. Nr. 85. Achern, s. Nr. 122. Aichen, s. Nr. 85. Alsch- 
weier, s. Nr. 122. Altwiesloch, s. Nr. 144. AlUlVindeck s. Nr. 59. 
Amoltern, s. Nr. 96. Au, s. Nr. loi. 

84. Baden-Baden, Rückblicke auf d. Entwicklung der Stadt 

B.-B. während d, letzten 30 Jahre, Bad. Ld.-Zg. Unt.- 
halt.bl. Nr. 46. 

— s. auch Nr. 190, 191. 

Ballenberg, s. Nr. 184. Balzfeld, s. Nr. 144. Bailerthal, s. Nr. 144. 
Berau, s. Nr. 85. Berghausen, s. Nr. 35. Bettmaringen, s. 
Nr. 85. Biberach, s. Nr. 121. St, Blasien, s. Nr. 165, 3 IQ. 
Bleibach, s. Nr. 83. 

85. Bonndorf. Honold u. Birkenmayer, A. Archivalien 

aus Orten des Amtsbezirks B. Diese Zs. Mitt. 19, 67 — 85. 
Bräunungen, s. Nr. 188. — s. Nr. 85. 

86. Breisach, Auch ein Blatt aus der Heimatsgeschichte [K. 

Rudolfs V. Habsburg Beziehungen zu Br.]. Breisg. Zg. 
Nr. 108. n. 

87. — Allerlei Kriegserinnerungen aus Altbreisach. Breisg. Zg. 

Nr. 195. Beil. 

88. — Langer, O. Die Einnahme Breisachs i. J. 1703. Schau- 

in's-Land XXIII, 43 — 52. 

89. J — Pfaff, Fr. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Br. 

Diese Zs. Mitt. 19, 47. 
Br enden, s. Nr. 85. 

90. Bretten, Fund d. Inschrift des Melanchthonhauses. Bad. 

Ld.-Zg. Nr. 264. 

— s. auch Nr. 255. 

91. Bronnbach, Bericht über einen Vortrag v. A. v. Oechel- 

häuser. Karlsr. Zg. Nr. 5. 
Bruchhausen, s. Nr. 97. 

92. Bruchsal, Wille, J. Bruchsal. Bilder aus einem geistl. 

Staat im 18. Jahrh. Bad. Neujahrsbl. Nr. 7. Karlsruhe, 
Braun. 99 S. m. 6 Abb. Bespr.: Pfalz. Mus. XIV, 32 
(Grünewald); MHL. XXV, 491—493 (P. Albert); DZ. 
NF. IL Mon.bU. 116 (A. Carte llieri) ; HJb. XVIII, 211 
(C. Be>erle); Bad. Beobachter Nr. 52 (N.). 

— s. auch Nr. 199, 204. 

Buchen, s. Nr. 184. Buggenried, s. Nr. 85. 



Badi»che Geschieh rilitteratui des Jahres 1897, 



489 



93. Bühl (Stadt). Reinfried, K. Die ehemaligen Windeck'- 

sehen Hofe äu B, (Schlosshof, Amthof, Maierhof), Acher- 
u. Bühler Bole Nr. 141 — 14b. 

94. — Reinfried, K. Archivalien der Stadtgemeinde B. Diese 

Z%. Miii. Nr* 19, 7 — 19. 

— g. auch Nr. 122, 202. 

Buhlerthai» <,. Nr. 122. Bufbach, s, Nr. 97. Buitnback» s. Nr, 97. 
Didheimt 5. Nr. 144^ 

95. DosHnheitn, Anteil der Bauern d. Dorfes am »Mainzer 

Landsturm« (17991* Heidelberger Zg, Nr, 185, 
Eäifi^ffU s. Nr. 135* Eisefttkal^ s. Kr, 122. £Ua<k, s, Nr 83, 

96. Emmendingen, Pfaff, Fr, Arcbivalien aus Orten des Amts- 

bezirks £. Diese Zs. Mitt. Nr. 19^ 48. 

— s, auch Nr, 152, 

Eft/enho/en, s. Nr 85. Erlach, ». Nr. 12 2.- Eschach^ f. Nr. S5. J^f//»- 
htim^ s. Nr. 213, 

97. EitlingetK Schwarz, L. Archivalien aus Orten des Amts- 

bezirks E, Diese Zs* Mitt. 19, 59 — 66, 
Eitiin^fn^ ». Nr 97, 153. EttlingenweUr, s. Nr. 97. Eiunroik» 

i, Nr, 97- 
Füutenbach^ $. Nr. 122. Fonkheim, s* Nr. 96, 
^8. Freiburg, Albert» P, Das Freiburger Bürgermilitärcorps 
und sein Anteil an den Gefechten von Wagenstadt a. 
7. u. 14, Juli 1796, Schau4n*8-Land XXIII, 18 — 41. 
99» — Obser, K. Das Sterbehaus Mirabeau-Tonneau's [zu Fr.]. 
Schau-in's-Land XXlll, 42. 
100* — Ein interessanter Fund zur Gesch, d. Loge *zur edlen 

Aussicht« in Fr. Freib. Bote Nr. 62. 
101. — Pfaff, Fr. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Fr. 
Diese Zs. Mitt, Nr. 19^ 49. 

— s. auch Nr. 154, 185, 186, 197» 214—216, 315. 

Furtwan^en, 9. Nr. 83. 

Oamikunt» s. Nr. 122. Germötfckt s. Nr. 128. OUtUrhaJ, b. Nr. 83. 

Grafinhaus€9%, s* Nr. 85. Gr^ssHtkoiäHwim^ s, Nr. 27. Gr&st^ 

sekonach, s. Nr. 155. Gr^swHfrt s, Nf . 122. Grunern, %. Nr. 136. 

Grunwinäfl» ». Nr. 19. 
Halhngm^ f. Nr. 115. Harthgim^ s. Kr. 136 Ilxtuingen, s, Nr. 115. 

//ausacht 1. Nr. 83. Haustn a. d, Aach, s. Nr. 156, 

102. Htiddhcrg. Waag, A. Chronik der Stadt H, für d. J. 

1896, Heidelberg* HOrning. 63 S, m, 6 Abb. 

103. — Weiss* G. All-Heidelberger Erinnerungen. Frankf, Zg, 

Nr. 114, 116, s. auch Nr. 120. 

104. — Pfaff, Karl. H, und Umgebung. Heidelberg* Hörning. 

231 S. m. 79 IIL, 4 PL u. 2 Karten* Bespr.: Bad. Ld<- 
Zg. Bad. Unt,-bK Nr. 2':,i\ Heidelberger Zg. Nr, 230. I! 
(R. S.); Sadw, SchuJblK XIV. 242-^243 (F. Burg). 
1054 — Schloss, Mitt, z« Geacb. d. Heidelberger Schlosses. Hrsg. 
V, Heidelb. Schlossverein. Bd. 111, Heft 2 u. 3. Heidel- 
berg, K. Gro^s. V, S. 129 — 248, m. 3 Ttln, 



490 



Winkelmann. 



io6. Heidelberg, Schloss. Durm. Der Fensterfund auf d. Schloss 
zu H. CBl. f. Bauverwaltung S. 410 — 411, 453. — 
Schaefer, K., das. S. 435 — 437 m. Sk. — Vgl. Heidel- 
berger Zg. Nr. 208, 230; Bad. Ld.-Zg. Nr. 201, 219 — 223. 

107. Durm. D. Ausschmückung d. HofFa^ade vom Friedrichs- 
bau d. Heidelberger Schlosses. GBl. f. Bauverwaltung 
S. 334—335 m. Sk. 

107*. — Semper, H. Neues über Alex. Colins [arbeitete a. Otto- 
Heinrichsbau]. Zs. d. Ferdinandeums 1896. Eespr.: 
diese Zs. XIII (1898), 193 — 194 (K. Brunner). 

— s. auch Nr. 60, 209, 306. 

Heiligenteil, s. Nr. 157. Herrenwies, s. Nr. 122. Honau, s. Nr. 122. 

Bornberg, s. Nr. 183. Horrenberg, s. Nr. 144. Hügelsheim^ s. 

Nr. 122. Hürrlingen, s. Nr. 85. 
Iffezheim, s. Nr. 122. Inzlingen, s. Nr. HS- 
Kappelrodeck, s. Nr. 122. Kappelwindeck, s. Nr. 122. 

108. Karlsruhe, v. Weech, Fr. Gesch. d. Stadt K. u. ihrer 

Verwaltung. Lief. 10, 11. Bd. II, 161 — 320 m. 6 Tfln. 
(s. 1896, Nr. 124). Karlsruhe, Macklot. Bespr.: Diese 
Zs. NF. XII, 766. 

109. — Krieger, Chronik d. Haupt- u. Residenzstadt K. f. d. 

J. 1895, i. Auftr. d. Stadt. Archivkomm. Karlsruhe, Macklot. 
III, 122 S. XXX S. 
I IG. — Archäologisches aus d. Umgebung von K. Heidelberger 
Zg. Fam.bl. Nr. 49 (nach Bad. Ld.-Zg.) 

— s. auch Nr. 205. 
Kiechlingsbergen, s. Nr. 89. 

111. IQeinsteinbach, Reste einer Burg. Bad. Ld.-Zg. Nr. 190. II. 
Klosterwald, s. Nr. 158, 159. 

112. Konstanz. Leiner, O. Chronik d, Stadt K., 1894 — 1896. 

SVGBodensee XXVI, 114— 117. 

113. — Martin. Bruchstücke aus d. Gesch. d. Stadt K. SVG 

Bodensee 25 (1896), 5—17. 

— s. auch Nr. 160 — 173, 181, 187, 232, 318, 322. 
Krautheim, s. Nr. 184. Krotiingen, s. Nr. 136. Külsheim, s. Nr. 184. 

Kürnbach, s. Nr. 182. 

114. Lahr. Schanze auf d. Burghalde bei L. Bad. Presse Nr. 103. 
Lauda, s. Nr. 184. Lauf, s. Nr. 122. Lausheim, s. Nr. 85. Lern- 

bach, s. Nr. 85. St. Leon, s.' Nr. 144. Liptingen, s. Nr. 14. 
Lobenjeld, s. Nr. 218. Löf fingen, s. Nr. 119. 

\\^, Lörrach, Emiein, G. F. Archivalien aus Orten * des 
Amtsbezirks L. Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 55. 

116. Mainau. Gräbener, L. Mainau. Ein Führer durch die 
Insel mit Einblicken in ihre Geschichte. Konstanz, Acker- 
mann. 64 S, m. 1 PI. 
Maisch, s Nr. 97, 144, 153. Malschenberg, s. Nr. 144. 



Badiscbe GeschichUliUcratur «!•:* Jjthre^ 1897. 



49 « 



Marxtfit, s. Nr. 97, 

M. 1894 (SVG- 
S, 120 — 126). 



117, Mannheim, Baumann, A. Zur Geschichte M/s und der 
Pfalz, Plane n. Bilder aus d, Samml. d, Mannheimer 
Alt.-ver. Mannheim, Löffler. 74 S„ 2 Fl., 3 Tfln., 1 1 
Portio I Tab. [Ver.-gabe d, Mannh. Alt.-ver,]. Bespr,: 
DLZ. XVIII» Q9 (A. Wermiughoff). 

— s. auch Nr. 43, 234, 
Mappath, », Nr. J15. 5/. Märgen, %. Nr. 83, 

Afaulbur^t s, Nr. 129* 

u8* Mecrsifurg, Strass. Zur Chronik v, 
Bodenset- XXV^ 87 — 89), 1895 (d^*' 

— 8. auch Nr. 177. 

Merzhauitn, s. Nr» lOl. Mettfntterg^ s. Nr. 85. jWooj* s. Nr. 122. 
Manch, %. Nr, 153. Mätbaeh, 5* Nr 123. Mühikausen, s. Nr. 144. 
Neuburgweier, «.Nr, 155, Ntuhäuitr» s. Nr. lOl, Ntusatt, s. Nr 122. 
rig. Nt'ustadt f, SchuK VVeltc. Archivalien aus Orten des Amts- 
bezirks N. Diese Zs. MitU Nr. 19, 50 — 51. 
r2o» Neuivtür, Keinfried, K. Archivah'cn des Gutsbesitzers 
A, Rüssler auf Schloss N. (A. Bühl). Diese Zs. Miit 
Nr. 19, ii'-j?' 
.WwwvrVr, s. Nr 112, 

Obttachtrn, ». Nr. iij. Ok^i€hfid^nthai^ $, Nr. 18. ObentftVr, %. 
Nf. 153. r)nj*ar^, s. Nr. 122. 

12 1. Offmhurg. Platz. ArchJvalien aus Orten des Amtsbezirks 
O. Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 51 — 54. 

Opjtrdingen^ %. Nr. 85, Oifer^rken, s Nr. 2Q, 30, Oitenhofen^ s. 
Nf. 12a* Ottersd^rf, «, Nr, 122, 
I22. OtUrsweier, Reinfried, K* Archivaren des l^nd*i«puels O. 
Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 20 — 3t. 
Oit€Txwtier^ s. Nr. 122» 176. St^ Ptter, i. Nr. Sj, PfaffenrHk, a. 
N*". ^7» «53* Ffaffttmtiyr^ s, Nr 136, 
123 Pforzheim, Über d. Grabdenkmal d. Mkgr. Albrecttt v. 
Baden zu Pf. Bad. Ld,-Zg. Nr. 289. 11. 
Piititrsdorf, », Nr. U2, Fwe<hthaU ». Nr 83. 

124. Rudolf zelL Albert, P, Geschichte der Stadt R. am 

Bodensec (i, Auftr. d. Stadtgemeiude bcarb.). Radolf* 
«eil, W. Modell (i. Komm.)« 1896. XXJ, 666 S. m, 25 
Abb., I Plan u. i Karte, Bespr.: Freie Stimme Nr. 112. 
II. BL; St. GailerbIK Nr. 48; Kalh. Sdiweixcrbfl. S. 381 
—38 2 (Th. v. Liebenau); Karlsr. Zg. Nr. 511 (K. Br[un- 
ner]); diese Zs. XllI (1898), 373^ — 374 (v. W*eech),; Lit, 
Randschau 1898, 49 — 50 (K. Bauer); Rev. o-itique Nr. 51» 
p. 468—469 (R. Rcuss) DLZ. XIX, 555—57 (K- Obser). 

125. — Gast* A. Auszug aus d. Chronik d. Stadt R. d* J. 1894 

fSVGBodensee XX\\ 82—86), d. J. 1895 (das. S. 114 
— 119), d. I. 1896 (das. XXVI, tiS— 123). 

126. — D. Grabdenkmäler iu d« Stadtkircha tu R. Freie Stimme 
Unt.hali.bL Nr. 12^ ly 

— 8. auch 303, 



492 



Winkclmann. 



127. Rastatt, Erinnerung an d. ehemalige »BundesfestUDg« 

Rastatt Bad. Mil.-ver.bl. Nr. 22 — 30 

128. — Breunig, EL Archivalien aus Orten des Amtsbezirks R. 

Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 54. 
Rauenberg, s. Nr. 135. Reichtnau, s. Nr. 149 Reichenbach, s. Nr. 97. 

Renchen, s. Nr. 122. Rettigheim, s. Nr. 144. Riedern am Wald, 

s. Nr. 85. Riegelt s. Nr. 20. St. Roman, s. Nr. 145, Roth, s. 

Nr. 144. Rothenberg, s Nr. 144. 
Sanäweier, s. Nr. 122. Sasbach, s. Nr. 122. Sasbachwaiden, s. Nr. 122. 

Schatthausen, s. Nr. 144. Schielberg, s. Nr. 153 Schlächtenhaus, 

s. Nr. 129. Schluttenbach, s. Nr. 153. Schöllbronn, s. Nr. 97. 

Schonenbach, s. Nr. 85. Schönwald, s. Nr. 83. 

129. Schopf heim. Emiein, G, F. Archivalien aus Orten des 

Amtsbezirks Seh. Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 56. 

130. Schriesheim. Stadtbefestigung. Heidelberger Zg. Nr. 184. 
Schwandarf, s. Nr. 137, Schwaningen, s Nr. 85 Schwarzach, s. 

Nr. 122. Schwarzhalden, s. Nr. 8$. 

132. Schwetzingen, Kurfürstl. Verordnung f. d. Sommerresidenz 

Schw. (1738). Schwetz. Zg. (1896) Nr. 266. 

133. — Mechling, O. Schw. i. J. 1742. Schwetz. Zg. 

134. — Derselbe. D. Franziskanerkloster zu Schw. (1767 — 1791). 

Schwetz. Zg. 

135. — Maier, A. F. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 

Seh. Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 46. 
Siegelau, s. Nr. 225. Simonswald, s. Nr. 83. Sinzheim, s. Nr. 122. 
Spessart, s. Nr. 97. Stadelhof en, s. Nr. 122. Stahringen, s. 
Nr. 137. 

136. Staufen, Baur, A. Archivalien aus Orten des Amts- 

bezirks St. Diese Zs. Mitt. 19, 86—87. 
Staufen, s. Nr. 136. Staufen mit Bulgenbach, s. Nr. 122. Stein- 
bach, s. Nr. 122. Steisslingen, s. Nr. 137. 

137. Stockach. Seeger. Archivalien aus Orten d. Amtsbezirks 

St. Diese Zs. Mitt. Nr. 19, 57 — 58. 
Stockach, S.Nr. 137. Stollhofen,s Nr. 122. Strumpf elbrunn, s. Nr. 183. 

Stühlingen, s. Nr. 127. Stupf erich, s. Nr. 97. Sulzbach s. Nr. 153. 
Tauberbischofsheim, s. Nr. 184. Tegernau, s. Nr 129. Thairnbach^ 

s. Nr. 144. Thiergarten, s. Nr. 122. Triberg^ s. Nr. 83. Tüllingen, 

s. Nr. 115. 

138. Überlingen. Lachmann, Th. Auszug d. Chronik d. 

Stadt 0. d. J. 1893 (SVGBodensee XXV, ^2—'J^), d. 
J. 1894 (das. S. 104 — 106). 
139. — Scherer. Gesch. d. Heiliggeistspitals d. ehemaligen 
Reichsstadt Ü. (Villingen), Frick. 
— s. auch Nr. 177. 

Ühlingen, s. Nr. 122. Ulm (b. Lichtenau), s. Nr. 122. Ulm (b. Ober- 
kirch), s. Nr. 122. Unzhurst, s. Nr. 122. 



Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1897. 403 

Viüingen^ s. Nr. 226. Vimbuck, s. Nr. 122. Vöguheim^ s. Nr. 227. 

Vöhrenbach^ s. Nr. 83. Völker shach^ s. Nr. 97, 153. 
Wagshurst, s. Nr. 122. WaklwUs, s. Nr. 137. fVaidkirck, s. Nr. 83. 

140. Waldthut, Welti, H. Geleitsgelder d. Städte Baden, 

Meilingen u. W. a. d. J. 1399 — 1402. Anz. f. Schweiz. 
Gesch. 28, 502. 
Waldulm, s. Nr. 122. Walldorf, s. Nr. 144. Walldürn, s. Nr. 
31 — 34, 184. Wehr, s. Nr. 129. Weingarten^ s. Nr. 14, 21. 
Weizen, s. Nr. 85. 

141. Werihetm, Eisernes Kreuz, Beil. d. Bad. Milit.ver.bL 

Nr. 26, 27 [m. Abb. aus Wibels Burg Wertheim]. (S. 
1895 Nr. 258.) 

142. — [v. Weech, F.] Am Main und an d. Tauber. Karlsr. Zg. 

Nr. 344, 348, 350 
— s. auch Nr. 206, 325, 329. 
Wiechs, s. Nr. 137. Wies, s. Nr. 129. 

143. Wiesenihal (A. Bruchsal). D. Gründung v. W. vor 6oö 

Jahren. Bad. Presse Nr. 225. 
Wiesleth, s. Nr. 129. 

144. Wiesloch. Hoffmann, A. Archivalien aus Orten des Amts- 

bezirks W. Diese Zs. Mitt. Nr, 19, 37 — 45. 
Wiesloch, s. Nr. 36, 144. Windeck, %. Nr. 120. Wintersdorf %. Nr. 122. 

145. Wolfach. Damal, E. Archivalien aus Orten des Amts- 

bezirks W. Diese Zs. Mitt. 19, 85. 

Wössingen, s. Nr. 22. 

146. Zell a. ff, Platz, F. Die Unruhen in d. freien Reichs- 

stadt Zell a. H. 1760 und das Reichskammergericht. 
Diese Zs. NF. XII, 691—756. 
Zell am Harmersbach, s. Nr. 121. Zuaenhausen, s. Nr. 312. 

VI. Kirchengeschichte. 

147. Albers, Br. Hirsau und seine Gründungen seit d. J. 1073; 

S. 115 — 129 d. »Festschrift zum elf hundertjährigen Jubi- 
läum des deutschen Campe Santo in Rom«. Freiburg i. Br., 
Herder. XI, 307 S. m. 12 Abb. Bespr.: HJb. XVUI, 
692 — 694. [Darin viele Gründungen auf jetzt badischem 
Gebiete. ] 

148. Blumenthal, H. Die Vorgeschichte d. Konstanzer Kon- 

zils bis zur Berufung. Halle-Wittenberg. Diss. 131 S. 

149. Dieterich, J. R. Die Gesch.quellen d. Klosters Reichenau 

bis zur Mitte d. 11. Jahrh. Giessen, Münchow. VII, 
303 S. Bespr.: NA. XXIII, i, 268—269 (H. Bl[och]). 

150. Rieder, K. D. Todesjahr des hl. Trudpert. Zs. Ges. f. 

Gesch. Freiburg, Breisgau etc. 13, 79 — 104. 

151. Sauer, Jos. Ein Apostel Badens [Philippi] im 19. Jahrh. 

FreibKKBl. 41, 545—547» 557 — S^i. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Obcrrh. N. F. XIII. 3. 33 



494 



Winkelmann. 



152. Emmendingen. Andenken an d. Erinneningsfeier d. ka- 

thol. Pfarrkirche za E. Freiburg (Schweiz). 1896. 24 S. 
.1 Bespr.: FreibKKBl. 41, 14. 

153. Ettlingen. Geschichtliche Mitteilungen über mehrere Ge- 

meinden u. Pfarreien im Bezirk £. Bad. Landsmann 
Nn 270—282. 

154. Freiburg, Festschrift z. Feier d. Einweihung d. Herz- 

Jesu-Kirche im Stadttheil Stühlinger zu Fr. i. Br. Frei- 
burg, Liter. Anstalt. 23 S. m. Ansicht. 

155. Grossschönach. Stengele, Ben. Nachtrage z. Gesch. d. 

Ortes u. d. Pfarrei Gr. u. ihrer Filialen. Freib. Diöc- 
Arch. XXV, 267—7290. 

156. Hausen a. d. Aach. König. Zur Gesch. d. Dorfes und z. 
^. Gedächtnis d. loojähr. Errichtung d. Pfarrei H. Freib. 
i Diöc.-Arch. XXV, 291 — 320. 

i^']. HeiligenzeU (A.-B. Lahr). Geschichte d. Anstalt in H. 
Christi. Fam.bl. (Samstags-Beil. d. Acher- u. Bühler Boten). 
I ; Nr. 23—25. 

;• 158. Klosterwald. Diebold, J. Schutzbrief d. K Friedrich II. 

U för Kloster Wald (12 16). FreibKKBl. 41. Archival. Beil. 

W s. 22. 

^ 159. — Hafner, G. Die Stifter u. Gutthäter d. ehemaligen Kl. 

Wald. SVGBodensee XXVI, 1 10— 113. 

160. Konstanz. Schneider, E. Annalen von Konstanzer Bi- 
t'. schöfen. Diese Zs. NF. XII, 169. 

161. — Meyer V. Knonau, J. Über Gebhard III. von Konstanz. 

(Vortrag.) SVGBodensee XXV, 18—23. 

r- • 162. — Holl, K. Vertrag zwischen Hochstift u. Stadt K. (1576), 

*■': FreibKKBl. 41. Archiv. Beil. Nr. 11, 12. 

^* 163. — Holl, K. Capitulation d. hochw. Fürsten u. Herren Ja- 

r^ koben Bischoffen zue Constanz etc. 1604. FreibKKBl. 

I, 41. Archival. Beil. Nr. i. 

? 164. — Holl, K. Vertrag zwischen Bisch. Jakob Fugger u. 

f mehreren Benediktineräbten. FreibKKBl. 41. Archival. 

L Beil. Nr. 8. 

;. 165. — Holl, K. Vergleich zw. K. u St. Blasien (1606). Freib 

•; KKBl. 41. Archiv. Beil. Nr. 10. 

\ 166. — Holl, K. Bericht d. Fhr. Rink v. Baldenstein an Bisch. 

I Jakob V. K. über die Werbung neuer Mitglieder zur Liga. 

\ (16 10). FreibKKBl. 41, Archival. Beil. Nr. 3. 

£ 167. — Holl, K. Zur Geschichte der kathol. Liga 1610. [An- 

^ teil K.'s betr.] FreibKKBl. 41. Archiv. Beil. Nr. 9, 10. 

f 168. — Holl, K. Statuta chori cathedralis eccl. Constantiensis re- 

novata 16 16. FreibKKBl. 41. Archival. Beil. Nr. 7, 8. 
169. — Holl, K. Summarisches Extract über Ihrer Fürstl. Gna- 
den d. Bischofs V. K. Hofstaat, Besoldungen etc. (1623). 
FreibKKBl. 41. Archival. Beil. Nr. 11. 



Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1897. ^g^ 

170. Konstanz. Dreher. Zur Wahl d. Bisch. Sixtus Werner v. 

K. 1626—27. FreibKKBI. 41. Archival. Beil. Nr. i u. 2. 

171. — Holl, K. Kaiser Ferdinand II. empfiehlt d. Bisch. Jo- 

hann VI. V. K, d. Einführung d. Festes Mariae Empfängnis. 
FreibKKBI. 41. Archival. Beil. Nr, 2. 

172. — Holl, K. Auszug aus d. Sututen d. Kollegialstifts St. 

Johann zu K. (1747). FreibKKBI. 41. Archival. Beil. 
Nr. 3-5. 

173. — Holl, K. D. Niederlassung d. Jesuiten i. K. und d. 

ersten drei Jahrzehnte ihres Wirkens. Konst. Nachr. 
Nr. 234—239. 
Meershur^y s. Nr. 177. 

174. Mahlhausen (A.-B. Engen). Der »Josefinismus« in d, 

Pfarrei M. i. Hegau. Freie Stimme Nr. 79 — 82, 84 — 86, 88. 

175. Neuenburg. Kloster Gutnau b. N. Freib. Zg. 2. Beil. 

176. {Oiiersweier.) Pastoralisches, Liturgisches u. Culturgeschicht- 

liches aus alter Zeit (Ottcrsweier). FreibKKBI. 41, 358 — 
364, 378-383. 

177. Überlingen, Meersburg. Holl, K. Eine Firmungsreise d. 

Bisch. Jakob v. K. (1604) und die Weihe einer Kapelle zu 
M. (1621). FreibKKBI. 41, Archival. Beil. S. 10— 11. 



178. Kühner, Karl. Ignaz Heinr. v. Wessenberg und S.Zeit- 

genossen. Bilder aus d. evang.-prot. Landeskirche Ba- 
dens III. Heidelberg, Höming. 51 S. m. i Abb. Bespr.: 
Karlsr. Zg. Nr. 542. 

179. Stösser, L. D\Q badische Kirchenratsinstruktion v. 6. Juli 

1 797 und die Lehrfreiheit d. Geistlichen d. evang. Kirche. 
Freiburg i. Br., Mohr. 48 S. 
i8o. Zittel, E. D. Reformationsjubiläum v. 1817 und die Union. 
(=^ Bilder aus d. evang.-prot. Landeskirche d. Grossh. 
Baden Nr. IL) Heidelberg, Höming. 79 S. 

181. Konstanz. Issel, E. Die Reformation in K. Freiburg 

i. Br., Mohr (Siebeck). VIII, 206 S. Bespr. u. ber.: 
Konst. Nachr. Nr. 284, 286, 288, 290, 292, 295 — 300; 
1898 Nr. I (K. Holl). 

182. Kürnbach. Bossert, G. Die Reformation in K. bei 

Eppingen. Diese Zs. NF. XII, 83—107. 

183. Strüftififelbrunn. Braun, L. Chronik d. evang. Kirch- 

spiels Str., der Pfarr ufT dem Winterraw. Gesch. e. aus- 
gefallenen Gemeinde. Karlsruhe, J. J. Reiff. VII, 164 S, 
m. I Tab. Bespr.: Diese Zs. NF. XII, 766 — 767 ([Kriegejr). 



33^ 



^q5 Winkclmann. 

VIL Rechts- und Wirtschaftsgeschichte. 

184. Schröder, R. Oberrheinische Stadtrechte. I. Frankische 

Rechte. Heft 3: u. a. Lauda, Ballenberg m. Krautheim, 
Walldürn, Buchen, Kübheim u. Tauberbischofsheim. 
Heidelberg. Winter. S. 169—298. Bespr.: HJb. XVIII, 
225 (K. B[eyerle]). 

185. Thudichum, F. D. beiden ältesten Stadtrechte v. Frei- 

burg i. Br. KBGVer. 45, 5. 

186. Rietschel, S. Zur Datierung d. beiden ältesten Strass- 

burger Rechtsaufzeichnungen [Freiburger Stadtrecht betr. 
s. 1896 Nr. 183]. DZ. II Mon.bll. 24 ff. Bespr.: MJÖG. 
XIX, 183 (Uhlirz). 

187. Beyerle, C. Zur Verfassungsgeschichte d. Stadt Konstanz 

im 12. u. 13. Jahrh. Ausblicke und Ziele. SVGBoden- 
see, Heft 26. 

188. Tumbült, G. Zur Gesch. d. deutschen Stadtverfassung. 

Verfassung d. Stadt Bräunlingen i. Baden. WZ. XVI, 
146 — 171. Bespr.: HZ. (79) 43, 564; diese Zs. XIII 
(1898), 185 (A. Werminghoff); MJÖG. XIX, 199 (Uhlirz). 

189. Starck, A. Geschichte d. Entwicklung d. badischen No- 

tariats. Heidelberg, Höming. VIII, 249 S. 

190. Lohr, H. D. Entwicklung d. Dekorationsmalergewerbes in 

Baden und d. heutige Zustand in d. Stadt Baden-Baden. 
Untersuchungen über die Lage des Handwerks. Bd. VIII 
S. 271— 311. 

191. Derselbe. Das Handwerk zu Anfang und Ende d. 19. 

Jahrh. in Stadt u. Amtsbezirk Baden. Echo von Baden- 
Baden Nr. 85. IL Bl. 

192. Entwicklung des Post- u, Telegraphenwesens i. Baden v. 

1872 — 1896. Karlsruhe, Müller. 35 S. m. 4 Karten. 4O. 
Bespr.: Diese Zs. XII, 768. 

193. 25 Jahre Reichspost i. Baden. Bad. Beob. Nr. 150- 152, 



VIII. Kunstgeschichte. 

194. Albert, P. Christian Wenzinger. Zur Erinnerung an 

dessen loojähr. Todestag. Schau-in's-Land XXIV, i — 4. 

195. Detzel. Die Glasgemäldesammlung d. Grafen Douglas i. 

Schlosse Langenstein b. Stockach. SVGBodensee XXV, 
64 — 74. 

196. Alte Glasgemälde am B. u. seiner Umgebung. Augsb. 

Postzg. Nr. 29, 30. Beil. 



Badiscbc GeschichuUtler»ttir Je» Jalire«^ 1897, 



497 



197, Günther, C, u. Getges, Fr. Das Frciburger Münster, 

hrsg. V. Münsterbau verein. Freiburg 1, Br., Herder. 1896. 
18 S. 68 Lichldrucktfln. fo!. 

198, Hirsch, Fr. Hans Morinck [Konstanzer Bildhauer]. Re- 

pert» f. Kunstwiss. XX, 4. Bespr.: Diese Zs. XIII, (1898), 
193 (K. Obser). — S. aüch Nr. 257, 
1 98». Katalog der gräfl. W. Dougbs'schen Sanimlung alter Glas» 
gemälde auf Schloss Langenstein. Köln, Du Mont Schau- 
berg, 38 S. Mit Abbildungen. 

199, May er y W. Balthasar Neumann [Erb. d. Bruchsaler 

Schlosses]. Mitt. d, Vcr. f, Gesch. d, Deutschen in 
Böhmen XXXV, 152 ff. Bespr.: Diese Zs. Xlll (1898), 
193—194 (K. Brunner). 

200, Mone, F» D, gräfl. Douglas*sche Glasgeniilde Sammlung l* 

Schloss Langenstein b. Stockach, Diöc-ArchSchwabcn 
XV, 49—50. 66—73, 85—88. 

201, Rieffel, F, Hans Baidungs Gemälde. Ein neues kunst- 

geschtchtL Bilderwerk. Frankf. Zg. Nr. 56. L 
102. Stiassny, R. Hans Baidung (irien et le rdtable de St, 

Sebastian, Gazettes des beaux arts 17, 225 — 237. 
203. Vischer, R. Über Hans Baidung Grien. Allg. Zg, Beil. 

Nr. 15, 



204. Brtuhsal, D. Freilogung der Fresken im Schloss zu Br. 

Bad. Ld. Zg. Nr. 302* 111. 

205. Karlsruhf, Das Kaiserdeukmal in Karlsruhe. Eisernes 

Kreuz, Beil. z. bad. Milit.-ver.bl. Nr. 53 (m. Abb.). 

206. [ Weriheim.] Luthmer, F. Zur fränkischen Kunstgeschichte. 

Frankf. Zg. Nr. 36. 



IX. Kulturgeschichte. 

207. Zehnter, J. A. Zur Geschichte d. Juden in d. Mark- 

grafschaft Baden*Durlach, Diese Zs, NF. XU, 385—436, 
636 — 6go. 

208. Geschichte d. Chr. Fr* MüÜer*schen Hof buchh&ridlung in 

Karlsruhe. 1797—1897. Karlsruhe, Möller. 39 S., 1 
Portr.taf., 1 Taf. 28 Bl- Faca. — Vgl. KarUr. Zg. Nr, 87, 
_ Bad. Ld.-Zg. Nr. 45, I. 

209. Rothr F. W« £. Dxt V^erlagsfirma Harnisch in Neustadt 

a. d. Hart und ihre Erzeugnisse im 16. Jahrh. [betr. u, 
a. d. Buchdruckgewerbe zu Heidelberg]. Kaiserstautero, 
H. Kayser. 20 S. (Beil. z. Pfalz. Museum.) 

210. Ringholi, O. D. VV'allfahrtsgeschichte Unserer Lieben 

Frau von Einsiedeln. Ein Beitrag z. Kulturgeschichte. 
Freiburg i. Br.» Herder. 1896, XVI, 381 S, m. vielen 



498 



Winkelmann. 



Abb. [darin Beitr. z. Kahnrgescbichte Badensl. Bespr.: 
Diese Zs. NF. XU, 576. 

211. Breisgau. Heilig, O. Sagen aas d. nördL Breisgaa« 

Der Urquell NF. I, 314 — 315. 

212. {Bühl.) Hauseinrichtiing a. Hinteriassenschaft eines baden* 

badischen Landpfarrers (Panl Tonsar von Bühl) a. d. J. 
1652. FreibKKBl. 41. Beil. xii Nr. 21, S. 337 — 339. 

213. Ettenheim. Weiss, K. Th. Znnftgebraiich za Ettenheixn. 

Alemannia 25, 83 — 84. 

214. Freiburg. Schlang, W. Zur Freib. Theatergeschichte. 

Breisg. Zg. Beil. Nr. 49, 50, 54. 56. 

215. — Ein Freib. Fronleichnamsfest vor 300 Jahren. Breisg. 

Zg. Nr. 136. IL BL 

216. — Zur Geschichte d. Freib. Schätzengesellschaft. Breisg. 

Zg. Nr. 110, III. Beil. 

217. Katzenbuckel. Sagen vom Katzenbuckel. Heidelberger Zg. 

Fam.bL Nr. 54. 

218. Lohenfeld. Pfaff, Fr. Märchen aus Lobenfeld. Fest- 

schrift zur 50jähr. Doctorjubelfeier K. Weinholds [Strass- 
burg, Trübner 1896. VI, 170 S.] S. 62—66. Bespr.: 
Diese Zs. NF. XII, 768-769 [K. Br[unner]). 

219. Odenwald. Moser, Joh. Eine Sammlung Odenwälder 

Segen. ZKulturG. IV, 3. 

220. Pfalz. Christ, K. Auffallende Pfalzer Orts- und Flur- 

namen Nr. 8 (vgl. 1896 Nr. 248). Pfalz. Mus. XIV, 

63—64- 

221. Schwarzwald. Meyer, E. H. Totenbretter im Schwarz- 

wald. Festschrift zur 50jähr. Doctorjubelfeier K. Wein- 
holds [Strassburg, Trübner 1896. VI, 170 S.]. S. 55 — 61. 
Bespr.: Diese Zs. NF. XII, 768 (K. Br[unner]). 

222. — Emtegebräuche auf d. Schwarzwalde (Baar). Freie 

Stimme Nr. 103. 

223. — Steindorf, A. »Tannenrauschen.« Geschichten aus d. 

Märchen- u. Sagenwelt d. Schwarzwaldes, m. 111. [m. ge- 
schichtlichem Hintergrund]. Freiburg, Lorentz u. Waetzel. 

224. — Stammnitz, M. Der Bläsi-Christele-Hof. Ein Beitr. 

z. Kenntnis d. Schwarzwaldhauses. Schau -in's- Land 
XXIV, 19—28. 

225. Siegelau, Goetz, A. Volkskunde v. Siegelau (B.-A. 

Waldkirch). Alemannia 25, i — 62. Sep.abdr. Bonn, 
Hanstein. 

226. \ViUingen^ Faschingsfreuden im Schwarzwald. Allg. Zg. 

Abendbl. Nr. 65. 

227. Vögisheim. Haass, A. Volkstümliches aus Vögisheim. 

Alemannia 25, 97 — 114. 



B«ditcbe Geschichtslitterutur des Jahres (397. 



499 



X. Familien-, Wappen-, Siegel- und Münzkunde. 

228. Kindler V. Knobloch, J. Oberbad, Geschlechterboch, hrsg, 
V d, Bad. histor. Komm, Bd. L Lief, V, VI [-Gruenen- 
berg], S. 32 j — 480 (s- 1896» Nr* 257). Heidelberg, 
Winter, 
t. Bach. Urkunden, s* Nr. 120, 

229p ''* BiitUrsdorß\ v. Blitlersdorff, Philipp Reichs freiherr. 
Abriss d. Gesch. d. Herren u. Reichsfreiherreii v. Bl. 
Jh, d. KK. heraid. Ges. >Adler^ 1897 (auch separat). 
Bespr, : l>i^%& Zs, Xll, 759 — 760 (K, Brunner). 

230, i». Bodmann, Geschichte der Freiherren v. Bodmann. 

L Urkunden (Fortsetzung) a. d. J. 1433 — 1474 (SVG- 
ßodensee XXV (1896) m, bes, Seitenzahl 153 — 200), 
1474 — 1519 (das. XXVI, 201 — 280). 
V. Dalhffg. Urkunden, s. Nr. 120. 
230*, i/, Eberütin, v. Neuenstein, Karl Frh, von. Die Grafen 
von Eberstein in Schwaben Bd, i. Karlsruhe, Braun VII, 
187 S, m. 9 Tun. 
t\ Kmhel von Kalzenelienbvgen, Fhr. Urkuntlen, &• Nr, 120, 

231. Siau/en. Hugard, H. Die Herren von Staufen z. Z. 

der Herzoge von Zähringen. Schau-in's-Land XXIV^ 
10— i 8. 
Sldn V, RachfnsUin. TJrkunden, s. Nr. 120. 



^3^* 



233» 



535. 



i<>. 



237- 



Neuenstein, K. Frh. v* Wappenkunde 5. Jahrg. Heft IJl: 

Die Wappen d. nitsniliigen Geschlechter v. Freiburg. 

— IV: Wappen aus d. Aufschworungsbuch d. Domstifu 

Konstanz. Wappen aus d. Lehnsbuclie Ludwigs V. v. 

d, Pfalz. Karlsruhe, Nemnich i Komm. 
Zobel litz, H. v. Heraldische Streifiüge (m* Abb.). Vel- 

hagen u, Klasings Mon.hefte 7, i^^ — ^7 [darin Wappen 

bad. Familien]. 
Walter, Fr. D, Mannheimer Sudtwappeiu Historisch unter- 
sucht, Mannheim, Druck b. Hahn. 14 S. m. 2 Tfln. 

[Sep.abdr. aus Nr. 235]. 
Walter, Fr. Siegel Sammlung des Mannheimer Alt. Vereins 

nebst Einl, »Grundzüge d, Sicgelkunde«, Mannheim, Löffler. 

160 S. m, 10 Tafeln. Bespr.: Diese Zs* XÜI (1898), 

«74— «75 (v. Weech/. 
Bally, O, Beschreibung d, Münzen u, Medaillen d, Fdrstea* 

hauses u. Landes Baden in chroiiolog« Folge aus d. 

Sammlung d. Komm.rats Otto Bally in Säckingen Aarau, 

Sauerländer. 1896, \^\ XXXVIl, 122 S, m. 14 Tafeln* 

Bcspr.: Diese Zs. Xlll (1898), 176—177. 
Günter, H. Das Münzwesen in der Grafschaft Württcm« 

berg [vielfache Beziehungen z. Baden, Bodenseestadte etc.]. 



\i 



\i 



500 



Winkelmann. 



Stattgart, Kohlhammer. 123 S. Bespr.: Diese Zs. Xm 
J898). > 75—1 76 (K. Obser). 
238. Joseph, P. Der Weinheimer Halbbrakteatenfand. Nene 
Heidelberg Jbb. VII, 161 — 198 m. 2 Tafeln. 



VI. Litteratorgeachichte. Biographie. 

239. Alb er 8, Br. Catalogus fratrum Dilingiae anno 1596. Mense 

Novembris. Diese Zs. NF. XII, 354 — 356 [darin viele 
Badener]. 

240. Engelbrecht. Neff, J. Philipp Engelbrecht (Engentinas). 

Progr. d. Progymn. za Donaueschingen f. d. J. 1896 — 97. 

241. Fischer, Kuno. Meyer, F. K. F.'s 50jähr. Doktorjabiläum. 

Strassb. Post Nr 216. 
Goethe, s. Nr. 247. 

242. Grandidier, Ph, A. Nouvelles oeuvres in6dites, pabli^es 

par A. Ingold. Colmar, Hüffel. XII, 450 S. [darin Reisen 
Gr.'s nach Baden etc. c. d. J. 1784 — 1786]. Bespr.: 
HJb. XVm, 724—725; s. FreibKKBl. 42,(1898) 51—55; 
74—77; 107 — HO (J. S.). 

243. Greiser, Jakob, Huck, H. Jakob Gr. Ein deutsches 

Gelehrtenleben aus d. 16. Jahrh. (Vortrag.) Konstanzer 
Nachr. Nr. 70 ff. 

244. Hansjakob. Hansjakob, Hr. Aus meiner Jugendzeit. 

4. verb, Aufl. Heidelberg, Weiss. 

245. Hartmann v. d. Aue. So ein, A. Zur Frage der Heimat 

H.'s von der Aue. Alemannia 25, 133 — 135. 
245*. — Schulte, A. E. neue Hypothese über d. Heimat H.'s 
von Aue. Zs. f. deutsches Alt. 41, 261 — 282. Bespr.: 
diese Zs. XIII (1898) 190 — 191 (G. Ehrismann). 
Hebel, s Nr. 247. 

246. HeckeL Richard Wagner an Heckel [Hofmusikalienhänd- 

lerin Mannheim]. Neue deutsche Rundschau IX, 1. Berlin, 

Fischer. Bespr.: Karlsr. Zg. (1898) Nr. 18. 

JakobU 8. Nr. 247. 

Jolly, Staatsminister, s. Nr. 69 — 71. 

247. Klopshck, Schlang, W. Karlsruher Litteraturbilder. Bad. 

Ld.-Zg. Bad. Unt.-bl. Nr. 73; Nr. 133, 134 (Klop- 
stock); Nr. 145 (Goethe); Nr. 171 (Jakobi); Nr. 229, 230 
(Hebel). 

248. Lavaier. Funck, H. J. C. Lavaters Aufzeichnungen über 

seinen ersten Aufenthalt in Karlsruhe i. J. 1774. Diese 
Zs. NF. XH, 273—279. 

249. Lortchius, Ehses. Der Freiburger Professor Jodocus 

Lorichius in de Waal. Festschrift z. Camposanto-Jubiläum 
in Rom. (Freiburg, Herder). S. 242 — 255. Bespr.: 
HJb. XVIII, 693. 



Bmdiich« GesdüchtsUlter&tur des Jahres 1897. 



501 



250- Mdanchihan. Hausraih, Ad. Philipp M, (Vortrag) KHeidel- 
bergjb. VII, i — 16* 

251. — M. und die Kurpfalz. Feierstunde« Um.halLbl. z PfäU. 

Presse Nr. 23 ff. (aus Köln. Zg.). 

252, — Elliuger» G* Philipp Melanchthons Frühzeit. Mon. h» 

d, Comeniüs ges* VI» Heft i, 2, 
253. — Christ» K. Der Name M/s. Pfalz. Museum XIV, 31, 
254. — Litteraturzus.stellung. HJb, XVIll, 458—459; 686—687; 
934; — Bibliogr. d. Kircheugesch. Litt, (1. Jan.— i. Juli), 
Beil. z. Zs. f. KirchcDgesch. XVIII. Nr. 559—640; — 
DZ. NF. n, Bibliogr. Nr. 2975—2980 (Masslow); — 
Biographisches Jahrb. (lirsg, v. Beitelheim)» 1, Bibliogr. 
65 - 06. 

255* Mtiamhthon. Zur Erinnerung an d» Feier d* Grundstein» 
legung d. Melanchthon-Hauscs in Bretten* Bretten, Ver. 
z. Errichtung e. Mcl.-Hauses, 8 S. — S. auch Nr. 90, 

256. Mone, V. Waldberg, M. Briefe v. Jakob u. Wilhelm 

Grimm, Karl Lachmann, Creuzcr u* Joseph v. Lassberg 
an F. J. iMone. L Briefe von Jakob Grimm. NHeidel- 
bergjb. VII, 68 — 94; 325 — 260. 

257. MonmL Hirsch, Hans Morinck, Kon Stanzer Nachr. 

Nr. 250, — S, auch Nr, 198. 
558* Oth III,, ßisch, V. Konstanz, Wermlnghoff A. Die 
schriftstellerische Thatigkcit de» Bischofs Otto HL von 
Konstanz. Diese Zs. NF. XI L J — 40. 

259. Fforr, Pfaff, F. Antonius von Pforr (aus Breisach] und 

sein Buch der Beispiele der alten Weisen» Scbau-in's- 
Land XXIV. 29—46. 

260. Pisiarius. v. Weech, Fr. Zur Biographie des P, Auch 

unter d. Tit.: Mitt. aus d. Vatikanischen Archiv V. Diese 
Zs. NF. XH, 270—272. — Vgl. Nr. 45. 46. 

261. V, SchiffiL Beetschen, A* Eine Scbeflelerinnerung. Allg. 

Zg, Nr. 210. 

262. — Habcrit F. H. Joh. V'ictor v. Seh, über Erbard ögluis 

Liederbuch. Kirch enmusikal Jahrb. v. F. H. Haberl 

(Regensburg) S, 66 — 72* 
265. — Hürbin. Die histor. Grundlage von Sch.'s Trompeter 

V, Säckingen. Kaihol SctiwcizerblL S. 419-^435, 
164, SckUssir, Scb. J. G. Schlosser in Emmendingen, Bad, 

Ld.-Zg. Unt.halt.bl. Nr. 36. 

265, r. Treituhkf, Schiemann. H. v, Treltscbkes Lehr- und 

Wanderjahre [Freihurg, Ht?idelberg], Histor. Bibliothek 
Bd. L München. Leipzig, Oidenbourg. Vil^ 170 S. Bcspr.; 
Allg Zg. Beil Nr. 297. 

266, r. Mtech, Zum 60. Geburtttag Friedrichs v. W, Strassb. 

Post Nr. H04. 

267, Wmungtr, Christian W.'s loo. Todestag. Fr«ib. Bote 

Nr. 186, — Vgl. Nr. 194. 



502 



Winkelmann. 



Nekrologien. ^) 

268. Baer, K, E. (f 1896). v. Weech, Fr. Deutscher Nekro- 

log 1, 389—391. (s. 1896 Nr. 324). 

269. Bassermann, Anion, Landgerichtspräsident. Bad. Presse 

Nr. 223. 

270. BehageU W. /. (f 1896). v. Weech, Fr. Deutscher 

Nekrolog 1, 391 — 393 (s. 1896 Nr. 326). 

271. Degen, Ludwig, [Fl um]. Ludwig D., Stadtpfarrer v. St. Stephan 

i. Xonstanz. Ein Lebensbild. Radolfzell, Moriell. 16 S. 

272. Derselbe, FreibKKbl. 41, 273—277; 291 — 294. Nekr. 

273. Diez, /. G5r., Dekan u. Stadtpfarrer in Walldürn. FreibKKb. 

41, 150—154; 163 — 163— 168. Nekr. 

274. Diez, NicodemiLs. geistl. Rat, Stadtpfarrer von Stockach. 

FreibKKBl. 41, 49 — 52; 69 — 71. Nekr. 

275. Frommel, E, (t 1896). Kays er, C. Emil Frommel (s. 

1896 Nr. 329). Lebensbild. Karlsruhe, evang. Schriften- 
verein. IV, 165 S. Bespr.: Diese Zs. XIII (1898), 182— 183 
(v. W[eech]). — S. a. Litt zus. stell, i. Bibliogr. d. Kirchen- 
gesch. Litt. (i. Jan. — i. Juli 1897), Beil. z. Zs. f. 
Kirchengesch. XVIII, Nr. 967 - 970. 

276. Gleichauf, Rudolf (f 1896). v. Weech, Fr. Deutscher 

Nekrolog 1, 394—396 (s. 1896 Nr. 331). 
Z'jt^, Gossweyler, Theod. (f 1896). Engesser, Fr. Deutscher 
Nekrolog I, 366. 

277. Holsten, K. Hausrath, A. Karl Holsten. (Gedächtnis- 

rede.) Heidelberg, Petters. 20 S. 

278. Karl Egon (IV.) Fürstzu Fürsienberg (f 1896) v. Weech, Fr. 

Deutscher Nekrolog I, 393 -94 (s. 1896 Nr. 330). 

279. Lamey, A, (f 1896). Lamey, D. Deutscher Nekrolog I, 

266—268 (s. 1896 Nr. 335). 

280. Maisch, Jakob (^ 1896). v. Weech, Fr. Deutscher Nekro- 

log I, 396—99. (s. 1896 Nr. 337. 338). 

281. Meyer, Viktor, Geh. Rat, Professor. Zur Erinnerung an 

Victor Meyer. Allg. Zg. Beil. Nr. 186 u. 187. — S. auch 
Frankf. Zg. Nr. 228 (M.Freund); Heidelberger Zg. Nr. 183. 

282. Regenauer, Eugen v„ Präs. d. Generalintendanz d. Grossh. 

Civilliste, Karlsr. Zg. Nr. 521. Nekrol. 

283. Rolf US, Hermann (f 1896). Ein Lebensbild. Sternen u. 

Blumen. Beil. z. Bad. Beob. Nr. i (s. 1896 Nr. 341). 

284. Roos, Joh, Chr„ Erzbisch, v. Freiburg (f 1896). Deutscher 

Nekrolog I, 398—399 (s. 1896 Nr. 342). 
285. Erinnerungen an Roos. FreibKKb. 40; — i. 17. 33, 

65. 81. 97. 113. 129. 131. 147. 161. 177. 193. 225. 

241. 257. 305. 328. 346. 373. 389. 405.422.437.454. 

473. 509. 527- 553. 585. 604. 620. 
286. Alte u. neue Welt Heft 4. 



*) Todesjahr das Berichtsjahr, wenn nicht anders angegeben. 



cliulillerjiiur des Juhrcs 1897. goj 

2B6\ Wtener, Christian (t 1896)* v. BraunmühU A. Deutscher 
Nekrolog 1, 207, 

287. Wilhelm, Prinz v, Badtn, Heidelberger Zg, Nr, 97. Karlsr« 

Zg, Nr, it>3. Bad, Presse Nr, 98, 

288. Winke imann, Eduard (t 1896, Guglia, E, Deutscher 
~ Nekrolog 1, 40 — 42. (s. 1896, Nr. 354). 



XIL Bibliotheken* Archive. Sammlungen* Unterrichts- 
wesen. 

'J89- Handschriften d. Grossh. bad. Hof» u. Landesbibliothek 
äu Karlsruhe, Bd. IV: Kailsr» Handschriften (m. Vorwort 
V. Brarabach), Karlsruhe, Groos. X, 285 S, Bespr. : 
Diese Zs. NT. XH, 566 (K. 0[bser]); NA, XXill, 265 
(H. B[loch]). 

290. Grossh. Hof- u. Landesbibliothek Karlsruhe, XXIV, Zu* 

gangsverzeichnis 1 896. Karlsruhe, Groos. 

291. Etwas von d, bad. Staatsbibhotheken. Bad.»Ld. Zg. ünt,- 

halt.bl Nr» 248, 249. 

292, Gebhardt, P. Die Palatina u. Heidelberg. Allg. Zg. BeiU 

Nr. 28t). 

293. Schmitt, Franz Jak. Die ehemalige Stiftskirche zum hL 

Geist u. d. Bibliotheca Falatina zu Heidelberg. Augsb* 
Postzg. 30. 40, BeiL 

294, Heyck, E, Eine fürstliche Hausbibliothek [Donaueschingcn] 

im Dienste der Öfientlichkeil. Zs. f. Bücherfreunde, hrsg, 
V. Zobeltitz, Bielefeld u. Leipzig, I, 66 — 76. 

295, Wcrminghoff, A. Die Bibliothek eines Konstanzer Offizials 

aus d. J. 1506. CBL Bibliothckwesen XIV, 290 — 298. 

296* Archivalische Ausstellung d, Generallandesarchivs zu 
Karlsrtihe, Karlsr. Zg. Nr. 264^ Bad. Ld.-Zg. Nr, 134, 
1. H; Frankf. Zg. Nr. 327. 

297. Museographie f, Baden* Konstanz« Überlingen» Freiburg 

(Albert); Karlsruhe (Wagner); Mannheim (ßaumann). 

wz. xvL 321-324. 

298. Marc Roseubergs Badische SammtuDg. L Inschriften 

V. Brambach u. Zangemeister. IL Urkunden« Akten etc 
— 1650 V. Hauck. Karlsruhe, Bielefeld. 52 S, Bespr.: 
Diese Zs. NF. XH, 760—761 (K. 0[bser]). 

299. Mayer, H, Mitteilungen aus den Matrikelbüchem d, Univ. 

Freiburg i, Br, Zs. Ges. f, Gesch. Freiburg, Breisgau etc. 

U. « — 77- 

300. Eolenburg, Fr. Über d. Frequenz d. Universitäten in 

früherer Zeil [bes. Heidelberg betr ). Jahrb. f. Nat.okon. 
o. Statistik 3. Folge Bd. 13, 4^'— 555' 



504 



Winkelmann. 



301. Heyd, H. Gesch. d. Entwicklung d. d. Volksschulwesens 
im Grossh. Baden. Lief. 9 — 11, S. 769 — 1056 m. Karten. 
Bühl, Konkordia (s. 1896 Nr. 361). 



XIIL Recensionen früher erschienener Schriften. 

302. Albert, P. Radolfzeller Marktprivileg. (1896 Nr. 133. 134.) 

Bespr.: MJÖG. XIX, 182 (Uhlirz); NA. XXIII, 594 
(H. B[loch]). 

303. Baumann-Tumbält. Fürstenbergische Urk. (1896 Nr. 258.) 

Bespr.: DZ. NF. II. Mon.bll. 168— 171 (A. Cartellieri); 
HJb. XVIU, 705 (C. Beyerle). 

304. Chroust, A. Abraham v. Dohna. (1896 Nr. 45.) Bespr.: 

DZ. NF. II, 9—10. 

305. Erdmannsdörffer, B. u. Obser, K. Polit. Korrespondenz 

Karl Friedrichs von Baden. Bd. IV (i 801 — 1804), bearb. 
V. K. Obser. (1896 Nr. 62.) Bespr.: Strassb. Post 
Nr. 144; F.B.P.G. IX, 283 (W. Schulze); Rev. d'hist. 
diplom. XI. (L. Pingaud). 

306. Eulenburg, F. (Heidelbergs) Gewerbestatistik. (1896 

Nr. 188.) Bespr.: DZ. NF. IL Mon.-bll. 96-112, 
A. Doren). 

307. Fester, R. Regesten d. Mkgr. v. Baden. (1895 Nr. 59.) 

Bespr.: MJÖG. XVIII, 641—647 (H. Witte). 

308. Mkgr. Bernhard I. (1896 Nr. 53). Bespr.: MJÖG. XVm, 

647-648 (H. Witte). 

309. Fincke, H. Acta concilii Constanciensis. Bd. I. (1896 

Nr. 163.) Bespr.: MJÖG. XVIII, 652—654 (J. Loserth); 
DLZ XVIII, 1664 (A. Bachmann); NA. XXII, 321 
H. B[loch]); Revue critique p. 22 — 23; Bibl. de T^cole 
des charteä 57; 439 (Valois). 

310. Freiburger DiöcesanarchiV XXV. (1896 Nr. 3.) Bespr.: 

HJb. XVIII, 164 (C. Beyerle); FreibKKBl. 41, 209—215 

(J. s.). 

311. Fromme, B. Die span. Nation u. d. Konstanzer Konzil 

(1896 Nr. 165.) MJÖG. XVIII, 654 (J. Loserth); Rom 
Quart. -Schrift X, 4. 

312. Glock, J. Ph. Zuzenhausen (1896 Nr. 143). Bespr.: 

Diese Zs. NF. XII, 573 (-r.). 

313. Goldschmidt. Polit. Errungenschaften unter Grossh. 

Friedrich. (1896 Nr. 86.) Bespr.: Allg. Zg. Beil. 
Nr. 207. 

314. Hansjakob, H. Die Salpeterer. (1896 Nr. 228. a.) Bespr.: 

Freib. Kirchenlex. IL Aufl. Bd. X, 1576— 1580; HJb. 
XVIII, 462 (C. Beyerle); HZ. 42, 558; MHL. XXV, 
486—488 (H. Breunig). 



Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1897. eo5 

315. Hegel, K. D. erste Stadtrecht v. Freiburg. (1896 Nr. 183.) 

Bespr.: MJÖG. XIX, 182—183 (Uhlirz). 

316. Hüffer, H. Rastatter Gesandtenmord. (1896 Nr. 60.61.) 

Bespr.: MHL. 25, 214 m. Erwiderung H.'s, das. S. 384. 

317. Kienitz-Baldamus. Schulwandkarte. (1896 Nr. 42.) 

Bespr.: Diese Zs. XllI (1898), 378—380 (— r.). 

318. Kluckhohn,A. Diöcese Konstanz. (1896 Nr. 178.) Bespr.: 

Diese Zs. NF. Xll, 569 — 570 (K. Bninner). 

319. Krieg, C. Fürstabt Martin Gerbert v. St. Blasien. (1896 

Nr. 286.) Bespr.: HJb. XVIIl, 937—938 (— x). 

320. — Ferd. Geminian Wanker. (1896 Nr. 300.) Bespr.: HJb. 

xviii, 938-939 (—X). 

321. Kunz. Entscheidungskämpfe d. Generals Werder i. Jan. 

187 1. (1895 Nr. 115.) Bespr.: MHL. 25, 230—232 
(Foss). 
^22. Laible, J. Gesch. d. St. Konstanz. (1896 Nr. 125.) Bespr.: 
Frankf. Zg. Nr. 337. 

323. Ludwig, Th. Konstanzer Geschichtsschreibung. (1894 

Nr. 36. 1895 Nr. 416. 1896 Nr. 376.) Bespr.: MJÖG. 
XVllI, 659 (V. V. Hofmann-Weltenhof). 

324. — Der badische Bauer. (1896 Nr. 192.) Bespr.: KB WZ. 

XVI. 124—125 (AU Cartellicri); MHL. XXV, 488—491 
P. Albert); Bad. Ld.-Zg. Unt-halt.bl. Nr. 19, 20; Karlsr. 
Zg. Nr. 178 (-t). 

325. V. Oechelhäuser, A. Wertheim. (1896 Nr. 22.) Bespr.: 

Frankf. Zg. Nr. 182. 

326. Ruete. Grossh. Friedrich. (1896 Nr. 87.) Bespr.: Allg. 

Zg. Beil. Nr. 207. 

327. V. Stockhorner. Die Stockhomer von Starein. (1896 

Nr. 264.) Bespr.: DLZ. XVIII, 260—261 (F. v. Krones). 

328. Stoll, A. Friedrich Wilken. (1895 Nr. 298; 1896 Nr. 387.) 

Bespr.: DZ. Mon.-bll. II, 117 (Horuschansky). 

329. Wibel. Wertheim. (1895 Nr. 258; 1896 Nr. 388.) Bespr.: 

Allg. Zg. Beil. Nr. 2. 

330. Wille. Pfalzgr. Elisabeth Charlotte. (1896 Nr. 48.) Bespr.: 

Allg. Zg. Beil. Nr. 287. 

331. Zeitschrift f. Gesch. d. Oberrheins. Bd. XI (1896). 

Bespr.: HJb. XVIII, 649 - 653. 



M i s c e 1 1 e n. 



Die Hinrichtung Karl Ludwig Sand's. Die Vorgänge, 
welche zur Fällung des Todesurteils über den Studenten und 
Burschenschafter Sand und zur Ausführung desselben durch die 
Grossh. badische Regierung führten, dürfen bei den Lesern dieser 
Zeitschrift als bekannt vorausgesetzt werden. Die Litteratur über 
das denkwürdige Ereignis der Ermordung Kotzebue*s durch Sand, 
das von so grossen Folgen für die ganze deutsche Geschichte 
werden sollte, ist ziemlich gross und kann hier nicht in ihrer 
Gesamtheit aufgeführt werden, doch soll wenigstens auf die 
Hauptschriften hingewiesen werden. Es sind dies: i. K. L. Sand, 
dargestellt durch seine Tagebücher und Briefe. Altenburg, 1821. 
— 2. Noch 8 Beiträge zur Geschichte A. von Kotzebue's und 
K. L. Sand's. Mühlhausen, 1821. — 3. Hohnhorst: Übersicht 
der gegen Sand geführten Untersuchung. Stuttgart, 1820. — 
4. Aktenauszüge aus dem Untersuchungsprozess über Sand u. s. w. 
Leipzig 1821. — 5. Hitzig: Annalen der deutschen und aus- 
ländischen Kriminalrechtspflege. Jahrgang 1830, Berlin. — 
6. Janke: Karl Ludwig Sand und sein an Kotzebue verübter 
Mord. — 7. Der neue Pitaval. Leipzig 1842. Teil L — 
8. Die Flugschriften über Sand von La Motte Fouqu^, Steffens, 
Krug u. a. Die beste Darstellung desselben aber und seiner 
Folgen findet man bekanntlich bei Treitschke : Deutsche Geschichte 
im 19. Jahrh. II, 519 ff., woselbst noch andere Litteraturnach- 
weise gegeben werden. 

Ich habe nun neuerdings unter den nachgelassenen Papieren 
des 1894 in Grosskmehlen bei Ortrand verstorbenen königl. 
preuss. Geh. Regierungsrates Prof. Dr. jur. Karl Eduard Zachariä 
von Lingenthal, des bekannten Byzantinisten und Rechtshisto- 
rikers, einen Brief gefunden, welcher die Hinrichtung des unglück- 
lichen, von der Mehrheit der Nation seiner Zeit für einen Märtyrer 
angesehenen Jünglings ausführlich beschreibt. Derselbe stammt 
aus der Feder keines Geringeren als des berühmten Staatsrechts- 
lehrers an der Universität Heidelberg Karl Salomo Zachariä von 
Lingenthal, und dürfte auch schon aus diesem Grunde von einigem 
Interesse sein. Zachariä hat der Hinrichtung Sand's persönlich 
als Augenzeuge beigewohnt; er beschreibt dieselbe so eingehend 



Miscellen. 



507 



wie möglich in einem Briefe an Fräulein KaroUne GouUon in 
Weimar, eine feingebildele, aus einer franziisiscl^en Emigranten- 
familie stammende Dame, welche damals ^acharia's einzigen Sohn, 
den obengenannten Karl F.duard, erzog und später die Gattin 
des Weimarer Hofkapellmeisters GöIäö wurde. 

Ich bringe den Brief nach dem Originale zum Abdrucke, 
insoweit als er sich mit dem Tode Sand's beschäftigt; die übrigen 
Bemerkungen desselben sind persönlicher Natur und haben für 
den Leser weiter kein Interesse. Das Schreiben hl undatirt. 
jedenfalls aber wenige Tage nach der Hinrichtung vcrfasst. Es 
lautet: 



Sic erhalten von mir heule einen gleichsam geschichtlichen, 
einen fast schauerlichen Briel über die Hinrichtung Sand'Ä. Sie 
erfolgte den Sonnabend vor Pfingsten, den 20. Mai, früh gegen 
*/|6 Uhr. Ich war dabei zugegen, iheils weil ich als Lehrer des 
Criminalrechls dabei nicht fehlen zu dürfen glaubte*, theils weil 
ich einen Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sehen wünschte, 
über dessen That die entgegengesetztesten Urthcile gefallt worden 
sind und gefallt werden können. Wohl ist es sonderbar, ein 
Mädchen von einer solchen Scene zu unterhalten. Doch da» 
weibliche Geschlecht scheint sich besonders für den bedauems- 
werthen Jüngling interessirt zu haben. 

Vielleicht hätte unsere Regierung gezdgert und gewartet, bis 
dass der natürliche Tod, welcher Sand mit schnellen Schritten 
nahte, einen gewaltsamen unnöthrg gemacht hätte. Sand konnte 
die letzte Zeit nicht mehr das Bette verlassen, er hatte einen 
heftigen hektischen Husten, mit einem Worte, seine Auflösung 
war nicht mehr weit enlfenvl. Er war so schwach, dass die 
Mannlieimer gerichtliciren Ärzte erklärten, es scheine Sand die 
Vollziehung des Unheils nicht mehr aushalten zu können. 
Jedoch unsere Regierung wurde durch besondere V^erhäknisse 
gedrängt. Eine ausserordentliche Commission« zu welcher der 
hiesige Professor Ch*^) berufen wurde^ war der Meinung, dass 
Sand doch die Anstrengung aushalten könne. £r selbst, der die 
Absicht des Besuchs der Ärzte ahnte, soll (denn ich will hier 
und sonst nur das ganz Sichere bestimmt aussprechen) die Hin- 
richtung als ein Opfer für die Sache des Vaterlandes gewünscht 
haben. So wurde also die Voltdehung des Urthcils beschlosiien 
und die Sache möglichst beschleunigt. Den 11. Mutz kam da« 
Urtheil to Karlsruhe an, den \2, (ruh wurde es von dem Gross- 
herzoge unterzeichnet, dm 17. früh um 10 Uhr publicirL Sand 
horte CS nicht nur mit Ruhe an, sondern, bisher von Schwäche 
^nd Schmers auf sein Lager hingestreckt, schien die Gcwjssheit 



^ Cfa^lius^ d«r bekaanle Medieieef. 



5o8 



Miicellen. 



!- 



des nahen Todes ihm neue Kräfte zu geben. Er richtete sich 
im Bette auf, schrieb seitdem mehrere Briefe, auch einen Deutsch- 
land betrefifenden Aufsatz, der kaum bekannt gemacht werden 
dürfte. 

Alle Vorsichtsmassregeln, um einer jeden Störung der Exe- 
kution vorzubeugen, wurden getroffen. Die Mannheimer Garnison 
wurde verstärkt. Der General Neuenstein aus Karlsruhe erhielt 
das Commando mit ausgedehnten Vollmachten. Hier sogar in 
Heidelberg erfuhren wir erst spät die Stunde der Exekution. Es 
verbreitete sich das Gerücht, dass Sand gestorben sei. Vielleicht 
wünschte man die Zahl der Zuschauer zu vermindern. 

Der Morgen des 20. Mai brach an. Der Himmel war bedeckt, 
es fiel einigemal ein Sprühregen. Jedoch während der Exekation 
hielt der Regen inne, kein Lüftchen rührte sich. Das Schaffott 
war rechts von der Chaussde, die von Heidelberg nach Mann- 
heim führt, auf der Wiese, wo die Chaussee einen Winkel macht, 
erbaut Um das Schaffott bildete die Infanterie ein Viereck. 
Etwas entfernter war Cavallerie aufmarschirt. In der Stadt gingen 
Patrouillen und auf dem Paradeplatze standen ebenfalls einige 
Compagnien Infanterie. 

Schon um 2 Uhr rückten die Soldaten aus. Ich kam ungefähr 
5 oder IG Minuten vor der Hinrichtung an der verhängnisvollen 
Bühne an, nachdem ich unmittelbar den Wagen auf der Chaussee 
verlassen hatte. 

Die Zahl der Zuschauer betrug gewiss nicht über 3- bis 4000. 
Viele Fremde kamen zu spät. Aus den gebildeten Ständen des 
Orts und von Heidelberg waren sehr Wenige gegenwärtig. Es 
herrschte grössere Ordnung und Stille, als ich je bei einer ähn- 
lichen Gelegenheit bemerkt habe. 

Um 5 Uhr verliess Sand das Gefangniss, in welchem er in 
den letzten Tagen von Mehreren besucht worden war. Seine 
Ansichten waren unverändert dieselben geblieben. Er war während 
seiner Krankheit von mehreren Geistlichen besucht worden, ins- 
besondere von einem ehemals in Erlangen angestellten, der, wenn 
ich mich nicht irre, Ladebach heisst. Nur die Erklärung hatten 
sie von ihm zu erhalten vermocht, dass er seine Sünden und 
Fehler, auch die, welche er unwissentlich begangen, bereue. Die 
Begleitung eines Geistlichen zur Richtstätte hatte er abgelehnt, 
unter dem Anführen (wie ich glaubwürdig versichert worden bin), 
dass er doch selbst beten müsse, auch hierzu die Stärke zu 
haben hoffe, ferner dass er den Herren diesen schweren Gang 
zu ersparen wünsche. 

Der ganze Zug bestand aus zwei Wagen. In dem ersten, 
einer Halbchaise, sass Sand und neben ihm ein Zuchthauswärter, 
der neu und anständig gekleidet war. Sand lag ihm in den 
Armen, nicht körperlich stark genug, um sich aufrecht zu 
erhalten. An der Seite des Wagens gingen Gerichtsdiener. 



Mi sc eil eil. 



509 



In dem zweiten Wagen, elneni zugemachten, sassen die GerJchts- 
personen. 

Sand trug einen schwarzen, nach deutscher Art gemacbteD 
Rock, der vorne bis an den HaU zugeknöpft und hinten bis 
unter die Schultern zugeschnürt war. Ein weisser Hemdenhals 
lag oben auf dem Rock. Er trug ferner lange weisse leinene 
Beinkleider, Der Kopf war unbedeckt. Sein Gesicht war 
totenblass. Die Augen, schwarz, waren auffallend feurig» 
üci es, dass ihr Feuer durch die Krankheit (denn in der Hektik 
ist oft der Blick besonders lebhaft) oder durch die Aufgabe des 
Augenblicks oder durch beide Ursachen zugleich erhöht wurde* 
Dickes, langes, unten sich ringelndes Haar umschattete das Gesicht, 
das breit und länglich war. Sein Körperbau war breitschultrig, 
mehr als mittelmassige Länge. Einst war er ein blühender, kraf- 
tiger Jüngling gewesen. 

Auf dem ganzen Zuge war sein Betragen ruhig. Er blickte 
gen Himmel, in der Gegend umher. Er wurde aus dem Wagen 
gehoben und bestieg nun die Todesbühne, so dass er von zwei 
Männern mehr gehoben und getragen als gefuhrt wurde. Auf 
den Schultern eines jeden von diesen beiden Männern ruhte ein 
Arm. Jeder dieser Männer hatte einen Arm um Sand's Leib 
geschlungen. Alles war still und in banger Erwartung. Auf dem 
Schatfott angekommen, wendere er sich mit seinen Begleitern 
nach der Stadt zu. So gestellt sprach er wenige Worte und hob 
dabei seine rechte Hand in die Hohe, Eine längere Rede zu 
halten soll ihm verboten worden sein- Obwohl nahe, konnten 
wir doch nur das Wort Gott verstehen. Der Inhalt seiner Rede 
soU der gewesen sein, dass er zu Gott schwöre, dass er seine 
That allein, in der Absicht gethan habe, das Vatertand zu retten« 

Hierauf wurde er an die Planke, die das Schaffott einschlösse 
geführt, wo er, das Gesicht nach Norden gekehrt, stehen blieb, 
während das Todesurtheil von dem Richter, der in einiger Ent- 
fernung von ihm In derselben Richtung stand, verlesen wurde. 
Hierauf begann der Scharfrichter sein schweres Werk, Sand 
setzte sich auf den Richistuhl, das Gesicht fortdauernd nach 
Norden gekehrt. Das Kleid und Hemde wurde nun bis über 
die Achseln heruntergelegt. Er wurde mit einem Stricke an den 
Stuhl befestigt. Die Haare wtirden aul dem Scheitel zusammen- 
gebunden, die im Nacken, die kürzeren, abgeschnitten. Mit 
einem bunten Tuche wmden die Augen verbunden. Der Knecht 
hielt den Kopf oben bei dem Schöpfe und es geschah der 
Todesstreich, 

Leider blieb dem Scharfrichter (dem Heidelberger Wittmann) 
die Kunst nicht ganz getreu. Der erste Hieb liess ungefähr ein 
Drittel des Halses stehen, indem das Schwert in den Kinnbacken 
kam* Doch ein zweiter schnell nachgeführter Hieb vollendete 

1 schon der erMc halte das Leben 



ild die Vollziehung und schon 

Z«ttu:br. C Gctdi, li 0^errll. N. F» Xltt. 3, 



34 



n 



510 



Miscellen. 



getötet. Das Blut, dick und schwarz, sprang nur in zwei dünnen 
Röhren und nicht hoch aus dem Rumpfe heraus. Der Kopf 
und der Körper wurden danp in einen gewöhnh'chen Sarg gelegt. 

Dieser ganze Auftritt auf dem Todesgerüste mochte doch 
wohl gegen Y4 Stunde dauern. Sand blieh sich gleich, nicht 
unruhig, nicht geckenhaft, ohne Husten. Sein letzter Blick, als 
ihm die Augen verbunden wurden, soll gen Himmel gerichtet 
gewesen sein. £r sprach, nach jenen Worten, weiter nicht, nickte 
jedoch einmal, als er schon auf dem Stuhle sass und ihm der 
Scharfrichter etwas sagte. 

So endete ein Jüngling, der eine That beging, welche insofern, 
als sie auf dem Grundsatze beruht, dass der Zweck die Mittel 
heilige, zu den schauderhaft erschütterndsten Erscheinungen 
gehört, ein Jüngling, der ungeachtet er eine auffallende Schwäche 
der Urtheilskraft an den Tag legte, indem er durch Kotzebue's 
Ermordung Deutschland retten zu können und zu müssen wähnte, 
dennoch eine Kraft des Gemüths bewiesen hat, die einer bessern 
Richtung so würdig gewesen wäre. 

Die abgeschnittenen Haare, die einzeln auf dem Gerüste 
lagen, wurden eifrig aufgesucht und aufbewahrt. Er hatte in 
Mannheim Viele, sehr Viele gewonnen! Die Weiber, die in 
guter Anzahl dem letzten Auftritte des Trauerspiels beiwohnten, 
hörte ich zum Theil weinen und schluchzen .... 

Plauen im Vogtlande. William Fischer, 



Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 



Von Veroffenllichung-en der Badischen Historischen 
Kommission sind erschienen: 

Oberrheinische Stadtrechte. Erste Abteilung. 
Fränkische Rechte. Viertes Heft. Miltenberg, Obern- 
bürg, Hirschhorn, Neckarsteinach, Weinheim, Sinsheim 
und Hilsbach. Bearbeitet von Richard Schröder und 
Karl Koehne. Heidelberg, Winter. 

Die Konstanzer Ratslisten des Mittelalters. 
Bearbeitet von Konrad Beyerle. Heidelberg, Winter 

Topographisches Wörterbuch des Grossherzog- 
thums Baden. Bearbeitet von Albert Krieger, Fünfte 
und sechste Abteilung (St. Ulrich-Zytern. Mit Vorwort. 
Quellenverzeichnis und Nachträgen), Heidelberg, Winter. 

Neue Heidelberger Jahrbücher. Jahrg. Vlll (1898), 
Heft 1, K» Schumacher: Zur römischen Keramik und 
Geschichte Süddeutscblands« S. 94 — 124. Bespricht die 
keramischen Funde in dem Gebiete zwischen Rheiu, Main und 
Donau, prüft mit ihrer Hilfe die litterarische und inschriftliche 
Tradition und gelangt zu dem Ergebnisse, dass die ganze badihchc 
Rheinebene schon in vespasianischer Zeit in römischem Besitz 
war, während für eine Okkupation des zwischen Schwarzwald 
und Odenwald gelegenen Neckarhüge Hundes durch Vespa&tan bis 
jetzt alle Anhaltspunkte fehlen; ebensowenig lasst sich zur Zett 
durch die Funde beweisen» dass schon unter Vespasian die Kord- 
grenze des Reichs bis zur Linie Cauostatt — Lorch vorgerückt 
worden ist 



Freiburger DiÖccsanarchiv. Band 26. J. 1898. F. Zell: 
Registra subsidii charitativi im Bistum Konstanz am 
Ende des 15. and zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 
S, I— 134. Ergebnisse der im J. 150S unter Bischof Hugo %*on 
Hohcnlandenberg veranstalteten Sammlung; sie erstrecken sich 

54" 



ei2 Zeitschriftenschan mid Litteraturnodzen. 

auf 8 Erzdiakonate mit 52 Dekanaten. — Th. Schön: Ge- 
schichte der Kartause Gäterstein in Württemberg. 
S. 135 — 192. Behandelt die Geschicke des Klosters, das erst 
(1226 — 64) im Besitze der Cistercienser, dann (1279 — 1439) ^^ 
den Händen der Benediktiner war und im letzten Jahrhundert 
seines Bestehens bis zu seiner Aufhebung (1534) dem Kartäuser- 
orden gehörte. — H, Oechsler: Die Beneficien des heil. 
Jodocus, Michaelis und Sebastianus in Immenstaad am 
Bodensee. S. 193 - 220. — K. Reinfried: Der bischöfl. 
strassb. Generalvikar und Official Dr. W. Tucher u. s. 
Zeit (1542— 1568). S. 221 — 239. Mitteilungen über den Lebens- 
lauf des aus Bühl gebürtigen Gelehrten, der 1542 seine Professar 
in der Freiburger Artistenfakultät aufgab und als Generalvikar 
des Bischofs Erasmus an den kathol. Reformbestrebungen, ins- 
besondere an der Redaktion der Zabemer Statuten von 1549 
lebhaften Anteil nahm. — J. Mayer: Markgraf Hermann L 
! S. 240 — 266. Zusammenstellung der Nachrichten über den Mark- 

J grafen, sein Verhältnis zur Kirche und sein Klosterleben zu Cluny. 

I — K. V. R.: Panegyricus zur 400jährigen Jubelfeier der 

1 Aufnahme des sei. Bernhard, Markgrafen von Baden, 

' in den Himmel. S. 267 — 285. Festrede des Erzbischofs von 

Vercelli vom 15. Juli 1858. — P. Albert: Konrad Buchner, 
ein Freiburger Münsterorganist des 16. Jahrhunderts. 
Aus Konstanz; 1538 — 42 Münstcrorganist t 1558. — J. König: 
Martin Gerberts Abstammung. 297 — 302. Stellt fest, dass 
der gelehrte Fürstabt der in Horb ansässigen, von Kaiser Fer- 
dinand n. in den Adelstand erhobenen Familie Gerbert von 
Homau angehört hat, also nicht, wie mehrfach angenommen 
worden ist, bürgerlicher Abkunft war. — L. Löffler: Über das 
Kl. Königsbronn, die Stadtpfarrei und die beiden 
Frauenklöster in PfuUendorf. S. 303 — 15. Auszüge aus 
einer von Beneficiat Franz Andr. Rogg i. J. 1744 verfassten 
Beschreibung der Stadt PfuUendorf. — P. Manns: Die Grün- 
dung des Franziskanerklosters S. Lutzen zu Hechingen. 
S. 316 — 26. Als eigentlicher Stifter ist Graf Eitel Friedrich II. 

Ilj, anzusehen, kraft dessen testamentarischer Verfugung von 151 2 

Graf Eitel Friedrich III. i. J. 1586 zur Förderung der kathol. 
Propaganda das Kloster erbaute. 

Annales de Test: Band 12. Jahr 1898. Heft II. Reuss: 
Le peintre Jean-Jacques Walter et sa chronique Stras- 
bourgeoise, S. 240 — 265, Schluss des Abdrucks der Walter'- 
schen Chronik; die Ereignisse des Jahres 1676 umfassend, mit 
beweglicher Klage über die unruhige Zeit und unsichere Zukunft. 
In der Bibliographie S. 325 — 335 ausführliche Inhaltsangabe 
der Bände 16 — 18 des Bulletin de la Socidte pour la conser- 
vation des monuments historiques d'Alsace und der Nr. 27 — 30 
der Mitteilungen aus dem Vogesenklub, erstattet von Th. Schoell. 






I 

I 



Zeitschriftenschau und Lilletaturnotiien, 



513 



Revue catholique d'Alsace: Nouvelle s^rie. Band 17. 
Jahr 1898. März-April-Mai-Heft. Ingold und Louvot: Dom 
Grappin bdnedictin de Besan^on, S. 167 — 182» 241 — ^248, 
321 — 528» Briefwechsel zwischen Dom Grappin und Grandidier 
vom 30. September 1786 bis 10. September 1787 kurz vor 
Grandidiers Tod mit einigen bemerkenswerten Angaben über 
seine Histoire d^Alsace. — Schickelu: Le doyenn^ dn Sond- 
gau, S. 183—199» Notizen vorwiegend kirchengeschichtlichen 
Charakters über Altkirch, Ammerzweiler, Aspach, Ballersdorf, 
Balschweiler, Bernweiler und Bettendorf, Gemeinden jenes alten 
Ruralkapiteis der Basler Diöceae, — Seyfried: Lcs jüsuites 
en Alsace, S. 296 — 308, Schluss der Auszüge aus der Historia 
coUegii societatis Jesu Molshemensis, die Jalire 1761 — 1763 
umfassend bis zur Schliessung des CoUegs am 1. Oktober 1765, 
mit einigen Notizen über die Schicksale der Anstalt bis auf den 
heutigen Tag, — Levy: Les pers^cutions des catholiques 
dans le comt^ de Saarwerden et la setgneurie de Die- 
meringe n, S. 347 — 36O1 versucht auf Grund eines im Jahre 
1752 verfassten Berichtes von Joseph Mathis, des königl. fran- 
zösischen Richters von Bockenheim und Saanverden, ein Gegen- 
stuck zu Matthis bekanntem Buche »die Leiden der Evangelischen 
in der Grafschaft Saarwerden* zu liefern. — Seyfried: Le curr 
constitutiounel de Molsheim, S, 361 — 368, schildert die 
Amtseinsetzung und Ven^altung des konstitutionellen Pfarrers 
Michel Thomas Tiran zu Molsheim vom April 1791 ab. 

Revue d'Alsace: Nouvetle s^rie. Band 12. Jahr 1898. 
April -Mai -Juni -Heft. Liblic: Alsace et r^gions voisines 
en temps de guerre (1794), S. 145 — 160. archivalische Exceqne 
zur Geschichte des Departements Ober-Rhein in den Monaten 
Januar bis April 1794. — Schoell: Th^-ophile Conrad Pfeffel, 
S. 194 — 208, Fortfuhrung der litierargeschichdichcn Studie über 
Pfeffel besonders als Kabeldichter, — NerlingerrLa vle k Stras- 
bourg au commencement du 17* si^cle» S. 209 — 268, 
Weilerführung des Neuabdrucks von D. Martins »New Parlament«, 
Cap. 41 — 58. — Gasser; Histoire de la ville et du bailliage 
deSoaltz. S. 269 — 294. Fortsetzung der schon seit 1893 
laufenden Arbeit mit Angaben über das Bürgerrecht, die Zunft* 
Verfassung und die Jaden lu Stilz im Ober-Elsass. 



Bulletin du Musee historique de Mulhouse: XXI Annee 
1897» Benner: Elude sur TegUse de Tancienne Com* 
manderie de& Chevaliers de Saint-Jdan de Jerusalem 
'k Mulhouse, S. 5 — 33, kurter baugeschicbtUcher Abriss der 
aus dem 13. Jahrhundert stammenden Johanniterkapellc in Mül* 
hausen mit t^iner Liste der Comthure und Scbatfuer und sechs 
TafelB» Zeichnungen der alten Wandmalereien. — Lutz: Les 



5U 



Zäuchnfteasehaxi nnd Littentnnioti2ai. 



rcformateors de Mnlhonse, S. 34 — 52, weist nach, dass 
Aogustin Krämer und Aagnstin Schmus, die auf die Aotorität 
von Petri bisher als zwei verschiedene, nm die Einfnhnin^ der 
Reformation verdiente Persönlichkeiten aufgeiasst wmden, ein 
and dieselbe Person ist and giebt dafür aasführiiche biographische 
il and genealogische Belege. — Mieg-Kroh: Notice snr les 

qaatre Malhoasiens qai combattirent an 10 aoüt i 792 
dans les rangs des Gardes Saisses, S. 53 — 57. — Thierrj- 
Mieg: Masöe historiqae de Mnlhoase, S. 58 — 105, kurze 
Geschichte der 1858 entstandenen Sammlang and ihres Ver- 
waltangsrates nach handschriftlichen Notizen von August Stoeber. 



Die Grafen von Eberstein in Schwaben, hg. von 
Karl Freiherr von Neuenstein. I. Bd. Karlsruhe, Brann*sche 
Hofbuchhandlung, 1897. '^7 ^- ^^ 7 Wappentafeln. 5 Mark. 

Das Buch, das sich in hübscher Ausstattung mit einer An- 
zahl Bflder und Siegeldarstellun^n äusserlich recht gut präsentiert, 
ist in seinem wissenschaftlichen Wert äusserst gering anzuschlagen. 
Es ist eine Compilation aus den einschlägigen Darstellangen 
Kriegs von Hochfelden, Rupperts, Baders, Beckers u. a. und der 
seit dem Erscheinen jener Werke veröffentlichten Urkunden und 
Regesten, die mit anerkennenswertem Eifer herangezogen, aber 
nicht immer geschickt verwertet wurden. Seitenlange Zitierung 
der erwähnten Arbeiten und bloss äusserliches Aneinanderreihen 
sämtlicher auffindbarer ebersteinischer Urkunden, fast ohne jede 
eigene kritische Zuthat, kann aber unsere Kenntnis dieser her- 
vorragenden Familiengeschichte nicht fordern. Dankenswert sind 
die sphragistischen Beigaben, die abgesehen von vielen Einzel- 
abbildungen im Texte am Schluss eine Übersicht über die Ent- 
wicklung des ebcrstein*schen Wappens vom 13. bis zum 17. Jahr- 
hundert darstellen. Auf solchen Schmuck scheint der Hauptwert 
des Buches gelegt zu sein, wie denn auch weitere Illustrationen 
verschiedener Art, speziell für den dritten Band die Original- 
skizzen von Hans Baidung Grün, die einst im Rittersaal zu Neu- 
eberstein zur Darstellung gekommen waren, in Aussicht genonmien 
sind. JT. Br. 

Im Juli-Augustheft des ersten Jahrgangs des von Henri Stein 
herausgegebenen Le Bibliographe moderne, Courrier international 
des archives et des bibliothlques, Paris, 1897, S. 209 — 215 
beginnt A. M. P. Ingold unter dem Titel »Les manuscrits 
des anciennes maisons religieuses d*Alsace« ein Ver- 
zeichnis der aus Elsässischen Klosterbibliotheken stammenden und 
noch heute erhaltenen Handschriften aufzustellen, wobei er mit 
Murbach den Anfang macht. Die Murbacher Handschriften 
befinden sich zum grössten Teile in der Colmarer Bibliothek, 
einige wenige in Genf, Oxford und Epinal. TT. W, 



Zcittdinftenschau und Lttteratuniotueii. 



5»5 



I 
I 

I 



'Über die Bibliothek Johaiiü Fischarts handelt ein 
Aufsatz von Prof. Ad. Hauffen (ZeitÄchrifl für Bücherfreunde« 
ihrg. 11 S. 21 — 32 u. Nachtr. S, 148). Aus Fischarts reich- 
ilüger Büchersammlung ist scheinbar nur wenig der Nachwelt 
erhalten geblieben. Bis vor kurzem war nur eine Ausgabe von 
Apians Cosmographia (mit einem Autograph Fischarts) im Besitze 
der Strassburger Üniv.-BibL bekannt* Neuerdings wurden in der 
Hofbibliolhek Darmstadt durch Ad, Schmidt sieben Bücher und 
eine Handschrift entdeckt, welche zu F.'s Sammlung gehörten. 
Das Manuskript enthält Abschriften von lothringischen Akten, 
die sich F. als Amtmann zu Forbach (1584 — 90) zu Herufs- 
zwecken fertigen Hess und eigenhändig mit Regesten versah« 
Die gedruckten Bucher hat er mit Namenseintragungen und 
Randbemerkungen versehen: eines derselben trägt im Deckel 
das schöne Ex-libris Fischarts, dessen Zeichnung von Jost Ammann 
herrührt. Aus den Randglossen gewinnt man einen guten Ein- 
blick in F/s Arbeitsweise und erfahrt von allerlei Zukunftsplänen 
titerarischer Art. die nicht mehr zur Ausführung kamen. Besonders 
interessant ist eine Eintragung, welche eine etymologische Spielerei 
über den Namen Fischart darbietet. Dem lesenswerten Auf- 
satz Haufens sind mehrere gute Facstmile eingefügt. —A, 



Im Auftrage der Überlinger Stadtverwaltung, die damit einer 
auf ihr ruhenden Ehrenpllicht nicht minder als dem lebhaften 
Bedürfnisse weiter Kreise nachkömmt, veröffentlicht O. Kunzer 
den von ihm bearbeiteten *Katalog der Leopold-Sophien- 
bibliothek« (Überlingen. A. Feyel. XXXIl u. 536 S,), die mit 
der die Hauptmasse bildenden Privatbibliothek ihres hochherzigen 
Stifters, des Dekans Wocheier, auch die z. T. freilich dürftigen 
Restbestände der alten städtischen Bibliotheken in sich vereinigt 
und mit ihren 22000 Bänden wchl für eine der stattlichsten 
stadtischen Büchersammlungen des Landes gelten darf. Ein 
Vorwort giebt Aufschluss über Stifter, Stiftung und Geschichte 
der Bibliothek; die auf Überlingen bezügliche Litteratur ist am 
Schlüsse zusammengestellt, ebenso ein Signaturenregister der 
zahlreichen und wertvollen Inkunabeln, die mit den Handschriften 
späterhin noch eingehend beschrieben werden sollen. Ä' O. 

Ein Donaueschinger Briefsteller. Lateinische Stilübungen 
des XIL Jahrhunderts aus der Orleans'schen Schule, Heraus- 
gegeben und erläutert von .\lexander Carte llieri. Innsbruck, 
Wagner. 1898. 

In einem Codex (Nr, qio) der Fürstlich Fürstenbergischen 
Hof bibliothek zu Donaueschingen, welch|(,^^j^ einer Hand des 
ausgehenden XIIL Jahrhunderts geschrfeben ist und zwischen 
1284 und 1290 nachweisbar in den Händen eines Beamten der 
Salzburgischen oder der Königlichen Kanzlei sieb befand, ist ein 






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f/. ,*A . • ' .//, .« . ; ', :. •/*: /r , i V: v:: :.•: :. h z.w , :.! u = 5 aJ: F recceL^ ui. i 
t..:!^js.* ;/./ ,:,fr. ^'j.x'jzu::,*::. ».-^r*:;:. über der. WerL ;a da? 
/;«'. -ff'.- V/.' r^rr /'^.•,.;/;t*.ioLe:.- Kr benirrrk: gar^ mit Rech:, 
'Uit /.,« f fo- /;.-; ;f.,f>;.i/.*:r.i',;j«i (ß*:-c:A'.':iie^ irisbesoDCere die 
K'i.v,/>^irv.r,j' .'.•>:, ;.'/',fi «:;r.<: r.iruv/ti i::«:i^*:Tidc Quelle der ^pünd- 
ir.ti^.ts ut.'\ >,y>.\»'MsH.\i. '.:.*::. Jvjr'.fiarbehariS harre. So wertvoll die 
Att,iri*J!, *:.j.#;>. 'iVj»tv:i.:/?i^;i, K'jt.aiu'^eT, Paiacky hierfür auch 
;/«:'* «-^r;. *;;,': ituti Uuui*:T u\*z\\j*::, \v#:rdcri. sie sind doch heni- 
7M^ :*'//' i,u itr thf.itt v'j'.ii'/^ aiJsrei'.r.«:Ld. Denn inzwischen is: neues 
%);»^jtm\ t,fg:;,r.TiX y*v.',:riizj,^ welrijcs r.oth nicht sesichtet und 



Z^itsclifineoschau und Litteraturnoüieti 



517 



verv,crtct ist. Gerade die Thätigkeit «. B. der franfosischen 
Schreibschulen, wie die von M^ung und Orleans» welche für die 
ganze Knt^^icklun^ dieses Litteratnrzweiges von gross lern Einfluss 
gewesen seu sein scheint, bedarf noch einer umfassenden Bear- 
beitung. Dazu ist es aber entscliieden notweridi**» wenig-stens 
kurz den ganzen Inhalt der überliefenen Sararalungen kennen 
zu lernen; die Kenntnis einzelner Bruchstücke daraus altein ist 
nicht genügend. Detaillierte Beschreibungen, vollsifmdige Inhalts- 
angaben sind unerlässiich. Erst dann, wenn solche in grösserem 
Umfange vorliegen, wird es möglich sein, durch Vergleichung 
die ursprünglichen Quellen und die Ableitungen voneinander tu 
sondern: kurz das ganze quellenkritische Verfahren, welches wir 
bei den Chroniken und Urkundi*n des Mittelalters mit so ^ossem 
Erfolg angewendet haben und anwenden, ist auch hier durch- 
zuführen. Dann könnte man wohl, wie auch der Verfasser ttiut» 
an die Herstellung eines »Corpus epistularum pnVatarum medii 
aevi« denken, zu welchem für die deutschen Privatbriefe ja durch 
Steinhausen bereits der Anfang gemacht wird. Ich mochte im 
Anschlüss daran auf einen soeben erschienenen, sehr interessanten 
und sehr beachtenswerten Aufsatz von Charles H. Ilaskins in 
der »American Historical Review* vol. III no. 2 hinweisen, der 
au/ Grund eines reichen Materials das Leben der mittelalterlichen 
Studenten an der Hand ihrer (in verschiedenen Formularsamm* 
lungen überlieferten) Briefe zu schildern unternimmt* 

Es ist übrigens nicht bloss die Kulturgeschichte, für welche 
nach verschiedenen Richtungen hin in diesen Sammlungen ein 
reicher Stoff aufgespeichert ist; auch dw politische Geschichte 
darf sich aus ihnen, wie auch der Verfasser nicht unerwähnt 
lässt und ich durch mehrere Publikationen selbst gezeigt zu 
haben glaube, noch mancherlei wichtige Bereicherung rrrhoflen. 
Schliesslich sei noch lobend erwähnt dass ein alphabetisches 
Verzeichnis der Briefanfänge — für die oben bezeichneten Vor- 
arbeiten unerlässlich! — , ein Register der Eigennamen, eine 
Übersicht über die einschlägige Lilteraiur und ein gelungenes 
Facsimile einer Seite der Handschrift den Wert der vorliegenden, 
auch äusserlich sehr gefälligen Publikation wesentlich erhöhen* 

M SimoHs/iitL 



Von der grossen Neubearbeitung der Buhmcr'schen Regesien 
ist soeben die Abteilung, welche die Regesten K^jnig Rudolfs 1, 
enthält, ausgegeben. J. F. Böhmer, Regesta imperii VK 
Die Regesten des Kaiserreiches anter Rudolf, Adolf, 
Albrecht, Heinrich VI), 127^^—1513, nach der Neu» 
bearheitung und dem Nachlasse Jobann Friedrich 
Böhmers neu herausgegeben und ergänzt von Oswald 
Redlich. Erste Abteilung, Innsbruck i8q8, XXII ur^d 
562 SS* 4^ Oswald Redlich trat vor 13 Jahren an die Stelle 
Otto von Zallingers bei der Neubearbeituni» dieser Regesten, die 



ci3 Zeitschriftenäcfaaa und Litteraturnotizen. 

Böhmer zuletzt 1S57 durch das zweite Additamentom auf die 
Höhe der Forschung erhoben hatte. Seit 41 Jahren Ist nator- 
gemäss viel neues Material hinzugekommen« besonders wertvoJI 
war jedoch die Enveiterung und Durcharbeitung einer Qnellen- 
gruppe, welche gerade für die Regierung Rudolfs charakteristisch 
ist. £s ist die Fülle von Briefsammlungen, zu denen noch vor 
wenigen Jahren Starzers Fund in der Vaticana, den er dann mit 
Redlich zur Ausgabe brachte (s. 10, 149), eine hochwertvolle 
Ergänzung brachte. Die Filiation dieser Briefbücher hatte 
inzwischen vor allem Kretzschmar klar gelegt. Niemand hat aber 
für die Deutung und die chronologische Einreihung dieser meist 
undatierten Briefe mehr gethan, als Redlich, dem es gelungen 
ist, sie im wesentlichen dem chronologischen Regestengefuge 
einzugliedern. Das Vorwiegen dieses Briefmateriales (namentlich 
in der ersten Hälfte der Regierung) hat Redlich den Anlass zu 
einer Abweichung vom Böhmer'schen Gebrauche gegeben, die 
m. £. nicht zu vermeiden war. Es wurden nämlich auch die 
an den König gerichteten Briefe und Urkunden in die Regesten 
aufgenommen und nicht, wie bisher üblich, den Reichssachen u. s. w. 
eingereiht Die Feststellung, ob ein solches Formular einem 
wirklich geschriebenen Briefe entspricht oder nur eine Stilübung 
ist, erfordert den feinsten Takt. Selbst Redlich, der ja ganz 
ausserordentlich fein sich anzufühlen versteht, hat einmal geirrt 
In dem von ihm in dieser Zeitschrift N.F. 1 1 von ihm heraus- 
gegebenen Einsiedler Formelbuch sieht er nunmehr mit Bresslau 
nichts als Stilübungen. Da Redlich selbst die Gründe hier vor- 
legen will, ist nicht näher darauf einzugehen. (Vgl. nr. 1766.) 
Redlich hat sich bemüht, Böhmers Werk so weit zu erhalten, als 
das irgend geht; er hat zahlreiche subjektive Gefühle verratenden 
Äusserungen Böhmers, als dessen Eigentum bezeichnet, pietätvoll 
erhalten und so begegnet uns noch die gemütreiche Sprache des 
alten Frankfurters, der sich so sehr mit dem alten Reiche ver- 
bunden fühlte. Die beibehaltene Bemerkung Böhmers, dass das 
Breisacher Recht Kölner Recht zu sein scheine, was die meisten 
oberrheinischen Städte gehabt hätten, hätte freilich eine berich- 
tigende Notiz erfordert. Eine vortreffliche Untersuchung über 
die Wahl, die die Ergebnisse der eigenen schönen Arbeit 
über die Anfänge Rudolfs erneut prüft, leitet die Regesten- 
reihe ein. Es kann hier nicht der Versuch gemacht werden, 
den Ertrag für die oberrheinische Geschichte abzuschätzen. 
Völlig neues unbekanntes Material konnte nach dem intensiven 
ij Forschen gerade auf diesem Felde nur wenig geboten werde, 

zuletzt hatte noch Winkelmann ir^ seinen Acta sehr viel ober- 
rheinischen Stoff zugänglich gemacht. Das Verzeichnis von Weechs 
hatte dann die in Karlsruhe befindlichen Originalurkunden aufgezählt 
Völlig unbekannt waren einige Sponheimer Urkunden z. B. 631, eine 
Urkunde für Sulzburg (1690) u. a. m. Überall aber zeigt Redlich sich 
sehr genau orientiert und fördert an vielen Stellen auch die provinzial- 



ZettKhrifleoschau und Litter«turnotüea. 



»•9 



I 



^ 



^ 



geschichtliche Forschung, so dass auch der lokale Forscher gut 
thun wird, Böhmer-Redlich recht oft aufzuschlagen. Ich hebe 
besonders hervor die anregenden Bemerkungen über die Urkunden- 
fälschungen be2, die Textgestaltung der Urkunden von Wein» 
garten (138)» MarchthaJ (457), Salem (253. 294 und öfter), Strass- 
burg (567), St Trudpert (677), für die von Hattstadt (2161). 
In besonders eingehender Weise sind die Urkunden über die 
Städte» und Judensteuem besprochen. Die Bemühungen Rudolfs 
in diesem Sinne sind ja besonders charakteristisch für seine 
Regierung. Redlich führt nr. 240 als Beweis dafür an, dass die 
1274 auferlegte Reichssteuer sich auf alle Reichsangehörigen bexog. 
Das Gebot des Königs nennt ja formell alle Dominikanerinnen« 
Ausfertigungen sind bisher aber nur aus Rothenburg und Ksslingen, 
also zwei Reichsstädten bekannt geworden. Vgl auch 317a- 
Die bisher nicht beachteten nr, Qg()* iQOO und lOOt ergänzen 
eine wesentliche Lücke in der Geschichte der Beziehungen König 
Rudolfs zur Kurie, nr. i 156a behandelt die Pläne, das Reich 
in eine Erbmonarchie umzuwandeln. Die Litteratur, welche in 
den letzten Jahrzehnten sich mit Vorliebe der Geschichte des 
ersten habsburgischen Königs zugewandt hat» ist in vollständigster 
Weise herangezogen. Die Regesten verändern in ihrer neuen Gestalt 
das Bild des Königs nicht wesentlich, er rrsclicint weder in dem 
Strahlenglanze» den blinde Verehrer um* ihn auszubreiten versucht 
haben, noch tritt die innere Tüchtigkeit des nüchternen und 
festen Mannes irgendwie zurück. Dass er eine Hauspolitik trieb, 
ist richtig, aber es war durch die Verhältnisse geboten, Doch 
Ich will mich hier nicht in «eine Schätzung seiner Politik ein- 
lassen^ um so weniger, da ich Redlichs Urteil durchweg hlr 
begründet halte. Die Vindikation des Reichsgutes« die Ent- 
stehung der Willebriefc, die Stellung des Königs zu Italien und 
einem Romzuge, die Bedeutung des Burggrafen von Kumberg 
und andere in der letzten Zeit besonders behandelte Punkte der 
Regierung treten in der Neubearbeitung der Regesten deutlich 
hervor. 

Kleine Versehen will ich nicht hervorheben, nur möchte ich 
zu nr. 556 a bemerken, dass die Nachricht, Graf Theobaid von 
Pfirt habe eine curia magna abgehalten, der der König und die 
Königin beiwohnte, sich offenbar auf einen Artushof oder eine 
Rundtafel bezieht. Diese Feier war, wie ich aus Stellen 
belegen kann, doch nicht so selten am Obcrrhcin. In 1647 
heisst das Kloster, für das die Urkunde ausgestellt ist, St Watburg, 
nicht Heitigenforst, es ist das bekannte staufische Kloster bei 
Hagenau. In 1405 u. f. wäre für das eis. Kloster wohl die 
Form Pairis besser als Paris. 

Der Stoff ist um mehr als 1 100 Nummern gegenüber den 
letzten Böhmer'schcn Ziffern auf 25 1 8 gewachsen. Der stattliche 
Band, der nunmehr das Fundament für alle Arbeiten auf dem 
Gebiete der Reichsgeschichte dieser Zeil bilden wird, ist von 



520 



2^itschriftenschau und Littcraturnotizen. 



Redlich dann noch mit sehr praktischen vorläufigen Hilfsmitteln 
ausgestattet: einem Verzeichnisse der Empfanger und Aussteller, 
das übrigens auch darüber hinausgreift und besonders wichtige 
Personen, über die gehandelt ist, mitnimmt, und einem Ver- 
zeichnisse der Anfange und Schlussworte der undatierten Stücke. 
Der Aufbewahrungsort der Vorlage ist, wo er ermittelt wurde, 
angegeben. 

Zunächst wird die Abteilung II mit Adolf und Albrecht 
folgen. Die Regesten der österr. Herzöge sind ausgeschlossen, 
da diese Aufgabe ja inzwischen von dem Institut für österr. Geschichte 
aufgenommen ist, ebenso fehlen die Regesten der Grafen von 
Habsburg. Auch entbehre ich eine Stammtafel, welche Rudolfs 
Beziehungen zu den Zollem, Fürstenbergem, den Klingen, Eschen- 
bach u. s. w, klarlegte. Ich weiss sehr wohl, dass das etwas 
sehr Schwieriges fordern heisst Aber wir erhalten doch kein 
rechtes Bild von einem neuen Könige, wenn wir nicht seine 
Sippe näher kennen. Der Forschung auf dem genealogischen 
Gebiete ist ja in den letzten Jahrzehnten aus den Vatikan. Regesten- 
bänden die reiche Fülle von Ehedispensen zugeflossen. Doch 
genug, das Werk nimmt in der Reihe der Neubearbeitungen der 
Böhmer'schen Regesten seinen ehrenvollen Platz ein und lässt 
vielleicht mehr als irgend eine der anderen Abteilungen die 
Individualitat Böhmers noch durchblicken, ohne dass dadurch 
die Wissenschaftlichkeit oder Unabhängigkeit der Redlich'schen 
Arbeit irgendwie gelitten hätte. Es ist in musterhafter Weise 
namentlich in den späteren Bogen gelungen, den alten Bau zeit- 
gemäss umzugestalten. A. S, , 

Altmanns Urkunden Kaiser Sigmunds = »Regesta 
imperii XI« (vgl. diese Zeitschrift N.F. 12, 369) sind mit der 
zweiten Lieferung des ersten und der ersten Lieferung des zweiten 
Bandes bis zum Jahre 1433 und der laufenden Nr. 9539 fort- 
geschritten ^). Die noch ausstehende Schlusslieferung des ganzen 
Werkes soll den Regestentext zu Ende führen, sowie Nachträge 
und Register bringen. Es ist zu wünschen, dass auch ein Ver- 
zeichnis der benutzten Litteratur und eine Stammtafel des kaiser- 
lichen Hauses beigegeben werde. Wir beschränken uns hier 
zunächst auf einige kleine Berichtigungen, wie sie sich beim 
Durchblättern ergeben. Nr. 3443 : das Rottweiler Urkundenbuch i 
Nr. 841 ist nachzutragen — S. 246 oben: 18 14 ist Druckfehler. 
— Nr. 346 1 : Horow wird mit Hörn erklärt. Welches Hörn meint 
Altmann? Hom im badischen Bezirksamt Konstanz oder Hörn 
im Thurgau? Ersteres hiess laut des Topographischen Wörter- 
buchs von Baden immer Hörn oder Home. — N^r. 3487: Zell == 

*) Soeben wird die 2. Lieferung des 2. Bandes (1433 — 1437) ausgegeben. 
Beiläufig bemerkt ist zu 14 17 Febr. 8 Fournier, Le royaume d'Arles 514 
nachzutragen. 



ZcitscbrjftenscbAU und Litieraiurnabzcn« 



521 



Radolfzell. — Nr. 41,57 u. 6209: Stein = Stejn am Rhein. — 
Nr. 5051: Deutscborden, — Nr. 5442: besser Hewen statt Höwen, 
— Nr, 6035; sechs Glieder der Familie Holzschuher werden 
genannt! Der Zusatz »aus Nürnberg* fehlt wohl in der Vorlage. 
Rerthold Druckfehler. — Nn 6200 u. 6253; einmal Kaspar von 
Klingenberg» das andere Mal Caspar von Clingenberg, — 
Nr. 6404: ein Ausdruck wie tcarabellanus« sollte hinter der Ver- 
deutschung in Klammem gesetzt werden. Oder gedenkt Altmann 
ein Verzeichnis seltener und schwieriger Wörter samt Erklärungen 
beizugeben? — Nr. 6439: der Zusatz i. B. nach Freiburg ist 
trotz des Zusammenhangs, der einen Irrtum ausschliesst, immer 
nützlich. — Nr. 7393: ein Satz wie: welches Reichslehen ver- 
fallen ist, sollte vermieden werden» %venn auch anerkannt sei, dass 
die ununterbrochene Arbeil an Urkunden das Stilgefühl bedenklich 
abstumpft, mag man sich dagegen wehren, soviel man will. — 
Nr, 7609: Grcnoble, nicht Grenoble. — 16s-, nicht les. — 
Nr. 7819: heisst die Frau nicht Grünlhcr (Grüntherin)? — 
Nr. 9434: warum Marquard statt Mark ward? A. Carft/Utri. 



Der dritte Band der politii^chen Korrespondenz der 
Stadt Strassburg im Zeitalter der Reformation, bearbeitet 
von Otto Win ekel mann, »S98, urafasst nur die sechs Jahre 
1540 — 1545» ist aber der stärkste (XVIll, 780 S.): der Umfang 
der Bände ist im umgekehrten V'^erhältnis zu der Zahl der Jahre 
gewachsen. Die Bewegtheit der Zeit, die Stellung Slrassburgs 
spricht sich hierin aus. Die Stadt ist in ihrer Bedeutung fort- 
wiihrend gestiegen. Sie hat führende Stellung in Oberdeutsch- 
land; sie führt aber in diesen Jahren, in denen sich Landgraf 
Philipp die Hände hat binden lassen, gerades» auch im Schmal* 
kaldischen Bunde; sie ist die Vorkämpfcrin der suidtischen In- 
teressen und damit die Führerin der Städte überhaupt. Welch 
hohen Eindruck ihrer geistigen Kraft geben nicht allein die zahl- 
reichen Gesuche um Überlassung von Strassburger PersönUch- 
keitenl Damit gewahrt der vorliegende Band eine lehrreiche 
Darlegung der Ereignisse jener besonders wichtigen Jahre, ins- 
besondere einen klaren Einblick in die Verhältnisse innerhalb 
des Schraalkaldischen Bundes und fördert so erheblich das Ver- 
ständnis der Katastrophe von 1546, Man gewinnt hier auts neue 
den deutlichen Eindruck von der vollkommenen Überlegenheit 
der kaiserlichen PoUiik, Aber auch das wird klar, dass die 
Protestanten durchaus nicht ahnungslos blieben; durch alle 
Warnungen liessen sie sich aber in ihrer treuherzigen deutschen 
Vertrauensseligkeil nicht irre machen. 

Der Herausgeber hat in treffender Charakteristik in seinem 
Vorwort das Wichtige hervorgehoben und auf das Neue hin- 
gedeutet, was hier geboten wird. Wir haben in der That in 
diesen fast durchweg amtlichen Schriftstücken eine vortreffliche 



522 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Ergänzung namentlich zu Lenz' grosser Publikation: ists in dem 
dort vorgelegten persönlich intimen Austausche Bucer, so steht in 
unserm Bande Jakob Stürm überall im Mittelpunkte. Von seiner 
staatsmännischen Klarheit und Besonnenheit, von seinem völligen 
Aufgehen in der Sache, von seinem grossen, allgemeinen Ansehen 
redet fast jede Aktion der Zeit, redet fast jedes Blatt. Willkommen 
sind auch etliche kleinere Züge, die seine menschliche Eigenart 
schärfer bestimmen. 

Dank diesen beiden Führern steht Strassburg in den wichtigsten 
Fragen der Zeit voran. Schon die Religionsgespräche sind hierfür 
ein Beleg. In der Anschliessung von Metz, von Köln, von der 
Kurpfalz an die Reformation drängt Strassburg energisch fahrend 
vorwärts. Wir erhalten besonders für Metz eine ansehnliche 
Bereicherung unserer Kenntnis. Weniger für die Verhandlungen 
mit Frankreich; hier hat der Verfasser die Politik der Stadt 
treffend S. 495 A. 3 charakterisiert. In der von früher übernommenen 
Forderung der Reformierung des Kammergerichts tritt Strassburg 
um so energischer auf, als dieses gerade jetzt gegen die Stadt 
in verschiedenen Fällen ungewöhnlich rasch funktionierte, und bei 
den auf den Reichstagen neu auftretenden ständischen Angelegen- 
heiten ist Sturm der Sprecher der Städte: bei den Verhandlungen 
über die Reichssteuer, vor allem bei der Forderung der Städte, 
Sitz und Stimme neben den Fürsten zu erhalten. Der Gegensatz 
schärfte sich hier so, dass Strassburg sogar an neue Verbindung 
mit den Schweizern dachte. 

Diese Rivalität der Städte und Fürsten, mit der auch der Kaiser 
gerechnet hat, wirkte auch im Schmalkaldischen Bunde, wenn auch 
Strassburg selbst nie den Blick für das Grosse und Gemeinsame 
verliert. Man erhält einen Eindruck davon schon beim Esslinger 
Streite. Sie streift auch mit in den Braunschweigischen Handel 
hinein. In seiner ganzen Ausdehnung tritt dieser entgegen und 
wir erfahren hier sehr eindringlich, welche zerstörende Wirkung er 
im Bunde geübt hat. Veranlasste er doch selbst Philipp, den Strass- 
burger Stettmeister erregt zur Rede zu stellen, und vertritt doch 
auch Bucer hier, wie in der Cleveschen Sache, eine Sturm ent- 
gegengesetzte Auffassung! 

Hervorzuheben sind noch die Berichte des Strassburger 
Gesandten Kipp aus den Niederlanden und Italien, die eine 
Reihe interessanter Einzelheiten über den Kaiser, Granvella u. a. 
bringen. 

Ausser verschiedenen Parerga im Texte bringen die Beilagen 
noch zwei Exkurse: Aktenstücke über Jakob Sturms Stellung zur 
Bigamie des Landgrafen Philipp, und Bemühungen des Magistrats 
um Reformierung des Bistums Strassburg 1537 — 1544. 

Der ganze Band ist vom Anfang bis zum Ende, dem sehr 
genauen Register, mit grösster Umsicht und Sorgfalt gearbeitet 
und ergänzt und berichtigt mannigfach die bisherigen Veröflfent- 



2«il«chiiftcnj€h4U und LitteraturrtötUen. 



5^3 



iichuügen. *) Mit sicheren) Takle ist das Wesentliche und Un- 
wesentliche abgewogen, eine Fülle von erkkirendem Mai- ' ' t 
herangezogen« und mit klarem, besonnenem Urteile du: 
und verarbeitet der Verfasser gleichmässig seinen grossen StoM. 
J£s ist eine vorbildliche Arbeit* Den 4. (Schlu»5-)Band h^t Dr. J. 
Bernaus übernommen* Es ist sehr zu wünschen, dass dieser 
Sammtang politischer Dokumente eine Sammlung von Schrift- 
stücken zur Seite trete, welche die innere Entwicklung Strass- 
burgs darlegt, vor allem ein kircbcngeschichtliches Urkunden buch 
zur Reformation, J. Fukfr^ 



Der Monographie Jos. Baur's; Philipp Christoph v, 
Sötern, Kurfürst von Trier und seine Politik wahrend 
des 30jährigen Krieges (Speyer, Jäger, iBg;), deren erster, 
bis zum Prager Frieden reichender Band seit kurzem vorliegt, 
sei auch an dieser Stelle gedacht« insofern darin naturgemäss 
auch vielfach die Verhältnisse im Bistum Speyer, dessen Leitung 
seit 16 10 Philipp Christophs Händen anvertraut war, berührt 
werden* Ich verweise insbesondere auf die Darstellung der 
Kämpfe um den Besit« der von dem Bischöfe angelegten Feste 
Pli rg, welche die speyriscben Lande fortdauernd in Mil- 

le i II zogen (S. 308—17 u. 35S — 63), sowie auf die 

Schilderung des langwierigen Rechlshandcls mit der Stadt Speyer, 
der infolge ihrer Beteiligung an der Zerstörung der Udenheimer 
Festungswerke (16 1 8) erwuchs und in seinem Verlaufe u. a. 2U 
dem freilich missglückten Versuche führte, die Gegnerin mit franzö- 
sischer Hilfe ihrer Reichsunmittelbarkeit zu berauben (S. 457 — i\^\, 
Auf den übrigen Inhalt des Buches einaiugehen ist hier nicht diff 
Aufgabe, doch soll nicht verschwiegen bleiben, dass dasselbe an 
erbeblichen Mängeln leidet Der Verf. ist des ihm reichlich zu- 
strömenden Stortes zu wenig Herr geworden. Verfehlt erscheint 
vor allem die wunderliche Zweiteilung: jedem Abschnitte, der 
die Iricrischen, be/Av. speyrischen Vorgänge behandelt, la$.%l ef 
ein Kapitel: »Allgemeine Ereignisse« vorausgehen, so diiss wir 
übertlussiger Weise neben der Biographie Sotcrns noch eine 
fortlaufende: (>eschichte des 3ojahTigen Krieges erhalten und 
zahlreiche Wiederholungen in den Kauf nehmen müssen. 

Ebenso wenig geglückt ist der Abschnitt über die innere 
Politik (S* 377 — 474): statt eine Darlegung der gesaraten Finnni:* 
und Vcrwallungspolitik des Kurfürsten und der auf diente m Gebiete 
herrschenden Zustünde itu geben, beschrankt sich B, darauf, Sütcrns 
Stellung gegenüber dem Domkapitel und den I^ndsianden su 
srhii <'rr> j^tatt ein klares Bild von der Orgauisation des Beamten* 

•I ^oc[spn er»t wieder lum Voricheiii sckommeiie, dem Thoma»* Archive 
Seliörige Arthivalien bringen tu den drei Blndeii rtlichc Noditriige ttntl Be<» 
TicIitii^nQgen, x, B, für den 5. Band jru Kr. |ll, %\^ 527 «wel Akten^tucki 
bi der Angelctrcnheit Pi«rre Bniilp, 



•*ax2«:ix«s: lj«uc<*n> lesoiusts:» a^^rö^TL ^asr 
l.iTifrafar: imfC seipssxiuin. mic ^nrfc-TiHirTTgr, 
xosisr w-äiut' »j^iTifTTgsg. V^^äJiinatfx für T 






l'arju '^h'^Zr ^«tirlr- BoodlciL. aXXVI «. 75^5 S. L«r ssisae- 
s« zasoL rrxsÖKL iCfCL ilvF^^ck cAiii i — 5 . Eks. 'n-^üb«. Bsts. o) 

i,:,z' vtträttiir:^ TroCKiect rreoe^ war Mzdw 

^jfa ^*jC^:st2jQf::zjg:L. Ucjsacmi^ ]>er Fjcs». msi äem der Verässcr 

z.£:l »-tr^liitic ::ie zrOwre Ar.#rk»rtr.BT.r. Za iMTpm is besser die 
iuare xrui tn^^niitsLitir.^ Axiordscn^ des Scoaes» <äer csrchass 
ifPf'<Tjr:r,i:, ^Ks^rxfis^^st. Sei acid cie iiicbc gewo^.riTyfee Dv- 

Ai^er <ijes<r:L VocxBrei« iCeLi eiije ganze Aniahi vv3ii eriieb* 
>Uji!r::» ^AkL^*ssu z«zeüi>err. Zcz:^c2ts bai R. öäe e^ässiscbcii 
Kzj:jn>^ ir. daxci&ci Bz^znreicikCLider Weise benutzt. Mir leichter 
jjii^ caae er 22k öer Uar^d von ArchivalSen des Stzassbarger 
z,zjL 'jfz\fjz^ä:z\ <jt^ CülaaneT Bezin^sarciiiFS nicht nur zahäeicbe 
Skt« Imöaber Terabeiideii, »oü^deiii anch za ganz neuen Resultaten 
•^«'tT <üe O'sictii'jLZe der elsissischen Tenitonen kommen können. 
'A'o er au>s:r arcLhaIi^:ikei Material beüotzt hat, da ist es zmn teil 
;£» o«r alerfocbii^sten Weise geschehen. Wenn der Vei&sser 
z. h. 2u>; d>t: Ak:eniaszikeS des Suassbinger Bezirksarchirs {öic 
lar^l^ij^e &etres*;iid :, die er S. 2S0 .\nm. i citieit, wirklich 
ccr'jL;?earoeitet iä:ie, so mösste er wissen, dass Weissenbnrg und 
LstT^CiiZ Tsieousli ^cf den QL^lerel^ässischen Landtagen erschienen 
%i:.c^ weil sie w-'li im Elsass bzer, dass es femer anch gesamt- 
e.^i^u*'.he Landtage gegeben bat and dass der wichtige Land- 
tag voTi I5^> ein sokner ci^d nicht ein uatereisässischer war 
ih. i'i'jj, Die^ ungenügende Benutzung der .\rchive und daza 



ZeitscbrifteBsdiAU und Litteratttmotiien. 



525 



ein fast absoluter ]Mange1 ixn kritischer Arbeit sind der Gnuult 
(lass der politische Teil des Werkes kaum etwas neues bringt, 
und dass man an jedem beliebigen Punkte desselben mit leichter 
Mühe über die Ausführungen des Verfassers hinauskoramen kann* 
Jeder derartige Versuch eigener Forschung führt zu dem Urteil: 
Das Buch ist oberflächlich, es geht nicht in die Tiefe, 

Auch den Vonvurf der Unvollständlgkeit können wir dem 
Werke nicht ersparen. Die wichtigen, das Elsass betreffenden 
Verhandlungen der französischen Kegierung mit ihrem Gesandten 
auf dem Regensburger Reichstag von 1O53 und mit den Reichn- 
ständen selbst, sowie der Versuch des Intendanten Harcourt, liir 
die französischen Besitzungen im Elsass Sitz und Stimme auf 
dem oberrheinischen Kreistag zu erhalten (1652), hatten unbedingt 
erwähnt werden müssen. Am meisten vermissen wir aber eine 
eingehende Darstellung der französischen Verwaltung im Elsass 
seit 1680. R. sagt, er habe sie nicht geben wollen, weil 
Chr. Pfister in Nancy demnächst eine solche tu veröfTentlichen 
gedenke. 

Von den zahlreichen Einzelirrtümern, die das Buch enthält, 
seien hier nur einige wenige erwähnt. Die Rechte, die R. der 
Herrschaft Rappoltstein zuteilt (S. 504)1 hat dieselbe niemals 
besessen, wie denn überhaupt deren staatsrechtliche Stellung 
falsch aufgtrfasst ist. Die Abtei Murbach ist in viel höherem 
Masse von Osterreich abhängig gewesen, als Verfasser arniimml* 
Über Östeneichs Stellung im Obcrelsass ist er überhaupt im 
Unklaren, Nicht die Lauter (S. 415), sondern der Seixbach ist 
die Grenze zwischen Nordgau | Unlerelsass) und Speiergau gewesen» 
auch hat die allgemeine Meinung im 17. Jahrhundert keineswegs 
behauptet (S. 5), dass das Elsass sich im Norden bis I^ndau 
und Germersheim erstreckt habe. Diesen Salz hat lediglich 
französische Anmassung aufgestellt. Die Mundat Weissen bürg 
und die speiersche Herrschaft Lauterburg konnten nicht von dor 
landgräflichen Gewalt eximiert sein (S. 415), weil sie nie zur 
unterelsässischen Landgrafschafi gehört haben. In dem Abschnitt 
iiber die Ritterschaft im Unter* und i>berelsass sind die Grund- 
züge völlig verkehrt. Weder von der Zusammensetzung, noch 
von der staatsrechtlichen Stellung der unterelsässischen Reichs- 
ritterschaft hat R. eine Ahnung. Er behauptet sogar, dieselbe 
habe sich bis 1648 von der oberelsässischen nicht unterschieden 
und sei erst zur Zeit des westialischen Friedens schleunigst 
rcichsunmittelbar gemacht worden (\)t damit sie vor der fran- 
zösischen Annexion bewahrt bleibe (S. 52g f.). Es fehlt über- 
haupt fast durchweg der sichere Untergrund für die Geschichte 
der elsüssischen Territorien, nämUch die geti.nue Kenntnis der 
Entstehung und Entwicklung derselben und überhaupt der 
elsässischen Instituüonen in den letzten Jahrhunderlen des 
Mittelalters, 



Z*it»£br. f. Gei£b. d. Obtirk H. ¥. XJll. ^ 



n 



526 



Zeitschriftenschau und Litteratnmotizen. 



Ein weiterer Grund für seine Irrtümer liegt in der nationalen 
Voreingenommenheit des Verfassers. Seine Unparteilichkeit, auf 
die er sehr stolz zu sein scheint, ist rein äusserlich. Im ganzen 
betrachtet, ist der Standpunkt, den er in der Beurteilung und 
der Gesamtauffassung der politischen Ereignisse von 1638 — 1680 
einnimmt, kaum verschieden von dem Legrelle's in seinem 
berüchtigten Buche »Louis XIV. et Strasbourg«. Dass schon 
1648 das ganze Elsass an Frankreich abgetreten worden ist, 
dass die Franzosen es wenigstens so und nicht anders aufgefasst 
hätten, ist nach R. ganz selbstverständlich. Ja, er geht sogar 
noch weiter und nimmt an oder sucht doch jedenfalls den An- 
schein zu erwecken, als habe die französische Regierung schon 
zwischen 1648 und 1678 thatsächlich durch Akte oberhoheit- 
licher Gewalt in die Verhältnisse aller elsässischen Reichsstände 
eingegriffen (S. 182, 201, 215, 323, 325, 661 etc.). Eine ganz 
unerhörte Annahme, für die auch nicht ein einziger Beweis zu 
erbringen istl 

Was der Verfasser über die westfälischen Friedensverhand- 
lungen, sowie über das Verhältnis der elsässischen Stände zum 
Reich und zu Frankreich sagt, ist daher teils unrichtig, teils 
entstellt. Ein Beispiel für viele: R. sagt, die Franzosen hätten 
zu Münster von vorne herein das ganze Elsass gefordert. Mit 
dieser Behauptung lässt sich nun die erste offizielle Formulierung 
der französischen Forderungen vom 7. Januar 1646 nicht ver- 
einbaren, deren Schlusssatz ausdrücklich lautet, alle die gefor- 
derten Gebiete, darunter auch Ober- und Unterelsass, sollten nur 
insoweit abgetreten werden, als sie bis jetzt im Besitz des Hauses 
Österreich gewesen seien. R. zählt nun zwar S. 142 die fran- 
zösischen Forderungen vom 7. Januar 1646 auf, den Schlusssatz 
aber teilt er seinen Lesern nicht mit! 

Doch genug. Unser Gesamturteil geht dahin, dass dieser 
erste Band des Reuss'schen Werkes den Anforderungen, welche 
die historische Wissenschaft in Bezug auf Gründlichkeit und 
Tiefe, Kritik und Unparteilichkeit zu stellen berechtigt ist, nicht 
genügt. Er zeigt nur, wo die weitere historische Forschung ein- 
zusetzen hat und wie viel auf diesem Gebiete noch für sie zu 
thun ist. Alfred Overmann. 

Als Säkularerinnerung hat R. Wackernagel im Auftrage der 
Kantonsregierung eine Anzahl »Akten der Basler Revolution. 
1798«. (Basel, 1898, 138 S.) gesammelt und herausgegeben. 
Die Schriftstücke, bei deren Auswahl er sich auf die wichtigsten 
beschränkt hat, umfassen die Zeit vom 23. Dezember 1797 ^^^ 
23. Februar 1798 und beleuchten im Zusammenhange den Ver- 
lauf der dazwischen liegenden Ereignisse, die in der Umgestal- 
tung des Staatswesens und den Wahlen zur Nationalversammlung 
ihren Abschluss fanden. Einzelnes, wie die Nr. 56, 58 und 63, 
war bei Ochs, Gesch. d. Stadt B., und anderwärts, schon ganz 



Zettschrift«ft»chftii und LitteratarnotUen. 



5^7 



oder teil\K'ei$e gedruckt, 3!rmuUgeiid für die gleichzeitig äUf dem 
rechten Rheinafer betriebene revolutionäre Propaganda kUni^t der 
Toast, den General Dufour bei dem Freiheitsfeste vom 2 2, Januar 
ausbrachte: >a rabolition de tuus les gouvernements qui ne sont 
pas choisis par le peuplet. A' fK 



Staatsminister Jolly. J^ Lebensbild von Hermann 
Baumgarten und Ludwig Jelly, Tübingen, H. Laupp. 8». 
in, 2g4 S. — Ludwig JoUy erwähnt S, 243 seines Werkes eint* 
Äusserung des Staatsminislers Jelly: er verspotte die Historiker. 
die aus den Urkunden der Archive die Ansichten und Motive 
der Staatsmänner ermitteln zu können glaubten, 'Die Aufzeichnung 
von Beweggründen gehörte in die Tagebücher junger Mädchen 
und er jedenfalls habe in amtliche Schriftstücke nie mehr oder 
anderes aufgenommen, als er gerade den Lesern sagen zu können 
geglaubt hatte,* Dies ist zweifellos ein charakteristischer Zug 
des bedeutenden Staatsmannes» der einer gewissen inneren Be- 
rechtigung nicht entbehrt, aber doch nur für den einseitigen 
Benutzer der Archive Geltung hat. Und mir scheint, als ob sich 
Jollys Spruch an seiner eigenen Biographie rächte* Denn wir 
vermissen doch in vielen h»:>chst wichtigen Teilen das belebende, 
vertiefende Material urkundlicher Art, das allein es ermt%lichi, 
ein wirkliches iLebensbild* zti schaffen. Das Buch krankt, wie 
es mir scheinen will, vielfach an den gleichen Übeln, wie die 
beiden letzten Bände von Sybels grossem Werk, an die es mich 
in der Art der Behandlung des StotTes vielfach geraahnt. Doch 
sage ich nicht, dass dies ein Fehlt^r sei Wir haben es jedenfalls 
»mit einem guten Buch und einer guten Thai* zu thun. Die 
Arbeit war in den besten Händen, Kein anderer als Hermann 
Baumgarten hatte es unternommen, die Biographie zu schreiben, 
der Jolly in seinen grossen Tagen getreu zur Seite gestanden 
und vielleicht weit grösseren Eintluss auf ihn und seine politische 
Entwickelung ausgeübt hat, ab es in dem Buche zur Geltung 
kommt, wenn es auch nicht an Andeutui»gen und Anhaltspunkten 
hietur fehlt. Baumgarten hat nun ein treffliches Bild von der 
Jugendzeit Jollys, von seinem wissenschaftlichen Werdegang, von 
seinem Leben und Streben als Heidelberger Docent, von seinen 
vereitelten Hoffnungen und missglückten Entwürfen gegeben: er 
zeigt, wie ihm gerade diese Enttäuschungen zum Heil wurden 
und ihn nach oben rissen. Aus den geistig drückenden und 
allmählich lähmenden Verhältnissen trat er in einen grossen 
Wirkungskreis und in eine grosse Zeit. Dieser Cbergang ist vor- 
trefflich gezeichnet, vor allem der erste grosse Moment in Jolly :t 
politischem Leben, seine Teilnahme am Frankfurter Fürstentag, 
wo es ihm vergönnt war, bei der hery>rragenden und heilvollen 
Rolle, die Baden dort gespielt bafC mitxuwirkeD- Auch den 
Eintritt Jollys in die Kirchenpolitik und seine Stellung m <len 
confessionelten Kämpfen hat Baumgarten noch mit einigen ein« 

35' 



t2^ ZeiXMckniien^haa. azui LitTgnfaracfrarn,. 

lejtÄTirl^n Wotteii cl-iaraktenjiert. >Mit ruhiger Konsequenz, aber 
auch mit dorch nichts zn beerender >läjsz;^keit hat er den 
v;hweren Kampf j^efohrt,- Und bald nahte auch tär ihn da- 
Moment, wo er die Politik Biüsarcks in ganz anderem Lichte 
«ta^it als \ß\%\ieT, and den gewaltizen Staatsmann begreifen and 
bewnndem lernte. Und %o begann er röckhaltlos die PoÜtik 
des Anschhi!»se§ an den preossischen Staat za betreiben. Soweit 
hat Baam^arten dit Biographie gtfnbit, dann nahm ihm der Tod 
die ¥eder ans der Hand« (S. ji«; Lodwig JoQj nahm nan die 
r^arsteilong anmittelbar aof, Lhu änderte freilich den Charakter 
des Boches wesentJich, aber gewiss nicht za seinem Schaden. 
Freilich ist es nanmehr der S;aatsrechtsleiirer, der dem Ganzen 
den Stempel aafdräckt, aber das hat seine innere and ätissere 
Berechtigung^ denn JoIIys Bedeutung mnss doch Tor allem von 
dieser Seite betrachtet and gewürdigt werden. £s würde za weit 
füllten, naher aaf die so bedeotende Wirksamkeit Jollys einzu- 
gehen, der nach den Ereignissen von 1866 durch das Vertrauen 
des Grossherzo;^ als Präsident des Ministeriums des Innern, 
Kirclien' und Schulwesens berufen wurde. Fest schritt das 
Ministerium seinen Gang, voll kraftvoller Wirkung nach innen 
und aus^ien, durch Bedrohungen und Gefahren hindurch. Man 
gewinnt aus diesem Buche einen Einblick in diese F'ülle von 
TMtigkeit, die sich auf die verschiedenartigsten Gebiete erstreckte. 
Man hätU; es den Ministem Mathj und Jolij, der nach dem 
'IVxie des ersteren mit der Neubildung des Kabinets be- 
auftragt worden war, nicht verargen können, wenn sie in der 
Zeit der letzten Entwickelang der deutschen Frage die Gesetz- 
gebung in etwas langsamerem Tempo weiter geführt hatten, aber 
f^fzThde diese Jahre höchster politischer Spanntmg sind auch für 
fJie inneren Verhältnisse die produktivste Periode. Und doch 
UMte es auch hier nicht an Gegensätzen, die wohl geeignet 
waren, die Kraft des Ministeriums zu lähmen. Die lOfifenburger 
Episode*, die ihm manche schwere Stunde bereitete, aber mit 
Äcinem Siege endete, lässt die eigenartigen Verhältnisse erkennen, 
flje aus den Kontroversen der Liberalen in Baden entsprangen. 
Die beste Kraft aber absorbierte die Kirchengesetzgebung. Hier 
kam t'H 7M heissen Kämpfen, an denen jedoch dem Ministerium 
die Schuld nicht zufällt. Der Beweis ist auch hier erbracht, dass 
Jolly immer nur die unzulässigen Massregeln der Kirche und 
nie si«! selbst bekämpft hat, wie seine Gegner falschlich behauptet 
haben. Doch nichts hemmte diu starke Entfaltung des so weit- 
gehenden und tiefgreifenden Plans der Regierung. Alle Schwierig- 
k*;it4;n wurden überwunden, die nationale Politik mit kühnem 
Muthe vtrrfrxjhten. Besonders lehrreich ist die Darstellung der 
ülxtrauH 8(:hui(!ri^'<jn Lage, in der Baden unmittelbar vor Beginn 
de« Krieges sich befand, bis endlich die deutschen Verhältnisse 
Kich geklärt, der Feldzug siegreich begonnen hatte. Über Jollys 
Mission nach Versailles, über seine Anteilnahme an den Ver- 



Zeitedmftenschau und Liltemtitmotizen. 



529 



handlungcOp die zur Gründung des Reichs und zum Frieden 
geführt haben, erfahren wir aas seinen Briefen an seine Ge- 
mahh^rif die von ausserordentlichem Interesse sind. Sie bekunden 
^^'ic das ganze Buch, dass die grosse Zeit vor allem für Baden 
eine Epoche schönsten Ruhmes bedeutet, Daim schlug freilich 
auch für Jolly die Stunde: Differenzen der eigensten Art bereiteten 
sein Scheiden aus dem Ministerium vor. Am 21, September 1876 
erhielt er seine Entlassung, um einige Tage später als Nachfolger 
Robert von Mohls zum Oberpräsidenten derOberrechnungskammer 
ernannt zu werden. Jollys Leben klingt dann friedhch aus« ein 
Leben, das dem grossen wie dem engeren Vaterlande in echter 
Treue geweiht war. Der Verfasser sagt mit Recht, dass Jelly 
weder in Baden noch im Reich vergessen werden kann. 

Du AIou/jN Sckari, 



I 



Ober die in Bd, 5 der K. F. dieser Zeitschrift (1890) S. 141 
von A. Schulte veröflTentlichic RadolfzeUer Urkunde 
vom Jahre iioo und die an ihre Auslegung sich anschliessen- 
den Conlroversen handeln neuerdings Rietschel, Markt und 
Stadt, Leipzig 1897 S. loq ff., Hegel, Die Entstehung des 
Deutschen Städtewesens Leipzig, 1898 S. 124 fi. und derselbe 
inj 23, Band 3. Heft des Neuen Archivs für allere deutsche 
Geschichtskunde; Hannover und Leipzig 1898 S. 743 t 



C. Koehne, Die Wonnser Stadtrechlsreformation vom 
Jahre 1499- Ein Beitrag 2ur Geschichte der deutscheu Stadt* 
rechte und der Reception des romischen Rechtes in Deutschland. 
Teil L Berlin, Speyer und Peters 11897, VHL 67 S, 

Seit W. Arnolds »Verfassungsgeschichte der deutschen Frci- 
slädte« ist Worms der Ausgangspunkt einer Reihe von Vcroftent- 
lichungen und Untersuchungen geblieben, die auch dem Arbeits- 
felde dieser Zeitschrift nahestehen. Koehne und im Gegensaüc 
XU ihm Schau bc behandelten die Verfassungsgeschichle der alten 
Stadt; ihre Geschichte hat Boos, der Herausgeber des >Urkunden- 
buclis von Worras^ und der »Monumenta Wormatiensia« bei seiner 
Darstellung der rheinischen Städtekultur vornelimlich berücksichtigt; 
fast gleichzeitig mit Haupts »Beiträgen zur Rcformationsgeschichle 
der Reichsstadt Worms« ist der erste Teil der Untersuchung 
Koehnes erschienen. 

In einem einleitenden Kapitel giebl der Vf. eine Beschreibung 
und eine Genealogie der Ausgaben des < lies» deren er 

von 1499 bis 1564 im ganzen neun namli ut. Soweit ich 

nachgeprüft habe, erwiesen sich die thatsachtichen Angaben als 
SKuvcrIässig, während der Wiederabdruck der Titel nicht immer 
deren orthographischen Besonderheiten gerecht wurde. Nicht 
richtig ist S. 2 die Lesung der Unterschrift: sie schlicsst mit 
:gaude< als dem Reim auf daude^; dibertas-i steht auf einem 





^30 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

besonderen Schild und gehört nicht zum Wappenspruch, wie es 
auch bei der Ausgabe von 1507 überhaupt fehlt (vgl. S. 4). Bei der 
Beschreibung der Ausgabe von 1564 (vgl. S. 10) ist die stark 
verkürzende Angabe des Titels aufgefallen. Im zweiten Abschnitt 
untersucht K. — allerdings in etwas breiten Ausführungen — die 
Zeitverhältnisse, denen die Wormser Ref. ihr Entstehen verdankt: 
sie schien dem Wormser Rat erforderlich, um die Selbständigkeit 
des Gemeinwesens gegenüber dem Bischof darzuthun; ihre Aus- 
arbeitung, für die man vor allem die Stadtschreiber als thätig 
sich vorzustellen hat, und ihre Publikation waren veranlasst durch 
den Kampf der Stadt mit Bischof Johann III. aus dem Hause 
Dalberg (1482 — 1503). Ein drittes Kapitel endlich charakterisiert 
die W. Ref. als Gesetzbuch und Lehrbuch des Rechtes; die 
Bemerkungen Stobbes (Geschichte der deutschen Rechtsquellen 2, 
331 ff.) werden durch K. im einzelnen wohl berichtigt, im all- 
gemeinen aber nur bestätigt. 

Mittelbar hängt mit diesen Darlegungen ein Exkurs über 
die Quellen des materiellen und prozessualen Rechts in Worms 
vor der »Reformation« zusammen (S. 41 if.). Soweit ich sehe, 
ist die Zusammenstellung nicht ganz vollständig: es fehlt z. B. 
die Urkunde Rudolfs von Habsburg vom 25. Juli 1284, ^^ welcher 
der König den Bürgern von Worms die in ihrer Stadt wegen 
Totschlags, Verwundungen und Haussuchungen bestehende Gesetz- 
gebung bestätigt (Boos, ÜB. von Worms i, 272; Böhmer-Redlich i 
Nr. 1749). 

Der geplanten Fortsetzung, die den Einwirkungen der W. 
Ref. auf andere Rechtsquellen und ihrem Inhalt im einzelnen 
nachgehen soll, wird man gern entgegensehen. Vielleicht regt 
sie zu einer erneuten Untersuchung des Freiburger Stadtrechts 
vom J. 1520 an: Stintzings Biographie des Ulrich Zasius ist nicht 
so erschöpfend, wie man es bei dem gesteigerten Interesse für 
die Geschichte der stadtrechtlichen Oberlieferung namentlich des 
oberrheinischen Gebiets wohl wünschen möchte. 

A. Werminghoff. 

In der Römischen Quartalschrift für christl. Alter- 
tumskunde und für Kirchengeschichte (XI. Jahrg. 1897, 
S. 287 ff.) veröffentlicht B. M. Reichert »Akten der Provinzial- 
kapitel der Dominikanerordensprovinz Teutonia aus den Jahren 
1398, 1400, 140 1, 1402« als Beiträge zu den Klosterreform- 
bestrebungen in Deutschland. Hier kommen in Betracht die 
Orte Gebweiler, Hagenau, Konstanz, Lützelburg, Pforzheim, 
Schlettstadt, Speier, Weissenburg. K, Br. 



Haupt, H. Beiträge z. Reformationsgeschichte d. 
Reichsstadt Worms. Zwei Flugschriften aus d. J. 1523 u. 
1524. Giessen (J. Ricker). S. 31. XXVI. 40. 



Zeilsdirittenschau und LitterAtamoliien. 



531 



L. Keller hatte in den Monatsheften der Comeniusgesell- 
schaft (1896. V. 258^ — 263) auf die erste der beiden Flug- 
schriften, den sog. »Trostbrief* der Brüdergemeinde v, J, 1524, 
hingewiesen und dabei die Ho(Tnung ausgesprochen, dass dieses 
fOr die Reiormationsgeschichte nicht unwichtige Denkmal durch 
einen Neudruck einem weiteren Publikum zugänghch gemacht 
werde Diesem Wunsche entsprach H. und thal noch ein weiteres, 
indem er neben dem »Trostbriefe« ein (tedicht aus d. J, 1523 
2um Abdruck brachte, worin ein Priester, der sich verehelicht 
hat» we|;eD dieses Schrittes unter Hinweis auf Christi Lehren 
und iinter den schärfsten Ausfallen gegen Papst und Kirche ver- 
teidige wird. Noch polemischer gehen die Verfasser des »Trost- 
briefes* g^gen die ahe Kirche vor und zeigen uns so, welch^ 
gewaltige Erregung in jenen Jahren die Gemüter erfas^t Jiatle. 
Hatte Keller (L c.) als Absender und Em{)fiinger der Flugschrift 
Mitglieder der Brüdergemeinde bezeichnet, so will H. in der 
vielleicht zu weit ausgreifenden Einleitung über die Kniwicklung 
der kirchlichen und städtischen Verhältnisse in Worms nach- 
weisen, dass der Brief in dem Kreise einer evangelisch-lutherischen 
Gemeinde entstanden sei. — Diese Behaupilung veranlasste Keller 
und F. Thudichum zu einer teilweise sehr scharfen Entgegnung, 
in der sie, wie es scheint, mit triftigen Gründen die Ansicht H/s 
bekämpfen (Mon. hefte d. Comeniusges, VII, 48 — 53). Wie auch 
diese Kontroverse enden mag — H. wird wohl noch einmal 
seine These vertreten — , für die VeröfTenlUchung der Flug* 
Schriften ist H. zu danken, und auch dafür, dass er für einen 
vornehmen und mustergiltigen Druck gesorgt hat, 

A. WinkilmaHfL 



Ch. Schmidt, Les seigneurs, tea paysans et la pro- 
pri^t^ rurale en Alsace au moyen-äge, Paris [Nancy] 1807. 
Als der hochverdiente elsässische Kirchen- und Litterarhistoriker 
Ch, Schmidt das reichhaltige Archiv des Thomasstifls zu Strass- 
burg ordnete, fand er zahlreiche Urkunden, die sich auf die 
ländlichen Besitzungen des Stiftes bezogen. Nach seiner gründ- 
lichen Art wollte Schmidt sich Rechenschaft geben über den 
Sinn und die Bedeutung der in diesen Urkunden erwähnten 
Rechtsinstitute, er studierte eifrig die VVeistumer des Elsass, er 
zog deutsche und französische Werke über die mittelalterliche 
Wi sgeschichie zu Rate, und so entstand gegen 1880 eine 

A I lichte des Elsass, die Chr. Pfisler aus dem Nachlass 

des Verla ssers zuerst in den Annales de PEst» und dann als 
besonderes VVerk herausgab. 

Wie die Entstehungsgeschichte des Buches zeigt, beabsich> 
tigtc Schmidt eine Beschreibung der Agrarverfassung des Mittel- 
alteis zu geben. Obwohl er auch über die ältere Zeit interessante 
und meist zutreffende Bemerkungen macht, schildert er docli vor- 
wiegend die Zustände, wie f^ie sich am Ende des Mittelalters 



532 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



herausgebildet hatten, und, wie wir heute wissen, im wesentlichen 
bis zur Revolution bestanden haben. 

Fast überall in Westeuropa war der Bauer von einem Herrn 
abhängig. Dies Abhängigkeitsverhältnis war ein dreifaches: der 
Herr trat dem Bauer als Gerichtsherr, als Leibherr und als Grund- 
herr gegenüber. Mitunter vereinigen sich diese Befugnisse in 
einer Hand, nicht selten sind sie aber von einander getrennt, 
und dadurch entstehen die Schwierigkeiten, die die mittelalter- 
liche Agrarverfassung unserem Verständnis bietet. 

Die Leibeigenschaft, die allerdings im Elsass weniger ent- 
wickelt war als im gegenüberliegenden Baden, hat Schmidt nicht 
im Zusammenhang behandelt und die ihr eigentümlichen Abgaben 
nicht streng von den gerichtsherrlichen geschieden. Dagegen hält 
er die Gerichtsherrschaft und Grundherrschaft auseinander; dadurch 
ist es ihm gelungen, in die so verwickelte und oft verkannte Ding- 
hofverfassung Licht zu bringen. 

Die Dinghöfe sind nach Schmidts Definition Grundherrschaften, 
die sich aus einer gewissen Anzahl von Hufen zusammensetzen. 
Diese Hufen, die an Erbpächter (Huber) verliehen sind, gehören 
zu einem Herrenhof und werden nach besonderem Recht, dem 
Hofrecht, regiert. Der Herr hat mit den Hubern eine Gerichts- 
barkeit, die sich aber nur auf Angelegenheiten des Dinghofs 
erstreckt. Der Dinghofherr hat eine grundherrliche Gerichtsbar- 
keit über die von ihm abhängigen Hufen, der Gerichtsherr richtet 
über alle im Gerichtsbezirk Eingesessenen, sie mögen von ihm 
grundherrlich abhängig sein oder nicht. Der Dinghof ist aus 
der Villication, die Seigneurie aus der Grafschaft entstanden. — 

Auf die anderen Teile des Buches, die eine ausführliche 
Beschreibung der Markverfassung, der Seigneurie und ihrer Beamten, 
der grundherrlichen Organisation geben, sei an dieser Stelle nur 
hingewiesen. Am Schlüsse des lehrreichen Werkes findet sich 
ein dankenswertes Verzeichnis der elsässischen Dinghöfe. 

F. DarmstädUr. 



Eine sehr schätzbare Bereicherung erfährt die forstgeschicht- 
liche Litteratur Badens durch die »Forstgeschichte der 
rechtsrheinischen Teile des ehemaligen Bistums Speyer«, 
welche der Karlsruher Privatdozent Dr. H. Hausrath auf Grund 
ebenso mühsamer, wie umfassender archivalischer Forschungen 
im Verlage von Jul. Springer (Berlin, VI, 202 Seiten mit Karte) 
veröffentlicht hat. Das Hauptgewicht wird dabei naturgemäss 
auf die Geschichte der in ihrem Kern auf salische Schenkungen 
des II. Jahrh. zurückführenden bischöfl Waldungen gelegt, die 
vermöge ihres Umfanges — gegen Ende des vorigen Jahrh. 
25 000 Morgen — zu allen Zeiten eine der wichtigsten Einnahme- 
quellen der Speyrer Bischöfe gebildet haben. Eingehend werden 
die Organisation der Forstverwaltung, Waldbau und Waldpflege, 
Holzverwertung und -Veredelung und alle andern Zweige der 



Zdlschrittenschau und LitterRtumotuen . 



533 



Waldwirtschaft behandelt; dass» wie im einzelnen nachgewiesen 
wirdt nach einur Periode tiefen Verfalls, die durch schrankenlose 
WaldvenvustuDg und -ausbeutung aus Geldnot gekennzeichnet 
wird, zu Anfang des 18, Jabrh. der Kardinal Schönborn auch 
I auf diesem Gebiete uns als Reorganisator begegnet, wird man 
init Interesse gewaftr. Zwei weitere Hauptabschnitte beschättigen 
sich in Kürze mit den Gemeinde- und Privatwaldungeo, sowie 
den im C^ebiet deti Domkapiteb gelegenen Waldbezirken; man 
verroisst hier nfibere Angaben über den Umfang der letzteren. 
Im Anhange wird, von verschiedenen statischen Beilagen ab- 
gesehen, die älteste überlieferte Waldordnung des Bistum;* vom 
Jahre 1439 ^^^ Abdruck gebracht; eine Kartenskizze orientiert 
vortrefflich über den Bestand der rechtsrheinischen Waldungen 
des Bistums und ihre ^Zugehörigkeit. A' O, 



In den Württembergischen Vierteljahrsheften für 
Landesgeschichte, Neue Folge. VI. Jahrgang 1897 be- 
handelt V* Krnäl das Biberach er Spital bis zur Refor- 
mation (S, I — 112). Einen breiten Raum nehmen die haupt- 
sächlich aus dem Stuttgarter Staatsarchiv und dem Biberacher 
Spitalarchiv mitgeteilten Urkundenregesten ein, darunter eine 
Anzahl mit den badischen Orten Konstanz, Markdorf und Salem. 
Zu bedauern ist, dass Ernst nicht auch die Regesten der Bischöfe 
von Konstanz beigezogen hat: er würde sonst als Ausslrllungsort 
der Urkunde Nr. 15 nicht Chur, sondern* wie Cartellieri (Nr. 294S) 
angiebt, Zürich bezeichnet haben. Auch zur Ergänzung seiner 
Mitteilungen hätte er einiges durt gefunden. 

In der gleichen Zeitschrift (S. 241 — 308) behandelt Mch ring 
einige Abschnitte aus der Geschichte des Stifts Obersten fehh 
In dem beigegebenen Nekrologium und Seelbuch des Stifts 
geschieht auch einer Anzahl badischer Personen- und Ortsnamen 
En^'ähnung. A'. fjr. 



Von Fr. von Weechs Geschichte der Stadt Karl sruhe, 
auf die schon wiederholt an dieser Stelle lungewiesen worden ist, 
liegt nunmehr der zweite Band abgeschlossen vor* Die beiden 
letzten Lieferungen (12 u. 13) schildern zunächst in Kürze die 
äusseren politischen Ereignisse nach der Niederwerfung der 
Revolution bis zum Tode des Grossherzogs Leopold, dann aber 
wendet sich der Verfasser den inneren ZusUindeu und Einrich- 
tungen des städtischen Gemeinwesens zu, von denen er ein mit 
mancherlei interessantem Detail ausgestaiteteH, auch kulturgeschicht- 
lich höchst wertvolles Bild entwirft. Was uns hier geschildert 
wird: die Entstehung einer stattlichen Anzahl kunsticrisch z. T* 
bedeutsamer ötlentlicher Bauten, die Bemühungen tim Ciesundheits- 
und Anneiipliege, die Fortsrhritte des Verkehrbwesens, die Enl- 
wickeluug des Handel» und der Industrie, die Förderung des 






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.^ r/ .'.>:. -. . . v^ -:.:..' :'-: I,::rr. C'rilife i. G-zieiucc- 
/.»r-.' .- / '. ?..:.'ly :-.'.. V. :."--.. : • r : : A :r*:r.:i KÄir-r'-tsTeir-isrhcs 

". ;.' ;*-.-.. ■ '^: f:r l.-^rr-s.-:: r-:i: T-rrsr-i-ntu Di*? fhz: efofce 
',-.- .>^.:''.r% .:.■:.-. i- rrr.n lar. rch: *;h:i. iari-s hervrr. dass er die 

:. k *•- .'.:-.-.i*:/»:r>r.3*r ir=i Cr-cr.ii-rr ?'[ir:rz*- rus-rirefr: S. 7^1 
.'.'. ':^i '..-.r^r.:-.'.-. Ccirr^rlrr.je z.17 i-s ein-r^ C::a: r-e: Trouülai 
."--■. .'.: . V-.:. ----rir::r..::e= Mi-.-rla! r.a: er --r das Mün- 

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Zeitschnftensclmu und LttUnitumodzen, 



535 



^ 



» 



elchem Dom Calmcts Werk abschliesst, verdanken wir unserem 
tiche einige neue Angaben, hauptsächlich über die Schicksale 
es Klosters im i8* Jahrhundert, die Revolution und die kon- 
iessionellen Verhältnis»© ira Münsterthale während des ig. Jahr- 
underts. 

Von der Verfassung der Stadt Münster und dem Verhältnis 

1er Gemeinde zum Abte gewinnt der Leser keinen klaren Begriff, 

^ine gründliche Untersuchung hierüber mit Hilfe des reichlich 

vorhandenen Quellenraaterials wäre eine dankbare Aufgabe für 

einen Forscher auf dem Gebiete der deutschen Stadt Verfassung, 

denn für keine andere elsässische Reichsstadt lässt sich das 

Wesen ihrer Abhängigkeit von dem ursprünglichen Grundherrn 

io genau bestimmen. 

Dass in dem vorliegenden Werke die eigentliche Stadt- 
geschicbte hinter der Klostergeschichte zurücktritt, hangt mit den 
benützten Quellen zusammen und vielleicht auch noch mit den 
persönHchen Sympathien des Verfassers, der in dem Aufschwung 
des »rre]heitssüchtigen<^ Bürgertums vor allem eine Beeinträchtigung 
der äbtlichen Rechte sieht. Wie weit bei kirchlichen Fragen die 
Ansichten der Gescliichtsschreiber auseinander gehen können, wo 
ientjsche Nachrichten fehlen, zeigt am besten die Charakteristik 
zur Reformation übergetretenen Abtes Burkard Nagel bei Ohl 
id bei Raihgeber. Ersterer nennt ihn einen ^^verkommenen 
>üstüng<r (237)» Letzterer einen >froramen Herrn, der**, einen 
stillen und gollsehgen Wandel führte< (a. a. O. 45)! 

J^Mg^ Waitimr. 




I 
I 



Geschichte des Hejiig-Geistspitals der ehemaligen 
Reichsstadt Überlingen a. B. Nach Quellen bearbeitet 
von J. P. Scherer, Pfarrer in Ludwigshafen a. S. Viüingen, 
O, Frick, 1897. 178 S» (i M.) Den Entwicklungsgang einer 
der ältesten und zugleich der reichsten mittelalterlichen Wohl- 
thätigkeilsanstalten in Baden geschichtlich darzustellen, erscheint 
umsomehr als eine dankbare Aufgabe, als eine solche Schrift 
bisher tehlt. Durch die 1885 von mir im Auftrag der Badischen 
Historischen Kommission ausgeführte Ordnung und Repertori- 
siemng des Spitalarchivs in Überlingen ist die Arbeit wesentlich 
erleichtert. Die Abschrift des Repertoriums füllt einen Folioband 
aus. Leider ist dem Verfasser die Losung seiner Aufgabe nur 
teilweise gelungen. Die Arbeit ermangelt vor allem eines durch- 
sichtigen Planes» einer logischen Gliederung. So erörtert der 
Verf. S. 48 — 64 unter dem Titel Einkünfte de^s Spitals dessen 
Gerichtswesen! Die allmähliche Zusammensetzung der jetzigen 
Anstalt aus vier Instituten iriu nicht deutlich hervor. Die um- 
fangreichen Papierakten vom ib. Jahrhundert an sind nur ober- 
flächlich benützt, so z. B. über das Zehntwesen S. 69, 70. Statt 
[er 94 Ortschalten, in denen das Spital Güter und Gülten besass, 
lennt der Veri. nur 54. Aus dem vorhandenen Material liesse 







11- ^::j^ -.-:rr :: ir:ii *i:iÄSirexasa It-aiec- 

j. , i-ir-i -c" jlt:r. rr ri :>r-iri?:ii*-i. Xin: aar 



Zeiischnftenicliao tuid Litteratumolüen. 



53/ 



m 



ach Abschluss des Werkes, das noch besonders für die Typo- 
phie von Frankreich, England und Holland reiches Material 
rwarten lässt, werden wir ein bibliographisches Hilfsmittel besitzen, 
das auch für litterarische Fragen ausgezeichnete Dienste leisten wird. 
— Die bedeutenden Incunabelbestände der königl. Bibliothek zu 
Kopenhagen sind von J. A. Rölling in Aarsberetninger og 
Meddelelser fra det störe Kongelige Bibliothek« IV 
Kjubenhavn 1898) verzeichnet worden. Es sind 2562 alte Drucke, 
von denen eine grosse Anzahl aus elsässischen und badischen 
Pressen stamtnen (von Strassburg allein ca. 200), Die ausländischen 
ibliotheken sind eifrig dabei« ihre Bestände au Krstlingsdrucken 
urch Spezialkataloge bekannt zu machen. Wann werden die 
deutschen Institute nacheifern? Unter den elsässischen Samm- 
lungen hat die Stadtbibliothek zu Colmar vor kurzem einen rühm* 
liehen Anfang gemacht. 

Von W. A, Copinger's «Supplement to Hain's Reper* 
lorium bibliographicum< ist jetzt Part II V^oL 1 ausgegeben 
vordcn (London 1898). Mit diesem Bande beginnen aie eigcnt- 
tichen Nachträge zu Hain*s grundlegendem Werke, während der 
bereits 1895 erschienene Part 1 nur die Besserungen entbielu 
Für die Buchstaben A- O sind 4571 Incunabeln verzeichnet, 
die bei Hain tehlen. Zum grössten Teil fussen die fleissigen 
Zusammenstellungen auf gedruckten Bibliothekskatalogen oder 
ünzelforschungen. Auf Autopsie beruhen wohl nur die Mit- 
teilungen aus den Schätzen englischer Buchersammlungen, die 
^deshalb am wertvollsten sind, — 

Von weit grosserer Bedeutung für die Incunabelforschung 

Ist die grosisartige Publikation, welche jetzt in Frankreich als 

Seilenstück zu der stattlichen Reihe der oitiziellen Handschriften- 

^kataloge im Entslehen begrilTcn ist: der >Catalogue des incu- 

nables des bibliotb^ques publiques de France« par 

[M. Pellechel, Erschienen ist bereits (Paris 1897) der erste 

3and (Abano-Biblia), der 2386 Nummern umfasst. Alle Leser 

Liescr Zeltschrift, welche sich mit Druckwerken des 15. Jahrh. 

'xu beschäftigen haben, mögen diese neuen Hiltsmittel im Auge 

behalten, in denen sie zahlreiche typographische und litterarische 

Denkmale aus den oberrheinischen Gegenden verreichöel 

ändeu. — A, 



Eine erwünschte Publikation ist der von R. Procto r bearbeitete 
»Classified index to the Serapeum« (London 1897). Die 
inzuhligen wertvollen» aber versteckten Notiien, welche die Zeit- 

^schrift Serapeum in sich birgt, sind hier nach Gruppen zusammen- 
gestellt, Hat man sich einmal an die Einteilung des Index 

Igewöhnt, so findet man leicht vielerlei Nachweise für die 
beschichte des geistigen Lebens im Klsass, Als Beispiele 
nenne ich nur die Namen Otfried, Seb. Brant, Mumer und 
r'isciiarL — ir* 



J 



'A2 Zeitschriftenschau und Utteratumotizen. 

geplant war, die Geschichte des Theaters und der Musik vom 
Regierungsantritt des Kurfürsten Karl Theodor (1745) bis zum 
Wegzuge des Hofes nach München (1778), sondern geht in den 
einleitenden Kapiteln auch auf die ältesten Zeiten des Kur- 
pfälzischen Hofes, über welche Berichte vorliegen, die sich auf 
die Pflege der Musik und des Theaters beziehen, zurück, um 
mit grösserer Ausführlichkeit die musikalischen Zustände unter 
den Kurfürsten der Neuburger Linie in Düsseldorf und während 
der Regierungszeit Karl Philipps in dem von ihm 1720 zur 
Residenz gewählten Mannheim zur Darstellung zu bringen. Mit 
erschöpfender Gründlichkeit ist sodann alles, was auf Musik und 
Theater in der Zeit Karl Theodors sich bezieht, behandelt, nicht 
nur ein gutes Stück deutscher Kunst - sondern auch Kultur- 
geschichte. — Flossen für die älteren Zeiten die archivalischen 
Quellen reichlicher, so galt es für den Hauptteil der Arbeit 
das Material aus den verschiedensten Aufzeichnungen und Über- 
lieferungen mühsam zusammenzutragen. Fr. Walter hat sich 
dieser Aufgabe mit grosser Liebe und Hingebung gewidmet und 
aus den zahllosen Steinchen, die beizubringen ihm gelang, ein 
Mosaik geschaffen, dem nicht nur die denkbar möglichste Voll- 
ständigkeit, sondern auch der anziehende und fesselnde Charakter 
eines trefflichen Gemäldes mit wohlverdienter Anerkennung zu- 
zusprechen ist. Der in den Anhang verwiesene Apparat beweist 
dem Fachmann, mit welcher Umsicht und Gründlichkeit der 
Verfasser bei seiner Arbeit zu Werk gegangen ist, während der 
Laie, der diese Nachweise nicht verlangt, aus diesem Buche 
nicht nur reiche Belehrung schöpfen, sondern es auch, sofern 
er sich für Theater, Musik und für Mannheim interessiert, mit 
grosser Freude als anregende und unterhaltende Lektüre geniessen 
wird. Die sehr interessanten personellen Beziehungen, die das 
Buch enthält, werden durch Verzeichnisse der Mitglieder der 
Hofmusik und ein sorgfjiltig ausgearbeitetes Register dem Leser 
bequem vermittelt. v. Weech, 



Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz 

in den Handschriftenbeständen der öffentlichen 
Bibliotheken Frankreichs 

nach dem 

Catalogue gdneral des manuscrits des bibliothfcques 
publiques de France (Departements) 

gesammelt von 

Karl Brunner. 



Bei dem heutigen hochentwickelten und immer mehr sich 
steigernden Verkehr zwischen den gelehrten Instituten und Ge- 
sellschaften^ wie den einzelnen Forschern aller Länder hat die 
ganze wissenschaftliche Arbeitsweise erheblich an Ausdehnung 
gewonnen, aber auch an Schwierigkeit und Verantwortung bedeu- 
tend zugenommen. Für jede Arbeit wird ein weiterer Gesichts- 
kreis gefordert als bloss die Rücksichtnahme auf die speziell 
einschlägigen, zunächst liegenden Sammlungen, Wie sogar mit- 
unter die Lokalforschung weit über den bisherigen engen Rahmen 
hinausgreifen muss, will sie anders allen Anforderungen gerecht 
werden, das beweist z, B. der jüngst erschienene erste Band des 
Repertorium Germanicum mit seinen reichen lokalgeschichtiichen 
Quellen aus dem Vatikanischen Archiv, Da erscheint es als die 
Pflicht einerseits der Archive und Bibliotheken, Ihre Schätze su 
erschliessen und durch Inventare oder Kataloge dem Forscher 
die Wege zu weisen, die ihn zu einer möglichsten Vollständig- 
keit und GründÜchkeit führen, — andrerseits aber auch der 
gelehrten Gesellschaften, welche sich die wissenschaftliche Pflege 
ihrer Landesgeschichte zum Ziel gesetzt haben, alles in ihr 
Arbeitsgebiet Einschlägige zu sammeln und zu sichten. Denn 
von ihnen, in ihren Veröffentlichungen wird der hilflos vor die 
Überfülle von Stoff hingestellte Forscher mit Recht zuerst Rat 
und Aufschluss erwarten. 

Die Launen des Schicksals haben über Schriften und Büchern 
oft wunderlich gewaltet. Alte, einst festgefügte Bestände wurden 
aufgelöst und in alle Winde verstreut. Da giebt es kein syste- 
matisches Suchen: wohin sonst keine Vermutung leitet« da spielt 

MUi. d. Und, HUt, Kom, Nr, ae. 4 



m50 



Brunner. 



der Zufall einem ein wichtiges Stück in die Hände. Soll darum 
nicht zu den vielen Verlusten, die ohnehin die Ungunst der 
Verhältnisse mit sich gebracht hat, ein weiterer empfindlicher 
Nachteil treten durch nutzloses Erachliegen wertvoller Kapitalien 
in der Verborgenheit fremder Archive und Bibliotheken, so gilt 
es wieder zu sammeln und zu gruppieren nach Gesichtspunkten, 
wie sie die wissenschaftliche Arbeit erheischt. In erster Linie 
kommen hier die grossen ausländischen Institute in Betracht, 
einerseits weil ihre Einsicht und Benutzung dem Fremden natur- 
gemäss Schwierigkeiten bietet, andrerseits aber weil gerade hier 
eine Menge brauchbaren Materials liegt, auf welches erst die 
Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise zu lenken ist. 

Vor andern Staaten hat Frankreich in grossen wissenschaft- 
lichen Unternehmungen Hervorragendes geleistet Auch in der 
obenberührten Frage ist es bahnbrechend vorangegangen. Dabei * 
kommt die straffe Centralisation, die sich auch in diesem Punkte 
in Frankreich geltend macht, einer einheitlichen, systematischen 
Durchführung solcher Unternehmungen über das ganze Land 
sehr zu statten. Man hat sich vielfach daran gewöhnt, bei 
wissenschaftlichen Nachforschungen in Frankreich sich auf die 
grossen Pariser Institute zu beschränken, ohne zu ahnen, dass 
draussen im Lande allenthalben verstreut vielleicht nicht minder 
beachtenswerte Dinge liegen. Da war es höchst verdienstvoll 
seitens der französischen Regierung, die Herausgabe eines alle 
öffentlichen Bibliotheken der Provinzen umfassenden Hand- 
schriftenkatalogs nach einheitlichen, vortrefflichen Grundsätzen 
in Angriff zu nehmen. Der erste Plan des Werkes liegt weit 
zurück. Bereits am 20. Februar 1809 verfügte ein kaiserliches 
Dekret die Verzeichnung dieser Handschriften. Doch wie 
begreiflich, konnte unter den damaligen Umständen das Unter- 
nehmen nicht gefördert werden. Erst unter Louis Philippe trat 
man der Sache ernstlich näher. Eine königliche Verordnung 
vom 3. August 1841 befahl auf Antrag des Unterrichtsministers 
Villemain die Herausgabe eines allgemeinen Handschriftenkatalogs 
der öffentlichen Departementsbibliotheken Frankreichs. Die erste 
Ausgabe in Quart umfasst sieben Bände: Der erste erschien 1849, 
der letzte 1885. Darin sind enthalten die Bibliotheken von: 
Autun, Laon, Montpellier; Troyes; St.-Omer, Spinal, St.-Di6, St.- 
Mihiel, Schlestadt; Arras, Avranches, Boulogne; Metz, Verdun, 
Charleville; Douai; Toulouse, Ntmes. Vom Jahre 1885 ab trat 
an die Stelle dieser etwas zu breit und zu gründlich angelegten 
Serie die Ausgabe von Oktavbänden, die in rascher Folge bereits 
bis zum 32. Band gediehen ist und die sämtliche übrigen 
Departementsbibliotheken heranziehen wird. Die Bände 27 — 30 
enthalten die Bibliothek von Avignon, die noch nicht abgeschlossen 
(Band 30 steht noch aus) und darum auch hier nicht berück- 
sichtigt ist; dasselbe gilt von Besanv:on vom 32. Bande ab. Ich 
habe mich bei dem gewaltigen Umfang des Werkes darauf 



yuellen zur Geschichte BsdeDS und der Pfalz 



ms\ 



beschfänken müssen, die einzelnen Register» die übrigens vor- 
züglich angelegt und, wie es scheint, völlig zuverlässig sind^ durch- 
zugehen und alles zu notieren, was sich als badisch oder pfalzisch 
— d, h, auf das heutige Grossherzogtum Baden und die bayrische 
Rheinpfalz bezüglich — zu erkennen gab. Die vorgesetzten 
Zahlen bedeuten die Nummern der Handschriften in den 
betreffenden Bibliotheken, Bei einer etwaigen Anfrage dort 
genügt der Hinweis darauf« Den französischen Text habe ich 
übersetzt überall da, wo es sich nicht um authentische Bezeich- 
nungen oder Citate handelt- Die Bande der Quartausgabe sind 
mit * bezeichnet» 



Troyes (Bd. U*) 
156. Summa confessorum in IV libros distincta auctore fratre 
Joanhe (lectore Fnburgensi, ordinis Pracdicatorum). 14, Jh. 
279. Raimuiidi de Pennaforti, de urdine prcdicatorum. Summa 
(in IV libros diätincta, cum ^lossi^ Joannis de FriburgoL 
14. Jh. 
T4q2* Johannis lectoris (Friburgensis» ord» Fred*) Summa con- 
fessorum. 14. Jh. 
Saint-Omer (Hd. Ul*) 
124. Summa Joiiannis Lecioris in questiones casuales» 15« Jh. 
136, Derselbe Text. 14. Jh, 

292« 1. Horologium sapientie. — 3. Centum meditaliones de 

passione Dominjca. Beide von Heinrich Suso. 14. Jh 

313, Guilielmi de Kaioco Summa confessorum abbreviata. 

Ein Abriss der Summa Johanns von Freiburg. 15. Jh. 
530. Acta concilii Constantiensis. 15. Jh. Aus der Abtei 
St. Bertin. 
ipinal (ßd. JIl*) 

2. Summa confessorum (Johannis Friburgensis). 14. Jh. 
Saint-Di^ (Bd. 111*) 

66. Ursprung der Häuser Lothringen, Ocsterreicb« Baden, 
Brandenburg und Hohenzollern, Genealogische Verzeich- 
nisse. 18. Jb. 
Saint-Mihiel (Bd. Cl*) 

47. Acta concilii Constantiensis. 15« Jh, Aus der Abtei 
Sl Mihiel. 
Arras (Bd. IV*) 
176. HJstoria marchionum Badensium. 1;, Jh. 209 B). Mit 
Federzeichnungen von Siegeln und Gmbmälem* Beginnt: 
vSerenissimorumprincipum marchionum Budensiumei Hoch- 
bergensium progenitorcs ab annis mille» recensili cx fide 
historicomm et chronologorum et actis publicis aliisque 
authenticb docuraenlis. Idem ac ms., quod in bibliothcca 
eorumdcm marchionum Badenis reponitur» a R.R Phiüppo 



m52 



Brunner. 



Fehnle jesuita compositum et scriptum; opus inceptum 
et morte auctoris non finitnm, fideliter descriptum per me 
L.L. F.D.D. R. anno 1677. Badenis.c Provenienzvermerk: 
»Bibliothecae monasterii Sancti Vedasti Atrebatensis M. 
1720 P.« 

192. ^pitaphes et tombeaux. Entnommen den Kirchen von Frei- 
burg im Breisgau u. a. Die gleiche Provenienz wie bei 176. 

356 Johannis Teutonici Summa confessorum. 15. Jh., ebenso 
55 und 648. 14, Jh. — Johannis Lectoris Summa con- 
fessorum. 14. Jh.: 525 und 938. 

499. Decretales Gregorianae, cum apparatu Bernardi et titulis 
lo. Teutonici. 14. Jh. 

Metz (Bd. V*) 
353. Horologium sapiencie fratris Amandi. 15. Jh. 
855. Sammelband. Von verschiedenen Händen und aus ver- 
schiedener Zeit. Nr. 23: »S'ensuit la substance des lettres 
que M. le merquis de Bandes (Bade) escript aux gens 
d'esglise et k toute la clergiez de la citeit de Metz, et 
aussy k la dicte citeit meisme, touchant le diff6rant d'entre 
les deux arcevesques de Maiance, la deposisions et des- 
claration d'iceulx«« 

Diese Korrespondenz bezieht sich auf die Differenzen 
zwischen den städtischen Behörden von Metz und den 
Domherrn, die sich nach Pont-ä-Mousson zurückgezogen 
haben, gelegentlich des Mainzer Erzbischofsstreites zwischen 
Diether von Isenburg und Adolph von Nassau 1462. 
Charleville (Bd. V*) • 

281. Denkschrift über Philippsburg, entworfen an Ort und Stelle, 
von dem Chevalier de Clairac, Oberingenieur der Festung, 
1736. Mit Tafeln und Tuschzeichnungen. 
Douai (Bd. Vl*j 
449. 450. Joannis Friburgensis aut Lectoris Summa confessorum. 

13., 14. Jh. 
942. G^n^alogies des maisons souveraines de TEurope, par 
M. Ignace Malotau, seigneur de Villerode. 18. Jh. 4 Bde. 
Im I. Bd. u. a. das Haus Baden. 
Toulouse (Bd. VU*) 
381. Summa confessorum, compilata a fratre Johanne Lectore, 
ordinis Predicatorum. 14. Jh. 

500. (IL 184). Anna Maria Luisa elettrice Palatina del Reno 
(Biographie). 18. Jh. 

509. (IL 49). Sammlung von Berichten, meist italienisch: 16. 
(fol. 275). Informatione degli affari de Palatinato. Beginnt: 
2>Da molti secoli in qua il regno di Boemia . . .c 17. Jh. 

533. Sammelband: 3. (fol. 176 — 214). Traicte de Suspension 
gen^ralle d'armes en TEmpire, par le roy de la Grand' 

1) In Arras. 



QtxeUen zur Geschidite fiadens und der Pfnlz. 



«»53 



Bretagne pour son getidxe le comte Palatin et ceux de 
son party» et la s^rcnissime infante archiduchesse d'Au- 
triche, au nom de sa Majeste Imperialle et du Roy cathoU- 
que. Fait ä Londres, le i" may 1623 (stÜe nouveau), 
et Stile anglois le 21 avril. 

[-854. Korrespondenz des Recbtsgelehrten Jean de Boysson^ in 
Toulouse 1533 — 1555 (Kopien}. Unter den Korrespon- 
denten befindet sich Philipp Melanchthoti, S. 42 und 62. 
touen (Bd. I. II) 

ig57 (L) Sammelband: i. Piojet du placement des bureaux de 
Toctroi de la navigalion du Rhin, an XII. 

2302 (I.) Pieces ruiatives ä la mission que remplissait en 1805 
M* de Montbret, Charge de letablissement de Toctroi de 
navigation sur le Rhin. 551 BL 

3065 (11.) Brief Martin Gcrberts [von St- Blasien] an Dom Qe- 
ment in einem 88 S. starken Korrespondenzband, 

3345 (II.) Kriegskorrespondenz (1742- 1744)1 darunter von der 
Kurfürstlichen Kammer in Mannheim. (Collection Leber), 

3369 (IL) Ausziige aus Aktenstücken betr. den Rastatter Ge- 
sandtenmord 1799, nach dem Wiener Staatsarchiv und 
besonders nach der Originalkorrespondenz der diplomati- 
schen Agenten und der österreichischen Heerführer» an- 
gefertigt im Auftrag des Herrn von Montalivet, 

Collection de Blosseville (Autographen). 

94. Karl Friedrich von Baden. 628. Herzog Christian von 
Pfalz-Zvveibrücken. 629. Herzog Wilhelm von Pt-Zw. 

Nancy (Bd. IV) 
461. Plan der Strasse von Nancy nach Frankfurt, tS. Jh. 

Pap. 6 Bl. 
754 — 7^5« Inventaire des titres, papiers» actes et enseignements 
des duchds de Lorraine et de Bar, par Honore Caille, 
seigneur du Fournv: 763, p. i »Fribourg et ßrisack.« 18. Jh. 

Dijon (Bd. V) 
692* 1. Relation de ta campagne de 1741» par un ofKicier des 
tioupes du Roy. !o8 und 21 S. — 2. Journal de Ja cam- 
pagne de 1742 en Allemagne. Von ders, Hand. 81 S. — 
3. Journal du siege de Fribourg, begonnen am 22. Sept. 
1744, Von ders. Hand. 18 S. und eine Planzeichnung. 
— 4, Drei Originalbriefe, unterzeichnet »le Chevalier de 
Chapois<f dat. aus dem Lager vor Freiburg, 14., 26. Okt. 
und 2. Nov. 1744» gerichtet an den Kommandanten von 
AU-Breisach» de la Marc, 

MÄcon (Bd. VI) 

6. Reise von Lille nach Rom durch Deutschland.*) 165g. 
71 ßl. Notiz fol. 5v*>: »L'auteur de cet ouvrage est un 
Lillois qui part de sa ville le 10 aousl 1659 et airive k 



*) Oboe Zweifel durch oberrbetmidiies GeUiet« 



m54 



Brunner. 



Rome le 27 octobre suivant, apres avoir traversd une 
partie de rAllemagne, des i^tats de Venise et voiageant 
presque toujours de pied; 11 döcrit avec exactitude les 
divers sites qu'il rencontre; quelques fois il rend compte 
de quelque anecdote particuli^re, son goüt naturel est de 
copier les inscriptions et les principaux monuments; on 
peut lui reprocher d'ßtre un peu crddule et de ne rien 
dire des moeurs ou usages des peuples qu'il visite; malgr6 
la pesanteur de son Stile, le lecteur a une sorte de regret 
de voir finir sa relation lors de son arriv6e ä Rome. Ce 
qui fait le mörite de ce manuscrit moderne, sont les des- 
sins faits par la main de Tauteur, qu'on estime d'autant 
plus difficile qu'ils sont d'imitation.« 
Grenoble (Bd. VII) 
987. Faszikel mit Copien von Schreiben an das Konzil zu 
Basel, darunter solche von Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein. 
16. Jh. 57 Bl. 
1291. Sammlung von Aktenstücken betr. die Regierung Hein- 
richs IV. und Ludwigs XIII.: fol. 71. Lettre de Fr6d6ric, 
comte palatin, au Roy, sur sa nouvelle ^lection de roy 
de Boheme. 1619. 343 Bl. 
1303. fol. 234. Discours sur T^lection de l'tlecteur palatin au 

roiaume de Boheme. 17. Jh. 302 Bl. 
La Rochelle (Bd. VIII) 
613. Sammlung von Schriftstücken betr. die Familie Beauhar- 
nais. 301 Bl. 

fol. 196. 15 Briefe und Akten betr. Stephanie von 
Beauhamais, Grossherzogin von Baden, 1806 — 183 1. 

fol. 225. Brief des Barons von Leoprechting über den 
Tod Stephanies, dat. Schloss zu Mannheim, 18. Febr. 1860. 
fol. 296. Brief, unterzeichn.:»St6phanie-Napol6on.« 1806. 
673. Sammelband. 18. Jh. 275 Bl. 

foj. 177. Copie de la lettre de M. l'tlecteur palatin, 
p^re de Madame, ä M. de Turenne, dat. Friedrichsburg, 
27. Juli 1674. 

fol. 186. Couplet sur ce que M. de Luxembourg 
s'excusa de hasarder le secours de Philibsbourg, apr^s 
avoir promis des merveilles, disant qu'un bois Tavait em- 
pesch6 de passer. 

fol. 250. Vers ä la mode de Neuf-Germain sur la 
prise de Philibsbourg. 
Chäteauroux (Bd. IX) 

33. Plan de Fribourg en Brisgau et de ses attaques en 1744 
et deux plans gravis de la bataille de Fontenoy en 1745. 
192 Bl. in Saffianband mit dem V^appen der Familie 
Van Holt. 
Valognes (Bd. X) 

16. Sammlung betr. die Minoriien. Perg. 235 Bl. 



Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz. ^15 5 

fol. 121. Decretum sacri concilii Constanciensis super 

Fratres Minores: »Sacrosancta et generalis synodus . . .« 

fol. 131. »Confirmatio decreti concilii Constantiensis 

a domino Martino quinto data . . . Romanum pontificem 

Christi vicarium . . .< 

Cherbourg (Bd. X) 

46. Relation de ce que j'ai veu de plus remarquable en 
Flandres, Hollande, Allemagne et Angleterre en Tannee 
1663, 1664 et 1685, par d'Auvers. 455 S. 
Bayeux (Bd. X) 
202. Specimen observationum de jure in re, quod, pro obtinenda 
facultate legendi in academia Ruperto-Carolina, publico 
examini submittit auctor G. A. W. du Roi, juris utriusque 
doctor. Heidelberg 181 2. 55 Bl. 
Falaise (Bd. X) 
27. Sammelband: 

9—10. Bündnisverträge zwischen dem Herzog von 
Calabrien, dem Bischof von Strassburg und dem Mark- 
grafen von Baden, betr. die Belagerung von La Rouche 
1469 u. 1494. Orig. Perg. mit Siegeln, deutscher Text. 
13. Schreiben von Georg Johann, Pfalzgraf bei Rhein, 
Herzog von Bayern, an Karl, Herzog von Lothringen und 
Bar, dat. 7. Okt. 1582. Pap. Orig. 
Chartres (Bd. XI) 
607, fol. 174 ff. Originalbriefe der pfälz. Prinzessin Luise u.a. 
1791 — 1794. Reisebeschreibungen mit Skizzen von Deutschland, 
von Paul Durant. 19. Jh. 4 Albums. L Strassburg, Ulm, 
München, Wien. 25 Bl. 
Montbcliard (Bd. XHI) 

81 (alte Nr. 100 der Schlossbibliothek). Relation vraye et 
authentique du discours en tht-ologie tenu ä Dourlach entre 
les serenissimes et tr^s illustres princes et seigneurs Mon- 
sieur George Freduric, marquis de Baden et Hochbert (!) 
et Monseigneur Franv'ois, duc de Lorraine et Vaulde- 
mont, et de Tissue opposce aux fausses et feintes relations 
qui en ont estü l^gerement faistes v^ et la par escript 
et par bruit. — Daran anschliessend: Une censure du 
nouveau rem^de des jesuites ä l'encontre de toutes hc- 
rcsies escripte a certains N4metiens et Rhdtiens de nos 
amis par Thomas Wegelin d'Augsbourg, docteur en theo- 
logie et ministre de Phortzei . . ., traduite du latin par 
Antoine Reygnard, diacrc en T^glise de Montbeliard (auf 
Befehl des Herzogs Johann Friedrich von Würtemberg 
vom 5. Januar 1614). Dieser Bericht wurde von Jacques 
Foillet in Montbeliard 1614 gedruckt. 
93. Sammlung von Originalbnefen des Grafen Johann Frie- 
drich von Württemberg -Montböliard an den Saperinten- 



m56 Brunner. 

denten von Montb61iard über die Unterredung von Dur- 
lach. 1614. 4 Stücke. 

195« . • . Verse zum Lob des Herrn von Gemmingen (gedr.). — 
M6moire gegen den Grafen von Sponeck (gedr.). 
Clermont-Fernand (Bd. XIV) 

324 — 326. Journal de voyages en AUemagne, en Suisse et en 
Italie pendant les ann^es 1789, 1790 et 1791, par le 
comte d'Espinchal. 3 Bde. 135, 139, 191 Bl. 
Ca[en (Bd. XIV) 

562. Papiere des Generals Decaen: 

XXVI. Pikees relatives ä Tarrestation de Decaen pen- 
dant la campagne du Palatinat et k Tarm^e organis^e 
par le Directoire pour faire une descente en Angleterre. 
III Bl. 

XXVII. Copie de la correspondance de Decaen, du 
5 thermidor an VI an 6 fructidor an VII. 40 Bl. 

XXVIII — XXXII. M6moires sur les Operations des 
arm6es du Danube et d'Helvetie pendant la campagne 
de l'an VII, avec une carte. Rapports et lettres de g6n6- 
raux pendant les campagnes de Tan VII et de Tan VIII 
de Tarmee du Rhin: autographes de Jourdan, Vandam- 
mes, Ney, Baraguay-d'Hilliers, Coland, Laroche, Souham, 
Lecourbe, Delaborde, Bonet, Espagne, d'Hautpoult, Rous- 
sel, La Coste, Charreau etc. 106, 170, 455, 194, 172 Bl. 

XXXIII. Memoires sur le pays entre Oppenheim, 
Mayence, Francfort, Hanau, sur TOdenwald, sur une partie 
de la Wetteravie, sur le cours du Mein, depuis Wertheim 
jusqu'A Hanau. 104 S. 

XXXIV. Expos6 sommaire de la nature des difF6rents 
pays situ^s sur la rive droite du Rhin, de Basle ä Cob- 
lentz etc. 91 S. 

Aix (Bd. XVI) 

^37« Journal de la deffense de Landau, commenc6 par M. 
Villemont, Ingenieur en chef de la place, jusqu'4 sa mort, 
et continue par M. de Jonville, jusqu'ä la redition de la 
place le 28 novembre 1704. Planzeichnung der Angriffe 
auf Landau. 

139. fol. 72 — 81: Relation de la campagne de Rocroy, en 
1643, et de Celle de Fribourg en 1644, contenues dans 
redition de 1708 des oeuvres et voyage de Bachaumont 
et La Chapelle. 

fol. 155 — 164. Relation de la deffense de Landau, 
en Tande 1704, par M. Laubanie. 

486 — 497. Sammlung von Denkwürdigkeiten über die Regierung 
Ludwigs XIV, 1664 — 1679. !2 Bde. Bd. L: ... pi6ces 
sur les faicts hdroiques du Roy sur les bords du Rhin, 
en rannte 1672. 176 Bl. 



Quellen zur Geschieh le Badens und der Pfalz. 



m57 



504- Lettere historiche et politiche 1685 — 1687. Mit ver- 
schiedener Paginierung. 172, 34, 32, 34, 108 Bl- 

fol, 2, Uericht über die Ankunft des Nuntius des Hl. 
Stuhles und über die Zeilereignisse, 1683 — 1686, 

foL 97, Korrespondenz mit verschiedenen Kardinälen, 
besonders mit dem Kardinal Cibo. 1684 — 1688. 

fo), j (zweite Zählung). Lettere scritte sopra il ma- 
neggio fatto per la restituzione della Lorena al ser'"* 
duca Carlo. 

foK 12. Lettere scritte per la successione palatina et 
favore della ser*"* duchessa d'Orleans. 

fol. I (dritte Zählung), Lettere di vani negozii e no- 
tizie e altro occorso dalla partenza da Roma del s^ Cardi- 
nale, per venir a Francia, nel mese di giugoo 1683» sino 
al ritomo in Italia dell* Emiuenza sua seguito. Diesem 
Teil ist eine Tafel beigegeben. 
5(3 — 525. M^moires en forme d'histoire, qui renferment plu- 
aieurs pi^ces curieuses. Geschichte Frankreichs 1697 — 
1717. 12 Öde. 

Bd. VUl. >I1 se tenoit 4 la com de TEmpereur des 
conseils frdqucns et secrets , . ,♦, — 585 S. Handzeich- 
nungen: ^Plan de Landow, avec ses attaques- 17 »3- — 
Plan des attaques de Fribourg. 1713.« 
546. Apanage de la duchesse d^Orleans* princesse palatine. 
416 Bl. und einige lose Stücke, 

fol, i. Demandes du si-renissime prinre et seigneur 
M^ Philippe* fils de France, fr^re unique ile S« M. trcs 
chretienne, duc d*Orlcans . , , » et de madame Charlotte- 
Elizabeth, duchesse palatine de Bavi^'re, son cpouse^ 
contre , , . JVl«^ Jean-GulUaume, comte palatin du Rhin, 
ihr^sorier et electeur du S* Empire, duc de Bavifere. 
Antwort des Kurfürsten von Bayern. 
Fondements de la demande. 
Nouvelles preuves des fondements de la de» 

> Conclusion et soumission en la cause com* 
promissoire de la pari de Telrcteur. 

lol. i6y. Conclusi(»n et soumission du duc d'Orleans. 

foL 297, Conclusion derni6re et n'it^r^e, 
752. ChurteSt dipl6mes et üUlres pi^ces [concemant la Pro- 
vooce]. 1123—1830. Sammlung von i 1 5 Originalstücken 
(44 PoT*».) oder Kopien, angelegt von M. Roux-Alph^ran; 
vor ickt ist eine nmerzeichnetc Erklärung» worin 

er rt, dass kcinea dieser Dokumente aus den ihm 

anvertrauten üflentlichen Depots herrühre, 

Nr, 36. Originalurkunde Philipps, Markgrafen von 
Hochberg, Grafen von Neufi h^tel» Herrn von Rütteln. Er 



fol. 


7- 


fol. 


»?• 


rot. 


59 


mande. 




fol. 


tu 



m58 



Brunner. 



ernennt Wilhelm Girard zum Wächter der Gefangnisse 
im Turm von Grasse. 25. März 1500. 
.761, Nostradamus. Histoire de Provence. — S. 1 — 602. >Com- 
mencement de la Chronologie des comtes de Provence 
MLXXX. De ce temps, en Provence, r^;naient Gibert, 
fr^re de Tempereur Redulph, et Tybnrge, mari6s, comte 
et comtesse de Provence, de Rodez et de G3rvaaldan . . .« 
Schluss: ». . . Et le marquis de Rothelin estoit grand 
seneschal.« 16. Jh. Pap. 796 S. 

1032. fol. 61 — 63. Littere Scripte per Florentium, nomine chri- 
stianissimi regis Francomm, ad electores et principes ro- 
mani imperii apud Spiram congregatos, ad commonem 
christianorum pacem amplectendam. Beginnt: »Franciscus 
etc. Redditis a tabellario litteris . . .c — Schliesst: >. . . 
£x Belgenciaco, die sexta mensis octobris 1526.« 

fol. 87 v° — 90. ^Illast^issimis principibus, consanguineis 
nostris carissimis, apud Spiram congregatis. Franciscus etc. 
Malem equidem in tanta rerum perturbatione . . .c undatiert. 

Cambrai (Bd. XVII) 
780. Autographensammlung (Briefe) des Barons von Vuoerden 
fol. 205 — 206 Der Pfalzgraf von Birkenfeld. 17. Jh. 

1 2 2 1 . Reise eines Einwohners von Lille nach Italien und Deutsch- 
land, begonnen am 1 1. September 1647. Mit Zeichnungen 
von Denkmälern und Kopien von aJten Inschriften etc. 
Pap. 121 Bl. Vgl. Mäcon 6., oben S. 53. 

Amiens (Bd. XIX) 
881 — 895. Papiere des Generals de Vault, Direktors des Kriegs- 
depots 15 Bde. 

882. Bd II. 48. Denkschrift über die Schanzen an der Lauter 
vom Gipfel der Berge bis an den Rhein. 

58. Denkschrift über die Belagerung von Philippsburg 

[1708}. 

883. Bd. III. 18. Schilderung der Belagerung von Philipps- 
burg durch die königliche Armee während des Feldzugs 
von 1734. 

19. Verschiedene Punkte, vorgeschlagen und ent- 
schieden zu Mühldorf im Bistum Salzburg von der schwäbi- 
schen Kreisversammlung, betr. die Verpflegung des Kon- 
tingents im Jahre 1734. 

22. Denkschrift über den Speyerbach. 

48. Einzelheiten über die Affaire von Rheinweiler, 
berichtet von dem Marquis de Fremeur, 4. Sept 1743. 

75. Marsch von Freiburg nach Rastatt. 22. Okt. 1744. 

76. Vorschlag zweier Marschstrassen zu Lande für die 
Infanterie, von Altbreisach und von Piesse aus und am 
linken Rheinufer entlang. Okt. 1744. 

77. Darstellung des Marsches von 22 Bataillonen und 
38 Eskadronen der Armee des Marschalls de Maillebois 



Quellen zur Geschichte Badens und der Pfalz. mSQ 

von Breisach und Freiburg aus nach dem Niederrhein. 
II. Nov. 1744. 

79 Übersicht über die Stellung der Truppen, welche 
die Armee des Marschalls de Coigny bilden, während 
des Winters 1744 — 17451 im Elsass, im Breisgau, in 
Schwaben etc. 

80. Übersicht über die Unterkunft der Truppen des 
Marschalls de Coigny. 30. Nov. 1744. 

82. Übersicht über die Aufstellung der schwäbischen 
Kreistruppen nach der Verteilung vom 4. Dez. 1744. 

86. Übersicht über die Truppenaufstellung in Schwaben 
während des Winters 1744 — 1745. 

87. Quartierliste der Armee des M. de Coigny. 

88. Marsch der österr. Armee nach dem Neckar. 
884. Bd. IV. I. Daten der Hauptereignisse des Feldzugs von 

1745 in Bayern und am Rhein. 

18. Befehl an die schwäbischen Kreistruppen, die am 
Rhein verwendet sind. März 1746. 

25. Marsch, festgesetzt auf den 21. Juni 1746 vom 
oberrheinischen Kreis für die Transporte nach dem Kur- 
fürstentum Köln. 

27. Antwort im Namen des Herzogs von Württemberg 
an den Bischof von Konstanz. 28. Juni 1746. 2 Kopien. 

52. Denkschrift betr. die Rheinschiffahrt. April 1747. 

54. Schreiben des M. de Vault über die Linien der 
Queich und von Albertweiler. 4. Juli 1747. 

888. Bd. VIII. 2. Lokale und militärische Bemerkungen über 
das Land zwischen dem rechten Rheinufer von Worms 
bis Mainz, dem linken Mainufer von Miltenberg bis zur 
Mündung und dem Neckar, bezüglich der wirklichen Auf- 
stellung der französischen Heere in Deutschland. Jan. 1 759. 

50. Bericht über die Rekognoszierungen, welche auf 
Befehl des Prinzen von Zweibrücken in der Umgebung 
von Leipzig bis Torgau vorgenommen wurden. 

889. Bd. IX. 46. Denkschrift über den Rheinlauf von Germers- 
heim bis Bingen und von den Waldstüdten bis an den 
Main, wie über das Land zwischen dem Rhein und den 
Vogesen einerseits und dem Schwarzwald andrerseits. 
6. Febr. 1773. 

50. Instruktion für den Chevalier de Lanch^res, Bri- 
gadier der Kavallerie, zur Rekognoszierung des Landes 
zwischen Kinzig, Rhein und Neckar, von dem Comte de 
Saint-Germain. 

890. Bd. X. 16. Plan des Durchbruchs der Linien von Ettlingen. 

41. Übersicht über die Kreistruppen von Schwaben 
und vom Oberrhein, die im Breisgau und von Basel bis 
Mainz liegen. 



ln6o Brunner. 

42. Übersicht über die im Breisgau und in Schwaben 
untergebrachten Truppen, mit dem Lager vor Freiburg. 

44. Denkschrift zur Besitzergreifung des Rheins zwischen 
Hüningen und Philippsburg. 

45. Denkschrift zur Karte des Landes zwischen dem 
Rhein und dem Gebirge von Freiburg bis Hüningen. 

64. Schiffahrt auf dem Neckar. 

80. Rekognoszierung der Strasse von Metz nach 
Oppenheim. 

81. Verbindung zwischen Metz und Oppenheim. 

100. Marschprojekt für die Infanterie von Dürkheim 
nach Trier. 

10 1. Übersicht über die Strassen von Kaiserslautern 
nach Trier. 

892, Bd. XII. 5. Militärische Rekognoszierung der Provinz 
Elsass bis an den Speyerbach einschliesslich, in der Pfalz, 
bis an die Birs einschliesslich auf der Schweizer Seite, 
mit Angabe der Zahl und des Zustandes der Verbindungs- 
wege mit Lothringen und der Franche-Comt6 und der 
hauptsächlichsten Stellungen zur Verteidigung des Rhein- 
gebirgs. 2 Kopien. 

7. Übergang von Elsass nach Schwaben. 

894. Bd. XIV. 4. Mannheim. 1745. 

15. Kantonnierungsplan für die schwäbischen Kreis- 
truppen, Infanterie und Kavallerie. 

1 7. Bericht über den Marsch der rechten Flügelkolonne 
vom Lager von Freiburg in das von Burbach. 

49. Genealogische Notizen: Öttingen, Fürstenberg, 
Solms, Mansfeld, Schwarzenberg, Sachsen. 

895. Bd. XV. (Atlas.) i. Karte eines Teils von Unter-Elsass 
zwischen Sauer und Queich, zum Studium der zwischen 
dem pfälzischen Kurfürsten und dem Herzog von Zwei- 
brücken schwebenden Streitfragen. 

26. Karte der für die Truppen und für die Artillerie 
gangbaren Wege im Lande zwischen Pfalzburg, Bitsch, 
Kaiserslautern und Landau. 

36. Skizze des Mains von Hanau bis Wertheim. 

67. Stück einer Karte des Rheinlaufs, von Philipps- 
burg bis Mannheim, mit Angabe der von den Feinden 
errichteten Schanzen von Neckarau bei Mannheim bis 
Wiesloch. 

68. Studium des Landes zwischen Dürkheim, Mem- 
mingen, Stockach. SchafFhausen, Hüningen. 

70. Karte des Rheinlaufs, von Speyer bis Mannheim, 
mit dem Lager von Mutterstadt, das vom 9. Aug. bis 
29. Okt. 1745 die Armee des Fürsten de Conti einnahm, 
mit den Posten, die man an diesem Teil des Rheins auf- 
stellte, ebenso wie die der Feinde, deren Armee auf dem 



Quellen zur Geschichte Badens ttcd der Pf&lx. 



in6] 



rechten Neckarufer lagerte, mit dem linken Flügel gegen 
Heidelberg, mit dem rechten gegen Ladenbürg. 

76. Lauf des Speyerbachs, von Neustadt bis Speyer, 
mit den Linien und Dämmen, sowie den für ihre Zer- 
stonjog vorgesehenen Überschwemmungen und Schanzen, 
gezeichnet von A. F. G. de Palmeus, Ingenieur und geo- 
graphischem Zeichner des Fürsten de Conti, '752. 
82, Plan von Gennersheim. 

114. Plan des Speyerbachs, militärische Angaben. 

127. Karte der Lager und Märsche, welche die Armee des 
Prinzen de Soubise ausführte von ihrem am 6, Nov, 1757 
erfolgten Aufbruch aus Freiburg bis zu ihrer Ankunft in 
Nordhausen und Mühlhausen am 9. (Nov.). Gefertigt in 
Kassel am 24, Jan. 1758 von »Roger» ingdnieur g6ographe 
du Roi% 

1 58. Übergang üb. d, Rhein durch den Marqais d'Asfeld 
in der Nacht vom 4. zum 5. Mai, mit den Lagern von 
Rhungenheim [Rheingönheim !] und Neckarau» 

159. Plan des Angriffs auf die Lauterlinien, deren sich 
die Feinde in der Nacht vom 4, zum 5. Juli 1744 bemäch- 
tigten, die am gleichen Tag von der Armee des Mar- 
schalls de Coigny und von der des Kaisers unter An- 
führung des Marschalls von Seckendorf eingenommen 
wurden. 

162. Plan der feindh Posten und Kantonnements den 
Rhein entlang von Ettenheim bis Mannheim. Dez. 1 745. 
Le Mans (Bd. XX) 
163. foh 2 2v^, Lettre par ung grant seigneur d'Allemaigne 
[Bernhardus, marchio Badensis] k Tempereur [Sigtsmond] 
, . . Datum in Durlach . . . sabbato post vigiliam sancU 
Laurentii, anno Domini millesimo CCCCXXV. 
266 — 260 bis. Collection de plans laves relatifs aux fortifi- 
catlons des places qui avoisinent le Rhin et autres parties 
de la tactique militaire: 

. . . Die Vorstadt von Landau, Hagenau, Stadt und 
Schloss Freiburg, die Lauterlinie, Lauterburg etc. (Nicht 
mehr aufzufinden.) 
503. Journal de Tattaquc de Fribourg, 18. Jh. 18 BL 
311, Verzeichnis der Truppen, die man in der Kaserne von 

Landau unterbringen kann. (Nicht mehr autzudnden.) 
457. Plan der Stadt und Festung Strassburg, des ForU voa 
Kehl mit allen neuen Werken samt der Umgebung, im 
Masstab von 600 toises. 18. Jh. 
Roanne (Bd. XXI) 

63. Ilin^raire gCn^ral des passages du Rhin et de leurs d^- 
bouches, avec des obscrvations sur !e courant et les dif* 
fcrentes po&itions de cc Heuve, que le S, Hügel, capi- 
taine d'iiifanterie, a reconna miUtairement pur les ordres 



m62 Brunner. 

de M^ le comte de Saxe, Iieutenant-g6n6ral des arm6es 
du Roy, au mois de juillet de Tannc^e 1743. 33 S. 
Nantes (Bd. XXII) 
494. Sammlung von 17 Festungs- und Lagerplänen, darunter 

Philippsburg (18. Jh.). 
II 27. Nouvelles du Roy. 3. Mai — 7. Nov. 1744. Reise und 
Krankheit Ludwigs XV. ; Lager vor Freiburg; Nachrichten 
von Strassburg und Metz; Feldzug in Flandern; Marsch 
gegen den Erzherzog Karl. 162 Bl. fol. 
1158. Briefe und Akten des 17. und 18. Jh., darunter 19 Briefe 
von D'Argenson an M. de Harlay, an den Herzog von 
Zweibrücken, an M. de Langeron. 
II 79. 16 Aktenstücke betr. die Neuschaffung eines deutschen 
Infant.-Regiment8, genannt Royal-Deux-Ponts. Febr. 1757. 
1185. Sammlung von Aktenstücken über die Züge der französi- 
schen Armee in Deutschland während der beiden sieben- 
jährigen Kriege, angelegt von M. de Langeron, darunter 
einige deutsche Briefe: Arm6e du Rhin (1744 — 1747). 
Aas der umfangreichen Autographensammlung (Collection 
Labouch^re, fonds fran^ais 656 — 676; fran^ais 678. 679. 
680. 682. 686. 688. 693 und 2051) kommen in Betracht: 

Briefe des Markgrafen von Baden an den Herzog 
von Enghien (1799), 658, 130—132. 

Briefe d. Grossherzogin Stephanie v. Baden, 660, 236, 237. 

Briefe von Chätelard de Sali^re an den Grafen von 
Langeron (1744 — 1745) üb. d. Rheinfeldzug, 686, 103—106. 

Brief Christians von Zweibrücken (1820), 675, 79. 

Brief Wilhelms von Zweibrücken, dat. Paris, 4. Jan. 
1785, 675, 77. — Zweiter Brief von demselben, dat. 
München, 22, März 1806, 675, 78. 

Autograph des Prinzen von Zweibrücken, des spätem 
Königs Maximilian Joseph von Bayern (nach 1 780), 675, 80. 

Brief des Kurfürsten Friedrich v. d. Pfalz an Philipp 
Ludwig, Grafen von Hanau, Heidelberg, 16 16, 660, 119. 

Brief der Johanna von Hochberg an die Königin, 
dat. 27. Sept.?, 680, 105. 

Aktenstück, unterzeichnet und besiegelt von Ludwig, 
Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, 680, 128. 

Brief der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans 
an den Bischof von Avranches (17 10), 670, 203 bis. — 
Ein zweiter Brief von ihr, 670, 203 ter. 

Brief Johann Reuchlins an Vadianus (15 12), 674, 175. 

Autograph von De Verbois, Breisach, 1787, 686, 422. 

Brief des Marschalls von Vieilleville an den Rhein- 
grafen (1562), 665, 28. 
Bordeaux (Bd. XXIU) 
166. loannis Friburgensis sive Lectoris Summa confessorum. 
14. Jh. Perg. 277 Bl. 



Quellen zvlt Getchkbte Badens und der Pfatx. 



m63 



168. loannis Friburgensis sive Lectoris Summa confessomni. 

14. Jh. Perg, J84 Bl. 
696. Verschiedenes: fol. 53 V,'' Verse »Sur la victoire remport^e 
cn Allemagne par M. de Vilars sur le prince Louis de Bade : 
>TVemblez, süperbes Allemaus . . ,< 

1041 — 1042. Briefe des Kaufmanns Honorat Laine in Bordeaux 
(25. brumaire XJl. — 8. Sept. 1807). Kopien. Unter 
den Korrespondenten befindet sich auch Herzog Wilhelm 
von Zweibrücken in München. 

Rcnnes (Bd. XXIV) 
289» »Journal du siege de Landau*, vom 6. Sept. bis 24. Nov, 1 704, 
von dem Ftatzkommandauten Genera Uieutenant Vriez de 
Magoutier de LaubanJe. 127 Bl. mit 3 Plänen in Tusch: 
A. Les ataques depuis l*ouverture de la tranch^e jusqu' au 
logement du chemin couvert, — B. Les ataques depuis 
le Jogement du cl»emin couvert jusqu' a ta reddition de la 
place. — C. Les rairies et relranchements que la garnison 
aurait souhaite pouvoir taire. Das Tagebuch ist dem 
Kriegsminister Chamillard gewidmet zur Vorlage an den 
König. 
292, Plan de Philisbourg assiege par l'arm^e franvoise. la nuit 
du 1. juin (1734) au 2. du m^me mois, commendu par 
M*^ le mar^chal de Bervik. oü toules les tranch^es sont 
detaillees depuis led. joui jusques au 19 du m^me mois* 
conduites aux ordres de M^ le mar^chal d*Asfeld, com- 
mendant Tarm^e pour la mort de ce premier, tu*^ dans 
la lunette B le 12, ä 8 heures du matin Beig^eben: 
Etat des bateries eraployus par Tarm^e franvoise contre 
Phihsbourg, le 19 juin 1 734. Total: ^2 mortiers, 47 canoni». 

Fontainebleau (Bd- XXIV) 

17. 4 Sammelbande, angelegt von dem Genchtsschreiber 
R. Guendre, Fontainebleau 1839. Bd. IV* enthält u, a. 
Auszüge aus den Denkwürdigkeiten von Maurepas über 
Ludwig XIV. etc. und Wilhelm von Fürstenberg. An der 
Spitze jedes Abschnittes steht die Karrikatur der darin 
behandelten Person. 1054 und XXXU S 

tpernay (Bd. XXIV) 
121. Bd. XXXI 11 (J734) cntlirilt u, a. ein Tagebuch über die 

Belageiung von Philippsburg von Bertin du Rocheret. 
124. Bd. XXXVl (1737). Brief des Stabsarztes de Villers an 
seinen Vater über die Räumung von Philippsburg. 

Poitiers (Bd, XXV) 
153. Jnsectorum icones, pii>.xtl Sebastien Dürr d'Ubi 

31 Tafeln j ziemlich gute Aquarellbilder. — Flores ^ 1 

Icanes. 13 Tafeln. — Brief von Garaud, Pfarrer von Coube, 
von dem aucli die Tagenden auf der Rückseite jedes 
Bildes stammen. iS. Jb (a^if dem «raten Blatt 1800}. 



m64 Brunner. 

334, Projet de l*6tablissement des gardes provinciales du Rhin 
et des fronti^res de la province d'Alsace, pr6sent6 par 
le baron d'Andlau ä M. le mar6chal de Coigny, en ex^- 
cution des ordres de Sä Majest6, conform^ment aoz in- 
tentions du Ministre suivant sa lettre du 15 juillet 1744. 
— Kopie dieses Briefes. 117 BI. 

455 — 543« Collection Fonteneau: Bd. LXXIII, S. 205 — 852. 
Korrespondenz von Du Plessis-Mornay : Briefe von Johann 
und Friedrich, Pfalzgrafen bei Rhein, 31. Aug. 1601 und 
26. Dez. 1610. 
Valenciennes (Bd. XXV) 

22. Codex monasterii in Spanheim, ordinis sancti Benedicti. 
1491. — Hie continentur super Genesim quedam expositio 
moralis; super principio Genesis alia brevis expositio; 
super Genesim de figuris moralibus; super Exodum de 
figuris et moralizationibus; Henricus de Hassia super sym- 
bolo Apostolorum; sermo Clementis pape 6 de adventu 
Domini; Clemens papa idem de penitentia; Leonhardi 
de Giphono plura et notabilia excerpta; recapitulationes 
veteris Testamenti metrice ; Concordantie quatuor evangeli- 
starum metrice; Catho moralis in latino et theutonico. 
15. Jh. Pap. 212 Bl. Farbige Initialen. 
98. fol. 85 — 155. Heinrich von Schwaben, Horologium sa- 
pientie. 15. Jh. 

233. Smaragdus. Diadema monachorum. »Hunc modicum li- 
bellum Smaragdus de dlversis virtutibus collegit et nomen 
Diadema monachorum imposuit . . .« 

fol. 188. »Incipit meditatio beati Bernardi abbatis. — 
Multi multa sciunt . . . Explicit meditacio sancti Bem- 
hardi abbatis, scripta per fratrem N., in Spanheym, anno 
Domini CCCCLXXX, in die sanctorum martirum Johannis 
et Pauli.« 

fol. 2i9v.° »Exercicium breve et Optimum. — In tri- 
bus hiis exerciciis te diligenter examina. . . Explicit in 
Spanheym.« 

238. fol. 7. Centrum meditationes cum totidem orationibus de 
Passione Domini, authore Henrico Suso, ordinis Predi- 
catorum, ex Horologio sapientiae. 

487. Memoire g6ographique sur TEmpire. 

fol. 21. Memoire sur les 6tats particuliers de TEmpire 
et les principales maisons d'Allemagne. 18. Jh. 70 BI. 

544. Kollegienhefte: In Justinum annotationes ex praelectionibus 
domini Johannis Jacobi Berrer, philosophiae decani et 
historiarum professoris. Friburgi Briscoviae, MDXCV. 
Beigefügt eine Betrachtung der Bücher i — 24 des Justin 
von der Hand Karl Alexanders von Croy. 327 Bl. mit 
dem Wappen von Croy. 



Arcbivalieii aus Orten des AmUbezirks Bruchsal. 



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dürfen. — 17S7. Verzeichnis der Pfarrbücher. Verordnungenj 
Pfarrakten, Reskripte etc, von A. Stephan» Pfarrer in O. und 
Rheinhausen. — 1792 Januar 10. Bruchsal. Nähere Bestim- 
mungen des Gcneralvikariats wegen der erlassenen Schulordnung. 

14» ObcfÖwisheim.*) 

iKathoL) Pfarrei. 

17161T. Kirchenbücher für O. und Fihal Neuenbürg, — I720ff. 
Kirchenrechnungen. — 1722 — 41, Rechnungen der speierischen 
domkapitularischen Bursae pauperum. — 1746 ff. Statuta, decreta, 
ordinationes emanatae a Francisco episcopo Spirensi. — 1760 
Januar 20. Bruchsal Privilegium för den Hochaltar S. Mauritü 
zu O. Pap.-Orig. — «7ö3lf. Die von Karl Adolf Jos. Freiherm 
von Mirbach gestiftete Engelmesse betr. — 1766. Akten über 
drei gestiftete Knizifixbilder. — 1770 Januar 2 u. 1778 Januar to, 
Ablassbreven für die Kirchen zu O. und Neuenbürg. — 1772 
März 25, Die in der Kirche zu O. gestifteten Anniversarien. — 
1775 Dezember 7. AufTorderung des Amtmanns zu O. an den 
Pfarrer daselbst, in der Engelmesse die Gebete pro iraperatorc, 
ordinario ei fundatore nicht zu unterlassen. — 1781 Januar 6. 
Erklärung der Einwohner zu O., dass sie die Engelmesse wie 
stiftungsgemäss Morgens to Uhr abgehalten wünschen. — 1781 ff. 
Akten in Prozessachen der kathol, Gemeinde zu O, und Neuen- 
burg wegen verschiedener Gerechtsame; i Faaz. — 1783 ff» Drei 
Erlasse des Vikariats zu Bruchsal über Verlegung des Ablasses 
in der Kirche zu Neuenbürg. — 1786 ff. Bischufl, Verfügungen 
über die Verwaltung des Kirchenvermögens zu Neuenbürg; i Fasz, 

— 1789 März 31. Vorschlag zur Vereinigung der Kapitalien der 
Engelmesse mit dem Heiligenfond. — 1789 Mai 8. Abschläg- 
liche Verbescheiduni^ dieses Vorschlags durch das General vikarial. 

— 1791. Baurechnung über die Vergrösserung und Ausbesserung 
der unteren Kirche zu O, mit Plan und Urkunden, — 1791 ff* 
Kurze Geschichte der unteren Kirche genannt »O Maria, verlass 
uns nicht!«, zugleich Geschichte der kathoL Pfe^rrai und der 
Kirchen zu O. 

15. Odenheim.^i 

(KathoL) Pfarrei. 

iöQ5ff. Kirchenbücher. — »734 ff- Bischöfl. Verordnungen. — 
1757. Odenheimer Heiligen-Kapilel-Buch mit Eid und Instruktion 
der Heiligenpfleger* — 1785 ff* Über convcrsorura ecclcsiae pa- 
rochialis O. — 1799 ff. Amtliche Resolutionen und Reskripte, 
darin: Erneute kirchliche Politei-Ordnung für die Pfarrei O. vofin 
reichsritterschaftlichen Amt und Pfarrer, 



Die Archiviiricn der Gdt. nnd evangel, PtarTci Mm. 13» 'U^ -— 
*) Die Archivalicn der Gde. Mitt. 15, 1 1^. 

ittit, .1. ß«d. HUi, Rom, Nr. ». 8 



inii4 Ehrensberger. 

i6. Östringen.i) 

(Kathol.) Pfarrei. 

1623 ff. Heiligen-Rechnungen. — 1628 fF. Kirchenbücher mit 
Anniversarienverzeichnissen von 1524 an — ijiSff. Bischöfl. 
Verordnungen; 2 Fasz. — 1722 Februar 9. Urkunde über die 
im Jahr 1634 dem hl. Sebastianus wegen der Pest gestif